Ihr Warenkorb ist leer!

Genre :

Ähnliche Künstler

Die Alben

Ab
HI-RES16,99 €
CD14,49 €

Rock - Erschienen am 21. Oktober 2016 | Columbia

Hi-Res Booklet Auszeichnungen 4F de Télérama - Pitchfork: Best New Music
Dass Leonard Cohen den Sensenmann ruft ist nicht das erste Mal. Dieses Mal sieht der dunkelgraue, um nicht zu sagen tiefschwarze Poet das Ende nahen...Man kommt deshalb in Versuchung You Want It Darker, das er im Alter von 82 Jahren veröffentlicht als "Testament-Album" zu sehen. Der Kanadier hat zwar körperlich nachgelassen, ist jedoch subtiler und intelligenter als dieses Marketing Image und erreicht mit seinem vierzehnten Album eine fantastische Ode an seine Lieblingsthemen mit einem Hauch Humor und Schärfe und setzt sie in einen ganz neuen Kontext. Produziert von seinem Sohn Adam Cohen bietet You Want It Darker eine ganz neue musikalische Verpackung mit neuen Ambitionen. Die 2-Euro-Synthesizer-Sounds sind von gestern und bieten nun Platz für eine faszinierende klassischere Atmosphäre. Die Beteiligung des Chors der Synagoge Shaar Hashomayim aus Montreal - den er seit seiner Kindheit kennt - sowie das Hervorheben seiner jüdischen Wurzeln verleiht seiner Musik eine deutlich stärkere Spiritualität (die aber perfekt dosiert ist)...Wenn Cohen Leaving The Table einleitet mit I'm leaving the table, I'm out of the game (Ich verlasse den Tisch, ich bin raus) oder mit dem Song You Want It Darker in dem es heißt I'm ready my Lord (Ich bin bereit Herr), erahnt man seinen Vorschlag nur allzu gut...Nur selten hat Leonard Cohen Text und Musik mit soviel Genie in Einklang gebracht. Ein großer Hit? Ein Euphemismus...© MZ/Qobuz
Ab
HI-RES16,99 €
CD14,49 €

Rock - Erschienen am 21. Oktober 2016 | Columbia

Hi-Res Booklet Auszeichnungen 4F de Télérama - Pitchfork: Best New Music
Dass Leonard Cohen den Sensenmann ruft ist nicht das erste Mal. Dieses Mal sieht der dunkelgraue, um nicht zu sagen tiefschwarze Poet das Ende nahen...Man kommt deshalb in Versuchung You Want It Darker, das er im Alter von 82 Jahren veröffentlicht als "Testament-Album" zu sehen. Der Kanadier hat zwar körperlich nachgelassen, ist jedoch subtiler und intelligenter als dieses Marketing Image und erreicht mit seinem vierzehnten Album eine fantastische Ode an seine Lieblingsthemen mit einem Hauch Humor und Schärfe und setzt sie in einen ganz neuen Kontext. Produziert von seinem Sohn Adam Cohen bietet You Want It Darker eine ganz neue musikalische Verpackung mit neuen Ambitionen. Die 2-Euro-Synthesizer-Sounds sind von gestern und bieten nun Platz für eine faszinierende klassischere Atmosphäre. Die Beteiligung des Chors der Synagoge Shaar Hashomayim aus Montreal - den er seit seiner Kindheit kennt - sowie das Hervorheben seiner jüdischen Wurzeln verleiht seiner Musik eine deutlich stärkere Spiritualität (die aber perfekt dosiert ist)...Wenn Cohen Leaving The Table einleitet mit I'm leaving the table, I'm out of the game (Ich verlasse den Tisch, ich bin raus) oder mit dem Song You Want It Darker in dem es heißt I'm ready my Lord (Ich bin bereit Herr), erahnt man seinen Vorschlag nur allzu gut...Nur selten hat Leonard Cohen Text und Musik mit soviel Genie in Einklang gebracht. Ein großer Hit? Ein Euphemismus...© MZ/Qobuz
Ab
HI-RES16,99 €
CD14,49 €

Rock - Erschienen am 25. Juli 1989 | Columbia

Hi-Res Auszeichnungen Qobuz' Schallplattensammlung
Als Leonard Cohen an Weihnachten 1967 dieses erste Album herausbringt, ist er schon 33 Jahre alt und als Schriftsteller bestens bekannt. Das ist wohl der Grund, warum seine ausgereifte und äußerst nüchterne Folk-Platte so erhaben und anmutig wirkt. Obwohl der Einfluss der Folkszene der Sechzigerjahre in Greenwich Village deutlich zu spüren ist, gelingt es dem Kanadier sofort, die Eigenartigkeit (wie immer bei Dylan, man mag es oder man mag es nicht...) seiner irgendwie von Traurigkeit durchsetzten Stimme zu demonstrieren. Stimmorgan und Text haben den großen Produzenten John Hammond verzaubert (den, der schon Berühmtheiten wie Billie Holiday, Bob Dylan, Bruce Springsteen, Aretha Franklin und Stevie Ray Vaughan entdeckt hatte), und dieser hat ihm dann bei Columbia einen Vertrag eingebracht. Der erste Titel des Albums Songs Of Leonard Cohen  beginnt mit seiner legendären Suzanne, die dank Judy Collins‘ schöner Wiederaufnahme ein paar Monate zuvor berühmt geworden war. Mit seiner hypnotisierenden, einseitigen, dünnen Stimme und dem Talent, die Verzweiflung, die Liebe und die blauen Flecken auf der Seele zu verherrlichen, ist Leonard Cohen also eine Gattung für sich. Diese von recht düsterer Melancholie getragene Nonchalance, mal gezupfte Saiten, mal fast im Hintergrund verschwindender Chorgesang, dieses ganze, auf den ersten Blick trockene Universum, dafür muss man aufmerksam und bedacht sein, will man es bis ins Kleinste auskosten können…© MZ/Qobuz
Ab
HI-RES16,99 €
CD14,49 €

