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Alternativ und Indie - Erschienen am 17. April 2020 | Epic

Hi-Res Auszeichnungen Pitchfork: Best New Music
Als sie mit 19 ihr Debüt veröffentlichte, wurde sie mit Ehrungen, Kritikerlob und goldenen Schallplatten geradezu überschüttet. Dabei war "Tidal" alles andere als ein geschmeidiges Pop-Album. Eher ein Urahn von Billie Eilishs "When We All Fall Asleep", in dem sich Fiona Apple mit ihrer dunklen Gedankenwelt auseinandersetzte. 23 Jahre später erscheint nun ihr erst fünftes Werk, das in mühsamer Kleinarbeit in ihrem Haus in Venice Beach, Los Angeles entstanden ist. Apples ausdrucksstarke, rauchige Stimme und das Klavier sind geblieben, statt Streichern wie auf dem Debüt dienen hier perkussive Elemente als wichtigste Begleitung. Unter anderem die Knochen ihres innig geliebten, verstorbenen Hundes Janet und die Flächen ihres Heims. House Music der anderen Art, wie sie mit einer Prise Ironie selbst dazu meint. Und wie gewohnt eine Auseinandersetzung mit ihrem Innenleben, das ohne große Ablenkungen ihren Alltag prägt. Außer mit ihrem aktuellen Hund Mercy für den täglichen Spaziergang verlässt sie ihre vier Wände selten. Soziale Medien verwendet sie nicht, eine offizielle Webseite hat sie längst nicht mehr, aktuelle Musik interessiert sie kaum, Interviews und Konzerte gibt sie nur noch selten. Sie ist Künstlerin durch und durch. Einsam ist sie dennoch nicht. Auf dem Album sind neben ihrer Stammband auch ihre Schwester Amber (in "Newspaper") zu hören und im Titeltrack Model und Schauspielerin Cara Delevingne, die den Hintergrundgesang beisteuert und ein markantes "Miau". Klar, Hundegebell ist auch zu hören. Dafür, dass die Aufnahmen im Wesentlichen mit Hausmitteln stattfanden - Computer und Handy, - ist der Klang erstaunlich intensiv. Das gilt für Stimme und Klavier wie auch für Schlagzeugerin Amy Aileen Wood. Apple und Wood kennen sich schon seit zwei Jahrzehnten und pflegen offenbar eine nicht ganz einfache Beziehung. Was sich daran zeigt, dass Apple Wood ehrt, indem das Album mit einer coolen Schlagzeugeinlage startet, sich im vorletzten Stück "Drumset" aber beklagt, dass das Instrument plötzlich abhanden gekommen sei. Laut Wood bezieht es sich auf eine turbulente Aufnahmesession, nach der sie das Schlagzeug mitnahm. Apple hatte wohl befürchtet, dass Wood ihre Sachen endgültig gepackt habe, dabei benötigte sie es lediglich für einen Liveauftritt. Wood spielt jedenfalls eine zentrale Rolle, ebenso wie ihr Vater John Would, der als Toningenieur half, Hunderte Soundschnipsel zusammenzuschneiden, um ein organisches Album zu erzeugen. Der erfahrene Produzent Tchad Blake war beratend tätig, doch behielt Apple stets alle Fäden in der Hand. So beließ sie im Endmix bei all der rhythmischen Vertracktheit schöne spontane Einlagen, etwa ein "Ah, fuck, shit" im abschließenden Stück, als sie im schnell gesprochenen Text "On I go, not toward or away / Up until now it was day, next day / Up until now in a rush to prove / But now I only move to move" kurz den Takt verliert. Zeilen übrigens, die Apples Weg als Künstlerin gut beschreiben: stets in Bewegung, nicht um ein Ziel zu erreichen oder von etwas davon zu laufen, sondern aus der inneren Notwendigkeit heraus, sich zu bewegen. Apple setzt auch Verse ein, die in ihrer Schulzeit entstanden. "Shameika" hieß ein ruppiges Mädchen in ihrer Klasse, das meinte, sie erkenne in Apple "Potential", der Refrain des Liedes. "Evil