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In Zeiten, wo sich die Musikindustrie mit der Frage beschäftigt, ob das Album als solches noch Sinn hat, beschließt Dave Clarke, nach fünfundzwanzig Jahren reinstem Hardliner-Techno auf Maxi-CDs, 2017 seine erste Langspielplatte herauszubringen, The Desecration Of Desire. Obwohl teilweise von vier Alben die Rede ist, sind die drei anderen eigentlich nur Kompilationen von Titeln, die in verschiedene Kategorien eingeteilt sind. In einem Interview für The Skinny spricht der Engländer übrigens von seinem ersten „richtigen Album“. Und was für einem Album! Der Produzent – der seit einigen Jahren seinen Sitz in Amsterdam hat - repräsentiert britischen Warehouse Techno (dank der inzwischen klassischen Serie mit den drei Maxi-CDs, Red, welche Dave Clarkes Stil definierten), und verwirrt nun jedermann mit dem Täuschungsmanöver eines Songwriter-Albums. Weit und breit kein einziger epileptischer 4/4-Takt, auch keine aufputschenden Kicks, sondern brummende Bässe und Beats, die an den Bristol-Sound der 90er Jahre erinnern. Vor allem beweist Clarke damit, dass er sich aufs Songschreiben versteht, nachdem er die funktionelle, für den Dancefloor bestimmte Musik hinter sich gelassen hat. Übrigens war er es, der den Text für die Single Charcoal Eyes geschrieben hat, den Mark Lanegan mit seiner rauen Stimme vorträgt, dieser singende Nomade aus Amerika, den man schon bei den Screaming Trees und Queens of the Stone Age gesehen hat. Der Titel würde gut zu einer Club-Szene in einem englischen Film aus dem vorigen Jahrhundert passen. Die anderen Featurings (Gazelle Twin, die einen nervösen und gequälten Touch auf Cover Up My Eyes hinzufügt, Mt Sims auf Frissons als Vertreter des Industrials, oder Anika für I’m Not Afraid, irgendwo zwischen Tricky und Depeche Mode) passen recht gut zu Dave Clarkes Dark Paint Stimmung auf diesem Album, mit dem er uns eine unerwartete und erfreuliche Variante liefert. © SB/Qobuz
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