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Die Alben

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Pop - Erschienen am 1. Januar 1985 | Island Records (The Island Def Jam Music Group / Universal Music)

Auszeichnungen Qobuz' Schallplattensammlung
"'Rain Dogs' ist ein Begriff, den ich für jene armen Teufel schrieb, die ohne Heim in den Hauseingängen schlafen. Hunde im Regen verlieren ihren Orientierungssinn, weil das Wasser all ihre Markierungen und Geruchsspuren erbarmungslos hinfort spült. Du siehst diese Gestrandeten nach dem großen Regen überall auf den Straßen, wie sie den Kopf nach dir drehen, und ihre flehenden Augen bitten dich, ihnen den Weg nach Hause zu zeigen. Es ist aussichtslos. Genau wie sie sind all die besungenen Leute auf diesem Album miteinander verbunden. Zusammen genäht von einem Faden aus Schmerz und Unannehmlichkeiten." So liebevoll und rührend erklärt Tom Waits den Titel seiner Wahnsinnsplatte "Rain Dogs". Ein Album das ich ohne zu zögern nennen würde, weckte man mich des Nachts aus dem Tiefschlaf, um zu fragen: "Welche Scheibe ist für dich die Beste der 80er?" Dabei ist diese 1985 erschienene LP im Jahrzehnt von Elektrodrums, Synthies und Keytarre ebenso ein Außenseiter wie die Helden seiner Geschichten. Wer sich dieser 19 Streuner-Tracks jedoch mit Herz und Ohr nähert, findet in "Rain Dogs" einen treuen, niemals alternden Freund, der auf ewig einen Ehrenplatz im Plattenregal erobert. Rein formal betrachtet bildet Waits' achtes Studiowerk den Mittelteil seiner grandiosen Trilogie "Swordfishtrombones"/"Rain Dogs"/"Frank's Wild Years". Wer hingegen einen schärferen Blick riskiert, findet ein bunt geschnürtes Bündel süchtig machender Melodien und Texte, die ohne Netz und doppelten Klangboden vollkommen nackt vor dem Hörer stehen. Texte so abenteuerlich wie Kerouac, so aussichtslos wie Steinbeck, treffen auf eine Musik, die klingt, als hätten Kurt Weill und Howlin' Wolf in wilder Ekstase Tom Waits als nicht nur optischen Hellboy des Blues gezeugt. Als Storyteller macht er eine blendende Figur. Natürlich ist der Käpt'n im eröffnenden Seemannsgarn "Singapore" ein einarmiger Zwerg, und man muss mindestens einmal durch die Hölle, um zurück zu kehren. "So heave away boys, heave away!" Da kann selbst die von letzter Kohle erstandene Schwarzmarkt-Knarre nicht mehr helfen. "2$ Pistol, but the gun won't shoot!" ("Jockey Full Of Bourbon"). Sogar das süße Lächeln der Mädchen bleibt im Licht schummriger Straßenlaternen eine unter Zentimeter dickem Make-Up verborgene Lüge. "And the girl behind the counter has a tattooed tear / One for every year he's away, she said." Waits selbst ist dabei als klassischer Geschichtenerzähler meist Beobachter. Im Gegensatz zu Kollegen wie Lou Reed bleibt er emotional gleichwohl nie ganz unbeteiligt, sondern transportiert über die brillante Phrasierung seiner Jazz-geschulten Vocals jene zupackende und mitfühlende Zärtlichkeit, die den Hörer nicht kalt lässt. Dabei offenbart er ein messerscharfes Auge für Details, (Selbst-)Ironie, absurde Situationskomik und die nie ganz versiegende Hoffnung seiner Steh-Auf-Männchen. "I've seen it all ... I've seen it all through the yellow windows of the evening train." Musikalisch zaubert Thomas Alan Waits ein Ass nach dem anderen aus dem staubigen Ärmel. Die Kreativität in der Auswahl des Instrumentariums kennt keine Grenzen. Auch hierbei ziehen sich im MTV-gestählten Showbiz sonst eher uncoole Outsider wie Posaune, Akkordeon oder Marimba als roter Faden durch die Lieder. Was nicht passt, wird von den entfesselten Musikern kurzerhand passend gemacht. "Als die Drums uns mit dem rechten Sound im Stich ließen, wuchteten wir einfach eine massive alte Kommode ins Badezimmer und schlugen darauf ein." Den verdienten Oscar für die beste Nebenrolle erhalten dennoch die beiden höchst gegensätzlichen Gitarreros Marc Ribot und Keith Richards. Ribots einzigartiger Anschlag, den er gern hart mit dem Daumen vollführt, eignet sich perfekt für den flowend-groovy Avantgarde-Stil, der viele leicht an eine L.A.-Version von Brecht/Weill erinnert. Klaren Höhepunkt und Anspieltipp seiner Saitenhexerei bildet das ebenso hypnotische wie twängelige Titelstück. Ribot selbst erklärt den Effekt deutlich nüchterner mit der Tatsache, er spiele rechtshändig, obgleich er eigentlich Linkshänder sei. Für den sinnlich-warmen Touch gen Blues sorgt der Rolling Stones-Gitarrist. Waits: "Keith ist sehr spontan und bewegt sich im Studio und an der Gitarre so instinktiv wie ein Tier. Vergeblich versuchte ich zunächst, 'Big Black Mariah' verbal zu erklären, bis ich schlussendlich einige Bewegungen und Gesten machte. Da sagte er plötzlich: 'Warum hast dich nicht gleich so bewegt? Jetzt weiß ich sofort, was du meinst!'" Richards, der auf "Blind Love" auch mitsingt, ist seitdem einer von Toms besten Freunden und schaut bei der einen oder anderen Platte als gern gesehener Gast herein. Waits revanchiert sich und steuert ein paar Monate später Backing Vocals zum Stones-Hit "Harlem Shuffle" ("Dirty Work" 1986) bei. Trotz all dieser Superlative war die Platte ob ihrer Unkonventionalität damals kein echter Chart-Buster. Das verhinderte schon der Stinkefinger in Richtung des musikalischen Zeitgeistes. Sie etablierte sich eher als Langstreckenläufer. Kollegen wie Rod Stewart ("Downtown Train") oder Bob Seeger ("Blind Love") coverten hingegen gern Tracks dieser LP und machten die Stücke zu Hits. So leicht es ihnen fiel, sich Waits-Songs zum Interpretieren heraus zu picken, so schwer fällt es, einzelne Juwelen aus diesen bärenstarken knapp 20 Tracks heraus zu stellen. Von "Clap Hands" bis "Tango Til They're Sore" könnte man über jeden einzelnen "Rain Dogs"-Hammer eine seitenlange Lobeshymne verfassen. Alle rufen sie einem zu: "I hide on the stairway. I hang in the curtain. I sleep in your head." Kein Wunder mithin, dass sich Bars, Souvenirläden und sogar eine japanische Bikergang nach dieser Platte benannten. Ein Lied jedoch ist sogar unter diesen besonderen Perlen ein einzigartiges Kleinod. Die Rede ist von "Downtown Train". Statt der üblichen quietschbunten Effekthascherei der Clips dreht Waits das vielleicht schönste Schwarzweiß-Video überhaupt und kommt damit sogar in die MTV-Rotation. Das Lied über einen verliebten armen Jungen von der falschen Seite der Stadt, der im Mondschein vergeblich auf eine wohlsituierte Upper-Class-Zicke aus Uptown wartet, wird ein weltweiter Hit, Waits' ewige Visitenkarte und dazu einer der meist gecoverten Songs aller Zeiten. Auch Jahrzehnte nach der Veröffentlichung hat der grandiose Schmachtfetzen nichts von seiner Anziehungskraft verloren. Noch immer "shining like a new dime!" verzaubert seine Leidenschaft jeden binnen Sekunden. So stellt sich dem Hörer vor dem heimischen Plattenschrank lebenslang eine einzige Frage immer wieder: "Will I see you tonight on the downtown train?" Oh, ja, Tom. Sehr gern und immer wieder! © Laut
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Rock - Erschienen am 1. Januar 1987 | Island Records (The Island Def Jam Music Group / Universal Music)