is a relay sport / When the one who's burned turns to pass the torch" lautet der Text von "Relay", ein Zungenbrecher, den sie mit 15 schrieb und in etwa bedeutet: "Das Böse ist ein Staffelsport / Wenn der Verbrannte sich umdreht, um die Fackel weiterzureichen" . Selbst der Titel des Albums hat einen beunruhigenden Bezug. "Holt den Bolzenschneider" ist eine Anspielung auf die Fernsehserie "The Fall – Tod in Belfast", in der Gillian "Scully" Anderson Sexualverbrechen aufklärt. In einer Episode spricht sie den Satz aus, um eine Frau zu befreien, die gefoltert wurde. Um dieses Werk positiv zu deuten könnte man sagen, dass Apple damit versucht, sich von ihren Ängsten und Zwängen zu befreien. Aber das Böse ist nie weit entfernt. "Good mornin'! Good mornin' / You raped me in the same bed your daughter was born in", wirft Apple unvermittelt in "For Her" ein. Ihr ist bewusst, dass eine Befreiung einerseits nicht möglich ist, andererseits die Zwangsstörungen, Depressionen und Angstzustände, mit denen sie seit ihrer Kindheit auseinandersetzen muss, die Quelle ihrer Kunst sind. Eine große Kunst, wie sie auch auf "Fetch The Bolt Cutters" unter Beweis stellt. Ein Album, das einige Zeit benötigt, um sich zu offenbaren, dann aber dazu einlädt, immer und immer wieder gehört zu werden. © Laut
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Alternativ und Indie - Erschienen am 23. Juli 1996 | Clean Slate - Work

War es Glück oder Pech? Genau ein Demotape in Form einer Kassette brauchte Fiona Apple, um einen Plattenvertrag an Land zu ziehen. Den musste sie ihrer Mutter zur Unterschrift vorlegen, weil sie noch nicht volljährig war. Die konnte es nicht fassen, dass 100.000 Dollar als Vorschuss überwiesen werden sollten. Ein Vorgang, der selbst in den 1990er Jahren, als das Geld in der Musikindustrie noch reichlich floss, unüblich war. Doch Andy Slater, der sich als Produzent des Rock-Musikers Warren Zevon einen Namen gemacht hatte, war begeistert und hatte Fiona für Sony unter Vertrag genommen. Zwei Jahre nach Einreichen des Demos erscheint "Tidal" im Sommer 1996. Apple ist 18 und auf Krawall gebürstet, was nicht so recht zu ihrer dunklen, ruhigen Stimme und den angejazzten Arrangements passt. Emanzipierte, selbstbewusste Frauen sind zu diesem Zeitpunkt keine Seltenheit mehr, doch begeht sie Neuland, als sie in einem Interview mit dem Rolling Stone erzählt, mit 12 vor der Wohnung ihrer Mutter von einem Unbekannten vergewaltigt worden zu sein. Damit tritt sie eine mediale Welle los, die sie bald überrollt. "Diese Welt ist Bullshit, und du solltest dein Leben nicht danach ausrichten, was wir für cool halten, was wir anziehen und was wir sagen", verkündet sie 1997 bei den MTV Video Music Awards. Sie hat keine Lust mehr, die ständig selbe Frage zu beantworten (die Vergewaltigung "ist nicht der Grund, weshalb ich schreibe. Es ist ein langweiliger Schmerz, kein poetischer", erklärt sie 2000), findet jedoch zunächst keinen Weg aus dem Rampenlicht. Wie auch, wenn man als musikalisches Genie dasteht, das als Kind Klavier spielen gelernt, mit sieben die ersten Kompositionen geschrieben, mit 19 mehrere Grammys und MTV Awards gewonnen und vom Debütalbum zwei Millionen Exemplare verkauft hat? Dazu verkörpert Apple das Bild der anorexischen, verruchten Schönheit, das Calvin Klein und Kate Moss populär gemacht haben. Heroin chic, vor allem im Video zu "Criminal", ihrer erfolgreichste Single. Abstürze in der Öffentlichkeit und wechselnde