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Jazz - Erschienen am 27. August 2021 | ACT Music

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Direkte, unmittelbare Kommunikation, ständig in Bewegung, zu jeder Millisekunde auf Augenhöhe, offen, frei, feinstofflich hochwertig und tatsächlich demokratisch ohne jedwede hierarchische Tendenz: So lauten die Parameter für das perfekte Trio. Nicht wenige benutzen diese Attribute, jedoch ohne sich je um deren tiefere Bedeutung Gedanken zu machen…Für Jan Lundgren galt dieses Format deshalb schon immer als die Ultima Ratio der gelebten Improvisationskultur. Seit 1995 unterhält er ein eigenes klassisches Piano-Trio, aber erst als der schwedische Pianist 2007 mit seinem bahnbrechenden „Mare Nostrum“-Projekt das klassische Pianotrioformat aufbrach und mit dem sardischen Trompeter Paolo Fresu sowie dem französischen Akkordeonisten Richard Galliano eine kongeniale Allianz bildete, die Kritiker sogar als die „erste europäische Supergroup“ priesen, kam er seinem Ideal so nahe wie noch nie zuvor. Jan Lundgren wäre aber nicht der rastlose, ewig auf der Suche befindliche Workaholic, wenn er sich damit zufriedengeben und nicht weiter pausenlos nach neuen Herausforderungen Ausschau halten würde. „Ich habe immer starke Stimmen in der europäischen Jazzszene gesucht, Musiker, die eine ähnliche Abenteuerlust wie ich verspüren und sich in alle Richtungen bewegen können“, erklärt der 55-Jährige. Eine gute Plattform dafür bietet regelmäßig „sein“ Ystad Sweden Jazz Festival, das Lundgren 2010 in dem durch Henning Mankells Wallander-Krimis weltbekannten Städtchen an der schwedischen Südküste ins Leben rief und seither leitet – mit der Option von jährlich zwei eigenen Auftritten. Schon 2015 entsprang daraus das „Ystad Concert“ mit dem Bassisten Mattias Svensson und dem Bonfiglioli Weber String Quartet – ein Tribut an den schwedischen Jazz-Pionier Jan Johansson. „In Ystad wartet immer etwas Neues auf mich, etwas, das ich zuvor noch niemals ausprobiert habe.“So auch 2020, wobei das Schicksal hier wie so häufig im Jazz Regie führte. Eigentlich hatte sich Jan Lundgren auf eine Pianotrio-Performance eingestellt. Doch als der Schlagzeuger wegen der Corona-Reisewarnungen absagen musste, sprang kurzfristig der französische Saxofon-Shootingstar Emile Parisien in die Bresche. Wieder ein völlig unkonventionelles Trio, wieder eine dieser unerwarteten Herausforderungen, die Lundgren so liebt. Einen Tag vor dem Konzert trafen er, Parisien und sein schwedischer Landsmann Lars Danielsson zum ersten Mal überhaupt aufeinander. Und schon nach kurzer Zeit spürten die drei bei der Probe, dass es wieder einer dieser Glücksfälle werden könnte. Lundgren spricht euphorisch von einer „Trinität, einer himmlischen Fügung!“ Im intimen Rahmen eines kleinen Konzertsaals, bei dem jeder Zuhörer unweigerlich in den Entstehungsprozess der Musik eingebunden ist, konnte sich der Zauber des neuen Trios erst richtig entfalten. „Im Jazz geht es immer um gute Melodien, prägnante Rhythmen und starke Kompositionen“, erklärt Lundgren. „Jeder bringt seine eigene Note ein, ausgehend von unseren völlig unterschiedlichen musikalischen Herkünften. Und das macht die Sache so spannend und aufregend. Wir genießen es, in die Welt des jeweils anderen einzutauchen und dabei neue Welten zu erschaffen.“Als Basis für die gemeinsamen Exkurse verwenden Lundgren, Parisien und Danielsson eingängige Kompositionen, die sie lustvoll und nach allen Regeln der Improvisationskunst verzieren und mit kindlicher Freude entfalten. Der Opener „Glädjens Blomsters“ (Blumen der Freude) beispielsweise ist ein altes schwedisches Volkslied, das durch Emile Parisiens dunkles Soprano eine berührende melancholische Note erfährt. Lars Danielssons Hymne an seine Tochter „Asta“ lockt in einen Korridor voller harmonischer Schwingungen. Nicht die einzige Überraschung: Der Bassist eröffnet Parisiens „Préambule“ mit einem voluminösen, runden Intro, während das wärmende „I Do“, das Lundgren einst für ein Theaterstück schrieb, von den Musikern behutsam von innen illuminiert wird. Ganz im Stil eines romantischen Tastenvirtuosen führt der schwedische Pianist in „Schubertauster“ ein, eine Hommage auf Franz Schubert, die wiederrum der französische Akkordeonist Vincent Peirani als Komponist beisteuerte. Jan Lundgren besitzt einen Hund, eine niedliche Promenadenmischung zwischen Yorkshire Terrier und Chiwawa. Genauso vital und aufgekratzt klingt „A Dog Named Jazze“. Das Titelstück „Into The Night“ wirkt in seiner ganzen harmonischen Farbenpracht wie ein Soundtrack für den traditionellen schwedischen Midsommar. Zum Schluss hat Lars Danielsson noch eine Liebeserklärung an „Ystad“, dieses kleine, feine, stolze Jazzfestival, zu Notenpapier gebracht, das die drei mit großer Hingabe und Empathie in Töne gießen.Natürlich geht das Ystad Festival auch 2021 wieder über die Bühne, und zwar vom 4. bis 7. August. Auch diesmal werden Jan Lundgren, Emile Parisien und Lars Danielsson wieder ihre überbordende Musikalität, ihren reichen Erfahrungsschatz vereinen und ihr neues Triogefühl bis zur Neige auskosten. Er freue sich wie ein Kind, sagt Lundgren. „Ich bin so glücklich über diese Fügung, und dass wir den Faden wieder aufgreifen können, nach dieser langen, pandemiebedingten Pause. Für mich ist das wie eine zweite Chance!“ © ACT Music
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