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Pop - Erschienen am 16. Oktober 2009 | Columbia

Auszeichnungen Qobuz' Schallplattensammlung
Ich: Los, Digger, Kapuzenpulli an, Rucksack auf, die Absolute Beginner jammen im Nachtcafé. Ja genau die, die mit "Natural Born Chillaz", "KEINE" und so. Aber nimm statt der Tarnhose die gute Jeans – wir müssen danach noch ins MAX, abtanzen. Mandy und ihre Freundinnen sind auch da. Kumpel: Alder, der Eurodance geht mir aber extrem auf die Eier. Ich: Ach komm, dann chillen wir an der Bar und gehen eben nur zu den Fantas auf die Tanzfläche. "Pop-Pop-Populär", "Sie ist weg und ich bin wieder allein allein" - weißte doch. Hühnermusik halt. Kumpel: Okay, immer locker bleiben, ich komm' vorbei. Deutschrap, Vorstadtjungs und Frauen - Mitte der Neunziger ging da gar nichts, weder ganz noch konkret und schon gar nicht in der Nachbarschaft. Die Hip Hop-Szene feierte sich, ihre Skills und Einzigartigkeit auf Jams vornehmlich selbst, während ein Großteil des weiblichen Geschlechts woanders weilte, in der Dorfdisse oder im Indie-Club. Erst das vierte Album und die darauf erfolgte Entwicklung der Fantastischen Vier, vom Deutschrap-Enemy Number One zur schwäbischen Beastie Boys-Version, führte zusammen, was seit Adam Yauch und Schwester Ewa zusammengehört: "Lauschgift, überall Lauschgift, in allen Ecken" – und aus allen Boxen. Bereits der straighte Boom Bap-Opener "Populär" entpuppte sich als klassischer Party-Feger - "Jump Around" oder "Insane In The Brain" lassen grüßen wie Udo Jürgens. Doch das war erst der Anfang und die Krieger erwachten. Kein funkiges Gefrickel oder blubberende Soundblasen, kein spackiges Vanilla Ice-Video ("Die Da"), keine Hippie-Ausflüge ("Tag am Meer"), sondern klassisch dickes Ego-Boosting mit Augenzwinkern. Die S.W.A., Schwaben with Attitude, ballerten zurück wie das magische Dreieck. Auf dem Abgeh-Monster "Was geht" legt Thomas D das Rödelheim Hartreim Projekt inklusive Sabrina Setlur komplett alleine flach wie Fliesen: "Setz dich hin wir singen dir ein Lied vor / über Schweine / denn wir machen Reime um die sie uns beneiden / Schweine / und damit auch noch Scheine das können die nicht leiden / ooh das war gemein ich seh es ein es war nur wegen dem Reim / nur Spaß ihr fallt doch darauf nicht mehr rein / ich mein ihr wisst doch was ich mein ich wollte euch nur foppen / denn in Wirklichkeit will ich Schwester S poppen." Und Smudo schießt bei seiner knallhart-kopfnickenden "Die Geschichte des O" wütende Verse in Richtung Torch und der 'echten' Hip Hop-Szene: "... mit deinem Mikro in der Hand wie der Prophet in seinem Land / lästiger Querulant / lächerlicher Repräsentant (...) hör ich alte Schule neue Schule Hip Hop hurra / die hohe Schule heißt Smu und der ist immer da." Respekt muss man sich verdienen und so ziemlich jeder pop-hassende Hip Hopper sah Thomas D, Smudo, Deejot Hausmarke und And.Ypsilon nach dieser Diss-Keule in neuem Licht – und traute sich auch ohne Gesichtsverlust wie Ghostface auf die Tanzflächen der Großraumschuppen. Da interessierte es nur noch Rap-Nazis, dass die drei Emcees ähnlich wie die Beasties oder Run DMC nie das Level von Samy Deluxe, Azad und Co. erreichten. Ein Team ist eben mehr als die Summe der Einzelteile. Die allgegenwärtige Locker-Vom-Barhocker-Qualität hebt "Lauschgift" über alle anderen Fantastischen Vier-Alben auf reales Meilenstein-Niveau. Zwar kopiert der funky Boom Bap im Jahre 1995 zumeist schamlos den '92er Sound aus Übersee und hinkt daher drei Jahre hinterher wie Dopingfahnder, ist dem Deutschrap in Sachen Swagger und Club-Groove jedoch um Jahre voraus. Die Massiven Töne mit "Kopfnicker" (1996), der Freundeskreis mit "Die Quadratur des Kreises" (1997), Blumentopf mit "Kein Zufall" (1997) oder die Absolute Beginner mit "Bambule" (1998) ziehen – auch wenn nur indirekt beeinflusst – erst viel später nach. Hip Hop wird auch dank "Lauschgift" zur Massenbewegung. Das Album verdeutlichte jedoch nicht nur wegen der Posse-Tunes die Vorreiterrolle der Vier. Wie beim Wu-Tang Clan durfte jedes Mitglied auf Solo-Songs seinen ureigenen Charakter stärker herausarbeiten. Besonders Thomas D nutzte die Lieder "Krieger", "Thomas und die Philosophie" und "Nur in deinem Kopf", um seinen Mix aus Rap, Alternative Rock und Poesie unters Volk zu bringen. Michi Beck transferierte auf "Michi gegen die Gesellschaft" und "Sie ist weg" G-Funk-Sounds und Ladylover-Styles nach Stuggitown. Einer für die Frauen halt. Und einer, der die Frauen zum Deutschrap brachte. Endlich. Ich: Konzert war fein, was? Thorsten, Dan, alle da und Eißfeldts Freestyle burnte derbe. Kumpel: Yo, wie lange warste noch in der Disco? Haste noch wen klargemacht? Ich bin um zwei Uhr mit dem Taxi weg, ging gar nix mehr und die Mugge wurde trotz Fantas und Co. immer übler. Ich: Noch bis vier. Frauentechnisch lief wenig. Nächstes Mal muss es aber klappen, will wieder eine Beziehung. Kumpel: Hast ja recht. Ich möchte auch mal wissen, welcher Film auf dieser Welt einen Oscar erhält, in dem die weibliche Hauptrolle fehlt. © Laut
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Pop/Rock - Erschienen am 16. Oktober 2009 | Four Music

