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Die Alben

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Hip-Hop/Rap - Erschienen am 19. März 2021 | Rec. 118

Hi-Res Auszeichnungen 4F de Télérama
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Hip-Hop/Rap - Erschienen am 5. Februar 2021 | BBE Music

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Hip-Hop/Rap - Erschienen am 29. Januar 2021 | &ce Recless

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Hip-Hop/Rap - Erschienen am 13. März 2020 | Roc Nation, LLC

Hi-Res Auszeichnungen 4F de Télérama - Pitchfork: Best New Music
Sage und schreibe 3.971 Tage, also beinahe elf Jahre, benötigte Jay Electronica von der ersten Single ("Exhibit A") bis zu seinem Debüt-Album. Dazwischen gab es natürlich diverse Features und Mixtapes, aber keinen eigenständigen Longplayer. Das hat sich mit "A Written Testimony" geändert. Ein Album voller Religion und Spiritualität, wie es der Titel bereits suggeriert. Eine erste Einordnung: Jay Electronica, bürgerlich Timothy Elpadaro Thedford oder, wie er sich selbst nennt, Elpadaro F. Electronica Allah, ist bekennender Muslim und Mitglied der afroamerikanischen, religiös-politischen Bewegung Nation of Islam. Das Cover zieren sein Name und der Titel auf Arabisch, er rappt teilweise in dieser Sprache und begründet sein ganzes Dasein im Glauben an Allah. Die Anspielungen darauf sind omnipräsent, ohne dass man das Album überhaupt gehört hat: Am 7. Februar setzte Jay Electronica einen Tweet ab, dass "A Written Testimony" in 40 Tagen erscheinen werde. Das Album entstand in 40 Tagen und 40 Nächten. Es ist zirka 40 Minuten lang und beinhaltet zehn Songs. Alles Sinnbilder des Glaubens, dass der Prophet 40 Tage fastete, bevor er mit Gott sprach und die zehn Gebote erhielt. Auf derselben Welle surft sein langjähriger Wegbegleiter Jay-Z, der ohne schriftliche Erwähnung auf acht Songs vorkommt. Ein Kollabo-Album im Inkognito-Modus, sozusagen. Neben Hova finden sich noch andere namhafte Künstler, die verstohlen zu hören sind: James Blake ("Universal Soldier"), Rihanna ("Flux Capacitor") sowie James Fauntleroy ("Ezekiel's Wheel"). Auf Produzentenseite stehen Jay ebenfalls talentierte Musiker zur Seite, darunter The Alchemist, Swizz Beatz oder No I.D.. Musikalisch offeriert die Platte einen verspielten Mix aus vielen Vintage-Samples, feinem Hip Hop, Soul, Industrial und Psychedelia. Zurück zum Glauben: "The Overwhelming Event" eröffnet "A Written Testimony" mit einem Ausschnitt einer Rede von Louis Farrakhan, dem Führer der Nation of Islam, dem Jay treu ergeben ist. Laut Louis sind die wahren Kinder von Isreal die Afro-Amerikaner. Jay unterlegt dies mit dramatischen Streichern und Pianoklängen. Auf "Ghost Of Soulja Slim" ertönt Farrakhan erneut, während verträumte Lo-Fi-Samples samt Akkordeon zum Kopfnicken einladen. Die beiden Jays positionieren sich als Propheten des Koran, ziehen allerhand religiöse Analogien und nehmen sogar Marvels "Black Panther" in ihre Gleichungen mit auf. Kleine Randnotiz: Rapper Soulja Slim wuchs wie Electronica in den Magnolia Projects von New Orleans auf. "The Blinding" führt Travis Scott als Feature auf. Der nimmt dafür aber gerade einmal elf Wörter für den Chorus in den Mund und klingt dabei wie Kanye West anno 2008 im Song "Heartless". Jay und Jay gönnen sich aber abwechselnd die Strophen und parlieren über ihren Status im Hip Hop, über spirituelle Abstammung und Introspektion. Vier Produzenten waren am Beat beteiligt, der in der ersten Strophe mit tiefen Bässen und gewaltigem Rauch ballert, sich in der zweiten Strophe etwas zurücknimmt und in einen kontemporären Trapbeat verwandelt. "Ezekiel's Wheel" fungiert als Metapher für eine Bibelstelle. In Ezechiel 1:1-3:27 heißt es, genannter Prophet ziehe als göttlicher Krieger mit einem Streitwagen in den Kampf, der von vier Kreaturen gezogen werde. Jede dieser Kreaturen wird als "wheel within a wheel" bezeichnet. Musikalisch das vielleicht schönste Stück des Albums, wenn The-Dream über einem klappernden Chiptune-Beat und einem Sample von Brian Enos "St. Elmo's Fire" einen wunderbaren Refrain zum Besten gibt. Electronica zieht hier Querverweise auf Jay-Zs Errungenschaften, Allah und "Star Wars". Eine persönliche Geschichte findet sich in "Shiny Suit Theory", einer Single von 2010. Sie erzählt von P. Diddy, der Jay unbedingt unter Vertrag nehmen wollte, doch der Mann aus Louisiana unterschrieb nicht bei Bad Boy Records, sondern bei Jay-Zs Label Roc Nation. Erneut durchzieht eine nostalgische Lo-Fi-Ästhetik den Song mit einem alten Sample von The Ambassadors' "Ain't Got The Love Of One Girl (On My Mind)" aus dem Jahr 1969. Der Titel referiert auf die berüchtigte Shiny Suit Era des US-Rap, als P. Diddy in Musikvideos imposante, glänzende Anzüge trug und damit für den Wohlstand von afro-amerikanischen Künstlern stand. Den ergreifendsten Moment erschafft Jay mit dem Abschlusssong "A.P.I.D.T.A.", Abkürzung für "All Praise Is Due To Allah". Darin thematisieren Jay-Z und er die Dankbarkeit gegenüber Gott und den Tod nahestehender Personen. Besonders Hova überrascht mit leidvoller und fragiler Stimme, wenn er die Zeilen wiederholt: "I got numbers in my phone that'll never ring again / 'Cause Allah done called them home, so until we sing again / I got texts on my phone that'll never ping again / I screenshot 'em so I got 'em, I don't want this thing to end." Der elegische Beat, der auf "A Hymn" von Khruangbin beruht, macht diesen Schmerz fühlbar. Man glaubt einfach, dass diese beiden Jays jeweils ein schweres Kreuz zu tragen haben. "A Written Testimony" erscheint als übergroßes Mahnmal für seinen Glauben. Partner in Crime Jay-Z steht ihm tatkräftig zur Seite, und beide verkünden die frohe Botschaft. Mit viel Selbstvertrauen, lyrischer Finesse und eindringlichem Vortrag holen sie jeden Hörer ab, eingehüllt in ein virtuoses Kleid aus anschmiegsamem Vintage. Man lauscht den Zeilen eines religiösen Mannes, der seine Überzeugung energisch, wenngleich unprätentiös darbietet. Er verzichtet auf unnötiges Brimborium, anders als sein christlicher Kollege Kanye West auf "Jesus Is King". © Laut
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Hip-Hop/Rap - Erschienen am 13. Dezember 2019 | Atlantic Records UK

