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Die Alben

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Aus aller Welt - Erschienen am 12. November 2020 | Golden Child Entertainment Ltd

Hi-Res Auszeichnungen Pitchfork: Best New Music
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Jazz - Erschienen am 31. Oktober 2020 | International Anthem

Auszeichnungen Pitchfork: Best New Music
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Folk - Erschienen am 23. Oktober 2020 | 4AD

Hi-Res Auszeichnungen 4F de Télérama - Pitchfork: Best New Music
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Folk - Erschienen am 23. Oktober 2020 | 4AD

Auszeichnungen 4F de Télérama - Pitchfork: Best New Music
Noch bevor Big Thief die Kultgruppe der Indie-Folkrock-Fans wurde, hatte ihre Sängerin Adrianne Lenker bereits drei Soloalben veröffentlicht: Stages of the Sun (2006), Hours Were the Birds (2014) und Abysskiss (2018). Diesmal schaltet die Fee des Folk noch einen Gang höher, aber mit weitaus geringerem Einsatz. Dieses Doppelalbum (einzeln erhältlich mit den expliziten Titeln Songs und Instrumentals) hat sie allein mit ihrer Gitarre in einer Waldhütte in den Berkshires Mountains in Massachussetts aufgenommen. Man hört das Holz knistern. Auch Vögel und Insekten. Und sogar, wie die Finger über die Gitarrensaiten gleiten. Mit jeder Sekunde rückt die Welt ein Stück weiter in die Ferne. Und ihre verhaltene Stimme zieht uns unwiderstehlich an, wie ein Magnet… Dass es ihr gelingt, uns mit derartiger Kargheit und so Allerweltsthemen wie Einsamkeit und Liebesleid zu hypnotisieren, ist ein unglaubliches Kunststück, das wir bisher nur von Leuten wie Vashti Bunyan, Judee Sill, Elliott Smith oder Joni Mitchell kennen, die offensichtlich die Big Thief-Sängerin inspiriert haben. Das repetitive Element hilft oft bei Adrianne Lenker (das umwerfende Come, wo man den Regen draußen hört). Manchmal ist es auch der Raum (My Angel). Und immer dieser unverrückbare Wunsch, sich in ihre persönlich so nahe gehenden Melodien zu schmiegen. Die beiden besonders langen Instrumentalstücke (21 und 16 Minuten), die den zweiten Teil ausmachen, erfordern mehr Aufmerksamkeit, letztendlich stellt sich aber heraus, dass sie mit den Songs des ersten Teils zu vollkommener Harmonie zusammenfinden. Nach dem Durchhören bleibt man von der ans Äußerste getriebenen Schlichtheit der Songs und Instrumentals ganz benommen zurück. Ein solches Werk wird problemlos dem Zahn der Zeit und allen Modeerscheinungen standhalten. Einfach überwältigend. © Marc Zisman/Qobuz
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Alternativ und Indie - Erschienen am 22. Oktober 2020 | 4AD

Hi-Res Auszeichnungen 4F de Télérama - Pitchfork: Best New Music
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Rock - Erschienen am 9. Oktober 2020 | Rhino - Warner Records

Hi-Res Auszeichnungen Pitchfork: Best New Music
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Rock - Erschienen am 9. Oktober 2020 | Epitaph

