Ihr Warenkorb ist leer!

Genre :

Ähnliche Künstler

Die Alben

Ab
HI-RES21,49 €
CD14,99 €

Pop - Erschienen am 8. Januar 2021 | Capitol Records

Hi-Res
Auf die Frage, welches das prägendste Lied der Bee Gees sei, würden die meisten wohl "Stayin' Alive" antworten. Der Haupttrack des Streifens "Saturday Night Fever" mit John Travolta war für die Gebrüder Gibb jedoch Fluch und Segen zugleich: Einerseits katapultierte er sie in die erlauchte Sphäre der erfolgreichsten Künstler aller Zeiten, andererseits steht er so gar nicht für ihre Musik, die eher im Rhythm And Blues zu verorten ist. Nach dem Tod vom Maurice (2003) und Robin (2012) musste sich der älteste der drei, Barry, um das musikalische Familienerbe kümmern. Das tut er mit einer erfrischenden Demut. Als er 2019 als "Legend" beim Glastonbury-Festival auftrat, schien er überwältigt von all dem Zuspruch. Klar, er und seine Brüder hätten viele Hits gehabt, doch das sei schon ewig her, erklärte er. Sie seien in Gedanken stets bei ihm, betont er. Mit 74 braucht er sich auch nicht mehr neu zu erfinden. Doch ist er erstaunlich jung geblieben - auch dank seiner Frau, mit der er seit 1970 verheiratet ist und die verhindert hat, dass er wie seine Brüder wüste Drogen- und Alkoholabstürze erlebte. Seit den 1970er Jahren lebt die Familie in Miami, samt der fünf Kinder, die sich unweit des elterlichen Hauses niedergelassen haben. Eines von ihnen, Stephen, ehemaliger Gitarrist der Hardrock-Combo Black Label Society, spielte Gibb einen Song des Country-Sängers Chris Stapleton vor. Papa war beeindruckt, insbesondere vom Klang der Aufnahmen. Dass er das Genre bis dahin nur am Rande berührt hatte, störte ihn nicht. Er habe schon immer Country und Bluegrass geliebt, so Barry. Er kontaktierte den Produzenten, Dave Cobb, und fragte, ob er an einer Zusammenarbeit interessiert sei. Gibbs ursprüngliche Idee war, einige seiner bekannten und weniger bekannten Lieder von Country-Stars einspielen zu lassen, ohne selbst beteiligt zu sein. Cobb, der gleich nach Florida geflogen war, überredete ihn jedoch, das Projekt auszuweiten: Warum nicht ein Album mit Bee Gees-Stücken in Duett-Form aufnehmen? Cobb machte dafür sogar das legendäre RCA Studio B in Nashville klar, das seit vielen Jahren der Country Music Hall of Fame gehört und eigentlich ein Museum ist. Unter vielen anderen nahm dort Elvis Presley auf, dessen Sessions von 1970 erst vor kurzem neu aufgelegt wurden. Die Liste der Künstler, die zusagten, ist wahrlich beeindruckend. Bis auf Brandi Carlile (aus Zeitgründen) und Miranda Lambert (weil sie lieber alleine aufnimmt) handelt es sich zudem um echte Duette. Genau das war der Gedanke Gibbs: Ein Album aufzunehmen, das wie zu den guten alten Zeiten nicht per Mail, sondern mit Herz und Blut entsteht. Einerseits unzeitgemäß, doch auch romantisch herzerwärmend. Dass Dolly Parton gerührt war, wieder in jenem Studio zu stehen, in dem sie in den 1970er Jahren an einem Nachmittag "Jolene" und "I Will Always Love