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Qobuzissime? Dies ist eine Auszeichnung, die Qobuz für ein Debütalbum oder ein zweites Album vergibt. Pop oder Reggae, Metal oder Klassik, Jazz oder Blues - kein Genre wird unbeachtet gelassen. Meistens handelt es sich um junge, noch unbekannte Talente.

Hin und wieder kann diese Auszeichnung auch an bereits bekannte Künstler vergeben werden, die ein ungewöhnliches Projekt schaffen, das sich von ihrer sonstigen Diskografie unterscheidet, wie zum Beispiel ein Crossover-Album. Was zählt ist einzig die Originalität und die Qualität. Die der Aufnahme, des musikalischen Projekts und seiner Identität.

Die Alben

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Unlearning

Walt Disco

Alternativ und Indie - Erschienen am 1. April 2022 | Lucky Number

Hi-Res Auszeichnungen Qobuzissime
Nach der selbst produzierten EP Young Hard and Handsome im September 2020, die das epische Hey Boy (You're One of Us) enthielt, veröffentlichen Walt Disco bei Lucky Number eine erste, funkelnde LP. Das Sextett aus Glasgow, dessen Mitglieder sich alle auf einer Party im Jahr 2016 kennengelernt haben, hat keine Zeit verschwendet. Weder mit gemeinsamen Auftritten noch mit Aufnahmen oder mit dem Versuch, ihren Bekanntheitsgrad zu steigern. Gemeinsam lassen sich die jungen Schotten von Liebe, Androgynität und vom Zeitgeschehen inspirieren und nehmen sich Scott Walker, David Bowie, ihre Landsleute Orange Juice und Associates, aber auch SOPHIE und Arca zum Vorbild. Dabei kleiden sie ihre Prosa in eine beredte Mischung aus 80er-Post-Punk, Glam Rock und futuristischem Pop. Sowohl der Blick als auch die Musik richten sich nicht nach der Vergangenheit, ganz im Gegenteil. Die ehemaligen Studenten der Universität Glasgow lassen sich von ihr inspirieren, um von einer Jugend zu erzählen, die sich in einem engstirnigen Jahrtausend eingeengt fühlt. "Unsere Musik hat etwas Theatralisches und Glamouröses, sie ist nie wirklich zurückhaltend. Die beste Kritik, die wir je bekommen haben, war von jemandem, der sagte: ‘Walt Disco sollte The Rocky Horror Picture Show neu schreiben'", argumentiert Sänger James Potter.In Unlearning, das eigentlich Unlearning The Perfect Life hätte heißen sollen, geht es also um Dekonstruktion und Freiheit. "Ihr sagt, wir sind dumm, ich sage, ihr seid alt/ Seit wann seid ihr so kalt geworden/ In der Vergangenheit gefangen, habt ihr euch darin verirrt/ Lasst uns jung sein/ Jung, stark und schön", singt James über die hervorstechende Basslinie in Cut Your Hair. Diese zwölf Einakter, die an eine Rockoper grenzen und in denen die elektronischen Experimente von The Costume Change als Intermezzo dienen, erhalten ihre Dramaturgie von den tragikomischen Chören (How Cool Are You?) und durch die Stimme von James Potter, der sich am Operngesang orientiert und als großer Fan von Freddie Mercury inspirieren lässt. Aber sie offenbart sich auch in dieser dystopischen Welt, in der sich das Pathos des Darkwave (Weightless), die fröhlichen Dance-Pop-Turbulenzen im Stil von Dead Or Alive (Selfish Lover), die mit Drummachines und Synthesizern produziert werden, mit einem beängstigenden Hyperpop (If I Had a Perfect Life, Macilent) vermischen - fast so, als seien sie aus dem Klangwirbel der Software herausgeschnitten worden. Ein Revival 2.0 der Welle der New Romantics, das Bände spricht!  Zwangsläufig ein Qobuzissime! © Charlotte Saintoin/Qobuz
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Reeling

The Mysterines

Rock - Erschienen am 11. März 2022 | Fiction

Hi-Res Auszeichnungen Qobuzissime
Dank des jugendlichen, aber verlockenden Grunge der selbstproduzierten EP Take Control aus dem Jahr 2019 hatten die Mysterines, die sich um Sängerin und Gitarristin Lia Metcalfe, George Favager (Bass) und Chrissy Moore (Schlagzeug) zusammenfinden, bei den Talentscouts von BBC Introducing keinen schlechten Eindruck hinterlassen, die sie auf ihren Radiocharts platzierten und sie kurz darauf einluden, auf den berühmten Festivals in Reading und Leeds zu spielen. Diese enorme Aufmerksamkeit eröffnete ihnen die Möglichkeit, als Vorgruppe von Royal Blood oder The Amazons aufzutreten, und schürte die Vorfreude auf ihre erste LP. Das auf dem Label Fiction erschienene Reeling, ein 43-minütiges Rock-Fulminanzwerk, ließ die Liverpooler aus ihren Löchern kommen - und zwar nicht ohne Schmerzen. Nach einem durchwachsenen Jahr, einem Schlagzeugerwechsel und einem zusätzlichen Gitarristen, musste sich das Quartett drei Wochen lang in den Assault & Battery Studios zwischen zwei Londoner Lockdowns einschließen, um unter der durchgängigen Wachsamkeit der Produzentin und Toningenieurin Catherine Marks (Foals, Wolf Alice, The Killers) ihre Aufnahmen zu vollenden. Und das manchmal in einem einzigen Take.Der Schlagzeuger Paul Crilly erklärte: "Wir konnten nicht rausgehen, ohne das Album zu vergessen und Zeit mit anderen Leuten zu verbringen. Es war eine echte Erleichterung, es uns anzuvertrauen, nachdem wir unseren Teil getan hatten.” Diese, in den vier Wänden eingefangene, Spannung bildet den Rohstoff und bestimmt das Tracklisting. Auf dem Höhepunkt dieser Anspannung eröffnen Life's A Bitch (But I Like It So Much) und Hung Up mit ihren fetten Riffs und Sättigungssounds die Platte. Der Druck lässt nach, bleibt aber lesbar im Country-Song Old Friend / Die Hard, der Gitarrenballade Still Can You Home und endet schleichend in der dunklen und gruseligen Nick Caveschen Langsamkeit von Confession Song mit seinem Gothic-Piano. "Als ich mir die Testpressung zum ersten Mal anhörte, konnte ich all diese Momente im Studio noch einmal nachfühlen", sagt Crilly. Das Album Reeling (englisch für "taumelnd"), das von Lias Stimme, einer Destroyer-Priesterin, angetrieben wird, bietet eine ganze Palette von Rocksongs und Garagesongs bis hin zu sanften Pop-Melodien. Erstaunlich und ziemlich reif für eine Band, die gerade erst dem Teenageralter entwachsen ist. Qobuzissime! © Charlotte Saintoin/Qobuz
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The Overload

Yard Act

Alternativ und Indie - Erschienen am 7. Januar 2022 | Universal-Island Records Ltd.

