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AM

Alternativ und Indie - Erschienen am 9. September 2013 | Domino Recording Co

Hi-Res Auszeichnungen 4F de Télérama - Hi-Res Audio - Sélection du Mercury Prize
Das Internet vergisst nie. Unbarmherzig konfrontiert dieses Medium Politiker mit gefälschten Dissertationen oder betrunkene Musiker mit Clips, wie sie nachts aus dem Club fallen. Tolle Sache. Leider speichert es auch jede dahin geplapperte Äußerung sorgsam ab, zum Beispiel meine zur 2008er "Late Night Tales"-Compilation von Matt Helders: "Arctic Monkeys-Milchgesicht macht auf Rap-Checker", giggelte ich damals vom hohen Thron der Besserwisserei herab. Zu deutlich sah es damals danach aus, als wolle der Arctics-Drummer, dessen Band auf ihrem zweiten Album gerade vor allem den Glanz des Erfolgsdebüts konservierte, hier ein bisschen großspurig Open-Mindedness und Checkertum raushängen lassen. 2013 möchte ich hiermit reuevoll festhalten: Matt Helders ist ein Checker. Wahrscheinlich war er es schon damals, als er MF Doom und die Stooges kreuzte, Roots Manuva mit The Coral. Hintereinander gehört klang das etwas ungelenk. Dafür veröffentlichen die Arctic Monkeys nun "AM": Ein Album, auf dem alle Einflüsse zusammengemixt sind, geölt, gewachst und auf Hochglanz poliert. Style-Clashing im 3.30-Minutenformat. I bet that sounds great on the dancefloor. Weiß Gott, wie die Jungs drauf kamen, sich ausgerechnet an Rap-Beats zu orientieren, ja, diese fast schon exakt nachzuspielen. Das dunkle "One For The Road" klingt beispielsweise zu Beginn fast schon wie "Gz And Hustlaz" von Snoop Dogg: Knochentrockene Snare, geschlossene Hi-Hats, ein Monster-Bass und später noch eine fein ziselierte Gitarrenline - fertig ist ein minimalistischer Zauber-Groove, den man im Soundbild von "AM" noch öfter antrifft. Freilich, erhebt Alex Turner erst sein mittlerweile beachtlich volles Organ, klebt der Monkeys-Sticker auf jedem Takt. Helders und Basser O'Malley sind dennoch die heimlichen Stars der Platte. Der Beginn von "Arabella" gerät dermaßen funky, dass man eher damit rechnet, dass ein Rapper oder gleich George Clinton übernimmt. Turner sah das wohl ähnlich und ließ sich vom Beatgerüst in eine Art Sprechgesang hinein geleiten. Doch keine Angst, liebe Arctic-Fans, die Gruppe hat keine kompositorische oder soundtechnische Kehrtwende hingelegt. Es mag höchstens verwundern, dass dieses Album nicht schon nach "Humbug" erschienen ist, dem ebenfalls recht schnörkellosen Rock-Album. Von der weitgehend fröhlichen 60s-Pastiche-Vorstellung auf "Suck It And See" ist kaum mehr etwas übrig. "AM" klingt hochgradig modern, frisch und leistet sich endlich keine Durchhänger mehr. Ferner spielt die Gruppe mit dem Hörer Katz und Maus, dreht Songs immer wieder in eine ungeahnte Richtung: In "R U Mine" singt Turner sekundenlang die Bridge acapella, bevor die Band gemeinsam zügellos ins Finale stürmt - sicher einer ihrer größten Rock'n'Roll-Momente. Dann integrieren sie lupenreine, wie für Prince geschriebene R'n'B-Backgroundchöre ("One For The Road"), smarte "Uhh-la-la-la"-Chöre im Stile alter Soul-Songs ("Mad Sounds") oder sie huldigen gleich augenzwinkernd Black Sabbath mit einem kleinen "War Pigs"-Riff ("Arabella"), bevor Jamie Cook seiner Vorliebe für Josh Hommes Gitarrenspiel freien Lauf lässt. Apropos: Natürlich ist auch Alex Turners Biker-Kumpel wieder dabei: In "One For The Road" übernimmt der QOTSA-Sänger mit Helders noch harmlose Falsetto-Späßchen, bevor er in "Knee Socks" für einen der wahnwitzigsten Breaks seit langem sorgt, der dem Song eine völlig neue Richtung verleiht, bevor die Band dennoch die Akkorde des ursprünglichen Themas dort irgendwie wieder hineingepfriemelt bekommt. Auch die Balladen gelingen der Band geradezu traumwandlerisch. "No. 1 Party Anthem" könnte auch ein Morrissey-Klassiker sein, zugeschnitten auf einen Ausnahmesänger, so betörend setzt sich Turner zu dem schmachtenden Stück in Szene. Ein bisschen erinnert Turner hier sogar an Lennon. So oder so ein echter Höhepunkt. Genau wie "Why'd You Only Call Me When You're High?", das eine längst fällige Anschlussfrage an den älteren Pet Shop Boys-Klassiker "You Only Tell Me You Love Me When You're Drunk" darstellt. Ob der rollende Groove von "Fireside" aufs Konto des Gastgitarristen Bill Ryder-Jones geht, ist mir leider nicht bekannt. Dagegen fällt das Glamrock-infizierte "I Want It All" etwas ab, vielleicht der einzige gute Track unter lauter herausragenden. Lässig und abgeklärt beendet das seduktive "I Wanna Be Yours" ein großes Album, auf das nicht mal der in seiner Langsamkeit alles zermahlende Vorabtrack "Do I Wanna Know" hoffen ließ. Come on, come on, come oh-oh-on: Die Arctic Monkeys geben sich mit einmal erreichten Großtaten scheinbar nicht zufrieden. Mittlerweile in ihrem achten Profijahr klingen sie spannender denn je. Ihr Debütalbum scheint meilenweit entfernt. © Laut
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Electronic - Erschienen am 3. Juni 2013 | Domino Recording Co

