Ihr Warenkorb ist leer!

Genre :

Ähnliche Künstler

Die Alben

Ab
CD17,49 €

Deutsche Musik - Erschienen am 6. März 1995 | ROCK-O-TRONIC RECORDS

Auszeichnungen Qobuz' Schallplattensammlung
Tocotronic sind doof! Das war mein Eindruck, als ich zum ersten Mal von dieser seltsamen Hamburger Band mit Offenburger Sänger hörte. Jedoch besitzen selbst kurze Augenblicke die Kraft, Einstellungen und Meinungen grundlegend zu verändern. Wie so oft in meinem Leben, ließ ich mich von einem Bild bewegen. Es war 1995, ich glaube fast, es war irgendwann im Mai, und ein Freund feierte eine dieser wilden Partys, die wir heute nicht mehr feiern. Volle Lotte - wieder mal, so 'n richtig hysterisches Fest. Zu später Stunde wollte ich dem Trubel in eins der leeren WG-Zimmer entfliehen, musste aber feststellen, dass ich gar nicht so alleine war wie gedacht. Charlotte stand trotzköpfig mitten im Zimmer. Gerade hatte sie sich von ihrem Freund getrennt. Entschlossen legte sie eine TDK SA-X90 ins Tapedeck und begann zu den wütenden Klängen zu tanzen. Ihre roten Locken wippten über ihre blasse, mit Sommersprossen überzogene Haut. Angeduselt und gedankenverloren sang sie in schiefen Tönen diese Worte, die ich nie mehr vergessen werde: "Es ist schon seltsam und ich komm' sogar ins Schwitzen / Wie wir beide nebeneinander auf dem Teppichboden sitzen." In diesem Moment habe ich mich verliebt. Nicht etwa in Charlotte, sondern in die Musik von Tocotronic. Ich fand mich sofort in diesen Liedern wieder. Im Gegensatz zu Charlotte hatte ich nie eine asymmetrische Frisur und trug auch niemals Trainingsjacken. Ich wollte niemals Teil einer Jugendbewegung sein. Aber das wollten Dirk von Lowtzow, Jan Müller und Arne Zank auch nie wirklich. Trotzdem haben sie mit "Digital Ist Besser" das Manifest einer eben solchen geschrieben. Sie wurden zum Sprachrohr, zum Archetyp und tausendfach kopiert. Eine Schule ohne eigenen Dirk-Klon, dem die Mädchen hinterherschwärmten, schien fortan undenkbar. Das Tocotronic-Debüt rumpelt und pumpelt, dass es eine Freude ist. Statt wie später auf dem schlageresken "Wie Wir Leben Wollen", wie Kollege Franz Tanner so bildhaft schilderte, "schwülstig-euphorische Oden für die Akademiker-Disko" zu schreiben, frönen die drei Recken hier noch dem Dilettantismus und der Schnoddrigkeit. Vor den Spießern auf der Flucht riecht es nicht nach mit Öko-Waschpulver gewaschenen Hemden, sondern nach Teen Spirit und getragenen Tennissocken. Anstatt Sushi gibt es die kalte Pizza vom Vortrag. Im Zweifel für den Zweifel und für die Pubertät. "Digital Ist Besser" ist Jugend. Der Gong zum Schulbeginn hatte in der Hamburger Schule schon längst geläutet. Cpt. Kirk &., Kolossale Jugend, Ostzonensuppenwürfelmachenkrebs, Blumfeld, Die Regierung und Die Sterne saßen schon aufmerksam in der ersten Reihe. Tocotronic hatten die ersten zwei Stunden geschwänzt und trafen erst nach der großen Pause zur dritten ein. Als Kontrast zu Distelmeyers verkopfter Attitüde finden sich in den Texten des Neuschülers von Lowtzow extrem eingängige Slogans, wie