Auszeichnungen Qobuz' Schallplattensammlung
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Rock - Erschienen am 1. Januar 1992 | Island Records (The Island Def Jam Music Group / Universal Music)

Auszeichnungen Qobuz' Schallplattensammlung
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Original Soundtrack - Erschienen am 3. Juli 1990 | Columbia

Auszeichnungen Außergewöhnliche Schallplattensammlung von Qobuz
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Alternativ und Indie - Erschienen am 6. März 1973 | Anti - Epitaph

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Alternativ und Indie - Erschienen am 27. April 1999 | Anti - Epitaph

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1993 ließ Tom Waits bei dem Musical The Black Rider die Knochen klappern, 1999 hat er sich in einem Hühnerstall eingenistet, um zwischen landwirtschaftlichem Gerät seine neue Platte "Mule Variations" aufzunehmen. Um den Gastgeber für die Ruhestörung zu entschädigen, ließ er ihn ins Mikro krähen, der Verewigung wegen. Chocolate Jesus -featuring the rooster - schmilzt in der Hand, nicht im Mund und erzählt doch nur über das Geschäftsleben von Waits Schwiegervater. Kleine Leute und kleine Geschichten, kein Icecream Man, keine Pianobar, kein L.A. Zwischen surreal und rural stuft Waits seine Musik ein - surrural, ganz einfach. Dabei steht die Platte in guter Tradition altbekannter Stücke: Hymnisch-herzergreifend in Goergia Lee, scheppernd mit drive als Godzilla in Big In Japan oder eben doch katertröstend in Cold Water. Für Abwechslung ist gesorgt, zumal Waits nicht müde wird, neue Instrumente zu entwickeln mit denen er konsequent gegen die Melodie vorgeht, die doch so eingängig wäre. Da Noten aber sowieso zeitlos und in der Welt sind, wird gekratzt und sei es mit der Stimme. Was daraus resultiert ist eine Platte, die im Gegensatz zum schokoladenen Heiland überhaupt nicht schmilzt, sondern mehrfachen Genuß unbeschadet übersteht. Aber auch das ist ja nichts Neues, seitdem Tom Waits sich als Kneipenmusiker verabschiedet hat, um 1983 mit dem Album Swordfishtrombones in den amerikanischen melting-pot der Musik einzutauchen. Daß er verbraucht sei ist ein Gerücht, denn als Vogelscheuche kann er allemal noch dienen. So abgebildet stellt sich Tom Waits in den Wind, was hängen bleibt, bleibt hängen, was vorbeifliegt ist nicht weiter interessant. Und warum das Ganze? Weil er ein Dickkopf ist, so seine Frau, die Köchin der Musik: "I didn’t marry a man, I married a mule." Ein Maultier, das schon einiges mitgemacht hat, es sei ihm gedankt, denn wenn er Musik aufnimmt, ist das wie Leute zum Essen einladen. Denen würde er nie eine Tomate in die eine Mundhälfte stopfen, ein Stück Brot in die andere, sie nach Hause schicken und sich für die Gesellschaft bedanken. © Laut
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Alternativ und Indie - Erschienen am 5. September 1978 | Anti - Epitaph

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Alternativ und Indie - Erschienen am 21. September 1976 | Anti - Epitaph

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Alternativ und Indie - Erschienen am 15. Oktober 1974 | Anti - Epitaph

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Rock - Erschienen am 1. Januar 1983 | Island Records (The Island Def Jam Music Group / Universal Music)

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Alternativ und Indie - Erschienen am 9. September 1980 | Anti - Epitaph

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Alternativ und Indie - Erschienen am 21. November 2006 | Anti - Epitaph

