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Die Alben

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Hip-Hop/Rap - Erschienen am 1. Januar 2010 | Roc-A-Fella

Auszeichnungen Qobuz' Schallplattensammlung - Pitchfork: Best New Music - Sélection Les Inrocks
Kanye West hat zwei schwere Jahre hinter sich. Erst das belächelte, stellenweise gezwungene "808's & Heartbreak", dann der Eklat bei den MTV Music Awards 2009, als er Taylor Swift während ihrer Dankesrede unterbrach und öffentlich Beyoncé als wahre Siegerin der Kategorie "Best Female Video" feierte. Der Vorfall passte ins Bild des arroganten Schnösels, dem der phänomenale Erfolg der ersten Alben zu Kopf gestiegen ist. Für seinen Charakter wird Kanye West schon lange nicht mehr geliebt. Für sein musikalisches Schaffen dafür um so mehr. Seit Jahren erstaunt er den geneigten Hörer mit bis zur Perfektion zusammengeschraubten Samples. Eine Vollkommenheit, die so unantastbar ist, dass sie mittlerweile beinahe langweilig wirkt. Gestriegelte Eintönigkeit ist wohl der Nenner, unter den sich seine letzten beiden Platten am ehesten subsumieren lassen. Zeit, der Welt etwas zu schenken, was sie aus den Socken haut, mag sich der Geschmähte in seinem Exil auf Hawaii nun gedacht haben, nachdem ihn selbst US-Präsident Obama als "Idioten" bezeichnete. Zeit, der Welt "My Beautiful Dark Twisted Fantasy" mitzuteilen. Zeit, der Welt das Rohe in Kanye West zu offenbaren. Vorweg: Die Phase, in der der Meister vermeintlich innovative, minimalistische Beats samt Autotune-Gefrickel baute, sind vorerst vorüber. "My Beautiful Dark Twisted Fantasy" ist protziger als seine Vorgänger. Die Platte wirkt auf den ersten Blick weniger durchdacht, eher plump ("Monster"), teilweise aggressiv einfordernd ("Power ft. Dwele"), dann wieder zuckersüß entspannt ("Blame Game ft. John Legend"). Selbstverständlich kennt auch das neueste Werk in Wahrheit keine Zufälle. Jede der 4116 Sekunden unterliegt dem Kalkül, den Hörer eiskalt zu überrollen. Verzerrte E-Gitarren wechseln sich mit Geige und Piano ab, Fanfaren, wenn nötig knarzende Synthies – Kanye West ist sich in seinem Schrei nach Aufmerksamkeit für nichts zu schade. Und er gewinnt: Den Hörer mit seinen rumpelnden Bässen und Drums, den Respekt der Masse mit einer weiteren Scheibe, die fern jeder Kritik liegt. Denn sie genügt universellen Ansprüchen. Poppig genug, um den durchschnittlichen Hörer nicht zu verschrecken, mit gesundem Abwechslungsreichtum, um den Kenner zu begeistern und so atmosphärisch, dass sie beide fesselt. Zwischen typischen Feature-Rap-Tracks der alten Schule wie "Monster" mischen sich pathetische Epen, wie das von einem schweren Manfred Mann-Sample getragene "So Appelled". Auf Hymnen wie "Runaway ft. Pusha T" folgen dröhnende, absichtlich übersteuerte Titel wie "Hell Of A Life", neben den Rap-Megastars RZA und Jay-Z reiht sich Indie-Folker Bon Iver ein. Nach dem oberflächlichen R&B-Püppchen Rihanna ("All Of The Lights") melden sich tiefsinnige Poeten wie Gil Scott-Heron zu Wort ("Who Will Survive In America"). "My Beautiful Dark Twisted Fantasy" ist so widersprüchlich wie Kanye Wests Ruf. Erst zusammengepuzzelt ergibt die Platte ein wirklich vollkommenes Bild – dieses Mal ohne gestriegelt oder eintönig zu sein. © Laut
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Hip-Hop/Rap - Erschienen am 1. Januar 2013 | Rock The World - IDJ - Kanye - LP6

Auszeichnungen Qobuz' Schallplattensammlung - Pitchfork: Best New Music
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Hip-Hop/Rap - Erschienen am 30. August 2005 | Roc-A-Fella

Auszeichnungen Qobuz' Schallplattensammlung
Vor etwa 15 Monaten YEvolutionierte Kanye West die Hip Hop-Welt. "The College Dropout" schlug ein, verkaufte sich mehrere Millionen Mal, sackte etliche Awards ein und machte den Louis Vuitton Don zum meistgefragten Produzenten des Hip Hop/Pop-Zirkus (Kostenpunkt: schlappe 100.000 $ pro Beat). Jetzt ist Zeit für "Late Registration" – sein zweites Album. Und eines ist ganz schnell klar: Mr. West hat sich weiter entwickelt. Dabei ist Vieles beim Alten geblieben: das College-Thema, der Bär auf dem Cover, die illustren Gäste und Titelstorys gleichermaßen in Fachmagazinen wie der JUICE und in Genre-fremden Blättern wie dem TIME Magazin. Eines hat sich jedoch gewaltig verändert: der Sound des etwas überheblich wirkenden Chicagoers mit dem verschobenen Kiefer. War das Debüt noch so exakt auf den Hip Hop-Punkt gebracht, dass es sich zum Lieblingsalbum von Conscious-Rap-Fanatikern UND Jiggy-Rap-Verfechtern mausern konnte, reißt Kanye diesmal mit frechem Selbstverständnis konsequent die Genre-Grenzen ein. Natürlich war schon davor klar, dass sich ein Kanye West genauso wenig um Genre-Grenzen und Rap-Dogmen schert, wie um seine Rechnung bei Jakob the Jeweler. Mittlerweile erhebt der Roc-A-Fella-Hausproduzent allerdings den Anspruch, epochale Musikstücke zu schaffen, auf den Spuren von Quincy Jones gewissermaßen. Ganz selbstverständlich gibt er als seine zwei wesentlichen Einflüsse auf "Late Registration" Fiona Apple und Portishead an. Das hört sich ziemlich außergewöhnlich an? Ist es auch! Hilfe für diese Aufgabe holte er sich bei Jon Brion. Der Multiinstrumentalist hat mit pompösen Drum- und Streicherarrangements seine Finger bei den eindrucksvollsten Tracks der Platte im Spiel. Etwa bei "Heard 'Em Say" – einer verträumt-genialen Liebesballade, die nicht nur aufgrund der Zusammenarbeit mit Adam Levine von Maroon 5 schlicht und ergreifend Popmusik ist. Unbeschreiblich gute Popmusik! Kanye West macht's möglich. "Roses" – ein traurig-fesselnder Song für die im Sterbebett liegende Großmutter, schlägt in genau die gleiche musikalische Kerbe. Auf "Bring Me Down" begeistert Kanye mit Brandy und einem 29-köpfigen Orchester in einer R'n'B-Nummer, die sich weitab des Genre-typischen Einheitsbreis behauptet. Und es geht weiter: ein Etta James-Sample gibt dem düsteren "Addiction" eine faszinierend traurige Note, während Ray Charles und sein wiedergeborenes Ich Jamie Foxx "Gold Digger" zu einem unverschämt sympathischen Jazz-Rap-Track machen. Die angesprochenen Songs weisen die Richtung für zukünftige Popmusik. Natürlich hat Kanye aber mehr zu bieten. In die Vergangenheit entführt der einzige nicht von Kanye produzierte Beat "Touch The Sky". Just Blaze versieht dabei die Drums des Curtis Mayfield-Klassikers "Move On Up" mit ein wenig mehr Druck, lässt das Meisterstück aber fast im Original über die Spuren laufen. Was bei Just Blaze und Curtis Mayfield wunderbar funktioniert, gelingt Meister West selbst leider nicht. Er versucht sich an Gil Scott-Herons Supernummer "Home Is Where The Hatred Is", schraubt dabei aber die Geschwindigkeit so weit runter, dass nicht einmal Common den Track retten kann. Neben der Liebeserklärung an die Mutter ("Hey Mama") der einzige Ausfall auf "Late Registration". Doch auch Rapmusik ohne Kompromisse hat Kanye – Gott sei Dank – auf dem Album. Alle voran marschiert das unter die Haut gehende "Crack Music". Black Power-Kult auf Marschtrommeln, dazu immer wieder zwei beschwörende Sätze von Kollaborateur The Game: "That's that crack music, Nigga. That real black music, Nigga!" Großartig. In der gleichen Liga spielen vier weitere Tracks, obwohl sie nicht an die Intensität von "Crack Music" heranreichen: "Diamonds From Sierra Leone" mit Jay-Z, "We Major" mit Nas, "Drive Slow" mit Paul Wall und "Gone" mit Cam'Ron. Bei den Namen der Gäste sollte sich jede weitere Erklärung erübrigen. Um bei all dem Lob schließlich zu einem Ende zu kommen, sei so viel gesagt. "Late Registration" präsentiert sich zu kompakt und zu vielschichtig, um nur im Rap-Zirkus für Furore zu sorgen. Kanye West muss mit all seiner Großspurigkeit und Genialität endgültig auf das Schlachtfeld der Popmusik entlassen werden, um dort mal richtig aufzuräumen. Hip Hop sollte sich nicht dagegen wehren. Hip Hop sollte stolz darauf sein, ein solches Talent hervorgebracht zu haben. © Laut
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Hip-Hop/Rap - Erschienen am 11. September 2007 | Roc-A-Fella