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Der Himmel ist ganz grau, zieht ins Anthrazitfarbene. Der ideale Dünger, um diese quirlige Szene des Postpunk-Revivals, die die Welt der Indie-Labels seit dem Beginn der 2010er Jahre in Aufregung versetzt, noch weiter aufblühen zu lassen. Wie soll eine Gruppe ihren Kopf über Wasser halten, wenn ohnehin schon recht dichtes Gewirr herrscht, inmitten dessen sich Girl Band, Fontaines DC, Shame, Dry Cleaning und unzählig andere tummeln, ausgestattet mit rechteckigen Gitarren und Sängern, die eher skandieren als singen? Zu diesem Zweck haben Yard Act die Leuchten dieses Genres ins Boot geholt sowie jene, die auf oft unvorhergesehenen Wegen voraussichtlich noch großen Einfluss haben werden (The Fall, Gang of Four, Wire, die ersten Talking Heads). Besser noch: sie beschränken sich nicht darauf, sich bloß wie ein elektrisches Nervenbündel zu reagieren oder der übel zugerichteten (Post-Brexit) Gesellschaft ins Gesicht zu spucken. Nein, Yard Act machen sich ihre Wut zunutze, um verschiedene Ausdrucksformen zu finden. Mit diesem fast beschwichtigten Tempo in 100% Endurance klingt übrigens das Album The Overload, brillantes Debütalbum dieses aus Leeds stammenden Quartetts, aus. James Smith gibt hinter dem Mikrofon einen würdigen Vertreter des Postpunk-Dalai Lamas, des verstorbenen Mark E. Smith von The Fall ab, und obendrauf gibt es noch einen Hauch Groove. Zusammen mit dem Gitarristen Sam Shipstone, dem Bassisten Ryan Needham und dem Schlagzeuger Jay Russell kleidet Smith seinen Zynismus und seinen Zorn in prächtiges Gewand. Es ist eine Form von proletarischem Dandytum mit Amphetaminen im Blut, das manchmal (sehr) an Sleaford Mods erinnert, an Ian Durry und seine Blockheads, ja sogar an Pulp! James Smith‘ Klangvignetten sind nie grotesk, aber geprägt von düsterem Realismus und so sind sie manchmal lustig und, musikalisch gesehen, recht vielseitig. Das wird einen bleibenden Eindruck hinterlassen und The Overload wird vielleicht zum Schockalbum des Jahres 2022 gekürt werden. © Marc Zisman/Qobuz
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Comfort To Me

Amyl and The Sniffers

Alternativ und Indie - Erschienen am 10. September 2021 | Rough Trade

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Sie wurde als die aufregendste Punkband der letzten Jahre bezeichnet und wir wiederholen es hier noch einmal: Sie ist es wirklich. Die Australier, angeführt von der brillanten Amy Taylor, erklimmen mit explosiven Live-Auftritten allmählich die Leiter des Bekanntheitsgrades. Nach zwei EPs und einem ersten Album unter ihrem Namen, welches sie in England mit Joey Walker von King Gizzard & The Lizard Wizard aufgenommen haben und das ihnen den Preis für das beste Rockalbum bei den renommierten Aria Awards einbrachte, folgt nun Comfort to Me mit seinem deformierten Cover. Das treffend benannte "Comfort to Me" entstand aus der erdrückenden Zeit, in der Amy, Bryce Wilson (Schlagzeug), Dec Martens (Gitarre) und Fergus Romer (Bass) hinter verschlossenen Türen in einem Haus in Melbourne täglich an den eindringlichen Tracks arbeiteten, die sich durch ihre Garage-Energie auszeichnen.Ihr Einfluss von Cro-Mags oder Cosmic Psychos unterscheidet sich leicht von den früheren Veröffentlichungen: repetitive und schneidende Rhythmussektion, einfache, rohe und geloopte Texte, mehr ausgearbeitete, schreiende Gitarren, ultrakurze Tracks. Nennenswerter Unterschied: die sorgfältigere Produktion. Aber es ist das Beste, Amy darüber reden zu lassen. „Wenn ich erklären müsste, wie diese Platte ist, würde ich sagen, es ist wie eine Folge von ‘Die Nanny’, nur dass der Schauplatz eine australische Autoshow ist, Fran sich für soziale Themen interessiert, sie ein paar Bücher gelesen hat und Mr. Sheffield Bier in der Sonne trinkt. Es handelt sich um einen Mitsubishi Lancer, der in einer Schulzone die zulässige Höchstgeschwindigkeit leicht überschreitet. Es ist die Erkenntnis, wie gut es ist, in Jogginghosen ins Bett zu gehen. Es ist, wenn jemand für dich kochen will, wenn du wirklich müde bist. Ich stehe schweißgebadet auf der Bühne und betreibe Shadow-boxing, anstatt still in einer Ecke zu sitzen.“ Beruhigend, weil es nicht auf dem Bildschirm zu sehen ist. Das Album beinhaltet alles, was wir lieben © Charlotte Saintoin/Qobuz
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Memory Device

Baba Ali

Alternativ und Indie - Erschienen am 27. August 2021 | Memphis Industries

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Babatunde Teemituoyo Doherty, kurz Baba Ali, ist ein Mann der 80er Jahre. Aber nicht nur das. Sein Debüt Memory Device beweist dies zu Recht. Aufgewachsen mit den Sounds von Prince, Michael Jackson und Femi Kuti - einem Freund der Familie -, D'Angelo oder auch J Dilla, verbindet der aus New Jersey stammende Musiker mit nigerianischen Wurzeln die Brillanz des Funk, die Kälte des Post-Punk, den Elan des Dance und eine Vielzahl von weiteren Klängen in diesem atemberaubenden Memory Device. Baba Ali, der Ästhet, ist stets auf der Suche nach der wahren Kunst. Als er in der High School mit seinem Duo Voices Of Black musizierte, sagte er: "Nun, wir sind zwei schwarze Kids, aber wir hören Radiohead und Joy Division und eine Menge anderer Sachen: Wir wollen uns nicht in eine Schublade stecken lassen, sondern vollendete Musik machen, die überall hingeht und alles berührt." Die Demos, die Baba Ali in den Kunstkursen an der Brown University reifen ließ, begeisterten unter anderen seinen Kommilitonen Nicolas Jaar, der dem Duo half, die erste EP auf dem Elektro-Label Wolf + Lamb (Seth Troxler, Shaun Reeves) zu veröffentlichen, auf dem seine eigenen Werke selbst bereits erschienen waren. Es folgten Nomad (2017) und This House (2020), zwei EPs, die von Einflüssen von LCD Soundsystem oder Iggy Pop geprägt sind, die Baba Ali in London, wo er lebt, entdeckt hatte.Dieses erste Album, das in der Einsamkeit des Lockdowns zwischen September 2020 und Februar 2021 geschrieben und mit Al Doyle (Hot Chip, LCD Soundsystem) in East London aufgenommen wurde, ist ebenso von James White and the Blacks inspiriert wie von Yves Tumors Heaven To A Tortured Mind (2020), einer echten Offenbarung, wie Baba Ali selbst sagt. Wir finden Klänge aus dem Post-Disco der späten 70er Jahre ebenso wie avantgardistische Experimente, die beängstigende Atmosphären schaffen (Better Days, Nuclear Family) und eine verzerrte Stimme, die kontinuierlich bedrückende Textzeilen von sich gibt ("I've seen better days"). In diesem gelungenen Spagat dominieren Synthies (Nature's Curse, Got An Idea), Bass und Beat (Black Wagon) sowie die Geschmeidigkeit von Funk und New Wave (Draggin' On, Temp Worker). Doch jenseits dieser Vielzahl an stilistischen Verweisen ist es vor allem die Spannung, die sich von einem Track zum nächsten zieht und die sich perfekt für einen kathartischen Clubtrip eignet. Kurzum, dieses Qobuzissime ist wie eine Schatztruhe, deren Zauberformel unbedingt weitergegeben werden muss. © Charlotte Saintoin/Qobuz
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To Enjoy is the Only Thing

