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Qobuzissime? Dies ist eine Auszeichnung, die Qobuz für ein Debütalbum oder ein zweites Album vergibt. Pop oder Reggae, Metal oder Klassik, Jazz oder Blues - kein Genre wird unbeachtet gelassen. Meistens handelt es sich um junge, noch unbekannte Talente.

Hin und wieder kann diese Auszeichnung auch an bereits bekannte Künstler vergeben werden, die ein ungewöhnliches Projekt schaffen, das sich von ihrer sonstigen Diskografie unterscheidet, wie zum Beispiel ein Crossover-Album. Was zählt ist einzig die Originalität und die Qualität. Die der Aufnahme, des musikalischen Projekts und seiner Identität.

Die Alben

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Sibelius: Complete Symphonies

Klaus Mäkelä

Klassik - Erschienen am 25. März 2022 | Decca Music Group Ltd.

Hi-Res Booklet Auszeichnungen Qobuzissime
Vor einigen Monaten gab Decca die Unterzeichnung des Vertrags mit dem neuen jungen Talent und Dirigenten, Klaus Mäkelä (1996 geboren) bekannt, kurz nachdem das Orchestre de Paris ihn für zwei Jahre zum musikalischen Berater und dann ab September 2022 zum Musikdirektor ernannt hatte. Das englische Label nahm zum ersten Mal seit mehreren Jahrzehnten einen Dirigenten unter Vertrag, in diesem Fall einen weiteren Schüler von Jorma Panula, der an der Sibelius-Akademie in Helsinki für viele Karrieren eine wichtige Rolle spielte. Darüber hinaus ist es ein gewagtes Unterfangen, mit einer Gesamteinspielung der sieben Sinfonien von Sibelius die “Bühne der Schallplatte” zu betreten: Jedes Werk dieses sehr komplexen Zyklus steht für seine besondere Einzigartigkeit.Das Oslo Philharmonic Orchestra wird nicht unbedingt mit Sibelius' Orchesterwerken in Verbindung gebracht, da es außer den vier Sinfonien (Nr. 1, 2, 3 & 5), die Anfang der 1990er-Jahre mit Mariss Jansons für EMI aufgenommen wurden, nur wenige Einspielungen gemacht hatte (deren Klang mit etwas zu viel Hall realisiert wurde). Bei dieser Decca-Gesamtaufnahme ist dies nicht der Fall: Die technischen Teams haben eine bemerkenswerte Aufnahmearbeit geleistet. Der Hörer wird alles von Sibelius' Orchesterkomposition, insbesondere von der Tiefe der Texturen, wahrnehmen, zumal Klaus Mäkelä mit Bravour seine Gleichmäßigkeit beibehält (Sinfonie Nr. 1) sowie die zahlreichen polyphonen Wechselbeziehungen im Fluss gemäßigter Tempi pflegt. Es kommt hier zu keinen erschütternden Kontrasten oder explosiven Brüchen. Klaus Mäkeläs Gestik ist ruhig, von unerschütterlicher Gelassenheit. Der Dirigent ist wenig empfänglich für die rhythmischen Wallungen des Komponisten und phrasiert die weiten Linien mit beeindruckender Professionalität (Finale der 3. Sinfonie). Klaus Mäkelä verschärft hier nicht die Kontraste zwischen den Orchesterblöcken. Mit bemerkenswertem Respekt vor der seidigen Natur des norwegischen Orchesters versucht er stets, eine Verschmelzung herbeizuführen, und fördert sogar die klangliche Kontinuität zwischen den Stimmgruppen. Selbst die Sinfonie Nr. 4, die in Sibelius' dunkelster Zeit entstand, wird hier unter der Leitung von Klaus Mäkelä vorwiegend hell erklingen - und ist weit entfernt von den Interpretationen eines Ernest Ansermet (Decca, 1963) oder Sir Thomas Beecham (BBC Legends, in Concert, 1954).In allen sieben Sinfonien zeichnet sich dieser Sibelius, der von einem allgemeinen Willen zum Wohlklang geprägt ist, zweifellos durch die Kohärenz seiner kompositorischen Vision und die Pracht der Interpretation aus. © Pierre-Yves Lascar/Qobuz
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Nightscapes

Magdalena Hoffmann

Klassik - Erschienen am 11. Februar 2022 | Deutsche Grammophon (DG)

Hi-Res Booklet Auszeichnungen Qobuzissime
Die Thematik der Nacht beeinflusst seit jeher unzählige Künstler, ob in Literatur, Kunst oder Musik, und das aus gutem Grund: Sie bietet einen mysteriösen Raum voller Intimität, Introspektion und vor allem Fantasie. Ausgedrückt in der Musik und besonders durch die Harfe, können diese geheimnisvollen Beschreibungen auch für Außenstehende zu konkreten Bildern werden. Magdalena Hoffmann hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese verzauberten Klänge auf ihrem Album Nightscapes festzuhalten: “Mein  Instrument  schafft  einen  besonderen  Raum  für  diese  Intimität,  aber  auch  für  Fantastisches  und  Magisches,  nicht  umsonst  gestaltet  die  Harfe  im  Orchester  oft  ein  über- oder  unterirdisches  Moment.”Die deutsche Harfenistin, 1990 in Basel geboren, entdeckte bereits früh die Harfe für sich. Ein ausschlaggebendes Ereignis ihre Karriere war der Internationale Musikwettbewerb der ARD 2016, bei dem sie Preisträgerin zweier Sonderpreise war und zwei Jahre später die Stelle als Solo-Harfenistin im Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks erhielt. 2021 unterschrieb sie einen Exklusivvertrag bei der Deutschen Grammophon, so sie uns nun ihr erstes Projekt Nightscapes präsentiert.Das Album gestaltet sich aus Originalkompositionen für Harfe sowie Arrangements von Klavierstücken. Zu ersteren zählen besonders Benjamin Brittens Suite for Harp, Op. 83 - ein zentrales Werk des 20. Jahrhunderts für das Harfenrepertoire. Hinzu kommt das Werk Dans des lutins (Tanz der Elfen) der französischen Harfenistin Henriette Renié (1875-1956), für die bereits Fauré, Debussy und Ravel Werke komponierten. Darüber hinaus interpretiert Hoffmann Stücke von Chopin, Clara Schumann, John Field oder auch Ottorino Respighi und Marcel Tournier. Besonders das Genre der Nocturnes bringt den Moment der Innigkeit sowie der mystischen Stimmung in einmaliger Weise zur Geltung und entwickelte sich schließlich zum romantischen Charakterstück. Doch auch Chopins Walzer oder Jean-Michels Damases Fantasie lassen den leichten und tänzerischen Klang perfekt auf die Harfe übertragen, wobei es Hoffmann gelingt, die besondere Intimität des Harfenklangs zu bewahren. Eine magische Reise in nächtliche Landschaften. © Lena Germann/Qobuz
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Schumann - Brahms - Dvořák

