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Die Musikexperten von Qobuz stellen in jedem Genre Alben zusammen, die jeder kennen sollte. Diese Alben haben die Musikgeschichte mitgeschrieben und sind zu Meilensteinen geworden. In der perfekten Schallplattensammlung finden Sie die symbolträchtigsten Werke, die Ihr Musikwissen erweitern.

Die Alben

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Metal - Erschienen am 17. April 2010 | Rhino Atlantic

Hi-Res Auszeichnungen Qobuz' Schallplattensammlung - Hi-Res Audio
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Hard Rock - Erschienen am 1. Januar 2010 | UMC (Universal Music Catalogue)

Auszeichnungen Qobuz' Schallplattensammlung
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Hard Rock - Erschienen am 27. Januar 2009 | Rhino - Warner Records

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Hard Rock - Erschienen am 19. Mai 2003 | Rhino - Elektra

Hi-Res Auszeichnungen Qobuz' Schallplattensammlung
1968: Vor einem Gig in Detroit betrachten die Mitglieder von MC5 den gefüllten Konzertsaal, und was sie dort an den hinteren Wänden erspähen, gefällt ihnen gar nicht. An den Ausgängen haben sich Polizisten reihenweise postiert, nur darauf wartend, in den Auftritt der Band einzugreifen. Backstage nehmen sich daraufhin vier der fünf Rock-Revoluzzer ihren Sänger Rob Tyner zur Brust. Mehrmals versuchen sie ihm einzubläuen: "Egal, was du auf der Bühne machst, lass' bloß bei 'Kick Out The Jams' das 'Motherfucker' weg!" Der Gruppe, die zu diesem Zeitpunkt bereits einige Erfahrung mit der unverhältnismäßigen Härte der Exekutive gemacht hat, schwant Übles. Ein derartiger Kraftausdruck bei einem Live-Konzert stellt in den USA Ende der Sechziger Jahre einen Affront gegen das Establishment dar und wird als Sittenwidrigkeit hart bestraft. Als die Band bei der heißen Textpassage ankommt, holt Tyner tief Luft und brüllt so verständlich wie nur möglich: "Kick out the jams, motherfucker!" ins Mikrofon. Was dann passiert, überrascht wohl keinen der Anwesenden. Kurz nachdem Rob Tyner die F-Bombe detonieren lässt, räumt die Polizei den Saal und buchtet die Störenfriede ein. Mit dieser Attitüde untermauerten MC5 ihren unbändigen Freiheitsdrang, der in dieser Zeit durch die gesamten Staaten schwappte und sich auf in Musikern manifestierte, die künstlerische Grenzen ausloteten und nebenbei ganze Genres begründeten. Damals stand "Kick Out The Jams" für das Sprengen gesellschaftlicher Ketten. Heute für eines der wichtigsten Debütalben der Rockgeschichte. Wer nach den Wurzeln des Punks gräbt, stößt neben den Stooges mit Sicherheit auf diese energiegeladene Abrissbirne aus Detroit. Die Motor City ist 1964 die Brutstätte für den harten, rotzigen Sound des Quintetts. Rob Tyner (Gesang), Wayne Kramer (Leadgitarre), Fred Smith (Rhythmusgitarre), Michael Davis (Bass) und Dennis Thompson (Schlagzeug) tun sich in diesem Jahr zusammen. Ihre Mission: Rock'n'Roll und Rebellion. Die dreckige, laute Industriestadt hält für die fünf jungen Männer eine überschaubare Auswahl an Perspektiven bereit. Sie entscheiden sich gegen einen Job in einer der Fabriken, die wie rauchende Kolosse die Skyline der Stadt einnehmen, und gründen stattdessen eine Band. Die tiefe Verbindung zu Detroit macht sich gleich im Namen bemerkbar, den Rob Tyner für die Gruppe auswählt. Ihn erinnert die Kombination MC5 an eine Seriennummer für Autoteile. Erst später fällt der Gruppe auf, dass MC für Motor City stehen könnte. Oder Marihuana Cigarettes. Oder Much Cock. Oder Mongolian Clusterfuck. Die Liste ließe sich wohl ewig weiterführen, denn die MC5 waren bei der Bedeutungsfindung ihres Akronyms ebenso kreativ wie in der Musik. Im Detroiter Vorort Lincoln Park lassen sie täglich die Verstärkerröhren glühen und zimmern in ihrem Proberaum einen aggressiven Sound zusammen, der klassischen Rock'n'Roll, Hardrock und Blues zu etwas ganz Neuem fusioniert. Auch mit ihren ekstatischen Live-Auftritten macht sich die Band schnell einen Namen. MC5 entfesseln auf der Bühne ein Inferno aus Riffs und Vocals, das aus den Vox-Verstärkertürmen auf das Publikum einschlägt. Ein akustischer Befreiungsschlag, den die ältere Generation als Untergang des Abendlandes erlebt. Dass die Eltern die Musik der Kinder nicht verstehen, ist wohl ein ewiger Zyklus, der sich mit jedem Generationswechsel wiederholt. In den Sechziger Jahren war der "Krach", der aus den Jugendzimmern drang, jedoch Ausdruck eines ernsthaften Konflikts, der sich durch die gesamte USA zog. Der Vietnamkrieg und die Bürgerrechtsbewegung spalteten das Land. Massenproteste gegen einen brutalen und scheinbar aussichtslosen Kampf gegen den Kommunismus in Indochina eskalierten zunehmend, während die Regierung hinter jeder Demonstration eine rote Verschwörung vermutete. Nach dem Attentat auf Martin Luther King Jr. kam es zu heftigen Ausschreitungen in vielen US-Städten. Die Regierung antwortete darauf mit dem Einsatz der Army und der Nationalgarde. Die Staaten waren zuletzt beim Bürgerkrieg so zerrissen. Der revolutionäre Sound von MC5 kanalisiert diese Stimmung und liefert der neuen Generation die musikalische Begleitung für die Revolte. Der Proto-Punk aus Detroit bläst nicht nur den Staub aus den Boxen, sondern läuft auch im Hintergrund, wenn die jungen Menschen den Muff aus den alten Gesetzen und Konventionen vertreiben. Bei einer Demonstration gegen den Vietnamkrieg in Chicago spielen MC5 ein achtstündiges Set, bei dem sie den Strom für ihre Amps aus einem Hot-Dog-Stand abzapfen. Kurz nach dem Auftritt stürmt die Polizei die Veranstaltung und setzt Tränengas gegen die Teilnehmer ein. Immer wieder überwacht das FBI die Gigs der Truppe, die auch wegen ihrer Verbindung zu Michigans Hippie-Galionsfigur John Sinclair ins Visier der Behörden gerät. Der Manager der Band gründet zusammen mit seiner deutschen Frau Leni Sinclair die White Panther Party, in der sich weiße Bürger für die Rechte von Afroamerikanern einsetzen. John Sinclair fordert in der Agenda der White Panther die Legalisierung aller Drogen und die Befreiung der Soldaten. Dahinter dürften auch die MC5 stehen, die mit einer Menge LSD und Gras ihre Kreativität befeuern. Nachdem sich MC5 bei zahlreichen Battles of the Bands gegen ihre Kontrahenten durchgesetzt haben, darunter auch Cream, wird Danny Fields auf die Truppe aufmerksam. Fields ist für den Bereich Artists and Repertoire bei Elektra Records zuständig. Er tätigt einen Anruf, der im Musikgeschäft heute legendär erscheint. Mit einem Telefongespräch nimmt er die MC5 sowie die Stooges um Iggy Pop, die ebenfalls aus der Motor City stammen, unter Vertrag. Mit dem Major-Deal ermöglicht Elektra Records den MC5 den nationalen Durchbruch. "Kick Out The Jams" erscheint 1969 und transportiert die rohe Energie der Live-Performances direkt in die Haushalte der Fans. Produzent Bruce Botnick entschließt sich dazu, die LP als Live-Album im Grande Ballroom in Detroit aufzunehmen. Dort spielen die MC5 bereits seit einigen Jahren als Hausband, was die Session zu einem furiosen Heimspiel macht. Bevor die Band mit "Ramblin' Rose" ihren Einstand gibt, stimmt J.C. Crawford das Publikum mit einer inbrünstigen Predigt ein: "Are you ready to testify? Are you ready? I give you a testimonial! The MC5!" Crawfords Stimme überschlägt sich, während das eingängige Riff ihm das letzte Wort abschneidet. Die fünf aus der Motor City denken nicht daran, langsam anzufahren. Pedal to the Metal heißt die Devise. In einem überdrehten Falsett quietscht Rob Tyner durch die Strophen, während Dennis Thompson wie ein Berserker auf seine Felle eindrischt. Dabei spielt die Band so on point, dass die Ekstase im Saal spürbar wird. Bassist Michael Davis beschreibt MC5 in einem späteren Interview als eine einzelne Person, was man ihm bei dieser Harmonie sofort abkauft. Wegweisend bleibt auch die Experimentierfreude, die die Band auf der LP an den Tag legt. Hier meißeln die Jungs nichts in Stein, alles ist erlaubt. Die im Punk üblichen, schnörkellosen Zweiminüter scheinen immer wieder durch, doch die Truppe aus Detroit erweitert den Sound stets mit Tempowechseln, Noise-Experimenten und psychedelischen Passagen. MC5 schlagen mit einer Machete Pfade in den unerforschten Alternative-Dschungel, die später noch von vielen Generationen verfestigt werden sollen. "Come Together" gestaltet sich als eine solche Expedition. Tyner bellt fast orgastisch in die Dunkelheit und Gitarrist Wayne Kramer quetscht dabei sämtlichen Saft aus seiner Stratocaster. Möchte man hier eine Wortschöpfung bemühen, könnte Proggressive-Punk gut ins Bild passen. Mit dem John-Lee-Hooker-Cover "Motor City Is Burning" tränken MC5 auch den Delta Blues in Blut und Schweiß. Der Track schreitet ächzend zu seinem Höhepunkt, ehe er glorreich im Effektgewitter ausklingt. Seinen psychedelischen Höhepunkt setzt das Album zum Schluss, als MC5 in fiebrigen achteinhalb Minuten Auszüge aus einem Gedicht des Jazzmusikers Sun Ra zitieren. Die flirrende Atmosphäre, die direkt aus einem schlechten Trip entnommen scheint, würde sich ebenso gut auf einem The-Doors-Album machen. Abseits der Musik sorgt die LP ebenfalls für Aufregung. In den Liner Notes, die John Sinclair für "Kick Out The Jam" verfasst hat, beschreibt der White-Panther-Aktivist das kulturelle Modell hinter den MC5: "There is no separation. They live together to work together, they eat together, fuck together, get high together, walk down the street and through the world together." Die Beschreibung dieses Lebensentwurfs fällt für viele Plattenhändler zu deftig aus, weshalb sich die Läden weigern, die Platte in ihr Sortiment zu nehmen. MC5 haben da so gar keinen Bock drauf und schalten eine Anzeige im Underground-Magazin "The Fifth Estate". Dort heißt es: "Kick out the jams, motherfucker! And kick in the door if the store won't sell you the album on Elektra. Fuck Hudson's!" Hudson's war ein Einkaufszentrum in Detroit, das sich ebenfalls weigerte, "Kick Out The Jams" zu verkaufen. Da die Band das Logo des Labels Elektra prominent auf der Anzeige platziert, reagiert Hudson's damit, sämtliche Elektra-Releases aus dem Sortiment zu entfernen. "Whoops", denkt sich die Band und ahnt, dass sie damit den Bogen überspannt hat. Tatsächlich reicht es der Plattenfirma. Elektra schmeißt die MC5 nach nur einem Album wegen unprofessionellen Verhaltens aus dem Vertrag. "Kick out the band, motherfucker!" Das Vermächtnis der Band bleibt auf Elektra aber bestehen. "Kick Out The Jams" fängt wie kaum ein zweites Album den Umbruch in der US-Gesellschaft ein. Die damalige Generation widersetzte sich dem blinden Patriotismus, der bisher in der Nachkriegszeit herrschte, und kämpfte für mehr Freiheit, Transparenz und Frieden. Jeder wollte wissen, wie weit man gehen kann und wohin der Weg am Ende führt. Die MC5 haben mit "Kick Out The Jams" die musikalische Bresche dafür geschlagen. © Laut
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Metal - Erschienen am 20. Februar 1996 | Rhino Atlantic