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Der unvergleichliche Tom Waits. So muss man ihn bezeichnen, oder gibt es da draußen auch nur einen einzigen Künstler, der mit derart verschrobener Hartnäckigkeit und fernab jeglicher Mainstream-Ambitionen sein Ding durchzieht, der ohne Rücksicht auf gängige Hörgewohnheiten Soundtrümmer aufeinander schichtet? Der sich außerdem äußerst geschickt aus dem Fundus der Musiktraditionen bedient und einen besonderen Blick auf das wirft, was der amerikanische Traum geflissentlich als Menschenabfall in den Gulli kehrt? Wohl kaum. Waits braucht keine künstlichen Klangerzeuger, um neuartige Sounds zu entwerfen. Und wenn er sich dann doch einmal dazu hinreißen lässt, moderne Instrumente zu verwenden, dann aber bitte schön zweckentfremdet. Jetzt legt der Umtriebige auch noch ein dickes 3er-Set vor, bei dem der Hörer gut zu tun hat, um sich durch die 54 Songs (und zwei Bonus-Tracks) zu kauen. Dazu spendiert Waits ein fettes, 94 Seiten starkes Booklet. Thematisch in die Kapitel "Brawlers", "Bawlers" und "Bastards" unterteilt, bietet "Orphans" fast die komplette Palette an Waits-Sounds, die ihn in den vergangenen Jahrzehnten bekannt gemacht haben. "Brawlers" (Streithammel) huldigt ausgiebig Kneipensounds, Blues, Rock'n'Roll und Derivaten daraus. Nicht umsonst bezeichnet Waits die hier versammelten Tracks als Juke Joint-Sounds, schließlich gab es in den gleichnamigen Kaschemmen ordentlich viel billigen Fusel, Glücksspiel und reichlich Gelegenheit, sich körperliche Befriedigung zu erkaufen. Hurerei, Suff und Party kommen denn auch im eingängigen klanglichen Kostüm um die Ecke gerumpelt und geschunkelt. Das ist immer noch unverkennbar Waits, aber ohne allzu sperrige Dreingaben, die den Genuss der Songs zur Kraftanstrengung werden ließe. Skurrilitäten bietet Waits ebenfalls wieder. Oder ist schon einmal etwas von einem Knacki bekannt geworden, der sich mittels einer Fischgräte durch die Gitterstäbe gesägt hat? Das hat schon etwas Monty Python-Eskes. Komischerweise fügt sich das zu einem harmonischen Gesamtkunstwerk zusammen. Der analoge Klangtüftler vereint in den unterschiedlichsten Situationen aufgenommene Songs unter einem großen Hut. Das Vater/Sohn-Gespann musiziert diesmal nicht mit Plattenteller, vielmehr setzt sich der Filius beim simplen und straighten Rocker "Low Down" hinter die Schießbude. Sogar so etwas Ähnliches wie Gospel hat sich in die Trackliste geschmuggelt. Das Traditional "Lord I've Been Changed" vergrummelt Waits tatsächlich so, als würde ein jovialer Reverend vor der Gemeinde stehen und den Herrn um Vergebung bitten. Rhythmisch einfallsreich wie eh und je versammeln sich die verschiedensten Instrumente zu einem stimmigen Potpourri, das in seiner Gesamtheit wieder eine Einheit bildet, selbst wenn beim ersten Hören alles verquer durch die Gegend scheppert. Selbst absolut abgespeckte Oeuvres wie "Lucinda", das lediglich mit Beatbox-Einlagen und spärlichen Gitarrenklängen auskommt, klingen eher fett als zurückgenommen. "Road To Peace" nimmt sich dem Thema Naher Osten an. Den schlurfenden Stomper begleitet ein eher hilfloser Text, der sich der aktuellen Lage anpasst. Amerikanische Künstler scheinen nicht nur ein Problem mit der Regierungsführung der Bush-Administration zu haben, vielmehr scheinen sie angesichts des kompletten Irrsinns, der sich besonders in der Region Israel/Palästina abspielt im Wortsinne sprachlos zu sein. Tom Waits macht da keine Ausnahme. Leider. Das schon auf dem 2003er Tribute-Album für die Ramones enthaltene "The Return Of Jackie And Judy" bietet zuhauf Anschauungsunterricht, was man aus einer Coverversion noch so alles heraus holen kann, ohne das Original zu verleugnen. "Bawlers" (Schreier) führt vom Titel her etwas in die Irre, versammelt Waits unter diesem Banner doch seine melancholisch-balladeske Seite und agiert eher als Wehklagender im Walzertakt. Ganz großer jazziger Sport: Das Teddy Edwards-Cover "Little Man" sowie das nachfolgende "It's Over", wo der Schlagzeug-Besen zum großen Kehraus ausholt und sämtliche Barflys, Nutten und gescheiterte Existenzen zur Türe hinaus fegt. Die andere Seite des Tom Waits klingt in ruhigen Momenten hingegen sehr zärtlich und behutsam. "Long Way Home" und "Widow's Grove legen ein eindringliches Zeugnis davon ab, dass er auch ein emotionaler Brummbär sein kann. Im letzten Abschnitt treffen wir die "Bastards", in dem Waits den vorangegangenen Schönklang Zug um Zug dekonstruiert. Da ist er wieder, der Schreihals, der räudige Hund, der einem die Rhythmen und Texte ins Gesicht spuckt und uns als musikalische Masochisten entlarvt. Macht nix. Wir lassen uns gerne anbläffen. Was bei dieser schönen Box trotz des hervorragenden Gesamteindruckes etwas seltsam anmutet: Wieso bedarf es der Unterteilung in einzelne stilistische Spielarten der waits'schen Musik? Schließlich sind seine regulären Aufnahmen auch unberechenbar und springen von Harmonie und Melodie über Blues bis hin zu verschrobenen Krach-Kaskaden. © Laut
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Alternativ und Indie - Erschienen am 7. Mai 2002 | Anti - Epitaph