Geister Duo

Klassik - Erschienen am 14. Januar 2022 | Mirare

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Was ist besser als zwei Hände am Klavier? Vier Hände! Lange Zeit galt das Genre des Klavierspiels zu vier Händen als “häuslich” und “intim” - im kleinen Rahmen sehr schön, aber weniger für das Konzert geeignet. Ein paar berühmte Beispiele gibt es natürlich trotzdem, wie die Labèque-Schwestern, die Walachowski-Schwestern oder die Nachwuchspianisten Lucas und Arthur Jussen. Also eigentlich fast immer Geschwister im Doppelpack. So erfreut es uns umso mehr, dass die beiden unabhängigen Pianisten David Salmon und Manuel Vieillard beschlossen haben, mit dem Geister Duo ein Zeichen in der klassischen Kammermusik zu setzen und ihre vierhändige Musik auf die großen Bühnen zu bringen. Mit Abschlüssen von der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin (Vieillard) sowie dem Pariser Conservatoire National Supérieur de Musique et de Danse (Salmon) spielen die beiden in der obersten Liga der Konzertpianisten mit. Ihre Begegnung während des Studiums am Pariser CRR sollte schließlich den Grundstein für diese einzigartige musikalische Symbiose bilden - mit dem Ziel als “richtiges” Kammermusikensemble und nicht als zwei gleichzeitig performende Künstler aufzutreten. Der Plan ging auf: nach fast zehn Jahren gemeinsamer Zusammenarbeit, gewann das Ensemble letztes Jahr den renommierten ARD-Musikwettbewerb. Nun präsentieren sie uns kurz darauf ihr Debütalbum Schumann - Brahms - Dvořák bei Mirare, eine Auswahl wunderbaren romantischen Repertoires, die das Klavier im doppelten Licht erstrahlen lassen.Auch wenn die hier interpretierten Komponisten zu den bekanntesten der Romantik gehören, finden wir auf diesem Album eine Auswahl innovativer Stücke, die bis heute weit weniger Aufmerksamkeit in Konzerten oder Einspielungen finden. Im Eröffnungsstück Bilder aus dem Osten, Op. 66, von Schumann wird schnell klar, mit welcher Vertrautheit die beiden Klaviere sich ergänzen und aufeinander eingehen. Ein Werk, das den Zuhörer in die unterschiedlichsten Stimmungen mitnimmt und direkt am Geschehen teilhaben lässt. Und auch in Brahms Variationen über ein Thema von Schumann, Op. 23, eine Hommage an seinen Mentor und Kollegen Schumann, lässt sich diese romantisch-melancholische Stimmung zauberhaft einfangen. Den Abschluss bildet Dvořáks Klavierzyklus Aus dem Böhmerwalde (Ze Šumavy), Op. 68, ein Meisterwerk für Klavier zu vier Händen und eine meisterhafte Darbietung von Salmon und Vieillard, die ihre einzigartige musikalische Symbiose ein weiteres Mal unter Beweis stellen. Doppelt hält eben in diesem Fall besser. Ein tolles, erstes Qobuzissime für 2022! © Lena Germann/Qobuz
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The Four Quarters

Solem Quartet

Kammermusik - Erschienen am 17. September 2021 | Orchid Classics

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Das Solem Quartett ist in der klassischen und zeitgenössischen Musikwelt kein unbeschriebenes Blatt. Als Preisträger des Jerwood Arts Live Work Fund 2020 sind sie Teil der bedeutendsten künstlerischen Stimmen Großbritanniens. Darüber hinaus zeichnet sich das Ensemble durch seine musikalische Vielfalt und Offenheit aufgrund innovativer Projekten sowie durch die Zusammenarbeit mit Künstlern aus unterschiedlichen Genres aus. Nun veröffentlichen die vier Musiker aus England ihr lang erwartetes Debütalbum The Four Quarters bei Orchid Classics: eine musikalische, transzendente Reise, geprägt von Komponisten des Barock bis hin zur Gegenwart. Trotz so vielseitig ausgewählter Kompositionen ist ein Stück zu nennen, welches den Bogen über das gesamte Album spannt: Thomas Ades' Meisterwerk The Four Quarters. Die vier Sätze schlängeln sich durch die enorme Bandbreite der Einspielungen und tauchen zwischen Arrangements von Henry Purcell, Florence Price, Béla Bartók oder Robert Schumann auf. Dabei liegt Ades’ Komposition als zentrale Metapher der Tageszyklus zugrunde - ein Streifzug von den frühen Morgenstunden bis in die Tiefen der Nacht. Die Gegenüberstellung von Zeit und Raum, Erde und Himmel schlägt sich auch in der Musik nieder: während im ersten Satz Nightfalls die Violinen feine Obertöne in regelmässigen Mustern erklingen lassen, spielen Bratsche und Cello weit darunter die tiefe Harmonie und bleiben somit geerdet. Ein weiterer Höhepunkt des Albums ist sicherlich die Interpretation von Aaron Parkers Easqelä. Es ist der vierte Satz des fünfteiligen Werks Tuoretu, welches eigens für das Solem Quartett komponiert wurde. Der Name wurde frei erfunden und bezieht sich auf die ewigen Weiten des östlichen Englands sowie die schwindenden Farben des Sonnenuntergangs, die, genauso wie die Töne, grenzenlos ineinander übergehen. Das melancholisch-eindringliche Bratschensolo, untermalt durch die schummrigen Quint- und Quartparallelen der andere Streicher, verstärkt die immer gegenwärtige Transzendenz und zeichnet ein weiteres Mal die grundlegenden Elemente des Albums ab: die Nähe zur Natur, Traum und Zeitlosigkeit. Und auch wenn es der vorletzte Titel auf der Platte ist, ist ein Ende der musikalische Traumreise noch lange nicht in Sicht... Mit "The Four Quarters" veröffentlicht das Solem Quartett ein einmaliges und hoch inspirierendes Album, welches sich zwischen zeitgenössischer Kunst und traditionellen Klängen einen eigenen, zeitlosen Anker setzt. © Lena Germann/Qobuz
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Tancade

Gaspar Claus

Klassik - Erschienen am 10. September 2021 | InFiné

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Das erste Soloalbum von Gaspar Claus hat lange auf sich warten lassen! Seit fünfzehn Jahren hat der Cellist seine Reisen, Begegnungen und Kollaborationen mit den größten Künstlern aus allen Bereichen vervielfacht: von seinem Vater Pedro Soler über Barbara Carlotti bis hin zu Rone oder Bryce Dessner. Mit all diesen Einflüssen hat der Musiker mit dem Label InFiné das beste Zuhause gefunden, um mit Tancade ein sehr persönliches Album zu präsentieren, das er zum ersten Mal im Alleingang veröffentlicht. Hervorzuheben sind die bemerkenswerten Beiträge von Francesco Donadello und David Chalmin beim Mastering und Mixing, die dieser Aufnahme einen einzigartigen, kontrastreichen Klang verliehen haben.Das Material ist minimal: Mit einem einzigen Cello im Gepäck besticht Claus durch die Vielfalt seiner Kompositionen und schöpft die unendlichen Klangmöglichkeiten seines Instruments aus. Pizzicatis, ein Bogen, der abwechselnd geschmeidig und quietschend ist, resonante Tiefen, die von luftigen Höhen beantwortet werden... Als wahrer Architekt des Klangs gelingt es dem Interpreten, jeden der Titel, aus denen dieses Werk besteht, zu einer eigenen Welt zu machen, die einzigartige Empfindungen hervorruft. So kann man sich von den perkussiven Pizzicatos von Une Foule in eine fast tribale und hypnotisierende Trance versetzen lassen, bevor man in die meditative Atmosphäre von Twilight 1999 eintaucht. Man kann Claus' Genialität nur bewundern, mit so wenigen Mitteln so viel Material zu formen, wobei sich der Beitrag der Elektronik auf diskrete Hall- oder Verzerrungseffekte beschränkt - das absolute Minimum, kurz gesagt. Die große Stärke von Tancade ist, dass er nicht in einer reinen Demonstration von Technizität versinkt. Das Album ist kein Katalog all dessen, was ein Cellist mit seinem Instrument hervorbringen kann. Hier wird deutlich, dass bei jedem Stück nur die gewünschte Atmosphäre den Kompositions- und Aufführungsprozess beherrscht. Gaspar Claus hat ein großartiges Album voller Erfindungsreichtum und Poesie geschaffen, das den Hörer mit einer Vielzahl von Emotionen verbindet, die Jahrtausende zurückreichen. Wir lehnen uns also nicht zu weit aus dem Fenster, wenn wir sagen, dass Tancade ein unverzichtbarer Klassiker des zeitgenössischen Cellos werden wird. © Pierre LAMY / Qobuz 
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Ich schlief, da träumte mir

