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Die Alben

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Metal - Erschienen am 25. September 2020 | Music Theories

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Arjen Lucassen, die zwei Meter große ein Mann-Armee des Progrock, hat mit "The Source" viel Kritik eingesteckt. Produktion und Sängerriege waren zwar zum Zunge schnalzen. Über Albumlänge zeigten sich bei der nah am Power Metal gebauten Fließbandarbeit allerdings Abnutzungserscheinungen. Die stilistisch ähnlich gelagerten Breitwandfeuerwerke "01011001" und "Universal Migrator Part II" verfügen im direkten Vergleich einfach über mehr Schmiss, Zunder und Kreativität. Lucassen war in der Zeitschleife seines eigenen Kosmoses gefangen. Da die Sci Fi-Story mit "The Source" den letzten Schliff erhalten hat, stand die Frage im Raum, ob Ayreon den Ereignishorizont überquert haben und nun ein neues Projekt angreifen: "Transitus" ist ein Schauermärchen geworden, effektvoll inszeniert und öffentlichkeitswirksam von einem Comic flankiert. Der 60-Jährige hat sein Lampenfieber mittlerweile im Griff und Gefallen an einer effektvollen und opulenten Inszenierung in Folge der zahlreichen Liveevents im 013-Club in Tilburg gefunden. Die Liveerfahrungen der vergangenen Jahre prägten, und Lucassen kreiert eine Mischung, die viel Neues birgt, Altbekanntes hingegen nicht über Bord wirft. Wie etwa bei der fulminanten Liveumsetzung von "Into The Electric Castle" greift der holländische Hüne auf einen Sprecher zurück, der getrost als Jugendidol des nerdigen Komponisten bezeichnet werden darf. Im Falle von "Electric Castle Live and Other Tales" ersetzt Star Trek-Darsteller John De Lancie als Erzähler die dröge Valiumstimme auf der Originalplatte, füllt den Part mit Dramatik und Leben und führt durch die diversen Prüfungen, die den acht Protagonisten auf ihrer Reise durch das Eletric Castle blühen. Für "Transitus" mimt der von der englischen Serie "Doctor Who" bekannte Schauspieler Tom Baker den charismatischen Erzähler, untermalt von Soundscapes, bevor die anschließend einsetzende Musik die Stimmung kristallisiert. Die opulenten Chorpassagen brachte der Multiinstrumentalist schon bei "Theater Equation" auf die Bühne. Die Liveumsetzung der ausufernden Gesangslinien von Devin Townsend in der Studiofassung von "The Human Equation" hat nach einer entsprechende Menpower bei der Show geradezu geschrieen: Der Hellschor erledigt seine Aufgabe auf "Transitus" souverän und mit der Kraft der tausend Stimmen. Die stimmgewaltige an Gospel und Blues geschulte Senkrechtstarterin der Metal-Szene, Cammie Gilbert, die jüngst erst mit ihrer Stammformation Oceans Of Slumber eine neue Platte veröffentlichte, interpretiert die Hauptrolle. Die langjährige Kollabor-Partnerin Anneke Van Giersbergen, mit der Lucassen das Projekt The Gentle Storm realisiert hat, geht hingegen leer aus. Die Wahl von Gilbert bleibt konsequent, auch wenn sie im Korsett des Ayreon-Kosmos dramaturgisch nicht alle Register ihres Stimmumfangs zieht. Meinte man zudem, dass Ed Warby mittlerweile fest mit dem Drumschemel des erfolgreichen Projekts verheiratet ist, sieht sich der Fan eines Besseren belehrt. Juan Van Emmerloot heißt der neue Schlagwerker, und was ihm im Vergleich zu Warby an Punch und Präzision fehlt, macht er mit Finesse und Gefühl wieder wett. Als Referenz dient "The Theory Of