Hi-Res Auszeichnungen 4F de Télérama
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Hip-Hop/Rap - Erschienen am 8. März 2019 | Neighbourhood

Auszeichnungen 4F de Télérama
Eine kurze Pauschalisierung: Im Hip Hop gibt es entweder kommerziell erfolgreiche Musik oder Musik mit Message. Die einen liefern Hits, die anderen regen zum Nachdenken an. Dass Pauschalisierungen dieser Art Quatsch sind, wissen wir seit Grandmaster Flash und den Furious Five, spätestens seit Kendrick Lamar. Und trotzdem gibt es diesen bestimmten Sound, bei dem Backpacker & Realkeeper sofort abschalten, weil sie wissen: Nach dieser Snare KÖNNEN sie sich gar nicht mehr angesprochen fühlen. Den Fehler sollten sie bei Daves Debütalbum nicht begehen. Beim ersten Hören klingt "Psychodrama" nach kontemporärem, am Zeitgeist orientiertem Grime-Trap-Pop. Hier ein paar brummende Bässe und peitschende Snares, da ein paar Klavierstücke und dort noch ein wenig Pseudo-Dancehall-Flair, oder wie seine Jünger sagen würden: Afrotrap. (Über die Schrägheit dieses Begriffes sollte an anderer Stelle mal ganz dringend diskutiert werden.) Wer aber genau hinhört, erkennt schon im Opener "Psycho", dass es sich bei "Psychodrama" nicht um ein belangloses Geldverdiener-Album handelt. Das erste Wort hat nämlich: Ein Therapeut. Der begleitet Dave und den Hörer über alle elf Songs hinweg und gibt dem Album seinen roten Faden. "Psychodrama" gleicht einer Art Therapiesitzung. Dave erklärt wo er herkommt, seine Weltanschauung und welche Erlebnisse und traurigen Erkenntnisse dazu geführt haben. Dave erzählt. Und er hat einiges zu sagen. Nicht nur über sein Heimatviertel "Streatham", in dem Armut und Kriminalität an der Tagesordnung stehen und ein "Environment", das das menschliche Elend versucht mit Augenscheinlichkeiten zu verstecken: "You see our gold chains and our flashy cars / I see a lack of self worth and I see battle scars [...] Where I'm from, everybody wants to make it out, but nobody wants to see somebody make it out." Sondern auch darüber, was es verdammt nochmal bedeutet, als Schwarzer in einer Gesellschaft zu leben, die von und für Weiße erschaffen wurde. "Black is so confusing, 'cause the culture? They're in love with it / They take our features when they want to have their fun with it / Never seem to help with all the things we know would come with it." Dave erzählt von seiner zerrütteten Familie, vom Bruder, der sein Vorbild war und in den Knast gewandert ist. Vom anderen Bruder, mit dem er keinen Kontakt mehr hat. Von der Mutter, die verzweifelt versuchte, ihre Familie zu ernähren und die Last nicht tragen konnte. Von seiner Freundin, die ihm mit ihrem "Purple Heart" aus dem Loch, in das er manchmal fällt, heraus hilft. Und dann gibt es da noch "Lesley". Einen Song, der auf elf Minuten die Geschichte von Lesley und ihrem gewalttätigen Freund Jason wiedergibt, die nicht nur brutal endet, sondern tragischerweise auch alltäglich ist. Dave macht aus "Lesley" einen bewegenden Storyteller, der einen auch nach Abklang des Songs nicht mehr loslässt. "It's a message to a woman with a toxic man / I'm begging you to get support if you're lost or trapped / I understand that I can never understand and I ain't saying that it's easy, but it must be right / Some of your sisters, aunties, mums or wives are fucked aside and they will never touch on why / I'm touched 'cause I've seen a woman that I love though like / Cry ref little tears through a bloodshot eye / This shit's awful, no matter what culture, it ain't normal / Men try and twist it, make it seem like it's your fault." Seine Bereitschaft zu Schwäche ist es auch, was "Psychodrama" so besonders macht. Dave hat genug davon, den starken, unnahbaren Mann zu spielen. Er will seine Traumata und Erlebnisse verarbeiten, um befreit nach vorne zu blicken. Und das bewältigt er mit einer Liebe zur Sprache und einem Flow, der sein Debüt zu einem spannenden, nachdenklichen und unterhaltenden Album macht. Wer genau hinhört, hört auch: Dave hat seine Geschichte noch lange nicht zu Ende erzählt. © Laut
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Hip-Hop/Rap - Erschienen am 1. März 2019 | AGE 101

Hi-Res Auszeichnungen 4F de Télérama
Simz veröffentlicht ein weiteres Album, GREY Area, bei ihrem eigenen Plattenlabel. Die junge, nach oben strebende Nachwuchskünstlerin geht mit diesem dritten Album noch einen Schritt weiter. Seit A Curious Tale Of Trials + Persons, als die 21-jährige Londonerin Simbi Ajikawo auf Persons die Frauen dazu aufforderte, „wie Könige aufzutreten (Women can be kings)“, ist sie weitaus selbstsicherer geworden. Nachdem sie von Lauryn Hill und Kendrick Lamar geadelt worden war und anschließend mit den beiden zusammengearbeitet hatte, und im Vorprogramm der Gorillaz aufgetreten war, hat sich Simz sehr bald einen der heißbegehrten Plätze unter den derzeit besten Rappern verschafft. Die recht instrumentalen, ausschließlich unter der Regie von Inflo stehenden Produktionen bewegen sich zwischen überschwänglichem Jazz (Flowers), nebulösen Beats mit verschleierten Synthies (101 FM) und üppiger Poesie (Flöten, Klavier, Streicher) wie etwa auf Offence, und dabei präsentiert Simz eine ganze Reihe an Gästen: Chronixx mit dem lockeren Reggae in Wounds, Little Dragon in Pressure, der R&B-Hype Cleo Sol beim köstlichen Refrain von Selfish sowie Michael Kiwanuka in Flowers. All diese Featurings und feinen Produktionen bilden einen starken Gegensatz zu Lil Simz‘ hartem, aber präzisem Flow, bieten ihr aber gleichzeitig die beste Grundlage, sich zum Ausdruck zu bringen. Prächtig und zugänglich. Volltreffer. © Charlotte Saintoin/Qobuz
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Hip-Hop/Rap - Erschienen am 28. September 2018 | BMG Rights Management GmbH

