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Die Alben

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Alternativ und Indie - Erschienen am 7. Oktober 2013 | Domino Recording Co

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"But darkness grows and, oh, a never-ending night". So poetisch schwer tönt es im Opener zu Anna Calvis neuer Platte "One Breath". Betrachtet man das Album als Ganzes, wirkt die Zeile wie die zentrale Maxime von Calvis musikalischer und lyrischer Arbeit. Mit ihrem Zweitling legt sie ein dämmriges, stellenweise kakophonisches und sicher nicht immer zugängliches Album vor. Hierauf hat sich die Britin, die schon Nick Caves Grinderman auf Tour begleitete, ganz der Düsternis verschrieben: Ähnlich wie der Australier neigt sie zu Melancholie, ähnlich wie Caves Werk ist auch das ihre reich an Intensität, Emotionalität und Intimität. Der Titeltrack "One Breath" steht beispielhaft für Calvis Vorgehensweise: Zart und sehnsuchtsvoll singt sie von dem Augenblick, der alles verändert. Dabei lässt sie sich von wabernder Dissonanz begleiten, die sich zwar in wohlgefällige Streicher auflöst, jedoch stets im Hintergrund präsent bleibt. Calvi sagt selbst, der Song umschreibe "diesen wirklich angsteinflößenden Moment, bevor du dich einer Sache stellen musst. Es ist gleichzeitig beängstigend, aber auch aufregend". Gleiches gilt für das Gesamtwerk: Die Symbiose von Harmonie und Atonalität, von klassisch Ästhetischem und Bedrohlichem durchzieht das Album fast lückenlos. Calvis hauchend-fiebrige Stimme trägt virtuos zur hochdramatischen Verfassung der elf Stücke bei. Auch in den behutsamen, zurückgenommenen Momenten wie auf "Bleed Into Me", in dem die Dramatik bloß unterschwellig brodelt und nie ganz ausbricht, bleibt eine Aura des Verstörenden immanent. Stimmlich und atmosphärisch ist das Album ein regelrechtes Meisterstück: Zu gleichen Teilen unterkühlt, fragil, zärtlich und selbstbewusst singt Calvi sich Schmerzen, Freuden, vor allem Schwere und Traurigkeit von der Seele. Selbst mit reduzierterer Instrumentierung, wie beispielsweise in "Suddenly", büßen Vortrag und Arrangement nichts an Theatralik ein. Anschwellende Tonstärke, fiebriges Vibrato und eine fast schon progressive Instrumentalexplosion sind Stilmittel, mit denen die Sängerin nicht nur hier gern arbeitet. Besonders der Hang zu misstönend chaotischen Ausbrüchen, zu plötzlichen Takt- und Stimmungswechseln ist stets gegenwärtig. So experimentiert "Cry" immer mal wieder mit Disharmonien, die ohne Vorwarnung hervorzubrechen scheinen. "Piece By Piece" wartet mit klassischem Horrorfilm-Intro und überraschend kantigen Entladungen auf, die im scharfen Kontrast zu den lieblich vorgetragenen Vocals stehen. Dabei zeigt sich Calvi durchweg wandelbar: In "Love Of My Life" präsentiert sie sich von einer spröderen, raueren Seite. Es rumpelt und kracht, hechelt und flüstert. Das Spiel mit Verzerrung, Distortion und Übersteuerung in fast schon Kills-artiger Weise beherrscht die Künstlerin ebenso wie die wundervolle Zurückhaltung von "Sing To Me", das mit seinen Geisterchören, der minimal gestalteten Gitarren- und Bassbegleitung sowie den bittersüßen Geigen- und Vokalklängen in Grabesstimmung schwelgt. Schwelgen ist ohnehin das Stichwort: Genüsslich lotet Calvi die Schattierungen von Dunkelheit und Schwermut aus, von hellgrau bis rabenschwarz. Damit schafft sie ein orchestrales, auf emotionalen Ausdruck bedachtes Werk, das manchem vielleicht etwas hochtrabend und pastoral vorkommen mag. Lässt man sich aber auf die gravitätische Atmosphäre ein, wird man mit einem höchst stimmungsvollen Erlebnis belohnt. "Suddenly I'll leave it all behind": Calvi ist ein Album gelungen, das sich sowohl von ihrem helleren Debüt als auch von den zahlreichen Vergleichen mit PJ Harvey erfolgreich emanzipiert. Sanfte Sinfonie und eruptive Kakophonie ergeben ein künstlerisch anspruchsvolles, komplexes und einzigartiges Album, das den Score zu einem schummrig schönen Film Noir liefern könnte. © Laut