Maple Glider

Alternativ und Indie - Erschienen am 25. Juni 2021 | Partisan Records

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Eine Intonation. Eine Ansammlung von Wörtern. Ein verträumter Klang. Die Struktur einer Melodie... Diese kleinen Dinge machen es möglich, sich von der Masse abzuheben, wenn man auf introspektive Songs und Indie-Folk-Pop steht. Und bei Tori Zietsch alias Maple Glider ist dies genau aufgrund dieser Merkmale der Fall. Die Australierin – die zwischenzeitlich in Brighton lebte, bevor sie nach Melbourne zurückkam – kann sich sogar, ohne rot zu werden, mit Cat Power, Adrianne Lenker, Angel Olsen, Julia Jacklin oder Sharon Van Etten messen... Das Grundmaterial mag klassisch und konventionell sein (eine strenge und religiöse Erziehung, erste Lovestorys, Schönheit der Welt, Einsamkeit, Distanz), aber To Enjoy Is the Only Thing geht die Intimität mit einem einzigartigen Ton an. Eine humorvolle Wendung oder ein anmutiges Geständnis erlauben es ihr, die Schwere bestimmter Situationen oder die Lauheit konventioneller Worte zu vermeiden.Doch vor allem ist ihr Album der Rahmen für eine einfach erhabene Stimme. Und in den Sequenzen totaler Reinheit wie bei Be Mean, It's Kinder Than Crying, wo ihr leicht verhallter Gesang gegen die gleichen zwei Akkorde prallt, die sich endlos wiederholen, ist Maple Glider überwältigend. "So klingt dieses Album für mich", schreibt sie in einer Notiz. "Ein Spaziergang vorbei an Lamettabedeckten Bäumen Mitte September, baden entlang der Calanques in Südfrankreich, Frost auf der Motorhaube eines Autos, Dunkelheit um 16 Uhr, Helligkeit bis 22 Uhr, ein dumpfes Gefühl, der ewige graue Nebel, der die Silberküste verschluckt, die Farbe Rot, das scheußliche grüne Kleid, Rotwein, rotes Blut, rote Lippen, Rot ist die Farbe des Kardinalskleides, die Schweiz, die Tagebücher meiner Mutter, der Bericht eines Gerichtsmediziners, die Sonne in meinem Gesicht, das Ende der Liebe... " Man beendet dieses erste Album bewegt wie nie, überwältigt von diesen letzten 35 Minuten und voller Anmut... © Marc Zisman/Qobuz
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Mammoth WVH

Mammoth WVH

Rock - Erschienen am 11. Juni 2021 | EX1 Records

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Der Name Van Halen hat Ende 2020, Anfang 2021 viel von sich reden gemacht. Zunächst aus dem bekannten, traurigen Grund: dem Tod des genialen Gitarristen Eddie Van Halen am 6. Oktober 2020. Und dann, wesentlich erfreulicher, durch die lang erwartete Veröffentlichung des ersten Soloalbums seines Sohnes Wolfgang. Ein "Soloalbum" im wahrsten Sinn des Wortes, denn der 30-jährige spielt absolut alle Instrumente selbst und hat die Musik seit 2015 allein komponiert. Die einzige Unterstützung von außen: Produzent Michael "Elvis" Baskette (Alter Bridge, Slash feat. Myles Kennedy & The Conspirators), der für die tadellosen Tonaufnahmen verantwortlich ist. Aber das Wesentliche liegt woanders: Neben der musikalischen und gesanglichen Leistung fällt vor allem das Gespür für Melodie auf. Wie Dave Grohl (der ebenfalls den Status einer Ein-Mann-Band hat) trifft Wolfgang Van Halen mit seinen starken, einprägsamen Songs den Nagel auf den Kopf. Mammut WVH macht fast jeden Track zu einer potenziellen, tadellos ausbalancierten Single, die man den ganzen Tag vor sich hin trällern möchte. Äußerst radio friendly, aber nie aufdringlich: Die Gesangsarrangements sind üppig und gelungen, die Instrumentierung stimmig. Wolfgang hat verstanden, dass der größte Fehler, den man als "Sohn von" begehen könnte, darin besteht, in die noch frischen Fußstapfen von Papa Edward zu treten. Daher lässt er nur gelegentlich (sehr gelungene) Gitarrensolos hören. Der Multi-Instrumentalist geht lieber andere Wege. Seine Erfahrungen mit Tremonti haben zwar einen starken Einfluss auf seine Musik, aber wir finden auch noch viele andere Einflüsse, die Fans von (amerikanischem) Alternative Rock wie Queens Of The Stone Age, Sevendust oder auch Foo Fighters nicht schockieren werden. Wenn er manchmal mit dem Hardrock flirtet, dann mit Alice In Chains oder den jüngsten Produktionen von Winger Referenzen (You're to Blame). Sucht man dagegen weiter oben im Stammbaum der Musik dieser Ein-Mann-Band, gibt es keinen Zweifel, dass alle Verästelungen auf die vier Jungs aus Liverpool zurückgehen. Der Sinn für Hit, Refrain und perfektes Timing liegt ihm einfach im Blut. Mammoth war der erste Name der Van Halen Band. Wolfgang hat ihn mit dem Segen seines berühmten Vaters und der anderen Mitglieder der verwaisten Band für sein Projekt übernommen. Eine schöne Hommage an seine Herkunft. Aber diese Hommage ist noch schöner: Wolfgang Van Halen beginnt seine Karriere mit einem hervorragenden Album, das er allein und frei von väterlichen Einflüssen realisiert hat, und verdankt seinen (vorhersehbaren) Erfolg nur seinem eigenen Talent. Er wird dem berühmten Namen auf seine Art Ehre erweisen. Wer neugierig vorbeischaut, bleibt hängen und hört zu. Das steht fest. © Charlélie Arnaud/Qobuz
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Mercy