Hi-Res Auszeichnungen 4F de Télérama
"Temple doors open up, smoke billows out. Now you hoping what, for mercy? Get your soul brittled out." Acht Jahre nach dem letzten Studioalbum "Rise Up" kehren Cypress Hill in Form von "Elephants On Acid" mit akustischen Halluzinogenen zurück. Dabei geht es ihnen diesmal nicht nur um den Blick aus der grünen Brille, sondern um eine transzendente Erfahrung. Passenderweise leiten sie ihren psychedelischen Trip mit Tabla- und Sitar-Klängen ein, die nicht nur einen indischen Vibe erzeugen, sondern auch Bezug auf die drogengeschwängerte Pop-Musik der 1960er nimmt. Ein hypnotischer Gitarren-Loop ergänzt in der Single "Band Of Gypsies" die bunte Soundpalette des asiatischen Subkontinents. Die verschiedenen Elemente wirken in ihrer Anordnung keinesfalls überkonstruiert, sondern fügen sich unheimlich stimmig in das Hip Hop-Grundgerüst ein. Selbst wenn die kulturelle Aneignung weniger gelungen ausgefallen wäre, würde Sen Dog wohl nur einen begrenzten Rechtfertigungsdruck verspüren: "Smoke a whole pound when I feel myself comin' down. Live how I wanna live and answer to no one". Noch immer ergänzen sich B-Real und Sen Dog stimmlich hervorragend. Doch der zwischenzeitlich im Hintergrund verschwundene DJ Muggs erhält auf dem neunten Album der Kalifornier die weitreichendsten Entfaltungsmöglichkeiten. Rein instrumentale Stücke wie "Tusko", "Satao", "Holy Mountain", "Elephant Acid", "The 5th Angel" oder "Thru The Rabbit Hole" entschleunigen das Treiben, womit sich Räume zur Meditation eröffnen. "Pass The Knife" feiert beinahe Bergfest bis sich einer der beiden Vokalisten ans Mikro bemüht. Zur Halbzeit geht der Trip allmählich in die Downphase über. Für "Locos" lassen sie den Ashram weit hinter sich, um mit aggressivem Stakkato-Flow über einem düster treibenden Instrumental zu glänzen. Eine ähnlich unheilvolle Atmosphäre kreierte Muggs jüngst auf "Assassination Day". Der Weg nach unten setzt sich konsequent fort. In "Falling Down" und "Insane OG" prügeln die Bässe auf das Trommelfell ein. Schließlich setzt "Warlord" zunächst mit Sirenengesang ein, bevor blecherne Drums die voranschreitende Kriegsmaschinerie imitieren. Höchste Zeit dem Tief etwas entgegenzusetzen: "Close your eyes, we up in smoke." "Reefer Man" atmet den traditionellen grünen Dunst der Kalifornier. Seine psychotrope Wirkung verrichtet das THC dann natürlich optimalerweise unter Zuhilfenahme hauseigener Produkte: "You wanna blow some trees, you wanna smoke some real shit? Put it in the paper, roll it with the 'Phunky Feel Tip'". Nur wenige Züge und es geht für das Trio "Thru The Rabbit Hole" zum Hutmacher und der Grinsekatze ins Wunderland. Doch der Mischkonsum fordert seinen Tribut: "Feels like my head is gonna explode." Schräge Bläser begleiten in "Crazy" den zerebralen Jahrmarkt: "I think I'm going crazy. I'm losing my mind. I see elephants all of the time". Das omnipräsente Elefanten-Motiv hat sich längst vom jovialen, entspannt vom Cover grüßenden, hinduistischen Gott Ganesha zur halluzinierten Bedrohung gewandelt. Inmitten des imaginierten Zirkus breitet sich die Vorstellung aus, Chefbeatbastler Muggs habe das Zeitliche gesegnet ("Muggs Is Dead"). Der befindet sich mittlerweile auf dem "Stairway To Heaven" in Richtung ewiger Glückseligkeit. Ein Ort, den B-Real nie zu erreichen glaubt: "When I die, I probably won't make it to heaven". Aber was will er da auch? Cypress Hill schaffen sich ihren eigenen Himmel auf Erden. Losgelöst von Raum und Zeit genießen sie die unendlichen Möglichkeiten der Twilight Zone. Also auf zur nächsten Runde: Blunt anzünden, "Elephants On Acid" auf Repeat und in die Wiederholungsschleife eintauchen. © Laut
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Hip-Hop/Rap - Erschienen am 27. Juli 2018 | Concord Loma Vista