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Hip-Hop/Rap - Erschienen am 25. Oktober 2019 | Rock The World - IDJ - Kanye LP7

Hi-Res
Es wäre kein Kanye West-Album, wenn es nicht im Vorfeld schon wieder so viel Brimborium gegeben hätte, dass man einer Kritik am liebsten drei Seiten Präambel voraus schicken würde: Der Mann, der an diesem Punkt zu drei Prozent aus Zellhaufen und zu 97 Prozent aus fleischgewordenem Spektakel besteht, hat also zu Gott gefunden. Seit einem Jahr predigt Kanye Woche für Woche einen Sunday Service samt Gospelchor und prominenten Gästen, bezeichnet Rap inzwischen als die Musik des Teufels und verspricht, sein altes Material vorerst nicht mehr anzurühren. Ein neues Album solle ein Gelübde darstellen. Einen Schwur. Die Wiedergeburt. Ab 2019 heißt es bei Kanye nur noch "Jesus Is King". Wir wussten natürlich alle, dass dies Blödsinn ist, an den er sich in höchstens drei Monaten nicht mehr halten wird. Kanye ist nachweislich der impulsivste und inkonsequenteste Superstar unserer Zeit. Und mit dem neuen Album hat er es geschafft, das geballte Chaos, den furchtbaren Rollout und die komplett verhunzte Infopolitik seiner Vorgängeralben "The Life Of Pablo" und "Ye" noch einmal zu unterbieten. Drei Mal verschoben, ein komplettes Album geleakt und schräg recyclet, seine seltsamsten Aussagen nicht revidiert und dazu mit fragwürdigem Gedankengut noch mal ordentlich auf den Putz gehauen: Ja, da lag viel im Argen, bevor "Jesus Is King" das Licht der Welt erblickte. Fans wie Kritiker waren sich schnell einig. Dieses Mal hat Ye so richtig reingeschissen - ein absoluter Rohrkrepierer. Es wäre kein Album von Kanye West, wenn man nicht ein langes Vorgeplänkel bräuchte, bevor man überhaupt ein Wort über die Musik schreibt. Denn jede einzelne Information ist absolut und essentiell notwendig, um Impact, Probleme und Potential dieser Platte zu verstehen. "Jesus Is King" wurde im Sturm der Hot Takes geboren, ist aber bei Leibe kein Album, das man vorschnell aburteilen sollte. Denn bringt man einige Tage Geduld auf, hat es vieles anzubieten. Das Problem ist, dass die Schwächen der Platte nicht nur auffällig sind, sondern an so irritierenden Stellen zu Tage treten, dass sie in ihrer absurden Inkompetenz kaum zu erklären sind. Zum einen merkte man Nummern wie "Selah" oder "On God" schon am Releasetag an, dass wir Mixdowns auf Demolevel hören. Ein Album, das durch die Hände von Timbaland, Kanye, Mike Dean und einer ganzen Schar Profimusikern gegangen ist, sollte nach einem Jahr Gärzeit nicht so klingen. Schlimmer noch: Auch das Niveau des Songwritings vieler Nummern bleibt unerklärlich niedrig. Von dreizehn Titeln schafft es kaum einer über die Drei-Minuten-Marke. Auch das Pacing ist ein Desaster. Allein der Anfang fühlt sich mehrmals an, als würde das Album willkürlich abgewürgt und ein anderes angefangen. Nur weil Instrumente inhaltlich zusammenpassen, bedeutet das nicht, dass es einen Funken dramaturgischen Sinne ergibt, wenn nach dem nach einer Minute abrupt abgeschnittenen Gospelchor von "Every Hour" plötzlich eine melodramatische Kirchenorgel einsetzt ("Selah"). Dieser Fakt lähmt besonders die zweite Hälfte von "Jesus Is King" und irritiert immens. Die Nummern "Everything We Need", "Water" und "God Is" purzeln so unkoordiniert ineinander, dass man meinen könnte, man höre die Christian Rap-Radio-Playlist im Shufflemodus und nicht das Album eines der renommiertesten Album-Artists der Hip Hop-Geschichte. Das tut gerade eingefleischten Kanye-Fans weh. Zuletzt bleiben nur noch die Lyrics, die verständlicherweise viele Fans abschreckten. Es wäre schon schlimm genug, dass hier geballter Jesus-Talk wie alttestamentarische Heuschrecken auf unvorbereitete Ungläubige niederhagelt. Es ist beizeiten aber auch dämlicher Jesus-Talk - ohne Witz, ohne Selbstreflektion und ohne viel Detail. Dafür mit 'Chick-Fil-A', Repetition und blödsinnigen Rechtfertigungen seiner Klamottenpreise. So weit, so düster sieht es aus bezüglich Kanyes Track Record. Es gibt wohl kaum jemanden, der sich nach den ersten Hördurchgängen auf dem Durchschnittslevel seiner Diskographie wähnt. Trotzdem: Ein bisschen erkennt auch jeder an, dass die Ideen da sind. Die Sounds sind da. Und tatsächlich bleiben eine ganze Menge Momente auf "Jesus Is King" hängen, krallen sich im Gedächtnis fest und hallen noch eine ganze Weile nach. Zum Beispiel die psychedelische Zugkraft im Pi'erre Bourne-Instrumental "On God". Die angelischen Vocal-Layers auf "Water" oder "Everything We Need". Der verspulte, trippige Beat von "Use This Gospel", auf dem auch die Clipse-Brüder Pusha T und No Malice zusammenfinden, bevor ein spektakuläres Kenny G-Solo den Song in die Stratosphäre schickt. Momente, wie sie nur Kanye zusammenführen kann. Es ist dennoch tragisch, denn der Kopf sucht intuitiv nach dem besseren Album, das "Jesus Is King" hätte sein können, gäbe es da nur ein paar dieser offensichtlichen Baustellen nicht. Wenn es doch nur ein paar ausgefeiltere Outros und Übergänge gegeben hätte, wenn ein paar Verses etwas genauer raffiniert wären. Aber genau wie das ganze Drama im Vorfeld der Platte sein musste, sollte man diesen Instinkt für einen Moment abstellen und einfach mal hinhören - und die Momente, die eindrucksvoll klingen, häufen sich bei jedem Durchlauf. Auf einmal zeigen auch "Selah" und "Closed On Sunday" eine imposante Entwicklung auf. Die statischen Songs weisen plötzlich eine subtile Atmosphäre auf. "Follow God" könnte ein Raptrack auf "College Dropout" sein, der minimale Sample-Loop ist die perfekte Grundlage für einen Kanye, der hungrig wie eh und je rappt. "God Is" und "Hands On" verschieben auf stille Art und Weise Klang und Momentum ihrer Loops nach vorne. "Use This Gospel" ist geradeheraus ein Banger, der ins Unermessliche wächst, gewöhnt man sich erst einmal an den Mix der Pusha-Vocals und die etwas abrupten Übergänge. Nicht zum ersten Mal löst Kanye mit einem Album einen immensen Backlash aus. Schon "808s & Heartbreak" und "Yeezus" polarisierten ähnlich. "Jesus Is King" teilt hier ein paar Elemente, einige aber nicht. Zum einen sind es diesmal nicht nur Innovation und die Radikalität des Statements, die die Hörer abschrecken. Die Platte hat objektive Probleme, Fehler und Schwächen, die nicht wegzudiskutieren sind. "Jesus Is King" klingt wie ein Album, das einen Monat vor Fertigstellung veröffentlicht wurde. Gleichzeitig wünscht man sich auch nicht, dass die radikalen Elemente so viel Einfluss bekommen wie die seiner früheren wegweisenden Alben. Autotune, Melancholie und Industrial-Electro sind schöne und wichtige Taktgeber. Penibler, peinlicher Jesus-Talk und modernisierter Gospel sind dagegen nichts, was der Mainstream unbedingt adaptieren müsste. Und doch kann man ganz vorsichtig unterstellen, dass "Jesus Is King" nicht halb so schlecht altern wird, wie es den Anschein hat - ein faszinierendes Album. Der Sound bleibt nach wie vor auf dem Level von Kanyes Reputation. So viele Stellen sind markant, kreativ, einprägsam und funktionieren wahnsinnig gut. Es gibt kaum einen Hip Hop-Artist, der so viele musikalische Einfälle auf so dichtem Raum präsentiert. Hört man "Jesus Is King", wird man einen Vibe bemerken, den kein anderes Album da draußen bietet. Man findet musikalische Momente, die unorthodox, absolut starrsinnig und doch unglaublich effektiv klingen. Es gibt so vieles zu lieben, wie es zu kritisieren gibt. Doch kommt man nicht umhin, die Platte für ihre Schrägheit zu bewundern. "Jesus Is King" ist ein Event, der im Grunde jedes Urteil irgendwie rechtfertigen würde. Ob man das Album mag, hängt am Ende des Tages von nichts anderem ab als davon, wie sehr man sich darauf einlässt. © Laut

