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Zu Beginn des 20. Jh. war „ungarische Musik“ noch ein Erbe der Magyarereien von Brahms und Liszt, die eher einer Mischung aus Wiener Salonmusik und Zigeunermotiven ähnelten als echter volkstümlicher Überlieferung. Erst nach den musikethnologischen Studien von Bartók und Kodály konnte das „echte Ungarn“ in die Kunstmusik Einzug halten. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Leó Weiners Serenade Op. 3 von 1903 noch Anklänge an Brahms, Liszt und Wien enthält, während im Lauf der Zeit sein ungarischer (und rumänischer) Stil – vom historischen Ungarn ging nach dem Ersten Weltkrieg ein großer Teil an Rumänien verloren – zunehmend echte folkloristische Klänge enthält. Im Übrigen behält Leó Weiner, im Gegensatz zu Bartók und Kodály, in seinen Harmonisierungen und Transkriptionen einen spätromantischen sinfonischen Geist (derselbe, der auch bei den folkloristischen Erkundungen eines Enescu herrscht) ohne wissenschaftliche Untersuchungen der Harmonik wie bei den zwei ungarischen Kollegen. Diese bemächtigen sich desselben Volksmusikgutes und machen daraus eine zunehmend gelehrte, avantgardistische, moderne Musik. Weiner bleibt bis zu den Vierten und Fünften (und letzten) Divertimenti von 1951 romantisch. Einfach herrlich! Es musizieren Neeme Järvi und das Estonian National Symphony Orchestra.
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