Ihr Warenkorb ist leer!

Genre :

Ähnliche Künstler

Die Alben

Ab
HI-RES17,49 €
CD13,99 €

Alternativ und Indie - Erschienen am 10. Mai 2016 | XL Recordings

Hi-Res Auszeichnungen 4F de Télérama - Pitchfork: Best New Music
Das weiße Nichts. Am 01.05.2016 ging "A Moon Shaped Pool" ein Mord aller Onlinespuren voraus. Alles niederbrennen, alles löschen, alles auf Anfang, bis nicht einmal die Asche übrig blieb. Von hier aus standen alle Möglichkeiten offen. Für einen ausbleibenden Herzschlag konnten Radiohead überall hin, konnte alles geschehen. Nur die eigene Vorstellungskraft konnte ihnen jetzt noch Einhalt gebieten. Nach sieben Tagen des Rätselratens erstehen Radiohead als Radiohead aus diesem "Dead Air Space". Sie ersetzen sich lediglich durch sich selbst. Dabei nutzen sie wie so oft geschickt den Rummel, das Bohei. Bereits das Ausbleiben einer Nachricht gilt als diese. In Zeiten, in denen einzig Klicks zählen und diese mehr durch Schnelligkeit als durch Inhalt erreicht werden, bleibt kein Moment zum Abwarten und zum wirklichen Auseinandersetzen mit einem neuen Album. In der ersten hektischen Reaktion fehlt der Abstand um die erste Euphorie oder den Widerwillen zu überwinden. Später stellt sich heraus, dass "The King Of Limbs" gar nicht das Überalbum war, für das man es im ersten Moment hielt. Dass zwei der besten Stücke erst auf der EP "The Daily Mail" folgten. Ein Text zu einer neuen Radiohead-Platte kann kurz nach der Veröffentlichung daher gar keine Kritik, sondern vielmehr nur eine Annäherung darstellen. An welcher Stelle man "A Moon Shaped Pool" später qualitativ in die Diskografie einordnet, kann erst die Zeit zeigen. In ihrer Bruchstückmusik, deren Teile sich erst langsam zusammen fügen, bleiben Radiohead auf ewig wankend und suchend. Anstatt aber ein weiteres Mal fast zwanghaft der Neujustierung zu verfallen, wagen sie den kurzen Schulterblick, um danach den Rückwärtsgang einzulegen. Die Inspiration finden sie in ihrem eigenen Schaffen, greifen gar auf "True Love Waits" zurück. Ein Song, der bereits seit über zwei Jahrzehnten zum Liverepertoire der Band gehört, der es auf "I Might Be Wrong (Live Recordings)" schaffte, aber von dem es bisher keine Studioversion gab. Mit "A Moon Shaped Pool" schaffen die Engländer ein Bindeglied zwischen "OK Computer" und "Kid A". Weitestgehend unpolitisch leckt sich der zusammengekauerte Thom Yorke seine Wunden, die die Trennung von Rachel Owens, mit der er 23 Jahre zusammen war, verursacht haben. In seiner intimen Darbietung, die weitaus weniger theatralisch ausfällt als auf manchen vergangenen Longplayern, lässt er den Hörer so nah wie selten an seine geschundene Seele. Auf der Suche nach Liebe und Akzeptanz klagt und trauert er ruhig und ohne zu schreien. Er bricht die Melancholie auf und führt Radiohead zu ihrem bisher traurigsten Album. Bisweilen zieht er sich dafür vollständig in den, das Album bestimmenden, sakralen Folk zurück, den immer wieder Elektronik durchbricht und so am Leben hält. Zwischen diesen beiden Stilmitteln und zahlreichen Experimenten, die nach "The King Of Limbs" jedoch ungewohnt fokussiert bleiben, beschwichtigt das schwelgerische London Contemporary Orchestra, das kraftvoll Jonny Greenwoods Streicher-Arrangements umsetzt. All dies setzt Stammproduzent Nigel Godrich perfekt in Szene. "Burn The Witch" führt in seinen ersten Sekunden an der Nase herum, legt eine falsche Fährte zu Coldplays "Viva La Vida", nur um diese darauf eindrücklich zu zerschreddern. Wie Norman Bates in "Psycho" stechen die perkussiven Streicher auf den Song ein, bevor sie im weiteren Verlauf in sämtliche Richtungen ausbrechen. Die politische Aussage des Stücks hingegen bleibt vage und ungenau, findet keinen direkten Widersacher. "Abandon all reason / Avoid all eye contact / Do not react / Shoot the messengers / Burn the witch". In den zwei besten Tracks entwickelt "A Moon Shaped Pool" einen immensen Sog, lässt die Umwelt vergessen und zieht komplett in seine eigene Fremde. Während Yorke immer wieder die Worte "you really messed up this time" wiederholt, wummert "Ful Stop" langsam aber zielstrebig voran. Als entrücktes Klackern und Rauschen beginnend, baut sich das Stück immer mehr in seiner ganzen bedrohlichen Größe auf. Ein rhythmisch zuckendes Monster mit entfremdeter Fratze. Mit dem getragenen "The Numbers" gehen Radiohead den gegenteiligen Weg. Aus Chaos entspringt eine, den Weg bahnende akustische Gitarre. In opulenten Schauern regnen Klaviernoten herab, bis das Orchester mit voller Wucht einsetzt. "The future is inside us / It's not somewhere else." Leider bleibt die Intensität dieser beiden Lieder nicht über die komplette Spielzeit des Longplayers bestehen. An glitzernden Verzierungen und einer traurigen Pianofigur entlang durchlebt der Ambient-Track "Daydreaming" mehrere Metamorphosen. Yorke schreitet durch diese wie Dave Bowman am Ende von Kubricks "2001: Odyssee im Weltraum". Raum für Raum, bis mächtige Streicher den Höhepunkt setzen. Die sentimentale Ballade "Glass Eyes", die nur Klavier, Orchester und Yorkes Stimme tragen, hätte man Radiohead in ihrer Schlichtheit kaum noch zugetraut. Sie stellen sich ganz der Emotion, ohne diese hinter abweisenden Winkelzügen verstecken zu müssen. Im Gegensatz zur Liveversion von "True Love Waits" steht hier nicht die Gitarre, sondern das auf "A Moon Shaped Pool" immer wieder in den Vordergrund drängende Klavier im Mittelpunkt. Nur dieses und Yorkes Stimme bleiben in dieser zerkratzen und isabellfarbenen Fassung voller Disharmonie und Trauer übrig. Ein gelungenes und gleichsam seltsam vertrautes Ende, das geduldig über die Jahrzehnte auf seinen Einsatz wartete. "Just don't leave." Radiohead können ihre Internetauftritte so oft löschen wie sie wollen, für sie gibt es kein Entkommen. Kein Land, in dem nicht Hass und Liebe bereits auf sie warten. Keinen leeren Raum, den sie neu füllen können. Welchen Weg sie auch gehen, sie werden immer auf bereits gefestigte Erwartungen, Heldenverehrung und Ablehnung treffen. Fast konsequent, dass sie mit "A Moon Shaped Pool" auf die große Neuerfindung und Überraschung verzichten. Viel mehr könnte dies der Beginn ihres verwaltenden Alterswerks auf hohem Niveau sein. "No alarms and no surprises / Silent." © Laut
Ab
CD13,99 €