für T-Shirts der Jugendlichen geschaffen. Drastische Subjektivität, sentimentaler Weltschmerz und Hass und Wut gegen die deutsche Alltagskultur, gegen Fahrradfahrer, gegen Verwandtenbesuche und gegen die blöden Gitarrenverkäufer. "Ich bin alleine und ich weiß es und ich find' es sogar cool / Und Ihr demonstriert Verbrüderung", steht in leuchtenden Buchstaben über dem Album. Der Weg führte Tocotronic direkt zu den Lumpen und Ikonen des altehrwürdigen und mittlerweile von uns gegangenen L'Age d'Or-Labels. Für ihren Indie-Pop-Punk-Grunge-Kuddelmuddel verbinden sie Einflüsse von Dinosaur Jr., Nirvana, Pavement und den Boxhamsters mit der ihnen eigenen trashigen Wucht und charmanten Laienhaftigkeit, beziehen sich auf Eric Rohmer, Victor Hugo und E.M. Cioran. Talent borrows, genius steals. Bereits das "Digital Ist Besser"-Cover gleicht einem Statement. Keine schnieke Hochglanzfotografie, ein unscharfes, fehlbelichtetes Polaroid-Bild ziert den Longplayer. Die von Christian Mevs und Carol von Rautenkranz beim leckersten Milchkaffee Hamburgs im Soundgarden Studio produzierten Aufnahmen dauern nur wenige Tage. "Musikalisch fand ich das saugut", erinnert sich der umtriebige Stephan Mahler, unter anderem Schlagzeuger bei Slime. "Das war mir zwar immer am Anfang zu Dinosaur Jr. mäßig, aber das war auch egal oder sekundär, denn worauf es ankam, war ja der Spirit, dieses Rotzige. Und die Texte, die waren ja super, sehr geistvoll. Der Geist der Band war auch so: total junge Typen machen eine sophisticated punk band." Zwar auf Deutsch singend, weisen Tocotronic von Anfang jegliche Deutschtümelei ab. "Du erinnerst dich ja hoffentlich daran, wovon die Rede war", fragte ein Jurist in der Bar. Als sie 1996 den VIVA-Comet in der Kategorie "Jung, deutsch und auf dem Weg nach oben" verliehen bekamen, lehnten sie diesen, nicht ohne sich für die Einladung zu bedanken, ab. Die Begründung von Jan Müller: "Wir sind nicht stolz darauf, jung zu sein. Und wir sind auch nicht stolz darauf, deutsch zu sein." Doch so sehr sie sich auf weigerten, veränderten sie über den ein oder anderen Umweg, zusammen mit ihren L'Age d'Or-Kollegen, die deutsche Musiklandschaft nachhaltig. Weder Tomte, Trümmer, Die Nerven, noch gesichtslose Nachahmer wie die Sportfreunde Stiller oder Virginia Jetzt! wären ohne sie möglich gewesen. Aber was kann man schon für die eigenen Epigonen? Diese Zeiten waren golden, doch jetzt sind sie vorbei. Was Charlotte wohl heute macht? Wahrscheinlich hat sie Kinder, spielt Backgammon, geht ins Tanztheater und zum Sportverein. Tocotronic haben seit 2004 Rick McPhail. Empfand ich "Kapitulation" noch als Höhepunkt ihrer Reinkarnation, lebten wir uns unter schweren Phantomschmerzen nach "Schall & Wahn" und spätestens mit "Wie Wir Leben Wollen" auseinander. Das ist aber auch nicht schlimm. Im Blick zurück entstehen die Dinge, im Blick nach vorn entsteht das Glück. Ihr habt mir so viel geschenkt, es war eine wundervolle Reise. Dafür möchte ich euch danken. Lasst uns einfach Freunde bleiben. © Laut
Ab
CD14,99 €