Freunde halten die Presse auf Trab. Dabei legt das Album das Innenleben einer Frau offen, die seit ihrer Kindheit mit Zwangsstörungen, Depressionen und Angstzuständen kämpft, sich davon nicht aber unterkriegen lässt. Während sie ihre Dämonen mit der Öffentlichkeit teilt, baut sie gleichzeitig eine Mauer um sich auf. Wie es Joni Mitchell ein Vierteljahrhundert davor getan hatte, einerseits mit "Blue", andererseits mit einem Schutzmechanismus, der als Überheblichkeit und Jähzorn interpretiert wurde. Texte allein machen noch keine gute Musik. Doch gerade die ist es, die "Tidal" - und Apples gesamtes, spärlich wie erlesenes Werk, - zu etwas Besonderem macht. Slater, der ihr den Vertrag besorgt hat, übernimmt auch die Rolle des Produzenten und scheut keinen Aufwand, um das Studio mit hochkarätigen Musikern zu besetzen. Doch bleiben Apple und ihr Klavier im Mittelpunkt, unterstützt von rhythmischen Elementen, die im Laufe ihrer Karriere eine immer größere Rolle spielen. Mit einem wuchtigen Schlagzeug leitet der Opener eine Reise in eine verträumte Welt ein, die stellenweise einen Alptraum gleicht und doch auch für erhabene Momente sorgt. "Sleep To Dream" schrieb Apple, als sie 14 war, offenbar mit frisch gebrochenem Herz. "I have never been so insulted in all my life" singt sie in der dritten Strophe. Blendet man Stimme und Streicher im folgenden "Sullen Girl" aus, könnte man meinen, Nick Cave sitze am Klavier. Doch der erste richtige Höhepunkt ist "Shadowboxer". "Once my lover, now my friend / What a cruel thing to pretend / What a cunning way to condescend / Once my lover, and now my friend" singt Apple zu Beginn, und doch kann sie ihren Verflossenen nicht loslassen und folgt ihm wie ein Schatten. Ein ganz anderes Bild zeichnet sie im bekanntesten Stück des Albums, "Criminal", geschrieben in einer Dreiviertelstunde während einer Aufnahmepause. "I've been a bad, bad girl / I've been careless with a delicate man / And it's a sad, sad world / When a girl will break a boy / Just because she can". Aus der jungen Frau mit gebrochenem Herzen ist hier eine kühle Femme Fatale geworden. "Slow Like Honey" und "The First Taste" klingen poppig-konventionell und passen nicht so recht den vorherigen Stücken, dafür folgt mit "Never Is A Promise" eine Klavierballade erster Güte, dezent begleitet von Streichern, die Van Dyke Parks arrangierte. Es war eines der drei Stücke, das sie für das Demotape aufnahm, mit dem alles begonnen hatte. Und das letzte, das auf "Tidal" einen bleibenden Eindruck hinterlässt, denn "The Child Is Gone", "Pale September" und "Carrion" klingen eher wie Füllmaterial, um das das Album vollzukriegen. Vier bis fünf gute Stücke auf dem Debüt sind mehr, als die meisten Künstler vorweisen können. Siehe David Bowie, der etliche Anläufe brauchte, bis er endlich einen Hit hatte, und noch einige mehr, bis er zum Star wurde. Die meisten hätten längst aufgegeben. Bei Fiona Apple ist genau andersrum gelaufen - sie musste kämpfen, um wieder in Vergessenheit zu geraten. 1999 veröffentlichte sie "When The Pawn ...", dessen Titel eigentlich ein Gedicht mit 444 Zeichen war, das sie als Antwort auf eine wenig schmeichelhafte Coverstory schrieb. 