Pop/Rock - Erschienen am 19. September 2014 | Columbia

Hi-Res Auszeichnungen 4F de Télérama
"Die Poesie ist nur der Nachweis des Lebens. Wenn dein Leben richtig gut brennt, ist die Poesie nur seine Asche." Getreu seines eigenen Lebensmottos kehrt Leonard Cohen punktgenau zum 80. Geburtstag zurück ins Rampenlicht. "Popular Problems" heißt das in knapp 50 Jahren erst 13. Studioalbum des kanadischen Poeten. Der Father of Song hat erstmals nahezu durchgehend den Blues. Nur zwei Jahre sind ins Land gegangen seit seinem - kommerziell betrachtet - erfolgreichsten Werk "Old Ideas". Für Cohen-Verhältnisse ist das geradezu Lichtgeschwindigkeit. Er selbst nennt es "shockingly alarming speed". Einmal mehr gibt es herausragend poetische Lyrics zur einzigartig warmen Sandpapierstimme. Erneut macht jede Silbe deutlich, wie sehr dieser Partisan der Liebe in den Zeiten seiner Abwesenheit der Welt fehlt. Und leider wiederholt sich ebenso jener Fehler des Vorgängeralbums, Producer und Co-Songwriter Patrick Leonard gelegentlich zu viele Zügel in die Hand zu geben. Jener ist für Cohen gleichermaßen Segen wie Fluch. Getreu seines bisherigen Schaffens zwischen großer Kunst (u.a. war er Co-Produzent für Roger Waters' prophetisches Werk "Amused To Death") und ödem US-Kitsch (Bon Jovi, Peter Cetera, Madonna) kann er Cohen nur gelegentlich das Wasser reichen. Mit unpassend luschigem Country-Gegniedel zerstört er die Magie des Meisters in den eigentlich wundervollen Perlen "Did I Ever Love You" oder "You Got Me Singing". An dieser Stelle wünscht man Cohen einen Sidekick auf Augenhöhe. Kaum jemand wusste mit Rootsmusik zuletzt so zu begeistern, wie der begnadete Pianist und ehemalige Dr. House, Hugh Laurie. Es ist Patrick Leonard nur zu raten, mal in die eine oder andere Platte des ehemaligen Schauspielers rein zu hören. Zum Glück lag Cohens großes Plus schon immer im Inhalt und weniger in der Verpackung. Das berühmte Sprichwort "Don't judge a book by its cover" gilt für nahezu alle Cohen-Scheiben seit "Various Positions" (1984). So sind sieben seiner neun taufrischen Tracks jeden Kniefall wert und bedeuten mehr als ganze Diskografien anderer alter Showbiz-Hasen. "I always liked it slow, I never liked it fast / With you it's gotta go, with me it's gotta last." Zu diesen ungewohnt selbstbewussten Zeilen gibt sich der schicke Opener "Slow" als klassischer Slow-Blues die Ehre. Ein bisschen Blind Lemon Jeffersons "Black Snake Moan" (1927) sowie eine große Rhythmus-Portion von Samuel L. Jacksons 2006er Version kontrastieren und unterstreichen Cohens Timbre gleichermaßen. Seine lakonische Lässigkeit findet nicht nur hier ihr Pendant im musikalischen Minimalismus. Man höre nur das großartige Piano in "Almost Like The Blues". Mit tupfender Leichtfüßigkeit tanzen die Tasten als luftiger Kokon um die archaische Grundmelodie. Auch in textlicher Hinsicht hat das Lied eine Schlüsselposition anlog des Klassikers "The Future" inne. Cohens Empathie trifft auf die harsche Wirklichkeit einer weltweit apokalyptischen Gegenwart. Das Besondere ist der einmalige augenzwinkernde Humor als Seitenhieb. In totaler Selbstironie stellt Cohen schlechte Kritiken in eine Reihe mit der Barbarei. Heraus kommt große Literatur als Dreiminuten-Schnellgericht im Popformat. "There's torture and there's killing / there's all my bad reviews / The war, the children missing / Lord, it's almost like the blues." Wie immer sind es die auszehrenden Kriege, der entweder rachsüchtige oder nicht existente Gott und deren Entsprechung in den Schlachten zwischen Weib und Mann. Seine Erkenntnisse wiederholen sich indes nie. Man kann getrost jedes Wort dieses weisen Mannes in Stein hauen. "Our law of peace which understands / A husband leads, a wife commands", haucht er im treibenden "Nevermind". Dazu flankieren ihn gut platzierte weibliche Vocals abwechselnd in englischer und arabischer Sprache. Mit dem spirituell-philosophischen Bekenntnis "Born In Chains" beansprucht er mutmaßlich einen Weltrekord der Langsamkeit für sich. Der Text brauchte 40 Jahre stetiger Veränderung, bis das Lied endgültig von der Leine durfte. Halb Messe, halb Psalm. Dazu in Cohens Gesamtwerk ein wichtiges Stück, dass die gesammelten Bekenntnisse und Erkenntnisse seines Gedichtbandes "Book Of Mercy" (1985) gebündelt zusammenfasst. Und dann treffen wir noch auf diesen melancholischen Moment für die Ewigkeit, der sich "Samson In New Orleans" nennt. Cohen zelebriert die Wucht des Unspektakulären. Zur betörenden Melodie samt hervorragend eingefügter Zigeunergeige reißt er als - diesmal ungezähmter Samson - alle Tempel menschlicher Eitelkeit ein. "So gather up the killers, get everyone in town / Stand me by those pillars, let me take this temple down!" Eine Perle, die man getrost neben Glanztaten à la "A Thousand Kisses Deep" oder "Who By Fire" in die Playlist packen darf. So macht der Mann, der vor wenigen Jahren die unschlagbare Publikumsbegrüßung "Excuse me for not dying" erfand, nicht sich, sondern uns allen ein Geschenk zum Wiegenfest. Cohens tiefgründige Brillianz bleibt ungebrochen und schmeckt so reif, wie jener Rotwein, den er selbst so sehr liebt. Weiterhören mit seinem dunklen Meisteralbum "Songs Of Love And Hate" (1971) und dem musikhistorischen Auftritt "Isle Of Wight". © Laut
Ab
HI-RES16,99 €
CD14,49 €