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Die Saiten des Akustik-Basses scheppern vernehmlich, der Schlagzeug-Besen scharrt, Geigen und Celli quietschen und knarzen: Bei seiner Vertonung von "Alice im Wunderland", die 1992 anlässlich einer Inszenierung Robert Wilsons am Hamburger Thalia Theater entstand und nun erst aufgezeichnet wurde, setzt Tom Waits ganz und gar auf akustisches Instrumentarium. Nie war der Mann so weit vom Rock'n'Roll entfernt, es ist, als habe Alices kindliche Welt den alten Waits in Zauberhaft genommen. Stromgitarren haben in diesem fremd anmutenden, aber nicht unfreundlichen Universum nichts zu suchen, hier ist alles aus dunklem Holz gemacht. So eröffnet der Titeltrack "Alice" den Reigen mit verrauchter Barmusik, bevor uns "Everything You Can Think" mit Bahnhofsgeräuschen und betörender Melodie auf die weitere Reise schickt. Es folgen kratzige Jazz-Shuffles ("Table Top Joe"), schmachtende Balladen ("Flower's Grave", "Poor Edward", "I'm Still Here"), und kammermusikalische Streicherstücke ("No One Knows I'm Gone", "Fish & Bird"). Zwischendurch verweisen Einschübe mit szenischem Charakter auf den Theater-Ursprung der Songs ("Lost In The Harbor"). Bei alledem erstaunt vor allem das ganz und gar unwahrscheinliche Zusammengehen von Leichtigkeit und größter Melancholie. Exemplarisch zwingt Waits die Gegensätze in "Kommienezuepadt" auch textlich zusammen. "Komme nie zu spät! Sei glucklich! Komme nie zu spät! Sei glucklich!" heißt es da im sinnlosen Wechsel und besonders das "glucklich sein" fällt leicht, wenn man sich vom alten Mann in sein musikalisches Wunderland schicken lässt. © Laut
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Alternativ und Indie - Erschienen am 21. Oktober 1975 | Anti - Epitaph

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Alternativ und Indie - Erschienen am 25. Oktober 2011 | Anti - Epitaph