Anne Marie Dragosits

Klassik - Erschienen am 27. August 2021 | L'Encelade

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Nach dem außergewöhnlichen Konzertalbum Le clavecin mythologique, das ebenfalls beim französischen Label L'Encelade aus Versailles erschien und einen originellen Rahmen für eine farbenfrohe und inspirierte Erkundung des Cembalorepertoires des (hauptsächlich) 18. Jahrhunderts in Frankreich bot, entführt uns die Österreicherin Anne Marie Dragosits erneut mit ihrer einzigartigen Zauberkunst in das Herz der Nacht - einen Moment, der zum Träumen und darüber hinaus zur Fantasie und zum künstlerischen Schaffen einlädt. Ausgehend von der Idee des Schlafes, die aus der französischen Musik stammt (und von Lully in seinen lyrischen Tragödien zu einem Höhepunkt gebracht wurde), lädt sie uns auf eine Reise ein, die - und darin liegt das ganze Interesse - ihre Wurzeln in Deutschland hat, zwischen dem 17. und 18. Jahrhundert.Die Bach-Dynastie ist gut vertreten, von den Söhnen bis zum Vater: Wilhelm Friedemann und seine unglaubliche Fantasia, Carl Philipp Emanuel Bach und seine Variationen über das Lied "Ich schlief, da träumte mir" nach einigen anderen Stücken zu Beginn des Programms, darunter das sehr schöne Mémoire raisonnée aus einer Reihe von wenig bekannten Miniaturen, Wq. 117. Von Johann Sebastian wählte Anne Marie Dragosits das viel zu selten gespielte Praeludium (Harpeggiato), BWV 921, eine echte Tastenimprovisation voller Kontraste und explosiver Freude, deren hybrider Klang an Buxtehudes "Stylus Phantasticus" erinnert. Die Cembalistin fügt dann hier und da, je nach Lust und Laune - und zweifellos auch nach ihren Träumen - einige Werke von Graupner, Fischer und Kuhnau ein. Vom ersten zwei sehr schöne mit dem Titel Sommeille, die aus zwei verschiedenen Suiten des Komponisten stammen. Auf dem erhabenen Christian Zell Cembalo von 1728 - einem der schönsten Cembali der Welt, das im Kunstgewerbemuseum in Hamburg aufbewahrt wird - entfaltet Dragosits dann Schätze der Zärtlichkeit, aber auch der unerbittlichen Erhabenheit. Ihr Spiel ist durchweg beeindruckend, selbst in einer Passacaglia von Johann Caspar Ferdinand Fischer, der Apotheose des ersten Teils ihres Programms, einer Seite voller Lullyst-Einflüsse, die den jungen J. S. Bach stark beeinflussen sollte.Dieses Recital Ich schlief, da träumte ich mit seinem höchst originellen Programm und seinen oft sehr subtilen Sequenzen (der Choral Komm süßer Tod von J. S. Bach mit der Bibelsonate Nr. 4 von Kuhnau) ist das beste Zeugnis einer unaufdringlichen Cembalistin von bestechender Musikalität und sollte nicht anders als ein Spaziergang genossen werden, zumal das Instrument selbst mit seinem unglaublich tiefen Bass und seinem umwerfend schönen Lautenspiel eine immerwährende Verzauberung bleibt; Und wenn Ihnen das alles Angst macht, beginnen Sie vielleicht mit dem Sommeille aus Graupners Febrarius-Suite: ein solcher Moment kapriziöser Süße und kraftvoller Zärtlichkeit wird Sie sicher nicht unberührt lassen!© Pierre-Yves Lascar/Qobuz------- Seit Jahrtausenden beschäftigt sich die Menschheit mit Traumdeutung und medizinischen wie philosophischen Erklärungsansätzen all dessen, was uns im Schlaf widerfährt. Gleichzeitig bieten Traumbilder, seien sie nun schön oder schrecklich, wie ein théatre imaginaire eine reiche Spielwiese für alle Sparten der Kunst. Hypnos, Sohn der Nacht und der Finsternis, ist der Gott des Schlafes. Seine Söhne sind, wie Ovid berichtet, die Oneiroi, die Traumgötter: Morpheus vermag menschliche Gestalt anzunehmen, Phobetor, der Schrecken, schlüpft in die Haut von wilden Tieren, Phantasos erscheint in Form von unbeseelter Natur. Hypnos’ Reich wird von Hesychia (Ruhe), Aergia (Trägheit) und Lethe (Vergessen) bewacht. Hypnos wird auch „der Großzügige” genannt, sein Zwillingsbruder jedoch ist Thanatos, der sanfte Tod – oft treten die beiden gemeinsam auf. Diese und andere nächtliche Besucher finden hier ihre Ebenbilder in Musik. So vielfältig wie die Nachtbilder ist auch die Auswahl an Musikstücken für diese äußerst subjektiv zusammengestellte Aufnahme. Einige der Titel stellen Bezüge zu Nacht und Traumwelten her. Andere Werke habe ich teils aus beschreibbaren musikalischen Gründen, teils in freier Assoziation zu meinen eigenen, subjektiven Traumbildern gewählt. Einen maßgeblichen Anteil an der Programmwahl hatte aber das Cembalo von Christian Zell (1728) mit seinem so charakteristischen Klang. Als eines der wenigen erhaltenen und spielbaren großen deutschen Cembali verkörpert es mit seiner Klarheit und Transparenz die Musik des deutschen Hochbarock ideal. Doch der große Klangunterschied zwischen dem warmen, sanglichen Untermanual und dem sehr hellen und nasalen, aber doch mit großen lyrischen Qualitäten ausgestatteten Obermanual verleiht dem Instrument, gemeinsam mit dem charmanten Lautenzug, dem glockenklaren Vierfuss und der rauschenden Klangfülle der gekoppelten Register, auch alle Farben und Möglichkeiten für galante Musik. (Anne Marie Dragosits) © L'Encelade
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Let the Soil Play Its Simple Part