Alternativ und Indie - Erschienen am 10. Mai 2016 | XL Recordings

Auszeichnungen 4F de Télérama - Pitchfork: Best New Music
Das weiße Nichts. Am 01.05.2016 ging "A Moon Shaped Pool" ein Mord aller Onlinespuren voraus. Alles niederbrennen, alles löschen, alles auf Anfang, bis nicht einmal die Asche übrig blieb. Von hier aus standen alle Möglichkeiten offen. Für einen ausbleibenden Herzschlag konnten Radiohead überall hin, konnte alles geschehen. Nur die eigene Vorstellungskraft konnte ihnen jetzt noch Einhalt gebieten. Nach sieben Tagen des Rätselratens erstehen Radiohead als Radiohead aus diesem "Dead Air Space". Sie ersetzen sich lediglich durch sich selbst. Dabei nutzen sie wie so oft geschickt den Rummel, das Bohei. Bereits das Ausbleiben einer Nachricht gilt als diese. In Zeiten, in denen einzig Klicks zählen und diese mehr durch Schnelligkeit als durch Inhalt erreicht werden, bleibt kein Moment zum Abwarten und zum wirklichen Auseinandersetzen mit einem neuen Album. In der ersten hektischen Reaktion fehlt der Abstand um die erste Euphorie oder den Widerwillen zu überwinden. Später stellt sich heraus, dass "The King Of Limbs" gar nicht das Überalbum war, für das man es im ersten Moment hielt. Dass zwei der besten Stücke erst auf der EP "The Daily Mail" folgten. Ein Text zu einer neuen Radiohead-Platte kann kurz nach der Veröffentlichung daher gar keine Kritik, sondern vielmehr nur eine Annäherung darstellen. An welcher Stelle man "A Moon Shaped Pool" später qualitativ in die Diskografie einordnet, kann erst die Zeit zeigen. In ihrer Bruchstückmusik, deren Teile sich erst langsam zusammen fügen, bleiben Radiohead auf ewig wankend und suchend. Anstatt aber ein weiteres Mal fast zwanghaft der Neujustierung zu verfallen, wagen sie den kurzen Schulterblick, um danach den Rückwärtsgang einzulegen. Die Inspiration finden sie in ihrem eigenen Schaffen, greifen gar auf "True Love Waits" zurück. Ein Song, der bereits seit über zwei Jahrzehnten zum Liverepertoire der Band gehört, der es auf "I Might Be Wrong (Live Recordings)" schaffte, aber von dem es bisher keine Studioversion gab. Mit "A Moon Shaped Pool" schaffen die Engländer ein Bindeglied zwischen "OK Computer" und "Kid A". Weitestgehend unpolitisch leckt sich der zusammengekauerte Thom Yorke seine Wunden, die die Trennung von Rachel Owens, mit der er 23 Jahre zusammen war, verursacht haben. In seiner intimen Darbietung, die weitaus weniger theatralisch ausfällt als auf manchen vergangenen Longplayern, lässt er den Hörer so nah wie selten an seine geschundene Seele. Auf der Suche nach Liebe und Akzeptanz klagt und trauert er ruhig und ohne zu schreien. Er bricht die Melancholie auf und führt Radiohead zu ihrem bisher traurigsten Album. Bisweilen zieht er sich dafür vollständig in den, das Album bestimmenden, sakralen Folk zurück, den immer wieder Elektronik durchbricht und so am Leben hält. Zwischen diesen beiden Stilmitteln und zahlreichen Experimenten, die nach "The King Of Limbs" jedoch ungewohnt fokussiert bleiben, beschwichtigt das schwelgerische London Contemporary Orchestra, das kraftvoll Jonny Greenwoods Streicher-Arrangements umsetzt. All dies setzt Stammproduzent Nigel Godrich perfekt in Szene. "Burn The Witch" führt in seinen ersten Sekunden an der Nase herum, legt eine falsche Fährte zu Coldplays "Viva La Vida", nur um diese darauf eindrücklich zu zerschreddern. Wie Norman Bates in "Psycho" stechen die perkussiven Streicher auf den Song ein, bevor sie im weiteren Verlauf in sämtliche Richtungen ausbrechen. Die politische Aussage des Stücks hingegen bleibt vage und ungenau, findet keinen direkten Widersacher. "Abandon all reason / Avoid all eye contact / Do not react / Shoot the messengers / Burn the witch". In den zwei besten Tracks entwickelt "A Moon Shaped Pool" einen immensen Sog, lässt die Umwelt vergessen und zieht komplett in seine eigene Fremde. Während Yorke immer wieder die Worte "you really messed up this time" wiederholt, wummert "Ful Stop" langsam aber zielstrebig voran. Als entrücktes Klackern und Rauschen beginnend, baut sich das Stück immer mehr in seiner ganzen bedrohlichen Größe auf. Ein rhythmisch zuckendes Monster mit entfremdeter Fratze. Mit dem getragenen "The Numbers" gehen Radiohead den gegenteiligen Weg. Aus Chaos entspringt eine, den Weg bahnende akustische Gitarre. In opulenten Schauern regnen Klaviernoten herab, bis das Orchester mit voller Wucht einsetzt. "The future is inside us / It's not somewhere else." Leider bleibt die Intensität dieser beiden Lieder nicht über die komplette Spielzeit des Longplayers bestehen. An glitzernden Verzierungen und einer traurigen Pianofigur entlang durchlebt der Ambient-Track "Daydreaming" mehrere Metamorphosen. Yorke schreitet durch diese wie Dave Bowman am Ende von Kubricks "2001: Odyssee im Weltraum". Raum für Raum, bis mächtige Streicher den Höhepunkt setzen. Die sentimentale Ballade "Glass Eyes", die nur Klavier, Orchester und Yorkes Stimme tragen, hätte man Radiohead in ihrer Schlichtheit kaum noch zugetraut. Sie stellen sich ganz der Emotion, ohne diese hinter abweisenden Winkelzügen verstecken zu müssen. Im Gegensatz zur Liveversion von "True Love Waits" steht hier nicht die Gitarre, sondern das auf "A Moon Shaped Pool" immer wieder in den Vordergrund drängende Klavier im Mittelpunkt. Nur dieses und Yorkes Stimme bleiben in dieser zerkratzen und isabellfarbenen Fassung voller Disharmonie und Trauer übrig. Ein gelungenes und gleichsam seltsam vertrautes Ende, das geduldig über die Jahrzehnte auf seinen Einsatz wartete. "Just don't leave." Radiohead können ihre Internetauftritte so oft löschen wie sie wollen, für sie gibt es kein Entkommen. Kein Land, in dem nicht Hass und Liebe bereits auf sie warten. Keinen leeren Raum, den sie neu füllen können. Welchen Weg sie auch gehen, sie werden immer auf bereits gefestigte Erwartungen, Heldenverehrung und Ablehnung treffen. Fast konsequent, dass sie mit "A Moon Shaped Pool" auf die große Neuerfindung und Überraschung verzichten. Viel mehr könnte dies der Beginn ihres verwaltenden Alterswerks auf hohem Niveau sein. "No alarms and no surprises / Silent." © Laut
Ab
HI-RES20,59 €
CD16,59 €

Alternativ und Indie - Erschienen am 23. Juni 2017 | XL Recordings

Hi-Res Auszeichnungen Pitchfork: Best New Reissue
Zwanzig Jahre nach seiner Veröffentlichung im Sommer 1997 erscheint OK Computer nun im neuen Glanz. Eine Neuauflage mit zwei Platten: Eine erste mit dem remasterten Originalalbum und eine zweite mit elf Tracks mit B-Seiten und unveröffentlichten Songs. Das ist eine von diesen Editionen, die die Fans aus dem Häuschen bringen wird…Nach dem sehr typisch nach Radiohead klingenden The Bends (1995), wagt Radiohead sich hier an einen sehr viel experimentelleren Rock. Eine Art überarbeiteter Progressive Rock, leicht pervertiert mit elektronischen Happen. OK Computer ist kein einfaches Projekt, indem die Musiker aus reiner Experimentierfreude etwas rumgebastelt haben. Hinter sphärischen Montagen, hinter Klangmustern, die Einflüsse von Pink Floyd, R.E.M. und sogar des deutschen Krautrocks heraushören lassen, vergisst die Gruppe aus Oxford dabei niemals ihren ganz eigenen, unverkennbaren Stil. Zwischen der manchmal gequälten, oftmals lyrischen (Exit Music (For A Film)), immerzu einzigartigen Stimme von Thom Yorke (Karma Police) und den avantgardistischen Gitarren von Jonny Greenwood (Subterranean Homesick Alien), lässt dieses dritte Album keine Verschnaufpause zu. Voll von Ideenreichtum, gewagten Harmonien, futuristischen Produktionen und erfinderischen Instrumentierungen, hat OK Computer seine Zeit geprägt und ist auch weiterhin ein großer Einfluss für Horden an Musikern und Bands…Die zweite Platte, OK Computer OKNOTOK 1997 2017 vereint acht B-Seiten (Lull, Meeting In The Aisle, Melatonin, A Reminder, Polyethylene (Parts 1 & 2), Pearly, Palo Alto und How I Made My Millions) und drei unveröffentlichte Tracks (I Promise, Man Of War und Lift). Das im März 1998 in den Londoner Abbey Road Studios aufgenommene Man Of War sollte ursprünglich auf dem Soundtrack der Verfilmung der Serie Mit Schirm, Charme und Melone mit Uma Thurman und Ralph Fiennes zu finden sein, aber die Band, mit dem Ergebnis nicht wirklich zufrieden, hat den Song beiseite genommen. Man kann dennoch Bruchtücke des Liedes in der Doku Meeting People Is Easy hören. Radiohead hat im Jahre 1996 angefangen, Konzerte zu geben und hat I Promise und Lift damals als Vorband von Alanis Morissette auf ihrer Amerikatour gespielt. Verwunderlich übrigens, dass Lift mit seiner Melodie, die schnell im Kopf hängen bleibt, es nicht auf die Trackliste von OK Computer geschafft hat…© MD/Qobuz
Ab
CD13,99 €