Hi-Res Auszeichnungen Qobuz' Schallplattensammlung - Pitchfork: Best New Music - Hi-Res Audio - Sélection du Mercury Prize
Während sich die Türkei auf dem Taksim-Platz die Köpfe einschlägt, Koalas vom Klimawandel bedroht sind, Afrika weiterhin unter Hunger und Entbehrung leidet und selbst Deutschland unter einer zum Teil selbst verschuldeten Flut versinkt, veröffentlicht ein Engländer ein Konzeptalbum über eine Partynacht. Eine Botschaft, die in ihrer Einfachheit und Dekadenz kaum zu überbieten bleibt. Wer kein Leid erfährt, hat keine guten Geschichten zu erzählen. "We Disappear". Jon Hopkins musste nicht einmal verschwinden, für die meisten war der Mann aus der zweiten Reihe einfach niemals da. Seine drei ersten Solo-Platten flogen unter dem Radar der öffentlichen Wahrnehmung entlang. Wer genau aufpasste, kennt seinen Soundtrack zum Science-Fiction-Drama "Monsters" oder seine Mitarbeit an Brian Enos "Small Craft On A Milk Sea" und Coldplays "Viva La Vida Or Death And All His Friends". Mit "Immunity" verlässt Hopkins seine Schutzzone. Seinen vierten Longplayer bezeichnet er als "das menschlichste elektronische Album, das es dieses Jahr zu hören gibt." In einem Jahr, in dem Daft Punk ("Random Access Memories"), Bonobo ("The North Borders") und Boards Of Canada ("Tomorrow's Harvest") einen ähnlichen Ansatz verfolgen, eine gewagte These. Große Klappe mit viel dahinter. Im Gegensatz zu den Helmträgern von Daft Punk bricht Hopkins den Konflikt Mensch-Machine nicht mit einer in den Rückspiegel schauenden Rückbesinnung auf Live-Instrumente. "Objects in the Rear-view mirror may appear closer than they are". Anstatt sie von sich zu stoßen, akzeptiert und nutzt er die uns allgegenwärtig umgebende Technologie als Instrument, aus der er Wärme, Leben und Emotionen bezieht. Nicht die Welt von gestern sondern die heutige mit all ihren Applikationen wird zum Grundstein seiner minimalistischen Musik. Die erste Hälfte von "Immunity" gilt dem Start in die Nacht. In "We Disappear" setzen wir die ersten nervösen Schritte hinaus auf die Straße, keinen Schimmer, was vor uns liegt. Frisch geduscht schlagen wir die Tür zum Alltag hinter uns zu. Die Dancefloor-Hyme "Open Eye Signal" nimmt uns mit ihrer wütenden Electro-House Bassline in Empfang. Entschlossene Euphorie, dominiert von reibenden Sub-Bässen und Techno-Beats. Über hypnotischen Schleifen der Erschütterung nimmt das düstere "Collider" Gestalt an. In die Irre führende Leidenschaft, die monoton an ihrem Ziel festhält: Rhythmus vs. Melodie. In der zweiten Hälfte wechselt die Stimmung zunehmend. Ambient-Parts nehmen zu. Während die Welt in ihrem verschwommenen Zauber weiter tanzt, wandelt man selbst mehr und mehr zum entrückten Beobachter. Ein unscharfer Blick durch den faul riechenden Nebel der Nebelmaschinen auf die tanzende Meute. Zeigt sich Hopkins kurz vorher noch von seiner düsteren Seite, wirkt das zwölf Minuten lange "Sun Harmonics" klar und mit Morgentau überzogen und leitet langsam das Ende der Reise ein. Ein Moment der Trance, des Abschiednehmens. Eine leere Bierflasche an dem letzten torkelndem Liebespärchen vorbei ins nichts kicken um danach mit zusammengekniffenen Augen ins erste Sonnenlicht zu treten. Diese kurzen Momente, die eine lange Nacht erst vollkommen machen. "Alle Lebewesen außer den Menschen wissen, dass der Hauptzweck des Lebens darin besteht, es zu genießen." (Samuel Butler) Also doch alles richtig gemacht? Der Titel-Track nimmt über wankenden Zugabteil-Beats den Weg nach Hause. Der alte Weggefährte Kenny Anderson (King Creosote) übernimmt diskret den Platz am Mikro, während Hopkins verträumt in Sigur Rós-Erzählgeschwindigkeit die ersten Lichtreflektionen auf seinem Piano nachklimpert. Das letzte Adrenalin verfliegt. Einfach nur noch nach Hause. In die Nussschale unserer Gesellschaft. Ins kuschelige Bett. In Sicherheit. In Immunität. "Immunity". © Laut
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Rock - Erschienen am 8. März 2013 | Columbia