Deutsche Musik - Erschienen am 26. Januar 2018 | Vertigo Berlin

Für ihr zwölftes Album wendet sich die Hamburger Band Tocotronic sich selbst zu. Während man von den einstigen Vertretern der Hamburger Schule bisher laute und politisch motivierte Töne gewöhnt war, dreht sich Die Unendlichkeit vor allem um persönliche Themen der Band oder ihrer einzelnen Mitglieder. Es geht um die Erfahrungen und Erlebnisse, die ein jeder von ihnen gemacht hat und in denen sich jeder Hörer wiedererkennen kann. Musikalisch ist das Album mindestens ebenso facettenreich wie die Biografie, auf die es sich bezieht. Los geht es im ersten Track mit Reggaeartiger, meditierender Selbstreflexion in Aquariumsathmosphäre (Die Unendlichkeit) über klassischen Punk (Hey Du) bis hin zu Instrumentalkompositionen mit Vibraphon und Klarinetten, die als Hintergrundmusik eines Astrid Lindgren Films durchgehen könnten (Unwiederbringlich). Ein Album, auf dem man Tocotronic teilweise fast nicht wiedererkennt und das wohl gleichzeitig ihr persönlichstes ist. © MH/Qobuz 
Ab
CD14,99 €

Deutsche Musik - Erschienen am 22. Januar 2010 | Vertigo Berlin

"Kapitulation" war für mich ein Heiligenschrein, gemeißelt in Stein von den Göttern selbst, in alle Ewigkeit. Nie im Leben würden Tocotronic in der Lage sein, das zu toppen. Zu eindringlich, zu direkt hat das 2007er-Album der Hamburger zu mir gesprochen. Und jetzt wagen sie es tatsächlich, mir eine weitere Platte anzutragen. "Schall Und Wahn" ist pompös betitelt. Schall. Nicht Musik, nicht Wohlklang, einfach nur formlos, physisch nüchtern: Schall. Und Wahn. Nicht Wahnsinn, nicht Verrücktheit, altbacken, fast gestelzt: Wahn. Was macht der frei assoziierende Hörer daraus? Sicher ist: Sinniert man über den Titel, malt man sich ein falsches Bild vom neunten Studioalbum der Hamburger. Denn "Schall Und Wahn" spricht nicht vom wahnsinnig sein, höchstens von der Möglichkeit des wahnsinnig werdens, in unserer turbokapitalistischen Gesellschaft, die dem Einzelnen alles abverlangt. Deswegen ist der Imperativ, unter dem Tocotronic handeln, stets die Verweigerung. Sie verweigern sich der Verwertbarkeit, und fordern den Hörer auf, das gleiche zu tun. "Macht Es Nicht Selbst" ruft dazu auf, nicht produktiv zu sein, kein Rückhalt für den aktivierenden Staat zu sein, Nein zu den incentives zu sagen. Der Wirtschaft keine Verlässlichkeit bieten: Nicht-Konsum ist Widerstand. Der Weg zu dieser Gleichgültigkeit führt über die Selbstaufgabe, die am Ende absolut frei macht: "Von heute an leben wir ewig". Schwingt da nicht auch ein bisschen foucaultsche Gesellschaftskritik mit? Musikalisch gesehen wirkt "Schall Und Wahn" reifer als alles, was es bislang von Tocotronic zu hören gab. Die Band gibt sich gegenseitig Raum, Soli und andere Ausschweifungen bleiben die Ausnahmen. Dafür gibt es verstärkt Streicher und sogar Falsettgesang. Gegenseitiger Respekt prägt das gemeinsame Musizieren, wie Dirk und Jan auch im Interview mit laut.de anmerkten. Zum Wohle des "Schalls", möchte man sagen. Kein Zweifel, "Schall Und Wahn" ist ein weiteres Meisterwerk im Oeuvre einer Band, die offensichtlich nicht gewillt ist, sich ein Versagen zu leisten. Vielleicht erwächst diese Stärke ja grade aus der Freiheit, die sich nehmen, von der sie auch auf diesem Album erzählen. In diesem Sinne kann mir das Rebellische in Tocotronic nur Recht sein. Sie haben sich einen weiteren Schrein errichtet. © Laut
Ab
CD14,99 €