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Das letzte wirklich neue Futter für Waits-Freunde liegt mittlerweile verflixte sieben Jahre zurück. Dazwischen boten weder Waisen noch Rampensäue mehr als leidlich Trost. Nur noch ein paar Minuten. Dann wird alles gut. Der Hellboy des Blues kommt mit Feuer und Flamme über unseren verwirrten Planeten und zeigt allen, wo es lang geht. Doch dieser charmant-teuflische Conferencier ist seit langem alles andere als auf sich gestellt. Fast alle Projekte Mr. Nicks funktionieren inzwischen nach dem Prinzip Buckingham Palace: Die Familie ist eingebunden und das öffentliche Erscheinen ist mystisch selten. "You gotta build your nest high enough to ride out the flood." Absolut herausragend: Waits Gattin Kathleen (die Angebetete aus "Johnsburgh, Illinois") reifte in den letzten 25 Jahren zur Weltklasse-Songwriterin. Auch dieses Album hat sie komplett mitverfasst, dazu erstmals auch produziert. So weit scheint der gute alte Apfel auch nicht vom Stamm zu fallen: Casey Waits muss sein rhythmisches Talent als Drummer sicherlich nicht unter den Scheffel des berühmten Vaters stellen. Ein souveräner Musiker mit Visionen, egal ob herrlich angeschiggertes Moe Tucker-Gedengel oder ein moderner Hauch von Hip Hop. Vor allem letzterer verleiht Waits Senior den entscheidenden Stempel von Gegenwart, die natürlich unverzüglich im Hechsler landet. Hinzu kommt ein dreckiges Dutzend brillanter Weggefährten aus vier Dekaden: Der alte Wolf David Hidalgo war seinerzeit 1987 das manisch kaputte Akkordeon auf "Frank's Wild Years". Ebenso wieder dabei und sehr lautmalerisch: Gino Robair mit seiner zwischen Klepper und Dschungel placierten Höllenpercussion ("Alice", "Blood Money"). Oder Harmonica-Halbblut Charlie Musselwhite ("Mule Variations", vor allem "Chocolate Jesus"). Und natürlich Geniekollege Marc Ribot, der sich - neben unzähligen John Zorn-Scheiben - vor allem für Waits' trockene Zickengitarre in der Brecht/Weill-Phase verantwortlich zeichnet (u.a. "Rain Dogs", "Downtown Train"). Sogar Flea und Les Claypool sind mit auf der Fähre, setzen als einzige aber keinerlei eigene Akzente. Das allein wäre schon eine nahezu fantastische Mannschaft. Doch einer fehlt noch zur absoluten Freibeuter-Sinnlichkeit: best mate und palm tree climber Keith Richards ("Bone Machine", "Rain Dogs") macht den Sack mit seinen Reptilien-Licks erst richtig zu und bekommt deshalb auch gern einen eigenen Absatz. Es macht enorm viel Spaß, zu hören, wie sich der Mann aus Dartford auf Granaten wie "Hell Broke Luce" lässig vom Stones-Korsett befreit und dennoch in jeder Sekunde unverkennbar bleibt. Die Musik des Albums weist folgerichtig eine kompositorisch gewohnte Qualitätsdichte auf, die gleichzeitig für Novizen deutlich bequemer zu hören ist als die spröden letzten Werke "Real Gone" oder "Blood Money". Das liegt zum einen an den ungewöhnlich pointierten Songstrukturen und dem - für Waits' Verhältnisse - extrem runden Gesang. Der begnadete Jazzer hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er die Stimme ohne Einschränkung wie ein Instrument nutzen will. Mit "Bad As Me" perfektioniert er dieses Ziel eindrucksvoll: noch mehr Abstufungen in den Klangfarben und eine sogar noch breitere Range als ehedem. Das bereits vor 20 Jahren beeindruckende Falsetto aus "Dirt In The Ground" poliert er noch einmal. Auf "Talking At The Same Time" hören wir - sogar bei den extrem hochgezogenen Oktaven stimmlich den weichsten und grundtönigsten Thomas Alan Waits, den es je gab. Übermenschliche Leistung, bei der zahllose Reibeisenkollegen wie Cocker ganz schnell zum Schoßhund mutieren. Inhaltlich bleibt die Platte nicht weniger meisterhaft. In diesen Zeiten braucht es mehr denn je wahre Künstler, die gleichermaßen weder unbequeme Irritationen noch tröstliches Herzblut überfordern. Als