You" aufgenommen hatte, ist ihr durchaus anzuhören. Überhaupt ist bei allen Beteiligten großes Engagement zu spüren. Keith Urban brachte zu seiner Session Ehefrau Nicole Kidman mit, was Gibb nach eigenen Angaben in einen halben Schockzustand versetzte. Jason Isbell singt das 1986 entstandene, aber nie aufgenommene "Words Of A Fool" mit so viel Leidenschaft, als würde es sich um einen bekannten Hit handeln. Andere Gäste durften genau das: Einen Bee Gees-Song aussuchen, der ihnen etwas bedeutete. Alison Krauss nimmt sich die Ballade "Too Much Heaven" vor und singt Gibb geradezu an die Wand. Das ist kein Affront: Krauss wäre das 2007 selbst mit Robert Plant gelungen. Gibbs Falsetto klingt zudem wie eh und je. Nach all den Jahren ist das wirklich außergewöhnlich. Parton wählte nicht "Islands In The Stream", jenen Gibb-Song, den sie 1983 mit Kenny Rogers aufgenommen hatte, sondern einen viel früheren Hit, "Words", von 1968. Es sei die erste Session für das Album gewesen, erzählt Produzent Cobb dem Rolling Stone. "Ich weiß noch, wie ich zu der Stelle ging, an der ich Gitarre spielen sollte, und meine Beine zu zittern begannen. Ich fühlte, wie einflussreich die beiden sind. Sie sind mehr als Legenden, sie sind Ikonen. Und sie waren direkt neben mir.." Die nicht minder bekannte Sheryl Crow wählte das drei Jahre jüngere "How Can You Mend A Broken Heart", Little Big Town als einzige Band der Sessions das wohl einzige Stück, das man wahrlich schon zu oft gehört hat: "How Deep Is Your Love". Es ist der einzige Auszug aus "Saturday Night Fever". So bleibt auch Platz für Überraschungen. Jay Buchanan von Rival Sons, sonst eher in hardrockigen Gefilden unterwegs, bietet mit dem soulig interpretierten "To Love Somebody" einen der Höhepunkte des Albums. Olivia Newton John singt voller Inbrunst "Rest Your Love On Me" als wolle sie all jene Lügen strafen, die sie aufgrund ihrer Krebserkrankungen schon halb im Grab sehen. Den rührenden Abschluss machen dann Gillian Welch und ihr Partner David Rawlings mit einem Stück, das Gibb besonders am Herzen liegt: "Butterfly" entstand, als er mit seinen Brüdern noch in Australien lebte, also bevor sie 1967 auf der Suche nach dem Erfolg zurück nach Großbritannien zogen. Das erste Wort im Lied ist auch der Titel dieses Albums, mit dem Gibb beweist, dass er immer noch eine Stimme wie vor 40 Jahren besitzt. Ob er mit den alternden Stars und dem Genre tatsächlich ein neuen Publikum erreicht? Wohl eher nicht. Dazu sind die Arrangements auch zu überladen. Was der einzige Kritikpunkt an diesen Aufnahmen ist: War es wirklich nötig, so viele Spuren, so viel Hall und sogar Streicher einzusetzen? Weniger wäre, wie so oft, auch diesmal mehr gewesen. Dennoch strahlt dieses Album eine wunderbare Spiel- und Lebensfreude aus. Für Besserungen ist vermutlich noch Zeit, schließlich deutet der Titelzusatz "Vol. 1" darauf hin, dass mehr folgen könnte. Vielleicht lässt sich beim nächsten Mal Billie Eilish einspannen? © Laut
Ab
HI-RES18,99 €
CD15,99 €