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Pop/Rock - Erschienen am 13. Oktober 2009 | Columbia

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Pop/Rock - Erschienen am 1. Oktober 2009 | Columbia

Schon beim Aufklappen dieses ausladenden Hochglanzalbums mit drei Discs plus Booklet bekommt man das Live-Feeling direkt fotografisch ins Gesicht geklatscht. 20 Jahre Bandgeschichte stehen bei den Fantastischen Vier mittlerweile auf der Habenseite. Da ist es nur legitim, mit Band, Chor und komplettem Orchester aufzutrumpfen, um auf dem Stuttgarter Festgelände Cannstatter Wasen mit 60.000 Freunden eine große Party zu feiern. So geschehen am 25. Juli 2009. Als Erinnerung halten wir das Livealbum "Heimspiel" in Händen, das auch als DVD erhältlich ist. Die Liebe zu Stuttgart, der Heimat der fast gänzlich weggezogenen Vier, schlägt sich nicht nur in der Wahl der Konzertlocation und dem Albumtitel nieder, sondern wird auch während des Konzerts deutlich. Sympathisch wie eh und je fallen die Kommentare und kurzen Dialoge von Michi Beck, Smudo und Thomas D aus. And.Ypsilon hält sich bekanntermaßen bedeckt. Will man das komplette Konzert nacherleben, darf es an Zeit nicht mangeln. Chronologisches Vorgehen bietet sich hierbei an. Glänzend ist nicht nur das Albumcover, sondern auch der Sound. Die Konzertatmosphäre fließt wie selbstverständlich ins heimische Wohnzimmer und katapultiert einen akustisch direkt vor die Bühne. Die ersten zwei Minuten der Auftakt-CD liefern den perfekten Einstieg und gleich ordentlich Gänsehautpotenzial. Sie gehören der umfangreichen Version des Songs "Was geht" vom '95er Album "Lauschgift". Anschließend bewegen wir uns noch weiter in die Vergangenheit: Michi Beck wird zum "Picknicker" und spätestens mit "Jetzt geht's ab" geht's dann wirklich ab. Auf den ersten Blick vermisst man keinen Song. Sowohl Chartstürmer wie "Die Da", "Sie ist Weg", "MfG" und "Troy", als auch nie ausgekoppelte Tracks à la "Neues Land" und "Liebesbrief" sind im opulenten Set vertreten. Fanta Vier reisen mit uns durch ihre komplette Bandhistorie, von Anfang bis Ende, das Ganze ordentlich durchgemischt. In orchestralem Gewand mag der ein oder andere Song jedoch etwas gewöhnungsbedürftig klingen. CD zwei liefert mit "Spießer" das beste Beispiel. Im Original ein schön entspannter Hip Hop-Song, erinnert er in seiner Live-Version stark an P. Diddys "Come With Me" vom '98er Godzilla-Soundtrack. Herr Diddy hatte sich damals am grandiosen Led Zeppelin-Track "Kashmir" bedient. Wer nur annähernd offen für Neues ist und nicht wie eine Klette am frühen Fanta Vier-Sound hängt, sollte mit derartigen Neugestaltungen gut zurecht kommen. Trotzdem: Stiege man in das Album zufällig beim Pianosolo von "Tag am Meer" ein, wähnte man sich genauso gut bei einem Jazzkonzert. Auch die Fantastischen Vier sind eben reifer geworden. Kurz: Mit dieser Dreifach-Scheibe lassen sich einige Stunden musikalisch ausfüllen, nahezu perfekt auch für trübe Momente im regnerischen Herbst. © Laut
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Pop - Erschienen am 1. Oktober 2009 | Columbia

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