Auszeichnungen 4F de Télérama
Denzel Curry in Clownsmaske schwebt, an einen Strauß schwarze Ballons gebunden, hoch zur Zimmerdecke und singt: "Welcome to the darker side of taboo / all I've got is permanent scars and tattoos". Von oben herab spricht er im Auftaktsong "Taboo | Ta13oo" zu Lady Borderline: "You loving me is forbidden / loving you back is a crime / I wrote this poem for you / forever remain in my rhymes". So beginnt der "Light" betitelte erste Teil des Dreiakters namens Ta13oo. Fröhlicher wird's also nicht. Dreiakter, das klingt nach Konzept, das klingt wiederum wichtig, wichtig, nach Alben, deren Stellenwert (geschweige denn deren Konzept) ich nie so ganz begriffen habe. Und natürlich auch nach Gegenbeispielen. Definitiv demonstriert es in Denzel Currys Fall den gewachsenen Anspruch eines Künstlers, der mit 23 schon seit acht Jahren rappt und die USA-weit dominierende Szene in Florida bereits entscheidend mitprägte, dem sein eigenes Imperium unter Palmen nicht mehr genug ist. Weniger in den Texten, als viel mehr auf der instrumentalen Ebene ist die Dreiteilung des Albums erkennbar: Vor allem "Black Balloons | 13lack 13alloonz feat. Twelve'len & Goldlink" und "Cash Maniac | Cazh Man1ac feat. Nyyjerya" gehen, verglichen damit, was der Mann sonst so macht, als sonnig durch. Ersterer mit einem Beat ausgestattet, den man spontan mit Goldlink assoziieren würde, wenn Goldlink nicht sowieso einen Part übernähme. Ganz locker flockig rappt Denzel über all die tiefschwarzen Ballons, die in seinem Geist umherschwirren, Missbrauch, Selbstzweifel, Paranoia. Wenn dann aber der Beat von "Sumo | Zumo" losmarschiert wie einst "Shabba" und Denzel zum ersten Mal richtig austickt, obwohl der Track offiziell noch zur "Light"-Side gehört, ist Schluss mit leichter Kost. Betrachtet man die einzelnen Akte jeweils als EP, also so, wie sie an drei aufeinander folgenden Tagen auch erschienen sind, funktioniert "Grey" am besten. "Switch It Up |Zwitch 1t Up" ist ein ganz grimmiger Brecher von einem Track. Der Beat geht hoch wie eine Bombe in Zeitlupe, Denzel Curry mit dem Schädel des Wackrappers in der Hand zitiert Hamlet und demonstriert dann, dass er nicht einfach bloß in einer anderen Liga rappt als Neun von Zehn seiner Zeitgenossen; vergleicht man ihn etwa mit einem Tekashi 6ix9ine ist das schlichtweg ein anderer Sport. Natürlich hat beides seine Daseinsberechtigung, der Champions-League-Fußball genauso wie Curling mit gleichzeitiger Wrestling-Einlage. Wenn Curry die shakespearsche Frage "Range / this order blame/ this for the pain / in Florida / Bipolar vibe over time slower I'm sober now sorta see / What is going on with me?" mittels eines Flows in den Raum stellt, der hoffentlich in 500 Jahren noch auf Bühnen rezitiert wird, fällt die Entscheidung aber nicht schwer. Der zweite große Abreißer des Albums ist "Clout Cobain | Clout Co13a1n". Ein Requiem für die Opfer einer Industrie samt Gesellschaft, die den Skandal braucht, um zu funktionieren, das lukrative Tier im Käfig, auf dass sich vom Smartphone aus zeigen lässt, den schwarzen, drogensüchtigen Rapper, dessen Videos man wohlig erschauernd konsumiert. Hier zeigt Denzel auch, dass er das Technikmassaker, was er so gern, aber nie ausschließlich als Selbstzweck veranstaltet, gar nicht braucht, damit seine Musik funktioniert. Melodiöser Sprechgesang auf einem melancholischen Beat mit einem Bassdrop für die Götter richtet es auch. Was dann folgt ist "Dark". Mit "feel like a horror movie / why my brother callin' to me" sind wir wieder bei tiefster Düsternis nach Shakespeare und dem Geist seines Bruders, im Jahr 2014 von der Polizei mit Elektroschockern getötet. Die Titel 10-13 sind Wutklumpen von Wortkotze, von Denzel Currys Rapfertigkeiten zu dunklen Diamanten geschliffen. Eigentlich ist er gar kein Rapper, sondern "Black Metal Terrorist". "TA13OO" ist ein Album, das Gedanken mit ausgefahrenem Ellbogen provoziert. Im Moshpit auf die Fresse bekommen und drüber nachdenken, sich fragen, ob man wirklich high sein muss, um das alles zu genießen. Denzel Curry hat, wenn er will, die Melodie und den Soul genau so wie das auf's Game gezielte Flakfeuer seiner Worte zu monströsen, knochenzermahlenden Düsterbeats. Das alles aus einem verspulten Kindskopf mit einer großen Liebe zu Dragon Ball genau so wie zu den Power Puff Girls. Und darauf sitzt immer noch eine ziemlich coole Frisur. Kein Album, das das Zeug zum ultimativen Klassiker hat, dazu stehen die einzelnen Teile dann doch etwas zu lose nebeneinander. Aber wieso sollte man nicht trotzdem einfach mal die Höchstwertung geben? © Laut
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Hip-Hop/Rap - Erschienen am 2. Februar 2018 | Universal Music Division Capitol Music France

Auszeichnungen 4F de Télérama
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Hip-Hop/Rap - Erschienen am 14. April 2017 | Aftermath

