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Die Alben

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Deutsche Musik - Erschienen am 16. November 2007 | JKP - WM Germany

Auszeichnungen Qobuz' Schallplattensammlung
Dass Die Toten Hosen weder Angst vor dem sogenannten "Kulturbetrieb" noch vor Interdisziplinarität haben, dürfte mittlerweile umfassend bekannt sein. Die Hosen im Burgtheater, die Hosen mit Sinfonieorchester, die Hosen mit Biermösl Blasn, Campino mit Brandauer, Campino mit Wenders, Campino vertont Prokofjew. 1988 sah das noch ein klein wenig anders aus: Campi, Breiti, Kuddel, Andi und Wölli hatten ein Jahr zuvor mit "Nevermind The Hosen, Here's The Rote Rosen" ihren ersten Streich als Rote Rosen auf den Markt gebracht und waren damit erstmalig in die Charts gekommen. Die Hosen waren immer noch die chaotisch-ulkigen Opel-Punks mit den lustig-geschmacklosen bunten Klamotten, die in Talkshows gerne medienwirksam vom Stuhl kippten und herumgrölten. Dass es das Düsseldorfer Quintett 1988 als Statisten und Musiker auf Einladung von Regisseur Bernd Schadewald ins Theater zog, und zwar für dessen Inszenierung des Anthony-Burgess-Romans "A Clockwork Orange", erschien für damalige Verhältnisse durchaus ungewöhnlich. Die Hosen wurden gebeten, von der Handlung inspirierte Lieder für das Stück zu schreiben, die sie 1988 in Bonn für mehrere Monate als Überleitung zwischen den Akten spielten. Sechs Stücke an der Zahl, die die Band nach Dienstschluss auf der Theaterbühne gemeinsam mit dem früheren Stammproduzenten Jon Caffery aufnahm. Der zweite Teil des Album-Untertitels "Die Lieder aus A Clockwork Orange und andere schmutzige Melodien" verrät es: Zusätzlich schrieb die Band ein weiteres halbes Dutzend Songs, die zwar nicht in direktem Zusammenhang mit dem Stück standen, aber die dystopisch-brutale Handlung weiterspinnen. Im Booklet liest sich das wie folgt, gehalten in Nadsat, dem (erfundenen) Slang des Buches: "Es ist aber nicht nur die Geschichte unseres ehrenwerten Droog Alex, sondern auch die einer ganzen Menge anderer Malitchicks, die hier und heute in unserem gromkigen Land leben. Denn der Haufen von holschigen Vecks, der sich Gesellschaft schimpft, ist heute mindestens so bezumnie wie damals." Gleich mit dem ersten Song der Platte, dem aus der Frege/Meurer-Feder (Campino/Andi) stammenden "Hier Kommt Alex", schufen Die Toten Hosen den vielleicht immer noch stärksten Song ihrer immer noch auf Hochtouren laufenden Karriere. Eingeleitet von Klängen aus Beethovens Neunter beschrieb der Song das beklemmende Szenario des Stücks perfekt: "In einer Welt in der man nur noch lebt, damit man täglich roboten geht / Ist die größte Aufregung, die es noch gibt, das allabendliche Fernsehbild", beginnt "Hier Kommt Alex" und stellt dir die gewaltwilligen Rebellen rund um Alex vor, die der ganzen sterilen Hölle einen Strich durch die Rechnung machen, ritzen und schlagen wollen. Musikalisch war das zwar immer noch Punkrock, aber eine deutliche Weiterentwicklung. Das Dilettantische trat in den Hinter-, das Kompositorische ein wenig in den Vordergrund, die Musik wurde vielschichtiger, die Ramones hört man dennoch an der einen oder anderen Stelle ganz deutlich heraus. "1000 Gute Gründe" ist bis heute eines der besten politischen Lieder im Bandkanon. Als Intro übt sich Campino im mehrstimmigen Volksmusikgrölgesang. Dann die Idylle: "Unser Lieblingswort heißt Leistung / Wir sind auf Fortschritt eingestellt / Nichts ist hier unkäuflich / Wir tun alles für gutes Geld / Wir lieben unser Land! / All die Korruption, die Union! /Wir lieben unser Land!", heißt es da. Nur: "Es gibt 1000 gute Gründe, auf dieses Land stolz zu sein / Warum fällt uns jetzt auf einmal kein einziger mehr ein?" "Ein Schritt Zuviel" kehrt zurück in den "Clockwork Orange"-Kosmos, handelt von der Festnahme von Alex. "Sie haben dich erwischt und es gibt keinen Weg zurück": Protagonist Alex steckt in der Klemme, hat den Bogen überspannt. Seine Zeit im Gefängnis beschreibt dann "Die Farbe Grau": "Der Urteilsspruch des Richters ist gnadenlos gefallen / Vierzehn lange Jahre schickt man dich in Haft / Draußen dreht sich die Welt und sie fragt nicht mal nach dir / Alles, was dich von ihr trennt, ist eine Eisentür", heißt es in den Strophen, ehe der Refrain die Isolation zeigt: "Zähl' jede Stunde, zähl' jeden Tag / Jede Minute ist ein ganzes Jahr / Grau ist die Farbe, die dein Anzug hat / Grau ist die Farbe deiner Zellenwand / Grau ist die Farbe der ganzen Strafanstalt / Grau ist die Farbe von jedem neuen Tag." Wie es mit Resozialisierung von Alex weitergeht, spinnt anschließend "Zahltag" weiter: "Endlich kann Alex geh'n, denn man hat ihn gezähmt / Sein Wesen umgestellt mit einem Medikament / Er gab seinen Willen für seine Freiheit, es war ihm noch nicht klar / Es war ein viel zu hoher Preis und er hat ihn gezahlt." Nur: Draußen warten nicht nur Freunde. Im Gegenteil: "Zahltag, Zahltag, Zahltag / Die Zeit der Strafe fängt erst für ihn an / Zahltag, Zahltag, Zahltag / Für eine Menschmaschine, die sich nicht wehren kann." Auch wenn "Ein Kleines Bisschen Horrorschau" vom erzählerischen Konzept gerne ausschweift, um erst später wieder zum Narrativ zurückzukehren, besitzt es einen roten Faden. Die Lieder sind beklemmend, egal ob sie sich um das Endes des Arbeitslebens ("35 Jahre") oder die sich ins Endlose gesteigerte, alles auffressende Sucht (das fieberhaft-ekstatische "Mehr Davon", eines der bemerkenswertesten Stücke des Albums) handelt. Am Ende verkommt Alex zu einer traurigen, resozialisierten, gebrochenen Figur. Das erzählt das (dem Opener musikalisch idente) Schlussstück "Bye, Bye, Alex": "Der große Rebell von gestern sagt nun für immer 'JA!' / zum bürgerlichen Leben / und den Dingen, gegen die er war. / Er hat die Fronten gewechselt, alle finden ihn wunderbar, / obwohl sich sein Charakter /keineswegs geändert hat. Hey, bye bye Alex! / Nur noch ein Clown, traurig anzuschau'n." Für Die Toten Hosen begann sich das Uhrwerk danach erst so richtig zu drehen. Mit ihrem Doppel-Album begaben sie sich anschließend "Auf dem Kreuzzug ins Glück": die erste Nummer eins der Band, "Learning English – Lesson One", und "Kauf Mich" folgten. Der Rest, nun, der Rest ist ... ihr wisst schon. © Laut
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Rock - Erschienen am 13. November 2020 | JKP - WM Germany