Everything", das jedoch deutlich sinfonischer gestaltet und näher am Seventies-Prog liegt. Auch der Vergleich mit der Durchbruchsplatte "Into The Electric Castle" hilft nur bedingt, da dort die auf einzelne Sänger zugeschnittenen Nummern dominieren, und der Folkrock ausgeprägt im Klangbild verankert ist. Und nun ein Musical, ein Singspiel, das dem Aufbau einer klassischen Oper folgt: Zwei Akte, Drama ohne Ende sowie ein prägnanter Wechsel zwischen Rezitativ und Arie, also Sprache und Gesang. Der Klassiker "Jesus Christ Superstar" oder auch The Whos "Tommy" prägen in puncto Struktur. Aber auch "The Astonishing" von Dream Theater dürfte dem Mastermind zu Ohren gekommen sein. Die opulente Ouvertüre stellt in dieser Form ein Unikum dar: Lucassen konzipiert den Einstieg als einen Streifzug durch die Klassiker des Soundtracks mit Blitzlicht auf Jerry Goldsmith, diverse John Carpenter-Vertonungen, den Omen-Score oder Mike Oldfields "Tubular Bells". An dieser Stelle arbeitet Lucassen auch mit Bildern und lässt nicht nur die Story walten. Die exponierte klangliche und szenische Gestaltung vereint wie in einem Brennglas die relevanten Themen und Motive. Ursprünglich schwebte dem hochfliegenden Holländer ein Film vor, aus Budgetgründen konnte er das Vorhaben aber nicht realisieren. Die Ouvertüre dürfte ein Relikt dieser Phase sein. Nach diesem außergewöhnlichen Moment entfaltet sich die Geschichte um Liebe und Verrat. Der Plot erinnert mit seinem historischen Rückbezug an Dream Theaters "Scenes From A Memory" oder auch Avantasias "Mystery Of Time" und "Moonglow". Lucassen verbleibt hingegen nicht in der Realität, sondern bezieht neben den biblischen Rückzugsorten Himmel und Hölle die Übergangswelt Transitus in den Plot ein. Hier finden sich die 'Nicht-gänzlich-Toten' wieder, um ihren Weg in eine der beiden Richtungen zu nehmen. Gerichtet werden die armen Tröpfe vom Engel des Todes - lasziv und prickelnd von Simone Simons intoniert. Herrlich wie die Epica-Sängerin vor Charme und Witz sprühend den Track "The Human Equation" performt. In der Comicversion wirkt der Mix aus übersinnlicher Magie und kurvenreichem Dekolleté ein wenig überzeichnet, in der akustischen Form überzeugt Simons vollends. Einzelne Stücke hervorzuheben verbietet sich ob der Fülle an Details in der Story. Einzig das Rock-Doppel "Dumb Piece Of Rock" und "Get Out Now!" sprengt den Rahmen. Hier weicht Lucassen zu Gunsten der Einbindung zweier Sänger von der kohärenten Story ab: Mike Mills, Mastermind der australischen Alterna-Progger Toehider, gibt seine an Freddie Mercury erinnernden Vocalkaskaden als zum Leben erwachte Statue preis. Twisted Sister-Urgestein Dee Snider schmeißt als bitterböser Vater seinen Sohn kurzerhand aus dem Haus, als die Liaison des gut betuchten Daniel, gespielt und gesungen von Kamelot-Fronter Tommy Kareivik, mit der Dienerin des Hauses Abby bekannt wird. "Transitus" entfaltet seine volle emotionale Wucht bei stundelanger Beschäftigung mit Kopfhörer und durch die starke visuelle Komponente in Form des beiliegenden Comics. Ob der Fan nun sein Kreuzchen bei eklektische Experimente, geistige Größe, magischem Musenkuss oder Kitschkrieg-Prog macht, steht freilich auf einem anderen Blatt. Meiner bescheidenen Meinung nach erfüllt Lucassen sämtliche Anforderungen. © Laut
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Metal - Erschienen am 18. September 2020 | Music Theories