Caroline Shaw

Klassik - Erschienen am 25. Juni 2021 | Nonesuch

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Caroline Shaw ist die Personifizierung einer Künstlerin in ihrer reinsten Form. Denn sie ist jemand, die sich einer Kategorisierung verweigert. Shaw begann ihre professionelle Karriere als klassisch ausgebildete Geigerin und Sängerin, später schlug Sie den Weg in Richtung Komposition und Produktion ein. Von dort aus hat sie mit Künstlern wie Kanye West (The Life of Pablo; Ye) und Nas (NASIR) zusammengearbeitet und an Platten von The National und Arcade Fire's Richard Reed Parry mitgewirkt. Und als ob das nicht schon ein beeindruckender Lebenslauf wäre, gewann Shaw 2013 für ihre Partita in 8 Voices nicht nur den Pulitzer-Preis, sondern war gleichzeitig damit die jüngste Empfängerin eines Pulitzer-Preises für Musik. Und schließlich wurde ihr Album Orange 2019 auch noch mit einem Grammy Award ausgezeichnet.Let the Soil Play Its Simple Part ist eine Zusammenarbeit zwischen Caroline Shaw und dem zeitgenössischen Percussion-Ensemble Sō Percussion (Eric Cha-Beach, Josh Quillen, Adam Sliwinski und Jason Treuting). Die Gruppe erhielt drei Tage kostenlose Studiozeit und diese drei kleinen Tage waren alles, was sie brauchten, um dieses vielseitige, strahlende und manchmal überraschende Album herauszubringen. Es ist ein Pick'n'Mix von Songs mit Texten, die von ihren eigenen eklektischen Interessen inspiriert sind: James Joyce, das Sacred Harp Gesangsbuch, ein Gedicht von Anne Carson, das biblische Buch Ruth, der Gospel-Standard I'll Fly Away und die Pop-Performance von ABBA, um nur einige zu nennen.Der Eröffnungstrack To the Sky entnimmt seinen Text einer Hymne von Anne Steele in der Sacred Harp. Das Album beginnt wie eine eindringliche Meditation mit sporadischen Synthesizer-, Schlagzeug- und Marimba-Rhythmen, die sich schließlich zu einer rollenden Rhythmusgruppe entwickeln und welches das Stück in Bewegung hält, während Shaws Gesang darüber schwebt. Shaw erwähnt: "Diese (Hymne) liebe ich ganz besonders. Es gibt eine Zeile: 'Frail solace of an hour/ So soon our transient comforts fly/ And pleasure blooms to die'. Es ist eine Meditation über das Vergängliche und ich liebe sie." Dieser Track leitet in den zweiten Track Other Song über, der einen ähnlichen rhythmischen Groove hat und von Shaws Gesang und selbst geschriebenen Texten begleitet wird. Der Titeltrack ist eine der bereits erwähnten Überraschungen, ein einfaches Duett zwischen Shaw und Josh Quillen, das nur zwei Takes brauchte, um aufgenommen zu werden. Quillens Spiel ist einfühlsam und doch raffiniert, und man kann die Energie spüren, die zwischen den beiden Künstlern hin und her springt, wenn Shaw den Text, der an einen verlorenen geliebten Menschen erinnert, an Quillen weitergibt und dieser weiche Linien resonanter Melodien auf der Steeldrum zurückspielt.Der Songtext von The Flood is Following Me ist wortwörtlich wirklich "the flood is following me", entnommen aus James Joyces Ulysses. Obwohl er einfach gestaltet ist, wirkt er effektiv und wird von einem Indie-Pop beeinflussten Backing begleitet. Apropos Popmusik, eine weitere schöne Überraschung gibt es gleich um die Ecke mit Sō und Shaws Interpretation des ABBA-Hits Lay All Your Love on Me. Dieses Marimba-/Gesangs-Duett ist eine dunklere, düstere Version des Klassikers, die sehr eindringlich ist. Nach der bekannten Melodie geht das Stück in einen Bach-Choral über, der von Shaws Hintergrundharmonien begleitet wird – ein genialer Schachzug der Künstlerin. Das Stück baut nach und nach Spannung auf, während Altes und Neues zu dieser sublimen, sensiblen und modernen Interpretation eines Klassikers verschmelzen. Wahrlich etwas, das es so noch nie gegeben hat.Im weiteren Verlauf des Albums scheint jeder Track eine Weiterentwicklung des vorherigen zu sein. Long Ago We Counted, ein Duett zwischen Jason Treuting am Schlagzeug und ihrer Solostimme, hat einen rauen und weniger eingängigen Anfang, doch irgendwie werden wir von dieser rollenden Gesangsschleife eingelullt, während es sich in einen Indie-Rock-artigen Track einpendelt.  Der Albumabschluss Some Bright Morning, basierend auf einem liturgischen Lied aus dem 12. Jahrhundert, ist ein herrlicher Lichtstrahl am Ende von Shaws und Sō Percussions verdrehtem Tunnel. Das Dröhnen von Cha-Beach auf der Hammond-Orgel, welches die resonante Gesangslinie unterstützt, ist ein einfacher, aber kraftvoller Abschluss des Albums.Wenn Sie sich die Credits durchsehen, was dringend empfohlen wird, werden Sie eine Reihe von Inspirationen finden, die zu den Texten beigetragen haben. Beim Hören entfaltet sich das Album zu einem monolithischen, facettenreichen Meisterwerk aus zeitgenössischer Klassik, Indie-Pop, Rock-Rhythmus, Weltmusik-Inspiration und buchstäblich allem, was dazwischen liegt. Shaws Fähigkeit, Texte zu verstehen und völlig neue Bedeutungen und einzigartige Vertonungen für diese Worte zu konstruieren, ist unvergleichlich. Let the Soil Play Its Simple Part ist anders als alles andere und entzieht sich einer Klassifizierung – man muss sich die Zeit nehmen, das gesamte Album zu erforschen, um die Meisterleistungen von Caroline Shaw und Sō Percussion vollständig zu verstehen. © Jessica Porter-Langson/Qobuz
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El Nour

Fatma Said

Klassik - Erschienen am 16. Oktober 2020 | Warner Classics

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"Vieux pays merveilleux des contes de nourrice" ("Altes wunderbares Land der Kindermärchen"): Diese wenigen Worte beschreiben die unwiderstehliche und eindrucksvolle Interpretation von Ravels Schéhérazade aus vergangenen Zeiten. Es ist vor allem die Klangfarbe, mit der die ägyptische Sopranistin Fatma Saiddie in Höhen und Tiefen in ihrer Stimme strahlt. Ihre Diktion ist beispielhaft, bei der nicht nur jedes Wort klar verständlich ist, sondern jeder Ton dem Wort Farbe verleiht und dadurch den durch das Wort hervorgerufenen Eindruck klanglich erfahrbar macht. Zweifellos würde die musikalisch äußerst vielseitige Sängerin - die an Regine Crespins lebhafte Darbietungen erinnert - in der Orchesterfassung eine noch größere Vielseitigkeit finden, wobei das herrlich klangvolle und präzise Klavierspiel von Malcolm Martineau sie etwas bremst.Das Programm führt uns nach Spanien, wo Martineau durch Rafael Aguirres subtiles Gitarrenspiel abgelöst wird. In den beiden Stücken von de Falla zeigen sich weitere Aspekte von Fatma Saids Gesangskunst: ihre außerordentliche Gewandtheit und Leichtigkeit! Ihr Gesang wird zur Liebkosung. In José Serranos Canción de Marinela verdichtet sich ihre Stimme und schafft unvergessliche Momente zarter Sinnlichkeit. Wenn Fatma Said sich eines Tages die eine oder andere große Rolle einer spanischen Zarzuela vornehmen würde… darin wäre sie einfach göttlich! In den drei Liedern aus der Sammlung 13 Canciones españolas antiguas von Federico García Lorca zeigt sie sich überraschend diskret, von einer edlen Eleganz, sogar in den sinnlichen Arabesken der Nana de Sevilla. Ein idealer Übergang zu den folgenden "arabischen" Musiken. Wir entdecken zum Beispiel ein wunderschönes Lied des Ägypters Gamal Abdel-Rahim (1924-1988) sowie Bizets prächtiges Adieux de l'hôtesse arabe, in dem Burcu Karadağs ney (eine Art Rohrflöte) kontrapunktisch zur Singstimme improvisiert. Die letzten vier Titel bieten ägyptische und libanesische Standards in einer leicht "jazzigen" und nostalgischen Atmosphäre, die in der Berliner Jesus-Christus-Kirche in Dahlem aufgenommen wurden. Ein bezauberndes Qobuzissime-Album, voller überwältigender Emotionen. © Pierre-Yves Lascar/Qobuz
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Vienne 1905-1910 - Schoenberg, Webern & Berg: String Quartets

Richter Ensemble

Kammermusik - Erschienen am 25. September 2020 | Passacaille

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Wenn das Richter Ensemble für Sie ein neuer Name ist, dann liegt es daran, dass es erst seit Kurzem auf der Bildfläche erschienen ist. Erst 2018 gründete der britisch-brasilianische Barockgeiger und ehemalige Konzertmeister der Akademie für Alte Musik, Rodolfo Richter sein nach ihm benanntes Ensemble. Auch die anderen Mitglieder kommen aus der Welt der historisch informierten Aufführungspraxis, und auch wenn die historische Aufführungspraxis auf den ersten Blick nicht unbedingt zu einem Debütalbum mit Repertoire der Zweiten Wiener Schule passen mag, so weisen sie doch sowohl auf das Leitbild der Gruppe als auch auf ihr Alleinstellungsmerkmal hin - das Aufzeigen versteckter Verbindungen zwischen dem Repertoire des 17. bis 21. Jahrhunderts, das ausschließlich auf Darmsaiten gespielt wird.Zurück zur vorliegenden Aufnahme, die der erste Teil eines Projekts zur vollständigen Einspielung der Streichquartette der Zweiten Wiener Schule auf Darmsaiten und in der Tat, etwas ganz Besonderes ist. Repertoiremäßig führen sie uns chronologisch durchs Programm, beginnend mit Weberns glühendem einsätzigen Langsamen Satz von 1905, der in der Sprache der spätromantischen Chromatik gehalten ist; dann Schönbergs Streichquartett Nr. 2 von 1907-8, einer seiner ersten Ausflüge in die Atonalität mit Mezzosopran für die letzten beiden Sätze, der Gedichte von Stefan George vertont; danach folgt Bergs zweisätziges Streichquartett op. 3 von 1910, das ebenfalls die Atonalität erforscht.Klanglich zeichnen sich diese Interpretationen mit wunderbar tonreicher und gefühlvoller Gesangsdarbietung der Mezzo-Sopranistin Mireille Lebel vor allem dadurch aus, dass sie die Werke in ihren unmittelbaren Wiener Kontext stellen: die Tatsache, dass bei diesen frühen Unternehmungen jenseits der Tonalität nicht ein harter Modernismus in aller Munde war, sondern die Musik von Brahms, Mahler und Wagner. Das alles stand in einem größeren expressionistischen und symbolistischen künstlerischen Kontext, der Romantik und Moderne gleichermaßen vermischte - man denke nur an die Gemälde von Gustav Klimt. Jenseits der größeren Weichheit und der breiteren koloristischen Palette, die die erwähnten Darmsaiten bieten, erhalten wir also auch klanglichen Glanz, subtile "Portamentos" und eine singende Freiheit ihrer Linien. Wir befinden uns auch in einer Periodenstimmung, die etwas niedriger ist als der heutige Standard: A=432Hz im Vergleich zu den heutigen 440Hz. Doch all diese romantische Pracht klingt immer noch blitzsauber - gerade dank der Praxis des 19. Jahrhunderts, das Vibrato nur sparsam einzusetzen. Auch wenn die Zweite Wiener Schule nicht unter Ihren üblichen Favoriten auftaucht, legen wir Ihnen dringend nahe, sie einmal auszuprobieren. Dies wird eine sehr begehrenswerte Serie werden. © Charlotte Gardner/Qobuz
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Glassforms