Natalie Bergman

Pop - Erschienen am 7. Mai 2021 | Third Man Records LLC

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Mit diesem ersten Soloalbum, das sie fast im Alleingang geschrieben, gespielt, aufgenommen und produziert hat, entführt Natalie Bergman uns in ihre Welt. Mercy ist ein Universum für sich. Zwölf einzigartige und spirituelle Songs, die von Tod und Auferstehung handeln, getragen von ihrer geschmeidigen Stimme und dem musikalischen Glanz einer vergangenen Ära. Natalie Bergman hatte bis dahin ein Jahrzehnt damit verbracht, im Duett mit ihrem Bruder Elliot bei Wild Belle zu singen, einem Duo aus L.A., das eher zu Pop, Reggae, Ska und Psychedelia neigte. Dieses Leben brach an dem Tag zusammen, als ihr Vater und ihre Stiefmutter bei einem Verkehrsunfall ums Leben kamen. Natalie, die in einem religiösen Haushalt aufgewachsen war, beschloss, sich in ein Kloster im Chama-Tal von New Mexico zurückzuziehen. Dort wurde Mercy geboren, eine offensichtlich kathartische Platte, die in der Essenz der Gospelmusik aufgeht, von der sie sagt, sie sei die wahre Quelle des Rock. Es ist ein einzigartiges und zeitloses Werk, das auf seine eigene Weise die heilige und heilende Natur der Musik preist. "Mein Glaube und meine Musik sind wesentlicher Teil meiner Existenz. Ich singe auf diesem Album viel über 'Zuhause'. Mein Paradies, mein Himmel. Der Glaube an diesen Ort war für mich der größte Trost. Ich hatte das Bedürfnis, zu wissen, dass mein Vater da war. Sein plötzlicher Tod war ein wirbelndes Chaos, das meinen Verstand überfiel. Gospelmusik gibt mir Hoffnung. Das ist die gute Nachricht. Sie ist beispielhaft und kann Ihnen die Wahrheit bringen. Es kann Sie am Leben erhalten. Dieses Album brachte mir die einzige Hoffnung, selbst wieder zum Leben zu kommen."Diese Rückbesinnung auf das Lebendige durch die Gospelmusik ist faszinierend, weil sie nie zu sehr ins Religiöse abrutscht. Die Musik geht über den Glauben hinaus. In seinen Klängen und seiner Instrumentierung, die dem Rock der fünfziger Jahre ebenso viel verdanken wie dem Soul der sechziger Jahre oder dem westafrikanischen Highlife, ist Mercy ein Werk, das vor Musikkultur strotzt. Es ist kaum verwunderlich, dass Natalie Bergman in einem Haus aufwuchs, in dem Alben von Dylan und Etta James, aber auch von Pharoah Sanders, Lou Reed, Alton Ellis und Lucinda Williams gespielt wurden. Und genauso logisch ist es, dass ein Gelehrter wie Jack White sie bei seinem Label Third Man Records unter Vertrag genommen hat, eine Adresse für musikalische Qualität, deren Bewohner so gern ihre Fühler nach der Vergangenheit ausstrecken. Der Tod hat ihr Leben verändert, Natalie Bergmans Musik kann das Ihre verändern: Natalie Bergman ist ein Geschenk des Himmels. © Marc Zisman/Qobuz
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Terra Firma

Tash Sultana

Alternativ und Indie - Erschienen am 5. Februar 2021 | Lonely Lands Records

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Lassen Sie sich nicht täuschen. Hinter dem mysteriösen Cover, hinter dem man eine progressive Rockband der 70er Jahre vermuten könnte, verbirgt sich Terra Firma, das nur schwer einzuordnende, zweite Album von Tash Sultana. Natasha, so ihr eigentlicher Vorname, ist eine von jenen Künstlern, die sich der Musik bereits in frühen Jahren widmen. Im Alter von drei schenkt ihr Vater ihr die erste Gitarre. Als Teenager zieht Tash Sultana als Straßenmusikerin durch ihre Heimatstadt Melbourne und erobert 2016 den Rest der Welt mit dem Titel Jungle, dem Ergebnis ihrer ausschweifenden Schlafzimmer-Sessions, die sie auf YouTube veröffentlicht und das stolze 70 Millionen Mal aufgerufenen wird. Auf ihrem eigenen Label Lonely Lands veröffentlicht die junge Australierin nach drei EPs im Sommer 2018 Flow State, ein Pop-Soul-Album, auf dem Tash Sultana alle Instrumente (sie beherrscht etwa zwanzig davon) mit Loops und Effektpedalen, ihrem Markenzeichen, spielt. Seitdem füllt sie Stadien und ziert Cover von Musikmagazinen, wie dem Rolling Stone, mit dem sie über die ihr von Fender geschenkte Stratocaster TC Signature spricht."Terra firma ist der Boden, die Erde, man stellt seine Füße darauf, um sich zu erinnern, wo man ist, woher man kommt", sagt die Frau, die ihren fulminanten Erfolg in eine dauerhafte Karriere verwandeln will. Tash Sultana kümmert sich sowohl um die Arrangements als auch um die Produktion, die sie zum Teil Matt Corby anvertraut hat. Und das hört man ab dem Instrumental-Titel Musk, dessen schimmernde Gitarren, grooviges Saxophon und eingängiger Bass die 14 Tracks des Albums eröffnen, die zwischen Soul, R'n'B, Funk, Folk und süßem Pop changieren und aus denen vor allem die berauschenden Stücke Pretty Lady und Sweet & Dandy herausstechen. Um zu dieser reichhaltigen, hypnotischen, aber nie redundanten Mischung zu gelangen, die Tash Sultana selbst als "ein Treffen zwischen Aretha Franklin, Bon Iver, John Mayer und anderen" bezeichnet, braucht Tash Sultana nichts und niemanden weiter als sich selbst. Eine Meisterleistung, mit nur 25 Jahren. © Charlotte Saintoin/Qobuz
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A Common Turn

Anna B Savage

Alternativ und Indie - Erschienen am 29. Januar 2021 | City Slang

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Die Statistiken belegen es: Alle zehn Jahre bringt eine jeweils aus England kommende Sängerin namens Anna ein Debütalbum heraus, das dann eine ganze Epoche kennzeichnet. 2011 war es Anna Calvi. 2021 heißt sie Anna B Savage. Eine Sängerin direkt aus dem Underground, die ein erstes Mal 2015 mit einer ersten, unauffälligen EP in Erscheinung getreten war, auf die ein paar Konzerte folgten und dann nichts mehr. Viele sind es nicht, die sie im Konzert erlebt hatten, solange es noch Konzerte gab. Aber sie alle erinnern sich noch an Anna B Savage. Mit ihrer seltsam gestimmten Gitarre, als wollte sie einen mittelalterlichen Blues spielen, und mit ihrer unergründlichen Stimme, als würden mehrere Personen gemeinsam in ihrem Innersten singen, verzauberte Anna B Savage einen kleinen Kreis von Zuhörern mit einer Vorliebe für andersartige Musik. Sie hört sich an, wie eine uneheliche Tochter von Cat Power, denn bei ihr kann der zum Ausdruck kommende Lebensüberdruss genauso sinnlich, intensiv und anziehend wirken. A Common Turn ist ihr Debütalbum, außergewöhnliches Gift und musikalisches Einhorn zugleich. Von einer seltsamen Art Folk ausgehend spinnt diese Anna Seemannsgarn mit ihren Songs, die uns zu einer musikalischen Raum-Zeit-Reise einladen. Ihren eigenen Angaben zufolge können die ZuhörerInnen im Gesang und in den Melodien Anleihen bei Beth Gibbons (Portishead), Antony & the Johnsons, Nico, Connie Converse, Dionne Warwick oder bei ehemaligen Sängerinnen des Opernjazz entdecken. Klangpausen nicht zu vergessen. Bei A Common Turn handelt es sich aber nicht um eine Platte von der Stange und einfach ist sie auch nicht. Diese ganze Palette von Arrangements bietet Chorgesang, dann diese Gitarre aus wurmstichigem Holz und es reicht hin bis zu Dance-Rhythmen. Selbst wenn ihre Musik hochtrabend wird, bleibt Anna B Savage zerbrechlich und verletzlich wie eine Seiltänzerin und sie irrt herum, als würde sie sich durch ihre eigenen Songs hindurch einen Weg bahnen. Dabei taucht das Bild von Schneewittchen auf, die durch einen Wald voller Grimassen schneidender Bäume läuft oder auf den Prinzen wartet, der sie dann mit einem Kuss aus ihrem giftgetränkten Schlaf erlöst. Und alle anderen neben ihr sind Zwerge. © Stéphane Deschamps/Qobuz
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A Little Story