Rock - Erschienen am 11. Dezember 1995 | Columbia

Hi-Res Auszeichnungen Qobuz' Schallplattensammlung
Jimi war schon tot, Janis starb nur wenig später. Es ist eine kurze Zeitspanne, in der Leonard Cohen "Songs Of Love And Hate" einspielte, doch genauer hätte er den Anfang vom Ende der Flower-Power-Ära nicht treffen können. Nicht dass Woodstock je Cohens Welt gewesen wäre. Drogen, Spiritualität und freie Liebe sind 1970 für den bereits 36-Jährigen keine kollektiv zelebrierten Zeitgeisterscheinungen, sondern vielmehr willkommenes Gegengift. Antidepressiva eines lebenserfahrenen Mannes, den das plötzliche Rampenlicht noch stärker auszehrt als seine jüngeren Leidensgenossen. Offenkundig zu alt für den Klub 27 arrangiert sich Cohen mit dem Leben im Musik-Business, in das er mit "Songs Of Leonard Cohen" und "Songs From A Room" wenige Jahre zuvor hineinstolperte. "Ehrlich gesagt, ich schäme mich für die meisten Arbeiten", äußert er einige Monate später. Glück brachten sie im Privaten tatsächlich nicht: Das hedonistische Leben mit seiner Muse Marianne auf der Insel Hydra gehört der Vergangenheit an, Chelsea Girl Nico zeigt sich von seinen poetischen Annäherungsversuchen unbeeindruckt. Weitere romantische Spannungen mit Freundin Suzanne Elrod sowie dem freundlichen Verweis von Columbia Records auf einzuhaltende Plattenverträge lassen Cohen aber keine Wahl: Für ein neues Album bleibt ihm folglich nichts anderes übrig, als die innere Düsternis nach außen zu kehren. Religion und Schicksal, Liebe und Untreue, Selbstzweifel und Autoaggression – das ist die Welt von "Songs Of Love And Hate", die Welt eines Cohens nach "Suzanne" und vor "Hallelujah". Nick Cave hat mehrfach betont, "Songs Of Love And Hate" habe sein Leben und seine Sicht auf die Dinge verändert. Fremde Emotionen drangen in Caves liebevolle, behütete Kindheit. Warfen Kritiker Cohen damals tatsächlich vor, mit seinen spärlich instrumentierten Trauer-Kompositionen eine ganze Generation zu deprimieren, so sieht der Bad Seeds-Sänger hierin vielmehr ein einzigartiges Ventil: "Die Traurigkeit von Cohen war inspirierend, sie gab mir viel Energie." Viel dieser Energie schlummert bereits im Opener "Avalanche": Der refrainlose Sechsminüter (unter anderem von Cave gecovert) schaufelt bereits zu Beginn mögliche Euphorie-Reste zur Seite – und ist ganz nebenbei das wohl eindrucksvollste Beispiel von Cohens Trademark-Picking auf der Konzertgitarre. Über das Geflimmer von gefühlt 18 Saiten erhebt sich Cohens bebender Bassbariton: "You who wish to conquer pain / You must learn to serve me well." Willkommen zu Liebe und Hass. Die Liebe ist für viele bis heute das primäre Element in Cohens Liedern. Der Hass hingegen lauert vielmehr in den grotesken Auswüchsen des Selbstzweifels, der ihn ein Leben lang begleitete. Dabei ist die Bescheidenheit späterer Live-Aufnahmen nichts gegen die allumfassende Unsicherheit seiner frühen Tourneen, die Angst, sein Publikum mit Belanglosigkeiten zu langweilen. "What can I tell you my brother, my killer / What can I possibly say?" "Famous Blue Raincoat" ist nicht nur die wohl bekannteste und zugänglichste Komposition des Albums. Es ist auch das Stück, das Cohens damalige Gefühlswelt aus Zynismus, Melancholie und Hassliebe auf den Punkt bringt wie kein anderes. Das Szenario der Dreiecksbeziehung ("your enemy is sleeping, and his woman is free") kann man gut und gerne als zeitgeistige Anspielung auf die gebrochenen Herzen der freien 68er-Liebe beziehen. Andererseits: Zu gut versteht sich Cohen dafür auf die zeitlose Allgemeingültigkeit seiner Lyrik – in all seinen Texten. Mit Cohen als Absender (und als nicht immer unschuldiger Frauenheld) ist dieses Protokoll noch verhältnismäßig einfach zu entschlüsseln. Auch das ungewohnte Nashville-countryeske "Diamonds In The Mine" und das gefährlich suizidale "Dress Rehearsal Rag" reihen sich in die kurze Liste der zugänglicheren Nummern ein – die meisten Songs jedoch schmücken sich mit weitaus kryptischeren Zeilen. In den frühen Siebzigern hat Cohen längst erkannt, wie schwer es ist, sich an kurze Moment des Glücks klammernd nicht ins Unglück abzurutschen. Es ist das alte Bild des leidenden Künstlers: Zweifel, Enttäuschung, Schmerz. Doch statt die Quelle dieses Elend in seinen Mitmenschen zu verorten, ist seine Freudlosigkeit eher egozentrischer Natur: Leonard Cohen ist einfach verdammt unzufrieden. Mit sich, und vor allem: mit seiner Kunst. Interviews aus den frühen Siebzigern, in denen er die Qualität seines bisherigen Schaffens nicht offen anzweifelt, sind rar. Im halb gelallten Finale "Joan Of Arc" versucht sich Cohen an einem Ausweg aus diesem persönlichen Dilemma. Im gedichteten Dialog zwischen der französischen Kriegsheldin Jeanne d'Arc und dem sie auf dem Scheiterhaufen richtenden Feuer stellt sich Cohen seinem Schicksal als gequälter Künstler und Liebender: "Myself I long for love and light / But must it come so cruel, and oh so bright?" Es ist im Grunde schon beschämend, sich als Zuhörender so am offenen Leid zu ergötzen. Denn der Grund, warum "Songs Of Love And Hate" zu jeder Minute und mit jeder Zeile unter die Haut geht, liegt in genau dieser destruktiven Getriebenheit: Cohens Angst vor dem Versagen alleine treibt ihn mehr und mehr in den künstlerischen Selbstoptimierungswahn und lässt die finalen Songs auf ein nie mehr erreichtes Level an lyrischer und tonaler Qualität anwachsen. Einer der am meisten übersehenen und als einziger von Cohen nie live aufgeführter Song ist das fünfstrophige "Last Year's Man". Dabei ist es das Kernstück des Albums. "The rain falls down on last year's man / An hour has gone by and he has not moved his hand." Diese Lethargie darf gerne als Allegorie auf den Schaffensprozess gesehen werden: Der Künstler kommt nicht voran und versucht sich in den weiteren Strophen an Metaphern verschiedenster Natur. Da sind die religiösen Bibelmotive ("Some women wait for Jesus / and some women wait for Cain"), da ist die voyeuristische "Raincoat"-Dreiecksbeziehung, auf die er sich als zunächst Außenstehender einlässt, und da taucht bereits die später noch viel prominenter herausgearbeitete "Joan Of Arc" auf. Cohen soll noch viele weitere Strophen für das Stück geschrieben haben. Es bleibt die Dankbarkeit für die wenigen, die er mit uns geteilt hat. Sie dienen als Schlüssel zu einem Album, mit dem man einmal wirklich alleine sein kann. Alleine mit einem Fremden, der in einem einseitigen, aber heilsamen Monolog zu dir spricht – und der nach 44 Minuten das Gefühl hinterlässt, er wäre dir nie fremd gewesen. Diese Stimme muss so auch das aufgebrachte Publikum beim Isle Of Wight Festival gehört haben, wo Cohen 1970 einen transzendental-berüchtigten Auftritt absolvierte. Die dort gesungene Entfremdungshymne "Sing Another Song, Boys" hat er übrigens als Live-Mitschnitt eins zu eins auf "Songs Of Love And Hate" übernommen. Asketische Intimität vor 600.000 Menschen. Auch das wusste Cohen zu meistern. Ob die Anwesenden im Nachhinein alle deprimiert waren? Wohl eher erleuchtet. Erleuchtet wie der lodernde Scheiterhaufen, auf dem "Joan Of Arc" im finalen Track nach langem Zehren ihr Ende erwartet. "Then she clearly understood / If he was fire, oh she must be wood." Ihr Dialog mit dem Feuer endet vor allem mit einem: Mit Akzeptanz. © Laut
Ab
HI-RES16,99 €
CD14,49 €