Booklet Auszeichnungen 4F de Télérama - Qobuz' Schallplattensammlung - Pitchfork: Best New Music
Machen wir es kurz: "Section.80" ist ein Backpack-Klassiker, "Good Kid" sein "Illmatic" und "Butterfly" das sterbenslangweilige Opus Magnum für linksliberale Pitchfork-Pimps. Und "Damn."? "Damn." kommt einfach als verdammt gutes Rap-Album, das die Hit-Dichte des Debüts, den Straßengrind vom Nachfolger und die Black Power vom Grammy-Abräumer mit modernen Beat-Strukturen vereint. Endlich. Allein die harte Synthie-Single "Humble", produziert von Mike Will Made It, und ein kurzer Blick auf die weitere Producer-Truppe um Alchemist, Cardo und 9th Wonder schicken die jazzig-funkigen Sounds des 2015er-King Kunta in den Orbit der Indie-Blogs. In der Langfassung heißt das: Am Mic ist Kendrick wie Bayern München unter Pep. Er bietet keinen 08/15-Style an, er fordert Gegner wie Zuhörer, sich selbst wie Studiokollegen. Variabler flowend als jeder Emcee vor ihm, verpackt Lamar seine intensiven und vielschichtigen Lyrics dieses Mal in Radio-, Fitness- und Auto-taugliche Hits. Auf "Love" taucht er tief ins 80er Soul-Pop-Revival von Future Hendrix, sucht mit Rihanna auf einer trap-kuscheligen Liebesballade die "Loyalty" und croont bei "God" besser als Drake, wenn auch unterstützt von Bekon, der in den besten Momenten gar an den viel zu unterschätzten Mr Hudson erinnert. Kung-Fu Kenny mischt wieder als Sterblicher mit im Game. Nach den "Butterfly"-Jubelarien der Genre-übergreifenden Musikjournaille wähnte man den Kalifornier ja schon im erhabenen Genie-Club um Prince, Madonna und Co. und jenseits aller Rap-Profanität. Mit Zeilen wie "I'm willin' to die for this shit / I done cried for this shit, might take a life for this shit / Put the Bible down and go eye for an eye for this shit" kehrt er nun in den aggressiven Battle-Rap zurück. Drei Gegner visiert er an: Trump und den rassistischen Teil der amerikanischen Gesellschaft, alle anderen Emcees und seine eigenen Sünden. Seine Auge-um-Auge-Aussage aus dem zünftigen, irgendwo zwischen 40 und RZA holpernden "Elements" holt er aus dem Alten Testament und krakeelt sie in die verrückte Welt hinaus. In Zeiten von Donald und anderen Diktatoren wird Widerstand Pflicht. Kendrick wirft dafür seine Liebe zum Neuen Testament gleich im "Blood"-Intro aus dem Bentley. Über fast fröhliche Soul-Streicher erzählt er, wie er einer alten Dame auf der Straße hilft, nur um dann von ihr erschossen zu werden. Direkt im Anschluss sampelt er Fox News-Moderator Geraldo Rivera, als der seine provokante, politische BET-Performance 2015 on Air kritisiert – und switcht in den zweiten, fiebrigen und ultraharten Mike Will Made It-Beat "DNA". Klarer geht es nicht, Kendrick ist zornig und bläst zum Angriff auf das erzkonservative Amerika. Wie in "Yah". "I'm not a politician, I'm not 'bout a religion / I'm a Israelite, don't call me Black no mo' / That word is only a color, it ain't facts no mo'." Er sieht die Afroamerikaner und alle Unterdrückten vor demselben Schicksal stehen wie die Juden zu Zeiten von Moses und Co. Kendrick mag zwar kein Politiker sein, doch auch er weiß: Jeder braucht Verbündete. Zwar wütet er in "Feel", während nebenher ein leicht-wabernder Sade-Tune läuft: "Ain't nobody prayin form me." Doch im progressiven Amerika findet er gegen Trump altbekannte Freunde, repräsentiert von Bono und U2. "XXX" ist zuerst ein böse humpelnder Old School-Beat mit Run DMC-Scratches und Public Enemy-Sirenen, in dem Kendrick die fast aussichtslose Situation in Schlagwörter kleidet: "It's murder on my street, your street, back streets / Wall Street, corporate offices / Banks, employees, and bosses with / Homicidal thoughts: Donald Trump's in office." Im zweiten Teil gesellt sich neben tonnenschwerem Boom Bap Mister Vox zum Rapper aus Compton. Die Hook sagt alles: "It's not a place / This country is to be a sound of drum and bass / You close your eyes to look around." Musik kann die Welt besser machen, zumindest jede kleine. Kendrick ist jedoch kein stumpfer Prediger. Er kennt seine Feinde im Inneren und beendet das Album mit zwei Storytelling-Tracks auf Nas-Niveau. Im vom Alchemist-zerbrechlich produzierten "Fear" erzählt er drei Geschichten über die Furcht. Der erste Teil handelt von der Furcht eines Kindes, das mit häuslicher Gewalt aufwächst, in der zweiten Strophe kleidet Kendrick die Angst eines jeden Jugendlichen im Ghetto in eindrucksvolle Bilder: "I'll prolly die because I ain't know Demarcus was snitchin' / I'll prolly die at these house parties, fuckin' with bitches / I'll prolly die from witnesses leavin' me falsed accused / I’ll prolly die from thinkin' that me and your hood was cool." Im dritten Vers ist es dann die eigene Furcht, die Furcht von Mister Lamar Duckworth. Mit "Duckworth" endet "Damn." verdammt groß. 9th Wonder packt die ganze Karriere-Klaviatur seiner Boom Bap-Beats aus, und Kendrick erzählt stimmig die anscheinend wahre Geschichte, als sein Top Dawg-Labelboss Anthony Tiffith fast Kendricks Vater Ducky am Drive-In-Schalter von KFC getötet hat. Zusammengefasst: Wenn Drake Nas wäre und zugleich der Sohn von Ice Cube, dann wäre er Kendrick Lamar. Seine Leistung veranlasste Radio-DJ Paul Rosenberg zur frechen Äußerung, Kendrick sei der größte Rapper aller Zeiten. Das ist natürlich Quatsch. Noch. Die Diskussion rollt. Aber Kendrick holt auch dank "Damn." weiter auf. Die Top Five meiner Dead Or Alive-Liste hat er schon erreicht. Wen es interessiert: 1. Nas 2. 2Pac 3. Biggie 4. Jay-Z 5. Kendrick Lamar 6. Eminem 7. Rakim 8. Ghostface 9. Scarface 10. Ice Cube 11. André 3000 12. Big Daddy Kane 13. Lil Wayne 14. KRS-One 15. Common © Laut
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Hip-Hop/Rap - Erschienen am 15. Januar 2016 | Steel Wool Entertainment