Pop - Erschienen am 7. Oktober 2016 | Columbia

Hi-Res
Der homogen wabernde Sound des Titeltracks lässt uns nach mehreren Hördurchgängen ernsthaft zweifeln, ob wir uns aktuell wirklich im Jahr 2016 befinden. Pulsiert hier doch so eindeutig im Herzschlag längt vergangener Zeiten. Keinesfalls nostalgisch verklärt, sondern eben so, als wären die 80er Jahre nicht zu Ende gegangen. Als würde Michael Jackson gemeinsam mit den Modern Talking unter der Regie von Barry Gibb Moonwalk tanzen. Was für ein fluffiges Pop-Monster beißt denn hier um sich? Nur bittersüße Textzeilen verwaschen das zunächst so stimmige Aquarell zusehends. "I may be lonely but I'm not alone/ And we don't need conversation/ I'm only happy when I hear you move/ You speak the pleasure within/ In my heart/ In my soul/ In the now!" Da haben wir mit Mühe und Not Nick Caves tiefschwarzes Meisterwerk "Skeleton Tree" verarbeitet, da flattert uns schon die nächste Trauerbewältigung in Album-Form ins Haus. Denn Barry Gibb ist nach dem Tod seines Bruders Robin der letzte verbliebe Bee Gee. "In The Now" ist der Versuch einer Bestandsaufnahme, ein vorsichtiges Herantasten an die neue Situation. "Als Robin 2012 starb, bin ich wirklich abgestürzt. Es war, als ob ich mich in einem schwarzen Tunnel verlaufen hätte. Ich kämpfte mit Depressionen, Lust- und Planlosigkeit. (...) Das ging zwei Jahre so. Dann zwickte es mich doch wieder: Diese unstillbare Sehnsucht, Musik zu machen und auf Bühnen zu stehen, ist ein starkes Gefühl, das man auf Dauer nicht unterdrücken kann. Solokünstler zu sein ist für mich trotzdem etwas ganz Neues", erklärte Gibb seinen gegenwärtigen Status Quo in einem Interview mit der Zeit. Anders als Cave, der seinen noch brodelnden Schmerz direkt kanalisierte, hat sich Gibb Zeit gelassen, reflektiert und nachgedacht. Seine Wunden sind verheilt, aber nicht vergessen. Der der Geist der verlorenen Brüder schwebt stetig über dieser Platte. Der massiv gezeichnete Kontrast innerhalb der Grundkonstallation zwischen dem gibbschen Früh- und Spätwerk könnte kaum größer erscheinen. Einerseits die erfolgreichste Familienband der Welt, bunt poppige Disco-Mucke, glitzernde Schlaghosen, Welthits soweit das Auge reicht. Andererseits das versehrte und alleinstehende Mahnmal. Der verlassene Veteran. Trotzdem klingt "In The Now" keinesfalls ausschließlich nach Abschied und Depression. Denn seine musikalische Grunderziehung will der 70-Jährige Superstar, der auf dem diesjährigen Glastonbury die Bühne mit Coldplay teilte, weder ablegen noch verheimlichen. Anders als Nick Cave oder Johnny Cash erscheint die Rolle des Man in Black neu für Gibb. So ergibt sich eine bemerkenswerte Konstellation, die Genres vermischt. Die Platte offenbart 70er- und 80er-Jahre Pop mit eingebauten Falltüren. Die rissige Oberfläche tönt tanzbar, smooth, glatt, melodisch. Darunter aber schimmert es düster, elegisch und desolat. So ergibt sich eine pulsierende Mischung, deren Durchschlagskraft von einem Künstler in diesem Alter und nach einer so langen Schaffenspause keinesfalls zu erwarten war. "Home Truth Song" etwa überrascht mit gewissen Country-Anleihen, die sich erst im Refrain in glasklaren Pop kristallisieren und in jodelnde Powerpop-Riffs zerfahren. Diese kleinen meist schnell wieder eingefangenen Experimente ziehen sich wie der abgewickelte Faden eines roten Rollkragenpullovers durch das gesamte Album. Später werden wir noch mit Bläser-, Piano- und Streicher-Sequenzen konfrontiert, alles vermengt in einer auf Weltniveau produzierten Scheibe, die ihren Hörern auch kleinste Nuancen nicht vorenthält. Hier zeigt sich greifbar, dass Gibb sich abseits allen Superstartums immer als hart arbeitender Produzent verstand. Dass Barry einer der fähigsten Ohrwurmschreiber der Musikgeschichte ist, steht ohnehin außer Frage. Auf "In The Now" wurde er zudem von seinen Söhnen Ashley und Stephen unterstützt – das ist insofern bemerkenswert, weil Letzterer in seiner langen Karriere als Bassgitarrist bereits bei Bands wie Crowbar und Black Label Society spielte. Kompositionen wie "Grand Illusion" oder "Amy In Colour" wirken ein wenig altbacken und aus der Zeit gefallen, aber eben weil man solche Schinken schon seit Jahren und Jahrzehnten nicht mehr gehört hat, überrascht ihr konkreter Tonfall umso mehr. Da schiebt sich wenig zwischen das Mauerwerk Queen, da materialisiert sich Genesis offensichtlich im Gebälk. Und, selbstredend, der ikonische Falsettgesang, das urtypischste Merkmal der Bee Gees. Gibb schreckt nicht davor zurück, Soundstein über Soundstein zu klatschen und dabei zu ganz großen Gesten auszuholen und sein Innerstes großspurig ins Äußerste zu kehren. In einer Zeit, in der sich Popmusik oftmals durch Beliebigkeit auszeichnet, tut es gut, so einen rückwärts gewandten und in alle Richtungen um sich greifenden Retro-Epos zu hören. Auch wenn man sich, dressiert von gegenwärtigen Hörgewohnheiten, durchaus ein wenig schwer tut, sich durch die gesamten 15 Songs am Stück zu kämpfen. Speziell Balladen-Kitsch wie "The End Of The Rainbow" und "Daddys Little Girl" rutschen leider fast in Schlagergefilde ab und trüben den ansonsten rundum positiven Gesamteindruck. Mit "In The Now" veröffentlicht Barry Gibb ein wirklich bemerkenswertes Spätwerk. Der hier dargebotene Orchester-Pop besitzt 2016 absoluten Exotenstatus und schleicht sich so locker leicht in die Gehörgänge, dass man von Zeit zu Zeit zusammenzuckt, wenn man feststellt, wie tief man sich bereits in den weich federnden Songnetzen verstrickt hat. Auch der tragische Kontext, der immer wieder in den Texten durchscheint, trägt seinen Teil zur Gravitas dieser LP bei. Gibb jedenfalls hat seiner ohnehin schon schillernden Karriere mit diesem späten Ausrufezeichen eine finalen Grauton verpasst - das muss man auch als Bee Gees Hater lückenlos anerkennen. © Laut
Ab
CD7,99 €