Pop/Rock - Erschienen am 25. Juli 2014 | Columbia

Hi-Res Auszeichnungen 4F de Télérama
Nach Verrat und Unterschlagung musste Cohen der Kohle wegen gezwungenermaßen auf Welttournee. Dort fand ein fast beispielloser Austausch der Liebe zwischen Künstler und Publikum statt. Alle Freunde seiner sinnlichen Weisheiten dürsten nache einem neuen Lebenszeichen. Drei herausragende Livedokumente in drei Jahren linderten den Phantomschmerz jedoch höchstens im Ansatz. In seiner ganz eigenen unnachahmlichen Art nennt Cohen das Album "Old Ideas". Der Titel verrät bereits viel. Er enthält die milde Selbstironie eines Mannes, der sich die 'Human Farce' bereits anschaute, als etwa Elvis Presley oder Jerry Lee Lewis geboren wurden. Doch am wichtigsten sicherlich: die buddhistisch anachronistische Geduld, Freundlichkeit und Zuneigung für eine mehr denn je aus den Fugen geratenen Welt. Doch wer jetzt glaubt, man bekäme eine Art illusionsloses "The Future" Part II oder ein den Geschlechterkampf sezierendes Gemälde exquisiter Qualen, der irrt. Es gab und gibt keinerlei Wiederholungen auf Cohens Weg. Stattdessen regiert musikalisch wie lyrisch die Sanftmut. Letztere hat dabei zum Glück rein gar nichts mit Altersmilde zu tun. Damals zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr warnte er eindringlich mit Feuer und Schwert vor der menschlich verursachten Katastrophe, "... just a crazy kid with a dream ..." Heute, wo sie endlich da ist, hilft er uns, diese zu überstehen. "Behold the gates of mercy / In arbitrary space / And none of us deserving / the cruelty or her grace." ("Come Healing") Jikan, der Stille – so sein humorvoll buddhistischer Name nach der Weihung zum Mönch - liebt sie demnach immer noch, die alte Hure Menschheit. Was liegt da näher, als ein Team aus Freunden und Gefährten zusammen zu stellen? Egal, ob Seelenfreundin Jennifer Warnes, Javier Mas oder Dino Soldo: All seine Schäfchen sind einmal mehr im Boot. Wem schon die Produktion von "Ten New Songs" sowie sein Hang zu Heimorgel-artigen Keyboardarrangements die Suppe versalzen hat, darf sich über die deutlich organischere Herangehensweise freuen. Cohen bedient sich des archaischen Ur-Blues in äußerst minimaler Struktur. "Anyhow" ist eines dieser einnehmenden Lieder. Schönheit erblüht in Schlichtheit. Im Herbst seiner Karriere zeigt sich deutlicher als je zuvor, wie irrelevant jede Art der Produktion oder des Sounds für Leonards Kunst ist. Wer braucht schon den Rahmen? Wichtig ist allein der Kern des Bildes mit Melodie und Botschaft. Letzteres ist – wie bei jeder Cohen-Platte bislang – über jeden Zweifel erhaben. Ein erstaunlicher Teil der Cohen-Magie speist sich aus der ebenso alters- wie zeitlosen Darbietung. Wie auf Knopfdruck mutiert der 78-Jährige zum ewigen Liebhaber, Narren und Verführer. Zur herrlich spartanischen Akustikgitarre in "Crazy To Love You" serviert er eine dieser ebenso simplen wie aufbrechenden Melodien, an denen jeder Epigone bislang eindrucksvoll scheiterte. "Had to go crazy to love you (…) / I'm old and the mirrors don't lie / but 'crazy' has places to hide in / deeper than saying goodbye." Wer schon immer die rein akustischen Platten bis einschließlich "New Skin For The Old Ceremony" am liebsten mochte, sollte dringend ein Ohr riskieren. Der Partisan der Liebe klingt wie anno 1973. Meine persönlichen Favoriten sind dabei zwei andere. "Amen", ein köstlicher Bastard aus Verspieltheit und Wucht, verbindet ähnlich wie bei "I'm Your Man" (1987) musikalisch das Niedliche mit dem Alttestamentarischen. Ein gemütlich schlenderndes Bluesthema gipfelt im ironisch monumentalisierten Ausruf: "Amen!". Zwischendrin gibt es ein knuffiges, dabei melancholisch bärenstarkes Zeitlupen-Gejüdel zur sinistren Unterfütterung. Die Detailfreude für den bewussten Hörer ist ungebrochen. "Show Me The Place" führt den Lauscher dagegen in die typische Doppelbödigkeit des 'Fieldcommander Cohen'. Wie so oft kann und darf man die Zeilen als erotischen Minnesang oder spirituelle Hommage begreifen. Hierin zeigt sich die exponierte Sonderstellung unter den Songwritern unseres gar nicht so kleinen Planeten. Leonards Doppelsinn ist stets vereinnahmend, nie auschließend oder gar trennend. Auch 2012 bleibt der Mann im 'famos blauen Regenmantel' immer kumulativ, unter keinen Umständen alternativ. Diese kleine, beinahe schon unscheinbare Pianoballade perlt direkt ins Herz. Die einzelne Geige bringt das Thema zur Mitte elegant auf den Punkt und entschwindet hernach wieder in jener Versenkung, der sie so plötzlich entsprang. Wundervoll. "Lullaby" oder "Different Sides" erschließen sich -zumindest mir - noch nicht in einer Weise, die bislang davon abhielte, zu ein paar gewohnteren Melodien des Gesamtwerks zu wechseln. Doch das ist nur eine Momentaufnahme, Schall und Rauch. Cohens unfassbar raffinierte Einheit zwischen Musik und Text macht ihn auch nach Jahrzehnten zum unangefochtenen Leitwolf ohne jeden anderen Maßstab als den eigenen. Unter den besten der Pioniere - von Reed bis Dylan – bleibt er der Rudelführer. Das eine Tier unter vielen seltenen Erscheinungen. © Laut
Ab
HI-RES16,99 €
CD12,99 €

