Ihr Warenkorb ist leer!

Genre :

Ähnliche Künstler

Die Alben

Ab
CD13,99 €

Hard Rock - Erschienen am 1. Januar 1991 | Geffen

Auszeichnungen Qobuz' Schallplattensammlung
Ab
CD13,99 €

Hard Rock - Erschienen am 21. Juli 1987 | Geffen

Auszeichnungen Qobuz' Schallplattensammlung
Hey Slash, do you know where the fuck you are? Wohl eher nicht, wollte man glauben, als während der ohrenbeleidigenden Halbzeitshow des Superbowls 2011 in Texas direkt nach der musikalischen Großtat "Boom Boom Pow" ein glitzernder Zylinder aus der Bühne gefahren kam und der Gitarrist die vertrauten Klänge des "Sweet Child O' Mine"-Intros spielte. Inmitten eines Black Eyed Peas-Sets. Der Leadgitarrist und seine Gibson Les Paul hatten zwar schon länger einen Narren an Peas' Augen-Aufputz Fergie gefressen, die gemeinsame, uninspirierte Performance war jedoch surreal at best. Fergie nahm sich ein Herz und schlachtete den Song vor einem Millionenpublikum auf grausame Art ab. Und irgendwo in einem kleinen Kämmerlein vergoss Axl Rose eine Träne. Take Me Home! Was waren Guns N' Roses doch für eine Band, eine Urgewalt. Unberechenbar, gefährlich, mit Straßenlegenden großgeworden, von Drogen zerfressen, mit perfekten Songwritingkünsten gesegnet. Damals, als Mitte der 80er in Los Angeles der Hair- und Glammetal regierte, die Schminke im Gesicht mindestens gleichbedeutend war wie das Gitarrenriff. Und in eben jene bemalte Fratzen sprangen die Gunners mit dem Arsch voran, und zwar mit Anlauf. Ungestüm, punkig und doch mit genug Groove und alten Rock'n'Roll-Anleihen, dass für jeden etwas dabei war. Zur richtigen Zeit trafen sich Axl Rose, Slash, Izzy, Duff und Steven aus unterschiedlichen Bands auf dem Sunset Strip in Hollywood, wurden dickste Kumpels und machten frisch eine eigene Combo auf. Alte Versatzstücke aus den Vorgängerbands wurden eingebracht und gemeinsam finalisiert, aus neuen Gemeinsamkeiten entstanden neue Songs. Mit der exzessiven und naturbelassenen Bühnenperformance war die Aufmerksamkeit von Geffen Records schnell erregt: Damals ohne Haarspray und in normaler Straßenkleidung die Bühne zu entern, grenzte ja fast schon an Frevel. Schließlich wurde es Zeit, die Explosivität der Band auf Platte zu pressen. "Appetite For Destruction" war der Startschuss zu einer bombastischen Karriere, die heute noch als Legende für das Leitmotiv Sex, Drugs and Rock'n'Roll steht. Auch der Entstehungsprozess dieses Debütalbums war vor Geschichten der Ausschweifung und moralischen Verfehlung jeder Art nicht gefeit: Während den Aufnahmen zu "Rocket Queen" suchte Axl nach einem Effekt, mit dem er das lange Gitarrensolo unterlegen konnte. Schnell kam die Idee. Ein paar Kerzen und Polster wurden verteilt, dann führte Axl die damalige Freundin von Drummer Steven Adler in den Aufnahmeraum und entlockte ihr auf horizontale Art die Verzückungsschreie, die später auf dem Album zu finden sind. Stickman Adler hat es am nächsten Tag wieder vergessen, die auf Tonband verewigte Dame, Adriana Smith, quälte sich doch jahrelang mit Scham- und Schuldgefühlen. Der Bruch mit herkömmlichen Konventionen, Erwartungen und Ansichten stand für Axl, Slash und Co. stets weit oben auf der Bandagenda. Dabei waren die Gunners ein wunderbares, fast kitschiges Beispiel für unterschiedliche Typenklischees in einer Rockband. Axl war der charismatische, gesprächige, aber auch egozentrische Frontmann, Slash der mysteriöse Leadgitarrist, der seine Augen stets mit Sonnenbrille oder Lockenvorhang versteckte. Duff McKagan war der großgewachsene Punker mit Nietengürtel aus Seattle, Izzy der klassische Rolling Stones-Fan, der sich eher im Hintergrund hielt, Steven der energiegeladene, naive Lachbolzen. Schlagzeuger Adler und Bassist Duff legten mit ihrem tighten Rhythmus das zwingende und swingende Soundfundament, das genrefremde Atmosphären der Beat- und Soulmusik der 70er-Jahre atmete – alles schwingt, alles lebt und bewegt sich. Die Leichtfüssigkeit wird von perfekt ineinander greifender Gitarrenarbeit im Zaum gehalten, wo sich Leadgitarrist Slash auch gern mal Platz nimmt und arschcoole Soli aus dem Ärmel haut. Und über all dem steht Mr. William Bruce Bailey mit kreischenden Rasiermessern anstatt Stimmbändern. Daraus entstanden 53 Minuten Rockmusik für die Ewigkeit, die direkt und unvermittelt Spaß machen. Mehr als die Hälfte der Songs galt binnen kürzester Zeit als Instant Classics, "Paradise City" und "Welcome To The Jungle" schafften fast über Nacht den Sprung in Sportveranstaltungen, Film und Fernsehen sowie das kollektive Verständnis, was gute Rockmusik ist. Das Album erschien ja noch in grauer Vinyl-Vorzeit, wobei die Aufteilung in Seite A und B in diesem Fall auch eine thematische Abgrenzung ist. Die Seite A beziehungsweise die ersten sechs Songs sind die "Guns", die Geschichten über die Straße, die Drogen und das Leben mit beidem. "Welcome To The Jungle" und "Paradise City" erzählen vom Respekt, den Landkind Axl vor der Großstadt hat, während "Out Ta Get Me" seine Probleme mit dem Gesetz schildern. "Nightrain" und "Mr. Brownstone" drehen sich um die Erfahrungen mit bewusstseinserweiternden Substanzen, die durchaus autobiographisch zu verstehen sind: Bevor die Band nach "Appetite" wieder gemeinsam an Songs arbeiten konnte, waren vier von fünf Mitgliedern in der Reha, manche nicht zum letzten Mal. Überhaupt verschwendet Rose lyrisch wenig Zeit in abstrakter Fiktion. "My Michelle" gibt so direkt das Leben einer damaligen Freundin wieder, dass die brutale Ehrlichkeit die besungene Dame ordentlich überraschte, hatte sie sich doch von Axl ein Liebeslied im Stil von Elton Johns "Your Song" gewünscht. Doch sanfte Pianoklänge waren noch nicht auf der Tagesordnung von Guns N' Roses, dafür war auf den nachfolgenden Alben noch genug Platz. Stattdessen groovt sowohl "My Michelle" und besonders "You're Crazy" mit einem knallenden und gehetzten Punkfeel durch die Boxen und zeigt die Liebe der Band zum Gaspedal. Die Liebeslieder oder "Roses" von Track 7 bis 12 halten sich eben nicht lange mit dem langweiligen Pathos und Balladen auf, sondern geben jedem verweichlichten Poser direkt auf die Zwölf. Auch die beiden Stradlin-Songs, das mit ungewöhnlicher Melodik ausgestattet "Think About You" und das heitere "Anything Goes" klingen mehr nach Samstagnacht in Downtown Hollywood als romantischen Kerzendinner. Auch hier wieder lehrt uns die Geschichte, dass diese Gefilde von der Band wenige Jahre später beackert wurden. Auf "Appetite" griff hingegen die ungestüme Lebenslust einer jungen und hungrigen Band so sehr um sich, dass man sich der optimistischen Grundpartystimmung gar nicht entziehen kann. Die Riffmanufaktur Stradlin/Slash haute in dem grandiosen Eröffnungstrio "Welcome To The Jungle", "It's So Easy" und "Nightrain" allein genügend Hardrocksriffs für die Ewigkeit heraus, die immer wie die Faust aufs Auge mit dem Rest der Band harmonierte. Gemeinsam beherzigten die beiden Saitenspezialisten auch die klassische Lead/Rhythmusgitarre-Aufteilung mit selten gehörter Perfektion. Nur in äußersten Fällen doppeln sich die Gitarrenspuren, meist ergänzen sie sich perfekt und füllen Leerräume auf. Bei aller "Balls to the Walls"-Kraft sprühten die Songs nur so von feingeistigen Arrangements, die auch noch die dritte Strophe musikalisch spannend machen und jede, wirklich jede Länge vermeiden. Ein perfektes Gespür für Längen, selbst was die Gitarrensoli angeht, darf man Axl und seinen Mannen getrost attestieren. Hits brachte das Album in Mengen heraus. Awards und Lobeshymnen gab es auch nicht zu knapp, immerhin ist die Platte bis heute das erfolgreichste Debütalbum einer Band in den USA. Besondere Bedeutung kam allerdings "Sweet Child O' Mine" zu. Auf den Song konnten sich alle einigen: die Jungs luftgitarrten Slashs Einleitungslick mit, die Mädchen schmolzen bei Axls anhimmelnde Beschreibung einer Liebsten dahin. Der hohe Wiedererkennungswert des Intros funktionierte zwar auch beim Superbowl, die ganze Groteske hätte uns der liebe Slash aber doch ersparen können. In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat Axl Rose mit seiner zusammengewürfelten Söldnertruppe unter dem Banner GN'R dem zementierten Legendenstatus einiges an Glanz genommen. Ein Memorial-Durchlauf im CD-Player erinnerte an die Zeit, in der Guns N' Roses die gefährlichste und spannendste Band der Welt waren. Es bleibt der Blick zurück, denn ein Anschluss an alte Glanzzeiten ist leider unwahrscheinlich. Außer Axl besinnt sich und stellt sich selbst einmal die alles entscheidende Frage: Do you know where the fuck you are? © Laut
Ab
HI-RES68,49 €
CD48,99 €