Gystere

Pop - Erschienen am 20. November 2020 | Licence Kuroneko - Sodasound

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Alle, die zum Jahresende auf der Suche nach originellem Groove sind, werden auf diesem Album ihr Glück finden. Der aus Frankreich stammende Gystere hat in Deutschland bisher noch keine Wellen geschlagen. Seit der im Mai 2019 erschienenen Debüt-EP WOMXN/Time Machine sollten wir uns spätestens jetzt von ihm mitreißen lassen. DJ, Regisseur, Komponist - der Franzose Adrien Peskine, der in der Vergangenheit bei Cerrone am Klavier gesessen hat, präsentiert ein erstes Album, das all seine künstlerischen Launen in einem Afrofunk-Patchwork zusammenfasst, das niemanden kalt lässt. Das Konzept ist ziemlich kühn: "Ich habe immer versucht, den Künstler und die Musik zu schaffen, die ich in meiner Plattensammlung nicht finden konnte", erklärt Gystere, der daraufhin eine Art Mosaik aus Musik der 70er und 80er Jahre komponiert, mit Intros à la Prince, Melodien à la Supertramp, Soli à la Jimmy Page, Chören à la Queen, aber auch Stevie Wonder, Funkadelic und Sun Ra für den nötigen Afrofuturismus, den Geist, der diese Platte durchzieht. Ohne jemals seinen Stil zu verfehlen, gelingt es Gystere (der allein komponiert, aber mit seinen Musikern aufnimmt), all diese Referenzen in einem funky Groove zu transzendieren, den so schnell wie möglich live erleben wollen. Auf dem Papier hätte alles schief gehen können, aber am Ende ist Gystere auf dem besten Weg, eine der französischen Offenbarungen des Jahres zu werden. © Smaël Bouaici/Qobuz
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Welcome to Hel

HJELVIK

Rock - Erschienen am 20. November 2020 | Nuclear Blast

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Zwei Jahre nach seinem Ausstieg taucht Erlend Hjelvik, der Ex-Frontmann der genialen norwegischen Gruppe Kvelertak, wieder aus der Versenkung auf, mit seinem ersten Soloalbum nämlich und er weiß sehr wohl, was er will. Mit dem 2016 erschienenen Nattesferd hatten die Musiker aus Stavenger ihr drittes Album präsentiert, das ganz eindeutig in dem von Erlend gepflegten, traditionellen Heavy und Black Metal verankert war, auch wenn dadurch der Einfluss des Punk, der die Gruppe so charmant gemacht hatte, verloren gegangen war. Mehr brauchte es nicht, um zu behaupten, dass von da an alles schief ging. Also hat Erlend beschlossen, nach vier Hungerjahren im Studio mit Welcome To Hel ein schweres Geschütz aufzufahren. Der Viking-Metal im weitesten Sinne hatte ihn zu dieser abenteuerlichen Premiere im Alleingang inspiriert, heldenhaft, hochtrabend und vor allem hervorragend strukturiert. Da gibt es von Doom- und Black Metal-Spuren durchwachsenen Heavy Metal, der uns eindeutig an das dritte Kvelertak-Album erinnert, und zwar gewollt. Gleich die ersten Klänge in Father War hören sich an wie eine Salve nach Blut lechzender Soldaten, die mit heftigen Rhythmen über uns herfallen. Was das Album vorhat, ist eindeutig klar: mit seiner Mischung aus den bereits zitierten Einflüssen und Spuren von Thrash und Rock unterbreitet uns Erlend ein mit Bravour ausgetüfteltes Manifest voller freigiebiger Momente, sowohl in technischer Hinsicht als auch aufgrund all der Details, die uns erschaudern lassen. Dabei behält der Frontman dennoch das im Auge, was er am besten kann, aber auch Menschen aus der ganzen Welt, deren Massen er sicherlich auf seiner Tournee zügeln werden muss. Hinter einer derartigen Bandbreite an technischem Können versteckt sich also ein großes Talent für reißerische Refrains, die man dann auf dem Floor mit Vergnügen mitjohlen wird. Ein Pulverfass wie Glory of Hel, aber auch Kveldulv und North Tsar, bringen uns ganz einfach zum Schweigen, wenn sie uns erst einmal im Griff haben und nicht mehr loslassen. Eine besondere Erwähnung gebührt den beiden Features auf dem Album: Matt Pike (Sleep/High on Fire) und Mike Scalzi (Slough Feg), die ihrerseits - als bestünde überhaupt noch ein derartiger Bedarf - einen weiteren der unzähligen Treffer landen.Welcome To Hel ist ein inspirierendes, leicht zugängliches und wahrhaftig kriegerisches Manifest, das er bestens im Griff hat. Wie er mit seinen Anleihen umgeht, das macht ihm so schnell niemand nach, denn dieser von Heavy, Black, Doom und Thrash getränkte Rock-Kick wird wohl die größte Metal-Nummer des Jahres werden. © Maxime Archambaud/Qobuz
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Working Men's Club

