Ihr Warenkorb ist leer!

Genre :

Ähnliche Künstler

Die Alben

Ab
HI-RES14,99 €
CD9,99 €

Alternativ und Indie - Erschienen am 9. September 2016 | Bad Seed Ltd

Hi-Res Auszeichnungen 4F de Télérama - Pitchfork: Best New Music
Eigentlich braucht Nick Cave keine Einleitungen mehr. Eigentlich steht er für sich selbst. Als Messias. Als Mythos. Als Überlebender des bis an alle Grenzen führenden Exzess. Als Arbeitstier. Als Autormaschine. Und eigentlich würden wir jetzt einzig und allein über Musik sprechen. Über "Skeleton Tree", als für sich allein stehendes, musikalisches Werk. Doch dann verunglückte Nick Caves 15-jähriger Sohn Arthur tödlich. Eine Tragödie, die alles in den Schatten stellte und deren Schatten Nick Cave zu ersticken drohte. Die Aufnahme am bereits 2014 begonnenen Album stoppten. Genauso wie die Zeit, die fortan nur noch in Zeitlupe tropfte. Keiner wusste ob und wie es mit den Bad Seeds weiter gehen würde. Konnte. Durfte. Sollte. Dann erreichte Warren Ellis ein Anruf seines langjährigen Wegbegleiters Cave. Eine ins iPhone gesungene Variante des Songs "Skeleton Tree" war das Signal: Wir machen weiter. Irgendwie. Aber anders. Tief drin im erbarmungslosen Schmerz, dem Nick Cave, der täglich an seinem Schreibtisch sitzt und schreibt und schreibt und schreibt, nur durch Schaffen beikommen konnte. Als Reinkarnation seiner selbst. Als Lazarus. Sich selbst aus der Dunkelheit schaufelnd, einmal mehr. Und jetzt liegt es da. Das Album. Halb Narbe. Halb offen stehende Wunde. Es dröhnt bedrohlich zu Beginn von "Jesus Alone". Wie ein Donnergrollen, das einen nahenden Sturm ankündigt. Alles reibt und schiebt und kratzt vor sich hin, die sich aufladende Energie verspricht sich jede Sekunde zu entladen. Dazu spricht Nick Cave als ausgezehrter Prophet. "You believe in God, but you get no special dispensation for this belief now / You're an old man sitting by a fire, hear the mist rolling off the sea / You're a distant memory in the mind of your creator, don't you see?" Dann wird die bloße Stimme zu Gesang und das schäbige Kratzen für Sekundenbruchteile zur reinen, hell erleuchteten Melodie. "With my voice / I am calling you / Let us sit together until the moment comes". Cave hat sich stetig an der überbordenden Symbolik und den Ritualen des Christentums bedient und zersetzte seine Fundstücke in dystopischen Parallelwelten, die noch blutiger und grausamer erschienen als die fundamentalistischen Vorlagen selbst (vgl. "Und die Eselin sah den Engel"). In "Jesus Alone" aber wird er vollends zum mahnenden Zweifler. Hoffnung? Nur ein kaum sichtbarer Streif am Horizont. Der Bruch erfolgt bereits in Song Nummer zwei. Wie ein Nordlicht leuchtet das kosmische Soundsample auf, das "Rings Of Saturn" fortan auf seine Schultern nimmt und die drohende Schwärze mit ungeahnter Leichtigkeit für circa drei Minuten erleuchtet. Dazu ein flirrender "Oho"-Chor, verschrobene Streicher. Ein reiner, ungefilterter, fast euphorischer Song: "This is exactly what she is born to be!" Die beiden eröffnenden Stücke, so unterschiedlich sie klingen, bleiben zunächst Fragment. Ausgelegte Spur. Abgebrochener Versuch. Erst "Girl In Amber" weist wirkliche Songstrukturen auf. Steigert sich, nimmt sich zurück, wechselt Tonalität und Tempo. Und plötzlich passiert eine Wandlung, die einem das Blut regelrecht in den Adern gefrieren lässt. Da nämlich knickt die Stimme des Australiers, die über Jahrzehnte und Epochen als unverrückbares Monument stand, kaum hörbar ein. Nick Cave klingt erstmals alt. Oder zerbrechlich. Oder einfach nur anders. Wir werden Zeuge eines schonungslosen Zusammenbruchs. Wie zur Unterstützung greift ihm ein fast mythischer Chor unter die Arme. Tonnenschwere Trauer, die auch auf dem anschließenden, absolut grandiosen "Magneto" anhält. Nick Cave macht den Anschein eines angeschossenen Westernheldens. Und es wird deutlich, welche Überwindung es gekostet haben muss, sich an dieser Stelle der Öffentlichkeit auszusetzen. Andrew Dominik, Regisseur des gestern weltweit gezeigten Dokumentarfilms "One More Time With Feeling" gab in einem Interview mit den Salzburger Nachrichten zumindest einen kurzen Einblick hinter die Kulissen: "So vieles auf dieser neuen Platte hat mit Arthurs Tod und der Trauer um ihn zu tun, und er müsste in Interviews über den Kontext reden, in dem diese Songs entstanden sind. (...) Dieses Trauma ist noch jenseits aller formulierbaren Gefühle." Dazu rückt Dominik den schieren Entstehungsprozess ins Zentrum. Klassisches Songwriting haben Ellis und Cave längst hinter sich gelassen. Es geht um Konfrontation, um das Aufgeben aller Sicherheiten. Darum klingen die Bad Seeds seit der ersten Grinderman-Veröffentlichung 2007 härter, roher und unvorhersehbarer. Wirkliche Hymnen, die Platten wie "No More Shall We Part" in den Meilenstein-Status erhoben, gibt es nicht mehr. Unterm Strich und entgegen aller Brüche wirkt "Skeleton Tree" aber doch phasenweise wie ein logischer Nachfolger von "Push The Sky Away". Die zweite Hälfte beginnt mit "Anthrocene" total antimelodisch, weiß rauschend, im Kollaps. Aus dem Nebel aber schälen sich die Umrisse unseres vermeintlich gefallenen Helden, dessen wiedergeborene Stimme nun wieder mit dem gewohnten Biss und dieser autoritären Gravitas vibriert. "It's a long way back / Come home now". Der zuvor angedeutete Johnny Cash-"American Recordings"-Vibe verfliegt, der Anzugträger greift wieder zur Waffe. Wir erstarren (vielleicht aus Prinzip) im Kollektiv. Auch mit "I Need You", das abermals das Momentum verschiebt und in fast hypnotischen Loops rotiert, bleibt "Skeleton Tree" unfassbar engmaschig verwoben und verzahnt. Der aufsteigende Staub wirbelt so dicht, dass man ihn wie einen Kuchen zerteilen und am Schopfe packen möchte und dann doch scheitert. Während auf Soundebene kaum mehr Sauerstoff zum Atmen bleibt, erscheint uns auf Textebene das finale Produkt, die Quintessenz. "Nothing really matters. I need you!" Vor dem großen Finale zeigt sich der "Skeleton Tree" noch einmal versöhnlich. Von einer Kirchenorgel und vereinzelten Pianoanschlägen getragen, entfaltet sich "Distant Sky". Eine Erlösung? Zumindest Traumsequenz inmitten des Traumas, in der aus dem Nichts die glockenklare Frauenstimme der dänischen Sopranistin Else Torp erscheint. Sie tritt in einen Dialog mit dem Frontmann, der uns kurzzeitig an die weltberühmten Duette mit Kylie Minogue und PJ Harvey erinnert und dann so zurückgenommen erlischt, wie er zuvor aufflammte. Dann bleibt nur noch das Titelstück, das beinahe drohend vom Albumende grüßt. "Skeleton Tree" erscheint überraschenderweise als das wohl typischste Nick-Cave-Stück. Durchdringend melodisch, melancholisch, mal von schlichter, mal von raumgreifender Schön- und Dunkelheit. Und so entlässt uns das Album nach einer faszinierenden Reise von fast körperlich anstrengender Intensität ins innerste Innen zumindest mit einem Schuss angedeuteter Normalität. Es braucht kein Fazit, keine Zusammenfassung, kein umgreifendes Urteil. "And it's alright now / And it's alright now / And it's alright now ..." © Laut
Ab
HI-RES22,49 €
CD14,99 €