Hip-Hop/Rap - Erschienen am 10. Juni 2016 | Rock The World - IDJ - Kanye LP7

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Kanye West hat es nicht leicht. Das impulsive Großmaul ist der personifizierte Alptraum eines jeden PR-Beraters, ein gefundenes Fressen für den Boulevard. Ein Genie im Größenwahn mit zu vielen Möglichkeiten, diesen öffentlich auszuleben. Der ewig Missverstandene verkörpert den Zwiespalt. Zeitgleich ist er der einflussreichste und dabei meist verspottete Künstler des Planeten. Mit Jesus-Vergleichen, Interview-Ausrastern und dem denkwürdigen VMA-Bühnencrash erarbeitet sich Yeezy über die Jahre seinen Ruf als unberechenbare Diva. Die Gewissheit, mittlerweile alle Register des Großmeisters der Selbstinszenierung durchschaut zu haben, zerbröselt Ye im Zuge der Veröffentlichung seines siebten Albums mal eben mit dem kleinen Finger. Twitter-Schimpftiraden gegen Wiz Khalifa, großspurige Versprechen vom "besten Album aller Zeiten" und die Absolution Bill Cosbys gipfeln in einer absurden Releaseparty im Madison Square Garden. West spielt 20.000 zahlenden Fans eine unfertige Version seines Albums am Laptop vor. Die Promophase für "The Life Of Pablo" ist ein Geniestreich mit Tücken. Die unzähligen Titel- und Tracklist-Änderungen generieren zwar den beabsichtigten Medienrummel. Sie suggerieren aber gleichzeitig das Bild eines Kanye West, der kurz vor Klausurabgabe in Panik wild Zeilen durchstreicht, umstellt und den letzten Absatz in unleserlicher Schrift aufs Papier schmiert. Es handelt sich dabei aber immer noch um eine Klausur von Kanye West, und der gilt, zumindest was Musik angeht, eben nicht als der rebellische Letzte-Reihe-Bankdrücker, für den er sich gerne hält. Er ist vielmehr ein obsessiver Streber, der einfach nie mit seinem Werk zufrieden ist. West polarisiert nicht nur wegen seines aufgeblähten Egos. Seine Musik spaltet in regelmäßigen Abständen das Brett vor dem Kopf der Popwelt, lenkt sie und führt sie in unergründete Gefilde. "The Life Of Pablo" rüttelt am Fundament des Elfenbeinturms, in den sich West mit "Yeezus" vor drei Jahren zurückzog. Statt zu verstören und dabei vorauszudenken, vereint "TLOP" die künstlerische Vision von Kanye West in all ihren Facetten: die samplelastige Hitverliebtheit von "The College Dropout" und "Late Registration", die tanzbaren "Graduation"-Banger, die Autotune-Traurigkeit von "808's & Heartbreak", die "MBDTF"-Fieberträume und die Elektro-Rebellion von Yeezus. "The Life Of Pablo" sprüht vor Ideenreichtum, Kreativität und Detailverliebtheit, nur steht Yes unbedingter Wille zum Perfektionismus der Vollkommenheit im Weg. Statt die Attribute in ein einzelnes Reagenzglas zu destillieren, mischt Yeezy einen launiges Gebräu, das mal explodiert wie geschütteltes Nitroglycerin, mal aber auch im Raum verpufft wie ein mit Helium gefüllter Ballon. "This is a God dream." Der Opener "Ultralight Beam" ist ein großartiges Stück Musik. Über zurückhaltende Drums und sanfte Orgeltöne croont sich Yeezy gen Himmelspforte, bis Chance The Rapper übernimmt und einen perfekten Part abliefert, der schließlich in monumentalen Chorgesängen seinen Höhepunkt findet. "Now if I fuck this model / And she just bleached her asshole / And I get bleach on my T-Shirt / I'mma feel like an asshole." Der Vergleich mit "Father Stretch My Hands Pt. 1" spiegelt den Charakter der Platte wie kein anderer: Neben nahezu perfekten Musikstücken finden sich immer wieder unentschiedene, ständig die Richtung wechselnde Songskizzen. Der auf 18 Anspielstationen angeschwollenen Tracklist hätte eine Abspeckkur gut getan: "Facts" bleibt auch in der Charlie Heat-Version immer noch ein uninteressanter Schuhhersteller-Disstrack. "Silver Surfer Intermission" dient lediglich als kindliche Rechtfertigung eines ehemaligen Albumtitels. "Low Lights" und der manische "Freestyle 4" wirken schlicht überflüssig, während der Skit "I Love Kanye" wenigstens mit Meta-Humor Kanyes Image aufs Korn nimmt: "What if Kanye made a song about Kanye? Called 'I Miss The Old Kanye', man that would be so Kanye." Alles, das sonst noch so Kanye ist, zeigt uns Mr. West auf den restlichen zwölf Tracks in Paradeform. Kanye ist ein Sample-Gott. Er sampelt nicht einfach nur Songs, sondern steigt in sie hinein, um ihnen neues Leben einzuhauchen. Auf "Famous" trällert Rihanna erst die Hook von Nina Simones "Do What You Gotta Do", bevor einem die wunderschöne Version von Sister Nancys "Bam Bam" die eingängigsten Sekunden des Albums beschert. "Fade" wiederum holt die Yeezus-Sirenen zurück und vereint "Mystery Of Love" von House-Legende Larry Heards mit Rare Earths "I Know I'm Losing You" zu einem Club-Banger mit Post Malone-Autotune-Geleier. Kanyes größte Stärke steckt in seiner Rolle als Maestro mit goldenem Gehör, der ein ganzes Ensemble an Gästen zu Höchstleistungen dirigiert. Die singen auf "TLOP" nicht einfach nur Hooks oder rappen Gastverse. Sie verschmelzen zu einem Gesamtkunstwerk, in dem sich selbst Chris Brown auf dem – dank Chance The Rapper zum Glück vorhandenen – Waves" nicht hinter The Weeknd und Frank Ocean verstecken muss. Madlib koexistiert ganz natürlich neben Metro Boomin, Hudson Mohawke und Swizz Beatz. Selbst Ty Dolla $ign klingt plötzlich interessant. Dinge, die wohl nur auf einer Kanye-Platte möglich sind. "I've been outta my mind a long time." Neben dem üblichen, mal mehr mal weniger unterhaltsamen Douchebag-Gehabe ("I feel like me and Taylor might still have Sex") zeigt sich Kanye vor allem ehrlich, verletzlich und offen: In "Pt. 2" erinnert sich Yeezy an die Scheidung der Eltern, den Tod seiner Mutter und seinen Autounfall. "FML" thematisiert den inneren Kampf um Selbstkontrolle und Treue gegenüber seiner Frau. "Real Friends" ist eine introspektive Beobachtung der Beziehungsprobleme als Vater, Freund und Ehemann, die immer wieder wegen Wests hektischem Lifestyle als Super-Celebrity aufleben. Im Gegensatz zum Vorgänger wirkt Kanye fast schon unbekümmert und zufrieden: Der zweifache Vater und glückliche Ehemann spürt kaum noch etwas von der rebellischen Wut, die ihn auf "Yeezus" Wheelies auf dem Zeitgeist ziehen ließ. "The Life Of Pablo" ist, genau wie seine chaotische Promophase, ein Geniestreich mit Tücken. Wo auf "Yeezus" der Wunsch, geliebt und anerkannt zu werden, nur durchschien, springt er einem auf Yeezys siebter Platte ins Gesicht: Mr. West kapituliert vor Kritikern und Fans, zitiert sich durch seine eigene Diskographie und verzichtet dafür auf die große Revolution der Vorgänger. Fast, aber eben nur fast, hätte Kanye West hier sein persönliches "White Album" abgeliefert. © Laut
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Hip-Hop/Rap - Erschienen am 10. Februar 2004 | Roc-A-Fella