einer dieser letzten Dinos findet Waits das perfekte Rezept für eine nachhaltig relevante Platte anno 2011. Es besteht aus zwei Sorten Songs: die klassischen Romantiker und Tränenzieher aus der Kerouac-Ecke einerseits, dagegen auf der anderen Seite ätzend sarkastische Aphorismen über primitive Politik und destruktive Menschheit. Auf, also, zum Streifzug durch das Labyrinth. Der Einstieg überrollt den Hörer augenblicklich mit überhastetem Aufbruch und der gegenläufig optimistischen Gewissheit, etwas besseres als den Tod gemeinsam überall zu finden. "Wherever she goes I go / Maybe things will be better in Chicago." Tom ruft alle an Bord und legt - passend zum Thema - mit der Waits'schen Erfindung des "Gospel Train" los: einem vor zwanzig Jahren in Hamburg bei den "Black Rider" Sessions erfundener groovy Rhythmus-Wahnsinn aus dem Niemandslang zwischen Cashs "Boom Chicka Boom", Bebob-Geschwindigkeit und Munchs "Der Schrei". Die Bombe zündet. Das Spiel mit Kontrasten und Irritationen beherrscht Tom ohnehin wie kein zweiter. Hört euch nur dieses großartige Piano auf "Talking" an: lasziv perlend in seinem hypnotischen Sog. Dazu verkündet der nicht zum ersten Mal hochpolitische Künstler weise, trauernd und kämpferisch: "Well it's hard times for some. For others it's sweet / Someone makes money when there's blood in the street / Don't take any lip, stay in line / Everybody's talking at the same time." Mit "Face To The Highway" gibt es seine weitere fernwehe Mule-Variation im bewährt tranigen Eselrhythmus. "Pay Me" beleuchtet ironisch die absurden und auszehrende Seite des Dämons Showbiz. Allein für die folgend lakonische Tourbeschreibung hätte der recht frisch gebackene Rock'n'Roll Hall Of Fame-Bewohner den Literaturnobelpreis verdient. "They pay me not to come home / And I won't eat crow / So I stay away and I'll wear boots instead of high heels / And the next stage that I am on it will have wheels." Alles garniert mit dem unwiderstehlichen Klavier-Anschlag aus "Innocent When You Dream". Das Titelstück ist ein fetter Floor-Stomper, bei dem die Bezeichnung 'Dirty Dancing' tatsächlich einmal angebracht wäre. Verrucht, blecherner Hinterhofklopper samt Liebesgeständnis unter Gebrochenen. "Ich bin die Matratze auf deinem Rücksitz, der alte Jutesack. Du bist dieselbe Sorte Dreck wie ich." Smart, mit welcher Eleganz Waits das Kaputte zeigt, ein Quäntchen Hoffnung generiert und die Protagonisten gerade nicht der gängigen 'Black and White Trash'-Hinrichtung preisgibt, wie man es gegenwärtig allerorten medial zelebriert. Er bleibt Künstler und Storyteller, wo andere aus Talentmangel selbst zur Story mutieren. Man kann ihm für diesen Dienst an der Kultur nur danken. Dramatischer Höhepunkt: das nervenzerrende "Hell Broke Luce" als ultimativer Antikriegssong. Manische Apocalypse now! Splatter, Dreck und dumpfer Kadavergehorsam als Leim für das kränkelnde Heimatland. "Was hat der Präsident noch mal gesagt? Egal, dafür bekommen alle 'ne geile Parade." Notfalls auch ohne Arm und Daumen. Mehr als einmal äußerte der Familienmensch Waits bereits seine ganze Abscheu vor den mit innerer Logik Krieg treibenden Systemen ("Sins Of My Father"). Nie war er so deutlich wie hier. Zum Ende klingt das Album versöhnlich mit "New Year's Eve" aus. Ein doppelbödiges Säuferliedchen aus der "Tom Traubert"-Ecke. Man bleibt berührt, nicht bedrückt zurück. Bei anderen Musikern im Rentenalter würde man nun von einem grandiosen Alterswerk sprechen. Doch Waits ist wie Clint Eastwood. Mit den Jahren wirkt der ehemalige 'Hobo Sapiens' so vielseitig, wütend und kreativ, wie kaum je zuvor. Handwerkliche Schwächen existieren nicht im Ansatz. Eine LP für eine bessere Welt. © Laut
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Alternativ und Indie - Erschienen am 5. Oktober 2004 | Anti - Epitaph