Alternativ und Indie - Erschienen am 28. Mai 1997 | XL Recordings

Auszeichnungen Qobuz' Schallplattensammlung
Wir schreiben das Jahr 1997. Das Internetzeitalter hat gerade erst begonnen. Britpop-Bands wie Oasis und Blur vermarktet man zu Beginn der Ära Tony Blairs unter dem Slogan "Cool Britannia". Von Radiohead, gegründet in Oxford, erwarten viele ein zweites "The Bends" (1995). Sänger Thom Yorke taucht dagegen in die Sozialtheorien Noam Chomskys ein. Als Folge markiert "OK Computer" eine Abkehr vom klassischen Rock-Schema. Vom Kapitalismus zeichnet der Fünfer ein kryptisches Bild. Dass man mit "Paranoid Android" eine aus mehreren Fragmenten bestehende, sechsminütige Nummer als erste Single ausgekoppelt hat, spricht für das damalige Vertrauen der Band und ihrer Plattenfirma Parlophone in dieses Album. Der Text zeigt im Gegensatz zum optimistischen Opener "Airbag" ein verstörendes Bild menschlicher Entfremdung. In seiner musikalischen Opulenz sollte dieses Stück Muse etwa als Blaupause dienen. Was gerade Gitarrist Jonny Greenwood in diesem Song an kraftvollen Sounds herauskitzelt, verschlägt einem die Sprache. Vor allem Greenwood hat man ein Großteil der Ideen auf "OK Computer" zu verdanken. Für das beängstigende Streicherarrangement von "Climbing Up The Walls" lässt er sich von der sonoristischen klassischen Musik eines Krzysztof Penderecki inspirieren. Der Track steigert sich kontinuierlich zu einer erschütternden Ode an das Scheitern, die sicherlich in ihrer Unerhörtheit so einige Pop-Hörer die Wände hat hochkriechen lassen. Der Produktionsprozess gestaltete sich mitunter sehr schwierig. Anfang 1996 legten Radiohead eine Pause ein, um neue Ideen zu sammeln. Parlophone spendierte der Band 100.000 britische Pfund, um sich neues Equipment zuzulegen. Als Produzent entschied man sich für Nigel Godrich. Mit dem Soundspezialisten entstand zuvor am 4. September 1995 die Nummer "Lucky", die dramaturgisch schlüssig die vorletzte Stelle auf dieser Scheibe einnimmt, pendelnd zwischen Glück und Leid. Danach verlor man das Songwriting aus den Augen und verzettelte sich in Details. Deswegen fasste der Fünfer den Entschluss, ihre Stücke live aufzunehmen. Vier Songs aus dieser Selbstfindungsphase schafften es in die späteren Aufnahmen für dieses Album hinüber. Darunter fällt der überirdische Closer "The Tourist". Der dramatische Refrain kündet von der Entschleunigung des eigenen Lebenstempos, um in dieser unübersichtlichen Welt nicht den Verstand zu verlieren. Dass man den Verhältnissen hilflos gegenübersteht, davon singt "No Surprises", ebenfalls in diesen Sessions konzipiert, ein bittersüßes Lied. Bevor es mit der Arbeit an dieser Platte weiterging, begab sich die Band auf US-Tournee. Dort schrieb man "Exit Music (For A Film)" für die tragische Schlussszene von Romeo & Julia. Das zerbrechliche Falsett Thom Yorkes unterstreicht eindrücklich die Verzweiflung Julias über den Verlust ihres Geliebten. Die gespenstischen Soundteppiche Jonny Greenwoods am Keyboard lassen den Hörer ihre Ohnmacht gegenüber der erdrückenden Realität am eigenen Leibe erfahren. Das Stück gibt folglich die Marschroute für die Klangästhetik dieser Platte vor. Nach der Tour nahm man im St. Catherines Court in Bath, einem düsteren Gewölbe aus der Antike, Gesangsspuren in einem Take auf. In den Canned-Applause-Studios in Didcot spielte man die Tracks unter Livebedingungen ein. Im November 1996 war "OK Computer" im Kasten. Mit "Let Down" und "Karma Police", der fünften und sechsten Nummer auf diesem Album, warfen Radiohead weitere fantastische Singles ab. Ersterer Song schwingt sich zu einer hoffnungsvollen Hymne wider der Desorientierung des Individuums innerhalb der Gesellschaft auf. Dagegen bezieht der vergleichsweise unkonventionelle Folgetrack wütend Stellung hinsichtlich der Kontrollmechanismen in Politik und Wirtschaft. Der lyrischen Paranoia bereitet eine lärmende Feedbackorgie in Anlehnung an Slowdives "Souvlaki Space Station" eindringlich ein jähes Ende. Das schwelgerische "Subterranean Homesick Alien" und das an die Bandvergangenheit anknüpfende "Electioneering" ziehen zwar gegen die restlichen Stücke etwas den Kürzeren, überzeugen wiederum durch kompositorische Vielschichtigkeit. Fälschlicherweise bezeichnet man "OK Computer" oft als ein Konzeptalbum. Eine durchgängige Thematik weist diese Scheibe indes nicht vor. Die flirrenden Klänge Greenwoods und die dichte Produktion Godrichs erzeugen dennoch eine mysteriöse Grundstimmung, die das gesamte Werk dominiert. Radiohead befinden sich mit "OK Computer" auf dem Zenit ihres künstlerischen Schaffens, auch wenn spätere Alben noch radikaler die allgemeinen Hörgewohnheiten verschoben haben. Kritiker und Fans dankten es ihnen. Ende des Jahres 1997 folgte der Grammy für das "Best Alternative Music Album". Mehr als 5,5 Millionen Einheiten sollte die Platte bis zum heutigen Tage verkaufen. Nur in den USA hat man kurioserweise den Durchbruch mit dem weitaus sperrigeren Nachfolger "Kid A" (2000) erst erreicht. Anlässlich des 20. Jubiläums dieses Meisterwerkes erscheint nun eine Wiederveröffentlichung unter dem Namen "OK Computer OKNOTOK 1997 2017". Die Boxed Edition mit einer CD, drei 12'', Hardcover-, Notiz- und Skizzenbuch und Kassette dürfte jeden Anhänger wunschlos zufrieden stellen. Weiterhin gibt es für Sammler die Platte auf Vinyl und für den kleinen Geldbeutel eine Doppel-CD. Hörer, die keinen Plattenspieler oder CD-Player besitzen, können die Musik digital erwerben. Alle Formate beinhalten das Hauptalbum, B-Seiten und die drei unveröffentlichten Tracks "I Promise", "Man Of War" und "Lift". Sämtliche Songs hat man von den originalen Analog-Tapes remastert. Die neu dazugekommen Tracks und die B-Seiten, die man auf dem Original nicht mehr berücksichtigen konnte, bleiben jedoch größtenteils verzichtbar. "Polyethylene (Parts 1 & 2)" und "Man Of War" dringen in allzu überkandidelte Prog-Sphären vor. "I Promise" unterzieht man einer lieblichen Zuckergussglasur. "Lift" hätte ohne seinen übermäßig euphorischen Keyboardeinsatz eine reduziertere Herangehensweise besser zu Gesicht gestanden. "Melatonin" und die Pianoballade "How I Made My Millions" wirken wie halbgare Skizzen. Andererseits enthält diese Zusammenstellung mit "Palo Alto" eine Nummer, die wegen ihrer Schroffheit sich hinter dem Albummaterial keineswegs zu verstecken braucht. Trotzdem hätte der Song in den Fluss dieses Werkes nicht gepasst. Dass das Original von "OK Computer" 1997 so klingt wie es klingt, beruht auf den richtigen Entscheidungen Radioheads während des Entstehungsprozesses. © Laut
Ab
HI-RES17,49 €
CD13,99 €

