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Die Alben

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Französischer Chanson - Erschienen am 22. März 2010 | Parlophone France

Auszeichnungen 3F de Télérama - 4 étoiles Rock and Folk - Sélection Les Inrocks
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Rap - Erschienen am 13. November 2009 | Parlophone France

Auszeichnungen 3F de Télérama
Manchmal drängt sich der Eindruck auf, Deutschland und Frankreich trennten Schallschutzmauern. Erstaunlich, dass man in einer zunehmend vernetzten Welt immer noch so wenig mitbekommen kann, was die Nachbarn so treiben. Von Diam's hat hierzulande bisher kaum jemand je gehört. Dabei zählt die Dame mit griechisch-zypriotischen Wurzeln in ihrer Heimat spätestens seit ihrem Album "Brut De Femme" von 2003 zu den Stammgästen auf Frankreichs Rap-Parkett. Schande über die tumben Deutschen, Schande über mich: Ein solches Ausnahmetalent hätte man hierzulande getrost früher entdecken können - zumal man Frauen, die sich im Testosteron-getränkten Hip Hop-Geschäft tatsächlich behaupten können, ohnehin mit der Lupe suchen muss. Vom zarten Weibchen bleibt Diam's so weit entfernt wie von der Queen Bitch. Statt sich in eine der beiden Schablonen zu fügen, die die Szene für Frauen bereit hält, macht sie gleich ihre eigene auf: "Un côté fille, un côté thug, un côté 'style à voter', si le rap, c'est de l'argent eh bah! J'suis la boss." "La boss" darf ebenso stehen bleiben wie der Tracktitel "I Am Somebody": Ich habe lange keinem MC lauschen dürfen, aus dessen Mund sich vergleichbare Textfluten in ähnlich zwingende Reime ergossen haben. Eine Frau war in all den Jahren noch nie darunter. Nüchtern betrachtet sprengt der Umfang ihrer Lyrics jeden Rahmen. Diam's legt ihrem Publikum Gedanken und Gefühle, ihren Werdegang und den ihrer Familie jedoch derart fesselnd zu Füßen, dass selbiges auch über mörderische Distanzen von neun, zehn Minuten gebannt an ihren Lippen hängt. Verhaltene Beats machen es möglich. Ob Pianonoten, hallende Trommelschläge und Streicher, Akustikgitarren, Percussion oder - in "Rose Du Bitume" - auch einmal Synthies: Stets unterstreichen die Instrumentals zwar die Stimmung der Texte, treten jedoch dezent hinter den Rap zurück. Diam's nutzt diese Bühne, um Beobachtungen, Erfahrungen und Eindrücke zu teilen, Höhen und Tiefen auszuloten und dabei gleichsam dichterische Fähigkeiten, exzellente Technik und unwiderstehlichen Biss an den Tag zu legen. Die im Rap-Kontext fast schon obligatorische Huldigung an die Frau Mama gerät unter ihren Händen zu einer kraftvoll vorgetragenen Lektion in jüngerer Geschichte ("Sur La Tête De La Mère"). Außenpolitische Zusammenhänge handelt Diam's gleich kenntnisreich ab, wie sie persönliche Emotionen zum Thema erhebt. Bei allem gebotenen Ernst bleibt Zeit, sich zwischendurch in "Peter Pan"-Phantasien zu flüchten oder sogar einen angedeuteten Walzer-Schritt zu wagen. Den großartigen Chorus zu "Dans Le Noir" steuert Sängerin Anahy bei. Noch so eine Französin, die man im Auge behalten sollte ... Diam's jedenfalls dürfte so schnell nicht mehr aus dem Blickfeld verlieren, wer "Si C'était Le Dernier" hinter sich gebracht hat. "Bah j'aurais souhaité la paix et j'aurais rappé dix minutes." Das soll in dieser Intensität erst einmal jemand nachmachen. © Laut