Mächtige Gospel-Chöre und live eingespielte Violinen weben sich um gepitchte Soul-Samples, perfekt produzierte Bassdrums wechseln sich mit vielschichtigen Clap-Snares ab: Hurra, hurra, Kanye West ist da. Alle Studiospulen ausnutzend, reiht der Jay-Z-Produzent Hit an Hit. Mit Twista bekennt er sich auf "Slow Jamz" zu schweißtreibender Bettaction. "Die langsamen Beckenbewegungen" schwingen bereits munter im Kreis der imaginären Hip Hop-Hall Of Fame. Viele andere Kanye-Songs warten vor der Tür. Allen voran das mächtige "Jesus Walks". Der Track zieht mit einem "Walk With Me" intonierenden Arc Choir und aufheulenden Gitarrenriffs eine Schneide durchs Rapgame wie Moses durchs Rote Meer. Eine gerne benutzte Floskel, doch wer zudem noch Zeilen wie "So here go my single dog radio needs this. They say you can rap about anything except for Jesus. That means guns, sex, lies, video tapes. But if I talk about God my record won't get played Huh?", droppt, darf durch das Hip Hop-Himmelstor. Mit einem angenehm warmen Flow fließt sein ehrlich und herrlich ironisches Storytelling wie Wasser oder besser Wein über die komplexen Soul-Tunes. Lyrischer Mittelpunkt des Album ist Kanyes dritte Strophe auf "All Falls Down". Über ein gleichnamiges, süchtig machendes Lauryn Hill-Sample spricht, nein predigt er die Wahrheit: "I say fuck the police, thats how I treat em. We buy our way out of jail, but we can't buy freedom. We'll buy a lot of clothes when we don't really need em. Things we buy to cover up what's inside. Cause they make us hate ourself and love they wealth. That's why shortys hollering "where the ballas' at?" Drug dealer buy Jordans, crackhead buy crack. And a white man get paid off of all of that. But I ain't even gon act holier than thou. Cause fuck it, I went to Jacob with 25 thou. Before I had a house and I'd do it again. Cause I wanna be on 106 and Park pushing a Benz. I wanna act ballerific like it's all terrific. I got a couple past due bills, I won't get specific. I got a problem with spending before I get it. We all self conscious I'm just the first to admit it." Goldhändchen West stellt sich dar als das lang ersehnte Bindeglied zwischen Rucksack- und Jiggy-Rapper. Sein Feldzug gegen das College-System tritt in den Hintergrund. Entdecker Jay-Z hatte jene Annährung zwischen den Hip Hop-Fronten auf seinem "Black Album" bereits vorsichtig probiert, sein Produzent führt den Weg mit Kuscheltierkopf-Cover und Alternativklamotten weiter. Erst recht, wenn auf dem zurückgelehnten "Spaceship" ein so genial homogen eingesetztes Marvin Gaye-Sample erklingt. Der Soul trieft aus allen Ecken und Enden, nur dass es jene Ecken im West'schen Soundkunstwerk nicht gibt. Sauber wie unter Quarantäne produziert, avanciert jeder Song zum achten Weltwunder. "Never Let Me Down" und "Through The Wire" zum Beispiel, wo Michael Bolton beziehungsweise Chaka Khan in luftige Höhen gepitcht werden. "Breathe In Breathe Out" befriedigt als bounciges Abendmahl alle Clubgänger. Das heilige Album gipfelt im epochalen, neunminütigen "Last Call", auf dem Kanye in Spoken Words-Manier seine Karriere, seine Geschichte erzählt. "The Kid that made that deserves that Maybach." Nuff said! © Laut
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Hip-Hop/Rap - Erschienen am 1. Januar 2008 | Roc-A-Fella

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Hip-Hop/Rap - Erschienen am 1. Juni 2018 | Getting Out Our Dreams, Inc. - Def Jam Recordings

Hi-Res
"Loving you is complicated". Diese Kendrick Lamar-Line ging mir in den letzten Wochen sehr oft durch den Kopf. Ich bin Kanye-Fan. Und einmal mehr lässt er nicht einfach die Musik für sich stehen, sondern macht es unnötig kompliziert. Natürlich ist es unmöglich, das Drama um seinen Namen auszublenden, wenn es in den Roll-Out eines neuen Projektes geht, immerhin weiß niemand genauer als er selbst, dass die Persona des "neuen Kanye" ein dynamisches Produkt seines medialen Phänomens ist. Kanye existiert in einer radikalen Wechselwirkung zum Melodrama, das er wieder und wieder verursacht. Es wäre zu leicht, Aussagen wie "Sklaverei war eine freie Wahl" und "Ich und Donald Trump sind Brüder, wir haben beide Drachenenergie" an derselben Stelle seines Herzens zu suchen, von wo aus bereits Sätze kamen wie "George Bush kümmert sich nicht um schwarze Menschen", "Beyoncé hat eines der besten Musikvideos aller Zeiten gedreht" und "Mark Zuckerberg, du musst 50 Millionen Dollar in Kanye-Ideen investieren". Aber es wäre auch zu einfach, das nicht zu tun. Gerade aufgrund der ersten Rapline des Tapes: "I called up my loved ones, I called up my cousins / I called up the Muslims, said I'm 'bout to go dumb". Kanye hat keinen Filter, absolut keine Selbstbeherrschung und lebt die absolute, impulsive Spontaneität. Heißt nicht, dass jeder seiner Gedanken intellektuell oder geistreich ausfällt. Aber es ist ein Testament eines der authentischsten und transparentesten Künstlern unserer Zeit. Das drückt sich auch auf diesem sieben Tracks starken Album aus, das nicht nur einen der intimsten, verwundbarsten Blicke auf Kanye wirft, sondern ihn auch so rap-lastig zeigt wie vielleicht seit "The College Dropout" oder "Late Registration" nicht mehr. Schon die Eröffnung "I Thought