Auszeichnungen 4F de Télérama - Pitchfork: Best New Music
Oft lässt sich im Nachhinein schwer rekonstruieren, wo ein Hype eigentlich hergekommen ist. Im Fall Anderson .Paak ("Don't forget the dot, nigga, you paid for it!") dagegen liegt die Sache auf der Hand. Stolze sechs Featureparts auf Dr. Dres Album "Compton" beförderten den Mann, der sich zuvor noch Breezy Lovejoy nannte, genau dahin, wohin er gehört: ins Zentrum der medialen Aufmerksamkeit. Die Zeichen für den Nachfolger zu "Venice" könnten also gar nicht besser stehen. Anderson .Paak beabsichtigt, die Gunst der Stunde zu nutzen. Der Weg in den Erfolgshimmel war schließlich auch kein Spaziergang. "So hard to be doin' what you really meant for, beauty", bekennt "Come Down", dem Hi-Tek die Pruduktion unterschob. "Funky as fuck" klingt da wie eine sträfliche Untertreibung. "But don't I make it look easy? Don't I make it look good?" Hölle, ja! Anderson .Paak wandelt in einer Weise grazil durch die schwammigen Grenzgebiete von R'n'B und Hip Hop, kein Wunder, dass ihm die Fans aus beiden (und noch ganz anderen) Lagern scharenweise nachlaufen. Es sieht aber auch zu gut aus, und klingt noch besser. Im krassest möglichen Gegensatz zu den Heerscharen an R'n'B-Interpreten, die alle über den gleichen Produktionen mit der gleichen Stimme die gleiche Schlafzimmerscheiße in den Äther schmachten (und die ich, wenn überhaupt, nur noch mit äußerster Mühe auseinander zu halten vermag), fällt Anderson .Paak in jeder Hinsicht komplett aus dem Rahmen, musikalisch wie stimmlich wie inhaltlich. Klar, auch er trachtet danach, die gerade Auserkorene möglichst wirkungsvoll flachzulegen. Auch er lockt ins Schlafgemach, auch in seinen Tracks geht es zur Sache. Ganz schön handfest gelegentlich, lässt "Put Me Thru" durchblicken. In "Malibu" spielt sich aber noch viel mehr ab. Allem voran vergisst Anderson .Paak nicht, woher er kam. Er reflektiert seinen doch einigermaßen plötzlichen Ruhm, die dürren Jahre vorher bleiben aber präsent und nähren das offenkundige Bedürfnis, seinem Umfeld etwas zurück zu geben. Das quillt geradezu aus der Hymne "The Dreamer", in der er mit Kinderchor im Rücken und Talib Kweli an seiner Seite allen kleinen Visionären da draußen Mut zuspricht: "Don't stop now, keep dreaming." Vom Sozialfall zum Superstar: Es klingt wie eine moderne Version von "Cinderella". Dass ein solches Märchen Realität werden kann, dafür liefert Anderson .Paak ja aber den lebenden Beweis. Der alte Trick: Rückschläge wegstecken und ihre Wucht für eigene Zwecke nutzen: "What don't kill me is motivation." Zur Motivation gesellen sich Rapskills und Gesangstalent. Die gerade in höheren Tonlagen zunehmend kratzigere Stimme besitzt immensen Wiedererkennungswert. Sprech- und anderer Gesang gehen nahtlos ineinander über. So flüssig, wie der Kerl flowt, so herzerwärmend singt er auch. "Music ain't music without soul", konstatiert ScHoolBoy Q in "Am I Wrong" und muss sich überhaupt keine Sorgen machen. .Paak auch nicht, wenn er meint: "I never wanna waste your time, my life, so precious, is yours, is mine." Von Zeitverschwendung bleibt "Malibu" Welten entfernt. Einfalls-, facetten- und detailreich produziert der Urheber selbst, wie etwa in "The Bird": Wie improvisiert wirkt die Kulisse, in der Gitarre, Drums, eine verwehte Trompete, Sprach- und Gesangsfetzen ineinandergreifen, als habe man die einzelnen Bestandteile im Vorüberschlendern aufgeschnappt. Dass sie sich dennoch zu einem stimmigen Ganzemn fügen, zeigt die Kunst des Arrangeurs: "I learnt my lessons from the ancient roots." Wie man hört, hat der Unterricht gefruchtet. Anderson .Paak verlässt sich aber auch auf erprobtes Handwerk anderer: Hi-Tek erwähnte ich bereits. Zweimal sitzt DJ Khalil an den Reglern. Er sorgt zum Beispiel in "Heart Don't Stand A Chance" für das Gefühl, irgendwo zwischen Softporno und LSD-Trip hängen geblieben zu sein, während im Hintergrund "the greatest hits of Hall & Oates" laufen: grandios. Die erste, knisternd verrauschte Hälfte von "The Season / Carry Me" verantwortet 9th Wonder. Den Beat zu "The Waters" steuerte Madlib bei. Die Features lesen sich nicht viel magerer: BJ The Chicago Kid, Rapsody, The Game, Talib Kweli, ScHoolBoy Q - Namen, die man allesamt schon ein-, zweimal gehört haben dürfte. Trotzdem hinterlässt "Malibu" das Gefühl, dass Anderson .Paak die Platte auch ganz alleine hätte wuppen können. "Might not get any better", orakelt "Without You". Gut möglich, dass "Malibu" tatsächlich Anderson .Paaks Zenit markiert. Die Latte hat er damit allerdings in ganz schön schwindelnde Höhen gelegt. So oder so gilt: "The moment is all that we have." Lasst ihn uns also auskosten. "Let's celebrate while we still can." © Laut
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Hip-Hop/Rap - Erschienen am 19. März 2015 | Aftermath