Pop - Erschienen am 22. November 2019 | Columbia - Legacy

Hi-Res
Leonard Cohen meldet sich aus dem Jenseits mit Thanks for the Dance zurück, drei Jahre nach dem dämmrigen You Want It Darker. Hier hörten wir Parolen, die uns den Atem anhalten ließen (I’m ready my Lord) und bei dem es uns mit dieser dunklen Stimme eiskalt über den Rücken lief, während die Chöre und die Orgel sich in einem Hall vermischten. Am 7. November 2016, plötzlich über Nacht, verlässt er uns. Aber der Sänger hat bereits für die Nachwelt vorgesorgt: ein Album, das posthum veröffentlicht werden sollte. Um ihm seinen letzten Wunsch zu erfüllen, hat er seinen Sohn Adam ausgesucht, der bereits an der Produktion des vorherigen Albums beteiligt war: “Ich kenne den musikalischen Wortschatz meines Vaters und wir hatten bereits viel über die Arrangements während der Sessions von ‘You Want It Darker’ gesprochen.“Adam legte die neun halbnackten oder nur mit Gitarre begleiteten Texte seines Vaters wissentlich beiseite und rief die treuesten Mitstreiter, um sie einzukleiden. “Trotz alledem bin ich durch eine Phase des Zweifelns gegangen. Ich habe also beschlossen, all diese talentierten Künstler zusammenzurufen, die sich auf der Platte wiederfinden, beginnend mit Javier Mas, dem spanischen Gitarristen, der meinen Vater auf der Bühne begleitete.” Feist, Beck an der Gitarre, Daniel Lanois, Damien Rice oder Patrick Watson beteiligen sich ebenfalls. Als ein perfekt mit dem Testament anschließendes Opus situiert es sich zwischen nüchternen Klängen der Gitarre, der Mandoline, des Klaviers oder der Chöre, die von umwerfender Schönheit zeugen. The Hills, das sich in der Dramatik langsam aufbaut oder das Licht, das von den Percussions in The Night of Santiago aufgebrochen wird, das Funkeln von The Goal oder die bescheidene Einladung zu Listen to the Hummingbird (Listen to the Hummingbird, don't listen to me) zum Schluss… scheinen nur verschönernde Elemente neben dieser tiefen Stimme des Kanadiers zu sein, die im Vordergrund steht. So wie auch seine Lieblingsthemen in den Texten: Einsamkeit, Verlust, Verletzlichkeit und das Judentum. Nach dem gefallenen Vorhang von You Want It Darker folgt der Applaus. Meisterhaft. © Charlotte Saintoin
Ab
CD18,99 €