Alternativ und Indie - Erschienen am 20. November 2020 | Bad Seed Ltd

Hi-Res Auszeichnungen 4F de Télérama
Lang, lang ist’s her, dass Nick Cave, diese radikale Rock-Furie, dieser etwas reizbare Punk-Entertainer sich für die Gespenster der damaligen Koryphäen Elvis Presley, Johnny Cash und Howlin’ Wolf begeisterte. Die scharfen Kanten sind mit der Zeit abgestumpft, der Australier hat neue Wege beschritten und den wahrscheinlich größten Verlust erlebt, als sein 15-jähriger Sohn aus dem Leben schied. Die Kunst des Leaders der Bad Seeds fand in Skeleton Tree (2016) und Ghosteen (2019) ein mystisches Ventil. Die ganze Menschheitsgeschichte hindurch kann man zurückverfolgen, wie Kunst in der Trauer, für die Trauer und aufgrund der Trauer geschaffen wird und diese beiden Alben riefen uns das auf unerbittliche Weise in Erinnerung. Das im Herbst 2020 erschienene Idiot Prayer bleibt mit einem Bein in formeller Feierlichkeit verankert, inhaltlich aber nicht. Das ist zwar gewollt, ist jedoch in erster Linie auf die Pandemie zurückzuführen, die das Jahr 2020 erschüttert hat. Nick Cave sitzt also hier im Londoner Konzertsaal des Alexandra Palace an seinem Klavier, allein, es gibt weder Bad Seeds noch Publikum. Seine Aufführung lief am 23. Juli 2020 als Live-Stream. Für diese erstmalige Darbietung stellte er ein Repertoire zusammen, das über seine beiden letzten Alben (von denen er nur drei Songs übernahm) hinausging, denn er stöberte dafür in den alten Platten der Bad Seeds (Stranger Than Kindness, The Ship Song, Black Hair, (Are You) the One That I've Been Waiting For, The Mercy Seat…) und denen seiner anderen Gruppe, Grinderman (Man in the Moon, Palaces of Montezuma…). Nur eine neue Komposition fügte er hinzu, eine melancholische, überwältigende Hymne über den Verlust, Euthanasia…In dem grandiosen Gebäude im viktorianischen Stil aus dem 19. Jahrhundert klingt seine Stimme mehr als perfekt, wenn sie um seine Worte aus Fleisch und Blut sowie seine surrealistische oder konkrete Poesie kreist und sie vor uns ausbreitet. Nick Cave ähnelt hier dem Darsteller Robert Mitchum in Die Nacht des Jägers, wenn dessen eigene, mit den Worten LOVE und HATE tätowierten Hände miteinander ringen. Mit seiner Mischung aus Love Songs, Murder Ballads und gequälten Hymnen macht der australische Crooner eine Besichtigungstour seines Schaffens, das man als herrlichen Juwel in Erinnerung behält. Und dank dieser schlichten Instrumentierung erreicht seine Stimme ungeahnte Höhen, sodass sich die Wirkungskraft seiner alten Songs um ein Zehnfaches vermehrt. Grandios. © Marc Zisman/Qobuz
Ab
HI-RES14,99 €
CD9,99 €