Bruce Brubaker

Klassik - Erschienen am 5. Juni 2020 | InFiné

Hi-Res Auszeichnungen Qobuzissime
Nach Glass Cage im Jahr 2000, und dann Glass Piano im Jahr 2015 gibt sich der Pianist Bruce Brubaker, der an der angesehenen New Yorker Juilliard School studiert hatte, erneut seiner Leidenschaft für Philip Glass hin. Brubaker, dessen Schüler Francesco Tristano mehrmals klassische und elektronische Musik miteinander in Verbindung brachte, gilt als einer der größten Spezialisten des amerikanischen Komponisten, dessen Stücke er schon unzählige Male neu interpretierte. Da er dieses Mal seine Perspektive ändern wollte, tat er sich mit Max Cooper, dem Hauptvertreter der zeitgenössischen IDM zusammen. Der Ire, der für sein jüngstes Album, Yearning for the Infinite, einen „Chaos-Generator“ entwickelt hatte, war genau der Richtige für dieses Album, das einem der Meister der Minimalmusic gewidmet ist. Das grundlegende Werk Two Pages (1968) durfte übrigens als „Single“ erscheinen (ein Konzept, das in diesem Fall hier nicht viel Sinn hat) und diesen zehn hypnotisierenden Minuten verleiht Cooper noch mehr Tiefgründigkeit, wenn er solo spielt und seinen modularen Synthesizer im Hintergrund wummern lässt. Die Platte beginnt und endet mit zwei Meisterwerken von Glass, dem kathartisch wirkenden Metamorphosis 2, einem seiner größten „Hits“, und dem Opening aus Glassworks. Und Max Cooper fügt mit seiner Leistung und großen Zurückhaltung noch eine kontemplative Komponente hinzu. © Smaël Bouaici/Qobuz
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Chopin - Brahms - Schumann

Eric Lu

Klassik - Erschienen am 28. Februar 2020 | Warner Classics

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Gleich zu Beginn von Chopins Préludes verführt Eric Lu unweigerlich mit einer lyrischen Ruhe. Sie erfüllt die gesamten vierzig Minuten dieser musikalischen Reise, die nur so schwer auf so fließende Weise aufrecht erhalten werden kann. Für die ungewöhnliche Einheit, die er in diesem Zyklus sowohl im Ausdruck als auch in der Polyphonie schafft, gebührt Eric Lu höchste Bewunderung. Dem Amerikaner geht es vor allem um Sanglichkeit und seine bewundernswert phrasierten Melodien entführen uns in eine Welt voller großer – und edler – Emotionen. Hinter der Süße und dieser leidenschaftlichen Sanglichkeit verbirgt sich jedoch eine tragische, immer stärker werdende Melancholie, die den dunklen oder zumindest sehr beunruhigenden Charakter der 24 Präludien offenbart. Hier kreiert Chopin eine dunkle Romantik, die der zur gleichen Zeit (April 1838) entstandenen Kreisleriana von Schumann nahesteht.So ist es nicht verwunderlich, dass der Pianist sein zweites Album für Warner Classics mit einem von Schumanns seltsamsten Werke fortsetzt, dem 1854 komponierten Thema mit Variationen in Es-Dur, einer Art Abschied des deutschen romantischen Komponisten vom irdischen Leben. In dieser Hommage an große Meister der Vergangenheit wie Bach und Beethoven wagt Schumann besonders karge Polyphonien in seltenen Pianissimo-Nuancen. Hinsichtlich Charakter und Gemüt schlägt Eric Lu geschickt eine Brücke zum Zyklus von Chopin, wobei er Meditation und Sanftheit in den Vordergrund stellt (Variationen 2 und 5) und keine besonderen Kontraste herzustellen sucht. Der junge amerikanische Pianist Eric Lu (geb. 1997) – Vierter Preisträger beim Chopin-Wettbewerb in Warschau 2015, wo er sich bereits durch seine Interpretation der 24 Préludes hervorgetan hatte – bietet hier ein faszinierendes, manchmal verblüffendes Rezital, wahrscheinlich das vollendetste seiner drei bereits veröffentlichten – das erste ist bei dem deutschen Label Genuin erschienen. Ein Musiker, den man nicht aus den Augen lassen sollte. © Pierre-Yves Lascar/Qobuz
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All Shall Not Die - Haydn String Quartets

Quatuor Hanson

Klassik - Erschienen am 11. Oktober 2019 | Aparté

Hi-Res Booklet Auszeichnungen Diapason d'or - Le Choix de France Musique - Choc de Classica - Qobuzissime
Sechs Quartette – sechs Meisterwerke, die Joseph Haydns Beitrag zur Geschichte der westlichen Musik veranschaulichen. Das Vorhaben ist dem Hanson Quartett besonders gut gelungen, denn sie verstehen es meisterhaft, die Quintessenz dieser subtilen Kunstgattung mit einer faszinierenden instrumentalen Qualität zum Ausdruck zu bringen. Nach dem Anhören dieses Albums stehen wir wieder einmal sprachlos vor dem Genie des Komponisten, der mit Boccherini ein neues Genre erfunden und dieses sogleich mit zahlreichen Meisterwerken von einer überwältigenden Qualität ausgestattet hat. Der Titel dieser Platte, All shall not die, ist eine internationale Übersetzung der Inschrift von Haydns Grabstein auf Latein (non omnis moriar). Die Auswahl dieses Programms zeugt von der Beständigkeit und Universalität eines Werks. Die sechs Quartette dieses Albums wurden aus Haydns umfangreichem Korpus geschickt ausgewählt. Sie berühren sowohl durch ihren Ausdruck als auch durch die Perfektion ihrer Schreibweise: keine einzige Note zu viel, perfektes Gleichgewicht zwischen den vier Stimmen und höchste Inspiration in jedem Augenblick bis zum letzten, unvollendeten Opus 77. Dieses entstand zur gleichen Zeit wie die ersten Quartette op. 18 von Beethoven, der übrigens die Lehren seines Meisters weitgehend beherzigt hat.Mehr als zweihundert Jahre nach seinem Tod hat Haydn immer noch Mühe, als einer der Größten anerkannt zu werden. Dabei hatte er diesen Status bereits zu seinen Lebzeiten inne. Seine Klavierwerke, Quartette, Sinfonien, Oratorien und in geringerem Maße seine Opern sprechen jedoch für ihn. Haydn war mehr als ein Vorläufer: Er war ein Begründer und ein Genie, dessen Einfluss seine Nachfolger, allen voran Beethoven und Schubert, weithin prägte. Dieses großartige Album stellt ihn (wieder) an seinen ursprünglichen rechtmäßigen Platz, genauso wie es das Hanson Quartett ebenbürtig mit der Diskographie der ganz Großen werden lässt.  © François Hudry/Qobuz
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Strauss : Four Last Songs - Wagner : Arias from Tannhäuser

Lise Davidsen

Kunstlieder (Deutschland) - Erschienen am 31. Mai 2019 | Decca Music Group Ltd.