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Im Konzert entfaltet die Supergroup Flying Colors um Mike Portnoy, Steve und Neal Morse ihre verschiedenen Potenziale am besten, so auch auf "Third Stage: Live In London". Um die beiden Morses rankt sich der Witz, dass Steve Morse erst von Neals Band Spock's Beard erfahren habe, als man ihn in Interviews wiederholt auf seinen angeblichen Bruder ansprach. Nun, die beiden sind mitnichten verwandt, und für alle Bandmitglieder sind die Flying Colors ein Nebenjob. Sie scheinen dabei eine wichtige Rolle für die Stabilisierung von Steves Verhältnis zu Deep Purple einzunehmen: Eein kreativer Ausflug aus dem inzwischen recht keyboardlastigen Abmischungsverfahren beim Hauptbrötchengeber. Im Nebenprojekt demonstriert Morse in drahtigen Dramaturgien, was er aus seiner Elektrischen alles rauszaubern kann, und klampft sich in den Mittelpunkt. Das Ergebnis klingt im Studio teils spröde und verkopft, während es live fleischlicher, explosiver herüberkommt und nach wenigen Takten vom Hocker reißt. Drei Studioalben der fliegenden Farben gibt es. Zu jeder gibt es eine Live-Pendant-Platte. "Third Stage: Live In London" folgt auf "Third Degree". Stücke der ersten beiden Alben sind selbstredend ins Set eingebunden. Einige erweisen sich als wirklich gute Evergreens. Dieses Mal ergänzt nun eine Blu-ray oder DVD die Höreindrücke in einem Box-Set, alternativ gibt es nur die Blu-ray oder drei Vinylscheiben. So oder so, die 110 Minuten Audio-Spielzeit sind prall an Impulsen, entspannenden Jazzrock-Einlagen (, "Geronimo", "Cosmic Symphony", Mittel-Solo "Infinite Fire", Intro von "Blue Ocean"), einer Prise heimeligen Folk-Rocks in "Peaceful Harbor", Orgel-Hardrock ("A Place In Your World") und Dissonanzen-Prog ("The Loss Inside"). Dazu gesellen sich elegische Goth Metal-Anklänge ("More"), eine Akustikballade vom Feinsten ("You Are Not Alone") und straighter Rock'n'Roll mit Snare Drum-Gewitter ("The Storm"). Stilgrenzen fühlt man kaum, vieles ist erlaubt. Kerngeschäft der Gruppe sind überlange Monster-Tracks (z.B. "Infinite Fire"), die sogar Prog-Verhältnisse sprengen und weniger technisch klingen als bei Simeon Soul Charger und Konsorten. Die Flying Colors führen den Beweis, wie eingängig monumentaler Progressive Rock geraten kann, wenn die Melodien unwiderstehlich sind, so in "Crawl". Aus "Love Letter" (2019) entspinnt sich ein erfrischend lockerer Novelty-Pop mit viel Starkstrom. Die Vocals sind als Doo-Wop und stellenweise Acapella arrangiert. Somit präsentieren sich die Flying Colors als eine Art Electric Light Orchestra der 2020er. Zu den Höhepunkten zählen, wenn das Publikum ins schwelgerische "Kayla" mit einstimmt und zwei Zeilen übernimmt, aber auch die allgemein melancholische Grundstimmung, mit der die Flying Colors ein erkleckliches Maß näher rücken als bei den meisten Studio Recordings. Auch verbinden sie die recht verschiedenartigen Tracks äußerst geschickt zu spannender Unterhaltung, die bestens einwickelt. Über die Lead Vocals von Casey McPherson lässt sich trefflich streiten, in manchen Nummern, in denen gerade viel auf seinen Gesang zugeschnitten ist (z.B. "You Are Not Alone") stellt seine in den Höhenlagen allzu bemühte Intonation nicht zufrieden. Akzeptabel ist er sicher - fairerweise muss man sagen, er hat nicht den einfachsten Job. Die unterschiedlichen Rhythmen, Richtungen und Tempi darzustellen, ist anspruchsvoll. Alle Bandmitglieder komponieren ihren Senf mit hinzu, manches müsste man Casey erst auf den Leib komponieren, manchmal brilliert aber auch er ganz erstklassig, wie im Ohrwurm "Love Letter" und im feuerwerksartigen "Infinite Fire". Das Tracklisting variiert leicht je nach Medium, auch wenn überall alle Tracks enthalten sind. Mit "Mask Machine" hat sich die Band für den Schluss dem Thema Masken gewidmet. Das Lied ist ein Pflichttitel aus den Anfangstagen der Band, kein aktueller Kommentar, wie auch insgesamt alles hier zeitlose Qualität ausstrahlt. © Laut
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Metal - Erschienen am 17. September 2020 | Music Theories