Hard Rock - Erschienen am 21. Juli 1987 | Geffen

Hi-Res
Welcome To The Jungle, It’s So Easy, Nightrain, Mr. Brownstone, Paradise City, My Michelle, Sweet Child O’ Mine, You’re Crazy… Stellen Sie sich nicht zu viele Fragen über dieses Wunder, das weltweit zu mehr als 30 Millionen Exemplaren verkauft wurde, denn im ersten Augenblick glaubt man, es mit einem Best Of und nicht mit einem ersten Studioversuch zu tun zu haben. Denn sogar Out Ta Get Me, Think About You, Anything Goes und Rocket Queen, die vier ersten „nicht unbedingt erwähnenswerten Titel“ dieses Meisterwerks, hätten alle konkurrierenden Bands entzückt, die zu jener Zeit Guns N' Roses verabscheuten. Auch die beiden, in erster Linie aus urheberrechtlichen Gründen in der Schublade verschwundenen Stücke Shadow Of Your Love und Move To The City, die nun ausgegraben sind, hätte man damals hinzufügen können, und zu ihnen gehört auch die Studioversion von Reckless Life. Diese wie eine wandelnde Katastrophe daherkommende, berühmt-berüchtigte Band hatte etwas, was die anderen aus diesem Hard Rock-Mikrokosmos aus Los Angeles nicht hatten: die Fähigkeit, Rockklassiker in Rekordzeit zu liefern. Einige werden sicher denken, dass es ungerecht war, dass der allzu umstrittene One In A Million als Kollateralschaden der Neufassung von Lies zum Opfer fiel.Das, was diese verbesserte Neuauflage jedoch klar macht, auch wenn es nicht unbedingt beabsichtigt war, ist die Tatsache, dass der Sound und die Aufführung der Musiker gleichfalls zwei maßgebliche Komponenten bei der Entstehung eines Meisterwerks sind. Der Grund, warum alles vor und nach Appetite For Destruction miteinbezogen wurde, nämlich die beiden EPs Live ?!*@ Like a Suicide und G N' R Lies, liegt darin, dass man sehr wohl merkt, dass im Sound Studio, wo die ungefähr 20 als „Bonuszusätze“ vorliegenden Alternativversionen aufgenommen wurden, bei Weitem nicht alle Zutaten zur Verfügung standen. Mike Clinks fachmännisch durchgeführter Produktion und Steve Thompsons und Michael Barbieros entsprechend ausbalancierter Aufnahmetechnik am Mischpult ist es natürlich zu verdanken, dass die zwölf auserlesenen Originalstücke in ihrer Höchstform präsentiert werden. Und daher eine optimale Wirkung erzielen. Diese paar Live-Titel bzw. akustischen Aufnahmen, die für die Abrundung dieser Neuausgabe zusammengekratzt wurden (Knockin’ On Heaven’s Door (Live) von Bob Dylan, It’s So Easy (Live), Whole Lotta Rosie (Live) von AC/DC, November Rain (akustische Version), das recht kurze, aber vielversprechende The Plague, das Instrumental Ain’t Goin’ Down No More oder Jumpin’ Jack Flash (akustische Version) der Rolling Stones…) beweisen überdies, dass die fünf Bandmitglieder eine, wenn auch zu kurze, Zeit erlebt haben, in der sie wie von Gnade erfüllt waren. Axl Rose könnte wohl einen zusätzlichen Beweis liefern, würde er eines Tages jene Version des Albums hervorholen, die er 1999 als Guns N' Roses ohne Slash, Izzy Stradlin, Duff McKagan und Steven Adler unbedingt neu einspielen musste. Diese Siegermannschaft hat Guns N' Roses den absoluten Verkaufsrekord eines Debütalbums in den USA beschert. Die vielfachen, darauffolgenden Umbesetzungen haben zwar kein kommerzielles Desaster ausgelöst, sie haben aber der Band nie die Gelegenheit geboten, den mit Appetite For Destruction erzielten Erfolg zu wiederholen. © Jean-Pierre Sabouret/Qobuz
Ab
CD14,99 €

Hard Rock - Erschienen am 17. September 1991 | Geffen

„Use Your Illusion II” ist anspruchsvoller als die 1. Version, das Album ist aber auch pompöser. Version II verfügt über viel Epik, egal ob es der geladene Funk-Metal von „Locomotive“, die Antikriegs-Attitüde von „Civil War“ oder das mehrteilige „Estranged“ ist. Ausgeglichen wird das Ganze nur durch einige korrigierende leichtere Momente. „14 Years” hat einen eher abgespeckten, Stones-ähnlichen Rhythmus, Duff McKagans Hommage an Johnny Thunder „So Fine“ ist recht unterhaltsam, aber erst mit dem irren „Get in the Ring“, auf dem Axl Rose einen Rock-Journalisten aufgrund einer schlechten Kritik namentlich bedroht, wird es so richtig wild. Daneben gibt es auf dem Album noch eine Missinterpretation von Dylans „Knockin’ on Heaven’s Door“ und den skurrilen paranoiden Abschlusstitel „My World“. Natürlich gibt es auf „Use Your Illusion II” auch zahlreiche starke Songs, insbesondere jene, die wie eine Mischung aus Elton John und Freddie Mercury rüberkommen. © Stephen Thomas Erlewine /TiVo
Ab
HI-RES19,49 €
CD13,99 €

