Jenny Lewis, introspektivster Pop

Die Ex-Sängerin von Rilo Kiley veröffentlicht ein 4. Studioalbum, das so persönlich ist wie noch nie...

Von Sandra Zoor | Video des Tages | 30. März 2019
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Qobuz

Der klassische Pop, der einen aufspringen und in der Dusche singen lässt sowie einen bis zum Ende der Nacht als Ohrwurm verfolgt, wird immer seltener. On the Line ist nun dabei Abhilfe zu schaffen. Mit ihrem vierten Solo-Album entwarf Jenny Lewis - die ehemalige Sängerin von Rilo Kiley, einer der führenden Bands des amerikanischen Indie-Rocks der 2000er-Jahre - sogar das perfekte Album, das sich wie eine Produktion aus 2019 anhört und sich dabei an den besten Einflüssen der vergangenen Jahrzehnte bedient. So sehr, dass einige in ihr die Stevie Nicks des dritten Jahrtausends sehen...

Nach dem Country-geladenen Rabbit Fur Coat im Jahr 2006 (mit den Watson Twins), Acid Tongue im Jahr 2008, dem Exkurs Jenny & Johnny (DIE Power-Pop-Platte des Jahres 2010 mit ihrem damaligen Lebensgefährten Jonathan Rice), The Voyager im Jahr 2014 und zwei Jahre später Nice as Fuck (ein Trio aus Erika Forster von Au Revoir Simone und Tennessee Thomas von The Like, das während eines Meetings von Bernie Sanders entstand), vermischt Jenny Lewis nun all Ihre Vorlieben mit ansteckender Energie. Dabei entstand On the Line zu einer Zeit, zu der die Sängerin von zwei Schicksalsschlägen heimgesucht wurde: der Tod ihrer Mutter und die Trennung von Rice. Mit Unterstützung von hochkarätigen Musikern wie Benmont Tench, Don Was, Ringo Starr, Beck und Ryan Adams, verwandelt sich Jenny Lewis in eine großartige Geschichtenerzählerin.

Lewis jongliert mit lebendigem Power-Pop, Classic Rock der 70er Jahre, bezauberndem Rock-Folk und tauscht, je nach Laune, Gitarren gegen ein Klavier (jenes, auf dem Carole King 1971 Tapestry aufgenommen hatte)... Aber wie The Voyager trügt auch On the Line auf den ersten Anschein. Es trügt, da man zunächst einen harmlosen Eindruck gewinnt, und sich bei näherem und mehrmaligem Zuhören als eines der aktuell besten Rockalben herausstellt. Jenny Lewis beweist zudem, dass es nicht nötig ist, das Rad des Pop neu zu erfinden, wenn man sein Handwerk beherrscht. In der letzten Woche war sie bei Jimmy Kimmel auf ABC eingeladen und performte Red Bull & Hennessy:



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