About Killing You" kehrt derart schonungslos die finstersten Winkel seiner Gedankenwelt nach außen: "I thought about killing myself, and I love myself way more than I love you / So ... today I thought about killing you". Mit einem verzerrten, fast an Ambient erinnernden Vocal-Sample und einer reduzierten Spoken Word-Delivery entwickelt der Track sich fast zu etwas, das man als invertierten "Ultralight Beam" bezeichnen könnte. Ein Minimalismus, der sich auch durch die zwei kommenden Tracks zieht. "All Mine" und "Yikes" klingen wie eine Synthese der "Yeezus" und "808s & Heartbreak"-Äras. Das Zusammentreffen von schroffen Synthesizer-Betten mit melodischen Hooklines nutzt er, um Kanye nach dem erschlagenden Intro direkt weiter zu dekonstruieren. "Yikes" präsentiert einen inkohärenten Verse über Gedanken und Erfahrungen mit psychedelischen Drogen und setzt sich vage mit psychischer Erkrankung auseinander, während "All Mine" noch dichter und direkter als selbst Songs wie "Famous" Kanyes Verhältnis zu Sexualität und Liebe als etwas animalisches und problematisches darstellt. Auch wenn die schräge Hook von Newcomer Valee und Kanyes höchst absurder Punchline-Rap ("Let me hit it raw like fuck the outcome / Ayy, none of us'd be here without cum") für einen der gewöhnungsbedürftigeren Tracks des Albums sorgen. Der dominante Minimalismus, die unpolierte Produktion und der überraschend radikale Fokus auf eine ungeschönte Selbstdarstellung Kanyes sorgen an dieser Stelle dafür, dass "Ye" einmal mehr alle Erwartungen an ein Album des Mannes über den Haufen wirft. Statt ausuferndem Songwriting, hochkarätigen Features und Soul gibt es kalte Synthesizer, höchstens Gäste aus der zweiten Reihe und Aussagen über die eigene Bipolarität. Und gerade, wenn man sich an diesen Zustand gewöhnt hat, wechselt Kanye in wesentlich vertrauteres Fahrwasser. Weg von seiner eigenen Person, hin zu seinen engsten Vertrauten, denn auf "Wouldn't Leave" und "No Mistakes" klingt es so, als würde er sich bei Ehefrau Kim Kardashian für die eigenen Verfehlungen entschuldigen. "My wife callin', screamin', say we 'bout to lose it all / Had to calm her down 'cause she couldn't breathe / old her she could leave me now, but she wouldn't leave/", heißt es da, bevor eine melancholische Jeremih-Hook den Track in altbekanntes Soul-Terrain schickt. Überraschenderweise ist das hinterlassene Gefühl dieser Tracks vor allem eine aufrichtige Dankbarkeit an die Menschen, die dem Rapper auch an seinen drogen- oder krankheitsinduzierten Tiefpunkten nicht den Rücken gekehrt haben. Ein versöhnlicher Moment für den vermeintlich so egozentrischen Kanye, der prompt darauf noch einen drauflegt: "Ghost Town" ist der intensive Höhepunkt der Platte, eine Nummer, die problemlos mit den höchsten Höhen von "My Beautiful Dark Twisted Fantasy" mitspielt. Eingeleitet von PARTYNEXTDOOR und Kid Cudi trifft hier Kanyes vielleicht beste Gesangs-Performance seiner Karriere auf einen ergreifend gesungenen Gänsehaut-Part von Newcomerin 070 Shake, die kurz zuvor von GO:OD Music aus der halben Obskurität gesignt wurde. "I put my hand on a stove, to see if I still bleed, yeah / And nothing hurts anymore, I feel kinda free / We're still the kids we used to be": Das ist Chance The Rapper auf "Ultralight Beam"-Level, Nicki Minaj auf "Monster"-Level, Rick Ross auf "Devil In A New Dress"-Level und ein unwiderrufliches Zeugnis davon, dass Kanye seinen magischen Touch, Musikern eine 200-Prozent-Performance abzuringen, immer noch nicht verloren hat. Mit "Violent Crimes" endet "Ye" mit einer einfühlsamen Ballade an die eigenen Töchter und die damit einhergehende Veränderung des eigenen Frauenbilds. Nicht das originellste Konzept und ein bisschen patriarchalisch, aber auch ein bisschen süß und von Herzen glaubhaft. In Sachen Zugänglichkeit unterbietet dieses neue Album vielleicht sogar noch einmal das schon sehr chaotische "The Life Of Pablo". Nach dem TMZ-Interview habe Kanye große Teile des Albums noch einmal komplett überarbeitet, gerade einmal 24 Minuten Spielzeit bringt es auf die Waage. Und dazu noch eine sehr eigenwillige, unterkühlte und auf Themen wie Drogenmissbrauch, Bipolarität und Sexismus fokussierte Einleitung in ein Projekt, das erst in der zweiten Hälfte zu einem wirklich warmherzigen und optimistischen Blick auf sein Leben avanciert. Gerade dank der kurzen Spielzeit und der großen Palette an Ideen und Sounds, die sich erst nach und nach wirklich offenbaren, entwickelt sich "Ye" zu einer der interessantesten und vielschichtigsten Erfahrungen des bisherigen Jahres. Gewissermaßen zu einer Synthese des alten und neuen Kanyes. Gleichzeitig der Superstar, das Medienphänomen, aber auch die Introspektion, die Soul-Samples und die entwaffnende Verwundbarkeit. Highlights wie "Yikes", "Violent Crimes" und allen voran das unglaubliche "Ghost Town" stehen für sich – und auch die eigenwilligeren Tracks wachsen mit jedem Hören verdammt schnell. Ob die Platte Kanyes fragwürdige Aussagen in Perspektive rückt oder vielleicht sogar entschuldigt, entscheidet letztlich jeder Hörer für sich. © Laut
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Hip-Hop/Rap - Erschienen am 30. Juni 2020 | Getting Out Our Dreams II - Def Jam Recordings

