Mit diesem achten Album setzt Fin Greenall seine Erkundung eines vibrierenden Folks fort, der von den Landschaften Cornwalls getragen wird.

Fin Greenall gehört zu den Künstlern, deren Karriere der langen und kurvenreichen Form eines Aals gleicht. Als DJ um die Jahrtausendwende wandte sich der Brite 2006 mit Guy Whittaker am Bass und Tim Thornton an Schlagzeug und Gitarre dem Folk zu. Die drei Freunde komponierten unter dem Namen Fink Dutzende von Liedern, die unter anderem in der Filmindustrie für den Soundtrack zu Serien Begeisterung fanden. Zur gleichen Zeit zog Fink nach Berlin und wurde zu einem der beliebtesten Produzenten, um den sich alle tummelten, von Amy Winehouse bis John Legend. Mit Beauty in Your Wake kehrt Fink nun mit seinen Wegbegleitern in seine Heimat Cornwall im Südwesten Englands zurück. Das Trio zog sich für dreißig Tage in den Weiler Zennor zurück, wo bereits in den 1920er Jahren der britische Schriftsteller D.H. Lawrence sein Meisterwerk Women in Love (dt. Liebende Frauen) schrieb. Wahrscheinlich kein Zufall, wenn man beachtet, wie sorgfältig Fin Greenall seine Texte verarbeitet. Denn auch Beauty in Your Wake steht mit seinen Klageliedern und Sonetten in einer gewissen literarischen Tradition.

Das Album, das in einer ehemaligen Kapelle aufgenommen wurde,die heute als Studio des Produzenten Sam Okell dient, beeindruckt vor allem durch die Energie und den Lebensdrang, die es ausstrahlt. Egal, ob es sich um eine wiederholende melodische Zelle handelt, die wie ein leuchtendes Perpetuum mobile funktioniert (It’s Like You Ain’t Mine No More, Be Forever Like a Curse), oder ein fiebriges Crescendo, das den Hörer wohlwollend umhüllt (What Would You Call Yourself). In diesem letzten Lied geht Fink einfühlsam auf das Thema der Identität ein, wenn sie nicht mehr von der Gesellschaft geprägt ist: “If you were alone in this world / What would be your name?” Weitere Highlights sind die großen Harmonien in The Only Thing That Matters und die bewegende Melodie von One Last Gift, die von der Stimme des 50-jährigen Sängers getragen wird.

Ob das Gewand nun schlicht (die akustische Gitarre und der E-Bow von Don’t Forget to Leave Well) oder reichhaltiger (die fast progressive Farbe von Follow You Down) ausfällt, dieses Album bestätigt, dass Fink nicht nur ein hervorragender Songwriter, sondern auch ein inspirierter Koproduzent ist. Beauty In Your Wake schließt seltsamerweise mit einem gemischten Ergebnis. So We Find Ourselves ist ein zerbrechliches Stück, das durch eine genial verrückte Idee seltsam wirkt: “Als wir es aufnahmen, setzte ich mich vor ein offenes Klavier und begann, aus vollem Herzen in das Klavier selbst zu singen, um diesen schönen Nachhall des Klavierkörpers zu erhalten”, erzählt der Sänger. Das abschließende Stück When I Turn This Corner ist von einer Melancholie geprägt, die daran erinnert, dass die erhabenen Landschaften Cornwalls auch von Qualen geschwärzt werden können. Nach diesem brillanten und vibrierenden Zwischenstopp in seiner Heimat fragt man sich, in welche Richtung der Aal Fink seine Reise fortsetzen wird.

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