Hi-Res Auszeichnungen Pitchfork: Best New Music
"Stage Four" war 2016 das Meisterwerk von Touché Amoré. Eine Platte, die mich mit voller Wucht ins Mark traf. Frontmann und Haupttexter Jeremy Bolm verarbeitete darauf in brutal persönlichen, herzzerreißenden Zeilen den tragischen Krebstod seiner Mutter. Jeder seiner leiderfüllten Screams war wie ein harter Schlag in die Magengrube. Die große Frage nun: Wie soll man eine ergreifende Platte, die am emotionalen Tiefpunkt geschrieben wurde, noch toppen? Die Antwort ist: gar nicht. Zumindest in textlicher und thematischer Hinsicht. Und das ist verdammt nochmal auch gut so. Jeremy Bolm, erneut für sämtliche Lyrics verantwortlich, kletterte in den letzten Jahren aus dem tiefen Tal der Trauer und des Schmerzes heraus. Und das hört man "Lament" an. Die neuen Songs handeln davon, wie man nach einer schweren Zeit weiterlebt. Davon, dass das Leben weitergeht. Weitergehen muss. Es bleibt nicht aus, dass auch dabei wieder viel Melancholie und Traurigkeit im Spiel ist – wie etwa im niederschmetternden, aber extrem kraftvollen und mitreißenden "Deflector" ("I'm a secondhand piano / Incapable of tune / Providing the score / For ‘gone to soon"). Allerdings gibt sich Bolm gleichzeitig auch oft vorsichtig optimistisch, erzählt stellenweise mit bitterem Humor aus den vergangenen vier Jahren. Beispielsweise im Closer "A Forecast", wenn er mit ruhiger Stimme berichtet: "I've healed more than suffered / I found the patience for jazz / I still love the Coen brothers / I’ve lost more family members / Not to cancer but the GOP." Die Texte bleiben eine der ganz großen Stärken der Band, vor allem in Kombination mit Bolms Stimme, die im Vergleich zu den vorherigen Alben nochmal geschärfter daherkommt. Jeder Schrei sitzt markerschütternd, in den richtigen Momenten packt Bolm zudem seine Gesangsstimme aus. Die ist weit entfernt von Perfektion, verfügt aber auch gerade deshalb über viel Persönlichkeit und erhöht noch mal die Authentizität. Wie im erwähnten "A Forecast", bei dem man sich beinahe fühlt wie bei einem intimen Gespräch unter guten Freunden, die sich lange nicht gesehen haben und wo der eine (in diesem Fall Jeremy) den anderen (uns Hörer) auf den aktuellen Stand bringt. Musikalisch behalten Touché Amoré die spätestens mit der letzten Platte eingeschlagene Richtung bei. Fast sämtliche Songs knacken die 3-Minuten-Marke problemlos, sogar ein Fünfminüter ist dabei ("Limelight") – im Vergleich mit den ersten drei Alben ein Mammut-Werk in Dream Theater-Dimensionen. Dazu wechseln sich harte Passagen, in denen Drummer Elliot Babin und Basser Tyler Kirby ihre Felle bzw. Saiten malträtieren und deretwegen man das Quintett aus L.A. noch immer ins Post-Hardcore-Genre einsortieren kann, mit vielen ruhigen Momenten ab. In diesen steht dann vor allem Bolms Stimme im Vordergrund. Musterbeispiele, wie perfekt dieses Wechselspiel auch innerhalb eines Songs funktionieren kann, sind der großartige Opener "Come Heroine" und die erste Single "Limelight", zu der Manchester Orchestra-Frontmann Andy Hull mit zerbrechlicher Stimme noch einige Zeilen beisteuert, die einen wundervollen Kontrast zu Bolms rauen Schreien bilden. Noch prägnanter als schon auf den Vorgänger-Scheiben fallen zudem die Melodien aus, für die hauptsächlich Clayton Stevens und Nick Steinhardt mit ihren Gitarren verantwortlich sind. Stellenweise werden dabei die Punkrock-Einflüsse der Band deutlich. Am stärksten fällt dies bei "Reminders" auf, mit dem sich Touché Amoré weiter aus ihrer Komfortzone herauswagen als je zuvor. Der super-eingängige Ohrwurm-Refrain und die Gang-Chants stehen den Kaliforniern aber besser zu Gesicht, als man zunächst meinen könnte. Trotz (oder gerade wegen?) solcher Ausreißer ist "Lament" ein durch und durch rundes Album. Dazu trägt auch die perfekte Produktion bei, für die sich Jeremy und seine Bandkollegen Ross "The Godfather of Nu Metal" Robinson (ein Titel, den er sich unter anderem mit den Debütalben von Korn und Slipknot verdiente) ins Studio holten. Er verpasste der Band ein gewisses Live-Feeling, das sich vor allem an Bolms Stimme abzeichnet. Sie klingt rau, zerbrechlich, ungeschliffen, aber dennoch schärfer, und kraftvoller. Ähnlich verhält es sich auch mit dem Rest der Band: Man meint, bei den Aufnahmen vor Ort zu sein, so authentisch haut der Sound von Drums, Bass und Gitarren rein. "Stage Four" ist ein Meisterwerk. "Lament" ein meisterhafter Nachfolger, der sowohl in textlicher als auch in musikalischer Hinsicht logisch daran anknüpft. In ein paar Jahren wird sich dann wieder die Frage stellen, wie es weitergehen soll, nachdem sowohl das emotionale Tal, als auch der anschließende Weg hinaus so brillant verarbeitet wurden. Aber auch darauf dürfte Jeremy Bolm eine mehr als nur zufriedenstelle Antwort finden. Ich kann es jetzt schon wieder kaum erwarten. © Laut
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Alternativ und Indie - Erschienen am 2. Oktober 2020 | Memory Music

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Alternativ und Indie - Erschienen am 22. September 2020 | Anti - Epitaph