Alternativ und Indie - Erschienen am 3. Oktober 2019 | Ghosteen Ltd

Hi-Res Auszeichnungen Pitchfork: Best New Music
Früher einmal spielte Nick Cave Rock mit seinen Bad Seeds. Inzwischen floss viel Wasser den Bach hinunter. Der Australier hat in seinen Texten auch andere Gegenden erforscht und das Leben hat ihm nur allzu früh seinen 15-jährigen Sohn weggenommen. Seit diesem Zeitpunkt ist seine Musik zu einem unergründlichen Auslassventil geworden und sie hat mit Skeleton Tree einen Gipfel erreicht – es handelt sich um eine seiner schönsten und zugleich undurchschaubarsten Platten. Das künstlerische Schaffen in Trauer, für Trauer und aus Trauer heraus zieht sich durch die ganze Menschheitsgeschichte hin. Mit diesem im Jahre 2016 veröffentlichten Album zählt Cave nun zu einer ganzen Reihe Menschen, die solch einen drückenden und lähmenden Zusammenhang meistern. Die Grenzen sind fließend zwischen erlebtem Schrecken – dem er nach wie vor ausgesetzt ist – und den von der Musik untermalten Worten. Ungeschminkt, geläutert, keineswegs unschicklich oder aufdringlich. Drei Jahre später gelingt dem leidenschaftlichsten rockenden Crooner ein umwerfender Nachfolger dieses Skeleton Tree, den man für unübertrefflich gehalten hatte. Ghosteen, das 17., aus einem Studio kommende Produkt der Bad Seeds, hört sich nicht wie eine James Last-Platte an. Es besteht aus zwei Teilen: „Die Songs des ersten Albums, das sind die Kinder. Die Songs des zweiten Albums, das sind die Eltern.“ Im Jahre 2017 hatte Cave verkündet, dass das nächste Bad Seeds-Album nicht eine Antwort auf Skeleton Tree sein würde, sondern eher „die künstlerische Vollendung einer Trilogie, die mit Push the Sky Away begonnen hatte.“ In melodischer oder rhythmischer Hinsicht sind die elf Titel auf Ghosteen alles andere als konventionell. Die Worte und vor allem der Gesang des Hausherren sind der mit Kopf und Lunge ausgestattete, treibende Motor, durchzogen von erholsamen Synthie-Klangteppichen und Loops von Warren Ellis; und auch von ein paar gespenstischen Pianoklängen und einer Geige in weiter Ferne. Damit wird Nick Cave ein Kampfgefährte von Leonard Cohen und Scott Walker. Und auch von Nico auf Desertshore. In diesem Opus, in dem Schmerzen sich in  Träume und Tränen sich in Morgentau verwandeln, ist der Australier vor allem ganz alleine auf der Welt. Verzweiflung und Empathie, Traurigkeit und Glauben derart miteinander zu verquicken, das hat man in der Geschichte der heute überall verbreiteten Musik so gut wie nie gesehen. Das Cover des Albums symbolisiert diesen Volltreffer auf perfekte Weise: eine schöne und zugleich kitschige Zeichnung mit Fabelwesen und farbenfroher Vegetation, die direkt aus einem Märchenalbum stammen könnte. Hat man sich Ghosteen erst einmal angehört, dann fragt man sich, ob das jetzt das Paradies oder die Hölle sein soll. Vielleicht beides zugleich? © Marc Zisman/Qobuz
Ab
CD12,49 €