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"'Metropolitan Glide'" geht auf eine lange Tradition von Tanzlehrstücken zurück", erzählt Tom Waits in einem Interview. Es gibt da "den 'Low Bottom', den 'China Moon', den 'Black Swan', den 'Way Too Soon'". Aber auch "den 'Ace Pocket', 'Dog Bone Gone', 'Peacock' und den 'Mean Black Swan', der wiederum anders geht als der 'Black Swan'. Es stecken also eine ganze Menge Informationen in diesem Song." Stammten die Stücke aus den 2002er Alben "Alice" und "Blood Money" noch aus Theaterstücken Robert Wilsons, entstand "Real Gone" wieder aus eigens komponiertem Material. Das Stück "Metropolitan Glide" steht dabei symbolisch für den musikalischen Inhalt: Neben Blues sind auch jamaikanische Rocksteady-Grooves sowie afrikanische und lateinamerikanische Rhythmen zu hören. "Cubist Funk", nennt Waits die eigenwillige Mischung. Zunächst fällt auf, dass er zum ersten Mal ganz auf sein Klavier verzichtet. Im Mittelpunkt steht seine Stimme, die nicht nur Geschichten und Gedanken vorträgt, sondern auch als Rhythmusgrundlage dient. Ein Schlagzeug ist auf dem ganzen Album nicht zu finden. Wo nötig, liefern Perkussionen und Scratcheinlagen seines Sohnes Caseys den notwendigen Rumms. Schon der Opener "Top Of The Hill" besticht durch seine aus den Tiefen empor steigenden Klangfetzen. Erstaunlich, wie musikalisch "Real Gone" ist, obwohl die einzelnen Elemente kaum zusammen zu passen scheinen. "Hoist That Rag" besteht aus dumpfen Trommeln, einer dreckigen karibischen E-Gitarre, dem angefunkten Bass Les Claypools (Primus) und Waits' tiefer Stimme, die sich so anhört, als ginge sie durch ein Megaphon. Erst das melancholische, zehnminütige "Sins Of The Father" bringt etwas Ruhe in die morbid anmutende Grundstimmung. Im weiteren Verlauf wechseln sich schnellere Stücke wie "Don't Go Into The Barn", "Baby Gonna Leave Me" oder "Make It Rain" mit langsameren wie "How's It Gonna End", "Dead And Lovely" oder "Green Grass" ab. "In Trampled Rose" singt Waits erstaunlich klar und hoch – oder handelt es sich etwa um seine Frau Kathleen Brennan, die auch beim Schreiben und der Produktion eine wichtige Rolle spielte? "Day After Tomorrow" stammt nicht nur aus dem Soundtrack zum gleichnamigen Film Roland Emmerichs, sondern ist eine jener herzzerreißenden Balladen, wie nur Waits sie hinkriegt. Als Hidden Track fügt er noch eine Kostprobe seiner Rapkünste (oder, wie er es nennt, "human beatboxing") hinzu. Zwar reiht sich "Real Gone" musikalisch in die Tradition seiner letzten Vorgänger ein, dennoch gelingt es Waits, nach guten dreißig Jahren und über zwanzig Platten immer noch zu erstaunen und zu fesseln. Dadurch genießt er nicht nur die Gunst der Kritiker, sondern sorgt auch beim Publikum für Furore: Seine drei Konzerte in Berlin im November 2004 waren kurz nach ihrer Ankündigung trotz horrender Eintrittspreise im Nu ausverkauft. © Laut
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Alternativ und Indie - Erschienen am 23. Oktober 2001 | Anti - Epitaph