Hi-Res Auszeichnungen Pitchfork: Best New Music
Heute, am 22. September, ist die Tagundnachtgleiche, auch Äquinoktium genannt, die gleichzeitig den kalendarischen Beginn des Herbstes markiert. Um 15:31 Uhr überquert die Sonne von Norden nach Süden den Erd-Äquator, was dazu führt, dass sie für kurze Zeit senkrecht zum Äquator steht, wodurch Tag und Nacht fast exakt gleich lang sind. Dieses Jahr ist die Sonnenbewegung aber nicht das einzig Spannende: Zeitgleich um 15:31 Uhr erscheint auch das neue Fleet Foxes-Album "Shore". Man kann es kaum anders deuten, als dass Band-Brain Robin Pecknold den Herbst auch musikalisch einläuten will. Mit Erfolg. "Shore" klingt weniger fordernd und ambitioniert als noch "Crack-Up" (2017), bewegt sich aber weiterhin in den gewohnt sonnigen Folk-Soundwelten. Musik wie eine Fleecejacke, perfekt für die kommende Übergangszeit, die einen schön warm hält und einfach verdammt gemütlich ist. Musik, die vor dem inneren Auge Bilder von Flanell-Hemden, Bärten und Waldspaziergängen bei fallendem Laub erzeugt. Musik, die dem Inbegriff der Worte 'schön' und 'nett' in ihren positivsten Konnotationen gleichkommt. Gleichzeitig ist "Shore" ein Triumph über zermürbende Selbstzweifel. Denn wie Pecknold in einem Beitext erklärt, war bereits im Februar der Großteil der Musik aufgenommen, was fehlte waren die Texte. Alles, was er schrieb, schien ihm schon bald nicht mehr gut genug, so dass er zwischenzeitlich daran zweifelte, das Album überhaupt fertig zu stellen. Dann kam der Lockdown. Pecknold nahm im Electro-Vox Studio in Los Angeles auf, als die Infektionszahlen in Amerika nach oben schossen. Er verließ die Stadt recht kurzfristig, um die Quarantäne in New York zu verbringen. Drei Monate vergingen, ohne dass er mit den Texten weitergekommen wäre, allerdings nahm die Weltlage auch einige der Sorgen um die neuen Songs. Im Vergleich zu einer Pandemie erschienen ihm seine eigenen Probleme ziemlich klein. Erst als Pecknold begann, tagelang mit dem Auto durch die Gegend zu fahren, fielen ihm wohl die Worte zur Musik ein. Zweifel hört man den fertigen Stücken nun nicht an, sie wirken ganz klar und selbstbewusst. Die halligen Gitarren-Anschläge zu Beginn von "Wading In Waist-High Water" ziehen bereits in diese wohlige Klangwelt hinein, die Pecknold erzeugt. Die ersten Worte überlässt der Multiinstrumentalist Sängerin Uwade Akhere: "Summer all over / Blame it on timing". Nach und nach kommen die Instrumente hinzu, Bläser, ein Piano. Nach knapp einer Minute öffnet sich das Stück, und ein Schlagzeug steigt ein. Schließlich kippt der Track in den zweiten Titel "Sunblind", in dem Pecknold mit Unterstützung von Kevin Morby seinen verstorbenen musikalischen Idolen gedenkt: "For Richard Swift / For John and Bill / For every gift lifted far before its will / Judee and Smith / For Berman too". Anstatt den Song zur melancholischen Klage werden zu lassen, macht Pecknold den Track zu einer Feier der Erwähnten, mit treibenden Drums und einem Haufen charmanter Melodien. Der Amerikaner ist auch ein Meister darin, seine Songs verträumt, aber nicht schläfrig wirken zu lassen, wie etwa "Featherweight" beweist, das im Refrain mit Simon And Garfunkel-Harmonien begeistert. Das legendäre Duo wird auch in "For A Week Or Two" beschworen, einem der langsamsten Songs der Platte, bei dem man dennoch wunderbar mitschaukelt. Wie wenig ein Fleet Foxes-Song braucht, um trotzdem magisch zu wirken, belegt "I'm Not My Season", in dem sich eine elektrische und eine akustische Gitarren umspielen, und Pecknold mit seiner sanften Stimme singt: "Though I liked summer light on you / If we ride a winter-long wind / Well time's not what I belong to / And I'm not the season I'm in". Die ruhigen Stücke halten sich auf "Shore" wunderbar die Waage mit den nach vorne strebenden, wie etwa "Maestranza", "Cradling Mother, Cradling Woman" oder dem fantastischen, hymnischen "Can I Believe You", in dem die Vocals besonders hervorstechen. Lyrisch wird Pecknold selten eindeutig, so heißt es etwa: "It never got less strange, showing anyone just a bare face / If I don't, well, nothing will change / Staying under my weather all day". Es bleibt am Ende immer wieder die Melodieführung, die man nur bewundern kann. Diese scheinbar endlose Aneinanderreihung schöner Noten, dazu die dichte, liebevolle Instrumentierung: Alles wirkt mit sehr viel Präzision an die richtige Stell platziert. So gelingt es den Fleet Foxes gleichzeitig an die alten Folk-Helden aus dem Laurel Canyon, etwa Crosby, Stills & Nash oder Judee Sill, zu erinnern und dennoch modern und zeitgemäß zu klingen. Die 55 Minuten des Albums sind pure Freude und vergehen wie im Flug. Schöner kann der Herbst kaum werden. © Laut
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Jazz - Erschienen am 28. August 2020 | EONE CANADA

Auszeichnungen Pitchfork: Best New Music
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Jazz - Erschienen am 21. August 2020 | Concord Jazz

Hi-Res Auszeichnungen Pitchfork: Best New Music - Qobuzissime
Zur Veröffentlichung ihres Solo-Debütalbums wird ​​Nubya Garcia bereits ​mit Lob​ und Auszeichnungen​ überschüttet und kann sich vor Projekt- und Kooperationsangeboten kaum retten. ​Die 29-jährige Londonerin ist zweifellos eine der Hauptakteure der neuen englischen Jazzszene, und ihr farbenfrohes und gut strukturiertes Saxophon ​war bereits auf zahlreichen Aufnahmen ​von Bands ​wie Nérija und Maisha ​und auf ​einem Großteil von We Out Here (2018), der Kompilation von Gilles Petersons ​Label​ ​Brownswood, auf der die besten Namen dieser Generation versammelt sind, ​zu hören. Mit einigen dieser Protagonisten hat sie ​nun ​Source aufgenommen. ​In Gesellschaft von Joe Armon-Jones (Keyboard), Daniel Casimir (Bass) und Sam Jones (Schlagzeug) ​ist ​Nubya Garcia ​bestens gerüstet​, ihre Musik weit über die Grenzen des zeitgenössischen Jazz und des Vereinigten Königreichs hinauszutragen. Wie so oft bei den heutigen Musikern kommen karibische, afrikanische und sogar urbane Klänge zum Einsatz, die sowohl den Rhythmus als auch die Melodie färben. Eine Fusion, die auf britischen Jazzalben oft zu finden ist, der sie aber ihre ganz eigene Note verleiht. Der Einfluss von Herbie Hancock (​zur Zeit von ​Head​ ​Hunter​s) ist manchmal ​zu erahnen (Inner Game, The Message Continues)​ und die Emotion wird durch das funky Spiel des ​Zauberkünstlers an ​Orge​l​ und Synthesizer​n​​ Joe Armon-Jones ​auf die Spitze getrieben. Aber Nubya Garcia ist hungrig nach anderen Sounds und Klanglandschaften. Auf dem Titelstück Source hat sie den Dub klar im Visier. Auf Together is a Beautiful Place To Be entfaltet sie eine zarte Soul- und R&B-Sinnlichkeit und Stand With Each Other jongliert mit fesselnden Nyabinghi-Rhythmen. Das treffend betitelte La cumbia me está llamando lässt keinen Zweifel an seinen Einflüssen... All diese Sequenzen zeichnen das Porträt einer Frau, die fest in ihrer Zeit verankert ist. Eine Musikerin, die im Einklang mit ihren Wurzeln und ihrer persönlichen Geschichte steht und die den Sinn des Kollektivs in den Mittelpunkt ihrer Arbeit stellt. Zu diesem Zweck hat sie Richie Sievwright, Cassie Kinoshi und Sheila Maurice-Grey von der Gruppe Kokoroko, die Kolumbianer von La Perla (La cumbia me está llamando) und die Chicagoer Sängerin Akenya Seymour (Boundless Beings) eingeladen. Mit diesem Album, das wir als Qobuzissime auszeichnen, gelingt es Nubya Garcia vor allem, die Mauern des Jazz noch ein wenig weiter aufzudrücken oder gar niederzureißen © Marc Zisman/Qobuz 
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Alternativ und Indie - Erschienen am 17. Juli 2020 | Fire Talk

