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Rubrik :
Auf dem Prüfstand

Kopfhörer T+A Solitaire P-SE - Der Verfolger

Von Michael Lang|STEREO* |

Kopfhörer-Test/STEREO*

Verzicht üben, ohne zu leiden – unter dieses Motto scheint man beim Herforder Hersteller T+A die Entwicklung des zweiten Kopfhörers in der Firmengeschichte gestellt zu haben: des Solitaire P-SE.

Ein gutes Jahr ist vergangen, seit Siegfried Amft, Gründer und Kopf des ostwestfälischen Vorzeige-Herstellers T+A, beim Redaktionsbesuch die wahr gewordene Vision eines lange gehegten Traumes präsentierte: einen magnetostatischen Kopfhörer der obersten Preis- und Qualitätsliga: den Solitaire P. Ein kompromissloses Meisterwerk für diejenigen, die das Beste wollen – und es sich leisten können. Denn mit einem Preis von 4800 Euro kam er nicht mit dem Anspruch, ein Sonderangebot zu sein, in die HiFi-Läden dieser Welt.

Kopfhörer T+A Solitaire P-SE in der Verpackung mit Klinken- und XLR-Anschlusskabel Vorbildliche Verpackung, zwei verschiedene Kabel werden mitgeliefert – XLR/Klinke oder Pentaconn.

Zumal es damit streng genommen natürlich noch nicht getan war. Denn ein passender Kopfhörerverstärker ist da beinahe Pflicht, aus der man in Herford eine auf den Namen HA 200 (Test in STEREO 9/20) getaufte Kür machte, und für den nochmals 6600 Euro den Besitzer wechseln. Der Lohn für diesen Aufwand war ein weltweit überwältigendes positives Echo und die Besteigung des Referenzthrons im STEREO-Testspiegel als bester jemals von uns gehörter Kopfhörer.

Spezielle Kunststoffe sorgen für dauerhafte Stabilität, die Lackierung blättert auch nach Jahren des Gebrauchs nicht ab.

Bis hin zum Ohrpolster (rot) hat jedes noch so kleine Detail Einfluss auf den Klang.

Wieder Planartechnik

Beim nun vorgestellten P-SE deutet der erste Buchstabe an, dass es sich auch hier wieder um einen planaren, magnetostatischen Kopfhörer handelt. Das grundsätzliche Arbeitsprinzip ist also identisch mit dem Modell P. Doch hat man nicht einfach die Teile aus dem Spitzenmodell übernommen und in ein anderes Gehäuse implantiert, sondern seine Hausaufgaben mit bei T+A gewohnter Gründlichkeit erledigt. Denn andere Materialien bedeuten auch immer anderes akustisches Verhalten, verändertes Resonanzverhalten und damit die Gefahr von Klangverfälschungen. Das Wissen um diese Umstände bedeutete also, die Treiber grundsätzlich auf die neuen Bedingungen anzupassen, wobei letztlich eine komplette Neukonstruktion entstand. Erklärtes Ziel war es, den neuen Kopfhörer elektrisch deutlich „pflegeleichter“ zu machen, mit gutem Wirkungsgrad und unkritischer Impedanz, um ihn auch an hochwertigen mobilen Geräten einsetzen zu können. Und sein Gewicht so weit zu reduzieren, dass man auch unterwegs nicht das Gefühl bekommt, eine Last auf dem Kopf tragen zu müssen. Herausgekommen ist dabei dank des Einsatzes von hochwertigem Kunststoff und Carbon-Elementen statt des „Leicht“-Metalls Aluminium eine Gewichtsersparnis von immerhin 90 Gramm, also rund 15 %.

Die Anschlusskabel wurden speziell für den P-SE entwickelt und sind farblich klar gekennzeichnet.

Leichter & unkomplizierter

Womit auch der P-SE noch nicht in die Kategorie der Leichtgewichte fällt, aber durch die exzellente Gewichtsverteilung in Kombination mit dem perfekt ausbalancierten Anpressdruck und dem breiten, weich gepolsterten Bügel sowie den großen Ohrpolstern für stundenlanges leidensfreies Hören gesorgt ist. Ein Wort vielleicht zum Thema Kunststoff: Auch hier gibt es große Unterschiede. Je nach Einsatzzweck finden sich beim P-SE für die Muscheln Materialien mit einer sehr hohen inneren Dämpfung, während man für die Gabeln und Bügelbefestigungen auf extrem belastbaren und robusten Kunststoff setzt. Die Oberflächen werden mit speziellen Lacken aus der Flugzeugtechnik veredelt, die auch nach jahrelangem Gebrauch nicht abblättern. All das wird mit einer Fertigungspräzision von 1/100 mm produziert. Auch für das Kunstleder und das Velours griff man auf einen Hersteller aus Deutschland zurück, der umweltbewusst und allergenfrei in Handarbeit produziert. Wie kommt nun aber der beträchtlich günstigere Preis des „Verfolgers“ im Rennen um den Referenzthron zustande; so viel teurer ist Aluminium doch wohl kaum?

Speziell für den P-SE wurden Folien und Kupferbeschichtung entwickelt.

