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Auf dem Prüfstand

Primare I15 Prima: Der momentan beste Verstärker mit Netzwerkplayer?

Von Alban Amouroux |

Primare hat seinen voll integrierten Verstärker mit Netzwerkfunktionen I15 Prisma mit vielen Funktionen bestückt und in ein reduziertes Format eingefügt – inklusive umfassenden Anschlüssen. Diese Art von Produkt wurde entwickelt, um die Elemente eines kompletten Hi-Fi Turms zu ersetzen: Es müssen nur noch die Boxen angeschlossen werden. Das ist Hi-Fi im Jahr 2020, ganz ohne dabei Abstriche in der Musikqualität machen zu müssen...

Primare legt als Hi-Fi-Hersteller besonders viel Wert auf Vernetzung. In Zukunft werden die meisten seiner Geräte in zwei Versionen verfügbar sein: mit oder ohne Netzwerkkarte. Geräte mit Netzwerkkarte haben den Suffix "Prisma" im Namen, was dem verbundenen Ökosystem der schwedischen Marke entspricht. Dies beruht auf Karten mit unterschiedlichen Qualitätsniveaus der Klasse 15, 25 oder 35. Die beiden letzteren sind austauschbare Karten, in Vorbereitung auf zukünftige neue Technologien. Beim getesteten I15 Prisma ist die Netzwerkkarte fest eingebaut.

Primare stellt sich übrigens nicht damit zufrieden Audio-Streaming-Funktionen nur in ihren integrierten Verstärkern zur Verfügung zu stellen. Auch mit anderen Geräten, wie den CD-Playern CD15 und CD35 und den Vorverstärkern SC15 und PRE35 kommt man dabei auf seine Kosten. Prisma sieht eine mobile App vor, die Zugriff auf alle Geräte der Marke verleiht und es erlaubt, verschiedene Titel in der Multiroom-Wiedergabe. Wir wollen hier einmal den integrierten Netzwerkplayer von Primare in seiner kompakten Version unter die Lupe nehmen.

Eigenschaften

Preis: 1.250 €
Leistung: 2x60 Watt mit 8 Ohm
Anschlüsse: Wi-Fi AC, Ethernet, Bluetooth, 1x analoger Eingang, 1x analoger/digitaler Mini-Jack, 3x digitaler optischer Eingang, 1x Koaxial, 1x USB-B-Eingang, 1x analoger Ausgang, 1x digitaler koaxialer Ausgang, 1x USB-A-Anschluss
Formate: WAV, LPCM, AIFF, FLAC, ALAC, MP3, MP4 (AAC), WMA, OGG, DSD
Streaming: Chromecast, AirPlay, Spotify Connect
Gewicht: 6,4 kg
Größe (L x H x T): 344 x 86 x 182 mm

Design des I15 Prisma

Man muss zugeben, es gibt keine Regeln mehr für das Format von Hi-Fi-Geräten. Egal um welche Marke es sich dabei handelt, wurden sie alle mehr oder weniger in derselben Größe hergestellt, um aufeinandergestapelt werden zu können und Zuhause im Wohnzimmer einen „klassischen“ Hi-Fi-Turm zu bilden. Die Hersteller haben sich nun von der Idee freigemacht. Mit seinen 34 cm Länge bietet der I15 Prisma eine kompakte Form, gerade so, dass er nicht sperrig wirkt.

Der I15 Prisma Teil gibt sich mit seinerFassade im typischen gebürsteten Aluminium, mit abgerundeten Ecken und ohne Lautsprecher als Teil der Primare-Familie zu erkennen. Das Logo der Marke ist unten rechts eingraviert und ebenso auf der Abdeckung sichtbar. Die Simplifizierung dieses Einsteigermodells in die Luxusklasse zeigt sich nur in der Abwesenheit des Volumenreglers, der durch zwei kleine Knöpfe ersetzt wurde. Mit seinen vielen Anschlüssen bietet es sich für viele mobile Anwendungen an.

Zwei weitere Knöpfe sind zu erkennen: der Einschaltknopf und die Auswahl der Quelle. Im Zentrum zeigt eine große einfarbige OLED-Anzeige ein Maximum an Informationen an, darunter den Namen des Eingangs, die Lautstärke, aber auch Informationen des Streamingdienstes über den wiedergegebenen Titel.

Auf der Rückseite befinden sich links ein analoger RCA-Eingang und RCA-Ausgang. Daneben fünf digitale Eingange, aufgeteilt in optisch, koaxial und Mini-Jack. Als nächstes der Netzwerkeingang, ein USB-A-Anschluss für einen USB-Stick mit Audiodateien und ein USB-B-Anschluss zum Anschließen eines PC oder Mac.

Darunter übernehmen zwei Antennen die Verbindung mit Wi-Fi und Bluetooth. Zwischen den beiden findet man alles zur Steuerung: einen Trigger-out mit 12 V zum Beleuchten eines anderen Geräts, einen Infrarot-Eingang und -Ausgang sowie einen RS-232-Anschluss. Der I15 Prisma ist vollständig ausgerüstet, um in komplexe Systeme eingefügt werden zu können, sollte man dies benötigen. Am Schluss finden wir die Anschlüsse für die Lautsprecher im Bananenstecker-Format.