Hi-Res Auszeichnungen Pitchfork: Best New Music
"Flower Of Devotion" klingt wie Musik von Eigenbrötlern für Eigenbrötler, die ihre neue Lieblingsband dringend für sich behalten wollen. Oft dem Post-Punk zugeordnet, zimmert die aus Chicago stammende Truppe Dehd wieder aus zahlreichen Zeiten und Musikstilen ihren eigenen, erbaulichen Sound zusammen. Trotzdem ist die Kapelle prädestiniert dafür, auch langfristig als Geheimtipp gehandelt zu werden, weil sie Eingängigkeit ihrem Eigensinn hinten anzustellen scheint. Im gut gelaunten "Loner" beispielsweise hechelt Bassistin Emily Kempf im Refrain: "Well, I got it, I got it, I got it, I got it / I'm fine, I'm fine, I'm fine I'm fine". Sie tut das auf eine Weise, dass man als Hörer das Bedürfnis hat, ihr ein Hustenbonbon anzubieten. In "Flood" dagegen verfällt Kempf in nasales Leiern, während hinter ihr der Song davon zu schlurfen droht. Diese Momente wirken allerdings niemals wie ein Selbstzweck, so als würde die Band zwanghaft versuchen, besonders zu sein, sondern unterstützen immer die Aussage der Songs. Wenn man die Sängerin das Wort "Desire" erst mal kreischen hört, kommt man schnell zu dem Schluss, dass es nur so vorgetragen Sinn ergibt. Das Stück ist eine gute Einstimmung auf den Rest des Albums, das Verlangen und Abschied mit stampfender, nach vorne drängender Musik verbindet. Emily Kempf ist mit ihrer vielseitigen Stimme dabei nur eine von drei Stärken des Trios. Ihr Kollege Jason Balla füllt mit seinen mit Hall- und Chorus-Effekten beladenen Gitarren-Riffs einen Großteil des Klangraums aus und übernimmt auch häufig den Gesangs-Part. Eric McGrady kümmert sich um die ideale, nie in den Vordergrund drängende Percussion-Unterstützung. Auf ihrem mittlerweile dritten Album klingen die Amerikaner noch mal selbstbewusster, lockerer und - trotz Texten voller Sehnsucht - wärmer. Die Geschichte der Band ist geprägt von einem größeren Drama: Balla und Kempf gründeten Dehd, während sie dabei waren, in eine Beziehung zu starten, die allerdings nach der Veröffentlichung des ersten Albums in die Brüche ging. Dass es überhaupt zu einem zweiten Album, "Water", kam, ist dementsprechend der Leidenschaft der beiden für das gemeinsame Projekt geschuldet. Auf der Platte verarbeiteten sie ihre Trennung und scheinen nun, knapp ein Jahr später, deutlich gereift und sortierter, leidenschaftlich sowieso. Die Band entschied sich diesmal für eine Studio- und gegen die Selbstproduktion, was den Sound nochmal deutlich aufhübscht. Vor allem die Gitarre klingt merklich voller und erinnert stellenweise an Johnny Marrs Spiel, so zum Beispiel im Closer "Flying", in dem die Band mit knalligen Drums ihre rotzige Seite präsentiert, oder dem großartigen "Disappear", das einen der eingängigsten Refrains des Albums bietet. "Do you wanna disappear?", fragt Balla da, der Song erinnert auch an The Clash und die Ramones. "Flood" lässt mit seinem grummelnden Bass, dem reduzierten Gitarren-Spiel und Kempfs eindringlichem Gesang direkt an eng umschlungen Tanzende auf einem Abschlussball in den 80ern denken. Zwischen diesen beiden Polen, tanzbaren Balladen und wilderem Pop-Punk, bewegen sich die Songs. Stellenweise hört man Velvet-Underground-Einflüsse, etwa in "Month", das immer wieder Erinnerungen an "Heroin" weckt, dabei aber massentauglicher klingt. Kempf und Balla bleiben meist wortkarg, Emotionen werden vor allem über den Vortrag transportiert. Im eben erwähnten Song passiert textlich beispielsweise nicht viel mehr als Folgendes: "The month it comes it's changed from what it was / The month it comes too much / This never ending new summer feeling". Dehd haben aber ein Händchen dafür, das Beste aus ihrer Besetzung zu machen und dabei nur das Nötigste einzusetzen. © Laut
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Electronic - Erschienen am 10. Juli 2020 | Ninja Tune