Hi-Res Auszeichnungen Qobuz' Schallplattensammlung
And now for something completely different: ein Ungetüm, das in seiner Brachialgewalt und alles verschlingenden Macht seinesgleichen sucht. Ein Biest, wie es nur alle Jubeljahre das Schattenreich verlässt. Ein Kulturen-Clash, der zentnerschweren Metal mit den Rhythmen und dem Gesang brasilianischer Ur-Einwohner vereint. Dies sind die Wurzeln, dies ist die exzessive Inbrunst, dies sind die "Roots" von Sepultura. Der kongeniale Vorgänger "Chaos A.D." stellte bereits die Weichen, doch erst auf ihrem sechsten Longplayer geht die Saat auf. Sepultura treten zugunsten der Intensität auf die Bremse. Statt, wie vorher, dreißig Ideen in einen einzigen Track zu packen, konzentrieren sie sich auf das Wesentliche. Ein verstörendes, hässliches Chaos aus lärmenden Hardcore-Elementen, atemberaubenden Percussion-Explosionen und bitterbösen Noise-Orgien. Ein Voodookind, das mit seiner überbrodelnder Wucht Genre-Grenzen niederreißt. Aggressor Max Cavalera zeigt sich in Bestform. Andreas Kisser verzichtet fast komplett auf Soli, stimmt seine Gitarre in grobschlächtige Tiefen und lässt die Saiten sadistisch schlackern. Doch seine wahre Stärke zeigt das von Ross Robinson produzierte Album erst, sobald Bassist Paulo Xisto Pinto Jr. und Schlagzeuger Igor Cavalera mit Hilfe von Gast-Perkussionist Carlinhos Brown und Korns David Silveria dem Fieberwahn verfallen. Dann verschmilzt "Roots" zu einem einzigen hochgefährlichen, um sich wütenden Rhythmus. Um näher an die Quelle zu gelangen, treffen sich Sepultura im brasilianischen Urwald mit dem Xavante-Stamm. Drei Tage lang nehmen sie ihre gemeinsamen Jams mit einem an ihre Autos angeschlossenem Aufnahmegerät auf. "Die Idee zu 'Roots' verdanke ich einem verschwommenen Traum, in dem ich in den Regenwald ging. Wein könnte ebenso eine Rolle gespielt haben", erklärt Cavalera. "Als wir am Ende wirklich im Wald aufnahmen, war das eine unglaubliche Erfahrung. Das ganze Album war für mich eine riesige persönliche Reise. Einige Tracks klingen wie Mantras, sie haben etwas Hypnotisches. Unsere brasilianischen Wurzeln sind erkennbarer denn je." "Roots Bloody Roots", grölt, spukt und ätzt uns Cavalera im perfekten Opener mit einem kaum enden wollenden Brunftschrei entgegen. Sepultura springen uns wie eine Raubkatze aus dem Dickicht des Dschungels mitten ins Gesicht und treiben ihre Krallen tief in unser Fleisch. Innerhalb weniger Sekunden erklären sie in diesem schwerfälligen Hulk von einem Song ihr neu entdecktes Konzept. Kissers infernalische Gitarren treffen auf grollende Bässe und Tribal-Drumming. Mit der manischen Raserei "Ratamahatta" begeben sich die Brasilianer endgültig in unbekanntes Territorium. Ein Teufelswerk, in dem sich die unterschiedlichen Einflüsse des Albums im Wahnwitz verbinden. Ein Track, der wild um sich schlägt und völlig aus seinem Rahmen ausbricht. Hektisch, verdreht und unerhört. Jede Sekunde des teilweise auf Portugiesisch randalierenden Songs kommt einer Eruption gleich. Korns Groovesocke David Silveria und der brünstige Carlinhos Brown unterstützen das Tohuwabohu. "Attitude" schlägt hart und aggressiv eine Brücke zu früheren Platten. Ein Teil des Textes stammt von Max' Stiefsohn Dana Wells, der kurz nach der Veröffentlichung von "Roots" bei einem Autounfall ums Leben kam. Sein Tod lieferte einen der Gründe für die bald folgenden Auseinandersetzungen zwischen Band und Sänger. Das mitleidlose "Breed Apart" mündet mit seinem kompromisslosen Text in einem weiterem Perkussion-Inferno. "Straight old thoughts / To force you down / Raping rape / Breed apart." Die beiden Instrumentals "Jasco" und "Itsari" wirken in der lärmenden World Music-Metal Umgebung zuerst fehlplatziert und wie der endgültige Angriff auf alte, eingerostete Hörgewohnheiten. Dabei schließen sie den Kreis um "Roots" und vervollständigen dessen stimmige Atmosphäre. Gerade in "Itsari" und dem Hidden Track "Canyon Jam" stehen nicht mehr Sepultura, sondern der Xavante-Stamm im Mittelpunkt. Mit Kissers akustischer Gitarre, meditativen Percussions und traditionellen Stammesgesängen blicken sie von der anderen Seite des Spektrums auf die eingegangene Verbindung. Im düster brutalen "Lookaway" kreuzt sich der von Cavalera geschriene Refrain mit Jonathan Davis psychopathischem Flüstern, während Mike Patton im Hintergrund summt, gackert, verrückt spielt und seinen Hals zerschreddert. House Of Pains DJ Lethal unterstützt dieses beängstigende Gebilde mit bedrohlichen Scratches. Im aggresiven Hardcore-Thrash-Punk-Song "Dictatorshit" rechnen Sepultura mit vor Wut geballter Faust mit der von 1964 bis 1985 dauernden brasilianische Militärdiktatur ab. "Endangered Species" ruft die Apokalypse aus. "Are we going to see another day? / Are we going to make it all the way? / Are we going to see the light of day? / Are we going to make it till the end?" Nicht in dieser Besetzung. Noch 1996 trennen sich Band und Sänger im Streit. Weder die mit dem neuem Frontmann Derrick Green ausgestatteten Sepultura noch die von Cavalera ins Leben gerufenen Soulfly können, trotz manchem Zwischenhoch, an ihre Glanzzeit anknüpfen, in der sie mit "Arise", "Chaos A.D." und dem finalen "Roots" einen Meilenstein nach dem nächsten veröffentlichten. In "Born Stubborn" fasst Cavalera diese Ära prophetisch zusammen: "Sepultura in our hearts / Can't take it away / These roots will always remain." © Laut
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Hard Rock - Erschienen am 1. Januar 1991 | Geffen