Hard Rock - Erschienen am 21. Juli 1987 | Geffen

Hi-Res
Hey Slash, do you know where the fuck you are? Wohl eher nicht, wollte man glauben, als während der ohrenbeleidigenden Halbzeitshow des Superbowls 2011 in Texas direkt nach der musikalischen Großtat "Boom Boom Pow" ein glitzernder Zylinder aus der Bühne gefahren kam und der Gitarrist die vertrauten Klänge des "Sweet Child O' Mine"-Intros spielte. Inmitten eines Black Eyed Peas-Sets. Der Leadgitarrist und seine Gibson Les Paul hatten zwar schon länger einen Narren an Peas' Augen-Aufputz Fergie gefressen, die gemeinsame, uninspirierte Performance war jedoch surreal at best. Fergie nahm sich ein Herz und schlachtete den Song vor einem Millionenpublikum auf grausame Art ab. Und irgendwo in einem kleinen Kämmerlein vergoss Axl Rose eine Träne. Take Me Home! Was waren Guns N' Roses doch für eine Band, eine Urgewalt. Unberechenbar, gefährlich, mit Straßenlegenden großgeworden, von Drogen zerfressen, mit perfekten Songwritingkünsten gesegnet. Damals, als Mitte der 80er in Los Angeles der Hair- und Glammetal regierte, die Schminke im Gesicht mindestens gleichbedeutend war wie das Gitarrenriff. Und in eben jene bemalte Fratzen sprangen die Gunners mit dem Arsch voran, und zwar mit Anlauf. Ungestüm, punkig und doch mit genug Groove und alten Rock'n'Roll-Anleihen, dass für jeden etwas dabei war. Zur richtigen Zeit trafen sich Axl Rose, Slash, Izzy, Duff und Steven aus unterschiedlichen Bands auf dem Sunset Strip in Hollywood, wurden dickste Kumpels und machten frisch eine eigene Combo auf. Alte Versatzstücke aus den Vorgängerbands wurden eingebracht und gemeinsam finalisiert, aus neuen Gemeinsamkeiten entstanden neue Songs. Mit der exzessiven und naturbelassenen Bühnenperformance war die Aufmerksamkeit von Geffen Records schnell erregt: Damals ohne Haarspray und in normaler Straßenkleidung die Bühne zu entern, grenzte ja fast schon an Frevel. Schließlich wurde es Zeit, die Explosivität der Band auf Platte zu pressen. "Appetite For Destruction" war der Startschuss zu einer bombastischen Karriere, die heute noch als Legende für das Leitmotiv Sex, Drugs and Rock'n'Roll steht. Auch der Entstehungsprozess dieses Debütalbums war vor Geschichten der Ausschweifung und moralischen Verfehlung jeder Art nicht gefeit: Während den Aufnahmen zu "Rocket Queen" suchte Axl nach einem Effekt, mit dem er das lange Gitarrensolo unterlegen konnte. Schnell kam die Idee. Ein paar Kerzen und Polster wurden verteilt, dann führte Axl die damalige Freundin von Drummer Steven Adler in den Aufnahmeraum und entlockte ihr auf horizontale Art die Verzückungsschreie, die später auf dem Album zu finden sind. Stickman Adler hat es am nächsten Tag wieder vergessen, die auf Tonband verewigte Dame, Adriana Smith, quälte sich doch jahrelang mit Scham- und Schuldgefühlen. Der Bruch mit herkömmlichen Konventionen, Erwartungen und Ansichten stand für Axl, Slash und Co. stets weit oben auf der Bandagenda. Dabei waren die Gunners ein wunderbares, fast kitschiges Beispiel für unterschiedliche Typenklischees in einer Rockband. Axl war der charismatische, gesprächige, aber auch egozentrische Frontmann, Slash der mysteriöse Leadgitarrist, der seine Augen stets mit Sonnenbrille oder Lockenvorhang versteckte. Duff McKagan war der großgewachsene Punker mit Nietengürtel aus Seattle, Izzy der klassische Rolling Stones-Fan, der sich eher im Hintergrund hielt, Steven der energiegeladene, naive Lachbolzen. Schlagzeuger Adler und Bassist Duff legten mit ihrem tighten Rhythmus das zwingende und swingende Soundfundament, das genrefremde Atmosphären der Beat- und Soulmusik der 70er-Jahre atmete – alles schwingt, alles lebt und bewegt sich. Die Leichtfüssigkeit wird von perfekt ineinander greifender Gitarrenarbeit im Zaum gehalten, wo sich Leadgitarrist Slash auch gern mal Platz nimmt und arschcoole Soli aus dem Ärmel haut. Und über all dem steht Mr. William Bruce Bailey mit kreischenden Rasiermessern anstatt Stimmbändern. Daraus entstanden 53 Minuten Rockmusik für die Ewigkeit, die direkt und unvermittelt Spaß machen. Mehr als die Hälfte der Songs galt binnen kürzester Zeit als Instant Classics, "Paradise City" und "Welcome To The Jungle" schafften fast über Nacht den Sprung in Sportveranstaltungen, Film und Fernsehen sowie das kollektive Verständnis, was gute Rockmusik ist. Das Album erschien ja noch in grauer Vinyl-Vorzeit, wobei die Aufteilung in Seite A und B in diesem Fall auch eine thematische Abgrenzung ist. Die Seite A beziehungsweise die ersten sechs Songs sind die "Guns", die Geschichten über die Straße, die Drogen und das Leben mit beidem. "Welcome To The Jungle" und "Paradise City" erzählen vom Respekt, den Landkind Axl vor der Großstadt hat, während "Out Ta Get Me" seine Probleme mit dem Gesetz schildern. "Nightrain" und "Mr. Brownstone" drehen sich um die Erfahrungen mit bewusstseinserweiternden Substanzen, die durchaus autobiographisch zu verstehen sind: Bevor die Band nach "Appetite" wieder gemeinsam an Songs arbeiten konnte, waren vier von fünf Mitgliedern in der Reha, manche nicht zum letzten Mal. Überhaupt verschwendet Rose lyrisch wenig Zeit in abstrakter Fiktion. "My Michelle" gibt so direkt das Leben einer damaligen Freundin wieder, dass die brutale Ehrlichkeit die besungene Dame ordentlich überraschte, hatte sie sich doch von Axl ein Liebeslied im Stil von Elton Johns "Your Song" gewünscht. Doch sanfte Pianoklänge waren noch nicht auf der Tagesordnung von Guns N' Roses, dafür war auf den nachfolgenden Alben noch genug Platz. Stattdessen groovt sowohl "My Michelle" und besonders "You're Crazy" mit einem knallenden und gehetzten Punkfeel durch die Boxen und zeigt die Liebe der Band zum Gaspedal. Die Liebeslieder oder "Roses" von Track 7 bis 12 halten sich eben nicht lange mit dem langweiligen Pathos und Balladen auf, sondern geben jedem verweichlichten Poser direkt auf die Zwölf. Auch die beiden Stradlin-Songs, das mit ungewöhnlicher Melodik ausgestattet "Think About You" und das heitere "Anything Goes" klingen mehr nach Samstagnacht in Downtown Hollywood als romantischen Kerzendinner. Auch hier wieder lehrt uns die Geschichte, dass diese Gefilde von der Band wenige Jahre später beackert wurden. Auf "Appetite" griff hingegen die ungestüme Lebenslust einer jungen und hungrigen Band so sehr um sich, dass man sich der optimistischen Grundpartystimmung gar nicht entziehen kann. Die Riffmanufaktur Stradlin/Slash haute in dem grandiosen Eröffnungstrio "Welcome To The Jungle", "It's So Easy" und "Nightrain" allein genügend Hardrocksriffs für die Ewigkeit heraus, die immer wie die Faust aufs Auge mit dem Rest der Band harmonierte. Gemeinsam beherzigten die beiden Saitenspezialisten auch die klassische Lead/Rhythmusgitarre-Aufteilung mit selten gehörter Perfektion. Nur in äußersten Fällen doppeln sich die Gitarrenspuren, meist ergänzen sie sich perfekt und füllen Leerräume auf. Bei aller "Balls to the Walls"-Kraft sprühten die Songs nur so von feingeistigen Arrangements, die auch noch die dritte Strophe musikalisch spannend machen und jede, wirklich jede Länge vermeiden. Ein perfektes Gespür für Längen, selbst was die Gitarrensoli angeht, darf man Axl und seinen Mannen getrost attestieren. Hits brachte das Album in Mengen heraus. Awards und Lobeshymnen gab es auch nicht zu knapp, immerhin ist die Platte bis heute das erfolgreichste Debütalbum einer Band in den USA. Besondere Bedeutung kam allerdings "Sweet Child O' Mine" zu. Auf den Song konnten sich alle einigen: die Jungs luftgitarrten Slashs Einleitungslick mit, die Mädchen schmolzen bei Axls anhimmelnde Beschreibung einer Liebsten dahin. Der hohe Wiedererkennungswert des Intros funktionierte zwar auch beim Superbowl, die ganze Groteske hätte uns der liebe Slash aber doch ersparen können. In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat Axl Rose mit seiner zusammengewürfelten Söldnertruppe unter dem Banner GN'R dem zementierten Legendenstatus einiges an Glanz genommen. Ein Memorial-Durchlauf im CD-Player erinnerte an die Zeit, in der Guns N' Roses die gefährlichste und spannendste Band der Welt waren. Es bleibt der Blick zurück, denn ein Anschluss an alte Glanzzeiten ist leider unwahrscheinlich. Außer Axl besinnt sich und stellt sich selbst einmal die alles entscheidende Frage: Do you know where the fuck you are? © Laut
Ab
HI-RES48,99 €
CD34,99 €

