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Wilco|Schmilco

Schmilco

Wilco

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Eine Diskussion können wir gleich mit den ersten Zeilen vorab aus dem Weg räumen: "Schmilco" ist der beste Albumtitel des Jahres. Finito. Wilco – Schmilco. Toll – schmoll. Wunderbar – schmunderbar. Gepaart mit dem grandiosen Plattencover des spanischen Künstlers Joan Carnellà macht der Titel bereits ein Jahr nach der Veröffentlichung von "Star Wars" Lust auf eine neue Wilco-Scheibe. Dabei war eben jener Krieg der Sterne Wilcos vermeintlich verbissenste und progressivste Platte. Die Schmilco-Vorboten aber kommen mit augenzwinkernden Comic-Vibe daher. "If I Ever Was A Child" tönt extrem entspannt und adaptiert mit seiner charmant springenden Gitarre einen urtypischen amerikanischen Indiesound. Man spürt die Shins, Death Cab For Cutie und die Decemberists und all jene Bands, die uns einst die Seriensoundtracks von Scrubs oder Konsorten näher brachten. Nur in einem kurzen Zwischenspiel rutscht Wilco eine angedeutetes Country-Riff dazwischen, das sich aber problemlos unter den fluffigen Pudding mischt. Beim ersten Hördurchgang baut sich im Kopf auch schon der eigene Coming-Of-Age-Sundance-Film zusammen. Aber Wilco waren doch eigentlich immer mehr? Mahnende Soundrebellen? Reibende Arbeiter. Und ja! Bei genauerem Hinhören tun sich zunächst unbemerkt die erste Abgründe auf und das das bittersüße Herz beginnt zu hüpfen: "And I cry like a window pane / Can my cold heart change / Over night? / So I won't ever want to touch / Your heart too much / Or hold you too tight". Trotz des angenehm strahlenden, größtenteils akustisch gehaltenen Chitinpanzers spürt man als Zuhörer, wie sich die Oberfläche von Zeit zu Zeit spannt und sich das Album einer inhaltlichen Zerreißprobe stellt. Auch wenn Tweedy und seine Cowboys im Vergleich zu "Star Wars" relativ besänftigt scheinen, brodelt es unter der Oberfläche doch gewaltig: "Ich denke das Album ist 'joylously negative'", gab der Frontmann vorab zu Protokoll. "Es ist auf viele Arten und Weise traurig, aber es verweist zu keinem Zeitpunkt auf den Untergang oder auf Hoffnungslosigkeit. Ich hatte einfach nur Spaß daran, richtig sauer auf Dinge zu sein, die mich abnerven." "Locator" klingt merkwürdig asynchron, Stimme und Arrangements fahren auf dezent unterschiedlichen Spuren. Diese kaum wahrzunehmende Abweichung aber reißt ein faszinierendes Loch in die eigentlich unspektakuläre Struktur. Wie David Lynch in "Twin Peaks" oder "Blue Velvet" erscheint die vermeintliche Idylle als explizit gefährlicher Ort. Unten drunter wartet der Abgrund, angedeutet die durch vibrierende Gitarre, die größtenteils im fast unsichtbaren Hintergrund herum schmirgelt und nur von Zeit zu Zeit nach vorne tritt. Dort aber droht ein hörbar angespannter Jeff Tweedy, der als Platzhirsch eine Menge Staub aufwirbelt. Dieser Song könnte gleichermaßen als Soundtrack eines Neon-Western fungieren oder von einer verschollenen Arcade Fire-B-Seite grüßen. "Happiness", eine Widmung an die verstorbene Mutter, transportiert eine ganz ähnliche Stimmung, wirkt aber eingängiger und eindeutiger. Ein zartes Glockenspiel sorgt für massiven Druckabbau und entspannt Hörer und Band gleichermaßen. Außenseiterpop at its best! Hier fällt auf, dass die die meisten "Schmilco"-Songs komplett linear und ohne Abzweigungen ablaufen und sich Wilco konzentriert von gängigen Songverläufen abwenden. Nur selten gibt es wirkliche Strophe oder Refrains, die meisten Songs zucken über eine Spiellänge von circa drei Minuten vor sich hin wie ein Gewitter und laufen entsprechend aus. Immer wieder kommt es zum Dialog zwischen Tweedy und den jaulenden und quietschenden Gitarren (höre: "Someone To Lose") oder, die sich aneinander reiben, bis die Funken schlagen. Verquere Töne schlägt die Band auf "Quaters" und "Shrug And Destroy" an. Die beiden strangen LoFi-Balladen gehören zu den Attraktionen der Platte, weil sie so absurd anders, sympathisch und undurchsichtig sind wie die Band selbst. Unterm Strich markiert "Schmilco" keinen komplett neuen Meilenstein in Wilcos Geschichte – vielleicht ist dafür zu wenig Zeit vergangen, vielleicht hätte man dafür die ein oder andere doch sehr roh wirkende Komposition noch ein bisschen anfüllen und abschmirgeln müssen. Wahrscheinlich aber war das zu keinem Zeitpunkt das Ziel von "Schmilco". Die Platte soll sich vor allem in eine vielschichtige Reihe von komplexen und abwechslungsreichen Releases der Band einreihen. Und das gelingt! Das Album trägt zahlreiche Wilco-Charaktereigenschaften offen zur Schau, liegt aber immer wieder ein wenig neben dem erwarteten Takt. Auch dafür scheint der Plattentitel eine passende Metapher. Diese Unfassbarkeit, dieses Wegducken im Angesicht der zupackenden Konventionen zeichnet Wilco auch 2016 als einzigartiges Bandprojekt aus und reiht das Sextett in einem Regal mit Künstlern wie Bob Dylan oder den Eels auf, die den stetigen Wandel zum Programm erheben. Abseits dieser Verordnungen aber offenbart sich "Schmilco als eine ideale Herbstplatte, der sich die Wärme des Sommers noch eingebrannt hat, die die Übergangsjacke aber bereits griffbereit hält.
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1
Normal American Kids
00:02:47