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Metal - Erschienen am 1. August 1991 | Blackened Recordings - Universal Music

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Nach ...And Justice for All beschloss Metallica, dass eine Vereinfachung und Straffung ihres Sounds angebracht wäre. Während dieses Urteil aus musikalischer Sicht sinnvoll war, bot sich gleichzeitig auch die Gelegenheit, ihre Musik zu kommerzialisieren, und Metallica hat beide Ziele erreicht. Die besten Songs sind melodischer und direkter. Die pochenden, reduzierten Grooves von „Enter Sandman“, „Sad But True“ und „Wherever I May Roam“ halten sich an die herkömmlichen Strukturen, während die klare, professionelle Produktion von Bob Rock den Stücken mehr Eingängigkeit verleiht. „The Unforgiven“ und „Nothing Else Matters“ vermeiden die brandheißen Gitarrenriffs, von denen die Balladen der Band immer schon unterbrochen wurden. Metallica ist ein gutes, aber nicht wirklich großes Album, dessen besten Momenten verdientermaßen die Heavy-Metal-Krone gebührt. Der Ansatz des Albums lässt aber schon einen kreativen Niedergang erahnen. © Steve Huey /TiVo
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Hard Rock - Erschienen am 21. Juli 1987 | Geffen

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Hey Slash, do you know where the fuck you are? Wohl eher nicht, wollte man glauben, als während der ohrenbeleidigenden Halbzeitshow des Superbowls 2011 in Texas direkt nach der musikalischen Großtat "Boom Boom Pow" ein glitzernder Zylinder aus der Bühne gefahren kam und der Gitarrist die vertrauten Klänge des "Sweet Child O' Mine"-Intros spielte. Inmitten eines Black Eyed Peas-Sets. Der Leadgitarrist und seine Gibson Les Paul hatten zwar schon länger einen Narren an Peas' Augen-Aufputz Fergie gefressen, die gemeinsame, uninspirierte Performance war jedoch surreal at best. Fergie nahm sich ein Herz und schlachtete den Song vor einem Millionenpublikum auf grausame Art ab. Und irgendwo in einem kleinen Kämmerlein vergoss Axl Rose eine Träne. Take Me Home! Was waren Guns N' Roses doch für eine Band, eine Urgewalt. Unberechenbar, gefährlich, mit Straßenlegenden großgeworden, von Drogen zerfressen, mit perfekten Songwritingkünsten gesegnet. Damals, als Mitte der 80er in Los Angeles der Hair- und Glammetal regierte, die Schminke im Gesicht mindestens gleichbedeutend war wie das Gitarrenriff. Und in eben jene bemalte Fratzen sprangen die Gunners mit dem Arsch voran, und zwar mit Anlauf. Ungestüm, punkig und doch mit genug Groove und alten Rock'n'Roll-Anleihen, dass für jeden etwas dabei war. Zur richtigen Zeit trafen sich Axl Rose, Slash, Izzy, Duff und Steven aus unterschiedlichen Bands auf dem Sunset Strip in Hollywood, wurden dickste Kumpels und machten frisch eine eigene Combo auf. Alte Versatzstücke aus den Vorgängerbands wurden eingebracht und gemeinsam finalisiert, aus neuen Gemeinsamkeiten entstanden neue Songs. Mit der exzessiven und naturbelassenen Bühnenperformance war die Aufmerksamkeit von Geffen Records schnell erregt: Damals ohne Haarspray und in normaler Straßenkleidung die Bühne zu entern, grenzte ja fast schon an Frevel. Schließlich wurde es Zeit, die Explosivität der Band auf Platte zu pressen. "Appetite For Destruction" war der Startschuss zu einer bombastischen Karriere, die heute noch als Legende für das Leitmotiv Sex, Drugs and Rock'n'Roll steht. Auch der Entstehungsprozess dieses Debütalbums war vor Geschichten der Ausschweifung und moralischen Verfehlung jeder Art nicht gefeit: Während den Aufnahmen zu "Rocket Queen" suchte Axl nach einem Effekt, mit dem er das lange Gitarrensolo unterlegen konnte. Schnell kam die Idee. Ein paar Kerzen und Polster wurden verteilt, dann führte Axl die damalige Freundin von Drummer Steven Adler in den Aufnahmeraum und entlockte ihr auf horizontale Art die Verzückungsschreie, die später auf dem Album zu finden sind. Stickman Adler hat es am nächsten Tag wieder vergessen, die auf Tonband verewigte Dame, Adriana Smith, quälte sich doch jahrelang mit Scham- und Schuldgefühlen. Der Bruch mit herkömmlichen Konventionen, Erwartungen und Ansichten stand für Axl, Slash und Co. stets weit oben auf der Bandagenda. Dabei waren die Gunners ein wunderbares, fast kitschiges Beispiel für unterschiedliche Typenklischees in einer Rockband. Axl war der charismatische, gesprächige, aber auch egozentrische Frontmann, Slash der mysteriöse Leadgitarrist, der seine Augen stets mit Sonnenbrille oder Lockenvorhang versteckte. Duff McKagan war der großgewachsene Punker mit Nietengürtel aus Seattle, Izzy der klassische Rolling Stones-Fan, der sich eher im Hintergrund hielt, Steven der energiegeladene, naive Lachbolzen. Schlagzeuger Adler und Bassist Duff legten mit ihrem tighten Rhythmus das zwingende und swingende Soundfundament, das genrefremde Atmosphären der Beat- und Soulmusik der 70er-Jahre atmete – alles schwingt, alles lebt und bewegt sich. Die Leichtfüssigkeit wird von perfekt ineinander greifender Gitarrenarbeit im Zaum gehalten, wo sich Leadgitarrist Slash auch gern mal Platz nimmt und arschcoole Soli aus dem Ärmel haut. Und über all dem steht Mr. William Bruce Bailey mit kreischenden Rasiermessern anstatt Stimmbändern. Daraus entstanden 53 Minuten Rockmusik für die Ewigkeit, die direkt und unvermittelt Spaß machen. Mehr als die Hälfte der Songs galt binnen kürzester Zeit als Instant Classics, "Paradise City" und "Welcome To The Jungle" schafften fast über Nacht den Sprung in Sportveranstaltungen, Film und Fernsehen sowie das kollektive Verständnis, was gute Rockmusik ist. Das Album erschien ja noch in grauer Vinyl-Vorzeit, wobei die Aufteilung in Seite A und B in diesem Fall auch eine thematische Abgrenzung ist. Die Seite A beziehungsweise die ersten sechs Songs sind die "Guns", die Geschichten über die Straße, die Drogen und das Leben mit beidem. "Welcome To The Jungle" und "Paradise City" erzählen vom Respekt, den Landkind Axl vor der Großstadt hat, während "Out Ta Get Me" seine Probleme mit dem Gesetz schildern. "Nightrain" und "Mr. Brownstone" drehen sich um die Erfahrungen mit bewusstseinserweiternden Substanzen, die durchaus autobiographisch zu verstehen sind: Bevor die Band nach "Appetite" wieder gemeinsam an Songs arbeiten konnte, waren vier von fünf Mitgliedern in der Reha, manche nicht zum letzten Mal. Überhaupt verschwendet Rose lyrisch wenig Zeit in abstrakter Fiktion. "My Michelle" gibt so direkt das Leben einer damaligen Freundin wieder, dass die brutale Ehrlichkeit die besungene Dame ordentlich überraschte, hatte sie sich doch von Axl ein Liebeslied im Stil von Elton Johns "Your Song" gewünscht. Doch sanfte Pianoklänge waren noch nicht auf der Tagesordnung von Guns N' Roses, dafür war auf den nachfolgenden Alben noch genug Platz. Stattdessen groovt sowohl "My Michelle" und besonders "You're Crazy" mit einem knallenden und gehetzten Punkfeel durch die Boxen und zeigt die Liebe der Band zum Gaspedal. Die Liebeslieder oder "Roses" von Track 7 bis 12 halten sich eben nicht lange mit dem langweiligen Pathos und Balladen auf, sondern geben jedem verweichlichten Poser direkt auf die Zwölf. Auch die beiden Stradlin-Songs, das mit ungewöhnlicher Melodik ausgestattet "Think About You" und das heitere "Anything Goes" klingen mehr nach Samstagnacht in Downtown Hollywood als romantischen Kerzendinner. Auch hier wieder lehrt uns die Geschichte, dass diese Gefilde von der Band wenige Jahre später beackert wurden. Auf "Appetite" griff hingegen die ungestüme Lebenslust einer jungen und hungrigen Band so sehr um sich, dass man sich der optimistischen Grundpartystimmung gar nicht entziehen kann. Die Riffmanufaktur Stradlin/Slash haute in dem grandiosen Eröffnungstrio "Welcome To The Jungle", "It's So Easy" und "Nightrain" allein genügend Hardrocksriffs für die Ewigkeit heraus, die immer wie die Faust aufs Auge mit dem Rest der Band harmonierte. Gemeinsam beherzigten die beiden Saitenspezialisten auch die klassische Lead/Rhythmusgitarre-Aufteilung mit selten gehörter Perfektion. Nur in äußersten Fällen doppeln sich die Gitarrenspuren, meist ergänzen sie sich perfekt und füllen Leerräume auf. Bei aller "Balls to the Walls"-Kraft sprühten die Songs nur so von feingeistigen Arrangements, die auch noch die dritte Strophe musikalisch spannend machen und jede, wirklich jede Länge vermeiden. Ein perfektes Gespür für Längen, selbst was die Gitarrensoli angeht, darf man Axl und seinen Mannen getrost attestieren. Hits brachte das Album in Mengen heraus. Awards und Lobeshymnen gab es auch nicht zu knapp, immerhin ist die Platte bis heute das erfolgreichste Debütalbum einer Band in den USA. Besondere Bedeutung kam allerdings "Sweet Child O' Mine" zu. Auf den Song konnten sich alle einigen: die Jungs luftgitarrten Slashs Einleitungslick mit, die Mädchen schmolzen bei Axls anhimmelnde Beschreibung einer Liebsten dahin. Der hohe Wiedererkennungswert des Intros funktionierte zwar auch beim Superbowl, die ganze Groteske hätte uns der liebe Slash aber doch ersparen können. In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat Axl Rose mit seiner zusammengewürfelten Söldnertruppe unter dem Banner GN'R dem zementierten Legendenstatus einiges an Glanz genommen. Ein Memorial-Durchlauf im CD-Player erinnerte an die Zeit, in der Guns N' Roses die gefährlichste und spannendste Band der Welt waren. Es bleibt der Blick zurück, denn ein Anschluss an alte Glanzzeiten ist leider unwahrscheinlich. Außer Axl besinnt sich und stellt sich selbst einmal die alles entscheidende Frage: Do you know where the fuck you are? © Laut
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Metal - Erschienen am 1. Januar 1986 | American Recordings Catalog P&D