Alternativ und Indie - Erschienen am 10. Oktober 2007 | XL Recordings

Hi-Res
Mit "In Rainbows" betreten Radiohead neue Vermarktungspfade. Ab dem 10. Oktober ist die neue Platte als Download über eine von der Band betriebene Homepage erhältlich. So weit, so zeitgemäß. Der Clou: Jeder bezahlt das, was ihm das Album wert ist. Auch ein kostenloser Download ist möglich, aber natürlich eine ausgenommene Frechheit. Ein physischer Tonträger wird (gegen einen festen Geldwert) zu einem späteren Zeitpunkt erhältlich sein. Die Engländer lösen damit beim Hörer hoffentlich auch einen Denk- und Diskussionsprozess über den Wert von nichtdinglicher Kunst aus. Wie viel ist Musik wert, die ich als Download in 160 kBit/Sek-Qualität aus dem Netz sauge? Wird sie durch die Form des Erwerbs als Kunstwerk entwertet? Wird sie dadurch, dass mir Radiohead einen Mündigkeitsvorschuss gewähren, aufgewertet? Entlarvt man sich selbst als "Kulturbanause", wenn man "In Rainbows" kostenlos lädt? Hat Kunst überhaupt einen materiellen Wert oder geht es nur um das Ideelle? Fest steht: Mit "In Rainbows" bekommt der Fan ein Album, das sich weniger zugänglich zeigt als der Vorgänger "Hail To The Thief", aber nicht so verschlossen bleibt wie "Kid A" oder "Amnesiac". Jazzige Elemente sucht man vergebens, dafür finden sich jede Menge elektronische Spielereien, fein zurückhaltend und im Hintergrund stehend. Der Opener "15 Step" dient wohl erst einmal als Abschreckung. Ein gebitcrushter Breakbeat untermalt den einmaligen Gesang Thom Yorkes, erst nach gut 40 Sekunden kommt ihm eine zarte Gitarre zu Hilfe. So rau der Anfang, so groß der Song. Radiohead sind Radiohead sind Radiohead, "15 Step" leitet "In Rainbows" mit einem Highlight ein. Eine äußerst kratzige Gitarre eröffnet "Bodysnatchers", und auch wenn hier ganz offensichtlich Gesang und Gitarre gegeneinander anspielen, so fügt es sich harmonisch zusammen. Nach der Definition, die Radiohead eben für Harmonie bereit halten. Verquer, aber schön, wenn man sich nur darauf einlassen mag. Das sanfte "Nude" sorgt für einen Bruch im schnellen Fluss des Anfangs und drosselt die Euphorie, allerdings ohne dass das Quintett qualitativ nachlässt. Mit "Weird Fishes/Arpeggi" nimmt das Album wieder Fahrt auf, auch hier lässt Phil Selway sein mittlerweile typisches, beckenlastiges Schlagzeugspiel erklingen, das den Songs eine gewisse Unstetigkeit verleiht. Doch schon "All I Need" und "Faust Arp" lassen es wieder betont ruhig angehen. Leider entpuppt sich letztgenannter Song mit seiner Akustikgitarre und der übermäßig dicken Streicherwand als Schwachpunkt des Albums. Auch "Reckoner" kommt nicht ohne Streicher aus, deren scheinbare Lieblichkeit tritt gegenüber der Band jedoch deutlich in den Hintergrund. So langsam durchschaut der Hörer das Konzept auf "In Rainbows". Stark perkussive Rhythmen bilden das Fundament, auf dem sich Thom Yorke austoben kann. Gitarrist Jonny Greenwood und Ed O'Brien halten sich deutlich zurück, spielen oft unverzerrte, zurückhaltende E- oder gar Akustikgitarren. Im über die ganze Länge etwas zähen "House Of Cards" erinnert Yorkes Gesang stark an Jón Þór "Jónsi" Birgisson von Sigur Rós. Und dann, kurz vor Ende, langen die fünf noch einmal richtig hin. Das glasklar produzierte "Jigsaw Falling Into Place" entfaltet sich zu einem Highlight des Albums. Und auch das abschließende "Videotape" hat es in sich. Der Sänger, im Wesentlichen nur von einem Klavier begleitet, lässt noch einmal den ganzen spröden Charme seiner Stimme spielen. Im Hintergrund kündigt sich eine Beat-Kakophonie an, die jedoch nie so recht ausbricht. Wunderbar. Am Ende stellt sich eigentlich nur die Frage: Habe ich die Künstler angemessen entlohnt? Für alle, die dann doch lieber den physischen Tonträger zum ins Regal stellen möchten: Am 28. Dezember soll die CD bei Beggars/Indigo erscheinen. © Laut
Ab
CD13,99 €

Alternativ und Indie - Erschienen am 2. Oktober 2000 | XL Recordings

Gesamtkunstwerk. Kam mir bei der neuen Radiohead in den Sinn. Noch bevor ich überhaupt einen einzigen Ton gehört hatte. Dieses Cover, dieser Schriftzug, diese kurzen Werbespots auf Viva2, das Verwirrspiel um die Veröffentlichung zur Platte, all das fügt sich nun zusammen. "Kid A" hat endlich das Licht der Welt erblickt und wird selbige verändern, auch ohne Singles, ohne Videos, ohne Interviews. Verhalten beginnt das Album, welches wohl erwartet wurde wie kein zweites dieses Jahr. "Everything In Its Right Place" besteht nur aus Thom Yorkes Stimme, getragen von einem gegen Ende schon an Kraftwerk erinnernden Keyboardsound. Keine Gitarren, kein Bass, kein Schlagzeug - hier ist nichts mehr an seinem gewohnten Platz, Radiohead haben Grenzen überschritten, hinter sich gelassen, das wird schon in diesem Augenblick klar. Der Titelsong zum Album folgt, alles scheint im Fluss, scheint zu schweben, losgelöst - der Klang einer Spieldose und das Schlagzeug treiben dahin, begleitet von einer Flut aus Geräuschen. Fiepsen, Knarren, Klimpern sind ständige Gefährten auf diesem Album. "The National Anthem" beginnt mit einer an bekannte Strukturen erinnernden Basslinie, bald werden jedoch spacige Töne aus allen Ecken des Universums dazu geschüttet und dann fällt alles dem Jazz zum Opfer. Spätestens an diesem Punkt ist das Album an seinem emotionalen Wendepunkt angelangt. Verbreiteten die ersten Stücke noch etwas wie Hoffnung, so kippt die Stimmung jetzt. Depression und Verzweiflung machen sich breit, wenn Mr. Yorke ein ums andere mal Zeilen wie "I'm not here, this isn't happening." wiederholt. Auch "Treefingers" wirkt düster, bedrohlich, und in meinem Kopf laufen Szenen aus "2001 - Odyssee im Weltraum" ab. Optimistisch ist an "Optimistic" einzig und allein der Titel, Thom klagt sich während der 5 Minuten und 16 Sekunden durch die hier vorherrschenden Gitarren. Es ist einer der wenigen Songs die noch an Radiohead von 1997 erinnern und auch wenn "Kid A" durchgehend großartig ist, so tut es gut, in diesem Chaos auf etwas Vertrautes zu treffen. "In Limbo" ist der einzige Beweis auf "Kid A", dass Radiohead aus dem United Kingdom stammen und nicht aus einem der angrenzenden Sonnensysteme. 10% ganz alte Blur, 10% ganz alte Suede und eine Gitarrenlinie, die einen nicht wieder los lässt, sich hypnotisch ins Hirn frisst. Am Schluss endet alles wiederum im Verzerrer. Mit "Idioteque" folgt danach das elektronischste Stück der gesamten Platte. Wüsste ich es nicht besser, würde ich dafür meine Hand ins Feuer legen; diese Beats klingen wie nicht verwendete Aphex Twin Reste, während die anderen Geräusche vom letzten Notwist-Album "Shrink" stammen. "Morning Bell" lässt mich etwas ratlos zurück. Nach all diesen extrem "anders" instrumentierten und arrangierten Songs klingt es so normal, dass es damit schon wieder aus dem Rahmen zu fallen droht. Am Ende entlässt uns der "Motion Picture Soundtrack" mit Harfenklängen, "Red wine and sleeping pills" und "I will see you in the next life" wieder in die Wirklichkeit zurück, die sich nach diesem Album verändert hat. Zu erkennen, wie sie sich geändert hat bedarf es wohl noch etlicher Hördurchgänge. © Laut
Ab
CD13,99 €