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Ich hasse die Toten Hosen. Ich hasse Campino. Diesen Talkshow-Punk, der von Illner, zu Lanz, zum Sportstudio hüpft und seine Nase in jede Kamera hält, die nicht schnell genug ausschaltet. Wenn er nicht gerade mit "Hope Street: Wie ich einmal englischer Meister wurde" ein Buch über sein Leben als Fan des FC Liverpool schreibt, nimmt er Popakademie-Schlonz wie "Feiern Im Regen" oder "Wannsee" auf, der selbst einem Mark Forster zu seicht wäre. Schon beim Gedanken daran bekomme ich eitrige Pusteln. Das war nicht immer so. Wie die Ärzte gehörten die Hosen fest zu meinem musikalischen Werdegang. Betrunken vom Leben und den ersten eineinhalb Bieren durch die nächtlichen Straßen taumeln und zusammen mit den besten Freunden "Bis Zum Bitteren Ende" komplett von vorne nach hinten und zurück grölen! Auf der Party der Ex im Jugendclub Seckbach den Campino geben, die Glasscheibe vom DJ-Pult zerdeppern und so - erst einmal - aus ihrem Leben fliegen! Wenn das nicht Punk war, was dann? Wohl so ziemlich alles andere. Aber das war egal. Ich fühlte es. Doch am 23. April 1991 starb eben nicht nur Johnny Thunders, sondern auch der Punk im Herzen der Hosen. Man merkte es nicht sofort, doch nach und nach fraß es sich in ihre Musik. Nach ihrem Meilenstein "Ein Kleines Bisschen Horrorschau" von 1988 folgten immer wieder ein paar gute Songs, aber das Feuer war weg und der Weg führte langsam aber kontinuierlich nach unten. Mit "Tage Wie Diese" verstaubten sie dank der Fußball-EM 2012 endgültig zu nationalem Kulturgut. Die Erwartungen an "Learning English Lesson 3: Mersey Beat! The Sound Of Liverpool" waren daher eher gedämpft. Die Hosen covern kurz vor Weihnachten ein paar tausendmal gehörte Klassiker? Ungehört 1/5, sollte klar sein. Der Verriss kitzelte bereits in den Fingern. Doch ganz so einfach war es nicht. Teil drei der Serie verbindet bis auf den Engländer am Mikro, dessen Englisch seltsamerweise immer noch kaum deutscher klingen könnte, nur wenig mit den Vorgängern. Statt wegbereitender Punk-Songs singt die Band ein Loblieb auf den Mersey Beat. Gaststars müssen ebenso wie Janet und John diesmal draußen bleiben. Stattdessen hält eine unbeschwerte Nonchalance Einzug. Was einem Cover-Longplayer logischerweise zugute kommt: Kein einziges Lied haben die Toten Hosen selbst geschrieben. Voll schön. Besser als Gold. Dafür toben sie sich mit großartig ausgewählten Songs aus. Diesen Evergreens nähern sie sich nicht etwa in lähmender Ehrfurcht, knüppeln sie jedoch auch nicht respektlos herunter. Während sie die Stücke für 36 Minuten sich ganz zu eigen machen, achten sie stets darauf, dass die Seele der Songs erhalten bleibt. Gleich "Hippy Hippy Shake" von den The Swinging Blue Jeans zeigt deutlich, wohin die Reise hier geht. Den alten Sound verbinden sie mit lebensbejahenden Punk. Verblüffenderweise versucht es Campino wie etwa in Gerry & The Pacemakers' obligatorischen "Ferry Cross The Mersey" mal nicht mit schreien, sondern mit singen. Manch einen Ton trifft er sogar. Man darf gerne selbst entscheiden, welche Variante des Frontmanns einem da besser gefällt. Erst nach drei Tracks lassen die Düsseldorfer es mit "You're No Good" (The Swinging Blue Jeans) etwas entspannter angehen, rufen dabei die Schönheit des Songs in Erinnerung. Wenn wie in "She's Sure The Girl I Love" (The Fortunes) oder "Sorrow" (The Merseys) die Bläser ausgepackt werden, gibt dies dem Klangbild einen weiteren erfrischenden Farbtupfen. Das sich an der Beatles-Version festhaltende "Slow Down" zeigt deutlich, dass zwischen hier und einem "Blitzkrieg Bop" der Ramones nur ein kurzer Weg liegt. Man hält sich kurz. Einzig "I Can Tell" knackt die drei Minuten-Grenze. Bemerkenswerterweise (oder glücklicherweise?) hat es die naheliegende FC Liverpool-Hymne "You'll Never Walk Alone" nicht in die Auswahl geschafft. Aber die hört man ja von Dortmund bis hin zum SSV Weilerswist 1924 mittlerweile eh überall. Das Schöne an dem auf 7.500 LPs und 20.000 CDs limitieren Longplayer mit dem sperrigen Titel: Zeitweise klingt es nicht einmal im Ansatz nach den Toten Hosen und dann eben doch voll und ganz. Es führt zurück zur Energie ihrer Anfangstage. Durchweg spürt man die Freude, die die Band gelöst von irgendwelchen Erwartungen an Verkäufe im Studio hatte. "Learning English Lesson 3: Mersey Beat! The Sound Of Liverpool" schenkt eine Menge Spaß und erinnert zeitgleich daran, mal wieder ein oder sogar zwei Ohren auf die ollen Kamellen zu richten. Insgesamt viel mehr, als man von einem Tote Hosen-Album im Jahr 2020 erwarten konnte. © Laut
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Deutsche Musik - Erschienen am 12. Juni 2020 | JKP - WM Germany