Hi-Res Auszeichnungen 3F de Télérama - 5 étoiles Rock and Folk - 5/6 de Magic - Sélection du Mercury Prize
Was musikalische Langzeitprognosen angeht, konnte ich mich schon immer auf meinen Riecher verlassen. Scooter? Mit "Hyper Hyper" zum Glück nur ein One Hit Wonder. Rammstein im Vorprogramm der Ramones? Naserümpfend den Saal verlassen. Nirvana 1989 im Schwimmbad Musik-Club in Heidelberg? Aus denen wird nie was! Meinen bisher letzten großen Klops, für den ich mich hier offiziell entschuldigen möchte, habe ich wohl in meiner "Ziggy Stardust"-Rezension zum 40. Geburtstag der Platte geleistet. Neun Jahre nach "Reality" und sechs Jahre nach seinem letzten Liveauftritt hatten selbst die unverbesserlichsten Optimisten den Glauben an ein neues Album verloren. Aber wer will es dem Thin White Duke nach unzähligen Meisterwerken schon übel nehmen? Na, da habe ich wohl mal wieder gewaltig daneben gelegen. Zum Glück. Allein stand ich mit meiner Vorhersage aber sicher nicht. Während die Quoten für einen neuen Longplayer also von Woche zu Woche ins Bodenlose purzelten, bastelten Bowie und Produzent Tony Visconti über zwei Jahre streng abgeschirmt an "The Next Day". Pünktlich zum 66. Geburtstag des Mannes, der einst vom Himmel fiel, ließ Bowie die Bombe platzen und zeigte mit "Where Are We Now?" allen Skeptikern eine lange Nase. Aufgrund der langen Wartezeit und der Ungewissheit und einem bis heute ungebrochenen Schweigen von Seiten des Großmeisters, bauten sich fast unerfüllbare Erwartungen auf. David Bowie steigt vom Berge Sinai und überreicht uns seine vierzehn Gebote. Nach dem ganzen Hype bin ich nun fast enttäuscht, dass ich mit "The Next Day" nur eine weitere Bowie-Platte und nicht die erste Kontaktaufnahme mit außerirdischem Leben in der Hand halte. Wenn man die Schnappatmung überwunden hat, stellt man mit Erstaunen fest, dass sich im Grunde nicht viel verändert hat. Nach seinem ersten Comeback "Black Tie White Noise" strauchelte Bowie lange, bis er unerwartet mit "Hours..." eine Art entspanntes Spätwerk einleitete, das sich mit dem brillianten "Heathen" und "Reality" fortsetzte. Anstatt unwürdig schnelllebigen Trends hinterher zu hetzen, standen plötzlich mit relaxter Grundhaltung die Songs im Mittelpunkt. Bei allem Bohei und trotz aller deutlichen Ecken und Kanten geht "The Next Day" den selben Weg. Bowie verwaltet sich selbst und seine Vergangenheit und wirft für uns Fans diverse wohl platzierte Angelhaken aus, die zurück zu seinen Großtaten aus den 1970ern führen. Legt das salbungsvolle "Where Are We Now?" musikalisch mit seiner fragilen Zärtlichkeit vielleicht noch eine falsche Fährte, deutet der Text doch in genau die richtige Richtung und bereitet optimal auf "The Next Day" vor. "Sitting in the Dschungel / on Nürnberger Strasse / a man lost in time near KaDeWe / just walking the dead." Ein mit dem Vorschlaghammer verteilter Flashback zur Berlin-Triologie. Das überpappte "Heroes"-Cover trägt seinen Rest dazu bei. "Here I am, not quite dying, my body left to rot in a hollow tree." Bowie bedient die üblichen Grundmotive (Stars, Space, Boys). Außerdem bestimmt Gewalt das vermöbelte Gesicht von "The Next Day". Der Titeltrack bietet einen rabiaten Einstieg, direkt aus der Bowie/Osterberg-WG. Kontrollierte Hysterie unterlegt die Geschichte eines mittelalterlichen Tyrannen, der von einem wütenden Mob dahingerafft wird. "They work with Satan while they dance like saints". Für "Dirty Boys" steigt "Fame" untot und schleichend aus seinem Grab empor. Der Thin White Zombie gibt sich mit vergiftetem Soul die Ehre. Steve Elsons Baritonsaxophon unterlegt den ruckartigen Rhythmus. Ein monochromer Beat, penetrant wie Lebertran, wälzt "Love Is Lost" voran. "It's the darkest hour / you're twenty two / the voice of youth / the hour of dread." Gitarrenfetzen durchtrennen drakonische Keyboardflächen. Die klare Botschaft: Ab jetzt wird es nur noch schlimmer. "Wave goodbye to life without pain". Bowie at his best. Neben seinen düsteren Tiefen kennt "The Next Day" auch schwindelerregende Höhen. Selbst Fans des Haarspray-Bowies aus den 1980ern kommen mit "(You Will) Set The World On Fire", einem Zwitter aus "Time Will Crawl" und "You Really Got Me" von The Kinks auf ihre Kosten. Die zweite Single "The Stars (Are Out Tonight)" mit ihrem mustergültigen Refrain dürfte zu den besten Singles der letzten drei Jahrzehnte gehören. Unterhalb der butterweichen Celebrity-Fassade von Brigitte, Jack, Kate und Brad gruselt es gewaltig. "They burn you with their radium smiles and trap you with their beautiful eyes." Im Laufe von "The Next Day" lotet Bowie immer wieder sämtliche Alternativen seiner Stimme aus. Er pendelt zwischen zerbrechlich ("Where Are We Now?"), zickig ("Valentine's Day") und pathetisch ("You Feel So Lonely You Could Die"). In "I'd Rather Be High", einem ansonsten eher faden Track mit Militärrhythmen und Smiths-Anleihen, klingt er gar jugendlich wie zu Decca/Deram-Zeiten. Im Refrain des Staccato-Rocks "How Does The Grass Grow?" spielt der Engländer mit Apache von The Shadows. Ruppige Gitarrensoli kappen den Teletubbie-Chorus vom restlichen Song ab. Ein schrilles und nervendurchdringendes Keyboard trifft in "If You Can See Me" auf hastige Gitarren. Bowie gräbt noch einmal die Rastlosigkeit der "Earthling"-Ära aus. Drum'n'Bass-Rhythmen und "Look Back In Anger" prallen aufeinander. "Time takes a cigarette / puts it in your mouth." Was mit "You Feel So Lonley You Could Die" als Schunkelballade beginnt, entwickelt sich zu einer epischen Erzählung über Einsamkeit und selbstmörderischer Depression. Eine melancholische und melodramatische Todesvision in der zu guter Letzt der Schlagzeugeinstieg aus "Five Years" zitiert wird. "Oblivion shall own you, death alone shall love you." Die Hölle friert zu, sobald Bowie in "Heat" seinem Idol Scott Walker zu "Climate Of Hunter"-Zeiten nacheifert. Ein dunkles Gebet zu einem singenden Fretless-Bass vorgetragen. Akustische Gitarre, Lärm, Schuld und Schande. "I am a seer, but I am a liar." Wenn auch manche lauwarme Nummer ("Dancing Out In Space", "Valentine's Day", "I'd Rather Be High") das erstklassige Gesamtbild ein wenig verwässert; nach dreißig Jahren und den Unwegsamkeiten der 1980er ist David Bowie nicht mehr auf der Suche. Bei sich selbst angekommen, weiß er genau, was und wohin er will. Sein nächster Tag liegt in der Vergangenheit, im bewussten Konzentrieren auf seine Stärken. Vielleicht klingt "The Next Day" auch deswegen bisweilen ein wenig zu sehr kalkuliert und nüchtern. Trotzdem ist ihm ein formidables Comeback gelungen. Wieder einmal hänge ich wie ein zappelnder Fisch an seiner Angel. © Laut
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R&B - Erschienen am 1. März 2013 | RCA Records Label

Auszeichnungen 5/6 de Magic - Sélection du Mercury Prize
Manchmal liegen Frage und Antwort auf meinem CD-Stapel direkt übereinander. Auf "Love In The Future" stellt John Legend mit Hilfe von Kanye West die Frage, wo es mit Soul und R'n'B hingehen soll. "In den letzten Jahren wurde Soul soweit verwässert, dass er viel von seiner Faszination verloren hat." So weit, so richtig, Mr. Legend. Eine wirklich befriedigenede Lösung fällt ihm trotz des Ansatzes jedoch nicht ein, und so unterlegt er seine soliden R'n'B-Songs mit modernen Hip Hop-Beats, und meint, das Ziel erreicht zu haben. Das Ausmaß seines Scheiterns wird mir jedoch erst beim Einlegen des nächsten Albums bewusst. Auf Laura Mvulas Debüt "Sing To The Moon" gelingt es der Künstlerin tatsächlich, Soul ihren ganz eigenen und taufrischen Ansatz zu verpassen. Weder zitiert sie den zuletzt mehr und mehr abgegriffenen Motown- und Stax-Sound der 1970er, den straffrei nur noch Sharon Jones oder Charles Bradley adaptieren dürfen, noch gibt sie sich der mit Mayer Hawthorne und Robin Thicke aufkommenden Welle des Synth-Pop-Funk der 1980er hin. Stattdessen erfindet sich Mvula im besten Sinne ihre ganz eigene und liebreizende Welt voller Geigen, Trompeten, Harfen und verschwenderischem Satzgesang. Vollkommen staubbefreit und in edlem Beige gekleidet klingt sie in ihren besten Momenten wie eine gelungene Mischung aus Minnie Ripperton, Nina Simone, Brian Wilson, Annie Lennox, Henry Purcell und einer entsponnenen Björk. Ihre Tracks schreibt und arrangiert Mvula, einst schüchterne Rezeptionistin, überwiegend selbst und spielt einen großen Teil der Instrumente. Dabei findet sie Unterstützung im Rumer-Produzent Steve Brown und Toningeneur Tom Elmhirst (Amy Winehouse, Lily Allen, MS MR, Adele). Gemeinsam achten sie darauf, dass kein dunkler Schatten das blendende Licht auf "Sing To The Moon" durchbricht. Gleich mit dem Opener "Like The Morning Dew" zieht die Sängerin aus Birmingham alle Register und konfrontiert den Zuhörer mit einem Füllhorn aus Harmonien, standhaften Zinnsoldat-Trommelwirbeln und purer Schwärmerei. Ein Soundbild, so kuschelweich wie die liebste Kolter, unter dem heimlich die angeschlagene Romanze zerbröckelt. "Our love feels like the morning clouds / Like the morning dew / That goes away." Im monumentalen, von Bläsern getragenen, "Make Me Lovely" spielt Mvula geschickt mit Claude Debussys "Golliwogg's Cake Walk". Immer wieder unterbricht sie den Song, setzt einzelne Fragmente aus windstillen Zwischenspielen aneinander. Das nostalgische Stück, halb große Bühne, halb schummriger Jazz-Keller, wartet unter seiner hübschen Fassade aber wie so oft mit einem gebrochenen Text auf. "I can't make you love me / You can't make me lovely / Please don't try to hold me down / It's over now." Der Zugang zu "Sing To The Moon" findet sich am leichtesten über die Single "Green Garden", des Albums grüne Lunge. Soul-Handclaps und ein dynamischer Kontrabass führen durch den grazilen Song. Eine freie und gleichzeitig streng strukturierte Pop-Leichtigkeit mit intelligentem Aufbau, klimpernden Xylophon und verspielten Chor-Harmonien. Nur die unangenehme Verzerrung auf der Stimme trübt ein wenig das Gesamtbild. "Tell me who made you the centre of the Universe?" Im cineastischen Refrain von "That's Alright" bilden getragene Bläser und holpernde Schläge die Schnittstelle zwischen Star Trek, Raumschiff Orion und einem Stammestanz. Nur selten wirken die Arrangements wie mit den klischeehaften Paukenschlägen in "Is There Anybody Out There?" zu aufgesetzt und gekünstelt. Sporadisch können die Lieder unterhalb der sie umgebenden Carpenters-Zuckerwatte nicht mit ihrer Umgebung mithalten ("Can't Live With The World"). Laura Mvula hat alle Anlagen, um zu einer stilprägenden und bedeutenden Künstlerin heranzureifen. Schnell verliert man sich in den verschlängelten Wegen des Debüts. "Sing To The Moon" bietet viele interessante Ideen, dass oft in sich selbst eingemauerte Genre aufzubrechen. Zwar will noch nicht immer alles aufgehen, aber schon jetzt zählt Mvulas Erstling zu einer der interessantesten Soul-Platten des Jahres. © Laut
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R&B - Erschienen am 1. März 2013 | RCA Records Label