Hi-Res Auszeichnungen 4F de Télérama - Qobuz' Schallplattensammlung - Pitchfork: Best New Music - Grammy Awards
Selten traf das im Rap wohl am häufigsten bemühte Sprichwort so sehr zu wie in diesem Fall: "You can take your boy out the hood / But you can't take the hood out the homie." Snoop Dogg bringt es in "Institutionalized" auf den Punkt - und beschreibt damit Kendrick Lamars Reise nahezu perfekt. Denn für "To Pimp A Butterfly" verlässt K-Dot sowohl musikalisch als auch thematisch das Viertel, das er in "Good Kid, M.a.a.d. City" so lebhaft vorstellte, um einen weitreichenden Blick auf die afroamerikanische Identität zu werfen. Zwischen Blaxploitation, Reflexion und dem Aufruf zum Selbstbekenntnis ist sein neues Werk noch vielschichtiger, noch intelligenter und wichtiger als der Vorgänger. Ein gewöhnungsbedürftiges, lyrisch wahnsinnig düsteres Album, aber auch das erwartet einzigartige. Dass sich der TDE-Rapper zu Höherem berufen fühlt als zu traditionellem West Coast-Sound, zeichnete sich schon auf seinem Major-Debüt, spätestens aber in der viel diskutierten Single "I" ab. Und wer mit der schnellen Pop-Funk-Nummer, die markante Elemente des Isley Brothers-Song "That Lady" verwendet, bislang nicht wirklich viel anfangen konnte, dürfte seine schlimmsten Befürchtungen im ersten Track zunächst bestätigt sehen. Flying Lotus, Kendricks kreativer Bruder im Geiste, haucht dem Opener "Wesley's Theory" nämlich pulsierenden P-Funk ein, den man sich von K-Dot zunächst nicht unbedingt erwartet, geschweige denn gewünscht hätte. Nicht minder mysteriös als der kunstvolle Albumtitel "To Pimp A Butterfly" setzt der Song dann mit den ebenso viel- wie nichtssagenden Zeilen von Parliament-Legende George Clinton ein: "When the four corners of this cocoon collide / You’ll slip through the cracks hoping that you’ll survive / Gather your wind, take a deep look inside / Are you really who they idolize? / To pimp a butterfly." Doch wenn King Kendrick aus der Steueraffäre um Wesley Snipes anschließend ein raffiniertes Rollenspiel zwischen einem abgehobenen schwarzen Künstler und dem mahnenden Uncle Sam strickt, öffnet die Geschichte um den aufgemotzten Schmetterling ihre Pforten. Lehrstoff für Universitäten, gar einen Ausdruck für die Ewigkeit habe er mit dem Titel erschaffen, behauptete Kendrick Lamar in einem Interview kurz vor Release. Und tatsächlich wird "To Pimp A Butterfly" im Laufe seiner fast 80 Minuten zum Rap-Politikum. Die Metapher vom schwarzen Musiker als Schmetterling, der, von Major-Labels zu deren Gunsten gepimpt, jegliche Schönheit und Inspiration verliert, dafür immer mehr von einer surrealen Welt aus Reichtum und Berühmtheit verschluckt wird, kritisiert dabei aber keinesfalls nur die Plattenfirmen. Im bereits vorab veröffentlichten "King Kunta", mit seinem stark repetitiven Funk-Beat eine der eingängigsten Nummern, schießt K-Dot auch gegen seine Kollegen, die sich selbst in Geld und Überheblichkeit ertränken: "I was gonna kill a couple rappers but they did it to themselves / Everybody's suicidal they don't even need my help." Das jazzige "Institutionalized" greift die Thematik auf und vertieft die Identitätskrise zwischen Erfolg, Ruhm und Verwurzelung in der "trap", während "Hood Politics" als einer der wenigen klassischen Hip Hop-Tracks auch auf "Good Kid, M.a.a.d. City" gepasst hätte. Die Wucht von "The Blacker The Berry" bleibt jedoch unerreicht. Schildert Kendrick in "I" noch Selbstliebe und Stolz als Afro-Amerikaner, entlädt sich hier die Kritik über die vermeintliche Scheinheiligkeit der schwarzen Bevölkerung: "So why did I weep when Trayvon Martin was in the street? / When gang banging make me kill a nigga blacker than me?" Nach wie vor beeindruckt dabei der Facettenreichtum, mit dem der Kalifornier seine Texte vorträgt. Mehr denn je variiert Kendrick in seiner Stimmlage, um Gefühlen und deren Schwankungen Ausdruck zu verleihen. Er flowt voller Selbstsicherheit, schreit vor Angst und zischt vor Wut, führt verworrene Selbstgespräche und ausgefeilte Dialoge. Neben Eminem bleibt er damit wohl der einzige MC, der eine optimistische Gute-Laune-Hymne ("I") ebenso überzeugend transportieren kann wie das von Selbstzweifeln getriebene, mit düster experimentellem Sound unterlegte "U": "I fuckin' tell you, you fuckin' failure you ain't no leader!" Und hat man sich darauf eingelassen, dass statt Hits wie "Bitch Don't Kill My Vibe" oder "Money Trees" Funk, Soul und Free Jazz ("For Free?") dominieren, zieht "To Pimp A Butterfly" auch abseits des fast unerreichbaren Vortrags des Hauptdarstellers in seinen Bann. Zumal immer noch reichlich G-Funk und Boom Bap-Elemente wie in "You Ain't Gotta Lie" zu finden sind. Kendrick Lamar und Dr. Dre, der wie schon auf "Good Kid, M.a.a.d. City" als Executive Producer über das Geschehen wacht, beweisen auf allen 16 Tracks gewohnte Geschmackssicherheit. Mit Flying Lotus, Terrace Martin oder Thundercat haben sie genau die richtigen Leute gefunden, um ihre Idee von Hip Hop umzusetzen, die phasenweise irgendwo zwischen Prince, The Roots, 7 Days Of Funk und eben Kendricks eigenem Sound liegt. Dass die Verantwortlichen dabei fast vollkommen auf Rap-Features wie die Black Hippy-Kollegen Jay Rock,- Ab-Soul und Schoolboy Q verzichten und sich Gastbeiträge auch ansonsten eher auf kurze, zusätzliche Vocals beschränken, überrascht zunächst. Weniger aber die Tatsache, dass Kendrick Lamar als Rapper, Spoken Word-Artist und Sänger trotzdem für einen unglaublich vielstimmiges Gesamtbild sorgt. Für einen mehr als würdigen Abschluss sorgt das mehr als zwölf Minuten lange "Mortal Man", das mit einem geschickt zusammengefügten Scheininterview mit Tupac Shakur überrascht. Das Gespräch über Armut, Rassismus und Endlichkeit spiegelt abschließend alles wider, was "To Pimp A Butterfly" ausmacht: Flüssig und lebendig wie "Undun", gleichzeitig aber fragment- und rätselhaft wie "ATYSYC" skizziert Kendrick Lamar die afroamerikanische Identität auf eine beeindruckend intelligente Weise, die im Hip Hop vielleicht über Jahre unübertroffen bleiben wird. Nach 16 mitreißenden und genialen Tracks, die "To Pimp A Butterfly" zum besten und bedeutendsten Rap-Album des Jahres machen, wundert es kaum, dass K-Dot für schwarze Teenager "the closest thing they have to a preacher" sein will, vielleicht sogar sein muss. Denn Kendrick ist nicht nur King und Messias - Kendrick is for the children. © Laut
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Hip-Hop/Rap - Erschienen am 17. Oktober 2013 | Universal Music Division Polydor

Auszeichnungen 4F de Télérama - Qobuz' Schallplattensammlung - Pitchfork: Best New Music
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Hip-Hop/Rap - Erschienen am 1. Januar 2013 | Aftermath

Auszeichnungen 4F de Télérama - Qobuz' Schallplattensammlung - Pitchfork: Best New Music
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Hip-Hop/Rap - Erschienen am 1. Januar 2011 | Capitol Records