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Deutsche Musik - Erschienen am 29. März 2019 | JKP - WM Germany

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Die Toten Hosen aus Düsseldorf (aus Düsseldorf!) sind überall, omnipräsent, allmächtig, man kann ihnen nicht entkommen. Sie sind in der Hitparade und in den Stadien, sie spielen in euren Wohnzimmern und trinken euch dort euer Bier weg. Wenn sie es euch nicht wegtrinken, brauen sie ihr eigenes. Sie sind in Argentinien und in euren Punk-Clubs und Bierzelten, auf euren Karnevals- und manchmal auf den Theaterbühnen. Zuletzt haben die Düsseldorfer sogar die Berlinale okkupiert und einen Film vorgestellt, der sie dabei zeigt, wie sie all das machen. Nach der sehr langen, erfolgreichen Tour zum Erfolgsalbum "Laune Der Natur"-Tour, die dann konsequenterweise "Laune Der Natour" hieß, schauen Campino, Kuddel, Breiti, Andi und Vom mit einem Live-Release zurück auf den vergangenen Triumphzug (anders kann man das nicht machen) zurück. Den großen, offiziellen Tourabschluss feierte die Band natürlich in ihrer Heimatstadt Düsseldorf und ließ beim großen Finale erwartungsgemäß nichts anbrennen. Sie haben allerdings auch die 320232 Konzerte davor auf dieser Tour nichts anbrennen lassen. Natürlich, am Ende einer Tour ist Campinos Stimme noch rustikaler als sonst, das fällt aber meistens nicht auf, weil er von seinen Freunden ohnehin nicht für Schönklang engagiert wird. Die Hosen lassen es also standesgemäß krachen und eröffnen den Abend zünftig mit einem Loblied auf den gepflegten Opel und gehen nahtlos ins "Auswärtsspiel". Wer so beginnt, verliert das Spiel nicht mehr. Danach folgt ein bunter Mix, der Titeltrack von "Ballast Der Republik" darf ebenso wenig fehlen wie der Titeltrack des aktuellen Albums. Mit "Heute Hier, Morgen Dort" gibt’s eine Coverversion des Hannes-Wader-Stücks, das der Band schon auf Platte gut geglückt war. Und weil sie und ihr Publikum wissen, dass man sich auch selbst feiern muss, spendieren sie die Carpe-Diem-Nummern natürlich ebenfalls: "Das Ist Der Moment", "Altes Fieber", "Alles Mit Nach Hause". Wer schon jemals auf einem Hosen-Konzert war, weiß, wie die Story weitergeht: Die Klassiker ("Hier Kommt Alex", "Liebeslied", "All Die Ganzen Jahre", "Wünsch Dir Was", "Alles Aus Liebe") sind sowieso Fix-Starter. Ganz ohne Sauflieder kommt man ebenfalls nicht aus, diesmal muss das "Altbierlied" herhalten, davor hören wir noch "Bis Zum Bitteren Ende". Dafür ersparen sie uns "Zehn Kleine Jägermeister" und "Eisgekühlter Bommerlunder". Dazu ein paar aktuelle Stücke ("Unter den Wolken", "Wie viele Jahre (Hasta La Muerte)", "Wannsee". Haut alles hin. Am Ende heißt es, nochmal ordentlich auf die Endorphin-Kacke zu hauen. "Tage Wie Diese" (hört man), Konfetti-Regen (hört man nicht). Überraschung: klappt ebenfalls, Publikum applaudiert erfreut und freut sich des Abends. Und bevor’s dann vorbei ist, soviel Tradition muss sein, "You’ll Never Walk Alone". Treueschwüre im Konfetti-Regen. Die Toten Hosen haben alles richtig gemacht – auch wenn die aktuelle Platte vielleicht nicht ganz so gut ist, wie die davor, auch wenn der Film zwar amüsant, schlussendlich aber doch eine vergebene Chance war, der zu viel in zu schneller Zeit abreißt. Wer noch nicht genug hat, kauft sich die Edition mit der Bonus-CD "Auf Der Suche Nach Der Schnapsinsel". Da spielen die Hosen im Berliner SO36, Lars Frederiksen ist im Publikum und alles ist enger, verschwitzter und ein Stückchen räudiger als im Normalbetrieb – sofern es bei den Hosen Normalbetrieb gibt. Souverän, da kann man nicht meckern. © Laut
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Deutsche Musik - Erschienen am 25. Oktober 2019 | JKP - WM Germany

