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Max Richter - From Sleep

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From Sleep

Max Richter

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Max Richter sucht das Experiment. Der Filmkomponist, der etwa Ari Formans traumatischen Arthouse-Zeichentrick-Film "Waltz With Bashir" vertonte oder die von Tilda Swanson gelesenen Kafka-Tagebücher verarbeitete. Der ernste Musik zeitgenössischer Künstler wie Arvo Part mit seinem Klavier-Sextett aufführt und dessen Spektrum sich auch auf Ballett und Tänzer-Kooperationen ausdehnt. Der in Berlin arbeitende Brite erforscht die diskursiven Grenzen seines Schaffens, indem er seine Musik mit jedem neuen Projekt in eine andere Praxis einschreibt. Sein neuestes Album "From Sleep" versteht sich lediglich als Auszug aus einem musikalischen Traumtagebuch, das in der Originalfassung mit dem Titel "Sleep" acht Stunden lang dahinpluckert. So lange, wie ein Mensch eben im Durchschnitt schläft. In der Tradition des Wiegelieds, etwa von Bachs Goldberg-Variationen, die der Legende nach für einen an Insomnia leidenden Grafen geschrieben wurden, entwarf Richter nicht einfach nur einschläfernde Klanglandschaften, die möglichst sachte ins Reich der Träume überführen sollen. Er setzte sich mit dem Thema auseinander, wie das ein professioneller Komponist seiner Zunft eben tut, der selbst das abstrakte Oeuvre eines Steve Reich oder Brian Eno intoniert. So besuchte Richter etwa den amerikanischen Schlafforscher David Eagleman, um sich über neurologische Prozesse im Gehirn schlau zu machen und vergleichbare Muster in der Musik zu erforschen und zu implantieren. Ein repetitives Stilmittel ist dabei die Wiederholung selbst. Meist spinnt der Komponist einen samtigen Kokon, in den er seinen Hörer einwickelt und mit jedem neuen Loop tiefer in sein Unterbewusstsein befördert. Oft formt das Klavier das erste instrumentale Sediment, über das sich dann Streicher und peripherer Hall schichtet. Vertonte Trägheit und doch keine Stagnation. Wie ein stetig währender Stream Of Counciousness reproduziert Richter Akkordfiguren, ein ewig währender Epilog, der Abspann eines Tages. In "Path 5 (Delta)" erhalten ätherische Gesänge über einen fernen Orgelboden Einzug in den evozierten Zauberwald. Elfengleiche Stimmen haben etwas zutiefst Jenseitiges und gleichzeitig Versöhnliches. Richter inszeniert eine Andacht, die wie ein Totenmarsch gerät. Der Tiefschlaf als Steg zum ewigen Schlaf? Bei so viel Moll und imaginiertem Trauerflor ist man sich zuweilen unsicher, ob der Mann nicht eigentlich eher das Koma vor dem endgültigen Abnippeln zum Vorbild hatte. Achtet man zu Beginn jedes Tracks noch auf klangliche Paradigmen, geht das Warten mit jeder Rotation mehr und mehr in eine Hypnose über, aus der man erst aufgrund der Zäsur der Stille dazwischen erwacht. Die acht Titel teilen sich in die kryptischen Kategorien "Dream", "Path" und "Space". Während "Space 11 (Invisible Pages Over)" ein verschwommenes Stilleben ohne oben und unten, vorne und hinten zeichnet, stellt etwa "Dream 13 (Minus Even)" eine Präludien-ähnliche Klavier-Figur in die Raummitte und dekliniert diese durch. Eine Dramaturgie, die dem bedrohlichen Dröhnen der celestischen Collage "Space 21 (Pertichor)" völlig fehlt. Hier vermittelt sich eine Sphärik, die komplett losgelöst von ihrer Soundquelle durch den Orbit schallt wie in einem Kubrick'schen Weltraum-Epos. Vergleichsweise gegenständliche Kunst wie "Path 19 (Yet Frailest)" erinnert dagegen mit brüchiger Violine und hellem Piano eher an Olafur Arnalds. Wenn ein Konzept derart die Rezeption vorschreibt, stellt sich logischerweise die Frage nach den Kriterien, mit denen man dieses entgrenzte Werk anpackt. Ein Album, das den Schlaf und die geistige Umnachtung anregen will, vertonen will, nach Schnarchen klingen will und damit das anstrebt, was jede andere Platte zu verhindern sucht. Dabei geht es Max Richter in seinen gebetsmühlenartig vor sich hin oszillierenden Auszügen um ein Drehbuch für Traumwelten und damit um eine musikalische Meta-Ebene abseits der Unterhaltungsmusik. "From Sleep" beweist, dass der Herr als erfahrener Soundtrack-Schreiber auch die Kopfkino-Filmrolle ankurbeln kann.
© Laut