Hi-Res Booklet Auszeichnungen Diapason d'or - Gramophone Editor's Choice - Qobuzissime
Die 1987 in einem kleinen norwegischen Dorf geborene Sopranistin Lise Davidsen (die  damit zwangsläufig im Vergleich zu ihrer Landsfrau Kirsten Flagstad steht) scheint für die Rolle der wagnerianischen und straussischen Heldinnen geboren zu sein. Für ihre erste Platte bei Decca, einem Label, für das sie einen Exklusivvertrag unterschrieb, entschied sie sich, mehrere Facetten einer Frau in den Gesangspartien von Elisabeth (Tannhäuser), Ariadne (Ariadne auf Naxos) darzustellen und.... Pauline, der geliebten Frau von Richard Strauss, der er viele Lieder aus seinem op. 27 (dem Zyklus von 1894, als Hochzeitsgeschenk) bis zu den letzten Vier Liedern von 1948. Unter der flexiblen Leitung von Esa-Pekka Salonen verbindet das Philharmonia Orchestra die erzene Stimme der norwegischen Sopranistin mit Finesse und Eleganz. Wie wir verstehen können, pendelt dieses Album mit seinem durchdachten Programm zwischen Jugend und Alter, wo Geister und Tod lauern. Man fragt sich vielleicht, wie man über Sterblichkeit singen kann, wenn man erst dreißig Jahre alt ist, ein kraftvolles Timbre hat, bei bester Gesundheit ist und ein noch vor sich liegendes Leben lebt. Die Antwort liegt in Lise Davidsens Stimme, die mit den Lerchen wie ein Versprechen der Unsterblichkeit ertönt, die Musik des letzten Strauss, der sich ein letztes Mal mit seiner Vergangenheit in einem zerfallenen Europa beschäftigt. Malven wurde 1984 nach dem Tod ihrer Widmungsträgerin, der Sängerin Maria Jeritza, die es geheim gehalten hatte, entdeckt, und ist Richard Strauss' wahres "letztes Lied". Leichter im Ton als die Vier letzten Lieder, zu denen es gehören könnte, wird es hier in einer Orchestrierung von Wolfgang Rihm präsentiert. François Hudry/Qobuz
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Duruflé : Complete Choral Works

Houston Chamber Choir

Klassik - Erschienen am 5. April 2019 | Signum Records

Hi-Res Booklet Auszeichnungen Qobuzissime - Grammy Awards
Achtung, herrliche Neuveröffentlichung, die den Juwelen der modernen französischen Musik gewidmet ist. Maurice Duruflés Chorwerk hat seinen Ursprung im gregorianischen Gesang. Der Komponist kombiniert sie mit der neuen französischen Ästhetik, die von Gabriel Fauré und Claude Debussy übernommen wurde, mit klaren Linien und klanglicher Reibung. Das Ergebnis ist Musik von unglaublicher Einfachheit. Wenn diese Suche nach der Reinheit auf den ersten Blick beunruhigend erscheinen mag, verbindet sie sich mit einer ganzen Stilrichtung des 20. Jahrhunderts (nicht aber der neoklassischen), die versucht, zu einer bestimmten Essenz der Musikkunst zurückzukehren, sich an ihren Ursprüngen zu orientieren, sich von allen alten Traditionen des Theaters und der Performance zu trennen und sich von dieser Tendenz hin zur reinen Abstraktion zu lösen, die wohl zu einem großen Teil dem musikalischen Schaffen nach dem Zweiten Weltkrieg zugrunde liegen sollte. Gregorianischer Gesang, die "Mutter" aller Musik? Höchstwahrscheinlich. Am Ende zielt Duruflés Arbeit darauf ab, eine Form der Gelassenheit und Sanftmut durchzusetzen, die sicherlich einen zeitgenössischen Trend widerspiegelt, der immer wieder auftaucht, aber gut etabliert und auf Harmonie sowie eine schwebende Atmosphäre bedacht ist, auf der ewigen Suche einer Vereinigung aller Geister. Der Houston Chamber Choir, der für Plattenaufnahmen bisher wenig bekannt ist, performt die Werke des französischen Komponisten in ihrer reduzierten Fassung. Die schlichte Schönheit der Stimmen wird eine Entdeckung sein und die großzügige Akustik der Edythe Bates Hall der Rice University ermutigt den Chorleiter Robert Simpson, großzügig zu phrasieren mit einer seltenen Ausdruckskraft in diesen natürlich expressiven Werken, was diese Aufnahme zu einem idealen Tor zu dieser hypnotisierenden Welt macht (Messe "Cum Jubilo "). Es sei darauf hingewiesen, dass der Katalog der Werke Duruflés - trotz seines relativ langen Lebens - nur vierzehn Nummern von referenzierten Werken enthält, das Notre Père (Vater Unser, neunzig Sekunden Musik!) wurde speziell für die katholische Kirche geschrieben, wegen seiner zu großen Schwierigkeit der Aufführung aber nie aufgenommen. Diese unwillkürliche Präsenz der Zahl 14 eröffnet Duruflés Werk zu einer kontinuierlichen Suche nach Vollendung und Perfektion. Diese Veröffentlichung des Houston Chamber Choir ist auch eine zusätzliche Gelegenheit, eines der bestgehüteten Geheimnisse der französischen Musik des 20. Jahrhunderts wiederzuentdecken. © Pierre-Yves Lascar/Qobuz
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Miroirs

Elsa Dreisig

Opernauszüge - Erschienen am 5. Oktober 2018 | Warner Classics

Hi-Res Booklet Auszeichnungen Diapason d'or - Qobuzissime
Auf ihrem ersten Rezital-Album mit Orchester präsentiert Elsa Dreisig eine Gegenüberstellung von fünf Arienpaaren, die in verschiedenen Beziehungen zueinander stehen. Diese Spiegelung lässt bewusst Musikstile, dramatische Momente, historische Epochen und kontrastierende Stimmen aufeinanderstoßen: Klassizismus und Romantik ergänzen sich gegenseitig, Schrecken und Jubel wechseln sich ab. Die weibliche Seele offenbart sich hier in all ihren Facetten. Das ersten Arienpaar handelt von Spiegeln: derjenige, in dem sich Marguerite aus Gounods Faust bewundert und derjenige von Thaïs in der gleichnamigen Oper von Massenet. Anschließend geht es um Manon Lescaut aus der Sicht von Puccini und um Manon (ohne Lescaut) von Massenet. Danach kommt eine ziemlich ungewöhnliche Gegenüberstellung der Juliette von Daniel Steibelt, einem in Vergessenheit geratenen deutschen Komponisten der frühen Romantik, und der Juliette aus Romeo und Julia von Gounod. Elsa Dreisig fährt mit den beiden berühmten Figaros fort: der Barbier von Sevilla von Rossini mit der köstlichen Rosina und Mozarts Hochzeit des Figaro mit den zarten Klängen der hilflosen Gräfin. Zum Abschluss stellt sie schließlich in noch ungewöhnlicherer Weise die Figur der Salome in Hérodiade von Massenet – eine zarte junge Frau, die überhaupt nicht versucht, sich den Kopf von irgendjemandem servieren zu lassen – und die von Strauss mit ihren blutrünstigen Wahnvorstellungen gegenüber. Bestimmt um jeden Versuch eines Vergleiches mit bereits bestehenden Aufnahmen zu vermeiden hat Elsa Dreisig die französische Version 1907 gewählt – es sei daran erinnert, dass das Stück von Oscar Wilde ursprünglich auf Französisch konzipiert wurde. Hier liegt uns eines der ungewöhnlichsten Programme vor, die man sich für ein erstes diskographisches Rezital vorstellen kann. Dreisig wird vom Orchestre National de Montpellier Occitanie unter der Leitung von Michael Schønwandt begleitet. © SM/ Qobuz
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Bernstein : A Quiet Place

Kent Nagano

Gesamtaufnahmen von Opern - Erschienen am 1. Juni 2018 | Decca Music Group Ltd.