Auszeichnungen 5/6 de Magic - Sélection du Mercury Prize
Manchmal liegen Frage und Antwort auf meinem CD-Stapel direkt übereinander. Auf "Love In The Future" stellt John Legend mit Hilfe von Kanye West die Frage, wo es mit Soul und R'n'B hingehen soll. "In den letzten Jahren wurde Soul soweit verwässert, dass er viel von seiner Faszination verloren hat." So weit, so richtig, Mr. Legend. Eine wirklich befriedigenede Lösung fällt ihm trotz des Ansatzes jedoch nicht ein, und so unterlegt er seine soliden R'n'B-Songs mit modernen Hip Hop-Beats, und meint, das Ziel erreicht zu haben. Das Ausmaß seines Scheiterns wird mir jedoch erst beim Einlegen des nächsten Albums bewusst. Auf Laura Mvulas Debüt "Sing To The Moon" gelingt es der Künstlerin tatsächlich, Soul ihren ganz eigenen und taufrischen Ansatz zu verpassen. Weder zitiert sie den zuletzt mehr und mehr abgegriffenen Motown- und Stax-Sound der 1970er, den straffrei nur noch Sharon Jones oder Charles Bradley adaptieren dürfen, noch gibt sie sich der mit Mayer Hawthorne und Robin Thicke aufkommenden Welle des Synth-Pop-Funk der 1980er hin. Stattdessen erfindet sich Mvula im besten Sinne ihre ganz eigene und liebreizende Welt voller Geigen, Trompeten, Harfen und verschwenderischem Satzgesang. Vollkommen staubbefreit und in edlem Beige gekleidet klingt sie in ihren besten Momenten wie eine gelungene Mischung aus Minnie Ripperton, Nina Simone, Brian Wilson, Annie Lennox, Henry Purcell und einer entsponnenen Björk. Ihre Tracks schreibt und arrangiert Mvula, einst schüchterne Rezeptionistin, überwiegend selbst und spielt einen großen Teil der Instrumente. Dabei findet sie Unterstützung im Rumer-Produzent Steve Brown und Toningeneur Tom Elmhirst (Amy Winehouse, Lily Allen, MS MR, Adele). Gemeinsam achten sie darauf, dass kein dunkler Schatten das blendende Licht auf "Sing To The Moon" durchbricht. Gleich mit dem Opener "Like The Morning Dew" zieht die Sängerin aus Birmingham alle Register und konfrontiert den Zuhörer mit einem Füllhorn aus Harmonien, standhaften Zinnsoldat-Trommelwirbeln und purer Schwärmerei. Ein Soundbild, so kuschelweich wie die liebste Kolter, unter dem heimlich die angeschlagene Romanze zerbröckelt. "Our love feels like the morning clouds / Like the morning dew / That goes away." Im monumentalen, von Bläsern getragenen, "Make Me Lovely" spielt Mvula geschickt mit Claude Debussys "Golliwogg's Cake Walk". Immer wieder unterbricht sie den Song, setzt einzelne Fragmente aus windstillen Zwischenspielen aneinander. Das nostalgische Stück, halb große Bühne, halb schummriger Jazz-Keller, wartet unter seiner hübschen Fassade aber wie so oft mit einem gebrochenen Text auf. "I can't make you love me / You can't make me lovely / Please don't try to hold me down / It's over now." Der Zugang zu "Sing To The Moon" findet sich am leichtesten über die Single "Green Garden", des Albums grüne Lunge. Soul-Handclaps und ein dynamischer Kontrabass führen durch den grazilen Song. Eine freie und gleichzeitig streng strukturierte Pop-Leichtigkeit mit intelligentem Aufbau, klimpernden Xylophon und verspielten Chor-Harmonien. Nur die unangenehme Verzerrung auf der Stimme trübt ein wenig das Gesamtbild. "Tell me who made you the centre of the Universe?" Im cineastischen Refrain von "That's Alright" bilden getragene Bläser und holpernde Schläge die Schnittstelle zwischen Star Trek, Raumschiff Orion und einem Stammestanz. Nur selten wirken die Arrangements wie mit den klischeehaften Paukenschlägen in "Is There Anybody Out There?" zu aufgesetzt und gekünstelt. Sporadisch können die Lieder unterhalb der sie umgebenden Carpenters-Zuckerwatte nicht mit ihrer Umgebung mithalten ("Can't Live With The World"). Laura Mvula hat alle Anlagen, um zu einer stilprägenden und bedeutenden Künstlerin heranzureifen. Schnell verliert man sich in den verschlängelten Wegen des Debüts. "Sing To The Moon" bietet viele interessante Ideen, dass oft in sich selbst eingemauerte Genre aufzubrechen. Zwar will noch nicht immer alles aufgehen, aber schon jetzt zählt Mvulas Erstling zu einer der interessantesten Soul-Platten des Jahres. © Laut
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Alternativ und Indie - Erschienen am 24. Februar 2013 | Accidental Records Ltd

Auszeichnungen Sélection du Mercury Prize
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Dance - Erschienen am 22. Februar 2013 | Asylum

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Alternativ und Indie - Erschienen am 31. Januar 2013 | Warner Records