Working Men's Club

Alternativ und Indie - Erschienen am 2. Oktober 2020 | Heavenly Recordings

Hi-Res Auszeichnungen 4F de Télérama - Qobuzissime
Es ist schon beeindruckend, wie die scharfkantige, staubtrockene und unnachgiebige Neo-Postpunk-Szene des Vereinigten Königreichs so richtig durchschüttelt wird, wenn Working Men’s Club auf dem Dancefloor auftauchen. Mit seinem gleichnamigen Debütalbum legt das junge Quartett aus Todmorden – 25 Kilometer nördlich von Manchester – die Karten offen auf den Tisch, die früher von New Order (zu Zeiten von Power, Corruption & Lies), The Fall, Human League, Gang of Four und sogar D.A.F. und Suicide gespielt wurden. Der soeben erst volljährig gewordene WMC-Leader Sydney Minsky-Sargeant steckt den Rahmen ab. „In Todmorden gibt es für einen Teenager nicht viel zu tun. Die Stadt liegt von allem eher weit entfernt. Und an einem Ort zu wohnen, wo es im Winter erst um neun Uhr hell wird und um vier Uhr schon dunkel ist, kann ganz schön deprimierend werden“. Es ist also nur allzu logisch, dass diese Schützlinge der aufgedrehten Fat White Family sich wie Rotzbengel aufführen. Wie einer von denen, die wütend Synthies, Gitarren und Schlagzeug quer durch ihr Zimmer schleudern, bis das große Chaos ausbricht! Ihre Texte werden eher gebrüllt als gesungen, aber unermüdlicher Groove, Gitarrenriffs und Mega-Bässe sorgen für dementsprechende Bewegung, ohne dass sie sich weitere Fragen stellen müssten. Es ist also schier unmöglich, die Körper unter Kontrolle zu behalten, die sich nur so im Rhythmus dieser faszinierenden Sinfonie mit dem jugendhaften Elektro-Acid-Rock, die manchmal an die Anfangszeiten des LCD-Soundsystems erinnern. Working Men's Club ziehen sich T-Shirts mit dem Logo „Socialism“ über, taufen einen ihrer Songs John Cooper Clarke (wie der nach wie vor angehimmelten Punkpoeten) und machen dem grauen Yorkshire-Himmel, unter dem sie das Licht der Welt erblickt hatten, den Garaus. Manchmal entspannt sich Sydney Minsky-Sargeant ein bisschen und zeigt sich dabei von einer fast hedonistischen Seite im New Wave-Stil (Outside). Ist er jedoch genervt, dann macht sich der von Elektrofunk angehauchte Discopunk über seine Seele her (Teeth). Etwas benommen lässt einen dieses Debütalbum schon zurück, das dank der kompakten und nüchternen Produktion von Ross Orton (The Fall, M.I.A, Arctic Monkeys) beeindruckende Ausmaße angenommen hat. Keine Frage: Working Men’s Club ist ein Name, den man sich merkt! © Marc Zisman/Qobuz
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Amour Colère

Nicolas Michaux

Pop - Erschienen am 25. September 2020 | Capitane Records

Hi-Res Booklet Auszeichnungen Qobuzissime
Der Belgier Nicolas Michaux stellt für sein Album ganz besondere Songs zusammen. Nach der Auflösung seiner Gruppe Eté 67 startet er beim Label Tôt ou Tard seine Solokarriere und veröffentlichte A la vie, à la mort, das bereits eine gewisse Leidenschaft für das Schöne zeigte. Unter dem Titel Amour colère und unter dem Namen des Kollektivlabels Capitane Records entwickelt er auf diesem zweiten Album seine Sichtweise auf die Sentimentalität des Alltags. Beim Song Cancer spielt der Belgier, der sein Leben zwischen Brüssel und der dänischen Insel Samsø verbringt, gekonnt mit Worten, um die Seelenzustände der Erkrankten besser zu verstehen. Seine Texte sind auf Französisch und Englisch verfasst, in die Michaux eine leichte Poesie einfließen lässt, die niemals karikiert oder aufgeblasen wirkt. Die Referenzen, die er in sein Werk einbaut, sind verblüffend wie bereits sein erster Song Harvester, der auf derselben Rhythmik basiert wie Out on the Weekend, das das Album Harvest von Neil Young eröffnet. Seine Instrumentierung scheint wie eine bisher noch unveröffentlichte Platte von Mac DeMarco zu sein und für den Song Factory Town packt er seine David Byrne ähnelnde Stimme auf ein minimaoistisches Riff eines Lou Reed, während die Bässe (wie in A nouveau) ganz an Serge Gainsbourg angelehnt sind… In Diktion und Stimme zeigt er sich träge, verweilend, melancholisch, nie erobernd, immer schlicht. Der Inhalt der Songs richtet sich ganz nach der Form: eklektisch, aber brillant homogen! So vereinen die zehn Titel dieses Albums nonchalanten französischen Chanson (A Nouveau), romantischen Pop (Amour colère, Nos Retrouvailles), belebenden Pop (Parrots, dessen Clip Gold wert ist), romantischen Post-Punk (Every Word, Harvesters) und sogar Glam-Rock à la T-Rex. Die Aufnahme klingt hausgemacht, steht aber eher im Licht der Spontaneität als mangelhafter Qualität. Michaux kann man in Dauerschleife hören und sich dabei von seinem Klang umhüllen lassen. Es ist wie Liebe auf den ersten Blick. © Charlotte Saintoin/Qobuz
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Freier Geist

Sofia Portanet

Punk – New Wave - Erschienen am 3. Juli 2020 | Duchess Box Records

Hi-Res Auszeichnungen Qobuzissime
Wenige Minuten von Freier Geist genügen Sofia Portanet, um 2020 in 1980 zu verwandeln. Mit ihrem Debütalbum, das wir mit einem Qobuzissime auszeichnen, veröffentlicht die deutsche Sängern - die 1989 geboren wurde und damit diese musikalische Epoche gar nicht selbst miterlebt hat - ein Werk, das der Neuen Deutschen Welle neues Leben einhaucht. Eine Neue Deutsche Welle, in der Nina Hagen mit Wahnsinn und Energie über New Wave- und Post-Punk-Europa herrschte und Kraftwerk die Massen begeisterten. Damals war auch die Zeit der kämpferischen Rhythmen von D.A.F., der romantischen Verzückungen von Kate Bush, Toyah und Lene Lovich und der Pop-Experimente von Falco oder den Franzosen von Rita Mitsouko. Künstlerinnen und Künstler, die alle von der in Kiel geborenen, in Paris aufgewachsenen und heute in Berlin lebenden Künstlerin Sofia Portanet geschätzt werden. Sie singt sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch und Französisch und beansprucht dabei das Erbe einiger großer Stimmen, die Kino, Theater und Kabarett miteinander vereinen, wie Ingrid Caven und Hildegard Knef. Am Ende findet ihr bezaubernder Freier Geist trotz dieser Lawine von Bezügen und Vergleichen die perfekte Balance zwischen der Nostalgie für die 80er Jahre und modernen Impulse. Es ist vor allem ihr Enthusiasmus, der dieses Projekt bestimmt und so mitreißend macht. © Marc Zisman/Qobuz
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To Love Is To Live

Jehnny Beth

Alternativ und Indie - Erschienen am 12. Juni 2020 | Virgin Music UK LAS (S&D)