Hard Rock - Erschienen am 21. Juli 1987 | Geffen

Hi-Res
1987 schien es um Hardrock/Heavy Metal nicht allzu gut bestellt. Im Underground überboten sich zwar zahllose Bands in Sachen härter, fieser und schlechter. Auf den großen Bühnen waren jedoch Keyboards und Spandex mit Dauerwellen und Lippenstift angesagt. Wer MTV schaute, und das tat damals so gut wie jeder, freute sich, wenn zwischen Modern Talking und Samantha Fox endlich mal wieder eine E-Gitarre auftauchte. Die Texte? Belanglos. Der Look? Grauenhaft. Die alternden Haudegen von Aerosmith brachten es auf den Punkt, als sie einen Song mit dem Titel "Dude (Looks Like A Lady)" veröffentlichten. Genderdebatten waren damals noch eine konspirative Angelegenheit an linksorientierten Universitäten. Das grelle Erscheinungsbild war nur billige Effekthascherei. Dann kamen Guns N' Roses. Oder besser, die Kunde einer Band, die ihre böse Miene tatsächlich so meinte und dazu noch das machte, was eine Band tun sollte - nämlich sein Handwerk beherrschen. Der Gitarrist schien mit schwarzer Lockenmähne und Zylinder einem Comic entsprungen. Dem Sänger mache es Spaß, Hunde zu erschießen, hieß es. Er war zierlich wie eine Frau, schaute jedoch grimmig drein wie Massenmörder Charles Manson. Dann kam es, das Album. Das ursprüngliche Cover stellte eine Straßenverkäuferin dar, die von einem Roboter vergewaltigt worden war, der wiederum von einem fliegenden, fies aussehenden Etwas angegriffen wurde, das im Wesentlichen aus Messern bestand. In den 1980ern war es im Bereich Hard'n'Heavy durchaus üblich, grenzwertige Covers zu kreieren - siehe Iron Maiden und Ozzy Osbourne - doch das ging dann doch einen Schritt zu weit. Fand zumindest das Label, das sich nach der ersten Auflage für eine Neugstaltung in Form eines Kreuzes und fünf Totenköpfe, angelehnt an die Bandmitglieder, entschied. Das Explosive war jedoch nicht das Cover, sondern der Inhalt. Hier ging es nicht um fröhliche Parties, die bis in die Morgenstunden dauerten, leichtbekleidete Traumfrauen, die einem das Herz brechen oder wie geil und hart man doch ist (trotz Dauerwelle und Lippenstift). "If you want some honey, money, we got your disease", hieß es im Opener mit dem passenden Titel "Welcome To The Jungle". Noch besser: "Your daddy works in porno, now that mummy's not around / She used to love her heroin / But now she's underground" ("Rocket Queen"). Hier war Los Angeles keine Märchenwelt, sondern ein hartes Pflaster, das in seiner Rücksichtslosigkeit auch Augenblicke der Freude und Zärtlichkeit bot. Der perfekte Soundtrack zu Charles Bukowskis Geschichten (auch wenn der Autor vermutlich nicht einverstanden wäre, denn er bevorzugte klassische Musik). Die Dichte an guten Songs bleibt auch 31 Jahre später beeindruckend, da ist es nicht weiterhin verwunderlich, dass sich "Appetite" 30 Millionen mal verkauft hat. Gute gebrauchte Exemplare kriegt man für wenige Euro - lohnt es sich also, ein Vielfaches für eine der Remastered-Versionen auszugeben? Von der absurden "Locked N' Loaded"-Ausgabe abgesehen, die nur über die Bandwebseite zu beziehen ist und soviel kostet wie ein Premium-Kühlschrank samt Bierfüllung, kommt eigentlich nur die vorliegende Version in Frage, die mit gut 150 EUR auch ordentlich zu Buche schlägt. Dafür gibt es neben Facsimile-Tickets, Fotos aus der Gruft von Sänger Axl Rose und weiterem nett anzusehenden Schnickschnack vor allem eine umfangreiche Sammlung an Demos. Zuerst hört man sich durch die aufpolierte Version des Originalalbums, das damals schon verdammt gut klang. Und die EP "Lies", die 1988 aus dem G'n'R-Urdemo "Live Like A Suicide" und vier Akustiktracks bestand, wobei das umstrittene "One In A Million" nicht dabei ist, (kein Wunder: "Immigrants and faggots / They make no sense to me / They come to our country / And think they do as their please"). Dann wird es interessant: CD 3 und 4 beinhalten nicht nur Demos der Stücke, die auf "Appetite" landeten und den bekannten Versionen recht nahe kommen, wenn auch der Feinschliff noch fehlt - Axl und vor allem Slash huldigen ihren Vorbildern: Rolling Stones ("Jumpin' Jack Flash", einmal thrashig, einmal akustisch), Elvis Presley ("Heartbreak Hotel") oder AC/DC (eine Liveversion von "Whole Lotta Rosie" aus London von 1987). Roses Bemerkung "I ain't no Bon Scott" klingt lustig angesichts des Umstandes, dass er später sein Nach-Nachfolger wurde. Die Erkenntnis: Die Band hatte so viele gute Stücke auf Lager, dass sie einige aussortierten musste. "Shadow Of Your Love" ist hier ganze drei Mal zu hören, aber auf keinem ihrer offiziellen Alben. Bob Dylans "Knocking On Heaven's Door" klang 1987 schon genau so wie auf "Use Your Illusion" 1991. Auch hatten sie zu Beginn der Karriere im Studio durchaus Spaß, wie eine besoffene Version von "Move To The City" beweist. Wirklich erstaunlich ist jedoch, dass "November Rain" wieder in der Schublade verschwand. Die zweite hier dargebotene Version mit Akustikgitarre ist nicht weiter bemerkenswert, die erste kommt der 1991 veröffentlichten Version aber schon sehr nahe. Auch wenn die Killer-Einlagen Slashs fehlen, klingt Rose am Klavier hier einmal nicht wie ein Berserker, sondern wie ein verletzlicher Mensch, der nach einem neuen Weg sucht. Wer diese Version hören will, muss einen Kumpel überzeugen, sich diese Box zuzulegen, oder selbst kaufen, denn auf der 2 CD-Version (Album plus einige Demos) ist sie nicht enthalten. Eine Schnulze, äh, Ballade war offenbar mehr als genug. Dafür enthielt "Appetite" "Sweet Child O' Mine". Keines jener rotztriefenden Stücke à la Def Leppard oder Whitesnake (oder gar Scorpions), die die oberen Etagen erklommen, im Vergleich zum restlichen Material wirkte es aber doch recht zahm. Sie bleibt die einzige Single von Guns N'Roses, die die Spitze der US-Single-Charts erreichte. Schön, dass drei Fünftel der Originalbesetzung 2016 wieder zusammengefunden und eine ordentliche Show auf die Beine gestellt haben. Wer sie seitdem gesehen hat, wird an dieser schicken Ausgabe seine Freude haben. Und angesichts der gesalzenen Ticketpreise beim Zücken der Kreditkarte das Gesicht nur leicht verziehen. © Laut
Ab
HI-RES48,99 €
CD34,99 €