2000 zog sie endgültig nach Los Angeles - ihre Kindheit und Jugend hatte sie abwechselnd in New York bei ihrer Mutter und in LA bei ihrem Vater verbracht - und fand in ihrem Haus am Venice Beach den ersehnten Zufluchtsort. "Ich habe versucht, meine eigene kleine Blase so wenig wie möglich zu verlassen", erzählte sie 2005. "Es war eine harte Zeit, und ich glaube nicht, dass ich diese Art von Popularität jemals wieder erleben möchte. Es verletzt die Gefühle. Es verletzte meine Gefühle, missverstanden zu werden und ein Gesprächsthema zu sein." Seitdem hat sie sich noch weiter zurückgezogen, tritt nur noch selten live auf, kümmert sich um ihren Hund und meldet sich ab und an mit einem neuen Album. Wobei die Abstände immer größer werden. Das dritte, "Extraordinary Machine", war 2003 bereits fertig gestellt, die Veröffentlichung wurde aber mehrfach verschoben. Fans vermuteten, dass das Label dahinterstecke, und gründeten die Seite freefiona.com, um die Veröffentlichung zu erzwingen. Ein Shitstorm aus der Zeit, als soziale Netzwerke noch in den Kinderschuhen steckten, samt geleakter Tracks als "Beweismaterial". Letztlich war der Hauptgrund Apple selbst, die mit dem Ergebnis nicht zufrieden war und nochmal ins Studio ging, um das schließlich 2005 veröffentlichte Album zu überarbeiten. Ihr Label ließ sie erstaunlicherweise nicht fallen und gab Apple die Freiheit, die sie brauchte. Mit Erfolg: "The Idler Wheel ..." erreichte 2012 Platz 3 der US-Charts, "Fetch The Bolt Cutters" schaffte es 2020 in die Top Ten der meisten "Alben des Jahres"-Listen, auch bei laut.de. Die Jahre mögen vergangen sein, temperamentvoll ist Apple geblieben. "Ich habe eine Menge Wut in mir. Ich habe viel Traurigkeit in mir. Und ich kann Arschlöcher wirklich, wirklich, wirklich nicht ausstehen. Wenn ich vor einem stehe, und ich bin zufällig an einem öffentlichen Ort, und ich raste aus, dann ist das nicht gut für mich. Aber ich kann nicht anders, weil ich mich verteidigen will", erklärt Apple 2020 in einem Porträt in der Zeitschrift New Yorker. Letztlich ist aus dem Pech, das sie hatte, eine glückliche wie außergewöhnliche Karriere entsprungen. © Laut
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Pop - Erschienen am 9. November 1999 | Clean Slate - Epic

"When The Pawn" ist der Anfang eines aus 90 Worten bestehenden Gedichtes und wäre es nach Fiona Apples Willen gegangen, hätte der Albumtitel auch aus dem kompletten Gedicht bestanden. (Was Musikredakteure wohl teilweise in Schwierigkeiten gebracht hätte.) Aber wie ist das Album denn nun abgesehen vom Namen? Perfekt! Oder zumindest ganz dicht dran. Die Titel wirken alle dermaßen organisch und durchdacht, dass es einfach Spass macht, zuzuhören. Fiona Apple schnappt einen an der Hand und zieht einen quer durch ihr Gefühlsleben durch Angst, Enttäuschung, Verzweiflung, Hass und natürlich Liebe. Ob man möchte oder nicht, spielt keine Rolle, und der Versuch zu fliehen ist zum Scheitern verurteilt. Sie schafft es auf wunderbare Weise, all diese Empfindungen - vorzugsweise durch ihre Stimme und das Klavier - im Kopf des Zuhörers zu verankern. Wobei die guten Lyrics natürlich einiges dazu beitragen, allerdings würde das Album wohl auch auf rein musikalischer Ebene funktionieren. "When The Pawn" stellt eine Weiterentwicklung zum schon sehr guten Vorgänger "Tidal" dar. Das Album erschließt sich recht schnell, ändert sich aber mit jedem Hören, scheint immer besser zu werden. Was mich am meisten erstaunt, ist, wie jemand mit gerade mal 22 Jahren so gut arrangierte Songs produzieren kann. "When The Pawn" katapultiert Fiona Apple in eine Liga mit PJ Harvey und Tori Amos. © Laut
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Pop - Erschienen am 4. Oktober 2005 | Epic - Clean Slate