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Man kann den Toten Hosen sicher einiges vorwerfen, so einem denn der Sinn danach steht, ob Saufi-Saufi-Liederquatsch, alberne Klamotten oder einen mit fortschreitendem Alter zunehmenden Hang zur Midtempo-Schmonzballade. Wobei ja selbst das olle So-lange-Johnny-Thunders-Lebt ("Wort Zum Sonntag") bereits pures Sentiment war und man 1986 die Faltentiefe der Herren Campino, Breiti, Kuddel und Co. noch nicht einmal erahnen konnte. Was man ihnen nicht vorwerfen kann, ist mangelnder Unterhaltungswert, Arbeitseifer, Enthusiasmus und der ungebrochene Wille, dieses Ding namens Punkrock irgendwie am Laufen zu halten. Dass sich das in Lebensphasen jenseits der 50 etwas anders gestaltet, als noch zu Zeiten, da man völlig zerschossen aus dem Totenkopf-verzierten Tourbus auf den Asphalt vor irgendwelchen Jugendzentren oder Rockdiscos gespuckt wurde, ist kaum überraschend. Umso interessanter ist es, sich das von ganz nah dran einmal anzusehen. Cordula Kablitz-Post und Paul Dugdale haben Die Toten Hosen mehrere Monate lang begleitet, und auch wenn die Künstler sich letztendlich wohl nicht vollends hinter den Vorhang schauen lassen, so ist "Weil du nur einmal lebst" dennoch in weiten Teilen sehr nah, authentisch und ungeschönt geraten. Kein Nachteil sicherlich, dass Campino und Co. im dokumentarischen Kamera-Kontakt keine Rookies sind, im Gegenteil: Schon die WDR-Doku "Nichts als die Wahrheit" von Regisseur Eric Friedler gestattete 2012 sehr emotionale Einblicke ins Innenleben der Band und ihrer Historie. Die Kurzfilme zur "Magical Mystery Tour" 2017 waren in ihrer Hobbyfilmer-Ästhetik sogar noch um einiges verschwitzter und promillehaltiger. "Weil du nur einmal lebst" bietet von allem etwas: Da sind die täglichen Routinen auf Tour, wie etwa Setlist schreiben, Soundchecks, Warm-Up an der Tischtennis-Platte und das Gläschen hinterher, die Fans, die Techniker, die Musiker selbst - an Tagen wie diesen gemeinsam in the zone. Das ist ohne Schnickschnack und künstliche Überhöhung abgefilmt, in trockenem dokumentarischen Stil. Je brenzliger, desto interessanter: Etwa als Campino aufgrund seines Hörsturzes ein Konzert absagen muss, während die Crew schon die Waldbühnen-Kulisse aufgebaut hat und sich vor dem Eingang die ersten Fans warmsingen. Die Backstage-Wut über ein verkorkstes In-Ear-Monitoring, was dazu führt, dass der Filmcrew die Tür vor der Nase zugeknallt wird. Oder die Statements von Drummer Vom, der sich auch nach über zwei Jahrzehnten in der Band immer noch ein wenig wie "der Neue" fühlt. Unterm Strich ein durch und durch unterhaltsamer Film, der wenig an Geheimnissen zu Tage fördert, eine der größten Bands Deutschlands jedoch sehr stimmig als das abbildet, was sie gemeinhin ist: Witzig und kontrovers, enthusiastisch, etwas angejahrt, aber mit ungebrochenem Bock auf ihren Shit. © Laut
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Deutsche Musik - Erschienen am 4. Mai 2012 | JKP - WM Germany

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Deutsche Musik - Erschienen am 5. Mai 2017 | JKP - WM Germany