Hard Rock - Erschienen am 21. Juli 1987 | Geffen

Hi-Res
1987 schien es um Hardrock/Heavy Metal nicht allzu gut bestellt. Im Underground überboten sich zwar zahllose Bands in Sachen härter, fieser und schlechter. Auf den großen Bühnen waren jedoch Keyboards und Spandex mit Dauerwellen und Lippenstift angesagt. Wer MTV schaute, und das tat damals so gut wie jeder, freute sich, wenn zwischen Modern Talking und Samantha Fox endlich mal wieder eine E-Gitarre auftauchte. Die Texte? Belanglos. Der Look? Grauenhaft. Die alternden Haudegen von Aerosmith brachten es auf den Punkt, als sie einen Song mit dem Titel "Dude (Looks Like A Lady)" veröffentlichten. Genderdebatten waren damals noch eine konspirative Angelegenheit an linksorientierten Universitäten. Das grelle Erscheinungsbild war nur billige Effekthascherei. Dann kamen Guns N' Roses. Oder besser, die Kunde einer Band, die ihre böse Miene tatsächlich so meinte und dazu noch das machte, was eine Band tun sollte - nämlich sein Handwerk beherrschen. Der Gitarrist schien mit schwarzer Lockenmähne und Zylinder einem Comic entsprungen. Dem Sänger mache es Spaß, Hunde zu erschießen, hieß es. Er war zierlich wie eine Frau, schaute jedoch grimmig drein wie Massenmörder Charles Manson. Dann kam es, das Album. Das ursprüngliche Cover stellte eine Straßenverkäuferin dar, die von einem Roboter vergewaltigt worden war, der wiederum von einem fliegenden, fies aussehenden Etwas angegriffen wurde, das im Wesentlichen aus Messern bestand. In den 1980ern war es im Bereich Hard'n'Heavy durchaus üblich, grenzwertige Covers zu kreieren - siehe Iron Maiden und Ozzy Osbourne - doch das ging dann doch einen Schritt zu weit. Fand zumindest das Label, das sich nach der ersten Auflage für eine Neugstaltung in Form eines Kreuzes und fünf Totenköpfe, angelehnt an die Bandmitglieder, entschied. Das Explosive war jedoch nicht das Cover, sondern der Inhalt. Hier ging es nicht um fröhliche Parties, die bis in die Morgenstunden dauerten, leichtbekleidete Traumfrauen, die einem das Herz brechen oder wie geil und hart man doch ist (trotz Dauerwelle und Lippenstift). "If you want some honey, money, we got your disease", hieß es im Opener mit dem passenden Titel "Welcome To The Jungle". Noch besser: "Your daddy works in porno, now that mummy's not around / She used to love her heroin / But now she's underground" ("Rocket Queen"). Hier war Los Angeles keine Märchenwelt, sondern ein hartes Pflaster, das in seiner Rücksichtslosigkeit auch Augenblicke der Freude und Zärtlichkeit bot. Der perfekte Soundtrack zu Charles Bukowskis Geschichten (auch wenn der Autor vermutlich nicht einverstanden wäre, denn er bevorzugte klassische Musik). Die Dichte an guten Songs bleibt auch 31 Jahre später beeindruckend, da ist es nicht weiterhin verwunderlich, dass sich "Appetite" 30 Millionen mal verkauft hat. Gute gebrauchte Exemplare kriegt man für wenige Euro - lohnt es sich also, ein Vielfaches für eine der Remastered-Versionen auszugeben? Von der absurden "Locked N' Loaded"-Ausgabe abgesehen, die nur über die Bandwebseite zu beziehen ist und soviel kostet wie ein Premium-Kühlschrank samt Bierfüllung, kommt eigentlich nur die vorliegende Version in Frage, die mit gut 150 EUR auch ordentlich zu Buche schlägt. Dafür gibt es neben Facsimile-Tickets, Fotos aus der Gruft von Sänger Axl Rose und weiterem nett anzusehenden Schnickschnack vor allem eine umfangreiche Sammlung an Demos. Zuerst hört man sich durch die aufpolierte Version des Originalalbums, das damals schon verdammt gut klang. Und die EP "Lies", die 1988 aus dem G'n'R-Urdemo "Live Like A Suicide" und vier Akustiktracks bestand, wobei das umstrittene "One In A Million" nicht dabei ist, (kein Wunder: "Immigrants and faggots / They make no sense to me / They come to our country / And think they do as their please"). Dann wird es interessant: CD 3 und 4 beinhalten nicht nur Demos der Stücke, die auf "Appetite" landeten und den bekannten Versionen recht nahe kommen, wenn auch der Feinschliff noch fehlt - Axl und vor allem Slash huldigen ihren Vorbildern: Rolling Stones ("Jumpin' Jack Flash", einmal thrashig, einmal akustisch), Elvis Presley ("Heartbreak Hotel") oder AC/DC (eine Liveversion von "Whole Lotta Rosie" aus London von 1987). Roses Bemerkung "I ain't no Bon Scott" klingt lustig angesichts des Umstandes, dass er später sein Nach-Nachfolger wurde. Die Erkenntnis: Die Band hatte so viele gute Stücke auf Lager, dass sie einige aussortierten musste. "Shadow Of Your Love" ist hier ganze drei Mal zu hören, aber auf keinem ihrer offiziellen Alben. Bob Dylans "Knocking On Heaven's Door" klang 1987 schon genau so wie auf "Use Your Illusion" 1991. Auch hatten sie zu Beginn der Karriere im Studio durchaus Spaß, wie eine besoffene Version von "Move To The City" beweist. Wirklich erstaunlich ist jedoch, dass "November Rain" wieder in der Schublade verschwand. Die zweite hier dargebotene Version mit Akustikgitarre ist nicht weiter bemerkenswert, die erste kommt der 1991 veröffentlichten Version aber schon sehr nahe. Auch wenn die Killer-Einlagen Slashs fehlen, klingt Rose am Klavier hier einmal nicht wie ein Berserker, sondern wie ein verletzlicher Mensch, der nach einem neuen Weg sucht. Wer diese Version hören will, muss einen Kumpel überzeugen, sich diese Box zuzulegen, oder selbst kaufen, denn auf der 2 CD-Version (Album plus einige Demos) ist sie nicht enthalten. Eine Schnulze, äh, Ballade war offenbar mehr als genug. Dafür enthielt "Appetite" "Sweet Child O' Mine". Keines jener rotztriefenden Stücke à la Def Leppard oder Whitesnake (oder gar Scorpions), die die oberen Etagen erklommen, im Vergleich zum restlichen Material wirkte es aber doch recht zahm. Sie bleibt die einzige Single von Guns N'Roses, die die Spitze der US-Single-Charts erreichte. Schön, dass drei Fünftel der Originalbesetzung 2016 wieder zusammengefunden und eine ordentliche Show auf die Beine gestellt haben. Wer sie seitdem gesehen hat, wird an dieser schicken Ausgabe seine Freude haben. Und angesichts der gesalzenen Ticketpreise beim Zücken der Kreditkarte das Gesicht nur leicht verziehen. © Laut
Ab
CD14,99 €

Hard Rock - Erschienen am 28. August 2020 | Geffen

Das "Greatest Hits"-Album von Guns N' Roses mag zwar alle Kennzeichen einer hastig zusammengestellten Kompilation aufweisen, bietet aber dennoch die größten Hits der Band: unter anderem "Welcome to the Jungle", "Sweet Child O' Mine", "Patience", "Paradise City", "Don't Cry", "You Could Be Mine", "November Rain” und "Live and Let Die”. Natürlich fehlen einige nennenswerte tracks wie die Chart-Singles "Nightrain" und "Estranged" und Album-Tracks wie "It’s So Easy", "Mr. Brownstone" und "Used to Love Her". Für Hörer aber, die eine Sammlung mit den größten Hits der Band auf einer einzigen CD möchten, ist diese hier überaus gut geeignet. © Stephen Thomas Erlewine /TiVo
Ab
CD14,99 €

Hard Rock - Erschienen am 1. Januar 2008 | Geffen

Booklet
Chinese Democracy ist Ausdruck von Axl Roses Bemühen, eine idealisierte Version seiner Innenwelt zu erschaffen, für die er endlos an einer Reihe von Songs über seinen Herzschmerz, seinen Verfolgungswahn und seine Paranoia arbeitete. Indem er die pompösen, zehnminütigen epischen Titel "Estranged" und "November Rain" als Basis nutzt, streift Axl alle Überbleibsel der alten, Schlangentänzer-GNR ab, entledigt sich des schwarzen Humors und des Blues und ersetzt positive Stimmungen mit rachsüchtigem Zorn im Stil von "You Could Be Mine." Dieses ganze Melodrama und die Böswilligkeit fühlt sich bekannt an, und erstaunlicherweise verhält es sich mit einem Großteil von Chinese Democracy ebenso. Man muss nur einmal hineinhören und schon wird klar, dass Axl über ein Jahrzehnt im Studio nicht damit verbracht hat, sich selbst neu zu erfinden, sondern sich weiterzuentwickeln, und dabei besessen war von einer Handvoll Titeln, auf der Suche nach dem richtigen Sound in seinem Kopf. © Stephen Thomas Erlewine /TiVo
Ab
CD19,49 €

