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Megadeth - mega lebendig!

Von Charlélie Arnaud |

Trotz Krankheit und Skandalen legt die Band um Dave Mustaine mit "The Sick, the Dying and... the Dead!" ihr stärkstes Album seit Ewigkeiten vor!

Seit dem Erscheinen von Dystopia in 2016 wurde das Leben von Megadeth in vielerlei Hinsicht erschüttert. 2019, als die Band mit der Arbeit an neuer Musik loslegt, sieht Dave Mustaine sich mit einem Tumor konfrontiert, der seinen Hals angegriffen hat. Kaum war der Frontmann der Combo in Behandlung, verstrickte sich 2021 Dave Ellefson, der langjährige Bassist der Band, in einen Sexskandal (aufgrund von Videos im Internet) mit einer Minderjährigen, die nicht minderjährig zu sein schien. Er wurde sofort entlassen, nachdem er bereits seine Bassparts für das kommende Album eingetütet hatte. Mustaine klopfte also bei seinen Freunden von Testament an und lieh sich den fantastischen Bassisten Steve Di Giorgio aus, um von ihm alle Bassparts neu aufnehmen zu lassen. Wenn man dann noch bedenkt, dass der belgische Schlagzeuger Dirk Verbeuren (ex-Scarve und ex-Soilwork) zum ersten Mal mit dem "Mega-Tod" aufnimmt, ist das eine ganze Menge Druck, den es für einen Mann und ein Album zu bewältigen gilt.

Ist das der Grund dafür, dass The Sick, the Dying and… the Dead! so böse geworden ist? Es ist möglich, aber man neigt dazu, fast alles zu begrüßen, was die Ursache für diese völlig verblüffende Rückkehr zu den Wurzeln sein könnte. Zwischen echten Thrash-Ritten mit terrorisierenden Rhythmen, die man seit Rust in Peace 1990 nicht mehr von der Band gehört hatte (das beeindruckende Night Stalkers und We'll be Back) und hyperaggressiven Midtempo-Titeln, die Countdown to Extinction (1992) in guter Erinnerung rufen, ist Megadeth 2022 alles andere als soft! 30 Jahre haben wir auf dieses Album gewartet — oder besser gesagt, hatten wir schon aufgehört zu warten. Man muss schon auf Werke wie Peace Sells... but Who's Buying? (1986) oder So Far, so Good... so What? (1988) zurückgreifen, um einen solchen Gruppenzusammenhalt zu finden, das Gefühl, von einer organisierten Bande in die Mangel genommen zu werden, die so eng zusammengewachsen ist, dass sie eine Einheit bildet. Selbst die glorreiche Nick Menza/Marty Friedman-Periode scheint mehr auf Einzelleistungen zu beruhen, während hier alles wie eine Teamleistung klingt. Das Rhythmus-Tandem Verbeuren/Di Giorgio zaubert schon auf dem Papier ein verträumtes Lächeln auf das Gesicht des Kenners, stellen Sie sich das mal auf Band vor... Hervorzuheben ist auch MegaDaves unverwechselbarer Gesang, der grimmiger, zynischer und sogar säuerlicher ist als je zuvor.

James LoMenzo, Dave Mustaine und Kiko Loureiro von Megadeth beim Download Festival 2022 in Donnington, England © Joseph Okpako/WireImage

Seit der Jahrhundertwende haben wir uns gelegentlich dazu gezwungen, den sieben von Megadeth veröffentlichten Alben Qualitäten abzugewinnen. Aus Respekt, aus Nostalgie, manchmal auch aus bösem Willen. Heute erscheinen diese Sammlungen sehr langweilig, ja sogar fad. The Sick, the Dying and... the Dead! zeigt die amerikanische Band wieder von ihrer besten Seite und lässt endlich wieder Jubelschreie zu. Gott, das tut gut!

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