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From Sleep

Max Richter

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1
Richter: Dream 3 (in the midst of my life)
Max Richter
00:10:03

Ben Russell, Violin, MainArtist, AssociatedPerformer - Mandy Parnell, Mastering Engineer, StudioPersonnel - Max Richter, Composer, Producer, Mixer, Piano, MainArtist, AssociatedPerformer, StudioPersonnel - Alejandro Venguer, Recording Engineer, StudioPersonnel - Yuki Numata Resnick, Violin, MainArtist, AssociatedPerformer

℗ 2015 Deutsche Grammophon GmbH, Berlin

2
Richter: Path 5 (delta)
Max Richter
00:11:14

Tom Bailey, Asst. Recording Engineer, StudioPersonnel - Rupert Coulson, Mixer, Recording Engineer, StudioPersonnel - Mandy Parnell, Mastering Engineer, StudioPersonnel - Max Richter, Producer, Mixer, Organ, MainArtist, AssociatedPerformer, StudioPersonnel, ComposerLyricist - Grace Davidson, Soprano, MainArtist, AssociatedPerformer - Alejandro Venguer, Recording Engineer, StudioPersonnel

℗ 2015 Deutsche Grammophon GmbH, Berlin

3
Richter: Space 11 (Invisible Pages Over)
Ben Russell
00:05:16

Ben Russell, Violin, MainArtist, AssociatedPerformer - Brian Snow, Cello, MainArtist, AssociatedPerformer - Caleb Burhans, Viola, MainArtist, AssociatedPerformer - Clarice Jensen, Cello, MainArtist, AssociatedPerformer - Mandy Parnell, Mastering Engineer, StudioPersonnel - Max Richter, Composer, Producer, Mixer, StudioPersonnel - Alejandro Venguer, Recording Engineer, StudioPersonnel - Yuki Numata Resnick, Violin, MainArtist, AssociatedPerformer

℗ 2015 Deutsche Grammophon GmbH, Berlin

4
Richter: Dream 13 (minus even)
Max Richter
00:08:53

Ben Russell, Violin, MainArtist, AssociatedPerformer - Clarice Jensen, Cello, MainArtist, AssociatedPerformer - Mandy Parnell, Mastering Engineer, StudioPersonnel - Max Richter, Composer, Producer, Mixer, Piano, MainArtist, AssociatedPerformer, StudioPersonnel - Alejandro Venguer, Recording Engineer, StudioPersonnel - Yuki Numata Resnick, Violin, MainArtist, AssociatedPerformer

℗ 2015 Deutsche Grammophon GmbH, Berlin

5
Richter: Space 21 (petrichor)
Ben Russell
00:04:48

Ben Russell, Violin, MainArtist, AssociatedPerformer - Brian Snow, Cello, MainArtist, AssociatedPerformer - Caleb Burhans, Viola, MainArtist, AssociatedPerformer - Clarice Jensen, Cello, MainArtist, AssociatedPerformer - Mandy Parnell, Mastering Engineer, StudioPersonnel - Max Richter, Composer, Producer, Mixer, StudioPersonnel - Alejandro Venguer, Recording Engineer, StudioPersonnel - Yuki Numata Resnick, Violin, MainArtist, AssociatedPerformer

℗ 2015 Deutsche Grammophon GmbH, Berlin

6
Richter: Path 19 (yet frailest)
Max Richter
00:07:51

Ben Russell, Violin, MainArtist, AssociatedPerformer - Mandy Parnell, Mastering Engineer, StudioPersonnel - Max Richter, Composer, Producer, Mixer, Piano, MainArtist, AssociatedPerformer, StudioPersonnel - Alejandro Venguer, Recording Engineer, StudioPersonnel

℗ 2015 Deutsche Grammophon GmbH, Berlin

7
Richter: Dream 8 (late and soon)
Max Richter
00:11:53

Tom Bailey, Asst. Recording Engineer, StudioPersonnel - Ben Russell, Violin, MainArtist, AssociatedPerformer - Rupert Coulson, Mixer, Recording Engineer, StudioPersonnel - Brian Snow, Cello, MainArtist, AssociatedPerformer - Caleb Burhans, Viola, MainArtist, AssociatedPerformer - Clarice Jensen, Cello, MainArtist, AssociatedPerformer - Mandy Parnell, Mastering Engineer, StudioPersonnel - Max Richter, Producer, Mixer, Hammond B3, MainArtist, AssociatedPerformer, StudioPersonnel, ComposerLyricist - Grace Davidson, Soprano, MainArtist, AssociatedPerformer - Alejandro Venguer, Recording Engineer, StudioPersonnel - Yuki Numata Resnick, Violin, MainArtist, AssociatedPerformer