Ich höre gerade ein Album, das schon ganze zwei Jahre fertig ist. Aber trotzdem durfte es bis jetzt keiner haben: Die Platte war dem Label nicht Mainstream genug. Wie ein Geist irrte Fiona Apples drittes Werk "Extraordinary Machine" durch die Untiefen des Internets, zerstückelt, verstreut und nie wirklich fassbar. Und trotzdem - den Fans reichte eine halbe Ewigkeit des Wartens, sie luden die Tracks, von denen niemand wusste, wie sie ihrem staubigen Regal in die virtuelle Welt entflohen waren. Die Begeisterung für das Phantomalbum wuchs und schwappte endlich auch bis in die verantwortlichen Gehirne. Und die bannten den Geist in einem "neuen" Silberling. Nun ist er da, mit zwölf beeindruckenden Titeln steht "Extraordinary Machine" ab dem 7. Oktober in den weniger staubigen Regalen. Dort wird die Platte wohl kaum lange Zeit absitzen müssen, denn sie ist wunderbar. Fiona nimmt einen mit in eine Welt, in der (fast) nur das Klavier und ihre Stimme das Sagen haben, die über die Gefühle des Zuhörers richten wie ein König. Aber wir haben es hier nicht mit einem Kopf-Ab-Regime wie zu Alices Zeiten zu tun, denn dafür ist das ehemalige Phantom zu vielschichtig. Es kommt vielmehr darauf an, wonach einem so zumute ist: des Königs Ländereien bieten sowohl Platz für das Traurigsein, Bitterböse-Dreingucken oder Vergnügt-Mit-Den-Zehen-Wippen. Kurz bevor ich meine Füße komplett in ihr Reich versenke, weist die "Extraordinary Machine" mich auch noch persönlich auf ihre wirklich außergewöhnliche Eigenart hin: "Be kind to me or treat me mean / I'll make the most of it / I'm an extraordinary machine". Jeder ihrer Verse klingelt mit der vorwitzigen Portiersglocke, die immer dann hervorspringt, wenn gerade alle anderen leise sind, noch lange durch meine Gehörgänge. "Get Him Back" begrüßt mich mit einer Klavierrhythmik, an der die Elefantenkarawane aus dem Dschungelbuch ihre Freude hätte. Zwangsläufig wackelt mein Kopf mit. Ab und an löst Fiona das militante Gewippe mit viel Hall und schafft Lichtblickatmosphäre. Eindeutig weniger Grund zum Hoffen gibt "O' Sailor". Zwar kommen Bridge und Refrain mit einer sehr hübschen Melodie daher, aber das beseitigt den melancholischen Beigeschmack noch lange nicht. Dieser Song eignet sich gut dazu, liebe Menschen zu vermissen oder die Sonne nach sieben Tagen Regenwetter. "Better Version Of Me" und "Thymps (The Sick In The Head Song)" reißen einen wieder aus dem Tal der Traurigkeit. "Parting Gift" ist wohl mit dem emotional stärksten Refrain des ganzen Albums bewaffnet. Für diese Art von Liedern gibt es meist nur zwei Themen: Liebeserklärungen oder, wie in diesem Fall, Beziehungsstress. "Oh, you silly, stupid past time of mine / You were always good for a rhyme / And from the first to all the last times/ All the signs say stop/ But we went on ..." beschreibt die Kiste recht deutlich. Klar, dass Fiona bei solchen Fehden mal ordentlich wütend werden will. "Window" fängt mit den afrikanisch anmutenden Trommeln zwar recht friedlich an, endet aber mit der Zerstörung empfindlichen Fensterglases. Trotzdem: "Better break the window then him or her, or me". Alle Cholerik verfliegt und geht mit "Oh Well" nahtlos in Verzweifelung über. Fräulein Apple läuft zur Höchstform auf, gibt mir die volle Stimmbandbreite und hinterlässt mich beeindruckt. "Please, Please, Please" und "Red, Red, Red" sind bis auf ihre auffallend ähnliche syntaktische Gestaltung recht unspektakulär. Erst "Not About Love" setzt wieder Highlights. Hier überrascht Fiona nicht nur mit einer crunchigen Klampfe, sondern legt dabei auch ordentlich Tempo an den Tag. Mit "Waltz (Better Than Fine)" verlasse ich die königlichen Ländereien und wippe noch ein paar Minuten vor einem kleinen, französischen Café am Montmartre herum. Im 3/4-Takt und höchst vergnügt, versteht sich. © Laut