Auszeichnungen 4F de Télérama - Sélection Les Inrocks
Eigentlich wollten Adam "MCA" Yauch, Michael "Mike D" Diamond und Adam "Ad-Rock" Horowitz ihren neuen Longplayer "Hot Sauce Committee" bereits 2009 veröffentlichen. Dann kam aber alles anders. Yauch erkrankte an Krebs, so dass vor dessen vollständiger Genesung Bandtermine nicht ansatzweise zur Planung oder Diskussion standen. Zwei Jahre später erscheint das Album nun mit einem erholten MCA und dem ironischen Zusatz "Part Two". Ignoriert man das Stoner-Funk-Instrumental-Album "The Mix-Up", ist es ihre erste LP seit ganzen sieben Jahren. Und wie immer ist es eine Rückkehr zu den guten alten Beastie Boys geworden, auch wenn sie sich von ihren eigenwilligen Produktionen nie komplett entfernten. Nicht dass sie musikalisch je stagnierten oder gelangweilt zu Werke gegangen wären. Die drei New Yorker ließen eine Weiterentwicklung ihres 80er-Hip Hop-geschwängerten Sounds seit jeher einfach nur bedingt zu. Sie waren eben schon Oldschool als sie noch junge Kerle waren. Daran ändert sich auch 20 Jahre später nichts. Glücklicherweise versucht ihr neuestes Werk nicht, künstlich jung zu klingen oder irgendjemanden beeindrucken zu wollen. Immer noch fahren die Beastie Boys auf Retro-Drums und Vintage-Synthies durch die Stadt. Live-Dynamik, Jazz-Funk-Anlehnungen und Gitarren-Attitüde inklusive. Dabei steckt ihre Musik voller Eigenreferenzen, von dem Punk-Drumsolo in "Lee Majors Come Again" bis hin zu dem Low-End-Electrofunker "Here's A Little Something For Ya". Als Leadsingle ertönt "Make Some Noise" im ähnlichen Groove wie 1998 einst "Intergalactic" mit dem Schlachtruf: "We got a party on the left, a party on the right / We gonna party for the motherfucking right to fight / Make some noise if you're with me". "Nonstop Disco Powerpack" hingegen zeigt, dass es nicht mehr als eine Basslinie hinter einem unaufdringlichen Schlagzeug braucht, um einen Rap-Rahmen zu bilden. Sogar lokale Unterstützung aus dem Big Apple findet sich auf dem Album: Nas als Rap-Ergänzung in "Too Many Rappers" und Santigold als Mithilfe im Reggae-dubbigen Stück "Don't Play No Game That I Can't Win" dürfen sich über einen der stets seltenen Gästelistenplätze im Hause BB freuen. Zugegeben: "Hot Sauce Committe Part Two" hätte ebenso gut vor zehn Jahren erscheinen können. Und fraglos klingen MCA und Ad-Rock fast noch wie 1980. Aber mal ehrlich, wen juckts? Beweisen müssen die Beastie Boys wirklich niemandem mehr etwas. Ihre gesamte Diskografie ist Innovation genug und genügend Spaß transportieren ihre Songs bis heute. 20 Jahre nach dem famosen "Paul's Boutique" zelebrieren ihn die Beastie Boys immer noch par excellence. Irgendwie bittet man das Trio fast schon um musikalischen Stillstand. Schließlich ist alles gut, so wie es ist. Sogar richtig gut. Logisch, dass niemand irgendetwas anderes von ihnen hören will. © Laut
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Hip-Hop/Rap - Erschienen am 1. Januar 2010 | Def Jam Recordings

Auszeichnungen 4F de Télérama
Was nur schwer vorstellbar war, wurde vor zwei Jahren tatsächlich wahr: Die Roots veröffentlichten ein schwaches Album. Gemessen an ihren Standards zumindest, so manch andere Band hätte mit "Rising Down" wohl einen kleinen Durchbruch gefeiert. Die organischen Sounds, die Questlove und Konsorten seit dem passend betitelten "Organix" so unverwechselbar machen, gingen beinahe vollständig unter. Die Masse an Gästen trug ihr Übriges dazu bei, jegliches Charakteristikum zu verschleiern. Hand aufs Herz: Innovation und Abwechslung hin oder her, vergleichsweise harte Rapstücke und Instrumente, die sich hinter einem eisernen Synthie-Vorhang verstecken - wer will so was auf Albenlänge von der Legendary Roots Crew hören? Zumindest einen dieser Kritikpunkte stellt "How I Got Over" vollständig auf den Kopf. Übermäßig elektronische Hilfsmittel gibt es kaum, satte, klare und live eingespielte Sounds bilden das Gerüst des Albums. Immer begleitet, teilweise beinahe überschattet von Questloves unverwechselbarem Schlagzeugspiel. Besonders deutlich wird das in "Radio Daze ft. Blu, P.O.R.N. & Dice Raw". Wenn Quest auf seine Becken kloppt, ist ihm Aufmerksamkeit sicher. Die MCs können einem fast leid tun. Dabei gibt es derer abermals einige: Blu, Peedi Peedi, der vor einigen Jahren beinahe ganz bei The Roots eingestiegen wäre, Little Brothers Phonte Coleman und der immer wieder gern gesehene Dice Raw. Um nur einige zu nennen. Im Gegensatz zum Vorgänger sind die Features jedoch in eine Platte mit klarer Struktur integriert, so dass dem Nachfolger trotz vieler Gäste kein unterschwelliger Compilation-Geruch anhaftet. Insgesamt ist "How I Got Over" eine ruhigere Angelegenheit geworden mit weitgehend entspannten Tunes, irgendwie "Back to The Roots" von 1995. Weniger vom Jazz als vom Pop geprägt zwar, aber doch anknüpfend an "Do You Want More?!!!??!". Und die Scheibe ist eine Liebeserklärung an Singer/Songwriter und den Indie-Pop. Mit den Monsters Of Folk und Joanna Newsom finden sich gleich zwei herausragende Vertreter dieses Genres auf der Platte wieder. "Dear God 2.0 ft. Monster Of Folk" wurde bereits vor ein paar Wochen veröffentlicht und frisst sich seither unaufhörlich durch Netz und Blogosphäre. Ein Update zum Original soll die Roots-Version darstellen. Die Harfe der verträumten Ursprungsversion verliert dabei leider deutlich an Signifikanz, trockenere Drums holen die Neuinterpretation weiter ins Diesseits. Eine qualitative Verbesserung, wie sie mit einem Update einhergehen sollte, stellt das nicht unbedingt dar, dafür aber ein hochklassiges Add-On. Joanna Newsom hingegen bekommt richtig Feuer unterm Hintern. Ihr feenhafter, fast fragiler und zärtlicher Klampfenpop wird in einen astreinen Hip Hop-Zwirn gehüllt. Zum Schluss ist nicht mehr viel übrig von "The Book Of Right On", dafür geht die Rootsversion direkt in die Nackenmuskulatur. Wenn man so möchte ist "Right On ft. Joanna Newsom & STS" ein Mittelding zwischen "Don't Say Nuthin'" und "The Next Movement": direkte Snares, organische Grooves und ein Black Thought, der den Titel routiniert abwickelt. Überhaupt klingt "How I Got Over" abgeklärt und ausgereift, ohne jedoch in Langeweile abzudriften. Das ist der Sound, der das Attribut "Legendary" überhaupt erst ermöglicht hat. Im Herbst soll John Legends neues Album erscheinen, die Roots stehen als Produzenten und Backing Band Pate. Wenn "The Fire ft. John Legend" und "Doin' It Again", ein Remake von Legends "Again", nur der Aperitif sind, wird "Wake Up" ein Festmahl der besonderen Sorte. "The Fire" geht zurück auf einen gemeinsamen Auftritt im Rahmen der diesjährigen Olympischen Winterspiele in Vancouver. Einen passenderen Ort für ein Konzert kann es eigentlich gar nicht geben. Nach dem ungewohnt durchwachsenen "Rising Down" festigt eine der besten Livebands der Welt ihren Platz im Olymp des Hip Hop. 2010 könnte das Roots-Jahr überhaupt werden. © Laut