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Hip-Hop/Rap - Erschienen am 1. Januar 2007 | Roc-A-Fella

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Hip-Hop/Rap - Erschienen am 1. Januar 2010 | Roc-A-Fella

Kanye West hat zwei schwere Jahre hinter sich. Erst das belächelte, stellenweise gezwungene "808's & Heartbreak", dann der Eklat bei den MTV Music Awards 2009, als er Taylor Swift während ihrer Dankesrede unterbrach und öffentlich Beyoncé als wahre Siegerin der Kategorie "Best Female Video" feierte. Der Vorfall passte ins Bild des arroganten Schnösels, dem der phänomenale Erfolg der ersten Alben zu Kopf gestiegen ist. Für seinen Charakter wird Kanye West schon lange nicht mehr geliebt. Für sein musikalisches Schaffen dafür um so mehr. Seit Jahren erstaunt er den geneigten Hörer mit bis zur Perfektion zusammengeschraubten Samples. Eine Vollkommenheit, die so unantastbar ist, dass sie mittlerweile beinahe langweilig wirkt. Gestriegelte Eintönigkeit ist wohl der Nenner, unter den sich seine letzten beiden Platten am ehesten subsumieren lassen. Zeit, der Welt etwas zu schenken, was sie aus den Socken haut, mag sich der Geschmähte in seinem Exil auf Hawaii nun gedacht haben, nachdem ihn selbst US-Präsident Obama als "Idioten" bezeichnete. Zeit, der Welt "My Beautiful Dark Twisted Fantasy" mitzuteilen. Zeit, der Welt das Rohe in Kanye West zu offenbaren. Vorweg: Die Phase, in der der Meister vermeintlich innovative, minimalistische Beats samt Autotune-Gefrickel baute, sind vorerst vorüber. "My Beautiful Dark Twisted Fantasy" ist protziger als seine Vorgänger. Die Platte wirkt auf den ersten Blick weniger durchdacht, eher plump ("Monster"), teilweise aggressiv einfordernd ("Power ft. Dwele"), dann wieder zuckersüß entspannt ("Blame Game ft. John Legend"). Selbstverständlich kennt auch das neueste Werk in Wahrheit keine Zufälle. Jede der 4116 Sekunden unterliegt dem Kalkül, den Hörer eiskalt zu überrollen. Verzerrte E-Gitarren wechseln sich mit Geige und Piano ab, Fanfaren, wenn nötig knarzende Synthies – Kanye West ist sich in seinem Schrei nach Aufmerksamkeit für nichts zu schade. Und er gewinnt: Den Hörer mit seinen rumpelnden Bässen und Drums, den Respekt der Masse mit einer weiteren Scheibe, die fern jeder Kritik liegt. Denn sie genügt universellen Ansprüchen. Poppig genug, um den durchschnittlichen Hörer nicht zu verschrecken, mit gesundem Abwechslungsreichtum, um den Kenner zu begeistern und so atmosphärisch, dass sie beide fesselt. Zwischen typischen Feature-Rap-Tracks der alten Schule wie "Monster" mischen sich pathetische Epen, wie das von einem schweren Manfred Mann-Sample getragene "So Appelled". Auf Hymnen wie "Runaway ft. Pusha T" folgen dröhnende, absichtlich übersteuerte Titel wie "Hell Of A Life", neben den Rap-Megastars RZA und Jay-Z reiht sich Indie-Folker Bon Iver ein. Nach dem oberflächlichen R&B-Püppchen Rihanna ("All Of The Lights") melden sich tiefsinnige Poeten wie Gil Scott-Heron zu Wort ("Who Will Survive In America"). "My Beautiful Dark Twisted Fantasy" ist so widersprüchlich wie Kanye Wests Ruf. Erst zusammengepuzzelt ergibt die Platte ein wirklich vollkommenes Bild – dieses Mal ohne gestriegelt oder eintönig zu sein. © Laut
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Hip-Hop/Rap - Erschienen am 6. September 2018 | Getting Out Our Dreams, Inc. - Def Jam Recordings