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Es gibt einige Alben, die den Metal maßgeblich beeinflusst haben. Wenn es darum geht, die Nachbeben eines Releases aufzuzeichnen, schlägt die Nadel bei Slayers "Reign In Blood" immer noch am höchsten aus. Zumindest, wenn es um Thrash geht. Was das Ami-Quartett mit diesem epochalen Gewalt-Fanal aus Wut, Aggression und Geschwindigkeit in die Annalen des Metal hämmerte, war schon zum Zeitpunkt des Erscheinens 1986 allen klar, die sich auch nur im Ansatz ernsthaft mit Musik der härteren Gangart auseinander setzten. Das lag zu einem großen Teil auch an der kompromisslosen Brutalität des Sounds, der so urwüchsig aus den Boxen trümmerte und jedem die Fresse polierte, der nicht bei drei auf dem Baum ist. Gegen die Wucht dieses Monstrums war der auch schon sehr beachtliche Vorgänger "Show No Mercy" ein besserer Kindergeburtstag. Dass die Band und das Album für eine mittelschwere Krise beim Branchenriesen Columbia sorgten, wird in der an Skandalen reichen Gegenwart gerne vergessen. Aber tatsächlich verschob sich die Veröffentlichung von "Reign In Blood" mehrere Monate. Label-Verantwortliche fürchteten um ihr Image, wenn sie eine LP auf den Markt bringen, die sich mit den gräulichsten Gräueln der menschlichen Abgründe auseinandersetzt. Dass man die Hauptprotagonisten auch noch in die Nazi-Ecke stellte, war denen aber relativ schnuppe. Sie setzten vielmehr noch einen drauf, erhoben den Reichsadler zum Wappentier ihres Logos und nannten ihren Fanclub 'Slaytanic Wehrmacht'. Deeskalation sieht anders aus. Die musikalische Entsprechung findet sich auf dem gerade einmal 29-minütigen Album und seinen zehn Songs. "Angel Of Death": Drei Worte, die so viel mehr sind als nur bloß der Titel des wohl bekanntesten Slayer-Tracks. Das Eingangsriff entfaltet einen unwiderstehlichen Sog und reißt den Hörer in einem Strudel mit sich. Mit einer fast fünfminütigen Spielzeit ist er auch gleichzeitig der längste Song des Albums. Wenn sich Dave Lombardo mit seinem Doublebass-Einsatz zum dräuenden Inferno seiner Gitarrenkollegen gesellt, bricht wahrlich die Hölle los. Beginnt ein Album mit den zärtlichen Worten "Auschwitz, the meaning of pain", sollte man eben keine Balladen erwarten. Tom Araya liefert mit seinem Organ die perfekte Abrundung dieses Wahnwitzes. Er bellt, knurrrt, schreit sich den Wolf, dass man sich keine perfektere Untermalung des instrumentalischen Amoklaufes wünschen könnte. Und in diesem Stile krawallt es in einem fort. Es fliegen einem die Riff-Attacken um die Ohren, bis im zünftigen Kehraus "Raining Blood" der Wahnsinn ein Ende findet. Wer filigrane Gitarrensoli liebt, sollte sich woanders umhören. Was Hannemann und King hier zusammen gniedeln spottet jeder Beschreibung und ist dennoch immer wieder ein Heiden-Hörspaß. Mal kurz das Griffbrett rauf- und runtergewichst, fertig ist das instrumentale Zwischenstück. Glaubt man der Legende, ist das jaulende Klampfengequäke lediglich das Resultat von Rubins Insistieren auf mehr Soli. Nun denn: Danke, Rick. Wenn am Ende Dave Lombardo auf die Toms drischt und die Gitarren Dämonen gleich den Blutregen ankündigen, findet ein Album ein Ende, das von seiner Grundausrichtung kaum bösartiger und widerwärtiger ausfallen könnte. Genau das macht seinen Reiz aus. Hier erklingt auf nicht einmal einer halben Stunde in Musik gegossenes Adrenalin, der feuchte Traum eines jeden Metal-Fans. Die optische Entsprechung dieses Gemetzels erfährt "Reign In Blood" mittels der Covergestaltung. Larry Carroll schwingt hier zum ersten Mal für die Band den Pinsel - oder das, womit man derartige Fantasien eben kreiert. Dagegen malen sich Hieronymus Boschs surreale Gemälde aus wie Bilder einer Kaffeefahrt. Andere Bands mögen auf ihre Weise ganz hervorragende Alben geschrieben und eingespielt haben. Slayer erschaffen jedoch als einzige Combo ein derart in sich stimmiges Kunstwerk, das mit Fug und Recht als endgültige Definition in Sachen Thrash gelten darf. Ein göttliches Teufelswerk. © Laut
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Metal - Erschienen am 1. Januar 1986 | American Recordings Catalog P&D