℗ 2015 Deutsche Grammophon GmbH, Berlin

Albumbeschreibung

Max Richter sucht das Experiment. Der Filmkomponist, der etwa Ari Formans traumatischen Arthouse-Zeichentrick-Film "Waltz With Bashir" vertonte oder die von Tilda Swanson gelesenen Kafka-Tagebücher verarbeitete. Der ernste Musik zeitgenössischer Künstler wie Arvo Part mit seinem Klavier-Sextett aufführt und dessen Spektrum sich auch auf Ballett und Tänzer-Kooperationen ausdehnt. Der in Berlin arbeitende Brite erforscht die diskursiven Grenzen seines Schaffens, indem er seine Musik mit jedem neuen Projekt in eine andere Praxis einschreibt. Sein neuestes Album "From Sleep" versteht sich lediglich als Auszug aus einem musikalischen Traumtagebuch, das in der Originalfassung mit dem Titel "Sleep" acht Stunden lang dahinpluckert. So lange, wie ein Mensch eben im Durchschnitt schläft. In der Tradition des Wiegelieds, etwa von Bachs Goldberg-Variationen, die der Legende nach für einen an Insomnia leidenden Grafen geschrieben wurden, entwarf Richter nicht einfach nur einschläfernde Klanglandschaften, die möglichst sachte ins Reich der Träume überführen sollen. Er setzte sich mit dem Thema auseinander, wie das ein professioneller Komponist seiner Zunft eben tut, der selbst das abstrakte Oeuvre eines Steve Reich oder Brian Eno intoniert. So besuchte Richter etwa den amerikanischen Schlafforscher David Eagleman, um sich über neurologische Prozesse im Gehirn schlau zu machen und vergleichbare Muster in der Musik zu erforschen und zu implantieren. Ein repetitives Stilmittel ist dabei die Wiederholung selbst. Meist spinnt der Komponist einen samtigen Kokon, in den er seinen Hörer einwickelt und mit jedem neuen Loop tiefer in sein Unterbewusstsein befördert. Oft formt das Klavier das erste instrumentale Sediment, über das sich dann Streicher und peripherer Hall schichtet. Vertonte Trägheit und doch keine Stagnation. Wie ein stetig währender Stream Of Counciousness reproduziert Richter Akkordfiguren, ein ewig währender Epilog, der Abspann eines Tages. In "Path 5 (Delta)" erhalten ätherische Gesänge über einen fernen Orgelboden Einzug in den evozierten Zauberwald. Elfengleiche Stimmen haben etwas zutiefst Jenseitiges und gleichzeitig Versöhnliches. Richter inszeniert eine Andacht, die wie ein Totenmarsch gerät. Der Tiefschlaf als Steg zum ewigen Schlaf? Bei so viel Moll und imaginiertem Trauerflor ist man sich zuweilen unsicher, ob der Mann nicht eigentlich eher das Koma vor dem endgültigen Abnippeln zum Vorbild hatte. Achtet man zu Beginn jedes Tracks noch auf klangliche Paradigmen, geht das Warten mit jeder Rotation mehr und mehr in eine Hypnose über, aus der man erst aufgrund der Zäsur der Stille dazwischen erwacht. Die acht Titel teilen sich in die kryptischen Kategorien "Dream", "Path" und "Space". Während "Space 11 (Invisible Pages Over)" ein verschwommenes Stilleben ohne oben und unten, vorne und hinten zeichnet, stellt etwa "Dream 13 (Minus Even)" eine Präludien-ähnliche Klavier-Figur in die Raummitte und dekliniert diese durch. Eine Dramaturgie, die dem bedrohlichen Dröhnen der celestischen Collage "Space 21 (Pertichor)" völlig fehlt. Hier vermittelt sich eine Sphärik, die komplett losgelöst von ihrer Soundquelle durch den Orbit schallt wie in einem Kubrick'schen Weltraum-Epos. Vergleichsweise gegenständliche Kunst wie "Path 19 (Yet Frailest)" erinnert dagegen mit brüchiger Violine und hellem Piano eher an Olafur Arnalds. Wenn ein Konzept derart die Rezeption vorschreibt, stellt sich logischerweise die Frage nach den Kriterien, mit denen man dieses entgrenzte Werk anpackt. Ein Album, das den Schlaf und die geistige Umnachtung anregen will, vertonen will, nach Schnarchen klingen will und damit das anstrebt, was jede andere Platte zu verhindern sucht. Dabei geht es Max Richter in seinen gebetsmühlenartig vor sich hin oszillierenden Auszügen um ein Drehbuch für Traumwelten und damit um eine musikalische Meta-Ebene abseits der Unterhaltungsmusik. "From Sleep" beweist, dass der Herr als erfahrener Soundtrack-Schreiber auch die Kopfkino-Filmrolle ankurbeln kann.
© Laut

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