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Alternativ und Indie - Erschienen am 18. Juni 2012 | Epic

Der Pop-Song. Er lebt von Erfahrung und zugleich lechzt er nach Erfrischung. Was wie eine Vorstellung von anno dazumal anmutet, ist mit "The Idler Wheel Is Wiser Than The Driver Of The Screw And Whipping Cords Will Serve You More Than Ropes Will Do" endlich wieder hörbar wahr geworden. Entgegen aller Retromanie und reaktionärer Autotune-Autorität ist diese Verjüngungskur ein Quell in der Wüste. Und nein, es ist keine Fata Morgana, es ist State Of The Art at its best. Fiona Apple, eine Trulla und Unangepasste im Räderwerk der Musikindustrie, umzingelt den Pop. Weil der herausgefordert werden will, legt die Sängerin und Pianistin die Waffen an und entwickelt eine Zentripetalkraft, die auf das Gedöhns, die Binsenweisheiten und den Einheitsbrei gerichtet ist und diese überflüssigen Klumpen in die Peripherie wegschleudert. Das erinnert nicht umsonst an die Futuristen, die dem Kult der Vergangenheit den Garaus machen wollten. Dabei kommt Apples Angriff aus dem Hinterhalt. Hinter jeder ihrer Kadenzen ist ein Schleichweg versteckt, nicht mal der Teufel kommt mehr mit in ihrem mäandernden Innenleben: "My heart's made of parts of all that surrounds me / And that's why the devil just can't get around me / Every single night's a fight with my brain / I just want to feel everything" ("Every Single Night"). Zuerst krakeelt sie im Chor, dann säuselt sie ganz bedächtig. Wohl wissend, dass sie das Ruder wieder ganz übernommen hat. Den Beelzebub im Rückspiegel kann sie nur belächeln. In "Daredevil" ist Apple nur zu einem bruchstückhaften Äußern fähig. Ab und an knackt der Bass, die flatterigen Snareschläge bezeugen die Unsicherheit der Interpretin: "But don't let me ruin me / I may need a chaperone / Seek me out, look at me / I'm all the fishes in the sea." Jetzt hat auch sie die Verfügungsgewalt verloren. Ihren ehemaligen Lebensgefährten, den Autor Jonathan Ames, hat sie nicht vergessen und schickt dem Namensgeber mit "Jonathan" einen Gruß mit sanftem Nachdruck. Leben sehen möchte sie ihn, reden tut nicht not. Es folgt mit "Left Alone" gespenstischer Skiffle, bei dem Apple hinter dem Piano recht arg krächzt, so dass Stimmknötchengefahr besteht. Überhaupt: Klavier, Stimme und Schlagwerk, das alles muss reichen für die Dreifaltigkeit. Und mehr steckt meistens nicht drin. Kann ja auch nicht. Selbst der Hintergedanke an eine Single oder ein besonderes Aushängeschild dieses Albums verbietet sich. Er würde schlicht an der Bizarrheit dieser Frau scheitern, wie sie im träufelnden und tickenden "Regret" beweist: "But I can ran out of white doves' feathers to soak up the hot piss that comes from your mouth." Falls der Pop mal am Scheideweg stehen sollte, wüsste er, dass es sich lohnt, auch dieses verflixte siebte Jahr abzuwarten, wie es Fiona Apple gemacht hat. © Laut
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Alternativ und Indie - Erschienen am 20. November 1999 | Epic

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Pop - Erschienen am 11. Oktober 2005 | Epic