Rock - Erschienen am 3. Juni 2020 | HHO

Ab
CD14,99 €

Pop - Erschienen am 8. Januar 2021 | Capitol Records

Auf die Frage, welches das prägendste Lied der Bee Gees sei, würden die meisten wohl "Stayin' Alive" antworten. Der Haupttrack des Streifens "Saturday Night Fever" mit John Travolta war für die Gebrüder Gibb jedoch Fluch und Segen zugleich: Einerseits katapultierte er sie in die erlauchte Sphäre der erfolgreichsten Künstler aller Zeiten, andererseits steht er so gar nicht für ihre Musik, die eher im Rhythm And Blues zu verorten ist. Nach dem Tod vom Maurice (2003) und Robin (2012) musste sich der älteste der drei, Barry, um das musikalische Familienerbe kümmern. Das tut er mit einer erfrischenden Demut. Als er 2019 als "Legend" beim Glastonbury-Festival auftrat, schien er überwältigt von all dem Zuspruch. Klar, er und seine Brüder hätten viele Hits gehabt, doch das sei schon ewig her, erklärte er. Sie seien in Gedanken stets bei ihm, betont er. Mit 74 braucht er sich auch nicht mehr neu zu erfinden. Doch ist er erstaunlich jung geblieben - auch dank seiner Frau, mit der er seit 1970 verheiratet ist und die verhindert hat, dass er wie seine Brüder wüste Drogen- und Alkoholabstürze erlebte. Seit den 1970er Jahren lebt die Familie in Miami, samt der fünf Kinder, die sich unweit des elterlichen Hauses niedergelassen haben. Eines von ihnen, Stephen, ehemaliger Gitarrist der Hardrock-Combo Black Label Society, spielte Gibb einen Song des Country-Sängers Chris Stapleton vor. Papa war beeindruckt, insbesondere vom Klang der Aufnahmen. Dass er das Genre bis dahin nur am Rande berührt hatte, störte ihn nicht. Er habe schon immer Country und Bluegrass geliebt, so Barry. Er kontaktierte den Produzenten, Dave Cobb, und fragte, ob er an einer Zusammenarbeit interessiert sei. Gibbs ursprüngliche Idee war, einige seiner bekannten und weniger bekannten Lieder von Country-Stars einspielen zu lassen, ohne selbst beteiligt zu sein. Cobb, der gleich nach Florida geflogen war, überredete ihn jedoch, das Projekt auszuweiten: Warum nicht ein Album mit Bee Gees-Stücken in Duett-Form aufnehmen? Cobb machte dafür sogar das legendäre RCA Studio B in Nashville klar, das seit vielen Jahren der Country Music Hall of Fame gehört und eigentlich ein Museum ist. Unter vielen anderen nahm dort Elvis Presley auf, dessen Sessions von 1970 erst vor kurzem neu aufgelegt wurden. Die Liste der Künstler, die zusagten, ist wahrlich beeindruckend. Bis auf Brandi Carlile (aus Zeitgründen) und Miranda Lambert (weil sie lieber alleine aufnimmt) handelt es sich zudem um echte Duette. Genau das war der Gedanke Gibbs: Ein Album aufzunehmen, das wie zu den guten alten Zeiten nicht per Mail, sondern mit Herz und Blut entsteht. Einerseits unzeitgemäß, doch auch romantisch herzerwärmend. Dass Dolly Parton gerührt war, wieder in jenem Studio zu stehen, in dem sie in den 1970er Jahren an einem Nachmittag "Jolene" und "I Will Always Love You" aufgenommen hatte, ist