Jeff Tweedy, Composer - Wilco, MainArtist

© 2016 dBpm Records ℗ 2016 dBpm Records

2
If I Ever Was a Child
00:02:55

Jeff Tweedy, Composer - Wilco, MainArtist

© 2016 dBpm Records ℗ 2016 dBpm Records

3
Cry All Day
00:04:16

Jeff Tweedy, Composer - Wilco, MainArtist

© 2016 dBpm Records ℗ 2016 dBpm Records

4
Common Sense
00:03:24

Jeff Tweedy, Composer - Wilco, MainArtist

© 2016 dBpm Records ℗ 2016 dBpm Records

5
Nope
00:03:02

Jeff Tweedy, Composer - Wilco, MainArtist

© 2016 dBpm Records ℗ 2016 dBpm Records

6
Someone to Lose
00:03:20

Jeff Tweedy, Composer - Wilco, MainArtist

© 2016 dBpm Records ℗ 2016 dBpm Records

7
Happiness
00:03:00

Jeff Tweedy, Composer - Wilco, MainArtist

© 2016 dBpm Records ℗ 2016 dBpm Records

8
Quarters
00:02:50

Jeff Tweedy, Composer - Wilco, MainArtist

© 2016 dBpm Records ℗ 2016 dBpm Records

9
Locator
00:02:18

Jeff Tweedy, Composer - Wilco, MainArtist

© 2016 dBpm Records ℗ 2016 dBpm Records

10
Shrug and Destroy
00:02:52

Jeff Tweedy, Composer - Wilco, MainArtist

© 2016 dBpm Records ℗ 2016 dBpm Records

11
We Aren't the World (Safety Girl)
00:02:53

Jeff Tweedy, Composer - Wilco, MainArtist

© 2016 dBpm Records ℗ 2016 dBpm Records

12
Just Say Goodbye
00:02:45

Jeff Tweedy, Composer - Wilco, MainArtist

© 2016 dBpm Records ℗ 2016 dBpm Records

Albumbeschreibung

Eine Diskussion können wir gleich mit den ersten Zeilen vorab aus dem Weg räumen: "Schmilco" ist der beste Albumtitel des Jahres. Finito. Wilco – Schmilco. Toll – schmoll. Wunderbar – schmunderbar. Gepaart mit dem grandiosen Plattencover des spanischen Künstlers Joan Carnellà macht der Titel bereits ein Jahr nach der Veröffentlichung von "Star Wars" Lust auf eine neue Wilco-Scheibe. Dabei war eben jener Krieg der Sterne Wilcos vermeintlich verbissenste und progressivste Platte. Die Schmilco-Vorboten aber kommen mit augenzwinkernden Comic-Vibe daher. "If I Ever Was A Child" tönt extrem entspannt und adaptiert mit seiner charmant springenden Gitarre einen urtypischen amerikanischen Indiesound. Man spürt die Shins, Death Cab For Cutie und die Decemberists und all jene Bands, die uns einst die Seriensoundtracks von Scrubs oder Konsorten näher brachten. Nur in einem kurzen Zwischenspiel rutscht Wilco eine angedeutetes Country-Riff dazwischen, das sich aber problemlos unter den fluffigen Pudding mischt. Beim ersten Hördurchgang baut sich im Kopf auch schon der eigene Coming-Of-Age-Sundance-Film zusammen. Aber Wilco waren doch eigentlich immer mehr? Mahnende Soundrebellen? Reibende Arbeiter. Und ja! Bei genauerem Hinhören tun sich zunächst unbemerkt die erste Abgründe auf und das das bittersüße Herz beginnt zu hüpfen: "And I cry like a window pane / Can my cold heart change / Over night? / So I won't ever want to touch / Your heart too much / Or hold you too tight". Trotz des angenehm strahlenden, größtenteils akustisch gehaltenen Chitinpanzers spürt man als Zuhörer, wie sich die Oberfläche von Zeit zu Zeit spannt und sich das Album einer inhaltlichen Zerreißprobe stellt. Auch wenn Tweedy und seine Cowboys im Vergleich zu "Star Wars" relativ besänftigt scheinen, brodelt es unter der Oberfläche doch gewaltig: "Ich denke das Album ist 'joylously negative'", gab der