Alternativ und Indie - Erschienen am 16. Mai 2011 | Mute, a BMG Company

Auszeichnungen Qobuz' perfekte Schallplattensammlung
Mit diesem im Februar 1996 erscheinenden Album schlüpft Nick Cave in die Klamotten des bipolaren Predigers, der zwischen Sünde und Erlösung zu verhandeln hat. Der Mastermind von The Bad Seeds und begeisterte Crooner hat sowohl etwas von einem als Gothic Punk auftretenden Johnny Cash als auch etwas von einem der Hölle entkommenen Lee Hazlewood, und er erzählt Geschichten über Tod, Verrat, Sex, Gewalt und Leidenschaft… Seine Grabesstimme stößt schreckliche Flüche aus und der biblische Bezug seiner Texte hypnotisiert seine gläubigen Fans. The Bad Seeds tüfteln im Hintergrund an einer samtweichen, blutroten Partitur mit einem Cocktail aus Blues und Jazz herum, voller gespenstischer Klaviere, angsteinflößender Gitarren und Perkussionen, die Kriegstrommeln gleichen. Dieser Nick Cave hier in Nosferatu-Gestalt leistet sich sogar zwei Jungfrauen, um seinen Hunger zu stillen: seinen Doppelgänger, PJ Harvey, in Henry Lee, und seine Landesgenossin Kylie Minogue für einen Erotikthriller mit dem Titel Where The Wild Roses Grow. © Marc Zisman/Qobuz
Ab
CD19,49 €

Alternativ und Indie - Erschienen am 5. Mai 2017 | Mute, a BMG Company

Auszeichnungen 4F de Télérama
Nick Cave und seine Bad Seeds gelten nach wie vor als eines der produktivsten Abenteuer aus der Post-Punk-Ära. Schon Mitte der 80er Jahre erreichte die betörend tiefe Stimme des australischen Sängers einen gewissen Höhepunkt mitten unter all den wütenden Wiederaufnahmen, Balladen am Klavier und schweißgetränktem Rock’n’Roll. Im Laufe der Jahre und der Einspielungen wurde dieser Cave immer mehr zum Crooner, irgendetwas zwischen einem punkigen Frank Sinatra und einem enthaltsamen Johnny Cash…Diese einwandfreie Kompilation, die im Frühjahr 2017 herauskam, ist nicht nur eine Gelegenheit, die Länge des zurückgelegten Weges ins Auge zu fassen, sondern sie kann auch als ausgezeichnete Einführung in die Kunst dieser Gang dienen, denn abgesehen vom zeitgenössischen Rock lassen sich die fünfundvierzig Songs dieser Deluxe Version in drei Epochen gliedern: fünfzehn beliebige Titel stammen aus den Jahren zwischen 1984 und 1993, fünfzehn weitere entstanden zwischen 1994 und 2003 und die letzten fünfzehn zwischen 2004 und 2013…Es geht los mit From Her To Eternity (1984) und reicht bis zu Push The Sky Away (2013), Lovely Creatures ist eine perfekte Mischung giftiger Balladen (Into My Arms), stürmischer Reiterhorden (The Mercy Seat), reinsten, gewaltigen Rocks (Deanna), apokalyptischen Kabaretts (The Carny), unerwarteten Duos (Where The Wild Roses Grow mit Kylie Minogue)  und sorgfältig ausgesuchten Wiederaufnahmen (In The Ghetto). Nick Cave hat zwischen amerikanischen Schriftstellern des 20. Jahrhunderts mit ihrer gotischen Prosa auf der einen Seite und dem musikalischen Erbe imposanter Persönlichkeiten wie Hank Williams und Johnny Cash auf der anderen Seite seinen eigenen Stil gefunden. Oft in der Art eines Kammermusikers, aber immer trüb und wie vom Alten Testament besessen…© MZ/Qobuz
Ab
CD12,49 €