Auszeichnungen Sélection du Mercury Prize
Wut ist hip. Wir malen Plakate, wir echauffieren uns, uns entfährt ein #aufschrei nach dem nächsten. Wir sind Wutbürger. Die ganze Welt ist so wütend, dass sich sogar die zahmen Foals davon anstecken lassen. Denn auch die sind jetzt wütend, sie schreien und grölen. "Inhaler", die erste Single zum dritten Album, tönte so laut und rau, dass manch einer erschrocken zurückwich. Sänger Yannis schreit seine innere Enge weg. Noch vor ein paar Jahren hätte er sie weggeweint. Aber keine Sorge. Die beißen nicht. Breite Gitarrenwände machen noch lange keine ungestüme Rockband aus den Indiejungs. Dafür frickeln sie immer noch viel zu gerne an ihren Saiten herum, da bleibt alles beim Alten. Und überhaupt: so konsequent sind sie gar nicht. Schon bei "My Number" bröckelt die Fassade der ungezähmten Wildfohlen, die sie mit verzerrten Gitarren mühsam in den ersten zehn Minuten aufbauen, von ihnen ab. Von Enge ist nichts mehr zu spüren, jetzt dominiert wieder die Liebe. So weich und leicht wie sie auch plötzlich wieder der Klang. Hier erinnern sie wieder an ihr altes Selbst, das ganze alte, beinahe zu "Cassius"-Zeiten. Was den Foals immer zugute gehalten wird, ist ihre stetige Entwicklung. Vom nervösen Discopop der "Antidotes"-Platte bewegten sie sich hin zu melancholischen Schichtklängen auf "Total Life Forever". Auf "Holy Fire" vermengen sie beides und klingen in manchen Momenten so perfekt nach der Fusion, als hätten sie sich endlich gefunden ("Providence"). Tanzbarkeit wie zur leichten "Antidotes"-Zeit und der flehende Gesang der schweren "Total Life Forever"-Momente, dazu die großen Gitarrentöne der jüngsten Zeit – wer die Foals kennen lernen will, der möge diesen Song hören. Manchmal aber verlieren sie ihren Weg wieder. Gerade in der Mitte scheinen sie nicht ganz zu wissen, wo sie hinwollen. So ziehen sich Tracks wie "Out Of The Woods" in die Länge, da sie ohne rechte Melodieführung gleichförmig vorbeischweben. Dabei sind starke Melodien eigentlich ihre Paradedisziplin. Ob es der konträre Basslauf in "Late Night" ist, der mit all seiner Lockerheit gar nicht recht in das schwere Stück passen will und gerade deswegen so schön heraussticht, oder der bescheidene, natürliche Klang aus "Stepson". Auch hier schwummert der Synthie – "Spanish Sahara" lässt grüßen. Am Schluss werden sie wieder ganz versöhnlich ("Moon"). Die Wut des Anfangs ist vorbei, Die Foals werden ihre Liebe für schwere Melodien nie verlieren. "Holy Fire" ist ein Album, das Blut und Wasser schwitzt, das laut beginnt und leise endet. Angeblich beschreibt Yannis die dritte Platte als "das Delta, Voodoo, der Sumpf, Sexualität, byzantinische Ikonografie und Musik, zuckersüße Rhythmen, die Berge, der Abgrund, der Niedergang von Bienenvölkern, Hip-Hop und Stoner Rock." Was war das mit den Bienenvölker? Was auch immer. "Holy Fire" ist nicht mehr und nicht weniger als der Entwicklungsprozess einer schon immer bemerkenswerten Band – gepresst in 50 Minuten. © Laut
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Alternativ und Indie - Erschienen am 31. Januar 2013 | Warner Records

Videos Auszeichnungen Sélection du Mercury Prize
Wut ist hip. Wir malen Plakate, wir echauffieren uns, uns entfährt ein #aufschrei nach dem nächsten. Wir sind Wutbürger. Die ganze Welt ist so wütend, dass sich sogar die zahmen Foals davon anstecken lassen. Denn auch die sind jetzt wütend, sie schreien und grölen. "Inhaler", die erste Single zum dritten Album, tönte so laut und rau, dass manch einer erschrocken zurückwich. Sänger Yannis schreit seine innere Enge weg. Noch vor ein paar Jahren hätte er sie weggeweint. Aber keine Sorge. Die beißen nicht. Breite Gitarrenwände machen noch lange keine ungestüme Rockband aus den Indiejungs. Dafür frickeln sie immer noch viel zu gerne an ihren Saiten herum, da bleibt alles beim Alten. Und überhaupt: so konsequent sind sie gar nicht. Schon bei "My Number" bröckelt die Fassade der ungezähmten Wildfohlen, die sie mit verzerrten Gitarren mühsam in den ersten zehn Minuten aufbauen, von ihnen ab. Von Enge ist nichts mehr zu spüren, jetzt dominiert wieder die Liebe. So weich und leicht wie sie auch plötzlich wieder der Klang. Hier erinnern sie wieder an ihr altes Selbst, das ganze alte, beinahe zu "Cassius"-Zeiten. Was den Foals immer zugute gehalten wird, ist ihre stetige Entwicklung. Vom nervösen Discopop der "Antidotes"-Platte bewegten sie sich hin zu melancholischen Schichtklängen auf "Total Life Forever". Auf "Holy Fire" vermengen sie beides und klingen in manchen Momenten so perfekt nach der Fusion, als hätten sie sich endlich gefunden ("Providence"). Tanzbarkeit wie zur leichten "Antidotes"-Zeit und der flehende Gesang der schweren "Total Life Forever"-Momente, dazu die großen Gitarrentöne der jüngsten Zeit – wer die Foals kennen lernen will, der möge diesen Song hören. Manchmal aber verlieren sie ihren Weg wieder. Gerade in der Mitte scheinen sie nicht ganz zu wissen, wo sie hinwollen. So ziehen sich Tracks wie "Out Of The Woods" in die Länge, da sie ohne rechte Melodieführung gleichförmig vorbeischweben. Dabei sind starke Melodien eigentlich ihre Paradedisziplin. Ob es der konträre Basslauf in "Late Night" ist, der mit all seiner Lockerheit gar nicht recht in das schwere Stück passen will und gerade deswegen so schön heraussticht, oder der bescheidene, natürliche Klang aus "Stepson". Auch hier schwummert der Synthie – "Spanish Sahara" lässt grüßen. Am Schluss werden sie wieder ganz versöhnlich ("Moon"). Die Wut des Anfangs ist vorbei, Die Foals werden ihre Liebe für schwere Melodien nie verlieren. "Holy Fire" ist ein Album, das Blut und Wasser schwitzt, das laut beginnt und leise endet. Angeblich beschreibt Yannis die dritte Platte als "das Delta, Voodoo, der Sumpf, Sexualität, byzantinische Ikonografie und Musik, zuckersüße Rhythmen, die Berge, der Abgrund, der Niedergang von Bienenvölkern, Hip-Hop und Stoner Rock." Was war das mit den Bienenvölker? Was auch immer. "Holy Fire" ist nicht mehr und nicht weniger als der Entwicklungsprozess einer schon immer bemerkenswerten Band – gepresst in 50 Minuten. © Laut
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Alternativ und Indie - Erschienen am 14. Januar 2013 | Domino Recording Co

Hi-Res Auszeichnungen Hi-Res Audio - Sélection du Mercury Prize
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Alternativ und Indie - Erschienen am 14. Januar 2013 | Domino Recording Co

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Alternativ und Indie - Erschienen am 1. Januar 2013 | Virgin Records Ltd