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Metal - Erschienen am 27. August 2020 | Music Theories

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Progressive Rock - Erschienen am 27. März 2020 | Music Theories

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Auf der dritten Ayreon-Platte ging Arjen Lucassen aufs Ganze: "Make it or break it", so lautet die goldene Regel aus den Hochzeiten der Tonträgerindustrie. Zwar sammelte der holländische Hüne reichlich Erfahrung mit Hardrock-Kapellen wie Bondine oder Vengeance. Der große Wurf ließ wie bei dem Gros der Musiker jedoch auf sich warten. Doch Lucassens Hartnäckigkeit und Liebe zur Musik trugen Früchte. Der in jungen Jahren als schwer erziehbar geltende Multiinstrumentalist scharte Könner*innen wie Ex-Marillion-Sänger Fish oder The Gathering-Frontfrau Anneke van Giersbergen um sich. Die Arbeit mit Van Giersbergen markierte den Beginn einer Folge erfolgreicher Kollaborationen wie auf "01011001" oder bei The Gentle Storm. Jeden Charakter formiert Lucassen gemäß seiner stimmlichen Präferenzen. So gibt der Schotte Fish den knorrigen Highlander während Damian Wilson (ex-Threshold) mit seinem Heldentenor in die Rolle des edlen Ritters schlüpfte. Seit "Into The Electric Castle" ist die Saat gelegt. Man weiß, was einen erwartet und ist doch aufs Neue überrascht. Wie Landsmann Arjen Robben, der über rechts kommt, nach innen zieht und dann diagonal abschließt. Hier kulmiert die Stilvielfalt, die Lucassen auf den weiteren Platten wie "Universal Migrator" auf "Part 1" in Richtung Ambient, auf "Part 2" in Sachen Prog Metal, auf seiner Soloplatte "Lost In The New Real" mit einer Prise Pop und auf "The Theory Of Everything" mit seiner Progressive Rock-Auslegung zuspitzt. Seit der letzten Studio-Sause "The Source" sind mittlerweile drei Jahre vergangen. Gewichen scheint hingegen das Lampenfieber, bringt der 60-Jährige gemeinsam mit seinem Partner In Crime Joost van den Broek bereits die dritte Großproduktion innerhalb von fünf Jahren auf die Bühne flankiert von entsprechenden Live-Releases. Der Keyboarder, der im letzten Jahr mit Demons & Wizards auf Tour weilte und den Sänger Hansi Kürsch mit "als das Beste was Holland seit Johan Cruyff passierte" ankündigte, arbeitete die opulenten Studio Arrangements für eine Bühnen-Adaption aus. Was bei "Theater Equation" und "Ayreon Universe" schon brillant gelang, glückt auch auf "Electric Castle And Other Tales". Vier Abende gastierte der Tross in Tilburg in der stets ausverkauften 013 Venue. Allein der Aufbau der Stahlkonstruktion dauert eine Woche. Das elektrische Schloss mit großem Tor und zwei Türmen dient als Kulisse für das Treiben der Musiker. Den vom Publikum gesehen rechten Turm besetzt Star Trek-Darsteller John De Lancie als Erzähler. Die dröge Valium-Stimme der Original-Platte füllt De Lancie mit Dramatik und Leben und führt gekonnt durch die diversen Prüfungen, die den acht Protagonisten auf ihrer Reise durch das Eletric Castle blühen. Wer bei dieser Band nicht ins Schwärmen gerät, hat nicht mehr alle Patches an der Kutte. Das Who is Who der holländischen Prog-Szene gibt sich die Ehre: Drummer Ed Warby, Kayak-Gitarrist Marcel Singor oder Flötist Thijs van Leer sind solistisch wie songdienlich brillant und erwecken das Electric Castle zum Leben. Die einzelnen Stücke fallen dynamischer und Rock-lastiger aus. Die Synthies tönen omnipräsent, aber nicht so dominant wie auf dem Original. "Garden Of Emotions" entfaltet seine Bandbreite durch ein organisches Klangbild ergänzt um Streicher und Akustik-Gitarren. "Cosmic Fusion" knallt nach atmosphärischem Beginn richtig ins Gebälk, tritt doch der Tod hier in Form zweier Growl-Vocalisten in Erscheinung. Van Giersbergen rührt beim romantischen Kleinod "Valley Of The Queens" die Zuschauer zu Tränen. "Across The Rainbow Bridge" zeigt Hardrock-Kante, während "Tunnel Of Light" als kecker Country-Track aufwartet. Abrundung erfährt die Show durch den Zugaben-Block, in dem jedes Projekt aus dem Hause Lucassen von Ambeon angefangen über Stream Of Passion und Guilt Machine bis hin zu Star One einmal Beachtung erfährt. © Laut
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Progressive Rock - Erschienen am 27. März 2020 | Music Theories