Frontmann vorab zu Protokoll. "Es ist auf viele Arten und Weise traurig, aber es verweist zu keinem Zeitpunkt auf den Untergang oder auf Hoffnungslosigkeit. Ich hatte einfach nur Spaß daran, richtig sauer auf Dinge zu sein, die mich abnerven." "Locator" klingt merkwürdig asynchron, Stimme und Arrangements fahren auf dezent unterschiedlichen Spuren. Diese kaum wahrzunehmende Abweichung aber reißt ein faszinierendes Loch in die eigentlich unspektakuläre Struktur. Wie David Lynch in "Twin Peaks" oder "Blue Velvet" erscheint die vermeintliche Idylle als explizit gefährlicher Ort. Unten drunter wartet der Abgrund, angedeutet die durch vibrierende Gitarre, die größtenteils im fast unsichtbaren Hintergrund herum schmirgelt und nur von Zeit zu Zeit nach vorne tritt. Dort aber droht ein hörbar angespannter Jeff Tweedy, der als Platzhirsch eine Menge Staub aufwirbelt. Dieser Song könnte gleichermaßen als Soundtrack eines Neon-Western fungieren oder von einer verschollenen Arcade Fire-B-Seite grüßen. "Happiness", eine Widmung an die verstorbene Mutter, transportiert eine ganz ähnliche Stimmung, wirkt aber eingängiger und eindeutiger. Ein zartes Glockenspiel sorgt für massiven Druckabbau und entspannt Hörer und Band gleichermaßen. Außenseiterpop at its best! Hier fällt auf, dass die die meisten "Schmilco"-Songs komplett linear und ohne Abzweigungen ablaufen und sich Wilco konzentriert von gängigen Songverläufen abwenden. Nur selten gibt es wirkliche Strophe oder Refrains, die meisten Songs zucken über eine Spiellänge von circa drei Minuten vor sich hin wie ein Gewitter und laufen entsprechend aus. Immer wieder kommt es zum Dialog zwischen Tweedy und den jaulenden und quietschenden Gitarren (höre: "Someone To Lose") oder, die sich aneinander reiben, bis die Funken schlagen. Verquere Töne schlägt die Band auf "Quaters" und "Shrug And Destroy" an. Die beiden strangen LoFi-Balladen gehören zu den Attraktionen der Platte, weil sie so absurd anders, sympathisch und undurchsichtig sind wie die Band selbst. Unterm Strich markiert "Schmilco" keinen komplett neuen Meilenstein in Wilcos Geschichte – vielleicht ist dafür zu wenig Zeit vergangen, vielleicht hätte man dafür die ein oder andere doch sehr roh wirkende Komposition noch ein bisschen anfüllen und abschmirgeln müssen. Wahrscheinlich aber war das zu keinem Zeitpunkt das Ziel von "Schmilco". Die Platte soll sich vor allem in eine vielschichtige Reihe von komplexen und abwechslungsreichen Releases der Band einreihen. Und das gelingt! Das Album trägt zahlreiche Wilco-Charaktereigenschaften offen zur Schau, liegt aber immer wieder ein wenig neben dem erwarteten Takt. Auch dafür scheint der Plattentitel eine passende Metapher. Diese Unfassbarkeit, dieses Wegducken im Angesicht der zupackenden Konventionen zeichnet Wilco auch 2016 als einzigartiges Bandprojekt aus und reiht das Sextett in einem Regal mit Künstlern wie Bob Dylan oder den Eels auf, die den stetigen Wandel zum Programm erheben. Abseits dieser Verordnungen aber offenbart sich "Schmilco als eine ideale Herbstplatte, der sich die Wärme des Sommers noch eingebrannt hat, die die Übergangsjacke aber bereits griffbereit hält.
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