Pop - Erschienen am 22. Oktober 2002 | Columbia

Vor 35 Jahren debütierte Leonard Cohen als Songwriter mit "Songs Of Leonard Cohen". Ein Paukenschlag, der auch Jahrzehnte später nichts von seiner Mächtigkeit eingebüßt hat. Cohens Songs haben eine bedeutungsschwere Leichtigkeit, die sie über dem unaufhaltsamen Strom der Zeit schweben lassen. "The Essential", der Titel verrät es bereits, macht den Versuch, die feinsten Songs aus 15 Alben heraus zu picken und auf einer Doppel-CD zu vereinigen. Eine Aufgabe, die längst überfällig war, schließlich sind seit der letzten "Best Of"-Platte immerhin schon rund 30 Jahre ins Land gegangen. So spannt "The Essential" den Bogen von den späten 60ern ins neue Jahrtausend und würzt das beeindruckende Frühwerk Cohens mit ebenso schmackhaften Zutaten jüngeren Datums. Einzig "Lady Midnight" fehlt im Reigen der großen Cohen-Songs. Eine Gewichtung oder Abstufung der 31 Songs vorzunehmen fällt schwer. Die meisten Lieder beschwören trotz ihrer über die Jahre hinweg etablierten Vertrautheit ein Gefühl der Intensität herauf, gehen direkt ins Herz und lassen es in sehnsüchtiger Trauer zurück; bis zum nächsten Mal. Leonard Cohen, der singende Poet, ist ein Suchender. Er bleibt nirgends lange stehen, wandert immer weiter. Bei der schon halb in den Wahnsinn entrückten "Suzanne" beginnt der singende Poet den Weg der Erkenntnis, tröstet sich mit den "Sisters Of Mercy", um sich schon bald mit einem beklemmenden "So Long, Marianne" zu neuen Ufern aufzumachen. Dort feiert er mit "Who By Fire" das Versöhnungsfest Jom Kippur und nascht mit "Hallelujah" die ersten Früchte vom Baum der Erkenntnis. Am Ziel ist Cohen indes noch lange nicht angekommen. Doch der oftmals fatalistische Unterton der alten Tage weicht allmählich einer zuversichtlichen Gelassenheit, wie in "Ain't No Cure For Love". Dabei verleiht Cohen einer solch alltäglichen, um nicht zu sagen banalen Einsicht eine Tiefe, die seine große lyrische Stärke ist. Wenn sich diese mit seinem feinen Gespür für das richtige Arrangement verbindet wie bei "Waiting For The Miracle", dann glaubt man Leonard Cohen fast am Ziel seiner Suche. Wie ein fernes Echo hallt es dann aus der Vergangenheit: "But I Must Go On, The Frontiers Are My Prison". © Laut
Ab
HI-RES21,99 €
CD18,99 €

Pop/Rock - Erschienen am 28. November 2014 | Columbia

Hi-Res
2008 stand der Altmeister, damals schon 74, nach 15 Jahren überraschend wieder auf der Bühne. Hatte ihn zunächst ein leergefegtes Bankkonto dazu gezwungen - seine langjährige Managerin hatte ihn übers Ohr gehauen - fand er offenbar Gefallen daran. Denn bis 2013 gab er 370 Konzerte auf der ganzen Welt. Dabei füllte Leonard Cohen nicht nur die eigenen Taschen. Im November 2010 trat er in Kambodscha auf und vermachte die Einnahmen dem lokalen Roten Kreuz, nach einem Auftritt in Israel spendete er großzügig an zwei Hilfsorganisationen, die eine jüdisch, die andere palästinensisch. Nun erscheint der dritte Mitschnitt seiner späten Liveaktivität. Ob das wirklich nach "Live In London" (2009) und "Songs From The Road" (2010) nötig war? Nicht so leicht zu beantworten. Da "Live In Dublin" kurz vor Weihnachten erscheint, dürfte der kommerzielle Erfolg gesichert sein. Andererseits fällt das Paket mit drei CDs und einer DVD/Blue Ray-Scheibe außergewöhnlich üppig aus. Letztere in HD aufgenommen, wie das Label betont. Von Abzocke kann also nicht die Rede sein. Für den Insider interessant ist auch der Umstand, dass hier die erneuerte Version von Cohens Liveband zu sehen ist: Ohne Gitarrist Bob Metzger, dafür mit dem Geiger Alex Bublitchi, was dazu führt, dass die Stücke nun eine Spur markanter klingen. Wobei die Webb Sisters und die langjährige Mitarbeiterin Sharon Robinson für Kontinuität sorgen. Erstaunlich auch, wie gelassen Cohen mittlerweile auf der Bühne steht. Zeit seines Lebens litt er an starkem Lampenfieber, das Touren brachte ihn mehrmals an den Rand der Verzweiflung. Nun macht es ihm sichtlich Spaß, mit exzellenten Musikern auf der Bühne zu stehen und mit dem Publikum zu interagieren. Manche Kritiker missverstehen seine Höflichkeit als Unterwürfigkeit: In der Tat bedankt sich Cohen beim Publikum, noch bevor die erste Note gespielt ist. Kurz danach bedankt er sich für die Jahre lange Treue und dafür, in schweren wirtschaftlichen Zeiten die Familienkasse geplündert zu haben, um die Eintrittskarten zu ergattern. Seine Bandmitglieder und Tourcrew stellt er mehrmals vor, oft mitten in den Stücken. Ansagen, die er mit leichten Variationen bei jedem Konzert bringt, die man ihm dank seiner immensen Ausstrahlung aber gerne abnimmt. Tatsächlich scheint Cohen überrascht, dass man ihm, einem 79-Jährigen, soviel Liebe und Interesse schenkt. "Ich verspreche euch, dass wir heute Abend alles geben werden", erklärt er folgerichtig. Etwa drei Stunden dauerten seine Auftritte auf dieser Tour, von denen dieser im September 2013 einer der letzten in Europa war. Eine beachtliche Leistung, auch wenn es mittendrin und vor den Zugaben längere Pausen gab und er sich Auszeiten nahm, indem er seiner Band Soloeinlagen zugestand. Etwa Javier Mas, der zu Beginn von "Who By Fire" fünf Minuten lang auf einem lautenähnlichen Ungetüm namens Archilaud zupft. Sharon Robinson gibt "Alexandra Leaving" zum Besten, und die Webb Sisters das unter die Haut gehende "If It Be Your Will". Doch Cohen gibt tatsächlich alles, mal mit dem Mikrophon in der Hand, mal an der Gitarre oder an einer Casio-Orgel ("Tower Of Song"). In "Recitation W/ N.L." trägt er "A Thousand Kisses Deep" als Gedicht vor. Drei Stunden reichen locker aus, um den Backkatalog auszuleuchten und das damals aktuelle Album "Old Ideas" (2012) an den Zuschauer zu bringen. Leider war "Crazy To Love You" nicht Teil der Setlist, doch die anderen Stücke hören sich live ein ganzes Stück besser an als im Studio. Mut beweist Cohen auch, indem er "Chelsea Hotel #2" ausgräbt, seine 1974 veröffentlichte Hommage an Janis Joplin inklusive Beschreibung ihres Techtelmechtels. "Wir wissen nicht, wann wir so wieder zusammenkommen. Also, machts gut, Freunde, bis dahin. Fahrt vorsichtig nach Hause, fangt euch keine Erkältung ein. Ihr sollt von Freunden und Familien umgeben sein. Und falls euch das nicht beschieden ist, dann soll euch der Segen in der Einsamkeit erreichen", verabschiedet sich Cohen in "Closing Time", bevor er hüpfenden Schrittes die Bühne verlässt (und danach für zwei weitere Zugaben zurückkehrt). Ob er noch mal auf Tour kommen wird? Hoffentlich. Doch wolle er etwas tun, was künftige Tourpläne durchkreuze, nämlich wieder das Rauchen anfangen, wie er in "Anyhow" im Bonusteil der Filmaufzeichnung schmunzelnd zu Protokoll gibt. Save The Last Dance For Me, eben. © Laut
Ab
HI-RES16,99 €
CD14,49 €