Hi-Res Booklet Auszeichnungen 5 de Diapason - Choc de Classica - Qobuzissime - 5 Sterne Fono Forum Klassik
Es gibt tatsächlich eine neue Partitur von Bernstein zu entdecken, nämlich die von Garth Edwin Sunderland bearbeitete kammermusikalische Fassung von A Quiet Place. Sie wurde zum ersten Mal durch den Dirigenten Kent Nagano im Konzertsaal der Maison Symphonique in Montréal aufgeführt und mitgeschnitten. Das letzte Bühnenwerk des amerikanischen Komponisten war 1983 in der Houston Grand Opera uraufgeführt worden. Es wurde anschließend durch den Librettisten Stephen Wadsworth und den Komponisten überarbeitet, der Passagen des Einakters Trouble in Tahiti von 1951 einfügte. Anschließend wurde die Oper noch zweimal uraufgeführt (an der Scala in Mailand und in Washington). 1986 leitete der Komponist selbst die Uraufführung einer weiteren – und diesmal endgültigen – Version an der Wiener Staatsoper. Dieses Werk ist in jeder Hinsicht faszinierend, eine Art zeitgenössisches Intermezzo von Strauss. Es spiegelt in der Einsamkeit und der Existenzkrise eines Ehepaares (Trouble in Tahiti) und später der ganzen Familie die amerikanische Gesellschaft wider. In der Struktur orientierte sich Bernstein an Mahler und schuf einen letzten Satz voll „würdevoller Noblesse“, der an die Dritte und Neunte Sinfonie seines verehrten Vorbilds erinnert. Wie so oft bei ihm bewirkt die Verwendung verschiedenster Stile (Jazz, Chor, Broadway, Mahler, Berg, Britten, Copland…) einen explosiven Mix, der eher zu einem musikalisch untermalten Gespräch als zur großen Oper passt. Aber paradoxerweise wird genau dadurch dieses Werk so besonders … und spannend. Sie können es mit seinem ehemaligen Schüler und Getreuen Kent Nagano an der Spitze ausgezeichneter Solisten neu entdecken und werden verstehen, wo der „stille Ort“ liegt, an dem „uns die Liebe Harmonie und Vergebung lehren wird“. © Franck Mallet/Qobuz
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Dans ma main

Jean-Michel Blais

Klassik - Erschienen am 11. Mai 2018 | Arts & Crafts Productions Inc.

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Der 33-jährige Kanadier Jean-Michel Blais hat sich in der zeitgenössischen neoklassischen Musikszene bereits einen Namen gemacht. Nach einem ersten, schlicht „II“ genannten Album, ebenfalls mit Caroline Distribution, bietet er uns heute eine neue Sammlung an Titeln (die meisten davon sind in den letzten Wochen als Singles herausgekommen) in einer einzigartigen Lyrik. An seinem zur Musikbox umgebauten Klavier lässt er sich von seinem unersättlichen Schaffensdrang an neue Ufer treiben. Der zentrale und vielleicht überzeugendste Titel dieser 45 Minuten, Blind, (oder auch Sourdine …), lässt uns in das Ideal einer Musik eintauchen, die Akustik und Elektronik verbindet, beruhigend und samtig zugleich. God(s) führt uns an einen anderen Ort, vielleicht eine Kirche, aber die wiederauftauchenden Klangflächen weisen darauf hin, dass Jean-Michel Blais wahre Götter vielleicht andere sind, als wir vermuten. Igloo könnte auch im Weltall angesiedelt und durchaus pantheistisch gemeint sein, aber Blais, der manchmal sehr sarkastisch ist, spricht an dieser Stelle von Städten: Das „Igloo“, um das es hier geht, sind unsere modernen Städte voller „Kavernen“, in denen sich alles überlagert.Der Name Blais wird Sie in Zukunft an einzigartige Klangerlebnisse erinnern. Da gibt es etwas von dieser bitteren, aber auch innigen, sanften und sinnlichen Melancholie, die einen Großteil des nordamerikanischen Musikschaffens erfüllt - dieselbe, die auch die großen Klangsphären eines Copland (Quiet City) oder Bernard Herrmann (Les Neiges du Kilimandjaro) durchdringt, ebenso wie die eigensinnigen Gestalten eines Steve Reich (The Four Sections) oder die duftigen Klangwirbel eines der phantasievollsten Vertreter der kanadischen Popszene wie Patrick Watson (Lighthouse).Jean-Michel Blais, der hinter seiner Maske der Eleganz hartnäckig bleibt, hebt diskret die Zeit auf: Seine Zitate (etwa die berauschende Melodie aus dem zweiten Satz des Zweiten Klavierkonzerts von Rachmaninow im Titel Roses) zeigen heilsame und besänftigende Ausblicke. Blais reicht Ihnen die Hand. Es wäre höflich, seine Einladung nicht auszuschlagen. © Pierre-Yves Lascar/Qobuz
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Nicola Porpora : Opera Arias

Max Emanuel Cencic

Opernauszüge - Erschienen am 2. März 2018 | Decca Music Group Ltd.