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Es gibt einige Alben, die den Metal maßgeblich beeinflusst haben. Wenn es darum geht, die Nachbeben eines Releases aufzuzeichnen, schlägt die Nadel bei Slayers "Reign In Blood" immer noch am höchsten aus. Zumindest, wenn es um Thrash geht. Was das Ami-Quartett mit diesem epochalen Gewalt-Fanal aus Wut, Aggression und Geschwindigkeit in die Annalen des Metal hämmerte, war schon zum Zeitpunkt des Erscheinens 1986 allen klar, die sich auch nur im Ansatz ernsthaft mit Musik der härteren Gangart auseinander setzten. Das lag zu einem großen Teil auch an der kompromisslosen Brutalität des Sounds, der so urwüchsig aus den Boxen trümmerte und jedem die Fresse polierte, der nicht bei drei auf dem Baum ist. Gegen die Wucht dieses Monstrums war der auch schon sehr beachtliche Vorgänger "Show No Mercy" ein besserer Kindergeburtstag. Dass die Band und das Album für eine mittelschwere Krise beim Branchenriesen Columbia sorgten, wird in der an Skandalen reichen Gegenwart gerne vergessen. Aber tatsächlich verschob sich die Veröffentlichung von "Reign In Blood" mehrere Monate. Label-Verantwortliche fürchteten um ihr Image, wenn sie eine LP auf den Markt bringen, die sich mit den gräulichsten Gräueln der menschlichen Abgründe auseinandersetzt. Dass man die Hauptprotagonisten auch noch in die Nazi-Ecke stellte, war denen aber relativ schnuppe. Sie setzten vielmehr noch einen drauf, erhoben den Reichsadler zum Wappentier ihres Logos und nannten ihren Fanclub 'Slaytanic Wehrmacht'. Deeskalation sieht anders aus. Die musikalische Entsprechung findet sich auf dem gerade einmal 29-minütigen Album und seinen zehn Songs. "Angel Of Death": Drei Worte, die so viel mehr sind als nur bloß der Titel des wohl bekanntesten Slayer-Tracks. Das Eingangsriff entfaltet einen unwiderstehlichen Sog und reißt den Hörer in einem Strudel mit sich. Mit einer fast fünfminütigen Spielzeit ist er auch gleichzeitig der längste Song des Albums. Wenn sich Dave Lombardo mit seinem Doublebass-Einsatz zum dräuenden Inferno seiner Gitarrenkollegen gesellt, bricht wahrlich die Hölle los. Beginnt ein Album mit den zärtlichen Worten "Auschwitz, the meaning of pain", sollte man eben keine Balladen erwarten. Tom Araya liefert mit seinem Organ die perfekte Abrundung dieses Wahnwitzes. Er bellt, knurrrt, schreit sich den Wolf, dass man sich keine perfektere Untermalung des instrumentalischen Amoklaufes wünschen könnte. Und in diesem Stile krawallt es in einem fort. Es fliegen einem die Riff-Attacken um die Ohren, bis im zünftigen Kehraus "Raining Blood" der Wahnsinn ein Ende findet. Wer filigrane Gitarrensoli liebt, sollte sich woanders umhören. Was Hannemann und King hier zusammen gniedeln spottet jeder Beschreibung und ist dennoch immer wieder ein Heiden-Hörspaß. Mal kurz das Griffbrett rauf- und runtergewichst, fertig ist das instrumentale Zwischenstück. Glaubt man der Legende, ist das jaulende Klampfengequäke lediglich das Resultat von Rubins Insistieren auf mehr Soli. Nun denn: Danke, Rick. Wenn am Ende Dave Lombardo auf die Toms drischt und die Gitarren Dämonen gleich den Blutregen ankündigen, findet ein Album ein Ende, das von seiner Grundausrichtung kaum bösartiger und widerwärtiger ausfallen könnte. Genau das macht seinen Reiz aus. Hier erklingt auf nicht einmal einer halben Stunde in Musik gegossenes Adrenalin, der feuchte Traum eines jeden Metal-Fans. Die optische Entsprechung dieses Gemetzels erfährt "Reign In Blood" mittels der Covergestaltung. Larry Carroll schwingt hier zum ersten Mal für die Band den Pinsel - oder das, womit man derartige Fantasien eben kreiert. Dagegen malen sich Hieronymus Boschs surreale Gemälde aus wie Bilder einer Kaffeefahrt. Andere Bands mögen auf ihre Weise ganz hervorragende Alben geschrieben und eingespielt haben. Slayer erschaffen jedoch als einzige Combo ein derart in sich stimmiges Kunstwerk, das mit Fug und Recht als endgültige Definition in Sachen Thrash gelten darf. Ein göttliches Teufelswerk. © Laut
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Metal - Erschienen am 1. Januar 1986 | Mercury (Universal France)

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Metallica besser als die Beatles? In Sachen Lautstärke war das kaum zu bezweifeln, wenn wir einzig und allein die neu gemasterten Ausgaben mit „ein paar“ Bonuszusätzen in Betracht ziehen, dann gehören die Four Horsemen auch zu den Siegern; allein schon der Vergleich dieser „Deluxe“ Edition des dritten Albums mit dem Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band Anniversary (Edition Super Deluxe) der Fab Four macht das deutlich. Hier finden wir nicht weniger als zehn CDs, die für diesen Master Of Puppets bis über den Rand vollgefüllt wurden, und die eben viele zu Recht oder zu Unrecht für den Sgt. Pepper's von Metallica halten. Es fällt tatsächlich schwer, in diesem Monument auch nur einen wunden Punkt zu entdecken. Aufgrund der langen Entstehungszeit, in der es glücklicherweise möglich war, die Archive in den verschiedenen Entwicklungsstadien auszuwerten, sieht es natürlich so aus, als hätte die Gruppe in eben diesem Moment ihres Werdegangs einen besonderen Gunstbeweis erfahren. Das, was ein paar Gegner diesem Album im Grunde vorwerfen, ist, dass es nicht genauso überrascht hat, wie die beiden vorangegangenen. Eigentlich können der allgemeine Aufbau des Master... und die meisten Titel in eine Reihe mit Ride The Lightning gestellt werden - das fängt an mit dem ersten super rasanten Titel, Battery, der mit Fight Fire With Fire verglichen werden kann, geht über Welcome Home (Sanitarium), die anfechtbare Ballade mittendrin, die im Großen und Ganzen dieselben Zutaten verwendet wie Fade To Black, und reicht bis zum heldenhaften Damage Inc. am Ende, das auf teuflische Weise an eine beschleunigte Version des Creeping Death erinnert; außerdem sollte das äußerst raffinierte Instrumentalstück Orion nicht vergessen werden, dessen Verwandtschaft mit The Call Of Ktulu allerdings nicht sehr ausgeprägt ist... Auch wenn man diesen dritten Versuch als Synthese der beiden vorangegangenen Alben einstufen kann, so ist nicht von der Hand zu weisen, dass Master… ein weitaus besseres Ergebnis gebracht hat, und zwar dadurch, dass Metallica zum ersten Mal die Zeit und die entsprechenden Mittel zur Verfügung hatte, den Kompositionen auch noch den allerletzten Schliff zu geben, sodass sie nun fast an Perfektion grenzen. Selbst im Vergleich zu jüngeren Produktionen bleibt das Album technisch gesehen unschlagbar und einzigartig. Geht man ein wenig ins Detail, so erkennt man, dass diese neu gemasterte Ausgabe nicht deswegen interessant ist, weil das ursprüngliche Werk aufgefrischt wurde, sondern dank allem, was dazu gehört. Metallica hatte uns seit dem ersten offiziellen Live Live Shit: Binge & Purge daran gewöhnt, dass sie keine halben Sachen machen. Im vorliegenden Fall jedoch gehen sie noch darüber hinaus, selbst wenn man einen Vergleich mit den Neuauflagen von Kill 'em All und Ride The Lightning anstellt. Die Band hat alle Schubladen leergeräumt und alles aussortiert, um das Album in jeder beliebigen Hinsicht anzureichern. In erster Linie können wir die zahlreichen Skizzen auskosten, die angehenden Musikern durchaus zu empfehlen sind. Auch die unterschiedlich ausgearbeiteten Modellentwürfe und die Instrumentalversionen lassen so einige Details erkennen, die bisher nicht unbedingt wahrgenommen werden konnten. Natürlich werden wir uns nicht unbedingt immer wieder von neuem James persönliche Kassettenauszüge (mit seinen „wanananana“) anhören und auch nicht jene von Kirk, oder gar die in Metallicas berühmter „garage“ mitgeschnittenen „writing in progress“-Versionen... Die beiden Höhepunkte in dieser Archivsammlung dagegen, The Prince, mit einem ersten recht gelungenen Ansatz des bei Diamond Head ausgeliehenen Titels, und die Neufassung von Fang, The Money Will Roll Right In, die sie dann aber fallen ließen, diese beiden sind es sehr wohl wert, dass wir genauer hinhören. Die Fans stritten sich um dieses kolossale Album nur deshalb, weil es um die Frage ging, ob es als bestes, zweitbestes oder drittbestes Metallica-Album gekürt werden soll, auch wenn vom vierten nie die Rede sein sollte. Die hier dargebotene neue Perspektive kann nur dazu führen, dass noch mehr Leute sich für das erste Lager entscheiden. Abgesehen von der wohlverdienten und total überzeugenden Anerkennung des Master…-Albums, sollte nicht übersehen werden, dass es sich hier auch um den unbestreitbaren Erfolg einer Epoche handelt, in der Cliff Burton mitgewirkt hatte. Diese Epoche können wir ziemlich leicht daran erkennen, dass in jener Zeit der Bass eine besondere Rolle spielte. Und zwar aus gutem Grund. Cliff war nicht bloß ein Bassist, sondern sowohl eine treibende schöpferische und inspirierende Kraft als auch eine sehr großzügige und zurückhaltende Person, die alles im Gleichgewicht hielt, besser noch, die Beziehungen innerhalb von Metallica „harmonisierte“. Später wurde dann klar, dass seine Rolle als Mediator zwischen Lars Ulrich und James Hetfield oft gefehlt hat. So manche könnten sich sogar die Frage stellen, ob Kirk Hammett nach diesem Album nicht weniger Fortschritte machte, da er von Cliff nicht mehr in Schwung gehalten wurde und von dessen geistiger und instrumentaler Hilfestellung nicht mehr profitieren konnte.  Welche Rolle er als Bassist gespielt hat, kommt bei den hier vorliegenden Konzerten sehr deutlich zum Tragen, und einige darunter zeichnen sich sogar durch einen ganz besonderen Klang aus. Zusätzlich möchten wir auf das allerletzte Konzert zusammen mit Cliff hinweisen, und zwar am 26. September 1986 im Solnahallen in Stockholm, ein paar Stunden vor dem Unfall mit dem Tourbus, der ihn das Leben gekostet hat. Deshalb wird sich also niemand über die „Bootleg“-Qualität des Mitschnitts beklagen. Trotz des großen Beitrags, den Jason Newsted geleistet hat, dessen Vortragsstücke und erstes Konzert mit Metallica hier zu finden sind, hat die Band mit Cliff Burtons Ableben weit mehr als bloß einen Musiker verloren. Das Hauptargument jener, die Master… in den Himmel loben, besteht darin zu sagen, dass …And Justice For All oder sogar dem „Black Album“ (Metallica) etwas fehlt, nämlich Cliff Burton, basta! Diese Master… Neuausgabe ist dermaßen gut ausgearbeitet, dass es auf der Hand zu liegen scheint, dass Lars, James und Kirk dem, der ihnen so viel gebracht hat, ein letztes Mal eine würdevolle Ehre erweisen wollten. © JPS/Qobuz
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Metal - Erschienen am 25. Juli 1980 | Columbia