Deutsche Musik - Erschienen am 1. Mai 2015 | Vertigo Berlin

"Ja. Das ist Jetzt". Nach eineinhalb Jahren im hanseatischen Electric Avenue Studio darf man Tocotronic im Jetzt herzlich willkommen heißen und im gleichen Handschlag zu ihrer vollendeten Image-Politur beglückwünschen: die Slogans für das Schulmäppchen sind geschrieben und gedruckt. Das "Jetzt" ist kein Pendant mehr für depressive Gymnasiasten auf der Suche nach textlichem Verständnis und Geborgenheit. Längst sitzen Hemden anstatt Trainingsjacken auf den schlacksigen Körpern, die hier ungewohnt zufrieden und nach vorne blickend von "Zwecken", "Räumen" oder "Orten" singen. Da gibt es wenig zum Festhalten, und, wie von Lowtzow selbst zugibt, noch weniger zum Verstehen. Es wirkt fast so als ziele man auf eine subjektive Identifikation ab, aus der jeder ziehen kann was er möchte. "Eins zu Eins ist jetzt vorbei" ist mehr als ein zentraler Satz der neuen tocotronischen Selbstdefinierung. Die Hamburg-Schüler sind erwachsen geworden, wird manch einer schreien. Liebe Leute, das sollte man auch langsam mit Anfang Dreißig ... Kaum verwunderlich also, dass dies nicht die stürmende Rockplatte ist. Außer kleinen Ausnahmen (allen voran das brennende "This Boy Is Tocotronic" mit Stadion-Rock-Solo) klingt das selbstbetitelte Werk durchgehend betagt und zurückgelehnt. Fernab vom preschenden Indie-Rock der alten Tage wurden die "K.O.O.K"-Ideen großartig weiter – und hoffentlich noch lange nicht zu Ende gedacht. Alles andere als eingeknickt und hoffnungslos perfektionieren drei Nicht-Musiker Musik, die glücklicherweise nicht mehr in die einschränkende Nische Gitarrenrock gerückt werden kann. Oft genug nehmen Keyboards der Gitarre die tragende Funktion aus der Hand und selbst vor Arne Zanks Ausflügen in komplett elektronische Gefilde (mit denen man wohl einige alte Die-Hard-Fans endgültig vergraulen wird) zeigt man keine Scheu. Let there be Pop, herrgottnochmal! Mit Hilfe des nahezu Bandmitgliedes Tobias Levin als Produzenten befinden sich Tocotronic derzeit auf einer Experimentier-Spur, deren Ende sie wohl selbst nicht einschätzen können. So lange sie auf dieser aber so fantastisch ausgetüftelt klingen, sollte man auf ein Ankommen erst mal nicht hoffen. © Laut
Ab
CD16,49 €

Deutsche Musik - Erschienen am 9. April 2021 | ROCK-O-TRONIC RECORDS

Deutsche Musik - Erschienen am 21. August 2020 | Vertigo Berlin

Download nicht verfügbar
Mit der Compilation Sag alles ab halten Tocotronic einen großen Rückblick auf ihre bisherige Karriere: Vom ersten Song "Drüben auf dem Hügel" bis hin zum neuesten Stück "Hoffnung" wirft die Zusammenstellung einen genauen Blick auf das Schaffen der deutschen Indie-Rock-Band, die mit ihren Platten Schall & Wahn (2010) und Die Unendlichkeit (2018) bis an die Spitze der deutschen Charts kam. Die Hauptzusammenstellung trägt den Untertitel "Best of 1994-2020" und ist als reguläre Doppel-CD oder Dreifach-LP mit 36 Songs oder als Vierfach-CD mit 52 Songs und 18 Raritäten erhältlich (die Raritäten sind nochmal separat auf Doppel-Vinyl zu haben). Eine Streaming-Variante mit dem Untertitel "Teil 2: The Best of 2007-2020" präsentiert aus dieser Auswahl 24 Stücke aus der zweiten Hälfte der Karriere. © TiVo
Ab
CD16,49 €