Hi-Res Booklet Auszeichnungen Diapason d'or - Diapason d'or / Arte - Qobuzissime - 5 Sterne Fono Forum Klassik
Heutzutage wäre es ziemlich merkwürdig, einen Komponisten als “Gesangslehrer” zu bezeichnen, doch im 18. Jahrhundert war das gang und gäbe. In Italien komponierte nahezu jeder Komponist von Bedeutung opere serie (Porpora schrieb wenigstens 45): Die ernste Oper war die vorherrschende musikalische Gattung, die vor allem die menschliche Stimme verherrlichte. Mit ihr stand oder el das musikalische Ansehen, und die besten Sänger wurden zu den ersten Superstars der Musik. Deshalb mussten Komponisten, auch wenn sie generell vom Ruhm ihrer führenden Sänger und Sängerinnen überstrahlt wurden, die menschliche Stimme und all ihre beachtlichen technischen wie dramatischen Fähigkeiten verstehen, um die Möglichkeiten der Gattung Oper in einer Zeit zu nutzen, in der jene “Gesangsmaschinen”, die Kastraten, die Gesangskunst auf eine zuvor unbekannte und seither nicht mehr erreichte Höhe der Perfektion gebracht hatten. Mit dieser Aufnahme anlässlich seines 250. Todestages wird Porpora wieder ins Blickfeld gerückt, doch war er wohl bis vor kurzem trotz seiner bemerkenswerten Qualitäten als Komponist eher als Gesangslehrer berühmt, einfach, weil zwei der namhaftesten Kastraten zu seinen zahlreichen Schülern gehörten, nämlich Gaetano Majorano, bekannt als Caffarelli, den Porpora einmal als “den besten Sänger in Europa” bezeichnet hat und der auch für seine amourösen Kapriolen und seine Arroganz auf und jenseits der Bühne bekannt war, sowie der noch berühmtere Carlo Broschi, der unter seinem Bühnennamen Farinelli 15 Jahre lang in ganz Europa das Publikum in Staunen und die Herzen in Wallung versetzte, bis er nach Spanien gerufen wurde um dort den schwermütigen König mit der Kraft seiner Stimme zu heilen. Max Cencic äußert dazu: “Porpora war meiner Meinung nach ein strenger Lehrer, fast sadistisch vielleicht mit seinen Ansprüchen — man musste den Atem, den Kopf und die Stimme fast 120%ig kontrollieren”. Tatsächlich soll Porpora einer Legende nach Caffarelli in sechs Jahren nichts anderes als ein einzelnes Blatt mit Stimmübungen gelehrt haben. Hinter dem formalen Wechsel von Arie und Rezitativ in der opera seria verbirgt sich eine breitgefächerte emotionale Ausdruckskraft, jene varietas, die Erasmus bekanntlich beschrieben hat als “so kraftvoll in jedem Bereich, dass es absolut nichts, wie glänzend auch immer, gibt, das nicht gedämpft wird, wenn es sich nicht durch Vielfalt emp ehlt”. In Formen wie der verzierten aria di bravura oder der lyrischen aria di sostenuto stellte der Komponist bloß einen Rahmen bereit, der vom Sänger ausgeschmückt wurde: Die Fertigkeit des Interpreten in Verzierungen und anderen emotionalen Mitteln war von höchster Bedeutung. Porporas langjährige Erfahrung als Lehrer wie als Komponist machten ihn Max Cencics Meinung nach “zu einem der besten zehn Komponisten der italienischen Barockoper. Ich habe die Arien für diese Aufnahme fast instinktiv nach meinem Gefühl für das Richtige ausgewählt. Man kann einen Komponisten dieser Qualität nicht in einem Album erfassen, und jedes Stück ist ein Juwel für sich. Auch wenn die Technik überall herausgestellt wird — Sprünge, schnelle Skalen, Triller, lange Phrasen —, scheint doch Porporas besondere und äußerst fesselnde melodische Begabung überall durch.” Alle Arien stammen aus Werken, die Porpora in der Zeit seiner größten Berühmtheit komponiert hat: von Ezio (Venedig 1728; “Se tu la reggi al volo” ist ein spektakuläres Stück in Sechzehnteln) bis Filandro (Dresden 1747, mit einem hinreißenden siciliano in “Ove l’erbetta tenera, e molle”); dazu noch die Arien aus drei Opern, die er in den 1730er Jahren im direkten Wettbewerb mit Händel in London komponiert hat (Arianna in Nasso 1733, Enea nel Lazio 1734 — ein wahres Feuerwerk hier in “Chi vuol salva” — und I genia in Aulide 1735). Im Teatro San Carlo in Neapel, dem damals wohl berühmtesten Opernhaus, fand 1740 die Premiere von Il trionfo di Camilla statt, und die beiden hier aufgenommenen Arien zeigen Porpora von seiner besten Seite: die Musik von “Va per le vene il sangue” passt stimmungsvoll zu dem dunklen suggestiven Text, “Torcere il corso all’onde” hingegen verbindet rasante Koloraturen mit eleganter Linienführung. In den drei Arien aus Carlo il Calvo (Teatro delle Dame, Rom 1738) soll sich der Sänger Porporas varietas mit seiner eigenen stimmlichen Bandbreite anpassen: von den hastenden oriture in “So che tiranno io sono” bis zu den hochliegenden Phrasen in “Se rea ti vuole il cielo” und dem betörenden hypnotischen Sostenuto in “Quando s’oscura il cielo”. Porporas Orchesterstil ist ebenfalls von bemerkenswerter Vielfalt, umso mehr, als er im Allgemeinen nur Streicher verwendet, am besten in den kunstvollen Linien der Arie “Torbido intorno al core” aus Meride e Selinunte (Venedig 1726), in der Stimme und Geigen sich kunstvoll in einem gefühlvollen suggestiven Gewebe verzierter Wiederholungen ver echten. Gelegentlich zieht er jedoch alle Klangregister, wie in der martialischen Arie “Destrier, che all’armi usato”, in der die Trompeten und Hörner bei der Erstaufführung 1731 im Teatro Regio, Turin mit der unvergleichlichen Stimmkraft Farinellis wetteiferten. Max Cencic meint: “Wie können wir die großen Kastraten nachahmen? Das lässt sich kaum festlegen, aber diese Stimmen waren die Seele von Porporas Musik.” - Nicholas Clapton © 2018 – Decca Group Limited. Übersetzung : Christiane Frobenius
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Mendelssohn

Quatuor Arod

Klassik - Erschienen am 22. September 2017 | Erato - Warner Classics

Hi-Res Booklet Auszeichnungen 4 étoiles Classica - Qobuzissime - 5 Sterne Fono Forum Klassik
Für seine erste Aufnahme hat das Arod Quartett Mendelssohn gewählt, eine der tragenden Säulen der hohen Kunst der Quartettkomposition. Dies zeigt sich insbesondere an dem großen Meisterwerk, dem Vierten Quartett in e-Moll, das 1837 entstanden ist. Dieses ist in seiner Struktur und den musikalischen Entwicklungen ohne Zweifel mehr an Mozart als an Beethoven angelehnt, auch wenn man von der ersten bis zur letzten Note die Handschrift Mendelssohns deutlich erkennt. Wer hingegen nach den Einflüssen des tauben Genies sucht, muss sich das Zweite Quartett Op. 13 näher ansehen, ein Werk, das 1827 kurz nach Beethovens Tod entstand. Damals hatte Mendelssohn gerade die Reichweite der Innovationen Beethovens entdeckt. Das Arod Quartett spielt anschließend die Vier Stücke für Streichquartett: vier unterschiedliche Stücke aus verschiedenen Epochen, die posthum unter der Verzeichnisnummer Op. 81 durch den Nachfolger Mendelssohns am Gewandhaus, Julius Rietz, zusammen veröffentlicht wurden. Das Album schließt mit einer vom Arod Quartett vorgenommenen Bearbeitung eines Liedes, gesungen von Marianne Crebassa, dessen Thema Ton für Ton aus verschiedenen Passagen Beethovens stammt - eine echte Hommage des jungen Komponisten an den berühmten älteren Kollegen. Es sei daran erinnert, dass das Arod Quartett, erst 2013 gegründet, wie ein Meteorit eingeschlagen und sich weltweit rasch einen Namen gemacht hat. Als Preisträger des ARD Musikwettbewerbs 2017 ist es unter anderem in der Philharmonie in Paris, im Auditorium des Louvre, im Théâtre des Bouffes du Nord sowie im Mozarteum in Salzburg, im Konzerthaus in Wien, im Concertgebouw in Amsterdam, in der Tonhalle Zürich, in der Wigmore Hall in London, in Tokyo, in Finnland, in der Schweiz aufgetreten und die Liste ist noch lange nicht zu Ende...© SM/Qobuz
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Handel goes Wild

Christina Pluhar

Klassik - Erschienen am 1. September 2017 | Warner Classics

Hi-Res Booklet Auszeichnungen Qobuzissime
 „Händel goes wild“, das heißt so viel wie „Händel dreht auf“. In der Tat dreht er in diesem Album von Christina Pluhar extrem auf. Denn die österreichische Harfinistin, Theorbistin und Lautenistin hat sich eine ordentliche Hand voll Arien und Sätze aus Konzerten sowie Ouvertüren von Händel (und auch ein wenig von Vivaldi) vorgenommen, um sie anschließend nicht nur den Musikern des Barockensembles L’Arpeggiata, sondern auch einem halben Dutzend Jazzmusiker verschiedenster Stilrichtungen anzuvertrauen. Dabei herausgekommen ist eine Aufnahme mit Anklängen an Klezmer, Salsa, New Orleans, Lounge, Blues usw., die man je nach seiner eigenen Anpassungsfähigkeit lieben oder hassen kann. Tatsächlich können einen Klarinette und Klavier in diesem Musikstil aus der Ruhe bringen…Pluhars Prinzip ist ganz einfach: Händel hat selbst wiederholt, umgeschrieben bearbeitet, verschönt, abgeschrieben, wieder neu geschrieben und dabei ebenso viel aus seinem eigenen Fundus wie aus dem anderer Komponisten geschöpft - jedoch immer mit seiner persönlichen Schreibweise und im aktuellen Stil seiner Zeit! Warum sollten wir das heute nicht auch tun? Wie dem auch sei, die vorliegende Mischung von Stimmen und Instrumenten im barocken Stil sowie Instrumenten und musikalischen Genres des 20. Jahrhunderts ist höchst verblüffend. Unter denen Künstlern, die zu diesem Projekt eingeladen wurden, befinden sich der Klarinettist Gianluigi Trovesi, der Pianist Francesco Turrisi und der Bassist Boris Schmidt im Bereich des Jazz sowie der Kontratenor Valer Sabadus und die Sopranistin Nuria Rial. © SM/Qobuz