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"Wie sollen die Hosen da noch einen draufsetzen?" – Diese Frage stellte sich recht bald nach Erscheinen ihres Albums "Ballast der Republik" 2013. Die Band, die seit den 2000er Jahren auf Studioalben nie mehr so ganz zu ihrer Form fand, erreichte im 31. Jahr ihres Bestehens einen unerwarteten Karrierehöhepunkt. Ein überpräsentes, sich verselbstständigendes Monster von einer Nummer-Eins-Single ("Tage Wie Diese"), ein abwechslungsreiches, geglücktes Album, das endlich nicht mehr auf den obligatorischen und ab einem gewissen Alter ein wenig peinlich anrührenden Sauf-Song-setzt, und eine Band, die seit dem fabelhaften Hosen-Album "Opium Fürs Volk" 1996 nicht mehr so gut war. Hätten die Hosen nach "Ballast der Republik" den Hut drauf gehauen: Sie wären am Höhepunkt mit wehenden Fahnen abgetreten und hätten nichts mehr riskiert. Haben sie aber nicht – und kündigten dieses Jahr ein neues Album an. Die erste Single "Unter Den Wolken" legte erst mal den Verdacht nahe, die Hosen würden auf Nummer sicher gehen und sich eng an die "Tage Wie Diese"-Formel halten: Hochglanz-Rockgitarren, Carpe-Diem-Text, Breitbild-HD-Chorus (wobei "Unter Den Wolken" dann doch nicht ganz so dick aufträgt wie "Tage Wie Diese"). Auch, dass wieder das gleiche Team am Longplayer arbeitete – Campino-Intimus Marteria als Co-Texter, Vincent Sorg an den Reglern und Tobias Kuhn als Arrangeur – ließ einen vermuten, dass das nächste Hosen-Werk schon sehr nahe am Vorgänger gebaut und allzu kalkuliert sein würde. Schon der erste Hördurchgang von "Laune der Natur" entkräftet diese Sorgen. Zwar ist das Album ein logischer nächster Schritt zum Vorgänger und versucht erst gar nicht, eine völlig andere Richtung auszuloten – "Laune der Natur" ist aber viel in sich selbst gekehrter und über weite Strecken auch melancholischer als "Ballast Der Republik". Die Toten Hosen hatten in den letzten Jahren mit den Toden ihres Manager Jochen Hülder und ihres langjährigen Schlagzeugers Wolfgang "Wölli" Rohde zwei herbe Verluste einzustecken. 1996 schrieben sie noch "Viva La Revolution" auf jede Scheißhaustür, diesmal haben sie sich "Viva la Muerte" in ihre Haut geritzt – und stellen sich selbst die Frage, wie lange es mit der Band noch weitergehen kann. Das ist weder bierselig noch bierernst – dran glauben muss Gitarrist Michael "Breiti" Breitkopf: "Und heut ist wieder Geburtstag / Wir stehen vor Breitis Tür / Haben zwei Kisten bei mit Biosnacks / Breiti verträgt nichts anderes mehr / Happy birthday to you". Es dreht sich viel um Erinnerung auf "Laune der Natur" – wilde Partynächte inklusive der einen oder anderen konkret besungenen illegalen Substanz, jugendlichem Leichtsinn, Höhen, Tiefen, gebrochenen Knochen, verlorener Liebe. Ein großes Stück des Weges ist gegangen, das Gepäck ist kein leichtes, narbenlos ist hier niemand davon gekommen "Ich nehm' das alles mit nach Hause / Ich gebe nichts mehr davon her", singt Campino in "Alles Mit Nach Hause". Immer noch das alte Fieber eben. Zuvor geht es mit dem Opener "Urknall" ab auf den Bolzplatz – denn dahin wünschen sich die Hosen mit verzerrten Sechzehntelgitarren zurück. "Wir kommen zurück zu dir / Zum Anfang, zum Urknall, als wäre nichts passiert", singt Campino – und um zu zeigen, dass sie mit ihrem Frontman einer Meinung sind, legen seine Freunde gleich ein paar "Oh-Oh-Oh"-Chöre drauf. Ein bisschen Augenzwinkern muss sein: "Die Gitarren sind verzerrt / Die Bässe sind verstimmt / Der Gesang war nie anders / Alles halb so schlimm / Unsere Plattenfirma, nur noch Schall und Rauch / All die Pyrotechnik / Von Rammstein aufgekauft". Ach was, Campi-Kuddel-Breiti-Andi-Vom, läuft doch eh gar nicht so schlecht bei euch. Bei "Pop & Politik" üben sich die Hosen auch gleichzeitig in Ironie und zeigen ihren Spöttern (und derer gibt es bekanntlich durchaus viele) den Stinkefinger: "Wollt ihr die Welt verändern / Mit eurer peinlichen Musik / Ihr seid nur Zeitverschwender / Niemand will euch mehr sehen" – und später: "Wir sagen's euch im Guten / Haltet euch lieber raus / An Tagen wie diesen / Bleibt ihr besser mal zuhaus". Ob da nicht die gegenseitige, medial genügend diskutierte Antipathie mit einem gewissen deutschen TV-Moderator reinspielte? "Wannsee" kommt im angedubbten Reggae-Offbeat daher und lebt vom etwas kalauerhaften Wortspiel "Wannsee, Wannsee, wann seh ich dich wieder". "Ich will nicht mehr in die Hipsterviertel, die verdreckten Straßen / Fahr direkt von Tegel in die frische Luft, dein Duft hat dich verraten", singt Campino – aber bevor das noch zur Berlin-Liebeserklärung würde: "Sag doch einfach nur ja, und ich schwöre dir, ich nehm dich mit nach Düsseldorf". Nicht der stärkte Track des Albums, wäre im hinteren Teil der Platte vielleicht besser aufgehoben gewesen. Auf "Eine Handvoll Erde" verarbeitet die Band den Tod ihres Managers und Weggefährten Hülder. "Wir tragen dich nur ein paar Meter / Die für ein ganzes Leben steh'n / Verloren in Gedanken / Es gibt nichts mehr dran zu dreh'n". Der Schluss des Albums ist ihrem Freund und früheren Schlagzeuger Wölli gewidmet – mehr noch: Der letztes Jahr verstorbene "Kirschwasserkönig" hat das letzte Wort. Die Hosen nahmen dessen rührenden Country-Crooner-Song "Kein Grund zur Traurigkeit" (vom Wölli-und-die-Band-des-Jahres-Album "Das ist noch nicht alles" und spielten ihn neu ein. Die Gesangsspur Wöllis steht dabei im Vordergrund, Campino singt mit Wölli den Chorus. "Ich hab Blut von dir im Herzen / Das ist alles was mir bleibt / Sehnsucht nach dir in meinem Herzen / Lange noch kein Grund zur Traurigkeit". Ein klasse Abschluss, vor allem für eine Band, die ihre Freundschaft untereinander stets über alles stellte und sich sogar eine gemeinsame letzte Ruhestätte kaufte. "Laune der Natur" kümmert sich (abgesehen von "Unter Den Wolken") nicht um Popappeal oder schielt auf Singles. Hier wird weder plakativ der Edelpunk noch der Berufsjugendliche aus dem Stall gelassen, kein Wal wird zurück ins Meer geschoben, keine Jägermeisterpulle geöffnet und politisiert wird ebensowenig. Wo die Hosen stehen und wofür sie sich engagieren, ist ohnehin hinlänglich bekannt. Vielmehr ist "Laune der Natur" ein selbstreferenzielles, streckenweise introspektives Album – das auf eine lange Straße zurückblickt, den Status Quo mit Humor, Spaß und gebrochenem Herz abklopft und weiß, dass die Straße nicht für immer weitergehen wird. Damit liefern Die Toten Hosen 2017 ein überraschend konsequentes und tolles Album ab. Als Bonus Disc hat die Band sich und ihren Fans noch die Freude gegönnt und gemeinsam mit alten Punkrock-Kapazundern den zweiten Teil ihres Punkrock-Kurses "Learning English" eingespielt. 1991 sangen sie mit Joey Ramone, Johnny Thunders und Ronnie Biggs. Diesmal ist dabei: Jello Biafra (Ex-Dead Kennedys), Cheetah Chrome (Ex-The Dead Boys), Johnny Moped, Pete Bywaters (Peter and the Testtube Babies) und Bob Geldof (The Boomtown Rats, hasst Montage). Würdig und recht, dürfte sich doch vielleicht gerade für junge casual Hosen-Hörer der "Tage Wie Diese"-Ära die legendäre Frage des ersten Teils stellen: "Dad, what was Punkrock?" © Laut
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Deutsche Musik - Erschienen am 23. März 2012 | JKP - WM Germany

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Deutsche Musik - Erschienen am 11. November 2011 | JKP - WM Germany