Hard Rock - Erschienen am 1. Januar 1999 | Geffen

Ab
CD10,99 €

Hard Rock - Erschienen am 29. November 1988 | Geffen

Once Appetite for Destruction finally became a hit in 1988, Guns N' Roses bought some time by delivering the half-old/half-new LP G N' R Lies as a follow-up. Constructed as a double EP, with the "indie" debut Live ?!*@ Like a Suicide coming first and four new acoustic-based songs following on the second side, G N' R Lies is where the band metamorphosed from genuine threat to joke. Neither recorded live nor released by an indie label, Live ?!*@ Like a Suicide is competent bar band boogie, without the energy or danger of Appetite for Destruction. The new songs are considerably more problematic. "Patience" is Guns N' Roses at their prettiest and their sappiest, the most direct song they recorded to date. Its emotional directness makes the misogyny of "Used to Love Her (But I Had to Kill Her)" and the pitiful slanders of "One in a Million" sound genuine. Although the cover shrugs them off as a "joke," Axl Rose's venom is frightening -- there's little doubt that he truly does believe that "faggots" come to America from another country and that "niggers" should stay out of his way. Since he wasn't playing a character on the remainder of the album, there's little doubt this is from the heart as well. And what makes it harder to dismiss is the musical skill of the band, which makes the country-fried boogie of "Used to Love Her," the bluesy revamp of "You're Crazy," and the tough, paranoid fever dream of "One in a Million" indelible. So, you either listen to the music and are satisfied or else listen to the lyrics and become disturbed not only by Rose's intentions, but by the millions of record buyers that identified with him. © Stephen Thomas Erlewine /TiVo
Ab
CD14,99 €

Hard Rock - Erschienen am 1. Januar 1993 | Geffen

Ab
HI-RES19,49 €
CD13,99 €

Hard Rock - Erschienen am 21. Juli 1987 | Geffen

Hi-Res
Hey Slash, do you know where the fuck you are? Wohl eher nicht, wollte man glauben, als während der ohrenbeleidigenden Halbzeitshow des Superbowls 2011 in Texas direkt nach der musikalischen Großtat "Boom Boom Pow" ein glitzernder Zylinder aus der Bühne gefahren kam und der Gitarrist die vertrauten Klänge des "Sweet Child O' Mine"-Intros spielte. Inmitten eines Black Eyed Peas-Sets. Der Leadgitarrist und seine Gibson Les Paul hatten zwar schon länger einen Narren an Peas' Augen-Aufputz Fergie gefressen, die gemeinsame, uninspirierte Performance war jedoch surreal at best. Fergie nahm sich ein Herz und schlachtete den Song vor einem Millionenpublikum auf grausame Art ab. Und irgendwo in einem kleinen Kämmerlein vergoss Axl Rose eine Träne. Take Me Home! Was waren Guns N' Roses doch für eine Band, eine Urgewalt. Unberechenbar, gefährlich, mit Straßenlegenden großgeworden, von Drogen zerfressen, mit perfekten Songwritingkünsten gesegnet. Damals, als Mitte der 80er in Los Angeles der Hair- und Glammetal regierte, die Schminke im Gesicht mindestens gleichbedeutend war wie das Gitarrenriff. Und in eben jene bemalte Fratzen sprangen die Gunners mit dem Arsch voran, und zwar mit Anlauf. Ungestüm, punkig und doch mit genug Groove und alten Rock'n'Roll-Anleihen, dass für jeden etwas dabei war. Zur richtigen Zeit trafen sich Axl Rose, Slash, Izzy, Duff und Steven aus unterschiedlichen Bands auf dem Sunset Strip in Hollywood, wurden dickste Kumpels und machten frisch eine eigene Combo auf. Alte Versatzstücke aus den Vorgängerbands wurden eingebracht und gemeinsam finalisiert, aus neuen Gemeinsamkeiten entstanden neue Songs. Mit der exzessiven und naturbelassenen Bühnenperformance war die Aufmerksamkeit von Geffen Records schnell erregt: Damals ohne Haarspray und in normaler Straßenkleidung die Bühne zu entern, grenzte ja fast schon an Frevel. Schließlich wurde es Zeit, die Explosivität der Band auf Platte zu pressen. "Appetite For Destruction" war der Startschuss zu einer bombastischen Karriere, die heute noch als Legende für das Leitmotiv Sex, Drugs and Rock'n'Roll steht. Auch der Entstehungsprozess dieses Debütalbums war vor Geschichten der Ausschweifung und moralischen Verfehlung jeder Art nicht gefeit: Während den Aufnahmen zu "Rocket Queen" suchte Axl nach einem Effekt, mit dem er das lange Gitarrensolo unterlegen konnte. Schnell kam die Idee. Ein paar Kerzen und Polster wurden verteilt, dann führte Axl die damalige Freundin von Drummer Steven Adler in den Aufnahmeraum und entlockte ihr auf horizontale Art die Verzückungsschreie, die später auf dem Album zu finden sind. Stickman Adler hat es am nächsten Tag wieder vergessen, die auf Tonband verewigte Dame, Adriana Smith, quälte sich doch jahrelang mit Scham- und Schuldgefühlen. Der Bruch mit herkömmlichen Konventionen, Erwartungen und Ansichten stand für Axl, Slash und Co. stets weit oben auf der Bandagenda. Dabei waren die Gunners ein wunderbares, fast kitschiges Beispiel für unterschiedliche Typenklischees in einer Rockband. Axl war der charismatische, gesprächige, aber auch egozentrische Frontmann, Slash der mysteriöse Leadgitarrist, der seine Augen stets mit Sonnenbrille oder Lockenvorhang versteckte. Duff McKagan war der großgewachsene Punker mit Nietengürtel aus Seattle, Izzy der klassische Rolling Stones-Fan, der sich eher im Hintergrund hielt, Steven der energiegeladene, naive Lachbolzen. Schlagzeuger Adler und Bassist Duff legten mit ihrem tighten Rhythmus das zwingende und swingende Soundfundament, das genrefremde Atmosphären der Beat- und Soulmusik der 70er-Jahre atmete – alles schwingt, alles lebt und bewegt sich. Die Leichtfüssigkeit wird von perfekt ineinander greifender Gitarrenarbeit im Zaum gehalten, wo sich Leadgitarrist Slash auch gern mal Platz nimmt und arschcoole Soli aus dem Ärmel haut. Und über all dem steht Mr. William Bruce Bailey mit kreischenden Rasiermessern anstatt Stimmbändern. Daraus entstanden 53 Minuten Rockmusik für die Ewigkeit, die direkt und unvermittelt Spaß machen. Mehr als die Hälfte der Songs galt binnen kürzester Zeit als Instant Classics, "Paradise City" und "Welcome To The Jungle" schafften fast über Nacht den Sprung in Sportveranstaltungen, Film und Fernsehen sowie das kollektive Verständnis, was gute Rockmusik ist. Das Album erschien ja noch in grauer Vinyl-Vorzeit, wobei die Aufteilung in Seite A und B in diesem Fall auch eine thematische Abgrenzung ist. Die Seite A beziehungsweise die ersten sechs Songs sind die "Guns", die Geschichten über die Straße, die Drogen und das Leben mit beidem. "Welcome To The Jungle" und "Paradise City" erzählen vom Respekt, den Landkind Axl vor der Großstadt hat, während "Out Ta Get Me" seine Probleme mit dem Gesetz schildern. "Nightrain" und "Mr. Brownstone" drehen sich um die Erfahrungen mit bewusstseinserweiternden Substanzen, die durchaus autobiographisch zu verstehen sind: Bevor die Band nach "Appetite" wieder gemeinsam an Songs arbeiten konnte, waren vier von fünf Mitgliedern in der Reha, manche nicht zum letzten Mal. Überhaupt verschwendet Rose lyrisch wenig Zeit in abstrakter Fiktion. "My Michelle" gibt so direkt das Leben einer damaligen Freundin wieder, dass die brutale Ehrlichkeit die besungene Dame ordentlich überraschte, hatte sie sich doch von Axl ein Liebeslied im Stil von Elton Johns "Your Song" gewünscht. Doch sanfte Pianoklänge waren noch nicht auf der Tagesordnung von Guns N' Roses, dafür war auf den nachfolgenden Alben noch genug Platz. Stattdessen groovt sowohl "My Michelle" und besonders "You're Crazy" mit einem knallenden und gehetzten Punkfeel durch die Boxen und zeigt die Liebe der Band zum Gaspedal. Die Liebeslieder oder "Roses" von Track 7 bis 12 halten sich eben nicht lange mit dem langweiligen Pathos und Balladen auf, sondern geben jedem verweichlichten Poser direkt auf die Zwölf. Auch die beiden Stradlin-Songs, das mit ungewöhnlicher Melodik ausgestattet "Think About You" und das heitere "Anything Goes" klingen mehr nach Samstagnacht in Downtown Hollywood als romantischen Kerzendinner. Auch hier wieder lehrt uns die Geschichte, dass diese Gefilde von der Band wenige Jahre später beackert wurden. Auf "Appetite" griff hingegen die ungestüme Lebenslust einer jungen und hungrigen Band so sehr um sich, dass man sich der optimistischen Grundpartystimmung gar nicht entziehen kann. Die Riffmanufaktur Stradlin/Slash haute in dem grandiosen Eröffnungstrio "Welcome To The Jungle", "It's So Easy" und "Nightrain" allein genügend Hardrocksriffs für die Ewigkeit heraus, die immer wie die Faust aufs Auge mit dem Rest der Band harmonierte. Gemeinsam beherzigten die beiden Saitenspezialisten auch die klassische Lead/Rhythmusgitarre-Aufteilung mit selten gehörter Perfektion. Nur in äußersten Fällen doppeln sich die Gitarrenspuren, meist ergänzen sie sich perfekt und füllen Leerräume auf. Bei aller "Balls to the Walls"-Kraft sprühten die Songs nur so von feingeistigen Arrangements, die auch noch die dritte Strophe musikalisch spannend machen und jede, wirklich jede Länge vermeiden. Ein perfektes Gespür für Längen, selbst was die Gitarrensoli angeht, darf man Axl und seinen Mannen getrost attestieren. Hits brachte das Album in Mengen heraus. Awards und Lobeshymnen gab es auch nicht zu knapp, immerhin ist die Platte bis heute das erfolgreichste Debütalbum einer Band in den USA. Besondere Bedeutung kam allerdings "Sweet Child O' Mine" zu. Auf den Song konnten sich alle einigen: die Jungs luftgitarrten Slashs Einleitungslick mit, die Mädchen schmolzen bei Axls anhimmelnde Beschreibung einer Liebsten dahin. Der hohe Wiedererkennungswert des Intros funktionierte zwar auch beim Superbowl, die ganze Groteske hätte uns der liebe Slash aber doch ersparen können. In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat Axl Rose mit seiner zusammengewürfelten Söldnertruppe unter dem Banner GN'R dem zementierten Legendenstatus einiges an Glanz genommen. Ein Memorial-Durchlauf im CD-Player erinnerte an die Zeit, in der Guns N' Roses die gefährlichste und spannendste Band der Welt waren. Es bleibt der Blick zurück, denn ein Anschluss an alte Glanzzeiten ist leider unwahrscheinlich. Außer Axl besinnt sich und stellt sich selbst einmal die alles entscheidende Frage: Do you know where the fuck you are? © Laut
Ab
HI-RES58,49 €
CD41,99 €