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Hip-Hop/Rap - Erschienen am 1. Januar 2012 | Getting Out Our Dreams Inc. (G.O.O.D.) Music - IDJ

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Hip-Hop/Rap - Erschienen am 1. Januar 2010 | Roc-A-Fella

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Hip-Hop/Rap - Erschienen am 1. Januar 2006 | Roc-A-Fella

Kanye West ist jetzt endgültig ein Star. Die Beweise? MTV sucht in einer Show für abgedrehte Fans Kanye-Doubles, die amerikanische Presse schenkt einem Copyright-Prozess um Kanye mehr Beachtung als dem politischen Geschehen daheim, und Tom Cruise engagiert den Produzenten für den Sound von "Mission Impossible III". Der Meister selbst knutscht mit Pamela Anderson, singt mit Popstars vom Kaliber Adam Levine (Maroon 5) und engagiert ein 17-köpfiges Orchester zu seinen Bühnenshows. Zumindest für einen denkwürdigen Abend. Am 21. September des letzten Jahres erfüllte sich Kanye West einen lang ersehnten Traum: ein Live-Konzert in den berühmten Londoner Abbey Road Studios begleitet von zwölf Geigen, vier Cellos und einer Harfe. Laut Protagonist "another class of Hip Hop". Ohne Frage - Live-Orchester, Seidenjacket mit Rose am Revers und Hip Hop in den durch die Beatles und Pink Floyd bekannt gewordenen, Abbey Road Studios sind im Genre ohne Vergleich. Einmal mehr macht so etwas nur Herr West möglich. Gerade Wests letztes Album "Late Registration" lebte mit Stücken wie "Diamonds From Sierra Leone", "Bring Me Down", "Gone" oder "Touch The Sky" von voluminösen Arrangements, die für ein Streicherorchester in dieser Größe und Klasse prädestiniert sind. Und diese Tracks gewinnen mit genial gesetzten Strings wahrlich an Größe. Sie verändern ihr Gewand und verlieren rein gar nichts von ihrer musikalischen Klasse. Der Druck der Bläser auf dem Curtis Mayfield-Cover "Touch The Sky" stellt für die Geigen genauso wenig ein Problem dar wie Lauryn Hills akustische Gitarre auf "All Falls Down". Bei "Heard 'Em Say" setzt John Legends Piano zusätzlich besondere Akzente, Lupe Fiasco gibt seinen Part auf "Touch The Sky" zum Besten, und die Good Music-Bagage bestehend aus GLC und Consequence gastieren passend auf "Drive Slow" und "Gone". Die ruhigeren Stücke der West-Diskographie - "Drive Slow", "Crack Music" oder "Jesus Walks" - wirken mit den Streicher-Arrangements noch durchdringender, die organischen Klangteppiche gehen noch tiefer in die Gehörgänge und intensivieren das Sounderlebnisse dieser großen Songs. Den Höhepunkt liefert "Bring Me Down", das schon auf Platte ordentlich Eindruck machte. Dank Kanyes beeindruckender Performance hat das R'n'B-Stück, im Original in Kollaboration mit Brandy, auf diese Weise Theater-Qualitäten. Während der gesamten Show kann der Protagonist seine Freude über dieses musikalische Projekt nicht verbergen und gewinnt dadurch Sympathiepunkte. Man merkt, die orchestrale Interpretation seines ersten Hits "Through The Wire" bewegt diesen Mann. Das nimmt der Veranstaltung an Verkrampftheit, die sich wegen des lahmen Publikums, bestehend aus geladenen Menschen aus der Musikindustrie, immer wieder einschleicht. Neben dieser wegweisenden Live-Show wartet "Late Orchestration" schließlich noch mit einigen Extras auf: Bonus-Material von der Vorbereitung der Show, ein Interview mit dem sichtlich begeisterten Kanye, und nicht zuletzt fünf grandiose Videos, bei denen Kanye offensichtlich nie etwas falsch macht. © Laut
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Hip-Hop/Rap - Erschienen am 2. März 2015 | Rock The World - IDJ - Kanye LP7

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Hip-Hop/Rap - Erschienen am 25. Oktober 2019 | Getting Out Our Dreams II - Def Jam Recordings