"Wir sind alte Punks, schweinealt. Alte Punks, viel zu alt" sangen die Hosen vor zehn Jahren über die Grauen Panther. Der Refrain trifft heute noch mehr als damals auf den Fünfer zu. In 30 Jahren Bandgeschichte gingen die Düsseldorfer durch dick und dünn, strichen Niederlagen und Auswärtssiege ein, kämpften mit Drogenproblemen, hatten Höhen und Tiefen und blieben sich selbst dabei doch immer treu. Ein Livegarant, der als Vorband für die Rolling Stones und U2 auftrat und vor 75.000 Menschen beim Abschiedsgig der Ramones spielte, lässt nun die Jahre Revue passieren. Dabei können 22 Songs nie und nimmer der gesamten Diskographie von 14 Studioalben gerecht werden. Die Trackliste neigt auch eher dazu, die 90er und die Nullerjahre zu beleuchten, denn die ersten noch sehr punklastigen Garagen-Schretter-Nummern. Das würde den Fans der ersten Stunde zwar besser reinlaufen, allerdings richtet sich diese Compilation eher an diejenigen, die noch gar nicht zur eisernen Fanschar gehören. Selbstverständlich stellt sich da die Frage nach Sinn und Unsinn der Best Of: "Hier Kommt Alex" etwa, ein deutscher Punk-Rock-Klassiker, zu dem selbst Nena-Hörerinnen ihren Alkopop runterstürzen und wie wild pogen, wird nun schon zum zigten Mal veröffentlicht. Natürlich gehört die Nummer trotzdem drauf. Mich zogen Campino und Co. mit "Reich Und Sexy II" in ihren Bann: Auf dem Cover eine Unmenge nackter, wohl geformter Frauenkörper, mittendrin die Rockidole und eine CD gespickt mit Hits, die damals genau wie jetzt zur nahenden Weihnachtszeit hoch und runter liefen. Was konnte es für einen Pubertierenden Schöneres geben? Und an genau solche Möchte-gern-Punks richtet sich diese Veröffentlichung. "Auswärtsspiel", der Titeltrack eines ihrer besten Alben, eröffnet die Partie. Man versteht nicht wirklich, warum der Song zu den Lieblingsnummern der Band gehört. Da gibt es besseres Material. Einer der besten Songs überhaupt: "Nur Zu Besuch". So berührend, so ehrlich und gefühlvoll kann nur Campino einen Text verfassen und eine Stimmung erzeugen, die selbst dem Härtesten der komplett tätowierten Hardrock-Motörhead-Fans das Wasser in die Augen treibt. 1996 krakelte man noch lauthals "Zehn Kleine Jägermeister", wohingegen 2008 die Party allmählich ausklang. Zweifel machten sich breit, man drohte in diesen zu "Ertrinken". "Warum ist man auch zu zweit meistens allein?" Eine so essentielle Frage, die wahrscheinlich jeder Liebende schon mal gefühlt hat. Gefühle in Worte fassen gehört eh zu den Stärken des Frontmanns. Der Titel passt auch zum Motto des Booklets: All die ganzen Jahre: Ihre besten Bilder! Wer wie ich die revolutionären Tage der 80er Jahre verpasste, sie sich höchstens per Youtube und aus Papas Fotoalben ansah, schüttelt den Kopf über die durchgeknallten Klamotten. Von einer lavendelfarbenen Jogginghose und passend unpassendem Hippie-Hemd über knallig bunten, viel zu engen Lotter-Jeans bis hin zu rosafarbenen Haaren und Baskenmütze trugen sie alles, was eben nicht normal aussah. Auffallend oft ist Ex-Drummer Wolfgang Rohde abgelichtet, der maßgeblich zum Erfolg der Band beitrug. Der Ohrwurm "Sascha...Ein Aufrechter Deutscher" bestach mehr durch die Direktheit der politischen Aussage, denn durch die musikalische Begleitung: "Vor gut 50 Jahren hats schon einer probiert. Die Sache ging daneben, Sascha hats nicht kapiert". Mittlerweile war es vor gut 70 Jahren, und die Saschas von heute verstehen es immer noch nicht. Die bekennenden Fortuna Düsseldorf-Fans entwickelten sich von den Partymachern immer mehr in Richtung Familienväter. "Eisgekühlter Bommerlunder" wich der Erkenntnis "Alles Wird Vorübergehen". Uli Hoeneß und den "Bayern" ans Bein zu pinkeln war gestern. Heute zählen "Freunde" mehr denn je. Diese Veränderung im Laufe der letzten Jahrzehnte spiegeln einzelne Songs aus der jeweiligen Zeit sehr deutlich wider. Auf der letzten Seite des Booklets fassen dann einzelne Stichworte Episoden der Bandgeschichte zusammen. Die vergangenen sechs Jahre etwa: "Burgtheater. Weihnachtskonzert. Beziehungsstress. Kindergarten. Schulanfang. Unplugged. Studio. Tour. Junge Leute. Alte Säcke. Party. Südfriedhof. Manfred. Faust. Obelix. R.I.P. Depression. Kämpfen. Open Air. Ferienplanung. Lieder schreiben. Lachen. Was kommt jetzt? Vielen Dank!" Wir, die Fans, haben zu danken. © Laut
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Deutsche Musik - Erschienen am 2. November 1993 | JKP - WM Germany

„Reich & Sexy” ist eine Neuauflage der ersten „Best-of“-Sammlung der deutschen Punkrocker Die Toten Hosen. Ursprünglich erschien das Album mit 20 Songs der Band bereits im Jahr 1993. Beachtung fand es aber auch aufgrund seines Covers, einer Hommage der Band an Jimi Hendrix und sein Album „Electric Ladyland", auf dessen Cover lauter nackte Frauen posieren. Die neuaufgelegte Version erschien 2007 und enthielt einen Song mehr (insgesamt also 21). Das Compilation-Album wurde in Deutschland mit Doppel-Platin ausgezeichnet. © Sergey Mesenov /TiVo
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Deutsche Musik - Erschienen am 18. November 2005 | JKP - WM Germany

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Der Untertitel des Konzertalbums Nur zu Besuch erklärt, was das Besondere an dem festgehaltenen Auftritt ist: Die Toten Hosen unplugged im Wiener Burgtheater. Im Rahmen der MTV-Unplugged-Reihe trat die Band dort am 1. und 2. September 2005 auf und präsentierte ihre Songs im Akustikgewand: Songs wie "Hier kommt Alex", "Auswärtsspiel", "Wünsch dir was", "Pushed Again" oder "Böser Wolf" werden in den neuen Arrangements von Hans Steingen mit Akustikgitarren und Klavier vorgetragen, hinzu kommen Cover von "Blitzkrieg Bop" von den Ramones, "The Guns of Brixton" von The Clash und "Hand in Hand" von den Beatsteaks. Zum Album wurde auch ein Konzertfilm veröffentlicht, der weitere Stücke enthält. © TiVo
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Deutsche Musik - Erschienen am 5. Mai 2017 | JKP - WM Germany