Alternativ und Indie - Erschienen am 13. März 1995 | XL Recordings

Ab
CD13,99 €

Alternativ und Indie - Erschienen am 22. Februar 1993 | XL Recordings

Ab
CD13,99 €

Alternativ und Indie - Erschienen am 9. Juni 2003 | XL Recordings

Die heilige Winsel-Walhalla der Radiohead-Kopflastigkeit hat mich wieder in ihre Arme genommen und tröstet mich nach meinem unglücklichen Ausflug in die elektrösen Niederungen profanen Arschwackelns. Mit "Hail To The Thief" bleiben die Oxforder den Beweis ihres musikalischen Genies nicht schuldig. Im Gegenteil. Ohne Frage euphorischer und leichter zugänglich als ihre zwar ebenso musikalisch brillanten, aber doch eher sperrigen Vorgänger "Kid A" und "Amnesiac" droht diese Platte vor Glück zu platzen. Für Radiohead-Verhältnisse. "How Radiohead learned to stop worrying and enjoy being the best band in the world", kann der geneigte Konsument im ehrwürdigen TIME Magazine nachlesen. Treffender und schöner als mit dieser Titel-Abwandlung des Kubrick-Klassikers "Dr. Seltsam" kann man die Entwicklung der Band um Thom Yorke kaum beschreiben. Der Opener "2+2=5" (ein Zitat aus George Orwells "1984") erinnert in seiner Hymnenhaftigkeit stark an die "The Bends"-Zeit. Nach einem ruhigen Piano-Intro krachen die Gitarren und spätestens dieser Klimax krönt den Song zu einem der stärksten Stücke auf dem Album. Auch im eher elektro-lastigen "Sit Down. Stand Up" setzen Thom Yorke und Kollegen auf das Moment der Steigerung. Alles wird mit laufender Spieldauer intensiviert und gipfelt in einem Beat-Gewitter, über das Thom Yorke rosenkranzartig die "Raindrops" herunter betet. "Sail To The Moon" klingt ein wenig nach "Pyramid Song", kann aber dank offenhörbarem Zuwachs an Melodik und Zugänglichkeit noch mehr überzeugen als die "Amnesiac"-Vorab-Single. Nach der klaviergetragenen Ballade mögen einen die minimalistische Elektronik von "Backdrifts", das ständige Geblubber und die unruhigen Beats verunsichern, aber auch hier haben Radiohead an sich gearbeitet. Die Gesamtstrukturen ihrer Elektro-Experimente sind deutlich weniger ausgefranst als die Äquivalente auf "Kid A" oder "Amnesiac". Lied Nummer fünf überrascht. Der gegen Ende schneller und härter werdende Acoustic-Rock-Track mit einprägsamen Gitarrenläufen wirft einen gedanklich in die "Pablo Honey"-Vergangenheit zurück. Fast schön üblich für voraussichtliche zweite Single-Auskopplungen ist bei "Go To Sleep" das Ausblend-Ende, welches - und ich wiederhole mich wahrlich ungern - nicht gerade die Kreativ-Plakette verdient hat. Von Dinosauriern und Kannibalismus ("I will eat you alive. And there'll be no more lies.") handelt "Where I End And You Begin", dem schönsten 4:29 Minuten-Stück auf dem Album. Was spätenstens hier deutlich wird: Thom Yorke hat wieder Freude an seinem Stimmorgan, scheint nach den zwei Vorgänger-Alben wieder zu neuem Mut und Begeisterung gefunden haben. Aufgenommen in L.A. darf der Hollywood-Bezug natürlich nicht fehlen. In "We Suck Young Blood" (Alternativtitel: "Your Time Is Up") ironisiert Thom Yorke den Promi-Kult, begleitet von nicht viel mehr als einem Klavier. Und plötzlich haben sich Boards Of Canada auf das Album verirrt. "The Gloaming" ist düstere Elektronik mit viel Gefrickel und Gefiepse. Lediglich beruhigt vom gebetsartigen Gesang entwickelt dieser Song jedoch unerwarteten Ohrwurm-Charakter. Die erste Single "There There" ist mit 5:23 Minuten der längste Song auf dem Album. "Paranoid Android" auf tribal. Mogli Yorke im Guerilla-Underground-Style. Bietet mit "We are accidents waiting to happen" die wahrscheinlich schönste Textpraline auf "HTTT". Die Doppel-Inszenierung der leidenden Stimme und der Backing-Track, der schon in "Like Spinning Plates" ("Amnesiac") rückwärts verwendet wurde, evolutionieren das getragene, traurige "I Will" in einen choralen Vorschlaghammer. Tränen nicht ausgeschlossen. Wieder klavierlastig zitiert "A Punch Up At The Wedding" mit seinem beatle-esken Basslauf längst vergangene "OK Computer"-Zeiten. Aber gleich im Anschluss kommt das Böse. "Myxomatosis", eine Krankheit, die durch Kaninchen übertragen wird. Sperrig und mit Finsterbass versehen klingt dieser Song wie "Idiotique" am Tag danach. Wahrlich beruhigend wirkt da "Scatterbrain", eine klassische Radiohead-Ballade. Thom Yorkes Laute schweben über einem einfach gestricken instrumentalen Lächeln, das sich entfernt mit dem hypnotischen "In Limbo" ("Kid A") vergleichen lässt. "A Wolf At The Door" ist eher Radiohead-untypisch. In den Strophen stakkatohaft monierend scheint Thom Yorke mit seinen Vocals die Harmonie der Song-Instrumentierung bewusst stören zu wollen, um im Refrain wieder alle Gemüter zu beruhigen. Wieder ein imposantes Ende. "Hail To The Thief" ist das bisher vielseitigste Radiohead-Album. "Plötzlich war in meinem Kopf alles klar", sagte Colin Greenwood nach der Lektüre von Haruki Murakamis "Mister Aufziehvogel" und wer das Buch und DIESES Album kennt, der weiß: dem ist nichts mehr hinzuzufügen. Danke. © Laut
Ab
CD13,99 €

Alternativ und Indie - Erschienen am 12. März 2001 | XL Recordings

Der vierte Longplayer stand erst kurz im Regal, das fünfte Studiowerk der Oxforder war trotzdem schon in der Mache. Mehr wie "The Bends" werden Radiohead darauf klingen, wussten die einen. "Kid B" besserwussten die anderen. Back To The Roots oder eine Fortführung der 2000-er Kopfgeburt, die möglichen Schubladen für "Amnesiac" waren schon geöffnet. Jetzt ist die Platte da. "Packt Like Sardines In A Crushd Tin Box" heißt der Opener und begrüßt uns mit DJ Shadowesken Elektronik-Spielereien. Man nehme den Titeltrack der letzten Platte, mische ihn mit einer tempoerhöhten Version von "Idiotique", gebe noch eine Melodie hinzu, und fertig ist ein Radiohead-Popsong der ersten Güteklasse. Aber Radiohead wären nicht Radiohead, wenn der poppige Beginn schon das Ende der Leier wäre. "Pyramid Song" kennt man schon, schließlich dauerrotiert der Song schon seit einiger Zeit. Ungewöhnlich für einen Song, der mit einem immerwährenden Taktwechsel seine Masseninkompatibilität geradezu heraus schreit. Das richtig böse "Pulk/Pull Revolving Doors" dürfte mit seinem metallischen Klang, seinem dumpfen Synthie-Bass, seinen verzerrten Textpassagenfetzen und seinen durch und durch ungemütlichen Beats nicht gerade die ideale Einstimmung auf ein Versöhnungsgespräch sein. Nach der schwer verdaulichen Vorgängerkost wirkt wahrscheinlich jeder Track beruhigend. Nun kommt ein Song, dessen Wirkung sich nicht mehr mit Worten beschreiben lässt. Sprechblasen kommen mir nach einiger Zeit des Nachdenkens als einzig adäquate Darstellungsform in den Sinn. Denkblasen. Mein Gesicht und diese fette Denkblase: "You And Whose Army?". Leise und zurückhaltend klagt sich Thom's Stimme voran und gipfelt im unaufdringlichen Einsatz der übrigen Bandmitglieder. Fast zögernd scheinen die anderen Instrumente einzusetzen, um ja nichts von der Schönheit des Songs zu gefährden. Ein Schellack-knisterndes "Come on, come on" schmachtet uns alle an, und "Karma Police" lässt grüßen. Mit "I Might Be Wrong" liegen Radiohead absolut nicht falsch, die Dance-Elemente machen sich sehr gut mit dem Gitarren-Einsatz und Thoms Wahnstimme. Das Zwischenstück vor Lied No.6 sollte man zu einem kompletten Song ausarbeiten. "Knives Out" wird mit tödlicher Sicherheit die nächste Single, zumindest vom Chartspotential, auch wenn das "Letzte-Ton-Halten-Und-Ausblenden"-Ende nicht gerade die Kreativ-Plakette verdient hat. Schade. Die ruhigere "Morning Bell"-Version klingt in meinen Ohren besser als die "Kid A"-Fassung. Wie erhaben "Dollars And Cents" wirken kann, ist mir zugegebenermaßen erst genau in diesem Moment, nach zigmaligem Hören aufgefallen, darüber muss ich noch grübeln. Über die Rolle des Intrumental-Tracks "Hunting Bears" hingegen bin ich mir einig: dieser könnte ohne weiteres in einer Neuverfilmung des Jarmusch-Meisterwerks "Dead Man" auf den Soundtrack schlüpfen. "Like Spinning Plates" ist der kränkste Song auf der Scheibe. Viel vorwärts und rückwärts, Thoms Gesang ist sogar rückwärts rückwärts, also wieder vorwärts. Aber ich habe ja nie behauptet, dass ich Radiohead voll und ganz verstehe. Obwohl man Thoms Lyrics nach gewisser Zeit tatsächlich verstehen kann ... In "Life In A Glass House" kommt schließlich noch der Startrompeter Humphrey Lyttleton zu seinem Gastspiel, wozu ich rein qualitativ als alter Blues und Jazz-Verweigerer nicht viel sagen kann. Mein Bauch brummelt: ein Wahnsinns-Song. Ein guter Abschluss für eine teils gemeine, aber trotzdem unerwartet warme und extrem liebenswerte Platte. Ein Gesamtkunstwerk, dessen Vollendung in der Limited-Edition-Buch-Verpackung liegen mag. Alles in allem weit, weit weg vom 90er-Rock der "The Bends". Kein fetter Gitarreneinsatz wie in fast vergessenen Creep-Zeiten. "Radiohead 21" sind viel subtiler. Die Wurzel-These ist zerschlagen, die Fortführungs-Theoretiker mögen sich bestätigt fühlen. Aber Entschuldigung: Gegen "Amnesiac" wirkt "Kid A" wie eine unausgegorene Kopfgeburt. Wenn schon Weiterentwicklung, dann nicht "Kid B", sondern "Master A". Radiohead haben wieder einmal einen drauf gesetzt und uns ein für alle mal gezeigt: Lasst die Schubladen zu, wenn ihr euch nicht blamieren wollt! © Laut
Ab
HI-RES17,49 €
CD13,99 €