ihr durchaus anzuhören. Überhaupt ist bei allen Beteiligten großes Engagement zu spüren. Keith Urban brachte zu seiner Session Ehefrau Nicole Kidman mit, was Gibb nach eigenen Angaben in einen halben Schockzustand versetzte. Jason Isbell singt das 1986 entstandene, aber nie aufgenommene "Words Of A Fool" mit so viel Leidenschaft, als würde es sich um einen bekannten Hit handeln. Andere Gäste durften genau das: Einen Bee Gees-Song aussuchen, der ihnen etwas bedeutete. Alison Krauss nimmt sich die Ballade "Too Much Heaven" vor und singt Gibb geradezu an die Wand. Das ist kein Affront: Krauss wäre das 2007 selbst mit Robert Plant gelungen. Gibbs Falsetto klingt zudem wie eh und je. Nach all den Jahren ist das wirklich außergewöhnlich. Parton wählte nicht "Islands In The Stream", jenen Gibb-Song, den sie 1983 mit Kenny Rogers aufgenommen hatte, sondern einen viel früheren Hit, "Words", von 1968. Es sei die erste Session für das Album gewesen, erzählt Produzent Cobb dem Rolling Stone. "Ich weiß noch, wie ich zu der Stelle ging, an der ich Gitarre spielen sollte, und meine Beine zu zittern begannen. Ich fühlte, wie einflussreich die beiden sind. Sie sind mehr als Legenden, sie sind Ikonen. Und sie waren direkt neben mir.." Die nicht minder bekannte Sheryl Crow wählte das drei Jahre jüngere "How Can You Mend A Broken Heart", Little Big Town als einzige Band der Sessions das wohl einzige Stück, das man wahrlich schon zu oft gehört hat: "How Deep Is Your Love". Es ist der einzige Auszug aus "Saturday Night Fever". So bleibt auch Platz für Überraschungen. Jay Buchanan von Rival Sons, sonst eher in hardrockigen Gefilden unterwegs, bietet mit dem soulig interpretierten "To Love Somebody" einen der Höhepunkte des Albums. Olivia Newton John singt voller Inbrunst "Rest Your Love On Me" als wolle sie all jene Lügen strafen, die sie aufgrund ihrer Krebserkrankungen schon halb im Grab sehen. Den rührenden Abschluss machen dann Gillian Welch und ihr Partner David Rawlings mit einem Stück, das Gibb besonders am Herzen liegt: "Butterfly" entstand, als er mit seinen Brüdern noch in Australien lebte, also bevor sie 1967 auf der Suche nach dem Erfolg zurück nach Großbritannien zogen. Das erste Wort im Lied ist auch der Titel dieses Albums, mit dem Gibb beweist, dass er immer noch eine Stimme wie vor 40 Jahren besitzt. Ob er mit den alternden Stars und dem Genre tatsächlich ein neuen Publikum erreicht? Wohl eher nicht. Dazu sind die Arrangements auch zu überladen. Was der einzige Kritikpunkt an diesen Aufnahmen ist: War es wirklich nötig, so viele Spuren, so viel Hall und sogar Streicher einzusetzen? Weniger wäre, wie so oft, auch diesmal mehr gewesen. Dennoch strahlt dieses Album eine wunderbare Spiel- und Lebensfreude aus. Für Besserungen ist vermutlich noch Zeit, schließlich deutet der Titelzusatz "Vol. 1" darauf hin, dass mehr folgen könnte. Vielleicht lässt sich beim nächsten Mal Billie Eilish einspannen? © Laut
Ab
CD2,49 €