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Aus aller Welt - Erschienen am 14. Februar 2020 | Music Theories

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Aus aller Welt - Erschienen am 5. Februar 2020 | Music Theories

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Aus aller Welt - Erschienen am 10. Januar 2020 | Music Theories

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Aus aller Welt - Erschienen am 21. November 2019 | Music Theories

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Progressive Rock - Erschienen am 25. Oktober 2019 | Music Theories

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Progressive Rock - Erschienen am 4. Oktober 2019 | Music Theories

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Progressive Rock - Erschienen am 21. Juni 2019 | Music Theories

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Progressive Rock - Erschienen am 21. Juni 2019 | Music Theories

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Rock - Erschienen am 17. Mai 2019 | Music Theories

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Progressive Rock - Erschienen am 19. April 2019 | Music Theories

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Progressive Rock - Erschienen am 19. April 2019 | Music Theories

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Progressive Rock - Erschienen am 7. Dezember 2018 | Music Theories

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Du suchst noch nach dem perfekten Weihnachtsgeschenk für Gitarren-Nerds? Dann verhindere um Himmels willen, dass ebenjene Wind von "Triumphant Hearts" bekommen, sonst greifen sie nämlich vor dir zu. Jason Becker versammelt auf "Triumphant Hearts" ein Who-Is-Who der Saitenvirtuosen. Unter anderem mit dabei: Joe Bonamassa, Steve Vai, Paul Gilbert und Greg Howe – in einem Song! Die Platte ist in erster Linie eine Liebeserklärung an die E-Gitarre. Bei "Valley Of Fire" geben sich dreizehn Meister ihres Fachs die Skalen in die Hand und weben gemeinsam ein neun Minuten langes Solo. Die Parts gehen flüssig ineinander über, trotzdem bleiben die Fingerabdrücke der Individualisten klar erkennbar: Vais Vibrato, Marty Friedmans sahnige Bendings, Bonamassas full-throttle-Bluesrock, Matthias IA Eklundhs Experimente ... "Magic Woman" entpuppt sich als feingliedriges Duett zwischen dem ehemaligen Megadeth-Gitarristen Chris Broderick an der Konzertgitarre und Altmeister Uli Jon Roth als Leadgitarrist. In "River Of Longing" frönen Joe Satriani, Guthrie Govan, Steve Morse und die etwas weniger bekannte, aber nicht weniger begabte Kroatin Aleks