Hi-Res Auszeichnungen Qobuzissime
Auf dem Album To Love is to Live setzt Jehnny Beth zum ersten Mal in ihrer produktiven Karriere ihren Namen ohne Begleitung auf das Cover. Und die ist wirklich produktiv, denn die als Sängerin der Gruppe Savages bekannt gewordene, frühere zweite Hälfte des Duos John & Jehn sprang insbesondere bei Gorillaz (We Got the Power) ein, sang im Duett mit Julian Casablancas von den Strokes (Boy/Girl), war in Filmen zu sehen (in Catherine Corsinis französischem Film Un amour impossible und in Alexandre Astiers Fernsehserie Kaamelott) und auch als Journalistin/Radiosprecherin (Start Making Sense für Beats 1) und Fernsehmoderatorin war sie tätig (Echoes auf Arte). Und dann ist da noch C.A.L.M.: Crimes Against Love Memories, ein Band erotischer Erzählungen mit Fotos von Johnny Hostile, der im Sommer 2020 erscheinen soll. Jetzt reicht es aber! Dieser stilistische, klangliche, emotionale oder auch kontextuelle Reichtum steht im Mittelpunkt dieses To Love is to Live, das nur noch dem Namen nach ein Soloalbum ist. Denn Jehnny Beth hat für die Produktion und den Großteil der Instrumentierung Atticus Ross, Flood und Johnny Hostile an Bord geholt, um sich auf diesen anspruchsvollen, komplexen Trip zu begeben. Die drei sind genau die richtigen Kumpels, um eine so faszinierende Legierung zu meistern, bestehend aus Post Punk, Industrial durchsetzt von New Wave, Elektro-Cold Wave, Soundtracks wie aus einem nahegehenden Film und unter die Haut gehendem Dark Rock. Eine Legierung kontrastreicher Herkunftsgebiete, denn die Französin hat auch Romy Madley Croft von The xx zu Gast gebeten sowie den Schauspieler Cillian Murphy und Joe Talbot, den Sänger der Idles…Es ist wie Aprilwetter mit Regenschauern: nach gewaltig tobendem Industrial Punk in How Could You im Duo mit Talbot erklingt in French Countryside plötzlich eine auf dem Klavier gespielte Ballade – verträumt und sinnlich von Beth höchst persönlich vorgetragen. Trotz dieser kunterbunten, mit voller Absicht in den Vordergrund drängenden Vielfältigkeit des To Love is to Live sind die Töne aufeinander abgestimmt. Es gleicht einer Polaroidaufnahme von einer komplexen, spannungsgeladenen Welt voller Unsicherheit und Fragestellungen zu sexueller Identität, zu extremistischen Strömungen, zur Zukunft der Welt überhaupt. Ein gewollter Schnappschuss, der ganz Jehnny Beths eigenen Vorstellungen entspricht. Und die beeindrucken genauso stark wie das von Tom Hingston entworfene Cover (er machte auch das für Mezzanine von Massive Attack). Menschlichkeit steht bei diesem Album im Vordergrund. Der erste Song des Albums heißt I Am. Der letzte Human. So schließt sich der Kreis: I Am Human. © Marc Zisman/Qobuz
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Meryem

Meryem Aboulouafa

Pop - Erschienen am 29. Mai 2020 | Animal 63

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Diese Stimme. Man kann an nichts anderes mehr denken, nachdem man Meryem Aboulouafas Debütalbum einmal gehört hat. Ein hypnotischer Zustand, 38 Minuten lang, Zeit genug, um mit ihr zu einem hybriden Abenteuer aufbrechen, einem Mix aus Soul, Pop, Elektro, orientalischer Musik und Soundtracks, die aus einem Film stammen könnten, sodass uns das traumhafte Organ der Sängerin aus Casablanca ans Herz geht und dann nicht mehr aus den Ohren. Genauso wie bei ihren Zeitgenossinnen Kadhja Bonet (an sie wird man oft erinnert), Weyes Blood, Jenny Hval oder Lana Del Rey besteht auch Meryem Aboulouafas Welt aus Klängen, Stimmungen und vor allem aus Worten… Ihr Vater legt ihr alle Klassiker vor (Beatles, Stones, Floyd, Dylan, Piaf, Brel, Brassens), daraufhin besucht sie Kurse der Musiktheorie und Geige am Konservatorium, schreibt ihre ersten Gedichte auf Arabisch und Französisch und studiert schließlich an der Kunsthochschule in Casablanca Innenarchitektur. Mit der Gitarre in der Hand komponiert die junge Meryem ihre ersten Songs, die Manu Barron vom Label Animal 63 (The Blaze, Myth Syzer, Johan Papaconstantino, Gabriel Auguste) total begeistern. Mit Hilfe von Keren Ann feilt sie an ihren ersten, aber schon recht standhaften Versuchen, die dann zwei an den Reglern stehende Experten, Para One und Ojard, mit Raffinesse zum Glänzen bringen.„Para One bringt eine kinematographische Dimension ins Spiel, die genau zu mir passt, weil ich meine Texte und meine Musik mit meinen Augen ausarbeite“, erklärt die Sängerin. „Ojard ist eher für die Melodie, die Orchestrierung und die Ausarbeitung von komplexen und harmonischen Klängen zuständig.“ So hört man hier mal ein schlichtes Klavier, da beschwingte neoklassische Streicher, etwas später gibt es kriegerisches Trommeln, andernorts ein elektronisches Trip-Hop-Gemenge. Und die Instrumente scheinen immer darauf bedacht, diese introspektive Stimme und Worte nicht aus den Augen zu lassen. In The Friend geht es um ein muslimisches Gebet und seine poetischen Gesten, in Deeply geht sie der Frage nach, warum die menschliche Seele so komplex ist, Breath of Roma ist eine Liebeserklärung an die italienische Kultur... Elf Puzzleteilchen eines faszinierenden Ganzen voller Gefühl und vom Allerfeinsten. Nur eines ist unbedingt zu vermeiden: in Meryem Aboulouafa nicht mehr als eine heimliche Tochter von James Blake und Um Kalsum zu sehen, denn allein dieses Debütalbum (Qobuzissime!) zeugt schon, das es sich um eine große Künstlerin handelt. © Marc Zisman/Qobuz
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What Kinda Music

Tom Misch

Alternativ und Indie - Erschienen am 24. April 2020 | Beyond The Groove - Blue Note Records

