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Rubrik :
Auf dem Prüfstand

Erfahrung siegt: Sendy Audiokopfhörer "Apollo"

Von Michael Lang (*STEREO) |

Hinter Sendy Audios Kopfhörer „Apollo“ stecken erfahrene Köpfe, die mit einem Preisbrecher die Marke in den Köpfen der Musikliebhaber fest installieren wollen.

Da hat sich jemand Gedanken gemacht – so der erste Eindruck von diesem offenen, magnetostatischen Kopfhörer. Grundsolide, dabei mit knapp 400 Gramm noch kein Schwergewicht, aber durch eine Fülle feiner Details schon vor dem ersten Ton vielversprechend. Das Erscheinungsbild ist ansprechend und hochwertig. Die Schalen aus Bubinga-Holz sind gefräst, geschliffen, poliert und hochglanzlackiert. Das Sonnenstrahlen nachempfundene Dekor auf der Außenseite der Kapseln macht ihn auch optisch zu etwas Besonderem, ist zugleich aber auch Anspielung auf den namensgebenden Gott des Sonnenlichts, der Musik und des Frühlings. Schön auch die dreifache Kennzeichnung von links und rechts: an den Buchsen fürs Kabel, am Kabel selbst und an der Innenseite der Kapseln.

Spezielle Technik

Grazil, aber bequem und stabil ist der Bügel gestaltet, der in Verbindung mit den großen, trichterförmig gebauten und sehr weichen Ohrpolstern für eine perfekte Verteilung des Gewichts sorgt. Das bislang kleinste Modell des Herstellers, der seine Produkte in einer eigenen Fabrik fertigt, hat auch technisch einiges zu bieten, sind doch die Kerntechnologien aus den größeren Modellen, insbesondere die „Quad-Former Technology“ übernommen worden.

Hierbei werden, anders als bei magnetostatischen Kopfhörern üblich, zwei Spulen auf jeder Seite der Membran angebracht, was einen gleichmäßigeren Antrieb der gesamten 60 Millimeter durchmessenden Membran zur Folge haben soll, als es mit einer Spule möglich wäre. Mehr Kontrolle der Membran, also geringere Verzerrungen und ein saubereres Klangbild sollen die Folge sein.

Die Ohrpolster sind weich und anschmiegsam, austauschbar und trichterförmig geformt.

Das Transportcase ist mit Trageschlaufe praktisch gestaltet.

Eine präzise Fertigung des aus Aluminium gefrästen Gehäuses stellt laut Hersteller sicher, dass die Wiedergabe besonders realistisch gerät. Sehr erfreulich auch, dass es gelungen ist, den Hörer mit einer hohen Empfindlichkeit von rund 95 dB und einer Impedanz von zirka 16 Ohm zu bauen, sodass sogar der eher artfremde Einsatz an Mobilgeräten mit ihren eher mickrigen Verstärkern grundsätzlich möglich ist; wenn auch, angesichts der Qualitäten des Apollo, eine Vergeudung seiner Fähigkeiten.

Doch wo Licht ist, findet sich bekanntlich auch Schatten. In diesem Fall nur sehr schwach ausgeprägt und zum Glück vergänglich: Die Einspielzeit dieses Kopfhörers ist deutlich zeitaufwendiger, als es sonst üblich ist. Klang der Apollo am ersten Tag noch muffig, abgedunkelt und müde, gab sich das nach und nach, um nach gut 72 Stunden, der Metamorphose von der Raupe zum Schmetterling nicht unähnlich, klanglich zu voller Blüte aufzulaufen. Damit das Potenzial des Hörers auch zur Gänze ausgelotet wird, spendierte man ihm nicht nur ein hochwertiges, gegen Erschütterungen immunes Kabel, sondern stattete dies auch noch mit dem symmetrischen, beste klangliche Ergebnisse versprechenden Pentaconn-Stecker aus. Aber: Es gibt bislang nur recht wenige Verstärker mit diesem Anschluss, und als Adapter liegt, zumindest bei unserem Testmodell, leider nur eine Verbindung auf 3,5-Millimeter-Miniklinke statt der vermutlich sinnvolleren 6,3-Millimeter-Variante bei.

Die Kanalzuordnung erfolgt gleich dreifach und ist vorbildlich. Das hochwertige Kabel ist austauschbar.

Der Adapter für den Anschluss des Pentaconn-Steckers ist leider nur auf Miniklinke.

Hörvergnügen

Diese milde Kritik gerät jedoch schnell in Vergessenheit, wenn der Apollo nach der Einspielzeit die Ohren bedeckt und mit seinem hohen Tragekomfort in Verbindung mit seinem außergewöhnlich guten Klang zum stundenlangen Hören verleitet. Mahlers Sinfonie Nr.3 war gleich zum Einstieg als Stolperstein gedacht. Große Bühne, dynamisch herausfordernd, viel Talent zur Feinzeichnung verlangend und tonale Neutralität auf die Probe stellend, scheitert hier auch so mancher Kandidat im gehobenen vierstelligen Preisbereich, während der Apollo dieses Aufgabenpaket mit Leichtigkeit schulterte. Als der Altmeister des Minimalismus, B.B.King, über den verloren gegangenen Thrill lamentierte, zeigte der Apollo, dass er sich auf Emotionen wie auf exakte Impulsverarbeitung bis in den Frequenzkeller versteht. Hinzu kommt eine hervorragende Sprachverständlichkeit und ein exzellenter Tragekomfort. Die Erfahrung der Entwickler zahlt sich hier aus!

Test-Geräte

CD-Spieler/Streamer/DAC: Audionet Art G5, Wadia 8, Brinkmann Nyquist MK2, Bluesound Vault 2i
Vorverstärker: T+A PA 3100 HV, Audioquest Dragonfly Cobalt
Kopfhörer: Sennheiser HD 800S, Technics EAH-A800, Sennheiser HD 560

Die Playlist mit Tracks, mit der die STEREO-Redaktion Audiogeräte in der Ausgabe 08/22 getestet hat, finden Sie hier.

Testprofil des Sendy Audiokopfhörer Apollo auf stereo.de