Sever dem Blues. Noch Fragen? Sie alle helfen dem vor Jahrzehnten an ALS erkrankten Becker, seine Vision zu verwirklichen. In den Achtzigern schuf der Amerikaner gleich zwei Referenzwerke für Shredder: Gemeinsam mit Friedman Cacophonys "Speed Metal Symphony", ein Jahr später sein Solodebüt "Perpetual Burn". Gerade als seine Karriere mithilfe eines Gigs bei David Lee Roths Band richtig Fahrt aufnahm, zwang ihn die Krankheit dazu, sein Instrument niederzulegen. Inzwischen kann Becker nurmehr mit seinen Augen kommunizieren – dank moderner Technik aber auch wieder komponieren. Und das tut er längst nicht nur für Gitarre. Einen bemerkenswert großen Teil des Albums nehmen Streicher ein. "Once Upon A Melody" und "Triumphant Heart" sind Orchesterstücke, in denen die Gitarre nur eine untergeordnete Rolle spielt. Die getragenen, emotionalen Melodien des Titeltracks erinnern an die Soundtracks Ryuichi Sakamotos. Auch das mit Frauenchören veredelte "Fantasy Weaver" ist prädestiniert dafür, eine Filmszene zu untermalen. Mit Shredding hat das gar nichts zu tun. Als Ausgleich liefert Becker am Ende des Albums aber die von ihm selbst zu Zeiten des David Lee Roth-Albums "A Little Ain't Enough" eingespielten Tracks "Taking Me Back" und "Tell Me No Lies" mit reichlich Genudel in den Soli. Roth singt zwar leider nicht mit, rein instrumental bleibt Becker aber nicht. Soul-Sänger Codany Holiday schmalzt sich mitsamt Gospel-Chor durch "Hold On To Love". Hier juckt die Tränendrüse arg, aber solange der Kitsch mit sehr gutem Handwerk gemischt wird – von mir aus. Den zweiten Gesangsbeitrag leistete Steve Knight im ebenfalls bereits vor der ALS-Zeit geschriebenen "We Are One". Leider schmälern dick aufgetragene Sound-Effekte die Wirkung des Funk-Groovers. Etwas überflüssig, wenn auch nice to have ist ein "Blowin' In The Wind"-Cover mit im Vergleich zum Dylan-Original extrem gepimpter Gitarrenbegleitung. Da sowohl Stücke als auch Recordings aus unterschiedlichen Zeiten stammen, ist "Triumphant Hearts" aus Produktionssicht zwar ein ständiges Auf und Ab. Den scharfen Konturen von "Valley Of Fire" steht zum Beispiel eine Demo-Gitarre aus Beckers Jugend in "Once Upon A Melody" gegenüber. Sieht man darüber hinweg, bietet die Platte aber wie erwartet eine Vollbedienung für Fans virtuoser Gitarrenarbeit – und darüber hinaus eine Palette wundervoller Harmonien und Melodien eines genialen Musikers, der against all odds einen Weg gefunden hat, seine Leidenschaft weiter auszuleben. © Laut
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Progressive Rock - Erschienen am 7. Dezember 2018 | Music Theories