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Alternativ und Indie - Erschienen am 26. Juni 2020 | Polydor Records

Hi-Res Auszeichnungen Pitchfork: Best New Music
Wie schon der Titel sagt, handelt es sich um das dritte Album des aus den drei Schwestern (Este, Alana und Danielle) bestehenden Trios und es ist bei weitem ihr Bestes und ihr Persönlichstes, da sie mit einem gewissen Talent die zahlreichen musikalischen Einflüsse kombinieren, Pop, Rock, R&B und sogar eine Spur Jazz, wenn die Blechbläser zum Einsatz kommen. Wie das nachklingende Saxofon im Intro, das sie ihrer Stadt, ihrem Kosmos gewidmet haben: Los Angeles (nicht ohne im Vorbeigehen auf das ganze Grau von New York anzuspielen…). Dieses Album kommt genau zum richtigen Zeitpunkt, sozusagen als Höhepunkt einer Glanzzeit, in der die drei Schwestern im März 2019 beim 14. Pitchfork Festival den Ton angaben und zusammen mit Robyn und den Isley Brothers in der vordersten Reihe standen. Danielle war auch kurz auf dem Vampire Weekend-Album (Father of the Bride) zu sehen gewesen, und am 30. Oktober 2019 hörte man das Trio Haim auf einer Vorab-Single des Albums Now I’m in It. Eine für den Mainstream anscheinend zurechtgeschneiderte Ballade, auch wenn dort von Depression die Rede ist, und der Clip zum Titel stammt wieder von Paul Thomas Anderson, dem auch Boogie Nights und There Will Be Blood zu verdanken sind. Letzten Endes ist aber Women In Music Pt.III wirklich fesselnd und enthält wunderschöne Momente wie etwa im heiteren Hallelujah oder diesem süßsauren Summer Girl, wo sie die Geister von Joni Mitchell und Fleetwood Mac zusammentrommeln, die das kalifornische Trio so anhimmelt. © Yan Céh/Qobuz
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Pop - Erschienen am 26. Juni 2020 | Virgin EMI

Hi-Res Auszeichnungen Pitchfork: Best New Music
Jessie Ware assoziierte man bisher gemeinhin mit Musik fürs Schlafzimmer. Intim und softsoulig gab sie sich auf "Tough Love" und "Devotion". Jetzt legt sie ihre kantigste Scheibe vor, reif und retro. Für "What's Your Pleasure" badete die Sängerin anscheinend in alten Vinyl-Sammlungen. Der dezent-unschuldige Charme von Minnie Riperton lebt auf, man gönne sich dazu als erstes den Schlusssong - unbedingter Anspieltipp! Die sonnige Euphorie von Roy Ayers'-Wohlklangwogen findet sich in den erstklassigen Arrangements. Der Arp 2600-Kult-Synthesizer pflockt die Bassline-Grundsteine ein. Für die Oberstimmen sorgt der polyphone Deckard's Dream, Nachbau eines legendären Yamaha-Synthie und Fans früher 80er-Filme dank Hans Zimmer und Vangelis vertraut im Sound. Prince'sche Funk-Crazyness aus jener Ära hat Ware ebenso absorbiert. Energische Tanzbarkeit übernimmt sie aus dem verträumt-hypnotischen Disco-Funk der Marke Patrice Rushen. Fette Kick-Drums machen eine klare Ansage, bereiten mit erdigem Groove den Weg durch die meist schnellen Tracks und werden stets von den warmen Sphärenklängen des Oberheim Matrix 1000 umschlungen. Der Synthesizer verwandelt Klavier- und Bläsertöne in verfremdenden, gestreckten Raumklang und dient hier als angenehme Vorführung von Offbeat-Musik ohne Trap-imitierendes Gedöns. Obendrauf öffnen die Vocals das Tor zur menschlichen Seele. Und auch als Instrumentals wären einige der Songs wertvoll. Jessie Ware haucht Sehnsüchte, die selten besonders geschlechtsspezifisch wirken. "Read My Lips" deutet etwas das Prinzip 'Prinzessin' an, und ansonsten beherbergt die Platte genau jenes urbane Lebensgefühl der sexuellen Befreiung in den 70ern, das unisex und unabhängig der Orientierung vorherrschte: sich fallen lassen und hingeben. Die frisch im TV wiederholten Bond-Filme mit Roger Moore parodieren damals schon dieses vorschnelle Sich-Anvertrauen mit Charme, Jessie Ware wäre Kandidatin für einen heutigen 007-Filmsong. Den Gestus der Unschuldigen legt sie in "Spotlight" mit ihrer Darstellung von "moonlight and satin" dar: sinnlich, fühlbar, bereit für ein romantisches Abenteuer sofort im ersten Track, ohne Anwärmphase. Jessie vertont in "The Kill" auch die Gefahren, wenn es "complicated" wird und Liebe ins Verletzende kippt. Die Musik erinnert an Zeiten, in denen richtig Geld in organischen Sound gepumpt wurde, auch textlich handelt der eindrucksvolle Schlusstrack vom Zurückdenken, "Remember Where You Are". Ware saugt ihren Sound aus dem New Yorker Underground von Pionier Walter Gibbons und Early Adopter Frankie Knuckles und den Stimmungen, die Giorgio Moroder mit Donna Summer inszenierte. Die Synth-Percussions entwickeln auf "What's Your Pleasure" ein Eigenleben, ziehen den Hörer wie an einer Leine auf sicherem Pfad in den Disco-Jungle. Einzig anzumerken wäre, dass auf diesem stimmungsvollen und ziemlich genialen Album wie schon bei Wares Vorgänger-CDs der 'Hit' fehlt. Eine Smash-Nummer, die bei uns den Weg in die Crossover-Pop-Charts bahnen könnte, wäre allenfalls "Soul Control", allerdings auch der einzige vorhersehbare Track. Gut, die cinematoskopischen Pizzicato-Synthie-Geigen in "Step Into My Life" wirken extrem eingängig, genauso wie die Harmony Line im sommerlich-luftigen "Read My Lips" und das kindlich gesungene, Blondie-art-poppige "Ooh La La", das mit Jojo-Beats und leichtem Post-Punk-Twang brilliert. Doch meist überwiegt die filigrane Gestaltung. Mehrmals, z.B. im Intro zu "Mirage (Don't Stop)", führt die Melodie auf eine falsche Fährte. Songs starten spannend, bauen immer mehr Spannung auf statt ab und verschließen sich so dem Nebenbei-Konsum ("The Kill", "In Your Eyes"). "What's Your Pleasure" spult gegenüber Dua Lipas "Future Nostalgia" noch ein halbes bis ganzes weiteres Jahrzehnt zurück und landet somit auch in jener Zeit, als dubbiger Disco-House und Hip Hop à la Kool Herc und Afrika Bambaataa sich parallel und wechselseitig entwickelten, was besonders in den Effekten von "Ooh La La" anklingt. Dieser Rücksprung macht die Scheibe zum Ereignis. Das fantasielose Cover-Artwork beiseite genommen, ist das Album hochwertig produziert und lohnt sich als schwarze Schallplatte, der man bei einem Gläschen Lieblingsgetränk beim Drehen zusieht. © Laut
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Rock - Erschienen am 19. Juni 2020 | Columbia