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Das Klischee ist bekannt: Gemeinsam ist man stark. Zwei Jahre nach seinem Debütalbum hat sich der in London lebende Multi-Instrumentalist Tom Misch (24), eine Art Urgroßcousin von Jamiroquai, mit seinem Landsmann und Schlagzeuger Yussef Dayes (27), dem Kopf von United Vibrations und die bessere Hälfte des Elektro-Jazz-Duos Yussef Kamaal, zusammengetan, um das unwiderstehliche What Kinda Music zu veröffentlichten. Bis jetzt hat Misch eine köstliche Mischung aus Smooth-Jazz-Sirup, Funk-Espuma, Soul-Tropfen, Hip-Hop-Gewürzen und einer Prise Samtpop zubereitet und große Namen wie De La Soul, GoldLink, Loyle Carner und Poppy Ajudha zu seiner Fiesta eingeladen, aber auch Roy Hargrove und The Crusaders, Stevie Wonder und Patrick Watson! Aromen und Klänge machen die Basis dieses Jahrgangs 2020 auf der rhythmischen Seite noch solider. Logischerweise packt Yussef Dayes seine viel jazzigere Beleuchtung und seine noch fortgeschritteneren Improvisationen aus. Jeder trägt seinen Stein zu einem wahrhaft kollektiven Bauwerk bei und das Gleichgewicht zwischen instrumentalen und gesungenen Sequenzen ist perfekt. Die beiden Komplizen sind beide in Peckham im Süden Londons aufgewachsen. Tom Misch hatte Dayes sogar schon mit neun Jahren auf einem musikalischen Sprungbrett Schlagzeug spielen sehen! "Yussef kommt aus einem experimentelleren Umfeld als ich und er hat viele verrückte Ideen. Ich weiß, wie man eine eingängige Melodie mit interessanten Akkorden schreibt. Ich habe auch ein gutes Verständnis für Popsong-Formen, daher denke ich, dass ich diese Ideen gestrafft und zugänglich gemacht habe."Es ist die perfekte Symbiose zwischen dieser Zugänglichkeit und einer Raffinesse in der Verschmelzung von Stilen, die What Kinda Music nicht zu einer Platte für Elektro-Jazz-Freaks macht, sondern eher zu einem offenen und lässigen Trip des Jazz-Soul'n'Pop. Tom Misch und Yussef Dayes können sogar vor Stolz platzen, da sie ihr Album beim legendären Blue Note-Label veröffentlichen, als Garantie dafür, dass es eine bestimmte Idee des zeitgenössischen Jazz verkörpert."Heutzutage sind die Meinungen so geteilt und verschlossen", sagt Dayes," es wäre schön, wenn die Leute unsere Platte hören würden, auf der zwei sehr unterschiedliche Musiker zusammenkommen, und erkennen würden, dass es möglich ist." Was die Featurings betrifft, so lud das Duo den Rapper Freddie Gibbs (tadelloser Schnulzensänger und Crooner auf Nightrider), Rocco Palladino (Sohn des berühmten Pino, ein verrückter elastischer Bassist wie Daddy, der oft mit Alfa Mist abhängt) und die Saxophonistin Kaidi Akinnibi ein. Als weiteren Beweis für die Vitalität der aktuellen Londoner Jazzszene verleihen wir hier den Preis für das funkigste unter den Qobuzissimes! © Marc Zisman/Qobuz
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Revel In The Drama

Ren Harvieu

Alternativ und Indie - Erschienen am 3. April 2020 | Bella Union

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Dusty Springfield, Adele, Lulu, Sandie Shaw, Duffy... Die englische Tradition des Soul-Pop ist nie ins Stocken geraten. Das zweite, Qobuzissime-Album!, von Ren Harvieu reiht sich in diese Sammlung der großen Stimmen, die eine Vorliebe für Retro-Sounds mit einer leichten Tendenz für die sechziger Jahre haben, ein. Dabei wäre diese fast dreißigjährige Sängerin aus Manchester um ein Haar in Vergessenheit geraten. Im Mai 2011, als Harvieu frisch vom Label Island unter Vertrag genommen wurde, für das sie gerade mit der Aufnahme ihres Debütalbums beginnt, bricht die englische Sängerin sich bei einem heftigen Unfall das Rückgrat und verbringt mehrere Monate im Krankenhausbett. Das Album Through the Night wurde trotz allem veröffentlicht, aber der eher dürftige Erfolg führte zu dunklen Jahren ständigen Selbstzweifels. Ein langer Tunnel liegt nun hinter ihr und Ren Harvieu zeichnet die Konturen davon auf Spirit Me Away und You Don't Know Me, zwei Höhepunkte der Offenbarung in diesem musikalischen Drama. Dieses zweite Album ist vor allem die Frucht ihrer Begegnung mit dem Musiker Romeo Stodart im Jahr 2015. Der Anführer der Band Magic Numbers hat Ren Harvieu zu neuer Inspiration verholfen und in ihr den Wunsch geweckt, an neuen Alben zu arbeiten. Revel in the Drama widmet sich den Einflüssen dieser bezaubernden Fackelsängerin mit mehr Finesse als sein Vorgänger von 2011 und wenn die Schatten von Künstlerinnen wie Dusty Springfield oder Rumer nie weit weg sind, werden wir besonders an die Amerikanerin KD Lang erinnert, dessen Stimme sich oft auf den gleichen Tonlagen bewegt. Doch Ren Harvieus Prosa hat ihre ganz eigenen spezifischen Formen. Und die dunklen und sogar düsteren Sequenzen werden immer mit ihrem eigenen Humor untermalt, mit diesem leichten Zynismus, der zu 100% britisch ist. Eine totale Freiheit des Sounds, die sie manchmal in die Nähe von Fiona Apple, einem ihrer Idole, bringt... Revel in the Drama ist vor allem eine Sammlung von großartigen und schönen, bewegenden und zeitlosen Liedern. Vintage-Pop-Schätze, die in geschmackvollen, leicht zu hörenden und hochfliegenden Arrangements drapiert sind. Songs, die wir bis zum Ende der Nacht summen werden... © Marc Zisman/Qobuz
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925

Sorry

Alternativ und Indie - Erschienen am 27. März 2020 | Domino Recording Co

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Sobald jemand behauptet, eine Gruppe sei einzigartig, dann heißt das doch, dass sie eigentlich nicht mehr oder weniger einzigartig ist, als alle anderen Gruppen auch. Und da wir in einer Zeit leben, in der es besonders viel Spaß macht, die stilistischen Grenzen zu verwischen und nur wahllos hinzuhören, ist die Gruppe, die zu diesem Jahr 2020 wie die Faust aufs Auge passt, noch schwerer einzuordnen als ihre Zeitgenossen… Weil Asha Lorenz und Louis O'Bryen nichts wie Rock im Kopf haben und ihre Ideen so gut aufgeräumt scheinen wie das Zimmer eines Teenagers, präsentieren sie eines der erstaunlichsten und unberechenbarsten Debütalben, die es derzeit gibt. Nach all der Zeit hatten die beiden Londoner, die sich seit ihrer Realschulzeit kennen, ja Gelegenheit genug, an diesem 925 ausgiebig zu feilen. Ernsthafte Rivalen sind sie ja nicht, sondern ganz einfach die allergrößten Kumpels, und so nehmen sie auf der Platte abwechselnd das Mikro in die Hand. Und teilen es auch miteinander; genau wie Sonic Youth im vorigen Jahrhundert. Übrigens erinnert uns das manchmal an eine, teilweise sogar sehr süße Soft-Version ihrer älteren Kollegen aus New York. Genau wie Letztere lächeln auch Sorry nicht viel, sie stellen vielmehr eine etwas beleidigte Miene zur Schau, eine Art lässige Faulheit, die eher abstoßend als anziehend wirkt. Und dennoch ist das alles faszinierend. Auch die britische Tageszeitung The Guardian hob dieses Gefühl hervor, und zwar mit der Überschrift: Sorry, diese Gruppe macht Langeweile sexy. Treffender könnte es nicht sein… Beim Grunge haben Sorry sich die Slacker-Haltung ausgeliehen, bei den Pixies die Gitarren (Perfect), bei Garbage die sexy wirkende Spottlust (Snakes), bei The Kills Assoziationen mit Junkies (More), beim No Wave das alkoholsüchtige Sax und bei der Post-Punk-Bewegung die düsteren Visionen. Vor allem sollten wir dieses Qobuzissime wieder und wieder anhören, um das Einzigartige daran zu ermessen und uns vollkommen betören zu lassen. Dieses Album kann einfach nicht übersehen werden. Keine Ausrede, Sorry. © Marc Zisman/Qobuz