Kunststoff statt Alu

Grundsätzlich richtig, aber: Die Alu-Teile des Solitaire P werden in stundenlanger Maschinenlaufzeit aus dem Vollen hergestellt, während die Kunststoffe in kurzer Zeit in der gewünschten Form und Qualität entstehen. Es gilt der alte Grundsatz: Zeit ist Geld. Was mit Abstrichen auch auf die Entwicklungszeit zutrifft. Denn etliche für das gewünschte klangliche Ergebnis verantwortlichen Details lernte man bereits in der Forschungsphase des Modells Solitaire P kennen und musste nicht wieder mit dem berühmten weißen Blatt starten. Wodurch etliche hundert Ingenieursstunden nicht in die Kalkulation mit einfließen müssen. Unter dem Strich ebenfalls ein nicht unerheblicher Kostenfaktor. Dass faule Kompromisse nicht ins Konzept der Ostwestfalen passen, erkennt man auch an einem anderen Detail: Speziell für den P-SE hat man nach klanglich perfekt passenden Kabeln Ausschau gehalten und nicht einfach die beim Solitaire P verwendeten Drähte übernommen. Und diese Liebe zum Detail macht sich auch klanglich positiv bemerkbar, denn wenn man sich mit dem Solitaire P-SE beschäftigt, fügt sich ein Zahnrädchen ins andere, nirgendwo hakt es, nirgendwo entsteht auch nur ansatzweise das Gefühl, hier könnte irgendetwas nicht stimmen.

Kanalkennzeichnung und Seriennummer sind am stabilen Bügelgelenk angebracht.

Heiße Verfolgungsjagd

Die gesamte Darbietung ist von einer Mühelosigkeit und Spritzigkeit gekennzeichnet, die mitreißend ist. Auch tonal lässt der „Verfolger“ nichts anbrennen, bleibt dem Spitzenmodell Solitaire P sehr dicht auf den Fersen und begegnet diesem in vielen Disziplinen und in Abhängigkeit vom Musikmaterial und des verwendeten Kopfhörerverstärkers sogar auf Augenhöhe. Die Durchhörbarkeit einzelner Orchesterstimmen, beispielsweise bei Dvoráks „Scherzo Capriccioso Opus 66“ wird von den beiden Familienmitgliedern nahezu gleich perfekt beherrscht. Auch in der Klangfarbenfülle ist ein eindeutiger Unterschied nicht bestimmbar. Trotzdem gibt es Gründe dafür – und hier lassen wir die Katze aus dem Sack –, weshalb der Solitaire P auch zukünftig allein die Spitzenposition im STEREO -Testspiegel belegt: Er klingt, unter der Voraussetzung, mit wirklich exzellenter Quelle und ebenso hochwertigem Verstärker zu hören, bei Stimmen wie Tom Waits oder Willy deVille (Rose in Spanish Harlem) nicht nur etwas fülliger, opulenter, sondern auch noch eine Spur luftiger, das Geschehen scheint sich weniger im Kopf abzuspielen. Ob man den etwas trockeneren Bassbereich des P oder die ein wenig saftigere Wiedergabe des P-SE vorzieht, würden wir hingegen dem Bereich des persönlichen Geschmacks überlassen.

Die Metallabdeckung schützt den Treiber und ist schalldurchlässig.

Schnell & präzise

Die Verarbeitung von Impulsen, wie sie bei Yello-Aufnahmen seit jeher zuhauf zu finden sind, setzen beide, gut hörbar bei „Till Tomorrow“ vom Album „Touch“, in einem Maße um, dass die allermeisten noch so ausgefeilten Lautsprecher dagegen wie ein Trekking-Biker gegen einen Rennradfahrer wirken. Entspannter Jazz, wie Dizzy Gillespie auf „French Riviera“, wurde zum stimmungsvollen Hochgenuss und ließ in trüben rheinischen Januartagen während des Lockdown die Sehnsucht nach Urlaub und Sonne minütlich wachsen. Und wenn der P-SE dabei an einem hochwertigen mobilen Signallieferanten hängt, können Sie, während Sie in Urlaubsstimmung geraten, schon mal anfangen, Ihre Reisetasche zu packen. Die Anzahlung für den Urlaub haben Sie bereits in der Tasche, wenn statt des Solitaire P der P-SE der Kopfhörer Ihrer Wahl geworden ist.

Test-Geräte:

Plattenspieler: Roksan Xerxes 10/Linn Ekos/Benz Micro LPS, Thorens TD 124/SME 3012, Audio Technica Art 1
CD-Laufwerk: Wadia 8
Phono-Vorverstärker: Pro-Ject Phono Box RS 2
Kopfhörerverstärker: T+A HA 200, Sennheiser HDV 820
Kopfhörer: T+A Solitaire P, Grado PS 2000 E
Kabel: Supra, XLO, Cardas, Audioquest, Bayer Sound Cable

Die Playlist mit Tracks, mit der die STEREO-Redaktion Audiogeräte in der Ausgabe 04/21 getestet hat, finden Sie hier.

Testprofil des Kopfhörers T+A Solitaire P-SE auf stereo.de

*Dieser Artikel wurde Qobuz vom Magazin STEREO zur Verfügung gestellt.