Auszeichnungen Sélection du Mercury Prize
Allein schon mit dem Cover ihres vierten Albums beweist die Engländerin Mut: Statt ihr durchaus hübsches Gesicht vorteilhaft in Szene zu setzen, wie es wohl viele junge Singer/Songwriterinnen getan hätten, zeigt sie ihre Rückenansicht in einer merkwürdigen Pose, sodass nur ihre ausgestreckten, nackten Arme und ihre blondgefärbte Mähne zu sehen sind. Dazu noch im Blitzlicht und vor schwarzem Hintergrund, nur um noch gespentischer wirken. Dabei ähnelt sie eher einer Taube, der Ozzy Osbourne gleich den Kopf abbeißt, als dem im Plattentitel zitierten Adler. So verletzlich Laura Marling vielleicht erscheint, so stark gibt sie sich in ihren Texten. Die Lieder entstanden vor dem Umzug nach Los Angeles in London, in einer kleinen Dachwohnung, deren winzige Terrasse den Blick auf die Dächer der Stadt freigab. In Gesellschaft eines Plattenspielers habe sie sich Gedanken über den Sinn des Lebens im Allgemeinen und ihre Daseinsberechtigung als Musikerin im Besonderen gemacht, erklärt Marling. Die Lieder erzählen die Geschichte einer jungen Frau namens Rosie, die sich in Begleitung eines Vogels durchs Leben schlägt. Ob Marling dabei die Beziehungen zu Verflossenen wie Charlie Fink (Noah And The Whale) oder Marcus Mumford verarbeitet, bleibt zweitrangig. Ihre Musik begibt sich jenseits der persönlichen Ebene und hat eher einen philosophischen Charakter. Zwei Wörter fallen auffällig oft: "Ich" und "naiv". Wobei die Naiven meist die anderen sind, und die Hauptdarstellerin eine verletzliche, dennoch starke Frau bleibt. "I will not be a victim of romance / I will not be a victim of circumstance / Chance or circumstance or romance / or any man", stellt der Titeltrack gleich zu Beginn des Albums klar. Mit 16 Stücken und 63 Minuten fällt es ungewöhnlich lang aus. Ungewöhnlich war auch die Herangehensweise im Studio. Marling steuerte Gitarre und Gesang bei, Produzent Ethan Johns übernahm fast alles andere, darunter Klavier, Tablas oder Streicher. Dazu streute er Geräusche, die den Stücken Verträumtheit und zugleich eigenwillige Bedrohlichkeit verleihen. Denn eines bietet die Platte sicherlich nicht: fröhlichen Folkpop. Marlings Stimme ist hoch, ruhig, verführerisch. Doch verzichtet sie auf Refrains sowie herkömmliche Songstrukturen. Eher als an ihr großes Vorbild Joni Mitchell erinnert ihr minimalistischer Zugang immer wieder an Lou Reed, der es geschafft hat, sein philosophisches Lebenswerk auf kaum mehr als einem Akkord aufzubauen. Verzerrungen gibt es bei Marling gleichwohl keine, die Auseinandersetzungen finden in den Texten statt. "You wanna a woman who will call your name / It ain't me babe / No no no it ain't me", erklärt sie in "Master Hunter". Und zitiert nebenbei Bob Dylan. Die erste Singleauskopplung aus einem Album, das keine Singles enthält, wie sie stolz erklärt. Aber so ist es nun mal, steht man bei einem großen Label wie Virgin/ EMI/Universal unter Vertrag. Das instrumentale "Interlude" ist so etwas wie der Scheitelpunkt des Albums. Der Einfluss traditioneller britischer Musik, der sich schon in "Devil's Resting Place" zeigte, wird nun stärker. "Undine" könnte mit seinen zwei gezupften Gitarren fast als klassisches Folk-Stück durchgehen, wie auch "Where Can I Go", "Once" oder "When Were You Happy?". In "Pray For Me" sorgt gar eine verstärkte Gitarre für etwas Tempo. Schließlich kommt es zum entscheidenden Gespräch. "Why did you run / from everyone? / Who only tried to love you / Rosie, only tried", fragt der Vogel in "Little Bird". Love is the answer, natürlich. Nicht, dass Rosie in die Arme eines hübschen Prinzen fällt, doch sieht sie in menschlicher Nähe den Ausgang aus ihrer Misere. "Life is heavy / When you're no master's son / When you're ready / Into my arms come", heißt es im abschließenden "Saved These Words". Ihren Kopf behält Laura Marling am Ende fest auf ihren Schultern. Mehr noch: Mit "Once I Was An Eagle" schuf sie ein Album mit zeitlosem Charakter. Und vielleicht ist ihr Ozzy gar schon mal über den Weg gelaufen, schließlich leben beide in derselben Stadt. Außerdem dürfte Marling ihr neues Alben ungefähr zeitgleich mit Black Sabbath aufgenommen haben. Wobei es in diesem Fall Ozzy gewesen sein dürfte, der angesichts von so viel Gedankentiefe und künstlerischem Mut schreiend davon gelaufen ist. © Laut
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Pop - Erschienen am 1. Januar 2013 | Universal-Island Records Ltd.

Auszeichnungen Sélection du Mercury Prize
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Electronic - Erschienen am 1. Januar 2013 | Universal-Island Records Ltd.

Auszeichnungen Pitchfork: Best New Music - Sélection du Mercury Prize
Guy und Howard Lawrence aka Disclosure bereichern unseren Sommer mit ihrem neuen Werk "Settle". Danciger Pop mit souligen Einsprengseln, gern mal etwas dubbig und entspannt, das ist seit jeher ihr Stil und ihre Produktionsweise gewesen. Genau diese Art von Musik, die man hören möchte, wenn beim Festival die Sonne untergeht. Hitpotential und Ohrwurmcharakter sind Grundsubstrate von Tracks wie "Latch", das Sam Smiths starke Stimme featuret. Ein shuffelnder House-Bass bildet eine saftige Grundlage. Ähnlich groovy bounced "January" vor sich hin. Ein grandioser Schieber mit charmanten Rhythmuswechseln und deepem Trance-Sound. Jamie Woons Soulstimme ist da schon fast zu viel, aber bringt eben die poppige Nuance mit sich, für die Disclosure eben stehen. Es ist auch eine Kunst, Deephouse, der eher funktional und Dancefloor-orientiert ist, mit Popstrukturen zu versehen. Richtig "richtig" kommt der Vocaleinsatz bei dem Gassenhauer "White Noise". Alunas süßliches Organ, kombiniert mit tight programmierten Hi-Hats und einem Oldschool Acidhouse Appeal klingt schon ziemlich perfekt. "Freed From Desire", ick hör dir trapsen. Das dürfte den Festivalsommer ordentlich aufwirbeln. "Grab Her" arbeitet und spielt mit einem Sprachsample und dessen effektuösem Einsatz. Dazu stochert ein Sirenensynth ziemlich eingängig in die Synapsen des Hörers, so dass man sich seiner Sogwirkung kaum entziehen kann. Wenn dann noch die Cowbell herausgelassen wird, können viele andere Produzenten in permanente Vakanz gehen. Disclosure liefern mit "Settle" ein qualitativ hochwertiges, soulig groovendes, warm atmendes Bassmonster ab. Vielleicht hätte man die Pop-Komponente zugunsten eines roheren Sounds reduzieren können, aber das ist dann schon Jammern auf sehr hohem Niveau. © Laut
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Electronic - Erschienen am 1. Januar 2013 | Universal-Island Records Ltd.