Alternativ und Indie - Erschienen am 28. März 2011 | XL Recordings

Hi-Res
Typisch Radiohead: Zuerst zwingen sie uns mit ihrer Spontaneität fast in die Knie, wenn wir zittrig das Erscheinungsdatum des neuesten Werks erfahren und erschrecken, dass das schon kommenden Samstag ist. Dann rauben sie uns den Atem, wenn sie es einfach einen Tag vorher veröffentlichen und dem Schreibpuls keine Ruhe geben. Eine Mitschrift: "Bloom": Ein unkaputtbares Fragment, das sich dagegen sträubt, an den Ausgang des zielgeraden Vorgängers "In Rainbows" zu knüpfen. Gebaut auf doppeltem Boden, gepaart mit jazziger Verquertheit, der Alkoholdressing für den Kopfsalat. Wie "Kid A", nur noch mehrspuriger und flankenüberholender. Morsezustände, die eine Anteilnahme erschweren, auch keine Gedanken an eine feste Zählzeit. Signalstörungen, wandernd durch alle Instrumentenlagen und ein erhabener Thom Yorke, der bekennend mit "Open your mouth wide / Universal sighs" hinter diesem sinistren Vorhaben steht. "Morning Mr Magpie": Uptempo-Manie mit Verbrüderungsszenen der verlassenen Dubstep-Regionen Südlondons und den vorwärtstreibenden, abbrechenden Ergänzungen des Gitarren-Dreischritts von Jonny Greenwood, Ed O'Brien und Yorke. Colin Greenwood umspielt am Bass kontrapunktisch den vagen Schimmer, der ein verlässliches Pattern erhoffen lässt. "Good morning, Mr Magpie / How are we today? / Now you've stolen all the magic / Took my melody". Ein Regelwerk mit sichtlicher Unaufgeräumtheit und gleichlaufendem Pepp. "Little By Little": Genrekollision der morgenländischen Notenskalen mit der chromatischen Modulation Arnold Schönbergs. Philip Selways Rasselkiste als Schlagwerk, das dem Deklinieren der Tonart-Vokabeln zur Seite steht. Und ein ablegendes Geständnis: "Little by little / By hook or by crook / I'm such a tease and you're such a flirt". Reim, Prosa, lose und zusammen, Verdichtungen und Wortverknappungen. Ein verdeckter Hinweis, dass es Kunstreligion als letzte Offenbarung des Glaubens geben kann. "Feral": Zappelphilipp, Bach-Messe und ungestümes Titelgleichnis. Kollektiver Verlust oder ungleiche Einheit? Sicher ein Tanzdelirium wie beim hadersüchtigen Krumping-Dance. Ohne Worte. "Lotus Flower": Thom Yorke, König der tanzenden Gliedmaßen. Eine Entscheidung für das Samstagsclubbing und das Nicht-zu-früh-nach-Hause-Gehen, um wirklich das letzte sphärische Luftstück aufzusaugen, dass es zwischen dem Tanzboden und den Resttanzenden noch gibt. Im Videoclip eine phänomenologische Darstellung eines weiträumigen Helden, der trotz seines Platzanspruchs keine Gefahrenzonen anbietet: "I will sink and I will disappear / I will slip into the groove". "Codex": "Sleight of hand / Jump off the end / Into a clear lake / No one around / Just dragonflies / Flying to the side / No one gets hurt". Fassadenlosigkeit ist so leicht ergründbar, wenn man versucht, sich selbst ins kalte Wasser zu werfen und reinzuwaschen. Diese Schönheit zu charakterisieren, heißt Daseinsfreude zu zeigen und sich selbstredend einzugestehen, dass genau dieses Lied kein Schluchzen mit Selbstschwund ist. Vielmehr klingt diese argusäugische Beobachtung nach einer fallfreien Sicherheit in der Zukunft, in der Radiohead gebührend mit beiden Füßen stehen. Unverzichtbar: Jonny Greenwood sei bei dieser kompositorischen Messlatte aller Ehre nach die Würde honoris causa verliehen. "Give Up The Ghost": "Don't haunt me / Don't hurt me (…) / I think I should give up the ghost". Game over - Quit. Der verlorene Abspann einer Videospielsequenz ist eigentlich der Startschuss für den Schulterschluss aller Dahinvegetetierenden zum Gegenentwurf. Sie schreien nach Zeter und Mordio und Yorke eilt flugs auf den Berg zur Messianisierung. Ätherische Loopabfolgen, klopfendes Mahagoniholz und Geisterchöre greifen um sich, aber vielleicht ist hier Yorke selbst der Getriebene? "Separator" Zeit für Weingläser und Duftzüge. Nach der Epilepsie in den ersten Stücken steht die nachrauschende Entgiftungskur an. Hallende, kreisende Worte zieren das Gefühl einer zunehmend proportionaler werdenden Entspanntheit und die grazile Gelenkigkeit dieses freien Spiels beugt sich allen umtreibenden Mächten. Natürlich wären Radiohead kein (außer-)musikalisches Paradigma, wenn sie nicht mit juristischer Rücksichtslosigkeit handeln würden: "If you think this is over / Then you're wrong". Man möchte nicht glauben, dass es ein Finish markiert. Vor der kolossalen Torpforte "The King Of Limbs" erscheint der Haupteingang zunächst zugestellt von einer forcierten und multiplen Angelegenheit mit Nebentüren, Korridoren und Fluren. Als Zufluchtsweg in diese scheinbar versperrte Traumfabrik bleibt dann ein kleiner Fingerspreiz und der Repeat-Button. Und mit jedem Durchlauf wächst der tiefe Schatten, den Radiohead mit ihrer zeitdiagnostischen Qualität samt eigenbrötlerischen Veröffentlichungswillen auf die Musikindustrie geworfen haben, bis zur unbezwingbaren Größe heran. Für CD-Scheibenbekenner: "The King Of Limbs" erscheint am 25. März via XL/Beggars. © Laut
Ab
CD1,49 €