"Wie sollen die Hosen da noch einen draufsetzen?" – Diese Frage stellte sich recht bald nach Erscheinen ihres Albums "Ballast der Republik" 2013. Die Band, die seit den 2000er Jahren auf Studioalben nie mehr so ganz zu ihrer Form fand, erreichte im 31. Jahr ihres Bestehens einen unerwarteten Karrierehöhepunkt. Ein überpräsentes, sich verselbstständigendes Monster von einer Nummer-Eins-Single ("Tage Wie Diese"), ein abwechslungsreiches, geglücktes Album, das endlich nicht mehr auf den obligatorischen und ab einem gewissen Alter ein wenig peinlich anrührenden Sauf-Song-setzt, und eine Band, die seit dem fabelhaften Hosen-Album "Opium Fürs Volk" 1996 nicht mehr so gut war. Hätten die Hosen nach "Ballast der Republik" den Hut drauf gehauen: Sie wären am Höhepunkt mit wehenden Fahnen abgetreten und hätten nichts mehr riskiert. Haben sie aber nicht – und kündigten dieses Jahr ein neues Album an. Die erste Single "Unter Den Wolken" legte erst mal den Verdacht nahe, die Hosen würden auf Nummer sicher gehen und sich eng an die "Tage Wie Diese"-Formel halten: Hochglanz-Rockgitarren, Carpe-Diem-Text, Breitbild-HD-Chorus (wobei "Unter Den Wolken" dann doch nicht ganz so dick aufträgt wie "Tage Wie Diese"). Auch, dass wieder das gleiche Team am Longplayer arbeitete – Campino-Intimus Marteria als Co-Texter, Vincent Sorg an den Reglern und Tobias Kuhn als Arrangeur – ließ einen vermuten, dass das nächste Hosen-Werk schon sehr nahe am Vorgänger gebaut und allzu kalkuliert sein würde. Schon der erste Hördurchgang von "Laune der Natur" entkräftet diese Sorgen. Zwar ist das Album ein logischer nächster Schritt zum Vorgänger und versucht erst gar nicht, eine völlig andere Richtung auszuloten – "Laune der Natur" ist aber viel in sich selbst gekehrter und über weite Strecken auch melancholischer als "Ballast Der Republik". Die Toten Hosen hatten in den letzten Jahren mit den Toden ihres Manager Jochen Hülder und ihres langjährigen Schlagzeugers Wolfgang "Wölli" Rohde zwei herbe Verluste einzustecken. 1996 schrieben sie noch "Viva La Revolution" auf jede Scheißhaustür, diesmal haben sie sich "Viva la Muerte" in ihre Haut geritzt – und stellen sich selbst die Frage, wie lange es mit der Band noch weitergehen kann. Das ist weder bierselig noch bierernst – dran glauben muss Gitarrist Michael "Breiti" Breitkopf: "Und heut ist wieder Geburtstag / Wir stehen vor Breitis Tür / Haben zwei Kisten bei mit Biosnacks / Breiti verträgt nichts anderes mehr / Happy birthday to you". Es dreht sich viel um Erinnerung auf "Laune der Natur" – wilde Partynächte inklusive der einen oder anderen konkret besungenen illegalen Substanz, jugendlichem Leichtsinn, Höhen, Tiefen, gebrochenen Knochen, verlorener Liebe. Ein großes Stück des Weges ist gegangen, das Gepäck ist kein leichtes, narbenlos ist hier niemand davon gekommen "Ich nehm' das alles mit nach Hause / Ich gebe nichts mehr davon her", singt Campino in "Alles Mit Nach Hause". Immer noch das alte Fieber eben. Zuvor geht es mit dem Opener "Urknall" ab auf den Bolzplatz – denn dahin wünschen sich die Hosen mit verzerrten Sechzehntelgitarren zurück. "Wir kommen zurück zu dir / Zum Anfang, zum Urknall, als wäre nichts passiert", singt Campino – und um zu zeigen, dass sie mit ihrem Frontman einer Meinung sind, legen seine Freunde gleich ein paar "Oh-Oh-Oh"-Chöre drauf. Ein bisschen Augenzwinkern muss sein: "Die Gitarren sind verzerrt / Die Bässe sind verstimmt / Der Gesang war nie anders / Alles halb so schlimm / Unsere Plattenfirma, nur noch Schall und Rauch / All die Pyrotechnik / Von Rammstein aufgekauft". Ach was, Campi-Kuddel-Breiti-Andi-Vom, läuft doch eh gar nicht so schlecht bei euch. Bei "Pop & Politik" üben sich die Hosen auch gleichzeitig in Ironie und zeigen ihren Spöttern (und derer gibt es bekanntlich durchaus viele) den Stinkefinger: "Wollt ihr die Welt verändern / Mit eurer peinlichen Musik / Ihr seid nur Zeitverschwender / Niemand will euch mehr sehen" – und später: "Wir sagen's euch im Guten / Haltet euch lieber raus / An Tagen wie diesen / Bleibt ihr besser mal zuhaus". Ob da nicht die gegenseitige, medial genügend diskutierte Antipathie mit einem gewissen deutschen TV-Moderator reinspielte? "Wannsee" kommt im angedubbten Reggae-Offbeat daher und lebt vom etwas kalauerhaften Wortspiel "Wannsee, Wannsee, wann seh ich dich wieder". "Ich will nicht mehr in die Hipsterviertel, die verdreckten Straßen / Fahr direkt von Tegel in die frische Luft, dein Duft hat dich verraten", singt Campino – aber bevor das noch zur Berlin-Liebeserklärung würde: "Sag doch einfach nur ja, und ich schwöre dir, ich nehm dich mit nach Düsseldorf". Nicht der stärkte Track des Albums, wäre im hinteren Teil der Platte vielleicht besser aufgehoben gewesen. Auf "Eine Handvoll Erde" verarbeitet die Band den Tod ihres Managers und Weggefährten Hülder. "Wir tragen dich nur ein paar Meter / Die für ein ganzes Leben steh'n / Verloren in Gedanken / Es gibt nichts mehr dran zu dreh'n". Der Schluss des Albums ist ihrem Freund und früheren Schlagzeuger Wölli gewidmet – mehr noch: Der letztes Jahr verstorbene "Kirschwasserkönig" hat das letzte Wort. Die Hosen nahmen dessen rührenden Country-Crooner-Song "Kein Grund zur Traurigkeit" (vom Wölli-und-die-Band-des-Jahres-Album "Das ist noch nicht alles" und spielten ihn neu ein. Die Gesangsspur Wöllis steht dabei im Vordergrund, Campino singt mit Wölli den Chorus. "Ich hab Blut von dir im Herzen / Das ist alles was mir bleibt / Sehnsucht nach dir in meinem Herzen / Lange noch kein Grund zur Traurigkeit". Ein klasse Abschluss, vor allem für eine Band, die ihre Freundschaft untereinander stets über alles stellte und sich sogar eine gemeinsame letzte Ruhestätte kaufte. "Laune der Natur" kümmert sich (abgesehen von "Unter Den Wolken") nicht um Popappeal oder schielt auf Singles. Hier wird weder plakativ der Edelpunk noch der Berufsjugendliche aus dem Stall gelassen, kein Wal wird zurück ins Meer geschoben, keine Jägermeisterpulle geöffnet und politisiert wird ebensowenig. Wo die Hosen stehen und wofür sie sich engagieren, ist ohnehin hinlänglich bekannt. Vielmehr ist "Laune der Natur" ein selbstreferenzielles, streckenweise introspektives Album – das auf eine lange Straße zurückblickt, den Status Quo mit Humor, Spaß und gebrochenem Herz abklopft und weiß, dass die Straße nicht für immer weitergehen wird. Damit liefern Die Toten Hosen 2017 ein überraschend konsequentes und tolles Album ab. Als Bonus Disc hat die Band sich und ihren Fans noch die Freude gegönnt und gemeinsam mit alten Punkrock-Kapazundern den zweiten Teil ihres Punkrock-Kurses "Learning English" eingespielt. 1991 sangen sie mit Joey Ramone, Johnny Thunders und Ronnie Biggs. Diesmal ist dabei: Jello Biafra (Ex-Dead Kennedys), Cheetah Chrome (Ex-The Dead Boys), Johnny Moped, Pete Bywaters (Peter and the Testtube Babies) und Bob Geldof (The Boomtown Rats, hasst Montage). Würdig und recht, dürfte sich doch vielleicht gerade für junge casual Hosen-Hörer der "Tage Wie Diese"-Ära die legendäre Frage des ersten Teils stellen: "Dad, what was Punkrock?" © Laut
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Deutsche Musik - Erschienen am 1. Juni 2007 | JKP - WM Germany