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Als Bon Scott 1980 unter starkem Alkoholeinfluss an seinem Erbrochenen erstickt und stirbt, hätte anfangs wohl niemand gedacht, dass es zu dem Abenteuer von AC/DC noch eine Fortsetzung geben wird. Dabei fand die britisch-australische Band sogar einen Ersatz für ihren legendären Sänger: Brian Johnson, der bisweilen Mitglied der Band Geordie war, stellt sich der Herausforderung mit einem kraftvollen Stil, der weit von dem seines Vorgängers entfernt ist und sich stimmlich vor allem in den hohen Tönen positioniert. Mit seinem symbolträchtigen schwarzen Cover markiert dieses Back In Black die Geburtsstunde der neuen AC/DC und begeistert mit bahnbrechenden Kompositionen, die weniger nach Blues und Soul klingen als noch auf Highway To Hell und eher in den Kanon des Hardrocks einstimmen, der zu Beginn der 80er Jahre gerade seine Stunde des Ruhms erfährt. Mit den Glockenschlägen von Hells Bells als Hommage an Bon Scott, dem Riff und dem XXL-Solo von Back in Black sowie der Stadionhymne You Shook Me All Night Long bietet dieses Album ein Freudenfest aus Rock, Sex, Alkohol und Elektrizität und gehört heute zu den Top 3 der meistverkauften Alben aller Zeiten… © CM/Qobuz
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Metal - Erschienen am 27. Juli 1979 | Columbia

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Die vier Lettern des AC/DC-Logos gehören zum Weltkulturerbe. Das wird kein Mensch, der seine fünf Sinne beisammen hat, ernsthaft bestreiten wollen. Welches Album der Legenden aus Down Under soll man aus der an Höhepunkten wahrlich nicht armen Diskografie nun aber heraus picken? Die Fangemeinde dürfte diese Frage spalten wie kaum ein anderes Thema, das sich um den Fünfer rankt. Eine Scheibe aus der Scott-Ära? Oder doch eine mit Brian Johnson am Mikro? Falls ein Album nach dem Tode Bon Scotts in Frage kommt, dann ist das mit Sicherheit "Back In Black", das bis heute den AC/DC-Verkaufsrekord hält. Aber da es hier nicht um monetäre Dinge geht, muss man eben etwas tiefer buddeln und nach dem Einfluss fragen, den AC/DC auf nachfolgende Generationen hatten und nach wie vor haben. Genau hier kommt "Highway To Hell" ins Spiel. "Back In Black" mag die Ernte der Band anno 1980 endlich eingefahren haben, die kreative Entwicklung der Combo erfährt aber bereits mit dem Vorgänger ihren Höhepunkt. So darf "Highway To Hell" das Verdienst zukommen, all dem, das danach kam, den Weg geebnet zu haben. Gleichzeitig kulminieren im sechsten Studioalbum alle Stärken in Album-Form, die AC/DC bis dahin ausmachten. Diese traten davor und danach nie wieder so geballt und exzellent in Szene gesetzt zutage wie hier: Schwanzrock der Spitzenklasse mit fetten Gitarrenriffs und der Extraprise Adrenalin. Zudem befindet sich mit dem Titeltrack ein Song auf dem Album, den die Verantwortlichen der NASA getrost als Botschaft der Menschheit in der Voyager hätten platzieren können. Es gibt nur wenige Lieder, die man bereits nach einem Ton erkennen kann; "Highway To Hell" zählt dazu. Wenn im abschließenden Crescendo eine Donnerwand aus Gitarren ertönt, wandert jedem Freund des gepflegten Klampfengeschrubbes ein wohliger Schauer den Rücken rauf und wieder runter. Zu Beginn der Aufnahmen deutete jedoch noch nichts darauf hin, dass AC/DC einen Klassiker an den Start bringen würden. Gewohnte Konstanten wurden über den Haufen geworfen. So nahmen sie die Arbeiten an einem Album erstmals außerhalb der australischen Heimat in Angriff, und zum ersten Mal standen nicht Harry Vanda und George Young hinter den Reglern. Vielmehr zog man Eddie Kramer zu Rate (Jimi Hendrix, Kiss). Dem war jedoch kein Glück beschieden. So munkelt man, er legte der Band eine Coverversion von "Gimme Some Lovin'" der Spencer Davis Group ans Herz, was man sich heute kaum mehr vorzustellen wagt. Die Beziehung Kramer - AC/DC war hernach beendet. Statt seiner holten sie Mutt Lange an Bord, was sich als Glücksgriff erweisen sollte. Zwar klingt der Sound der Scheibe im Vergleich zu den vorangegangenen Werken etwas zahmer, aber wer einen Diamanten auf Hochglanz poliert, dem sollte man dies nicht ankritteln. Zumal sich der Knöpfchendreher hier noch in Zurückhaltung übte, was man von späteren Arbeiten Langes nicht mehr behaupten kann. Die überproduzierten Scheiben von Def Leppard und Bryan Adams sprechen in dieser Beziehung eine ganz eigene Plastik-Sprache. Lange straffte die Zügel insgesamt etwas, wodurch das Zusammenspiel der Band wie aus einem Guss klang. Phil Rudd und Cliff Williams liefern als Rhythmus-Sektion eine Leistung ab, die 'tight wie ein Entenarsch' perfekt auf den Punkt bringt. Die Gitarrenarbeit von Angus und Malcolm setzt sowohl im Rhythmus- als auch im Lead-Spiel erneut Maßstäbe, und über allem thront des Rock'n'Rolls Straßenköter Bon Scott. Die einzige Lässigkeit, die sich AC/DC noch erlaubten, war die wunderbar hingeschnodderte Aussprache des Sängers. Wunder weiß, welchen hanebüchenen Kokolores Generationen Heranwachsender verstanden haben. Egal, denn sämtliche zehn Songs atmen gerade dank seines Organs den Spirit des versexten Rock'n'Roll in jeder Sekunde mit jedem Ton. Die Verschmelzung des Blues mit der Aggressivität eines Rock-Shouters findet hier ihre formvollendete Veredelung. Scotts Outfit mit hautengen Jeans samt nacktem Oberkörper und stolz gewellten Brusthaarlöckchen steht sinnbildlich für eine in Musik gegossene Testosteron-Ejakulation. Breitbeiniger Hardrock? Ja bitte, aber mit Schuss. Neben dem Opener und Übersong schlechthin fallen die restlichen Lieder zwar etwas ab, aber von Lückenfüllern zu reden, wäre Blasphemie. Der unwiderstehliche Boogie von "Girls Got Rhythm", das hymnische Element von "Walk All Over You" oder der nach vorne gehende Drive von "Shot Down In Flames", jeder Track verursacht stante pede ein unkontrolliertes Zucken in diversen Körperteilen. Die zwei abschließenden Songs "Love Hungry Man" und "Night Prowler" fristeten immer schon ein Dasein im Schatten der Dampfhammer vom Schlage "If You Want Blood (You've Got It)" oder "Beating Around The Bush". Jedoch zu Unrecht, führten sie dem Hörer doch vor Augen, wo die Wurzeln der Band liegen. Jene verloren Angus und Co. mit der Zeit etwas aus dem Blickfeld, was auf Kosten der Abwechslung ging und eigentlich bis heute andauert. Wenn man bis dato nach dem Prototypen eines Hardrock-Albums Ausschau gehalten hätte, so hätte man am 27. Juli des Jahres 1979 die Suche getrost einstellen können. Scotts letzte Worte hätten auch nicht passender gewählt sein können. Fan der Serie "Mork Vom Ork" (Hauptrolle: Robin Williams), sprach er am Ende von "Night Prowler" genau die Worte, die der Serienheld, ein Außerirdischer, zum Beenden einer Sprachmitteilung an seinen Heimatplaneten benutzte: "Shazbot! Na-Nu Na-Nu!!" © Laut
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Metal - Erschienen am 1. Juni 1970 | Rhino