Hard Rock - Erschienen am 21. Juli 1987 | Geffen

Hi-Res
Welcome To The Jungle, It’s So Easy, Nightrain, Mr. Brownstone, Paradise City, My Michelle, Sweet Child O’ Mine, You’re Crazy… Stellen Sie sich nicht zu viele Fragen über dieses Wunder, das weltweit zu mehr als 30 Millionen Exemplaren verkauft wurde, denn im ersten Augenblick glaubt man, es mit einem Best Of und nicht mit einem ersten Studioversuch zu tun zu haben. Denn sogar Out Ta Get Me, Think About You, Anything Goes und Rocket Queen, die vier ersten „nicht unbedingt erwähnenswerten Titel“ dieses Meisterwerks, hätten alle konkurrierenden Bands entzückt, die zu jener Zeit Guns N' Roses verabscheuten. Auch die beiden, in erster Linie aus urheberrechtlichen Gründen in der Schublade verschwundenen Stücke Shadow Of Your Love und Move To The City, die nun ausgegraben sind, hätte man damals hinzufügen können, und zu ihnen gehört auch die Studioversion von Reckless Life. Diese wie eine wandelnde Katastrophe daherkommende, berühmt-berüchtigte Band hatte etwas, was die anderen aus diesem Hard Rock-Mikrokosmos aus Los Angeles nicht hatten: die Fähigkeit, Rockklassiker in Rekordzeit zu liefern. Einige werden sicher denken, dass es ungerecht war, dass der allzu umstrittene One In A Million als Kollateralschaden der Neufassung von Lies zum Opfer fiel.Das, was diese verbesserte Neuauflage jedoch klar macht, auch wenn es nicht unbedingt beabsichtigt war, ist die Tatsache, dass der Sound und die Aufführung der Musiker gleichfalls zwei maßgebliche Komponenten bei der Entstehung eines Meisterwerks sind. Der Grund, warum alles vor und nach Appetite For Destruction miteinbezogen wurde, nämlich die beiden EPs Live ?!*@ Like a Suicide und G N' R Lies, liegt darin, dass man sehr wohl merkt, dass im Sound Studio, wo die ungefähr 20 als „Bonuszusätze“ vorliegenden Alternativversionen aufgenommen wurden, bei Weitem nicht alle Zutaten zur Verfügung standen. Mike Clinks fachmännisch durchgeführter Produktion und Steve Thompsons und Michael Barbieros entsprechend ausbalancierter Aufnahmetechnik am Mischpult ist es natürlich zu verdanken, dass die zwölf auserlesenen Originalstücke in ihrer Höchstform präsentiert werden. Und daher eine optimale Wirkung erzielen. Diese paar Live-Titel bzw. akustischen Aufnahmen, die für die Abrundung dieser Neuausgabe zusammengekratzt wurden (Knockin’ On Heaven’s Door (Live) von Bob Dylan, It’s So Easy (Live), Whole Lotta Rosie (Live) von AC/DC, November Rain (akustische Version), das recht kurze, aber vielversprechende The Plague, das Instrumental Ain’t Goin’ Down No More oder Jumpin’ Jack Flash (akustische Version) der Rolling Stones…) beweisen überdies, dass die fünf Bandmitglieder eine, wenn auch zu kurze, Zeit erlebt haben, in der sie wie von Gnade erfüllt waren. Axl Rose könnte wohl einen zusätzlichen Beweis liefern, würde er eines Tages jene Version des Albums hervorholen, die er 1999 als Guns N' Roses ohne Slash, Izzy Stradlin, Duff McKagan und Steven Adler unbedingt neu einspielen musste. Diese Siegermannschaft hat Guns N' Roses den absoluten Verkaufsrekord eines Debütalbums in den USA beschert. Die vielfachen, darauffolgenden Umbesetzungen haben zwar kein kommerzielles Desaster ausgelöst, sie haben aber der Band nie die Gelegenheit geboten, den mit Appetite For Destruction erzielten Erfolg zu wiederholen. © Jean-Pierre Sabouret/Qobuz
Ab
CD9,99 €