Alternativ und Indie - Erschienen am 29. März 2010 | Mute, a BMG Company

Auszeichnungen Qobuz' perfekte Schallplattensammlung
Ab
CD12,49 €

Rock - Erschienen am 16. Mai 2011 | Mute, a BMG Company

Ab
HI-RES14,99 €
CD9,99 €

Alternativ und Indie - Erschienen am 18. Februar 2013 | Bad Seed Ltd

Hi-Res
Nick Cave gehört zu den wenigen Künstlern, deren neue Alben Offenbarungen enthalten, auf die zuvor noch niemand gekommen ist. Glaubt man zumindest, nach den Kritiken, die über sie geschrieben werden. Legt sich der Trubel wieder, greift man dann doch eher wieder auf die alten Platten zurück, auf die wütenden aus den 80er Jahren oder die eingängigeren aus den 90ern. Allen voran "Live Seeds" von 1993, nach wie vor überragend, trotz des matschigen Sounds, oder das ruhige, wenn auch nicht liebliche "The Boatman's Call" (1997). Was nicht bedeutet, dass es keine Freude wäre, ein neues Album des Australiers in den Händen zu halten. Erst recht bei einem durchaus ansprechendem Cover wie dem vorliegenden, auf dem der Meister in seinem Schlafzimmer in seiner Wahlheimat Brighton mit seiner hüllenlosen Ehefrau zu sehen ist. Dem Exhibitionismus war Cave nie wirklich abgeneigt, wie sich auch an seiner öffentlich zelebrierten und rechtzeitig abgelegten Heroinsucht bis in die 90er hinein gezeigt hat. Auf "Push The Sky Away" erscheint vieles wie gewohnt, einiges aber auch neu. Wie immer in den letzten Jahren hat Cave viel Zeit im Keller seines Hauses verbracht, um über neuen Texten zu brüten. Alt sind auch die Bad Seeds, die ihm treu zur Seite stehen, wenn er sie ruft. Die größte Neuigkeit besteht in der Abwesenheit Mick Harveys, der die Band 2009 mit einem lauten Türknall verlassen hat. Seit den 70er Jahren hatte er mit Cave musiziert und war weit mehr als nur der Gitarrist der Bad Seeds. Er war deren musikalischer Führer. Diese Rolle hat nun Multi-Instrumentalist und Loop-Lieferant Warren Ellis inne. Was zu einem überraschend neuen, minimalistischen Sound geführt hat. Einerseits fehlen jene Gitarrengewitter, die nicht nur auf den Cave/Seeds Platten des neuen Jahrtausends zu hören sind, sondern auch den Reiz des begrabenen Seitenprojekts Grinderman ausmachten. Andererseits hat Ellis den Songs einen durchgängigen, konsistenten Sound verpasst, zum ersten Mal seit "The Boatman's Call". "Das Mysterium seiner Klangwelten ist nun schon lange ein Teil unserer Musik. Aber jetzt gibt es nichts mehr, dass sie verdeckt", erklärt Cave in einem Interview mit dem Musikexpress. Die Beförderung kam dank des gemeinsam geschriebenen Soundtracks zum Kinofilm "The Proposition – Tödliches Angebot" (2005), für das Cave auch das Drehbuch verfasst hat. "Er besitzt die magische Fähigkeit, aus den verschiedensten Geräuschen dichte, stimmige Atmosphären zu schaffen". Last, but not least: Cave hat seine tiefe Erzählerstimme wieder gefunden. Hohe, weinerliche Passagen gibt es hier keine. Falls sie jemand vermisst haben sollte. Im Opener "We No Who U R" besteht das prägende Geräusch aus wenigen geloopten Noten, die wie ein Zwitter aus Klavier und Gitarre klingen, einem unaufgeregten Bass samt Schlagzeug, einer Querflöte, einem Chor und natürlich Cave, der über Tagesbeginn und Vögelchen sinniert. Dabei hat er nicht den Verstand verloren, sondern eine neue Form des Textens ausprobiert. Vieles sei bei zufälligem Surfen im Internet entstanden, erklärt er. Er wollte diesmal keine Geschichten erzählen, sondern es sei ihm eher um die Atmosphären gegangen. Worte im Dienste der Musik, nicht umgekehrt. Mord und Co. gibt es natürlich trotzdem. "Mylie Cyrus floats in a swimming pool in Taluca Lake / And you're the best friend I ever had / I can't remember anything at all", schließt er das vorletzte Stück "Higgs Boson Blues" ab. Ein paar Strophen davor war schon Robert Johnson mit Luzifer erschienen, "100 black babies running from his genocidal jaw." Dazwischen leistet sich das Album keine Schwächen. Den Höhepunkt bildet "Jubilee Street" mit einer leicht verstimmten Gitarre als wichtigster Begleitung und Streichern im Mittelteil, die Musik und Hörer buchstäblich zum Schweben bringen. Filmische Elemente, die auch das fast schon religiös anmutende "Mermaids" und das verträumte, leicht bedrohliche "We Real Cool" liefern. "Push The Sky Away" ist endlich wieder ein Cave-Album aus einem Guss. Was weniger am Frontmann als an Tausendsassa Warren Ellis liegt. Und am Umstand, dass die Aufnahmen im malerischen Studio La Fabrique im französischen Saint-Rémy de Provence stattgefunden haben. Wahrscheinlich wird sich die Band beim nächsten Album schon wieder ganz anders anhören. Doch genießen wir erst einmal das vorliegende, dessen einzige Offenbarung lautet: Nick Cave & The Bad Seeds sind 30 Jahre nach ihrer Entstehung immer noch eine phantastische Band. © Laut
Ab
CD12,49 €