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Es war der vierte Schuss, und der sollte sitzen. Zwar hatten Deep Purple bereits mit ihrer ersten Single "Hush" 1968 die US-Top Ten geknackt, doch hatten sie anschließend immer weniger Erfolg. Live boten sie harten, verschnörkelten Rock, im Studio schalteten sie aber mehrere Gänge runter. Das sollte sich ändern. Nachdem sie im Sommer 1969 Ian Gillan als Sänger und Roger Glover als Bassisten verpflichtet hatten, setzte sich erst einmal Organist Jon Lord durch, der die Band ursprünglich gegründet hatte, und zwang seine Mitstreiter zu einem Auftritt mit dem Royal Philharmonic Orchestra, um sein "Concerto For Group And Orchestra" aufzuführen. Der Mitschnitt dazu erschien im Dezember. Nun war der Weg frei für das, was sich Gitarrist Ritchie Blackmore schon länger vorstellte: Ein Album, das die Live-Energie der Band auch im Studio einfing. Die Sterne standen günstig: Mit Gillan hatten sie nun eine der mächtigsten Stimmen jener Jahre im Kader, außerdem hatten Led Zeppelin mit ihren ersten zwei Alben und Black Sabbath mit ihrem Debüt gezeigt, dass es auch für härtere Töne ein dankbares Publikum gab. Kein Wunder also, dass das Album nicht behutsam beginnt, sondern mit einer Fingerübung Blackmores, die kein Riff ist, sondern eher das Einheizen des Publikums, wenige Augenblicke bevor die Lichter angehen: Vollgas und bei voller Lautstärke. Passend zum Titel des Openers, der an sich schon eine Ansage ist: "Speed King". Nachdem auch Glover und Schlagzeuger Ian Paice kurz mitmischen, verstummen alle und lassen Lord ran, der ein kurzes, kirchlich anmutendes Orgel-Intermezzo einstreut. Doch es ist nur eine kurze Verschnaufpause, bevor Gillan sein schillerndes Organ anwirft und die Band mit vereinten Kräften losstürmt. In den knapp sechs Minuten bringen sie noch ein Duell zwischen Lord und Blackmore sowie das unverzichtbare Gitarrensolo unter. Ein monumentaler Track, der ein ebensolches Cover rechtfertigt. Ironie spielte vermutlich keine Rolle, als man sich entschied, die Antlitze verschiedener US-Präsidenten am Mount Rushmore mit denen der Bandmitglieder zu ersetzen. Die Collage erscheint in der heutigen Photoshop-Zeit eher stümperhaft, doch die Botschaft kommt rüber. "Bloodsucker" fällt vergleichsweise simpler aus. Etwas langsamer gespielt und mit ein paar Noten weniger hätte der Track durchaus auch von Black Sabbath stammen können. Doch er ist kaum mehr als eine Fußnote, folgt auf ihn doch das beste Stück in Deep Purples Schaffen. Mit "Child In Time" bewiesen die beteiligten Musiker ihr ganzes Können. Von leise zu laut zu leise zu laut, ohne Brüche, ohne zusammengesetzt zu wirken. Dabei entstand die Idee eher nebenbei. Während Lord "Bombay Calling" von "It's A Beautiful Day" vor sich hin dudelte, improvisierte Gillan einen Text über den Untergang der Menschheit und Kugeln, die durch die Luft schwirren. Zunächst zärtlich verträumt, dann seine Todesangst aus der Seele kreischend. Der Rest der Band musste nichts weiter tun, als zehn Minuten lang mitzuhalten. Selbstverständlich schüttelte sich Blackmore ein Mördersolo aus dem Ärmel und baute eine Passage ein, in der er sich mit Gillan bei späteren Konzerten duellieren konnte. Lange Zeit der Höhepunkt eines jeden DP-Gigs. Eine epische erste LP-Seite, der eine eher durchschnittliche zweite folgt. "Flight Of The Rat" bietet ein Riff, das selbst einem Minimalisten wie Malcolm Young zu simpel gewesen wäre. Anlass für die Instrumentalisten, sich um so mehr auszutoben, samt langer Soli von Blackmore und Lord. Auch Schlagzeuger Paice darf sich zum Schluss einbringen. Zwar erreicht er nicht die Genialität von Led Zeppelins John Bonham, doch erwies er sich stets als Fels in der Brandung. Nicht zuletzt, weil er das einzige Mitglied ist, das bei allen Bandbesetzungen an Bord blieb. Das stellenweise wieder an Black Sabbath erinnernde "Into The Fire" war lange fester Bestandteil der Livesetlist, "Living Wreck" und "Hard Lovin' Man" bieten zum Abschluss wieder schnelleren Rock'n'Roll. Ganz zum Schluss wandert Blackmores Gitarre schwindelerregend von einem Lautsprecher zum anderen und wieder zurück. Trotz allem ein Bombenalbum. Mit einem Makel versehen, zumindest aus Sicht der damaligen Label-Verantwortlichen: Es fehlte die berüchtigte Single. Rasch nahmen Deep Purple noch "Black Night" auf, das es nicht mehr auf die LP schaffte, dafür aber auf Platz zwei der britischen Charts, in denen sie bislang keinen Stich gemacht hatten. Nach einer Mammut-Tour waren sie dann tatsächlich eine der weltweit angesagtesten Bands. Ihr bekanntestes Stück lieferten sie 1972 mit "Smoke On The Water" auf dem Album "Machine Head" ab, doch so aus einem Guss und so spielfreudig hat die Band nie mehr geklungen. Der vierte Schuss hatte gesessen. Wait for the ricochet. © Laut
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Hard Rock - Erschienen am 14. Juni 1968 | Rhino Atlantic

