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Seit bald dreißig Jahren scheinen die Stone Temple Pilots gegen das Unglück zu kämpfen. Dieses siebte und (ebenso wie der Vorgänger) selbstbetitelte Album ist also das erste ohne ihren emblematischen Leadsänger Scott Weiland, der am 3. Dezember 2015 einer Überdosis zum Opfer fiel, und ohne Chester Bennington, der mit einer Tournee und einer fünf Titel umfassenden vielversprechenden EP, High Rise, kurzfristig auf hervorragende Weise ausgeholfen hatte, aber am 20. Juli 2017 aus dem Leben schied. Obwohl sie schon beim ersten Album, Core, den Durchbruch schafften, waren die Stone Temple Pilots fast einer Meinung mit der Kritik gegen ihn, die ihn als opportunistische kommerzielle Version von Pearl Jam, eine Art billige Grunge, betrachtete. Dieses strenge Urteil wurde trotz des unvergleichlichen, gleichfalls millionenfach verkauften Purple nicht gemindert, da Weilands Ausschweifungen ihm bald ein antipathisches Image eingebracht hatten, das er nie wieder wirklich loswerden sollte, auch nicht, als er sich auf den Vorschlag von Slash und Duff McKagan (Guns’n’Roses) hin der Supergroup Velvet Revolver anschloss. Eine Zeit lang galten die Stone Temple Pilots in den Meinungsumfragen als „schlechteste Grunge-Gruppe“ und trotzdem haben sie eindeutig bewiesen, dass sie weit mehr als ein Ersatz von Pearl Jam waren, da sie Musikalität sowie außergewöhnliche Einflüsse vorweisen konnten. Was auch immer über sie geredet wird, die Brüder DeLeo, der "Boss“ Robert (Bass) und Dean (Gitarre) sowie der Schlagzeuger Eric Kretz haben es geschafft, einen einzigartigen Stil aus einem anderen Zeitalter zu kreieren. Sicher überraschen wird paradoxerweise die Tatsache, dass dieses Album die perfekte, einige werden sogar sagen, die allzu perfekte Fortsetzung des zuletzt mit Weiland eingespielten Albums aus dem Jahre 2010 ist. Stone Temple Pilots besitzen jedoch mehr als je zuvor ein musikalisches Timbre, zu dem sowohl bluesähnlicher Rock aus den Seventies gehört (Never Enough, Six Eight, Good Shoes), als auch Bossa Nova (The Art Of Letting Go), Pop aus den Sixties (Just A Little Lie), und als Bonus gibt es Jazz-, Punk- (Meadow) oder Folkambiente (Reds & Blues)... Damit wären sie eher als eine klassische Rockgruppe zu betrachten, die nie das Bedürfnis gehabt hatte, sich zum Elektro zu bekehren oder Versuche mit dem Hip-Hop zu machen, sich also dem Mainstream anzupassen… Man konnte daher trotz allem eine gewaltige Veränderung erwarten, als sie den neuen Sänger rekrutierten, einen Kandidaten der Castingshow X-Factor, Jeff Gutt, aber das genaue Gegenteil ist der Fall. Beim ersten Hinhören fragt man sich sofort, ob man etwa an akustischen Halluzinationen leidet. Die Nachahmung ist überzeugend. Entweder klingt Gutt wie Weilands perfekter, singender Zwillingsbruder oder er nähert sich Bennington auf verblüffende Weise – und zwar auf zwei Dritteln des Albums, vor allem bei den nuancierten Passagen (Reds & Blues). Zwar dürfte das für diejenigen, die die Stone Temple Pilots nicht oder nur aus der Ferne kennen, eigentlich kein Problem sein, die Fans werden jedoch ein bisschen Zeit brauchen, um sich anzupassen und dann diesen „Neustart“ besser genießen zu können. © Jean-Pierre Sabouret/Qobuz
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