Alternativ und Indie - Erschienen am 21. September 1992 | XL Recordings

Ab
CD13,99 €

Alternativ und Indie - Erschienen am 10. Oktober 2007 | XL Recordings

Mit "In Rainbows" betreten Radiohead neue Vermarktungspfade. Ab dem 10. Oktober ist die neue Platte als Download über eine von der Band betriebene Homepage erhältlich. So weit, so zeitgemäß. Der Clou: Jeder bezahlt das, was ihm das Album wert ist. Auch ein kostenloser Download ist möglich, aber natürlich eine ausgenommene Frechheit. Ein physischer Tonträger wird (gegen einen festen Geldwert) zu einem späteren Zeitpunkt erhältlich sein. Die Engländer lösen damit beim Hörer hoffentlich auch einen Denk- und Diskussionsprozess über den Wert von nichtdinglicher Kunst aus. Wie viel ist Musik wert, die ich als Download in 160 kBit/Sek-Qualität aus dem Netz sauge? Wird sie durch die Form des Erwerbs als Kunstwerk entwertet? Wird sie dadurch, dass mir Radiohead einen Mündigkeitsvorschuss gewähren, aufgewertet? Entlarvt man sich selbst als "Kulturbanause", wenn man "In Rainbows" kostenlos lädt? Hat Kunst überhaupt einen materiellen Wert oder geht es nur um das Ideelle? Fest steht: Mit "In Rainbows" bekommt der Fan ein Album, das sich weniger zugänglich zeigt als der Vorgänger "Hail To The Thief", aber nicht so verschlossen bleibt wie "Kid A" oder "Amnesiac". Jazzige Elemente sucht man vergebens, dafür finden sich jede Menge elektronische Spielereien, fein zurückhaltend und im Hintergrund stehend. Der Opener "15 Step" dient wohl erst einmal als Abschreckung. Ein gebitcrushter Breakbeat untermalt den einmaligen Gesang Thom Yorkes, erst nach gut 40 Sekunden kommt ihm eine zarte Gitarre zu Hilfe. So rau der Anfang, so groß der Song. Radiohead sind Radiohead sind Radiohead, "15 Step" leitet "In Rainbows" mit einem Highlight ein. Eine äußerst kratzige Gitarre eröffnet "Bodysnatchers", und auch wenn hier ganz offensichtlich Gesang und Gitarre gegeneinander anspielen, so fügt es sich harmonisch zusammen. Nach der Definition, die Radiohead eben für Harmonie bereit halten. Verquer, aber schön, wenn man sich nur darauf einlassen mag. Das sanfte "Nude" sorgt für einen Bruch im schnellen Fluss des Anfangs und drosselt die Euphorie, allerdings ohne dass das Quintett qualitativ nachlässt. Mit "Weird Fishes/Arpeggi" nimmt das Album wieder Fahrt auf, auch hier lässt Phil Selway sein mittlerweile typisches, beckenlastiges Schlagzeugspiel erklingen, das den Songs eine gewisse Unstetigkeit verleiht. Doch schon "All I Need" und "Faust Arp" lassen es wieder betont ruhig angehen. Leider entpuppt sich letztgenannter Song mit seiner Akustikgitarre und der übermäßig dicken Streicherwand als Schwachpunkt des Albums. Auch "Reckoner" kommt nicht ohne Streicher aus, deren scheinbare Lieblichkeit tritt gegenüber der Band jedoch deutlich in den Hintergrund. So langsam durchschaut der Hörer das Konzept auf "In Rainbows". Stark perkussive Rhythmen bilden das Fundament, auf dem sich Thom Yorke austoben kann. Gitarrist Jonny Greenwood und Ed O'Brien halten sich deutlich zurück, spielen oft unverzerrte, zurückhaltende E- oder gar Akustikgitarren. Im über die ganze Länge etwas zähen "House Of Cards" erinnert Yorkes Gesang stark an Jón Þór "Jónsi" Birgisson von Sigur Rós. Und dann, kurz vor Ende, langen die fünf noch einmal richtig hin. Das glasklar produzierte "Jigsaw Falling Into Place" entfaltet sich zu einem Highlight des Albums. Und auch das abschließende "Videotape" hat es in sich. Der Sänger, im Wesentlichen nur von einem Klavier begleitet, lässt noch einmal den ganzen spröden Charme seiner Stimme spielen. Im Hintergrund kündigt sich eine Beat-Kakophonie an, die jedoch nie so recht ausbricht. Wunderbar. Am Ende stellt sich eigentlich nur die Frage: Habe ich die Künstler angemessen entlohnt? Für alle, die dann doch lieber den physischen Tonträger zum ins Regal stellen möchten: Am 28. Dezember soll die CD bei Beggars/Indigo erscheinen. © Laut
Ab
HI-RES17,49 €
CD13,99 €

Alternativ und Indie - Erschienen am 2. Dezember 2007 | XL Recordings

Hi-Res
Mit "In Rainbows" betreten Radiohead neue Vermarktungspfade. Ab dem 10. Oktober ist die neue Platte als Download über eine von der Band betriebene Homepage erhältlich. So weit, so zeitgemäß. Der Clou: Jeder bezahlt das, was ihm das Album wert ist. Auch ein kostenloser Download ist möglich, aber natürlich eine ausgenommene Frechheit. Ein physischer Tonträger wird (gegen einen festen Geldwert) zu einem späteren Zeitpunkt erhältlich sein. Die Engländer lösen damit beim Hörer hoffentlich auch einen Denk- und Diskussionsprozess über den Wert von nichtdinglicher Kunst aus. Wie viel ist Musik wert, die ich als Download in 160 kBit/Sek-Qualität aus dem Netz sauge? Wird sie durch die Form des Erwerbs als Kunstwerk entwertet? Wird sie dadurch, dass mir Radiohead einen Mündigkeitsvorschuss gewähren, aufgewertet? Entlarvt man sich selbst als "Kulturbanause", wenn man "In Rainbows" kostenlos lädt? Hat Kunst überhaupt einen materiellen Wert oder geht es nur um das Ideelle? Fest steht: Mit "In Rainbows" bekommt der Fan ein Album, das sich weniger zugänglich zeigt als der Vorgänger "Hail To The Thief", aber nicht so verschlossen bleibt wie "Kid A" oder "Amnesiac". Jazzige Elemente sucht man vergebens, dafür finden sich jede Menge elektronische Spielereien, fein zurückhaltend und im Hintergrund stehend. Der Opener "15 Step" dient wohl erst einmal als Abschreckung. Ein gebitcrushter Breakbeat untermalt den einmaligen Gesang Thom Yorkes, erst nach gut 40 Sekunden kommt ihm eine zarte Gitarre zu Hilfe. So rau der Anfang, so groß der Song. Radiohead sind Radiohead sind Radiohead, "15 Step" leitet "In Rainbows" mit einem Highlight ein. Eine äußerst kratzige Gitarre eröffnet "Bodysnatchers", und auch wenn hier ganz offensichtlich Gesang und Gitarre gegeneinander anspielen, so fügt es sich harmonisch zusammen. Nach der Definition, die Radiohead eben für Harmonie bereit halten. Verquer, aber schön, wenn man sich nur darauf einlassen mag. Das sanfte "Nude" sorgt für einen Bruch im schnellen Fluss des Anfangs und drosselt die Euphorie, allerdings ohne dass das Quintett qualitativ nachlässt. Mit "Weird Fishes/Arpeggi" nimmt das Album wieder Fahrt auf, auch hier lässt Phil Selway sein mittlerweile typisches, beckenlastiges Schlagzeugspiel erklingen, das den Songs eine gewisse Unstetigkeit verleiht. Doch schon "All I Need" und "Faust Arp" lassen es wieder betont ruhig angehen. Leider entpuppt sich letztgenannter Song mit seiner Akustikgitarre und der übermäßig dicken Streicherwand als Schwachpunkt des Albums. Auch "Reckoner" kommt nicht ohne Streicher aus, deren scheinbare Lieblichkeit tritt gegenüber der Band jedoch deutlich in den Hintergrund. So langsam durchschaut der Hörer das Konzept auf "In Rainbows". Stark perkussive Rhythmen bilden das Fundament, auf dem sich Thom Yorke austoben kann. Gitarrist Jonny Greenwood und Ed O'Brien halten sich deutlich zurück, spielen oft unverzerrte, zurückhaltende E- oder gar Akustikgitarren. Im über die ganze Länge etwas zähen "House Of Cards" erinnert Yorkes Gesang stark an Jón Þór "Jónsi" Birgisson von Sigur Rós. Und dann, kurz vor Ende, langen die fünf noch einmal richtig hin. Das glasklar produzierte "Jigsaw Falling Into Place" entfaltet sich zu einem Highlight des Albums. Und auch das abschließende "Videotape" hat es in sich. Der Sänger, im Wesentlichen nur von einem Klavier begleitet, lässt noch einmal den ganzen spröden Charme seiner Stimme spielen. Im Hintergrund kündigt sich eine Beat-Kakophonie an, die jedoch nie so recht ausbricht. Wunderbar. Am Ende stellt sich eigentlich nur die Frage: Habe ich die Künstler angemessen entlohnt? Für alle, die dann doch lieber den physischen Tonträger zum ins Regal stellen möchten: Am 28. Dezember soll die CD bei Beggars/Indigo erscheinen. © Laut
Ab
CD13,99 €