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Deutsche Musik - Erschienen am 16. November 2007 | JKP - WM Germany

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Deutsche Musik - Erschienen am 14. Dezember 2007 | JKP - WM Germany

Mit ihrem fünften Album Ein kleines bißchen Horrorschau und der dazugehörigen Single "Hier kommt Alex" hatten die Toten Hosen 1988 den Durchbruch von der Punkband zur Stadionrock-Gruppe geschafft - und so war die Nachfolgeplatte Auf dem Kreuzzug ins Glück 1990 auch ihr erstes Album, das an die Spitze der deutschen Charts kam. Die geradlinigen Rock-Hymnen des Doppelalbums beschäftigen sich mit Themen wie Fremdenfeindlichkeit, den Fall der Berliner Mauer und Depressionen; dazu kommen Coverversionen der englischsprachigen Songs "New Guitar in Town" (von The Lurkers) und "First Time" (von The Boys), zwei englische Punk-Lieder, die mit Gitarrist Honest John Plain, dem Gitarrist der beiden Originalbands, aufgenommen wurden. Außerdem ist das kabarettistische Theaterstück "Willi - ein Verlierer" zu hören, das mit Gerhard Polt und der Biermösl Blosn entstand. © TiVo
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Deutsche Musik - Erschienen am 16. November 2007 | JKP - WM Germany

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Deutsche Musik - Erschienen am 22. November 2013 | JKP - WM Germany

Mit ihrem 2012 veröffentlichten fünfzehnten Studioalbum Ballast der Republik spielten sich die Toten Hosen in Deutschland, Österreich und der Schweiz an die Spitze der Charts und kassierten in jedem der drei Länder auch eine Platin-Auszeichnung. Die dazugehörige Tournee Krach der Republik wird auf dem gleichnamigen Doppel-Album dokumentiert. Die 34 Tracks dieses mittlerweile fünften Live-Albums der Punkveteranen wurden bei insgesamt zehn Konzerten quer durch Deutschland aufgenommen; die Setlist konzentriert sich auf die jüngeren Songs der Gruppe, beinhaltet aber natürlich auch Hosen-Klassiker wie "Hier kommt Alex", "Wünsch Dir was" und "Eisgekühlter Bommerlunder". © TiVo
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Deutsche Musik - Erschienen am 16. November 2007 | JKP - WM Germany

Das 1996 erschienene Album Opium fürs Volk war die erste Veröffentlichung auf dem Label JKP, das die Toten Hosen gegründet hatten, um nach Auslaufen ihres Vertrags mit Virgin unabhängiger zu sein. Passend zum Ausspruch von Karl Marx, der Religion als Opium des Volkes bezeichnete, beschäftigt sich Campino hier viel mit Religion und Vergänglichkeit: Das Album beginnt schon mit dem von Mönchen gesungenen "Vaterunser", dann kommen Stücke wie "Nichts bleibt für die Ewigkeit", "Ewig währt am längsten" und "Die zehn Gebote". Anderswo werden Albträume inszeniert, ob ganz reale wie die Missbrauchsgeschichte "Böser Wolf" oder phantastische wie in "Die Fliege". In "XTC" verbinden die Hosen ihren Punkrock mit Techno-Sounds, um von einem Ecstasy-Trip zu erzählen. Außerdem ist das Trinklied "Zehn kleine Jägermeister" zu hören, das als Single die Chartspitze erreichte. © TiVo
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Deutsche Musik - Erschienen am 1. Juni 2007 | JKP - WM Germany

Der Untertitel des Konzertalbums Nur zu Besuch erklärt, was das Besondere an dem festgehaltenen Auftritt ist: Die Toten Hosen unplugged im Wiener Burgtheater. Im Rahmen der MTV-Unplugged-Reihe trat die Band dort am 1. und 2. September 2005 auf und präsentierte ihre Songs im Akustikgewand: Songs wie "Hier kommt Alex", "Auswärtsspiel", "Wünsch dir was", "Pushed Again" oder "Böser Wolf" werden in den neuen Arrangements von Hans Steingen mit Akustikgitarren und Klavier vorgetragen, hinzu kommen Cover von "Blitzkrieg Bop" von den Ramones, "The Guns of Brixton" von The Clash und "Hand in Hand" von den Beatsteaks. Zum Album wurde auch ein Konzertfilm veröffentlicht, der weitere Stücke enthält. © TiVo
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Deutsche Musik - Erschienen am 16. November 2007 | JKP - WM Germany