Hi-Res Auszeichnungen 4F de Télérama - Pitchfork: Best New Music
Mit seinen nun bald 80 Lenzen lässt Bob Dylan wieder von sich hören. Und diesmal meint er es ernst. Rough and Rowdy Ways ist seit Tempest im Jahr 2012 das erste Album mit selbstkomponierten Songs, und erscheint zu einer Zeit, in der die Welt in jeder Hinsicht auf dem Kopf steht. Der Zim hatte dieses Aushängeschild als „Wortführer einer Generation“ natürlich nie leiden können, das ihm bestimmte Leute in den Sechzigern und Siebzigern angehängt hatten, als es um die Welt auch nicht viel besser bestellt war. Aber allein diese Stimme zu hören, egal, ob ihr nun poetische oder politische, esoterische oder historische Inspirationen zugrunde lagen, wirkte immer wie ein hoch erfreulicher, lebensrettender Abstecher. Diese 2020er Ausgabe ist in gleichem Maße faszinierend und angesichts seines hohen Alters werden wohl Stimmen laut werden, die sie als Konvolut eines ausklingenden Lebens, wenn nicht sogar als Testament deuten werden…Die Geschichte dieses Albums beginnt am 27. März 2020, als Dylan ganz unerwartet Murder Most Fool veröffentlicht, einen 17-minütigen Song über den Mord an John F. Kennedy, mit dem er dieses Album Rough and Rowdy Ways ausklingen lässt. Dieser musikalisch gedämpfte Schock ist eher Sprechgesang als Gesang, etwas zwischen politischer Schimpftirade und Pop(ulärer)kultur, wobei er mit einem ganzen Regiment an Referenzen aufwartet, etwa den Beatles, Joni Mitchell, Wanda Jackson, Robert Johnson, Grateful Dead, The Who, Elvis Presley, Joan Baez, Little Richard, Billie Holiday, Patsy Cline, Etta James, John Lee Hooker, Nina Simone, les Eagles, Stan Getz, Thelonious Monk, Charlie Parker, Woody Guthrie, Ella Fitzgerald, Nancy Sinatra, Stevie Nicks, Miles Davis, Chet Baker, Randy Newman und sogar Ludwig van Beethoven! Wie immer in seinem Fall gehen Verständliches und weniger Verständliches Hand in Hand und die Experten und Fachgelehrten des Dylanismus werden jetzt Monate damit verbringen, jedes Wort und jede Silbe ihres Idols zu entschlüsseln. Wie er in einem Interview mit der New York Times erklärte, ist es „unwichtig, ins Detail zu gehen. Dieser Song ist wie ein Gemälde. Man kann nicht gleich alles sehen, wenn man zu nahe steht. Alle einzelnen Teile sind nur Teil eines Ganzen“.Auch Rough and Rowdy Ways ist etwas einheitlich Ganzes, bei dem Dylan zwischen altem, ausgeleiertem, schnörkellosem Blues (Crossing the Rubicon, False Prophet) und dezenten, sepiagetönten Walzern hin und her wechselt. In diesem Sturzbach mit vielen Worten und weitaus weniger Noten bringt er Bürgerrechte, Krieg, Religion, Tod und auch sich selbst zur Sprache (I ain’t no false prophet / I just know what I know / I go where only the lonely can go - Ich bin kein falscher Prophet / Ich weiß nicht mehr als das, was ich weiß / Ich mache, was nur Einzelgänger machen) und unzählige andere Themen. Das, was er präsentiert, ähnelt vielmehr von Poesie durchtränkten Monologen als seinen klassisch strukturierten Songs im vorigen Jahrhundert wie Blowin' in the Wind, Mr. Tambourine Man, Lay Lady Lay, Hurricane und auch Like a Rolling Stone. So gesehen ist es nicht wirklich leicht, sich diesem Gemurmel hinzugeben, wenn Dylan mit der charismatischen Aura eines Weissagers seine Geschichten herunterleiert. Schließlich ist Rough and Rowdy Ways ein Beweis dafür – auch wenn Bob Dylan ein unabänderlicher Meister des Blues, des Folk, des Jazz und des Country ist – dass er nach wie vor ein ganz eigenes musikalisches Genre verkörpert. © Marc Zisman/Qobuz
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Alternativ und Indie - Erschienen am 18. Juni 2020 | Dead Oceans