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Das politisch, kultur- und musikgeschichtlich außergewöhnliche und bedeutende Jahr 1968 steht nur noch ein paar Wochen vor seinem fünfzigsten Geburtstag, der mit Sicherheit rund um Welt ausgiebig gewürdigt und gefeiert werden wird. Der Soundtrack zu diesem Jahr ist so vielfältig und reichhaltig, dass der Versuch, ihn an dieser Stelle vollständig aufzuzählen, nur scheitern kann. Das will auch kein Mensch. Werfen wir nur mal kurz die legendären Alben "Electric Ladyland" von Jimi Hendrix und das "White Album" der Beatles in den Raum und nehmen wir noch "White Light/White Heat" von Velvet Underground dazu, dann sind musikalischer Kontext und Qualität dieses Jahres schon mal ansatzweise umrissen. Die Hitlisten für 1968 enthalten aber viele Werke, die zwar von sehr bekannten Künstlern wie Bob Dylan, Deep Purple, Frank Zappa, den Kinks, Van Morrison oder den Rolling Stones stammen, die jedoch keinesfalls Höhepunkte ihres Schaffens und ihrer Karriere markieren. Heavy-Monster wie Black Sabbath oder Led Zeppelin scharrten zwar schon mit den Hufen, aber ihre durchschlagenden Vinyl-Erstlinge kamen erst 1969 ans Licht. Eine Platte erscheint erstaunlicherweise längst nicht in allen Memory-Charts des Jahres 1968, obwohl sie einen der gigantischsten Tracks der Rockgeschichte enthält: "In-A-Gadda-Da-Vida" von Iron Butterfly. Deshalb wird es Zeit, dieses ziemlich ambivalente Album, das auf der ersten Seite fünf kürzere Songs versammelt, auf der zweiten Seite allein Raum für das ausufernde, über siebzehn Minuten lange Titelstück bietet, hier einmal als Meilenstein zu würdigen. "In-A-Gadda-Da-Vida" zeichnete in einer Zeit, in der sich der allgemeine Rock- und Pop-Sound doch noch eher in sanfteren Gefilden bewegte, eine Entwicklung in nicht nur musikalisch wesentlich härtere Zeiten vor. Schon das im Januar 1968 veröffentlichte Debüt der vierköpfigen Gruppe aus San Diego namens "Heavy" lieferte das Schlagwort. Auf dem nur wenige Monate später folgenden Zweitling wurde diese 'Heavyness' in beeindruckender Manier Realität. Auch der Bandname selbst, der das luftige Hippie-Symbol des Schmetterlings in eherne Bande schmiedet, spricht eine deutliche Sprache. Die A-Seite der Scheibe atmet aber noch eher die Leichtigkeit dieser Zeit als eisern Zwingendes. Der Opener "Most Anything You Want" ist ein amerikanisch gefärbtes Beat-Stückchen mit einer fröhlichen Orgel à la "Love Her Madly" von den Doors und einem trivialem Liebes-Text, wie es von einem Dutzend anderen Chart-Kapellen aus dem Summer Of Love stammen könnte. Trotzdem scheint schon hier etwas nicht zu stimmen. Denn die schneidende Gitarre von Erik Brann und der markante Gesang zwischen Ironie und Arroganz von Keyboarder Doug Ingle erlauben keine Hippie-Idylle. Da drücken ein paar spitze Stöckchen in den Rücken beim gemütlich bekifften Liegen auf dem Huckleberry Finn-Strohsack. Das zweite Stück "Flowers And Beads" ist dann so schmachtend überdreht, dass man es kaum ernst nehmen kann. Mit seinen 'Aahs' und 'Oohs' am Schluss kann man es eigentlich nur als richtigen Stinker bezeichnen. Auch "My Mirage" sülzt gesanglich geradezu unerträglich vor sich hin, aber dieser Song nimmt einiges vorweg, was im Titelstück dann zur vollkommenen Blüte reift. Vor allem das Orchestral-Sakrale der Orgel setzt sich hier zum ersten Mal deutlicher in Szene. Auch das kurze, sehr atmosphärische "Termination" überzeugt. Es hört sich an wie ein weiteres Doors-Stück, nur wesentlich geschlossener als vieles, was die Mannen um den kurzlebigen Rock-Schamanen Jim Morrison hervorgebracht haben. Mit "Are You Happy" nehmen die eisernen Schmetterlinge dann unter Einsatz von mehr Gitarren, mehr Keyboards, mehr Drums und drängender instrumentaler Hektik endgültig Anlauf auf das, was sie wohl von Anfang an im Sinn hatten. Nämlich ihr ultimatives musikalisches Statement in die damals so brodelnde Welt der nicht nur musikalischen Veränderungen zu setzen. Es ist bis auf den heutigen Tag geradezu atemberaubend, wie schon allein die kurze, kirchlich anmutende Orgel-Einleitung des grandiosen Titelstücks und die darauf folgenden mächtigen, durch eine unerbittliche Fuzzbox gejagten, gefühlt ewig im Raum stehenden Gitarren-Riffs die Stimmung der Platte vollständig verändern. Man hört sofort: Jetzt wird es ernst! Plötzlich intoniert Doug Ingle mit einer drängenden, geradezu majestätischen Eindringlichkeit, auch wenn der Platz für seine Einlassungen sehr limitiert ist. "In a gadda da vida, honey, don't you know that I'm lovin' you, in a gadda da vida, baby, don't you know that I'll always be true. Oh, won't you come with me and take my hand, oh, won't you come with me and walk this land, please take my hand." Mehr hat er nicht zu sagen. Aber das reicht auch. Denn die Instrumente übernehmen jetzt die Macht. Zunächst webt eine leicht schrille Kirchenorgel einen sinistren Klangteppich über dem stoisch durchgezogenen Fundament aus Schlagzeug und Bass, dann übernimmt die Gitarre die Führung, erst mit vielfachen Wah Wah-Effekten, dann mit einem ausgedehnten, schneidend und verzerrt gespielten Solo. Zunächst fast unmerklich gerät der stramme Rhythmus ins Stolpern und mündet in ein eindrucksvolles, sehr konzentriertes, aber dennoch jederzeit entspanntes Schlagzeug-Solo. Sehr perkussiv und ohne große selbstdarstellerische Mätzchen vorgetragen ist dies wohl das einzige Drum-Solo im Rock, das zu keiner Zeit nervt oder in irgendeiner Art chaotisch wird. Zum Ende dieser Phase des Stückes kristallisiert sich ein fast afrikanisch anmutender Rhythmus heraus, in den sich nach und nach immer unheimlicher werdende Orgelklänge einschleichen. Es baut sich eine erwartungsvolle Spannung auf, die mit dem Einsetzen einer schreienden Gitarre noch größer wird. Das Stück wird schneller und hektischer, die Gitarre kreischt sich die Seele aus dem Leib, der Bass überschlägt sich und schließlich katapultiert sich das Stück zurück in sein anfängliches Grundthema, das nochmals leidenschaftlich und leicht abgewandelt vorgetragen wird. Doug Ingle wiederholt dazu noch einmal sein Mantra vom Garten des Lebens. Dann, fast schon unvermittelt, quasi mit ein paar Handkantenschlägen, ist dieser abwechlungsreiche Longtrack plötzlich zu Ende. Zack! "Was war das denn?" fragt man sich. Dann legt man das Stück oft noch einmal auf. Es ist halt einfach gefühlt zu kurz und es ist so heavy, wie man es vorher noch nie gehört hatte. Als "In-A-Gadda-Da-Vida" erschien, entwickelte es sich sofort zum ersten richtigen Diskothekenfeger. Nun gut, damals waren Diskotheken keine seelenlosen Großraumhallen mit dem Charme eines Supermarktes, sondern verräucherte Löcher, in denen ein paar bunte Glühbirnen zum Beat und Rock flickerten und das damals so angesagte Schwarzlicht weiße Hemden lila färbte. Es war schön da. Und Mädels hatte es auch genug. Lang ist es her. "In-A-Gadda-Da-Vida" als Haupt-Ingredienz der gleichnamigen Platte hat für viele Freaks bis heute den gleichen Stellenwert wie andere legendäre Langstreckler. Nehmen wir etwa "Stairway To Heaven" von Led Zeppelin, "Child In Time" von Deep Purple, "Echoes" von Pink Floyd oder gar "Supper's Ready" von Genesis. Selbst in der alljährlichen, reichlich durchwachsenen SWR1-Jahres-Hitparade, die über eintausend Titel umfasst, taucht das Stück immer wieder an prominenter Stelle auf. Im Jahr 2017 reichte es immerhin für Platz 64. Iron Butterfly schufen in der Folge nie mehr etwas vergleichbar Gutes, wenn man einmal vom ähnlich strukturierten, aber etwas 'vulgäreren' Stück "Butterfly Bleu" vom Album "Metamorphosis" absieht. Leider gibt es zwei fast unverzeihliche Verbrechen, die gegen dieses Monstrum von einem Rocksong begangen wurden. Zum einen existiert eine Single-Version des Stückes, die radiogerecht auf etwas weniger als drei Minuten gekürzt wurde. Ein Schock für jeden Musikfreak, der sich anno dunnemals zu der langen Version selbstvergessen die Seele aus dem Leib tanzte, schlenkerte, schüttelte. Noch schlimmer ist die eher klägliche Cover-Version der Thrash-Giganten Slayer, die mit ihrem Versuch nur bewiesen, dass sie auf ihrem angestammten Terrain zwar große Meister, in anderen rockmusikalischen Gefilden aber ziemliche Stümper waren. Das ändert jedoch nichts daran, dass dieses epische Meisterwerk bis heute und für immer in dämonischer Macht und Majestät über den Niederungen des Rock-Alltags schwebt bis ans Ende aller rockigen Zeiten. Man sieht sich im Garten des Lebens. Amen! © Laut