Im Inneren sind die drei Hauptplatinen mit rigiden Verbindungen zusammengeschlossen. Eine davon dient der Stromversorgung, eine der Audio und Steuerung und eine zur Verstärkung. Primare hat sich für Klasse D entschieden und sich von Hypex beliefern lassen. Der I15 leistet 2x60 Watt bei 8 Ohm und 2x100 Watt bei 4 Ohm. Die Hauptplatine beherbergt zwei Tochterkarten für die Steuerung, das Wi-Fi und alles Digitale. In diesem Format verarbeitet der Umwandler AKM AK4490EQ Dateien bis zu 384 kHz und DSD 128.

Funktionen des I15 Prisma

Dank des Chromecast Audio Protokolls kann der Primare I15 anfänglich über die mobile App Google Home installiert werden. Dieser Vorgang dauert nur wenige Minuten.

Dadurch wird der Verstärker über den Sprachassistenten Google Home Mini steuerbar. Als Nächstes kann man zur mobilen App Primare Prisma weitergehen.

Der erste Bildschirm der App listet alle Geräte der Marke auf, die im Netzwerk gefunden werden. Hier kann man den I15 Prisma einfach ein- oder ausschalten.

Der nächste Bildschirm zeigt alle verfügbaren Tonquellen: physische Eingänge, USB-Anschluss, im Netzwerk geteilte Ordner, Inhalt des Smartphones und die Streaming-Dienste – darunter Qobuz. Achtung, dies ist ein einfacher Link, der auf die Qobuz-App verweist, da die Primare-App die Dienste nicht selbst integriert hat.

Wenn man die Registerkarte für die physischen Quellen öffnet, erscheint die Liste der Eingänge auf dem Gerät mit einem kleinen Icon, das den Typ des Anschlusses anzeigt. Die persönlichen Einstellungen erlauben es, Eingänge zu verbergen, die nicht verwendet werden.

Öffnet man die Qobuz-App, so ist der I15 über das Chromecast-Protokoll als Wiedergabegerät verfügbar. Auf diesem Weg ist eine Wiedergabe in Hi-Res möglich. Sehr praktisch dabei ist, dass die Volumentasten des Smartphones das Volumen des I15 steuern. Primare hat angekündigt, dass der Netzwerk-Verstärker bald auch mit Roon kompatibel sein wird, was im Moment unseres Tests noch nicht der Fall war.

Hörprobe

Um unsere übliche Test-Playlist anzuhören, haben wir die Qobuz-App verwendet und uns über Chromecast verbunden. Von der ersten Note an macht einem dieser kleine I15 richtig Lust auf die Musik. Beim Song Sumthin‘ Sumthin‘ vom Album Urban Hang Suite des Künstlers Maxwell klingt die Percussion so wahrhaft kräftig und spannungsgeladen. Auch unter voller Last schöpft der I15 nie seine Grenzen aus, außer man dreht die Lautstärke wirklich auf ein Maximum.

Diese Lebendigkeit, die aus einem so kleinen All-In-One-Produkt herausströmt ist erstaunlich. Das Album Live à FIP von Petra Magoni wird mit vollster Kraft zum Leben erweckt. Die Wiedergabe ist samtig mit vielleicht ein klein wenig zu viel Nachdruck. Aber es ist weit davon entfernt nach etwas klinisch reinem zu klingen und dennoch sind die Klänge warm und eingängig.

Der I15 Prisma zeichnet sich durch die Wiedergabe von den sensibelsten Einspielungen aus und gibt deren Lebhaftigkeit wider. Dieser Verstärker schafft es eine Klangblase zu erzeugen, die weit von Perfektion im audiophilen Sinne entfernt ist, sondern viel näher an uns und der Realität liegt. Das Klangbild ist hängt auch nicht am seidenen Faden. Vielmehr gibt es ein Ganzes wieder und ist im wahrsten Sinne des Wortes musikalisch.

PRO:
Effizienter All-In-One
Dynamik, die sich sehen lassen kann
Klangbild mit Fülle
Bauweise und Vollendung
Chromecast und AirPlay

CONTRA:
Mobile App ist limitiert
Bald kompatibel mit Roon?

Fazit

Dieser integrierte Netzwerk-Verstärker Primare I15 Prisma ist eine hübsche Überraschung. Mit einer sehr guten Wiedergabe, einem Bass mit Biss und vollem Klangbild hat er uns völlig zufriedengestellt. Das ist die Art Verstärker, mit der man aufhört sich weitere Fragen zu stellen, auch wenn nicht alles ganz perfekt ist. Er hat das Potenzial ein langjähriger musikalischer Begleiter zu werden. Seine vielen Anschlüsse und die verschiedenen Möglichkeiten der kabellosen Wiedergabe, dank Chromecast und Airplay, machen ihn zum Universalgenie. Die Anzeige ist praktisch und kann die Quelle, den Titel und den Interpreten zu jedem Zeitpunkt anzeigen. Sein ausgezeichnetes Design und die erstklassige Ausführung machen ihn zu einem unserer Favoriten. Ein wahres Lieblingsprodukt, das eindeutig ein Qobuzissime verdient.