Hi-Res Auszeichnungen Pitchfork: Best New Music
Die 25-jährige kalifornische Sängerin Phoebe Bridgers bestätigt mit diesem Zweitling, dass sich die guten Kritiken zu ihren Songs, einer Art recht gefühlvollem, mit psychedelischen Elementen gespickten Indie-Folk, nicht geirrt hatten. Der Albumtitel Punisher ist eine bewegende Hommage an den großartigen Singer-Songwriter Elliott Smith, Kultfigur eben dieser Indie-Folk-Szene. In diesem Song herrscht die melancholische Atmosphäre der amerikanischen suburbia (Vorstadt), die Bridgers mit folgenden Worten beschreibt: „When the speed kicks in, I go to the store for nothing, and walk right by the house where you lived with Snow White…“  („Wenn Adrenalinstöße wirken, gehe ich einfach so bummeln, gehe dann direkt am Haus vorbei, wo du mit Schneeweißchen wohntest…“, also da, wo Elliott Smith wohnte). Apropos Smith erklärt Phoebe Bridgers: „Wenn ich jemanden treffe, der Elliott Smith nicht mag, dann fürchte ich, dass wir uns einfach nichts zu sagen haben…“. Das übrige Album geht im selben Ton weiter, empfindsam eben. Und wenn ein Song im Ohr heiterer klingt, oder zumindest weniger launig, dann scheinen die Worte noch schwerwiegender zu sein, voll verhaltener, aber unnachgiebiger Traurigkeit. Das ist zum Beispiel in Chinese Satellite der Fall, wenn Bridgers am nächtlichen Himmel nach den nicht vorhandenen Sternen Ausschau hält und letzten Endes den Himmel ohne etwas dabei zu empfinden … Dieses Album ist ein langer Spaziergang in den nächtlich dunklen Straßen, aber ein helles Licht gibt es immer irgendwo. Nämlich Bridgers Stimme. Eine Stimme, auf die man sich verlassen kann. © Yan Céh/Qobuz
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Hip-Hop/Rap - Erschienen am 5. Juni 2020 | Drakeo The Ruler

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Hip-Hop/Rap - Erschienen am 3. Juni 2020 | BMG Rights Management (US) LLC