Deutsche Musik - Erschienen am 21. August 2020 | ROCK-O-TRONIC RECORDS

Ab
CD16,49 €

Deutsche Musik - Erschienen am 10. Juni 2002 | ROCK-O-TRONIC RECORDS

Ab
CD14,99 €

Deutsche Musik - Erschienen am 1. Januar 2013 | Vertigo Berlin

Booklet
Beginnt so ein Alterswerk? "Hey! Ich bin jetzt alt / Hey! Bald bin ich kalt / Im Keller wartet schon der Lohn / Ich war keiner von den Stars / Ich war höchstens Mittelmaß / Doch schwere Arbeit war es nicht für mich." Tocotronic-Hassern dürften schon die ersten koketten Assoziationsfetzen von "Im Keller" reichen, um sich in ihren jahrelang gepflegten Resentiments bestätigt zu fühlen, zumal Dirk von Lowtzow sie mit unbändiger Lust am Schwulst dahersingt. Ja, sie sind jetzt alt. Tatsächlich. Im 20. Jahr ihres Bestehens veröffentlichen Tocotronic, die wegen der Trainingsjacken und Ponyfrisuren, ihres dilettantischen Grunge-Krachs und des rebellischen Sloganizings ungewollt auf ewig Teil einer Jugendbewegung sein dürfen, mit ihrem zehnten Studioalbum "Wie Wir Leben Wollen" so etwas wie das zweite große Scharnierwerk ihrer Karriere. Das erste war im Jahr 1999 "K.O.O.K" gewesen, ein stoizistischer Brocken, mit dem sich Tocotronic von der authentischen Ich-Perspektive lossagten und in unrockbare Abstraktionen einer allzu verkopften Magisterarbeit flüchteten. Unsere damalige Rezension titelte recht passend: "Hilfe, wir werden erwachsen". Dabei fand mit dem äußerst sublimen "K.O.O.K." eine Entalltäglichung ihres lyrischen wie musikalischen Bezugsrahmens statt, der Schritt in die Künstlichkeit der Diskurswelt, ohne den Tocotronic heute nur traurige Karikaturen ihrer selbst wären. Die Leser der Spex kürten "K.O.O.K." deshalb kürzlich etwas überraschend, aber nicht von ungefähr zu ihrem Lieblingsalbum. So ganz vermochte man sich damals eine Zukunft dieser sprachverliebten Meta-Rock-Band dennoch nicht vorstellen, als sie 2003 nach dem weißen Album, diesem kühlen, verwunschenen Pop-Elfenbeinturm, etwas orientierungslos ihren zehnten Geburtstag feierte. Doch dann kamen der Gitarrist Rick McPhail und Produzent Moses Schneider, und mit ihnen die prächtige "Berlin-Trilogie". Auf den folgenden drei Alben wurden Tocotronic in ihren Kompositionen roher, direkter, romantischer, auf subversive Weise politischer, ja, im besten Sinne widersprüchlicher. Einfach schrammelige Rockmusik war das schon lange nicht mehr. Zum 20. Bandjubiläum treiben sie ihren Ausdruckwillen nun mittels Überzeichnung, Irritation und Negation, der dem linksintellektuellen Regie-Theater entlehnt ist, erneut auf die Spitze. Drama und Komödie liegen während der 70 Minuten nah beieinander, schließlich umkreisen Tocotronic ein sprachgewaltiges Geflecht rund um Fragen nach Körper und Geist, nach Vergänglichkeit und Befreiung, nach der Dekonstruktion von Kitsch und Geschlecht. Klingt nach schwerem Stoff, jawohl, ist aber für eine Band, die sich im Zweifel immer für ein Dagegen entschieden hat, letztlich eine höhere, durchaus humorvolle Lektion in Sachen Willensfreiheit. Von der Theatralik, der von Lowtzow in seinem Nebenprojekt Phantom/Ghost nachhängt, ist mehr denn je in Tocotronic eingesickert. Man muss sich den Sänger auf "Wie Wir Leben Wollen" als eine Art Ensemble-Schauspieler mit lauter überzeichneten Rollen vorstellen: Er singspielt den schmachtenden Jüngling, die exzentrische Diva, den pathetischen Revolutionär, den weise brummenden Erzählonkel. Aber auch die 17 Lieder, sie tänzeln zwischen fast schlagerhaftem Gitarren-Pop mit sattsamer Pedal-Steel und Element-Of-Crime-Pastiche, exaltiertem Musiktheater sowie klassisch dringlichen Toco-Rockismen mit adretten Chören und wattigen Wall-Of-Sound-Eskapismen der ersten Shoegaze-Generation. Das hehre Ziel von Moses Schneider und Tocotronic, nämlich eine historische Aufnahmetechnik in ein zeitgenössisches, überkomplex dröhnendes Klangbild zu überführen, verliert beim Hören jedoch relativ schnell an Bedeutung. Denn der wohlig verhallende Midtempo-Sound des Albums ist im Grunde nicht mehr als ein warm ausgeleuchtetes, räumliches Bühnenbild, auf dem sich eine maskierte Band eher mittels ihrer Kunstsprache denn ihrer fortwährenden musikalischen Selbstinterpretation ausagiert. Aus den Versen und Metaphern entsteht nämlich erst die eigentliche Dynamik, der (Aber-) Witz und die Wirkungsmächtigkeit der Songs. Sie machen "Ich will für dich nüchtern bleiben", "Neutrum", "Die Revolte ist in mir" und "Wie wir leben wollen" zu euphorischen Oden für die Akademiker-Disko, in der man wohl auch "Exil" als Individualitätspostulat versteht und mitfistelt: "Sieh mich an / Ich bin ein bleicher Mann der tanzt / Ich bin anders als die anderen". Die Summe dieser pop-philosophischen Betrachtungen hebt dieses Album mit jedem Hördurchgang aufs Neue in höchste Höhen oder schleudert es in tiefste Tiefen zurück, wenn man partout nur einen überangestrengten Zugang zu der eigenwilligen Poesie Dirk von Lowtzows finden mag. Es könnte also durchaus etwas quietschen, dieses massive, matt glänzende Scharnierwerk. Womöglich öffnet sich damit aber auch eine Tür in eine noch güldenere Zukunft von Tocotronic. © Laut
Ab
CD16,49 €