Hard Rock - Erschienen am 8. Juni 2018 | Sonic Boom

Ab
CD13,99 €

Hard Rock - Erschienen am 21. Juli 1987 | Geffen

Hey Slash, do you know where the fuck you are? Wohl eher nicht, wollte man glauben, als während der ohrenbeleidigenden Halbzeitshow des Superbowls 2011 in Texas direkt nach der musikalischen Großtat "Boom Boom Pow" ein glitzernder Zylinder aus der Bühne gefahren kam und der Gitarrist die vertrauten Klänge des "Sweet Child O' Mine"-Intros spielte. Inmitten eines Black Eyed Peas-Sets. Der Leadgitarrist und seine Gibson Les Paul hatten zwar schon länger einen Narren an Peas' Augen-Aufputz Fergie gefressen, die gemeinsame, uninspirierte Performance war jedoch surreal at best. Fergie nahm sich ein Herz und schlachtete den Song vor einem Millionenpublikum auf grausame Art ab. Und irgendwo in einem kleinen Kämmerlein vergoss Axl Rose eine Träne. Take Me Home! Was waren Guns N' Roses doch für eine Band, eine Urgewalt. Unberechenbar, gefährlich, mit Straßenlegenden großgeworden, von Drogen zerfressen, mit perfekten Songwritingkünsten gesegnet. Damals, als Mitte der 80er in Los Angeles der Hair- und Glammetal regierte, die Schminke im Gesicht mindestens gleichbedeutend war wie das Gitarrenriff. Und in eben jene bemalte Fratzen sprangen die Gunners mit dem Arsch voran, und zwar mit Anlauf. Ungestüm, punkig und doch mit genug Groove und alten Rock'n'Roll-Anleihen, dass für jeden etwas dabei war. Zur richtigen Zeit trafen sich Axl Rose, Slash, Izzy, Duff und Steven aus unterschiedlichen Bands auf dem Sunset Strip in Hollywood, wurden dickste Kumpels und machten frisch eine eigene Combo auf. Alte Versatzstücke aus den Vorgängerbands wurden eingebracht und gemeinsam finalisiert, aus neuen Gemeinsamkeiten entstanden neue Songs. Mit der exzessiven und naturbelassenen Bühnenperformance war die Aufmerksamkeit von Geffen Records schnell erregt: Damals ohne Haarspray und in normaler Straßenkleidung die Bühne zu entern, grenzte ja fast schon an Frevel. Schließlich wurde es Zeit, die Explosivität der Band auf Platte zu pressen. "Appetite For Destruction" war der Startschuss zu einer bombastischen Karriere, die heute noch als Legende für das Leitmotiv Sex, Drugs and Rock'n'Roll steht. Auch der Entstehungsprozess dieses Debütalbums war vor Geschichten der Ausschweifung und moralischen Verfehlung jeder Art nicht gefeit: Während den Aufnahmen zu "Rocket Queen" suchte Axl nach einem Effekt, mit dem er das lange Gitarrensolo unterlegen konnte. Schnell kam die Idee. Ein paar Kerzen und Polster wurden verteilt, dann führte Axl die damalige Freundin von Drummer Steven Adler in den Aufnahmeraum und entlockte ihr auf horizontale Art die Verzückungsschreie, die später auf dem Album zu finden sind. Stickman Adler hat es am nächsten Tag wieder vergessen, die auf Tonband verewigte Dame, Adriana Smith, quälte sich doch jahrelang mit Scham- und Schuldgefühlen. Der Bruch mit herkömmlichen Konventionen, Erwartungen und Ansichten stand für Axl, Slash und Co. stets weit oben auf der Bandagenda. Dabei waren die Gunners ein wunderbares, fast kitschiges Beispiel für unterschiedliche Typenklischees in einer Rockband. Axl war der charismatische, gesprächige, aber auch egozentrische Frontmann, Slash der mysteriöse Leadgitarrist, der seine Augen stets mit Sonnenbrille oder Lockenvorhang versteckte. Duff McKagan war der großgewachsene Punker mit Nietengürtel aus Seattle, Izzy der klassische Rolling Stones-Fan, der sich eher im Hintergrund hielt, Steven der energiegeladene, naive Lachbolzen. Schlagzeuger Adler und Bassist Duff legten mit ihrem tighten Rhythmus das zwingende und swingende Soundfundament, das genrefremde Atmosphären der Beat- und Soulmusik der 70er-Jahre atmete – alles schwingt, alles lebt und bewegt sich. Die Leichtfüssigkeit wird von perfekt ineinander greifender Gitarrenarbeit im Zaum gehalten, wo sich Leadgitarrist Slash auch gern mal Platz nimmt und arschcoole Soli aus dem Ärmel haut. Und über all dem steht Mr. William Bruce Bailey mit kreischenden Rasiermessern anstatt Stimmbändern. Daraus entstanden 53 Minuten Rockmusik für die Ewigkeit, die direkt und unvermittelt Spaß machen. Mehr als die Hälfte der Songs galt binnen kürzester Zeit als Instant Classics, "Paradise City" und "Welcome To The Jungle" schafften fast über Nacht den Sprung in Sportveranstaltungen, Film und Fernsehen sowie das kollektive Verständnis, was gute Rockmusik ist. Das Album erschien ja noch in grauer Vinyl-Vorzeit, wobei die Aufteilung in Seite A und B in diesem Fall auch eine thematische Abgrenzung ist. Die Seite A beziehungsweise die ersten sechs Songs sind die "Guns", die Geschichten über die Straße, die Drogen und das Leben mit beidem. "Welcome To The Jungle" und "Paradise City" erzählen vom Respekt, den Landkind Axl vor der Großstadt hat, während "Out Ta Get Me" seine Probleme mit dem Gesetz schildern. "Nightrain" und "Mr. Brownstone" drehen sich um die Erfahrungen mit bewusstseinserweiternden Substanzen, die durchaus autobiographisch zu verstehen sind: Bevor die Band nach "Appetite" wieder gemeinsam an Songs arbeiten konnte, waren vier von fünf Mitgliedern in der Reha, manche nicht zum letzten Mal. Überhaupt verschwendet Rose lyrisch wenig Zeit in abstrakter Fiktion. "My Michelle" gibt so direkt das Leben einer damaligen Freundin wieder, dass die brutale Ehrlichkeit die besungene Dame ordentlich überraschte, hatte sie sich doch von Axl ein Liebeslied im Stil von Elton Johns "Your Song" gewünscht. Doch sanfte Pianoklänge waren noch nicht auf der Tagesordnung von Guns N' Roses, dafür war auf den nachfolgenden Alben noch genug Platz. Stattdessen groovt sowohl "My Michelle" und besonders "You're Crazy" mit einem knallenden und gehetzten Punkfeel durch die Boxen und zeigt die Liebe der Band zum Gaspedal. Die Liebeslieder oder "Roses" von Track 7 bis 12 halten sich eben nicht lange mit dem langweiligen Pathos und Balladen auf, sondern geben jedem verweichlichten Poser direkt auf die Zwölf. Auch die beiden Stradlin-Songs, das mit ungewöhnlicher Melodik ausgestattet "Think About You" und das heitere "Anything Goes" klingen mehr nach Samstagnacht in Downtown Hollywood als romantischen Kerzendinner. Auch hier wieder lehrt uns die Geschichte, dass diese Gefilde von der Band wenige Jahre später beackert wurden. Auf "Appetite" griff hingegen die ungestüme Lebenslust einer jungen und hungrigen Band so sehr um sich, dass man sich der optimistischen Grundpartystimmung gar nicht entziehen kann. Die Riffmanufaktur Stradlin/Slash haute in dem grandiosen Eröffnungstrio "Welcome To The Jungle", "It's So Easy" und "Nightrain" allein genügend Hardrocksriffs für die Ewigkeit heraus, die immer wie die Faust aufs Auge mit dem Rest der Band harmonierte. Gemeinsam beherzigten die beiden Saitenspezialisten auch die klassische Lead/Rhythmusgitarre-Aufteilung mit selten gehörter Perfektion. Nur in äußersten Fällen doppeln sich die Gitarrenspuren, meist ergänzen sie sich perfekt und füllen Leerräume auf. Bei aller "Balls to the Walls"-Kraft sprühten die Songs nur so von feingeistigen Arrangements, die auch noch die dritte Strophe musikalisch spannend machen und jede, wirklich jede Länge vermeiden. Ein perfektes Gespür für Längen, selbst was die Gitarrensoli angeht, darf man Axl und seinen Mannen getrost attestieren. Hits brachte das Album in Mengen heraus. Awards und Lobeshymnen gab es auch nicht zu knapp, immerhin ist die Platte bis heute das erfolgreichste Debütalbum einer Band in den USA. Besondere Bedeutung kam allerdings "Sweet Child O' Mine" zu. Auf den Song konnten sich alle einigen: die Jungs luftgitarrten Slashs Einleitungslick mit, die Mädchen schmolzen bei Axls anhimmelnde Beschreibung einer Liebsten dahin. Der hohe Wiedererkennungswert des Intros funktionierte zwar auch beim Superbowl, die ganze Groteske hätte uns der liebe Slash aber doch ersparen können. In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat Axl Rose mit seiner zusammengewürfelten Söldnertruppe unter dem Banner GN'R dem zementierten Legendenstatus einiges an Glanz genommen. Ein Memorial-Durchlauf im CD-Player erinnerte an die Zeit, in der Guns N' Roses die gefährlichste und spannendste Band der Welt waren. Es bleibt der Blick zurück, denn ein Anschluss an alte Glanzzeiten ist leider unwahrscheinlich. Außer Axl besinnt sich und stellt sich selbst einmal die alles entscheidende Frage: Do you know where the fuck you are? © Laut
Ab
HI-RES2,99 €
CD1,99 €

Hard Rock - Erschienen am 6. August 2021 | Geffen Records

Hi-Res
Ab
CD7,99 €

Hard Rock - Erschienen am 10. April 2018 | Cult Legends