Es wäre kein Kanye West-Album, wenn es nicht im Vorfeld schon wieder so viel Brimborium gegeben hätte, dass man einer Kritik am liebsten drei Seiten Präambel voraus schicken würde: Der Mann, der an diesem Punkt zu drei Prozent aus Zellhaufen und zu 97 Prozent aus fleischgewordenem Spektakel besteht, hat also zu Gott gefunden. Seit einem Jahr predigt Kanye Woche für Woche einen Sunday Service samt Gospelchor und prominenten Gästen, bezeichnet Rap inzwischen als die Musik des Teufels und verspricht, sein altes Material vorerst nicht mehr anzurühren. Ein neues Album solle ein Gelübde darstellen. Einen Schwur. Die Wiedergeburt. Ab 2019 heißt es bei Kanye nur noch "Jesus Is King". Wir wussten natürlich alle, dass dies Blödsinn ist, an den er sich in höchstens drei Monaten nicht mehr halten wird. Kanye ist nachweislich der impulsivste und inkonsequenteste Superstar unserer Zeit. Und mit dem neuen Album hat er es geschafft, das geballte Chaos, den furchtbaren Rollout und die komplett verhunzte Infopolitik seiner Vorgängeralben "The Life Of Pablo" und "Ye" noch einmal zu unterbieten. Drei Mal verschoben, ein komplettes Album geleakt und schräg recyclet, seine seltsamsten Aussagen nicht revidiert und dazu mit fragwürdigem Gedankengut noch mal ordentlich auf den Putz gehauen: Ja, da lag viel im Argen, bevor "Jesus Is King" das Licht der Welt erblickte. Fans wie Kritiker waren sich schnell einig. Dieses Mal hat Ye so richtig reingeschissen - ein absoluter Rohrkrepierer. Es wäre kein Album von Kanye West, wenn man nicht ein langes Vorgeplänkel bräuchte, bevor man überhaupt ein Wort über die Musik schreibt. Denn jede einzelne Information ist absolut und essentiell notwendig, um Impact, Probleme und Potential dieser Platte zu verstehen. "Jesus Is King" wurde im Sturm der Hot Takes geboren, ist aber bei Leibe kein Album, das man vorschnell aburteilen sollte. Denn bringt man einige Tage Geduld auf, hat es vieles anzubieten. Das Problem ist, dass die Schwächen der Platte nicht nur auffällig sind, sondern an so irritierenden Stellen zu Tage treten, dass sie in ihrer absurden Inkompetenz kaum zu erklären sind. Zum einen merkte man Nummern wie "Selah" oder "On God" schon am Releasetag an, dass wir Mixdowns auf Demolevel hören. Ein Album, das durch die Hände von Timbaland, Kanye, Mike Dean und einer ganzen Schar Profimusikern gegangen ist, sollte nach einem Jahr Gärzeit nicht so klingen. Schlimmer noch: Auch das Niveau des Songwritings vieler Nummern bleibt unerklärlich niedrig. Von dreizehn Titeln schafft es kaum einer über die Drei-Minuten-Marke. Auch das Pacing ist ein Desaster. Allein der Anfang fühlt sich mehrmals an, als würde das Album willkürlich abgewürgt und ein anderes angefangen. Nur weil Instrumente inhaltlich zusammenpassen, bedeutet das nicht, dass es einen Funken dramaturgischen Sinne ergibt, wenn nach dem nach einer Minute abrupt abgeschnittenen Gospelchor von "Every Hour" plötzlich eine melodramatische Kirchenorgel einsetzt ("Selah"). Dieser Fakt lähmt besonders die zweite Hälfte von "Jesus Is King" und irritiert immens. Die Nummern "Everything We Need", "Water" und "God Is" purzeln so unkoordiniert ineinander, dass man meinen könnte, man höre die Christian Rap-Radio-Playlist im Shufflemodus und nicht das Album eines der renommiertesten Album-Artists der Hip Hop-Geschichte. Das tut gerade eingefleischten Kanye-Fans weh. Zuletzt bleiben nur noch die Lyrics, die verständlicherweise viele Fans abschreckten. Es wäre schon schlimm genug, dass hier geballter Jesus-Talk wie alttestamentarische Heuschrecken auf unvorbereitete Ungläubige niederhagelt. Es ist beizeiten aber auch dämlicher Jesus-Talk - ohne Witz, ohne Selbstreflektion und ohne viel Detail. Dafür mit 'Chick-Fil-A', Repetition und blödsinnigen Rechtfertigungen seiner Klamottenpreise. So weit, so düster sieht es aus bezüglich Kanyes Track Record. Es gibt wohl kaum jemanden, der sich nach den ersten Hördurchgängen auf dem Durchschnittslevel seiner Diskographie wähnt. Trotzdem: Ein bisschen erkennt auch jeder an, dass die Ideen da sind. Die Sounds sind da. Und tatsächlich bleiben eine ganze Menge Momente auf "Jesus Is King" hängen, krallen sich im Gedächtnis fest und hallen noch eine ganze Weile nach. Zum Beispiel die psychedelische Zugkraft im Pi'erre Bourne-Instrumental "On God". Die angelischen Vocal-Layers auf "Water" oder "Everything We Need". Der verspulte, trippige Beat von "Use This Gospel", auf dem auch die Clipse-Brüder Pusha T und No Malice zusammenfinden, bevor ein spektakuläres Kenny G-Solo den Song in die Stratosphäre schickt. Momente, wie sie nur Kanye zusammenführen kann. Es ist dennoch tragisch, denn der Kopf sucht intuitiv nach dem besseren Album, das "Jesus Is King" hätte sein können, gäbe es da nur ein paar dieser offensichtlichen Baustellen nicht. Wenn es doch nur ein paar ausgefeiltere Outros und Übergänge gegeben hätte, wenn ein paar Verses etwas genauer raffiniert wären. Aber genau wie das ganze Drama im Vorfeld der Platte sein musste, sollte man diesen Instinkt für einen Moment abstellen und einfach mal hinhören - und die Momente, die eindrucksvoll klingen, häufen sich bei jedem Durchlauf. Auf einmal zeigen auch "Selah" und "Closed On Sunday" eine imposante Entwicklung auf. Die statischen Songs weisen plötzlich eine subtile Atmosphäre auf. "Follow God" könnte ein Raptrack auf "College Dropout" sein, der minimale Sample-Loop ist die perfekte Grundlage für einen Kanye, der hungrig wie eh und je rappt. "God Is" und "Hands On" verschieben auf stille Art und Weise Klang und Momentum ihrer Loops nach vorne. "Use This Gospel" ist geradeheraus ein Banger, der ins Unermessliche wächst, gewöhnt man sich erst einmal an den Mix der Pusha-Vocals und die etwas abrupten Übergänge. Nicht zum ersten Mal löst Kanye mit einem Album einen immensen Backlash aus. Schon "808s & Heartbreak" und "Yeezus" polarisierten ähnlich. "Jesus Is King" teilt hier ein paar Elemente, einige aber nicht. Zum einen sind es diesmal nicht nur Innovation und die Radikalität des Statements, die die Hörer abschrecken. Die Platte hat objektive Probleme, Fehler und Schwächen, die nicht wegzudiskutieren sind. "Jesus Is King" klingt wie ein Album, das einen Monat vor Fertigstellung veröffentlicht wurde. Gleichzeitig wünscht man sich auch nicht, dass die radikalen Elemente so viel Einfluss bekommen wie die seiner früheren wegweisenden Alben. Autotune, Melancholie und Industrial-Electro sind schöne und wichtige Taktgeber. Penibler, peinlicher Jesus-Talk und modernisierter Gospel sind dagegen nichts, was der Mainstream unbedingt adaptieren müsste. Und doch kann man ganz vorsichtig unterstellen, dass "Jesus Is King" nicht halb so schlecht altern wird, wie es den Anschein hat - ein faszinierendes Album. Der Sound bleibt nach wie vor auf dem Level von Kanyes Reputation. So viele Stellen sind markant, kreativ, einprägsam und funktionieren wahnsinnig gut. Es gibt kaum einen Hip Hop-Artist, der so viele musikalische Einfälle auf so dichtem Raum präsentiert. Hört man "Jesus Is King", wird man einen Vibe bemerken, den kein anderes Album da draußen bietet. Man findet musikalische Momente, die unorthodox, absolut starrsinnig und doch unglaublich effektiv klingen. Es gibt so vieles zu lieben, wie es zu kritisieren gibt. Doch kommt man nicht umhin, die Platte für ihre Schrägheit zu bewundern. "Jesus Is King" ist ein Event, der im Grunde jedes Urteil irgendwie rechtfertigen würde. Ob man das Album mag, hängt am Ende des Tages von nichts anderem ab als davon, wie sehr man sich darauf einlässt. © Laut
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Hip-Hop/Rap - Erschienen am 10. Juni 2016 | Getting Out Our Dreams Inc. (G.O.O.D.) Music - IDJ

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Hip-Hop/Rap - Erschienen am 1. Januar 2005 | Roc-A-Fella