Pop - Erschienen am 16. September 2016 | Columbia

Ab
CD2,49 €

Pop - Erschienen am 19. August 2016 | Columbia

Der homogen wabernde Sound des Titeltracks lässt uns nach mehreren Hördurchgängen ernsthaft zweifeln, ob wir uns aktuell wirklich im Jahr 2016 befinden. Pulsiert hier doch so eindeutig im Herzschlag längt vergangener Zeiten. Keinesfalls nostalgisch verklärt, sondern eben so, als wären die 80er Jahre nicht zu Ende gegangen. Als würde Michael Jackson gemeinsam mit den Modern Talking unter der Regie von Barry Gibb Moonwalk tanzen. Was für ein fluffiges Pop-Monster beißt denn hier um sich? Nur bittersüße Textzeilen verwaschen das zunächst so stimmige Aquarell zusehends. "I may be lonely but I'm not alone/ And we don't need conversation/ I'm only happy when I hear you move/ You speak the pleasure within/ In my heart/ In my soul/ In the now!" Da haben wir mit Mühe und Not Nick Caves tiefschwarzes Meisterwerk "Skeleton Tree" verarbeitet, da flattert uns schon die nächste Trauerbewältigung in Album-Form ins Haus. Denn Barry Gibb ist nach dem Tod seines Bruders Robin der letzte verbliebe Bee Gee. "In The Now" ist der Versuch einer Bestandsaufnahme, ein vorsichtiges Herantasten an die neue Situation. "Als Robin 2012 starb, bin ich wirklich abgestürzt. Es war, als ob ich mich in einem schwarzen Tunnel verlaufen hätte. Ich kämpfte mit Depressionen, Lust- und Planlosigkeit. (...) Das ging zwei Jahre so. Dann zwickte es mich doch wieder: Diese unstillbare Sehnsucht, Musik zu machen und auf Bühnen zu stehen, ist ein starkes Gefühl, das man auf Dauer nicht unterdrücken kann. Solokünstler zu sein ist für mich trotzdem etwas ganz Neues", erklärte Gibb seinen gegenwärtigen Status Quo in einem Interview mit der Zeit. Anders als Cave, der seinen noch brodelnden Schmerz direkt kanalisierte, hat sich Gibb Zeit gelassen, reflektiert und nachgedacht. Seine Wunden sind verheilt, aber nicht vergessen. Der der Geist der verlorenen Brüder schwebt stetig über dieser Platte. Der massiv gezeichnete Kontrast innerhalb der Grundkonstallation zwischen dem gibbschen Früh- und Spätwerk könnte kaum größer erscheinen. Einerseits die erfolgreichste Familienband der Welt, bunt poppige Disco-Mucke, glitzernde Schlaghosen, Welthits soweit das Auge reicht. Andererseits das versehrte und alleinstehende Mahnmal. Der verlassene Veteran. Trotzdem klingt "In The Now" keinesfalls ausschließlich nach Abschied und Depression. Denn seine musikalische Grunderziehung will der 70-Jährige Superstar, der auf dem diesjährigen Glastonbury die Bühne mit Coldplay teilte, weder ablegen noch verheimlichen. Anders als Nick Cave oder Johnny Cash erscheint die Rolle des Man in Black neu für Gibb. So ergibt sich eine bemerkenswerte Konstellation, die Genres vermischt. Die Platte offenbart 70er- und 80er-Jahre Pop mit eingebauten Falltüren. Die rissige Oberfläche tönt tanzbar, smooth, glatt, melodisch. Darunter aber schimmert es düster, elegisch