Du suchst noch nach dem perfekten Weihnachtsgeschenk für Gitarren-Nerds? Dann verhindere um Himmels willen, dass ebenjene Wind von "Triumphant Hearts" bekommen, sonst greifen sie nämlich vor dir zu. Jason Becker versammelt auf "Triumphant Hearts" ein Who-Is-Who der Saitenvirtuosen. Unter anderem mit dabei: Joe Bonamassa, Steve Vai, Paul Gilbert und Greg Howe – in einem Song! Die Platte ist in erster Linie eine Liebeserklärung an die E-Gitarre. Bei "Valley Of Fire" geben sich dreizehn Meister ihres Fachs die Skalen in die Hand und weben gemeinsam ein neun Minuten langes Solo. Die Parts gehen flüssig ineinander über, trotzdem bleiben die Fingerabdrücke der Individualisten klar erkennbar: Vais Vibrato, Marty Friedmans sahnige Bendings, Bonamassas full-throttle-Bluesrock, Matthias IA Eklundhs Experimente ... "Magic Woman" entpuppt sich als feingliedriges Duett zwischen dem ehemaligen Megadeth-Gitarristen Chris Broderick an der Konzertgitarre und Altmeister Uli Jon Roth als Leadgitarrist. In "River Of Longing" frönen Joe Satriani, Guthrie Govan, Steve Morse und die etwas weniger bekannte, aber nicht weniger begabte Kroatin Aleks Sever dem Blues. Noch Fragen? Sie alle helfen dem vor Jahrzehnten an ALS erkrankten Becker, seine Vision zu verwirklichen. In den Achtzigern schuf der Amerikaner gleich zwei Referenzwerke für Shredder: Gemeinsam mit Friedman Cacophonys "Speed Metal Symphony", ein Jahr später sein Solodebüt "Perpetual Burn". Gerade als seine Karriere mithilfe eines Gigs bei David Lee Roths Band richtig Fahrt aufnahm, zwang ihn die Krankheit dazu, sein Instrument niederzulegen. Inzwischen kann Becker nurmehr mit seinen Augen kommunizieren – dank moderner Technik aber auch wieder komponieren. Und das tut er längst nicht nur für Gitarre. Einen bemerkenswert großen Teil des Albums nehmen Streicher ein. "Once Upon A Melody" und "Triumphant Heart" sind Orchesterstücke, in denen die Gitarre nur eine untergeordnete Rolle spielt. Die getragenen, emotionalen Melodien des Titeltracks erinnern an die Soundtracks Ryuichi Sakamotos. Auch das mit Frauenchören veredelte "Fantasy Weaver" ist prädestiniert dafür, eine Filmszene zu untermalen. Mit Shredding hat das gar nichts zu tun. Als Ausgleich liefert Becker am Ende des Albums aber die von ihm selbst zu Zeiten des David Lee Roth-Albums "A Little Ain't Enough" eingespielten Tracks "Taking Me Back" und "Tell Me No Lies" mit reichlich Genudel in den Soli. Roth singt zwar leider nicht mit, rein instrumental bleibt Becker aber nicht. Soul-Sänger Codany Holiday schmalzt sich mitsamt Gospel-Chor durch "Hold On To Love". Hier juckt die Tränendrüse arg, aber solange der Kitsch mit sehr gutem Handwerk gemischt wird – von mir aus. Den zweiten Gesangsbeitrag leistete Steve Knight im ebenfalls bereits vor der ALS-Zeit geschriebenen "We Are One". Leider schmälern dick aufgetragene Sound-Effekte die Wirkung des Funk-Groovers. Etwas überflüssig, wenn auch nice to have ist ein "Blowin' In The Wind"-Cover mit im Vergleich zum Dylan-Original extrem gepimpter Gitarrenbegleitung. Da sowohl Stücke als auch Recordings aus unterschiedlichen Zeiten stammen, ist "Triumphant Hearts" aus Produktionssicht zwar ein ständiges Auf und Ab. Den scharfen Konturen von "Valley Of Fire" steht zum Beispiel eine Demo-Gitarre aus Beckers Jugend in "Once Upon A Melody" gegenüber. Sieht man darüber hinweg, bietet die Platte aber wie erwartet eine Vollbedienung für Fans virtuoser Gitarrenarbeit – und darüber hinaus eine Palette wundervoller Harmonien und Melodien eines genialen Musikers, der against all odds einen Weg gefunden hat, seine Leidenschaft weiter auszuleben. © Laut
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Progressive Rock - Erschienen am 26. Oktober 2018 | Music Theories