Pop - Erschienen am 3. April 2012 | Columbia - Legacy

Hi-Res
Ab
CD14,49 €

Folk - Erschienen am 27. März 2009 | Columbia

"Excuse me for not dying!" Mit diesen grandiosen Worten präsentiert sich der Vater aller Songwriter seinen Gästen. Mit nunmehr fast 75 Jahren offeriert uns der Partisan der Liebe seine tatsächlich erste - und leider wohl auch letzte - Live-DVD überhaupt. Seit mehr als einem Jahr befindet Cohen sich jetzt auf Welttournee. Lang, zu lang ist er fort gewesen. Bei seinem letzten Auftritt in London - vor knapp 20 Jahren - war er noch nicht einmal 60; "Just a Kid with a crazy Dream!". Doch das Alter kann weder dem Charisma des Kanadiers noch seinen zeitlosen Songs etwas anhaben. Zweieinhalb Stunden reine Spielzeit unterstreichen dies allzu deutlich. In Cohens Gesamtwerk ist die Dichte an echten Weltklassetracks dermaßen beeindruckend hoch, dass der Spannungsbogen während des gesamten Gigs konstant am obersten Level rangiert. Das ehemals als zu pessimistisch gescholtene "The Future" erweist sich in der Gegenwart mit jedem Wort als wahr. "Give me crack and anal sex. Take the only tree that's left and stuff it up the hole in your culture." lodert die rauhe Sandpapierstimme mit feurig biblischem Zorn. Er hat sich nie gewünscht, mit seiner Prognose Recht zu behalten. Ansonsten zeichnet sich das Konzert jedoch durch eine von Cohen ausgehende spürbare Wärme, Bescheidenheit und Dankbarkeit aus, die er Publikum und Band gleichermaßen entgegenbringt. Wohl mehr als ein halbes Dutzend Mal stellt er die - aus Freunden bestehende - Kapelle vor. Verdient haben sie es allemal. Ebenso hochgradig professionell wie emotional bereiten sie den Teppich of Song für die Perlen des Meisters. "Who By Fire" und "The Gypsy's Wife" erstrahlen in schwerblütig neuem Glanz der spanischen Zigeunergitarre des virtuosen Javier Maz. Das oft gecoverte und mittlerweile zum rotweindurchtränkten Weltkulturerbe zählende "Hallelujah" zelebriert der jüdische Poet voller altbekannt energetischer Inbrunst. Der Eros und die Liebe zu den Frauen war seit jeher stärker als jede mit Skepsis betrachtete religiöse Bindung. "And remember when I moved in you. The holy dove was moving too. And every breath we drew was Hallelujah." Bei der ebenso Kraft strotzenden Aufführung seines einzigen echten Popsongs, dem rachelüsternen Film Noir "First We Take Manhattan" scheint er schlagartig fast 20 Jahre jünger zu werden. Natürlich darf auch der größte Hit "Suzanne" nicht fehlen. Würdevoll reduziert serviert Cohen dem andächtig lauschenden Publikum diesen berauschende Schwarztraube gewordenen Song. Der emotionale Höhepunkt besteht für mich in der Darbietung des mittlerweile zur Legende mutierten "Tower Of Song". Wie der bekennende Nichtpianist hochkonzentriert eine kleine erlernte Tastenfolge klimpert und daraus ein ebenso charmantes wie selbstironisches Kabinettstückchen zaubert, ist nahezu unerreicht. Am Ende des Liedes verrät er der Welt noch die universelle Antwort auf alle philosophischen, religiösen und musikalischen Fragen. Das soll jeder selbst entdecken! © Laut
Ab
HI-RES16,99 €
CD14,49 €