Hi-Res Auszeichnungen Pitchfork: Best New Music
Taub und machtlos schaut die Bevölkerung im Fernsehen zu, wie eine Gruppe Polizisten einen schwarzen Mann zu Boden ringt und ihm so lange die Luft abschnürt, bis sein anfängliches Schreien nur noch ein Flüstern ist: "Ich bekomme keine Luft mehr." I can't breathe. Die zugehörigen Bilder hat sicherlich jeder ihm Kopf. Was hier allerdings beschrieben ist, ist nicht die Ermordung George Floyds, sondern die fast unheimlich präzise anmutende Schilderung Killer Mikes, der seinen Zorn über Polizeigewalt und den Umgang der Medien in "Walking In The Snow" packt. Obwohl der Song Monate vor den aktuellen Protesten in den USA aufgenommen wurde, rechtliche Streitigkeiten um ein Sample verzögerten das Release, fühlt sich das vierte Album, das Killer Mike zusammen mit seinem kongenialen Partner El Producto aufgenommen hat, nicht nur an dieser Stelle an, als spreche es genau aus der aktuellen Lage heraus zu uns. Das ist einerseits wenig verwunderlich, hat es die gesellschaftliche Lage, zumindest der vergangenen Jahre, doch an sich, dass wütende Protestmusik à la Run The Jewels stets klingt, als sei sie genau auf den Moment zugeschnitten. Schon bei den drei vorhergegangen Alben war dies nicht anders, und immerhin ist auch "I Can't Breathe" spätestens seit der Ermordung Eric Garners im Jahr 2014 (die der George Floyds auf reichlich perverse Art und Weise ähnelt und auf die sich Mike wohl bezieht) zentraler Slogan der Black Lives Matter-Bewegung. Klar ist aber auch: Je furchteinflößender die politische Situation wurde, desto stärker haben sich Run The Jewels gegen die gesellschaftlichen Missstände positioniert. So wie "Walking In The Snow" in konsequenter Entwicklung von Mikes wiederkehrender Kritik an rassistischer Polizeigewalt steht (von "Reagan" auf R.A.P Music über "Early" auf dem zweiten Album des Duos), gipfelt auch "Run The Jewels 4" in der bisher deutlichsten Attacke gegen jene Kräfte, die den gesellschaftlichen Diskurs im Land zersetzen, von Fox News bis hin zu den evangelikalen Unterstützern des Präsidenten. Somit positionieren sich die beiden Rapper mit der zentralen Aussage "We don't mean no harm / but we truly mean all the disrespect" gleich zu Beginn des Albums als wichtige Stimme für einen friedvollen, aber zornigen Protest. Dass ein solches Gegenhalten über einen simplen Dualismus und stumpfe Parolen hinausgeht, zeigt nicht zuletzt die öffentliche Rede, die Killer Mike vor wenigen Tagen nach den wütenden Ausschreitungen in Atlanta hielt. Wie der Sohn eines Polizeibeamten hier gegen unkontrollierte Ausschreitungen und für ein strategisches Vorgehen plädiert, bestärkt den Eindruck, dass er wohl auch einen ziemlich guten und vor allem diplomatischen Politiker abgeben würde, schriebe er nicht gemeinsam mit seinem Partner den Soundtrack zur Protestbewegung. Tut er aber nun mal, und das nach einem durchaus wirkungsvollen Konzept. Nach drei gemeinsamen Alben wissen die Zuhörenden zugegebenermaßen doch ziemlich genau, wie ein Run The Jewels-Song klingt. Wenn man einen merklichen Unterschied im Soundkonzept festmachen will, dann besteht der wahrscheinlich darin, dass das Duo mit dem wachsendem Hass und der zunehmenden Spaltung der Gesellschaft noch kompromissloser und härter als ohnehin schon klingt. Wohl auch um ein Festfahren in liebgewonnenen Konventionen zu verhindern, findet sich auf dem vierten Alben deutlich mehr Unterstützung, als das bisher der Fall war. Die verschiedenen Stimmen helfen dabei auch, unterschiedliche Fassaden der beiden Protagonisten herauszustellen. Während Zack de la Rocha, als Bruder im Geiste mittlerweile fast so etwas wie ein drittes Crew-Mitglied, gemeinsam mit Pharrell Williams die Wut über soziale Ungerechtigkeit und das Geldsystem herausschreit, stellt die Kooperation mit 2 Chainz mehr den gewohnten, ziemlich derben RTJ-Humor in den Fokus. Eine weitere liebgewonnene Konstante bestätigt sich: Wie man von den vorhergehenden drei Alben weiß, kommen die absolut herausragenden Songs stets ganz zum Ende. Auch auf dem vierten Album stechen die apokalyptisch düsteren "A Few Words For The Firing Squad" und "Pulling The Pin" (sicher nicht zuletzt dank der emotionalen Performance der großen Mavis Staples) aus der ohnehin schon hohen Qualität der vorhergehenden zehn Lieder noch einmal merklich heraus. Run The Jewels bleibt eine großartige Symbiose, die beiden Rappern mit mittlerweile weit über vierzig in mehrerlei Hinsicht einen absoluten Karriere-Höhepunkt beschert. Nicht nur dass die Zusammenarbeit Jaime und Mike zu neuen qualitativen Höchstleistungen treibt, mit zunehmender Reichweite sind Run The Jewels angesichts stetig wachsender gesellschaftlicher Gräben im Land auch relevant wie nie zuvor. Wie stellt Killer Mike in seiner Rede in Atlanta heraus: "Wir wollen keine Läden brennen sehen. Wir wollen sehen, dass das System, das für den systemischen Rassismus sorgt, bis auf die Grundmauern niederbrennt." Dass dieses Ziel in weiter Ferne scheint, wird wohl dafür sorgen, dass sich auch ein mögliches fünftes Album des Duos anhören wird, als sei es genau für diesen Moment geschrieben worden. © Laut
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Alternativ und Indie - Erschienen am 15. Mai 2020 | Matador

Hi-Res Auszeichnungen Pitchfork: Best New Music
Anfangs wurde Mike Hadreas alias Perfume Genius wie ein Cousin/Cousine von Anohni/Antony Hegarty (Antony & The Johnsons) behandelt. Im Laufe seiner nach und nach erschienenen Alben war aber bald klar, dass die Welt des Amerikaners weitaus komplexer ist, als diese voreilig in den Raum gestellte Verwandtschaft… 2014 präsentierte er mit Too Bright (in Koproduktion mit Adrian Utley von Portishead) ein kunterbuntes Bild: minimalistische Sequenzen, düsterer Elektro wie bei Suicide, hochtrabende Ausdrucksweise und balladenähnliche Anleihen von R.E.M. Das drei Jahre später veröffentlichte No Shape enthielt gleichfalls diese recht persönlich geprägte Vielseitigkeit, eine musikalische Zwitterhaftigkeit à la Bowie 2.0. In Set My Heart on Fire Immediately erzählt Perfume Genius, dass er von seiner Arbeit mit der Choreografin Kate Wallich inspiriert wurde. Dieser Gedanke verdeutlicht, wie schwer es sein Körper mit dem Tanzen hatte. „Und zwar so sehr, dass diese Trennung zwischen meiner Arbeit und der restlichen Welt beim Tanzen explodierte.“ Solche Überlegungen brachten ihn vor allem dazu, seine Kompositionen neu zu überdenken und fester in der Realität und im täglichen Leben der Leute zu verankern. Sie zeigen Einflüsse von so verschiedenartigen Künstlern wie Townes Van Zandt, Enya und Cocteau Twins! Verschiedenartig wie dieses fünfte Album, das im Handumdrehen von einer nahezu barocken Ballade zu einer Noise-Sequenz überwechselt. Auch Stimmlagen in allen Regenbogenfarben gibt er uns zu hören, wobei er von engelhaftem Falsett zum Stöhnen übergeht. Cello, Glockenspiel, Wurlitzer, Saxofon und Harmonium bereichern das Klangsortiment dieser recht unergründlichen, aber ganz großartigen Platte. © Max Dembo/Qobuz