Deutsche Musik - Erschienen am 26. Juli 1999 | ROCK-O-TRONIC RECORDS

Ab
HI-RES2,99 €
CD1,99 €

Deutsche Musik - Erschienen am 8. April 2020 | Vertigo Berlin

Hi-Res
Ab
CD16,49 €

Deutsche Musik - Erschienen am 6. März 1995 | ROCK-O-TRONIC RECORDS

Ab
CD16,49 €

Deutsche Musik - Erschienen am 1. April 1996 | ROCK-O-TRONIC RECORDS

Ab
CD16,49 €

Deutsche Musik - Erschienen am 28. Juli 1997 | ROCK-O-TRONIC RECORDS

Ab
CD16,49 €

Deutsche Musik - Erschienen am 31. Juli 1995 | ROCK-O-TRONIC RECORDS

Ab
CD14,99 €

Deutsche Musik - Erschienen am 1. Januar 2008 | Vertigo Berlin

Ab
CD16,49 €

Deutsche Musik - Erschienen am 17. Januar 2005 | ROCK-O-TRONIC RECORDS

Ab
CD16,49 €

Deutsche Musik - Erschienen am 15. Februar 2008 | ROCK-O-TRONIC RECORDS

Ab
CD16,49 €

Deutsche Musik - Erschienen am 31. Juli 1995 | ROCK-O-TRONIC RECORDS

Ab
CD17,49 €

Deutsche Musik - Erschienen am 1. April 1996 | ROCK-O-TRONIC RECORDS

Der Interpret

Tocotronic im Magazin