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Rock - Erschienen am 1. Januar 1993 | Island Records (The Island Def Jam Music Group / Universal Music)

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Alternativ und Indie - Erschienen am 13. September 1977 | Anti - Epitaph

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Alternativ und Indie - Erschienen am 7. Mai 2002 | Anti - Epitaph

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Raum abdunkeln, Kerzen anzünden, Freunde ausladen: Tom Waits ist zurück. Kaum kriecht das Maultier mit neuen Songs aus der Höhle, ziehen wir uns instinktiv in unsere ganz persönliche Dunkelkammer zurück. Das mag an dem Wunsch liegen, auch das Gewürm fühlen zu wollen, das dem Meister beim Komponieren über die Schrottplatz-Tröten fleucht. Oder schlicht an seinem Programm: Unheilvolles Privat-Cabaret mit einer Stimme, die von ganz woanders her zu stammen scheint. Rasselnd. Gurgelnd. Lodernd wie ein Höllenfeuer. Dem Druck, das Grammy verzierte "Mule Variations"-Album zu toppen, scheint jedenfalls auch Tom Waits nur mit einem Doppel-Release beizukommen. Die Songs zu "Alice", von Gauger euphorisch zur Bürodecke gelobt, entstanden bereits 1992. Die schrägen Songskizzen über die Schattenseiten menschlicher Existenz in "Blood Money" schrieb der Meister im Jahr 2000 für die Musical-Inszenierung "Woyzeck". Passend zur Tragik der in den Wahnsinn abgleitenden Bühnen-Hauptfigur Franz Woyzeck suhlen sich auch Waits' Songs in düsterer und sehnsuchtsgetränkter Stimmung. In "Everything Goes To Hell" verfeinert das Saxophon eine perkussive Glockenspiel-Ballade. Hinreißend gleiten "The Part You Throw Away" und "All The World Is Green" schwelgerisch durch romantische Finsternis. Wie schon beim letzten Album begeistert auch "Blood Money" mit der kaleidoskopartigen Aufreihung intim vorgetragener Geschichten. Klar klingt Tom noch immer wie ein ins Schnapsfass gestolperter Jahrmarkt-Hallodri, der in seiner Freizeit Emus frisst, wenn er nicht auf Billardtischen schläft. So muss man sich zumindest den Mann hinter der vokalen Leistung bei "God's Away On Business" vorstellen. "I'd sell your heart to the junkman baby for a buck, for a buck", keucht Waits. Ein Song-Monster, das einem das Fehlen eines Rumpel-Rockers der Marke "Big In Japan" leichter macht. Tom Waits 2002, das ist noch immer ein Karneval der Absonderlichkeiten, da wird Vaudeville Theater-Feeling mit Waits'scher Rauhbein-Poesie veredelt. Manche Textzeile scheint gar der politischen Weltbühne unserer Zeit näher zu sein als der des Theaters, für die sie konzipiert wurde. "Misery Is The River Of The World" ist ein dunkles Manifest, das jahrhundertealte und bis heute gültige Menschheitsprobleme in drei Minuten zusammen fasst. Das Fazit kann bei Tom Waits natürlich nur wie folgt lauten: "The ship is sinking!". Seufz. Lass mich mit an Bord sein, Tom. © Laut

Der Interpret

Tom Waits im Magazin