Alternativ und Indie - Erschienen am 12. November 2001 | XL Recordings

Diese Platte ist schon aus Prinzip ein Anwärter für das Album des Jahres. Pro: Radiohead live. Kontra: "Amnesiac". Oder, für alle diejenigen, die meine Begeisterung für die Oxforder nicht teilen können: der Strokes-Erstling und Weezers grünes Album. "CDs mit vier oder mehr unterschiedlichen Titeln und einer insgesamt deutlich kürzeren Laufzeit wie eine reguläre CD-Veröffentlichung werden vereinzelt noch als EP bezeichnet." Hach, Zitate sind einfach was Feines. Obiges oben habe ich vom allseits bekannten Informationsdealer aus dem Umfeld des erfolgreichen Millionen-Quiz-Formats im deutschen Privatfernsehen sicherheitskopiert. Aber ist der dritte Radiohead-Output nach "Kid A" und "Amnesiac" innerhalb eines guten Jahres jetzt wirklich eine E[nhanced] P[lay]? Mit 40:11 Minuten Laufzeit könnte man dem ja zustimmen, aber was, wenn man bedenkt, dass Radiohead lediglich mit "OK Computer" die 50-Minuten-Marke durchbrochen haben? Und was ist dann mit dem nicht mal halbstündigen Weezer-Letztling? Oder dem grandiosen Strokes-Debut, das mit seinen 36:23 Minuten auch nicht gerade durch Quantität zu glänzen versucht? Sind das jetzt alles EPs? Ach, egal. Radiohead ziehen die diesjährige Bescherung um ca. sechs Wochen vor und beglücken ihre Fans mit einem Acht-Track-Live-Album, das als Sahnehäubchen auch einen bisher unveröffentlichten Song featured. Alle, die das Glück hatten, Radiohead dieses Jahr live zu erleben - beispielsweise bei ihren Rock-am-Ring-im-Park-Auftritten oder beim Berlin-Gig am 11. September - wissen, welches Feuerwerk die Briten auf der Bühne aufziehen. Wer etwas über die Songs erfahren will, der schaue bitte unter den Plattenkritiken von "Kid A" und "Amnesiac" nach. Hey. Radiohead live. Mehr gibt es dazu eigentlich nicht zu sagen. Frei nach dem Herrn Mengele und mit besten Grüßen an Kollegen Kraus: "Heute Kurzarbeit!" Eine Ausnahme bildet "True Love Waits": eine wunderschöne Gitarrenballade, die bisher nicht ihren Weg auf einen Silberling gefunden hatte. Radiohead spielen diesen Publikums-Liebling jedoch schon seit einigen Jahren live, der große Unbekannte ist er nicht, im Gegenteil: für nicht wenige Fans ist er einer der besten Songs, den Radiohead je geschrieben haben. Und so gesehen schon ein Grund, dieses Album käuflich zu erwerben. Aufgenommen wurden die Songs laut Cover-Info bei den Shows in Oxford, Berlin, Oslo und Vaison la Romaine. Die Radiohead-Fangemeinde ist sich jedoch ziemlich sicher, dass das Liedgut an folgenden Orten entstanden ist: "National Anthem" - Vaison La Romaine "I Might Be Wrong" - Oxford "Morning Bell" - Oxford "Like Spinning Plates" - Cleveland "Idioteque" - Oxford "Everything In Its Right Place" - Vaison La Romaine "Dollars and Cents" - Oxford "True Love Waits" - Hollywood (vom Autor bevorzugte Mindermeinung: Oslo) Ja, fragt sich jetzt der aufmerksame Leser, und wo bleibt Berlin? Auf der Strecke. Schade. Denn für alle Konzert-Besucher, die in der Hauptstadt dieses denkwürdige, merkwürdige (zur Erinnerung: 11. September) und überwältigende Konzert miterlebt haben, wäre ein Live-Mitschnitt des einen oder anderen Songs bestimmt eine schöne Erinnerung gewesen. Diese Platte ist vielleicht nicht das Album des Jahres. Die Radiohead-Gigs aber waren die Konzerte des Jahres. Die New Yorker Post-VU-Combo tummelte sich nur in Übersee und die Herren um Monsieur Cuomo hatten aus verständlichen Gründen keine Lust auf lange Europa-Flüge. Aber auch mit dieser Konkurrenz vor Ort wäre es für Thom Yorke und Kollegen ein Leichtes gewesen, selbige an die Wand zu spielen. Ehrlich. © Laut
Ab
CD1,49 €

Alternativ und Indie - Erschienen am 21. Mai 2001 | XL Recordings

Ab
CD13,99 €

Alternativ und Indie - Erschienen am 28. März 2011 | XL Recordings

Typisch Radiohead: Zuerst zwingen sie uns mit ihrer Spontaneität fast in die Knie, wenn wir zittrig das Erscheinungsdatum des neuesten Werks erfahren und erschrecken, dass das schon kommenden Samstag ist. Dann rauben sie uns den Atem, wenn sie es einfach einen Tag vorher veröffentlichen und dem Schreibpuls keine Ruhe geben. Eine Mitschrift: "Bloom": Ein unkaputtbares Fragment, das sich dagegen sträubt, an den Ausgang des zielgeraden Vorgängers "In Rainbows" zu knüpfen. Gebaut auf doppeltem Boden, gepaart mit jazziger Verquertheit, der Alkoholdressing für den Kopfsalat. Wie "Kid A", nur noch mehrspuriger und flankenüberholender. Morsezustände, die eine Anteilnahme erschweren, auch keine Gedanken an eine feste Zählzeit. Signalstörungen, wandernd durch alle Instrumentenlagen und ein erhabener Thom Yorke, der bekennend mit "Open your mouth wide / Universal sighs" hinter diesem sinistren Vorhaben steht. "Morning Mr Magpie": Uptempo-Manie mit Verbrüderungsszenen der verlassenen Dubstep-Regionen Südlondons und den vorwärtstreibenden, abbrechenden Ergänzungen des Gitarren-Dreischritts von Jonny Greenwood, Ed O'Brien und Yorke. Colin Greenwood umspielt am Bass kontrapunktisch den vagen Schimmer, der ein verlässliches Pattern erhoffen lässt. "Good morning, Mr Magpie / How are we today? / Now you've stolen all the magic / Took my melody". Ein Regelwerk mit sichtlicher Unaufgeräumtheit und gleichlaufendem Pepp. "Little By Little": Genrekollision der morgenländischen Notenskalen mit der chromatischen Modulation Arnold Schönbergs. Philip Selways Rasselkiste als Schlagwerk, das dem Deklinieren der Tonart-Vokabeln zur Seite steht. Und ein ablegendes Geständnis: "Little by little / By hook or by crook / I'm such a tease and you're such a flirt". Reim, Prosa, lose und zusammen, Verdichtungen und Wortverknappungen. Ein verdeckter Hinweis, dass es Kunstreligion als letzte Offenbarung des Glaubens geben kann. "Feral": Zappelphilipp, Bach-Messe und ungestümes Titelgleichnis. Kollektiver Verlust oder ungleiche Einheit? Sicher ein Tanzdelirium wie beim hadersüchtigen Krumping-Dance. Ohne Worte. "Lotus Flower": Thom Yorke, König der tanzenden Gliedmaßen. Eine Entscheidung für das Samstagsclubbing und das Nicht-zu-früh-nach-Hause-Gehen, um wirklich das letzte sphärische Luftstück aufzusaugen, dass es zwischen dem Tanzboden und den Resttanzenden noch gibt. Im Videoclip eine phänomenologische Darstellung eines weiträumigen Helden, der trotz seines Platzanspruchs keine Gefahrenzonen anbietet: "I will sink and I will disappear / I will slip into the groove". "Codex": "Sleight of hand / Jump off the end / Into a clear lake / No one around / Just dragonflies / Flying to the side / No one gets hurt". Fassadenlosigkeit ist so leicht ergründbar, wenn man versucht, sich selbst ins kalte Wasser zu werfen und reinzuwaschen. Diese Schönheit zu charakterisieren, heißt Daseinsfreude zu zeigen und sich selbstredend einzugestehen, dass genau dieses Lied kein Schluchzen mit Selbstschwund ist. Vielmehr klingt diese argusäugische Beobachtung nach einer fallfreien Sicherheit in der Zukunft, in der Radiohead gebührend mit beiden Füßen stehen. Unverzichtbar: Jonny Greenwood sei bei dieser kompositorischen Messlatte aller Ehre nach die Würde honoris causa verliehen. "Give Up The Ghost": "Don't haunt me / Don't hurt me (…) / I think I should give up the ghost". Game over - Quit. Der verlorene Abspann einer Videospielsequenz ist eigentlich der Startschuss für den Schulterschluss aller Dahinvegetetierenden zum Gegenentwurf. Sie schreien nach Zeter und Mordio und Yorke eilt flugs auf den Berg zur Messianisierung. Ätherische Loopabfolgen, klopfendes Mahagoniholz und Geisterchöre greifen um sich, aber vielleicht ist hier Yorke selbst der Getriebene? "Separator" Zeit für Weingläser und Duftzüge. Nach der Epilepsie in den ersten Stücken steht die nachrauschende Entgiftungskur an. Hallende, kreisende Worte zieren das Gefühl einer zunehmend proportionaler werdenden Entspanntheit und die grazile Gelenkigkeit dieses freien Spiels beugt sich allen umtreibenden Mächten. Natürlich wären Radiohead kein (außer-)musikalisches Paradigma, wenn sie nicht mit juristischer Rücksichtslosigkeit handeln würden: "If you think this is over / Then you're wrong". Man möchte nicht glauben, dass es ein Finish markiert. Vor der kolossalen Torpforte "The King Of Limbs" erscheint der Haupteingang zunächst zugestellt von einer forcierten und multiplen Angelegenheit mit Nebentüren, Korridoren und Fluren. Als Zufluchtsweg in diese scheinbar versperrte Traumfabrik bleibt dann ein kleiner Fingerspreiz und der Repeat-Button. Und mit jedem Durchlauf wächst der tiefe Schatten, den Radiohead mit ihrer zeitdiagnostischen Qualität samt eigenbrötlerischen Veröffentlichungswillen auf die Musikindustrie geworfen haben, bis zur unbezwingbaren Größe heran. Für CD-Scheibenbekenner: "The King Of Limbs" erscheint am 25. März via XL/Beggars. © Laut
Ab
CD1,49 €

Alternativ und Indie - Erschienen am 22. Januar 1996 | XL Recordings

Ab
CD1,49 €

Alternativ und Indie - Erschienen am 26. September 1994 | XL Recordings

Ab
CD1,49 €

Alternativ und Indie - Erschienen am 11. Januar 2019 | XL Recordings

Der Interpret

Radiohead im Magazin