Rock - Erschienen am 21. Dezember 2009 | Mute, a BMG Company

Ab
CD14,99 €

Alternativ und Indie - Erschienen am 18. Februar 2013 | Bad Seed Ltd

Nick Cave gehört zu den wenigen Künstlern, deren neue Alben Offenbarungen enthalten, auf die zuvor noch niemand gekommen ist. Glaubt man zumindest, nach den Kritiken, die über sie geschrieben werden. Legt sich der Trubel wieder, greift man dann doch eher wieder auf die alten Platten zurück, auf die wütenden aus den 80er Jahren oder die eingängigeren aus den 90ern. Allen voran "Live Seeds" von 1993, nach wie vor überragend, trotz des matschigen Sounds, oder das ruhige, wenn auch nicht liebliche "The Boatman's Call" (1997). Was nicht bedeutet, dass es keine Freude wäre, ein neues Album des Australiers in den Händen zu halten. Erst recht bei einem durchaus ansprechendem Cover wie dem vorliegenden, auf dem der Meister in seinem Schlafzimmer in seiner Wahlheimat Brighton mit seiner hüllenlosen Ehefrau zu sehen ist. Dem Exhibitionismus war Cave nie wirklich abgeneigt, wie sich auch an seiner öffentlich zelebrierten und rechtzeitig abgelegten Heroinsucht bis in die 90er hinein gezeigt hat. Auf "Push The Sky Away" erscheint vieles wie gewohnt, einiges aber auch neu. Wie immer in den letzten Jahren hat Cave viel Zeit im Keller seines Hauses verbracht, um über neuen Texten zu brüten. Alt sind auch die Bad Seeds, die ihm treu zur Seite stehen, wenn er sie ruft. Die größte Neuigkeit besteht in der Abwesenheit Mick Harveys, der die Band 2009 mit einem lauten Türknall verlassen hat. Seit den 70er Jahren hatte er mit Cave musiziert und war weit mehr als nur der Gitarrist der Bad Seeds. Er war deren musikalischer Führer. Diese Rolle hat nun Multi-Instrumentalist und Loop-Lieferant Warren Ellis inne. Was zu einem überraschend neuen, minimalistischen Sound geführt hat. Einerseits fehlen jene Gitarrengewitter, die nicht nur auf den Cave/Seeds Platten des neuen Jahrtausends zu hören sind, sondern auch den Reiz des begrabenen Seitenprojekts Grinderman ausmachten. Andererseits hat Ellis den Songs einen durchgängigen, konsistenten Sound verpasst, zum ersten Mal seit "The Boatman's Call". "Das Mysterium seiner Klangwelten ist nun schon lange ein Teil unserer Musik. Aber jetzt gibt es nichts mehr, dass sie verdeckt", erklärt Cave in einem Interview mit dem Musikexpress. Die Beförderung kam dank des gemeinsam geschriebenen Soundtracks zum Kinofilm "The Proposition – Tödliches Angebot" (2005), für das Cave auch das Drehbuch verfasst hat. "Er besitzt die magische Fähigkeit, aus den verschiedensten Geräuschen dichte, stimmige Atmosphären zu schaffen". Last, but not least: Cave hat seine tiefe Erzählerstimme wieder gefunden. Hohe, weinerliche Passagen gibt es hier keine. Falls sie jemand vermisst haben sollte. Im Opener "We No Who U R" besteht das prägende Geräusch aus wenigen geloopten Noten, die wie ein Zwitter aus Klavier und Gitarre klingen, einem unaufgeregten Bass samt Schlagzeug, einer Querflöte, einem Chor und natürlich Cave, der über Tagesbeginn und Vögelchen sinniert. Dabei hat er nicht den Verstand verloren, sondern eine neue Form des Textens ausprobiert. Vieles sei bei zufälligem Surfen im Internet entstanden, erklärt er. Er wollte diesmal keine Geschichten erzählen, sondern es sei ihm eher um die Atmosphären gegangen. Worte im Dienste der Musik, nicht umgekehrt. Mord und Co. gibt es natürlich trotzdem. "Mylie Cyrus floats in a swimming pool in Taluca Lake / And you're the best friend I ever had / I can't remember anything at all", schließt er das vorletzte Stück "Higgs Boson Blues" ab. Ein paar Strophen davor war schon Robert Johnson mit Luzifer erschienen, "100 black babies running from his genocidal jaw." Dazwischen leistet sich das Album keine Schwächen. Den Höhepunkt bildet "Jubilee Street" mit einer leicht verstimmten Gitarre als wichtigster Begleitung und Streichern im Mittelteil, die Musik und Hörer buchstäblich zum Schweben bringen. Filmische Elemente, die auch das fast schon religiös anmutende "Mermaids" und das verträumte, leicht bedrohliche "We Real Cool" liefern. "Push The Sky Away" ist endlich wieder ein Cave-Album aus einem Guss. Was weniger am Frontmann als an Tausendsassa Warren Ellis liegt. Und am Umstand, dass die Aufnahmen im malerischen Studio La Fabrique im französischen Saint-Rémy de Provence stattgefunden haben. Wahrscheinlich wird sich die Band beim nächsten Album schon wieder ganz anders anhören. Doch genießen wir erst einmal das vorliegende, dessen einzige Offenbarung lautet: Nick Cave & The Bad Seeds sind 30 Jahre nach ihrer Entstehung immer noch eine phantastische Band. © Laut
Ab
CD12,49 €