Auszeichnungen Pitchfork: Best New Music - Sélection du Mercury Prize
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Alternativ und Indie - Erschienen am 22. Oktober 2012 | Infectious

Auszeichnungen 4F de Télérama - Sélection du Mercury Prize
Eine Welle ist etwas schönes und faszinierendes. Sie rollt heran, türmt sich auf, wird groß und größer, scheint gefährlich, bis sie auf ihrem Höhepunkt schäumend in sich zusammenbricht, mit letzter Energie sanft über den Sand gleitet und sich dorthin zurückzieht, wo sie herkommt: dem großen Unbekannten, dem Inneren. Was für eine schöne und passende Metapher, die sich Alt-J da für ihr Debüt ausgedacht haben. Dabei schreiben sie nicht nur ausgefallene und besondere Stücke mit Nuancen von Pop, Folk, Elektro, sondern bestücken sie mit einer Vielzahl feiner Sandkörnchen von verschiedensten Klängen, Samples und Genres. "Folk-Step", liest man in der Bio, das beschreibt wohl ganz gut die Vorliebe der Band für schwere, stolpernde Beats. So brechen schon im "Intro" murmelnde Massen in eine zuvor von Piano und verschwommenen Gitarren friedlich gemalte Landschaft. Das Album lebt von Kontrasten: Auf das schwermütige "Tessellate", das leise und düster, hypnotisch und fast gefährlich, den Durchbruch der Band markierte, folgt das lockere "Breezeblocks". Zwar kennzeichnen auch voluminöse und treibende Beats den Refrain, doch die fluffigen Gitarren im Intro und das muntere Glockenspiel in den Strophen stehen der Falsettstimme von Sänger Joe Newman bestens. Überhaupt gewinnt vieles durch Newmans Organ, das teilweise an Bombay Bicycle Clubs Jack Steadman erinnert, an Charakter. Vermutlich wäre "Breezeblocks" ohne es nur ein bloßer Popsong. "Interlude 2 (Guitar)" drückt das Ohr praktisch an die Muschel, die die letzten Erinnerungen an den Strandurlaub hütet. Beruhigter Folk, instrumental, das unterdrückte Rauschen des Meeres – der Frieden nach den beiden aufregenden Tracks zuvor. Und die Ruhe hält an - "Something Good" schließt beflügelt mit einem alten Kampf ab, "Matilda" packt mit der vergleichsweisen einfachen Melodie und der melancholischen Atmosphäre, "Ms" erinnert mit seinen Choralen fast an Bon Iver, ohne jedoch in seinem Schwermut zu versinken. Hier und da entwickeln sich in den Songs einige Längen, die etwas hinter den restlichen Charakter-Songs des Albums zurückbleiben. Dazwischen scheint aber das sonnige "Dissolve Me". Via Soundcloud erklärt die Band, damit die Gute-Nacht-Geschichten von Newmans Mutter einzubetten. Es sind Geschichten über schöne Tage am Strand, die man dem Track anhört. Mit surfigen Synthies und Foals-Frickeleien schaffen sie Wärme und Sommerlaune, mitten in dieser Phase der Melancholie. Die ist jedoch schnell vorbei, sobald "Fitzpleasure" anfängt, scheppernd und brummend wieder an die Leidenschaft zu erinnern, die Alt-J in ihren Songs transportieren. Der Überschlag der Welle - tosend, gefährlich, faszinierend. Wer mag, versinkt darin, andere reiten auf dem Höhepunkt des Albums. © Laut
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Hip-Hop/Rap - Erschienen am 20. Juli 2012 | Atlantic Records

Auszeichnungen Sélection du Mercury Prize
"The story is dark like the place where this story starts." Diese Zeile aus "The Runaway" könnte "Ill Manors" gut als Warnhinweis voran gehen. All jene, die Plan B seines letzten Albums wegen leichtfertig für einen Soul-Sänger halten, dürften angesichts dieses finsteren Ausbruchs Mühe haben, ihre Augäpfel im Kopf zu behalten. Wer hingegen sein Debüt "Who Needs Action When You Got Words" feierte, bekommt erneut Grund zur Freude: Plan B flowt wieder, und wie! Auch, wenn sein Gesang untadelig ausfiel: Im Streufeuer des Silbenhagels, der nun wieder präzise über den Trommelfellen niedergeht, mutet jede Zeile, die dieser Mann nicht rappend von sich gibt, wie die blanke Verschwendung an. Auf "Ill Manors" zieht Plan B alle Register, präsentiert sich in den verschiedensten Gemütsverfassungen von gefühlvoll bis grenzenlos angepisst - nur keine Sekunde zahnlos. "Ill Manors" flankiert den gleichnamigen Kinofilm, in dem Plan B erstmals Regie führte. Der Streifen beleuchtet die Existenz verschiedener aus unterschiedlichen Gründen gescheiterter Existenzen im Londoner East-End. Klar, dass die musikalische Untermalung eines Überlebenskampfs auf den Straßen nicht gerade erbaulich ausfällt. Erbaulich nicht, nein. Dafür aber düster, beklemmend und in nahezu körperlich erfahrbarer Weise intensiv. Plan B reißt seine Zuhörerschaft von der ersten Sekunde an vom Hocker, behält sie im Würgegriff und zwingt sie, ihn auf seiner halsbrecherischen, Seelen zerfetzenden "urban safari" zu begleiten. "You bloody rich kids never listen", damit muss Schluss sein. Plan B reitet die energischen Streicher von Peter Fox' "Alles Neu" auf dem Weg in die revoltierenden Vorstädte schier zuschanden, ehe sich unheilvoll "I Am The Narrator" zusammenbraut. Stimmen, Geräuschfetzen, Sirenen und eine halsbrecherische Flucht machen den cineastischen Eindruck komplett und lassen auch ganz ohne Film die Bilder im Kopf loslaufen. Immer wieder durchwabern jamaikanische Schwaden die Szenerie. Dick pumpende Bässe, dubbiges Echo, getoastete Zeilen begleiten die Raps durch den Großstadt-Dschungel. An andere Stelle setzen Plan B und Al Shux, die gemeinsam den Großteil der Produktionen verantworten, aber auch E-Gitarren ein ("Playing With Fire"), wagen doch wieder einen kurzen Abstecher in den Soul ("Deepest Shame") oder setzen einmal mehr auf Streicher und angebluesten Gesang ("Lost My Way"). Ganz entfernt erinnert der stolpernde Sound von "Drug Dealer" an eine Zirkusarena. Plan Bs Zeilen allerdings lassen keinen Raum für Clows-Klamauk, sie schlagen einem mit der Handkante gegen den Kehlkopf. Der Kerl balanciert auf dem über den Abgrund gespannten Drahtseil nicht etwa, er bounct - so wie er in "The Runaway" auf dem schmalen Rand des Vulkankraters steptanzt. Verpackt in pointierte Wortsalven erzählt Plan B die erbärmlich deprimierenden Geschichten einer fehlgeleiteten, halt- und hoffnungslosen Generation, der von vorne herein die Aussicht genommen wird, jemals dem Abwärtsstrudel zu entrinnen. Aus den Teufelskreisen aus Drogensucht, Prostitution, Armut, Rachefantasien und Gewalt gibt es keinen Notausgang. Ein Fluchtversuch endet - siehe "The Runaway" - unweigerlich noch tiefer im Sumpf. Plan B illustriert den Sturz ins Bodenlose abwechslungsreich, wenn auch Schwarz in Schwarz. "If you don't believe in something you'll fall for anything." Wie wahr. Wer danach noch nicht genug hat, für den liegt der Deluxe-Edition des Albums zusätzlich der Original-Film-Score bei. Noch mehr Drama, noch mehr Endzeitstimmung. Noch mehr Faszination. © Laut
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Alternativ und Indie - Erschienen am 6. Juli 2012 | WM UK