Rock - Erschienen am 3. April 2012 | Columbia - Legacy

Hi-Res
Ab
HI-RES16,99 €
CD14,49 €

Pop - Erschienen am 3. April 2012 | Columbia - Legacy

Hi-Res
Ab
HI-RES16,99 €
CD14,49 €

Pop - Erschienen am 10. April 1990 | Columbia Nashville

Hi-Res
Ab
CD14,49 €

Folk - Erschienen am 10. September 2010 | Columbia - Legacy

Ab
HI-RES16,99 €
CD14,49 €

Pop - Erschienen am 3. April 2012 | Columbia - Legacy

Hi-Res
Ab
HI-RES16,99 €
CD14,49 €

Pop/Rock - Erschienen am 3. April 2012 | Columbia - Legacy

Hi-Res
Nach Verrat und Unterschlagung musste Cohen der Kohle wegen gezwungenermaßen auf Welttournee. Dort fand ein fast beispielloser Austausch der Liebe zwischen Künstler und Publikum statt. Alle Freunde seiner sinnlichen Weisheiten dürsten nache einem neuen Lebenszeichen. Drei herausragende Livedokumente in drei Jahren linderten den Phantomschmerz jedoch höchstens im Ansatz. In seiner ganz eigenen unnachahmlichen Art nennt Cohen das Album "Old Ideas". Der Titel verrät bereits viel. Er enthält die milde Selbstironie eines Mannes, der sich die 'Human Farce' bereits anschaute, als etwa Elvis Presley oder Jerry Lee Lewis geboren wurden. Doch am wichtigsten sicherlich: die buddhistisch anachronistische Geduld, Freundlichkeit und Zuneigung für eine mehr denn je aus den Fugen geratenen Welt. Doch wer jetzt glaubt, man bekäme eine Art illusionsloses "The Future" Part II oder ein den Geschlechterkampf sezierendes Gemälde exquisiter Qualen, der irrt. Es gab und gibt keinerlei Wiederholungen auf Cohens Weg. Stattdessen regiert musikalisch wie lyrisch die Sanftmut. Letztere hat dabei zum Glück rein gar nichts mit Altersmilde zu tun. Damals zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr warnte er eindringlich mit Feuer und Schwert vor der menschlich verursachten Katastrophe, "... just a crazy kid with a dream ..." Heute, wo sie endlich da ist, hilft er uns, diese zu überstehen. "Behold the gates of mercy / In arbitrary space / And none of us deserving / the cruelty or her grace." ("Come Healing") Jikan, der Stille – so sein humorvoll buddhistischer Name nach der Weihung zum Mönch - liebt sie demnach immer noch, die alte Hure Menschheit. Was liegt da näher, als ein Team aus Freunden und Gefährten zusammen zu stellen? Egal, ob Seelenfreundin Jennifer Warnes, Javier Mas oder Dino Soldo: All seine Schäfchen sind einmal mehr im Boot. Wem schon die Produktion von "Ten New Songs" sowie sein Hang zu Heimorgel-artigen Keyboardarrangements die Suppe versalzen hat, darf sich über die deutlich organischere Herangehensweise freuen. Cohen bedient sich des archaischen Ur-Blues in äußerst minimaler Struktur. "Anyhow" ist eines dieser einnehmenden Lieder. Schönheit erblüht in Schlichtheit. Im Herbst seiner Karriere zeigt sich deutlicher als je zuvor, wie irrelevant jede Art der Produktion oder des Sounds für Leonards Kunst ist. Wer braucht schon den Rahmen? Wichtig ist allein der Kern des Bildes mit Melodie und Botschaft. Letzteres ist – wie bei jeder Cohen-Platte bislang – über jeden Zweifel erhaben. Ein erstaunlicher Teil der Cohen-Magie speist sich aus der ebenso alters- wie zeitlosen Darbietung. Wie auf Knopfdruck mutiert der 78-Jährige zum ewigen Liebhaber, Narren und Verführer. Zur herrlich spartanischen Akustikgitarre in "Crazy To Love You" serviert er eine dieser ebenso simplen wie aufbrechenden Melodien, an denen jeder Epigone bislang eindrucksvoll scheiterte. "Had to go crazy to love you (…) / I'm old and the mirrors don't lie / but 'crazy' has places to hide in / deeper than saying goodbye." Wer schon immer die rein akustischen Platten bis einschließlich "New Skin For The Old Ceremony" am liebsten mochte, sollte dringend ein Ohr riskieren. Der Partisan der Liebe klingt wie anno 1973. Meine persönlichen Favoriten sind dabei zwei andere. "Amen", ein köstlicher Bastard aus Verspieltheit und Wucht, verbindet ähnlich wie bei "I'm Your Man" (1987) musikalisch das Niedliche mit dem Alttestamentarischen. Ein gemütlich schlenderndes Bluesthema gipfelt im ironisch monumentalisierten Ausruf: "Amen!". Zwischendrin gibt es ein knuffiges, dabei melancholisch bärenstarkes Zeitlupen-Gejüdel zur sinistren Unterfütterung. Die Detailfreude für den bewussten Hörer ist ungebrochen. "Show Me The Place" führt den Lauscher dagegen in die typische Doppelbödigkeit des 'Fieldcommander Cohen'. Wie so oft kann und darf man die Zeilen als erotischen Minnesang oder spirituelle Hommage begreifen. Hierin zeigt sich die exponierte Sonderstellung unter den Songwritern unseres gar nicht so kleinen Planeten. Leonards Doppelsinn ist stets vereinnahmend, nie auschließend oder gar trennend. Auch 2012 bleibt der Mann im 'famos blauen Regenmantel' immer kumulativ, unter keinen Umständen alternativ. Diese kleine, beinahe schon unscheinbare Pianoballade perlt direkt ins Herz. Die einzelne Geige bringt das Thema zur Mitte elegant auf den Punkt und entschwindet hernach wieder in jener Versenkung, der sie so plötzlich entsprang. Wundervoll. "Lullaby" oder "Different Sides" erschließen sich -zumindest mir - noch nicht in einer Weise, die bislang davon abhielte, zu ein paar gewohnteren Melodien des Gesamtwerks zu wechseln. Doch das ist nur eine Momentaufnahme, Schall und Rauch. Cohens unfassbar raffinierte Einheit zwischen Musik und Text macht ihn auch nach Jahrzehnten zum unangefochtenen Leitwolf ohne jeden anderen Maßstab als den eigenen. Unter den besten der Pioniere - von Reed bis Dylan – bleibt er der Rudelführer. Das eine Tier unter vielen seltenen Erscheinungen. © Laut
Ab
HI-RES16,99 €
CD14,49 €

Folk - Erschienen am 26. Oktober 2004 | Columbia

Hi-Res
Ab
CD14,49 €

Folk - Erschienen am 23. April 1987 | Columbia

Ab
HI-RES16,99 €
CD14,49 €

Pop/Rock - Erschienen am 25. Juli 2014 | Columbia - Legacy

Hi-Res

Der Interpret

Leonard Cohen im Magazin
  • Leonard Cohen, Ruf aus dem Jenseits
    Leonard Cohen, Ruf aus dem Jenseits Mit "Thanks For The Dance" steigt Leonard Cohen Stimme aus dem Himmel herab, dank seines Sohnes Adam, der diese posthum veröffentlichte Platte produzierte...
  • Leonard Cohen ist tot
    Leonard Cohen ist tot Der kanadische Sänger stirbt im Alter von 82 Jahren - Ein Stylist des Minimalismus, nahezu prophetisch