Rock - Erschienen am 16. Mai 2011 | Mute, a BMG Company

Ab
CD12,49 €

Rock - Erschienen am 16. Mai 2011 | Mute, a BMG Company

Ab
CD12,49 €

Rock - Erschienen am 29. März 2010 | Mute, a BMG Company

Ab
CD2,99 €

Rock - Erschienen am 17. November 2014 | Mute, a BMG Company

Ab
CD12,49 €

Rock - Erschienen am 27. April 2009 | Mute, a BMG Company

Ab
CD9,99 €

Alternativ und Indie - Erschienen am 2. Dezember 2013 | Bad Seed Ltd

2013 war für Nick Cave und alle, die ihn mögen, ein triumphales Jahr. Erst erschien mit "Push The Sky Away" sein bestes Album im neuen Jahrtausend, dann folgte eine überzeugende Tour. Kurz vor Weihnachten kommt als krönender Abschluss die vorliegende Live-Aufnahme auf den Markt. Entstanden am 18. April bei einer Radiosession in Los Angeles, zwischen zwei Auftritten beim Coachella-Festival, zeigt das Material den Australier und seine Mitstreiter in bester Verfassung. Sie stecken so voller Selbstbewusstsein, dass sie das Set ausgerechnet mit dem sperrigsten Stück des neuen Albums, "Higgs Boson Blues" beginnen. Die erstaunliche Erkenntnis: Sorgten auf "Push The Sky Away" die Loops und elektronischen Geräusche von Warren Ellis für die morbide, entspannte Stimmung, reichte Caves Stimme hier im Prinzip alleine aus. Wie er, begleitet von lang gezogenen, schwerfälligen Akkorden von Ellis leicht ungestimmter Gitarre, das Lied ansetzt, ist ein Ohrenschmaus. Mit Martyn Casey am Bass, Jim Sclavunos am Schlagzeug und Barry Adamson an der Orgel gehen weitere Bad Seeds an den Start, doch letztendlich bleiben Cave und Ellis die Hauptakteure. Auf den achteinhalb Minuten langen Opener folgen zunächst ein paar Oldies: die Klavierballade "Far From Me" (aus "The Boatman's Call", 1997), "Stranger Than Kindness" ("Your Funeral ... My Trial", 1986) und vor allem "Mercy Seat" ("Tender Prey" 1988), das Johnny Cash auf "American III: Solitary Man" meisterhaft interpretiert hatte. Die Wut der Originalversion weicht auch hier der Melancholie. Fast könnte man meinen, es handle sich um eine Liebesballade statt um die letzten Augenblicke eines zum Tode Verurteilten. Das zeugt von der Souveränität, die Cave mittlerweile erreicht hat. Selbst als er auf "No More Shall We Part" (2001) in stimmliche Höhen vordringt, die eigentlich gar nicht zu ihm passen und die seine Stimme auch nicht hergibt, verliert er weder Würde noch Gelassenheit. Der Typ ist und bleibt einfach cool. Wenn es einen Grund zu meckern gibt, dann, dass noch einige Songs mehr Platz gefunden hätten. Um so mehr drängt sich da die Vinyl-Version auf, die zusätzlich "Into My Arms" und "God Is In The House" (beide aus "The Boatman's Call") enthält. Doch auch so bleiben noch genügend gute Stücke: Mit "Wide Lovely Eyes", "Mermaids" und "Push The Sky Away" drei Lieder aus dem aktuellen Album, mit "People Ain't No Good" ein weiteres Stück aus "The Boatman's Call". Ganz zu Schluss wird es unvermittelt gar alttestamentarisch. Plötzlich ertönt zu "Jack The Ripper" (aus "Henry's Dream", 1992) fieses Feedback. Es fehlte nur noch, dass Cave und seine Bad Seeds zum Schluss ihre Instrumente zertrümmern. "Hammer it, Jim", ruft Cave seinem Schlagzeuger zu, und fast fühlt man sich ins Jahr 1993 zurück versetzt, als mit "Live Seeds" der erste Bühnen-Mitschnitt der Band erschien. Nur fast. Auf ihren vierten (offiziellen) Livealbum klingen Nick Cave & The Bad Seeds wesentlich gesetzter als damals, wenn auch nicht unbedingt angepasster. So kann es weitergehen. © Laut
Ab
CD11,99 €