Auszeichnungen Sélection du Mercury Prize
Die BBC, der Guardian, der Daily Star und nicht zuletzt des Königreichs TV-Kult-Ikone Jools Holland sind sich einig: am Sound von Lianne La Havas kommt 2012 keiner vorbei. Die Insel hüpft nicht selten im Dreieck, sobald sich auch nur ein halbwegs brauchbares Organ aus den unzähligen Proberäumen Londons quält. Viele dümpeln bereits nach wenigen Monaten wieder im Untergrund herum, wenn Anspruch und Leistung sich plötzlich dazu entscheiden getrennte Wege zu gehen. Lianne La Havas darf man hingegen getrost beruhigen. Denn sollte die Soulpop-Newcomerin den Qualitäts-Standard ihres Debütwerks in Zukunft auch nur ansatzweise halten können, dürfte der jungen Bardin nichts mehr im Wege stehen, um in einigen Jahren mit etablierten Größen wie Lauryn Hill, Erykah Badu oder Amy Winehouse in einem Atemzug genannt zu werden. Es ist nicht nur ihre Stimme, die neben oben Erwähnten auch viel mit der einer Nina Simone gemein hat, sondern vielmehr die Art und Weise wie sie diese in ein musikalisches Gewand aus Soul, Pop, Folk und Rock bettet und dabei etwas komplett Neues und Einzigartiges erschafft. Egal ob mit klassischem Songwriting ("No Room For Doubt"), jazzig rockigen Modernem ("Forget") oder frechem Gezupfe ("Age"): Lianne La Havas erfindet sich und ihr Präsentiertes auf nahezu jedem der insgesamt zwölf Silence-Perlen neu. Dass sich dennoch ein dunkelroter Faden durchs gesamte Album zieht, ist nicht nur erstaunlich, sondern zutiefst beeindruckend. Im Krisengespräch mit Altmeister Willy Mason ("No Room For Doubt") übernimmt sie nicht nur die Führung, sondern stellt die verwöhnte Songwriter-Ikone ungewollt fast schon bloß. Es ist schon erstaunlich mit welcher Hingabe und Intensität La Havas die Liebe ("Is Your Love Big Enough?"), das Leben ("Everything Everything") und vergangene Beziehungsdramen ("Forget") intoniert und dabei stets die Leidenschaft in den Vordergrund rückt. Man mag gar nicht glauben was man hört, wenn Lianne über ihre Anfänge berichtet: "Wenn ich heute zurückblicke, scheint es mir eigenartig, dass ich erst gar nicht anfangen wollte zu singen. Alles war mir viel zu persönlich und ich war viel zu schüchtern, um es mit jemandem zu teilen", so die Sängerin. Der wahrscheinlich größte Dank gebührt Kollegin Paloma Faith, die Lianne einst an die Hand nahm und der introvertierten Londonerin zu einem Engagement als Backgroundsängerin verhalf. "Is Your Love Big Enough?" beweist mit jedem säuselnden Ton der Protagonistin welch Rohdiamant der Musikwelt entgangen wäre, hätte Paloma das ehemals zarte Küken nicht eigenhändig vor die Massen gezerrt. © Laut
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Rock - Erschienen am 9. April 2012 | Parlophone UK

Booklet Auszeichnungen Sélection du Mercury Prize
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Alternativ und Indie - Erschienen am 30. Januar 2012 | Because Music Ltd.

Auszeichnungen Sélection du Mercury Prize
Die Populärmusik ist mal wieder gerettet, und wieder tönt es aus den Gazetten: "All hail Britannia!" Vier ehemalige Kunsthochschüler aus Edinburgh finden im wuseligen Osten Londons den Nährboden für ihren von warmer Elektronik umgarnten Indie-Pop. In den Fußnoten von Django Djangos Debütalbum findet sich dabei eine ausladende Zitatesammlung aus dem Musikkosmos des 20. Jahrhunderts. Bereits im Januar überschlugen sich die einschlägigen britischen Blätter angesichts der Veröffentlichung des Albums der vier schottischen Youngster. Die vorab erschienene Single "Default" verhieß polternden Kollagen-Pop zwischen uraltem R&B-Riff, waberndem Synthesizer und Schellenkranz. Diese Findigkeit im Umgang mit dem Mittel der Kollage ist selbst nur Zitat, denkt man an den vielseitig inspirierten Pop der Talking Heads oder, etwas aktueller, die Soundexperimente im Indie-Gewand von Yeasayer. Zu Beginn des Albums leisten sich Django Django ein vor Selbstvertrauen strotzendes, langsam anschwellendes Intro in Form einer Synthie-Version Ennio Morricones – komplett mit Pfeifen. Die Drum-Rhythmen verdichten sich, der Synthesizer gewinnt an Dramatik, während man, einem Countdown gleich, in "Hail Bop" gesogen wird. Hier hält sich das dramatische Level kurz, nur um im Handumdrehen von der 80er Version eines Italo-Western auf reverbschwangeren Surf-Pop umzuschalten. Wie ein Würfelbecher knallt das Album Versatzstücke auf den Tisch und deckt dann nach und nach neue Verbindungen untereinander auf. Von exotischen Rhythmen bei "Waveforms" und "Zumm Zumm", über akustischen Twee-Pop ("Hand Of Man") à la The Shins, zur hektischen Bonanza-Hymne "WOR" oder der bowieesken Art Pop-Miniaturoper "Skies Over Cairo". Produzent und Drummer David Maclean zeichnet sich dabei als Bandleader aus und scheint auch verantwortlich für die Eingängigkeit der jungen Briten. Django Django verlieren selten den Bezug zum Pop, was an Macleans straighten und doch vielseitigen Percussion liegen mag. David ist der Bruder von Beta Band-Gitarrist John Maclean und scheint auch gerade dort eine reichhaltige Inspirationsquelle gefunden zu haben. Die enorme Rhythmusgebundenheit der Tracks definiert einen Rahmen, der zur Überschaubarkeit genauso wie zum Mitwipp-Faktor des Albums beiträgt. So kommt es neben der beachtlichen handwerklichen Begabung des Quartetts zu einer Umsichtigkeit bei der Verbindung von mannigfaltigen Pop-Zitaten des 20. Jahrhunderts – ohne dabei weder Faden noch Dynamik zu verlieren. Pop rettet sich also scheinbar selbst, er braucht lediglich solch begabte Kollagisten wie es Django Django sind. Dass solche Menschen nur aus dem Mutterland des Pop kommen können, versteht sich (für britische Zeitungen) scheinbar von selbst. © Laut