und desolat. So ergibt sich eine pulsierende Mischung, deren Durchschlagskraft von einem Künstler in diesem Alter und nach einer so langen Schaffenspause keinesfalls zu erwarten war. "Home Truth Song" etwa überrascht mit gewissen Country-Anleihen, die sich erst im Refrain in glasklaren Pop kristallisieren und in jodelnde Powerpop-Riffs zerfahren. Diese kleinen meist schnell wieder eingefangenen Experimente ziehen sich wie der abgewickelte Faden eines roten Rollkragenpullovers durch das gesamte Album. Später werden wir noch mit Bläser-, Piano- und Streicher-Sequenzen konfrontiert, alles vermengt in einer auf Weltniveau produzierten Scheibe, die ihren Hörern auch kleinste Nuancen nicht vorenthält. Hier zeigt sich greifbar, dass Gibb sich abseits allen Superstartums immer als hart arbeitender Produzent verstand. Dass Barry einer der fähigsten Ohrwurmschreiber der Musikgeschichte ist, steht ohnehin außer Frage. Auf "In The Now" wurde er zudem von seinen Söhnen Ashley und Stephen unterstützt – das ist insofern bemerkenswert, weil Letzterer in seiner langen Karriere als Bassgitarrist bereits bei Bands wie Crowbar und Black Label Society spielte. Kompositionen wie "Grand Illusion" oder "Amy In Colour" wirken ein wenig altbacken und aus der Zeit gefallen, aber eben weil man solche Schinken schon seit Jahren und Jahrzehnten nicht mehr gehört hat, überrascht ihr konkreter Tonfall umso mehr. Da schiebt sich wenig zwischen das Mauerwerk Queen, da materialisiert sich Genesis offensichtlich im Gebälk. Und, selbstredend, der ikonische Falsettgesang, das urtypischste Merkmal der Bee Gees. Gibb schreckt nicht davor zurück, Soundstein über Soundstein zu klatschen und dabei zu ganz großen Gesten auszuholen und sein Innerstes großspurig ins Äußerste zu kehren. In einer Zeit, in der sich Popmusik oftmals durch Beliebigkeit auszeichnet, tut es gut, so einen rückwärts gewandten und in alle Richtungen um sich greifenden Retro-Epos zu hören. Auch wenn man sich, dressiert von gegenwärtigen Hörgewohnheiten, durchaus ein wenig schwer tut, sich durch die gesamten 15 Songs am Stück zu kämpfen. Speziell Balladen-Kitsch wie "The End Of The Rainbow" und "Daddys Little Girl" rutschen leider fast in Schlagergefilde ab und trüben den ansonsten rundum positiven Gesamteindruck. Mit "In The Now" veröffentlicht Barry Gibb ein wirklich bemerkenswertes Spätwerk. Der hier dargebotene Orchester-Pop besitzt 2016 absoluten Exotenstatus und schleicht sich so locker leicht in die Gehörgänge, dass man von Zeit zu Zeit zusammenzuckt, wenn man feststellt, wie tief man sich bereits in den weich federnden Songnetzen verstrickt hat. Auch der tragische Kontext, der immer wieder in den Texten durchscheint, trägt seinen Teil zur Gravitas dieser LP bei. Gibb jedenfalls hat seiner ohnehin schon schillernden Karriere mit diesem späten Ausrufezeichen eine finalen Grauton verpasst - das muss man auch als Bee Gees Hater lückenlos anerkennen. © Laut