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Benjamin Moussay, less is more...

Von Marc Zisman |

Der französische Jazzpianist tritt dem deutschen Label ECM mit Bravour als Solist bei...

Sein Name wanderte zwar bisher über ECM-Plattencover, aber nur als Sideman von Louis Sclavis auf den Alben Sources, Silk and Salt Melodies und Characters on a Wall. Mit Promontoire übernimmt Benjamin Moussay auf einem Album aus dem Hause Manfred Eichers endlich die Führung. Noch dazu im Alleingang. Das Münchner Label hat bereits eine ganze Reihe einzigartiger Klaviersoloalben zu bieten – allen voran seinen Bestseller, Keith Jarretts Köln Concert – und dieses Promontoire wird sie vortrefflich ergänzen.

Der 47-jährige Moussay ist zwar immer noch ein recht diskreter Vertreter der aktuellen Jazz-Szene, aber jene, „die Bescheid wissen“, haben immer schon seine klare, einprägende Spielweise gewürdigt. Wie Martial Solal zum Beispiel, der über ihn sagt, dass er „(...) richtig spiele (...). Nicht zu viel und nicht zu wenig“. Oder wie die endlose Liste jener, die irgendwann einmal mit ihm zu tun gehabt hatten: Sclavis also, aber auch Archie Shepp, Dave Liebmann, Jean-François Jenny-Clark, Marc Ducret, Daniel Humair, Steve Swallow, Vincent Courtois, Michel Portal, Vincent Peirani, Youn Sun Nah, Airelle Besson und zig andere… Obwohl er oft im Trio auftritt (insbesondere mit Eric Echampard und Arnault Cuisinier), klingt sein Klaviersolo auf der Bühne so, als würde er damit immer wieder zu den Ursprüngen, den lebensnotwendigen, zurückkehren. Wie zu einem heimlichen Versteck voller wohlbedachter Poesie und geschichtsträchtiger Improvisationen.



„Gefühlvoll vibrierende Saiten erklingen in der Stille. Einsamer Tanz mit dem Flow des inneren Rhythmus. Komponierte Vorlagen in steter, dem Augenblick entsprechender Veränderung. Sich dahinziehende Zeit, Freiheit, Raum, vorüberziehendes Vergnügen in der Schwebe… Als Solist am Klavier kenne ich Ausgangspunkt und Ziel. Die Überraschungen auf der Reise sind das eigentliche Rätsel…“ Diese Scharfsinnigkeit passt genau zu den 12 dahinfließenden Themen dieser Platte, die bei jedem erneuten Hinhören noch etwas zu bieten hat. Bevor sich noch eine Melodie ausbreiten kann, kommt und geht alles, was ihm gefällt, wieder vorbei – und sein Geschmack reicht von Thelonious Monk bis hin zu Claudio Arrau, von Lennie Tristano bis hin zu Paul Bley. Bei Moussay, der auch für Film und Theater schreibt, generieren die Melodien wie immer endlos viele Bilder, ohne dass er sich dazu hinreißen lässt, Musik wie am Laufband zu erzeugen, die nur scheinbar schön klingt, in Wirklichkeit jedoch hohl ist. Nichts davon ist hier zu spüren… Mit schlichten Sequenzen wird Promontoire erst recht beeindruckend (Villefranque und Monte Perdido), denn Benjamin Moussay sagt mit so wenig Noten wie möglich so viel wie möglich. Less is more, wieder einmal…

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