Rock - Erschienen am 28. Februar 2020 | 2 Meter Sessies

Ab
CD12,49 €

Rock - Erschienen am 3. Februar 2003 | Mute, a BMG Company

Ab
CD12,49 €

Rock - Erschienen am 29. März 2010 | Mute, a BMG Company

Ab
CD12,49 €

Rock - Erschienen am 3. März 2008 | Mute, a BMG Company

Als 2001 "No More Shall We Part" erschien, sahen Kritiker in Nick Cave endlich einen würdigen Nachfolger für den zurückgezogen lebenden Leonard Cohen. Also einen Dichter, der seine tiefgründigen Texte in einfache, nachvollziehbare Klangstrukturen packt, ohne den künstlerischen Anspruch hinter allzu lauten Arrangements zu verstecken. Der Wandel schien nachvollziehbar, nachdem der Australier das Ende des letzten Jahrtausends genutzt hatte, um endlich vom Heroin loszukommen. Keine Drogen = kein Rock'n'Roll, zumindest nicht im Studio. Weder "Nocturama" (2003) noch "Abattoir Blues/The Lyre Of Orpheus" (2004) vermochten es, den Spannungsbogen aufrecht zu erhalten. Die Bad Seeds mussten den Ausstieg Blixa Bargelds verkraften, der sich angesichts des Wohlklangs nach 20 Jahren lieber wieder Vollzeit mit den Einstürzenden Neubauten beschäftigte. Das Positive: Cave entdeckte die Gitarre und war vom Instrument so begeistert, dass er 2007 unter dem Bandnamen Grinderman ein raues Album veröffentlichte. So ist es nicht erstaunlich, dass auf der vorliegenden vierzehnten Platte mit den Bad Seeds das in den letzten Jahren so prägende Klavier fast vollkommen verschwunden ist. Schon die vielen Ausrufezeichen im Titel zeugen von einer neu erlangten Überzeugung in die eigenen Mittel. Frei übersetzt heißt die Platte "Lazarus, schaufele dich zurück in dein Grab". Grandios. Und sicherlich nicht zufällig, denn in den Texten tauchen wieder die biblischen Themen von Sünde, Schuld und Rache auf, die Caves Kompositionen bis in die 90er Jahre hinein prägten. Gitarre eingestöpselt, Schlagzeug, Akkord, Schlagzeug, Akkord, Chorus – der Titeltrack beginnt ohne aufwändige atmosphärische Einführungen. Vorbei sind die Zeiten, in denen Cave zittrig an den oberen Tonlagen seiner dafür ungeeigneten Stimme kratzte. Fast sprechend erzählt er fragmentarisch die Geschichte des amerikanischen Schriftstellers Larry Sloman, der von Stadt zu Stadt zieht, langsam den Sinn für die Realität verliert und in einem Sumpf aus Drogen und Sex stecken bleibt. "Was wissen wir über die Toten? Wen interessiert's überhaupt?", fragt Cave gegen Schluss zynisch. "We're gonna have a real good time tonite", heißt es im ebenfalls energetischen "Today's Lesson". "Moonland" kommt dagegen eher groovig daher, begleitet von einer in Säure getränkten E-Gitarre und Caves Ersatztastatur, der Orgel. Eine Trommel wirbelt, Maracas rascheln, eingestreute Geräusche fügen sich zu einer mysteriösen, spannungsgeladenen Stimmung zusammen. Die Spielfreude ist den Beteiligten richtig anzumerken. Eigentlich wagte sich Cave wieder an ein Projekt, das 1992 auf "Henry's Dream" nicht gelang, nämlich ein rein akustisches Album aufzunehmen. "Diesen Versuch wollte ich mit der neuen Platte noch einmal starten – und tatsächlich ist dabei wieder eine ziemlich elektrisch klingende Geschichte herausgekommen. Aber es gibt eine eigenartig schöne Kluft zwischen den Eingeweiden dieses Albums, die aus Akustikgitarre, Bass und Schlagzeug bestehen, und den extrem aufgeladenen akustischen Dissonanzen, die wir darüber gelegt haben", teilt der Australier über sein Label mit. Eine Einschätzung, die er mit dem (alp)träumerischen "Night Of The Lotus Eaters" und dem No Bullshit-Rock'n'Roll von "Albert Goes West" widerspruchslos bestätigt. Eine Klavierballade ist schließlich doch reingerutscht, "Jesus Of The Moon". Er habe nicht das Herz gehabt, sie auszumustern, bekennt Cave. Doch auch hier zeugen Verzerrungen und Geknister vom Kurs dieser Platte. Davor teilt er in "We Call Upon The Author" noch ordentlich aus ("Bukowski was a jerk"), auch "Lie Down Here (& Be My Girl)" fällt alles andere als romantisch aus. Der Höhepunkt kommt jedoch zum Schluss. Musikalisch ist "More News From Nowhere" angesichts des zu oft wiederkehrenden, choralen Refrains anstrengend anzuhören, doch der Text hat es in sich. Er handelt von einem Mann, der mit Drogen vollgepumpt durch seine Erinnerungen wie durch die Zimmer einer Wohnung wandelt. Dort lernt er eine "nubische Prinzessin" kennen, zwischen deren Beinen er sieben Jahre verbringt, und die alte Bekannte Deanna, die Cave bereits in den 80er Jahren Kopfzerbrechen bereitete. "She was my friend, she was my fucking partner", sang er damals. "All der Horror, der mich heimgesucht hat – sie war schuld daran", heißt es jetzt. Erinnerungen aus der Vergangenheit also, die wieder auftauchen. Das gilt auch für dieses Album, das eher an "The Good Son" (1990) als an den Vorgänger "Abattoir Blues" anknüpft. Doch Cave hat es nicht nötig, den alten Brei wieder aufzuwärmen. Eher nimmt er wieder einen Strang auf, den er auf seinen Platten, nicht aber auf der Bühne ruhen gelassen hatte. Vielleicht hört er sich bei der nächsten Gelegenheit wieder vollkommen anders an, eine Qualität, die sich nur wenige Künstler leisten. Fest steht, dass er und die Bad Seeds nach einem Durchhänger wieder zu ihrer alten Stärke gefunden haben: Der Einheit aus Klang, Text und Anspruch. © Laut

Der Interpret

Nick Cave & The Bad Seeds im Magazin
  • Nick Cave, solo
    Nick Cave, solo Mit "Idiot Prayer" veröffentlicht der Australier ein zauberhaftes Klavier-Soloalbum, ganz ohne seine Bad Seeds...