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Billie Holiday


Den Blues in der Seele, das Herz angerissen und der Körper angeschlagen, so ist Billie Holiday noch heute wie ein von Seide umhülltes und schmerzerfülltes Klagelied. Ein Jahrhundert nach ihrer Geburt ist die Lady Day eine der größten Sängerinnen der Jazzgeschichte. 



Leiden im Leben und auf der Platte. Den Blues in der Seele, das Herz angerissen, der Körper zerbrechlich: Billie Holliday ist in der Geschichte des Jazz ein Kapitel für sich. Sicherlich war sie Sängerin, aber ihr Gesang gleichte den Tönen eines Saxophon Solos. Wie ein reißender Bach, der nicht wirklich etwas zu tun hatte mit...Gesang? Diese so untypische Stimme störte. Sie stört immer noch. Kratzig? Verzerrt? Unkonventionell? Abgewetzt? Es ist eine Stimme, die wie eine Inszenierung einer Existenz ist, die lange Leid ertragen musste und die sich 1956 in ihrer Autobiographie Lady Sings The Blues auf Papier druckte, nur drei Jahre vor ihrem Tod.

Vergewaltigung, Prostitution, Gefängnis, Alkohol und Drogen sind die Perlen der Verzweiflung und der Buße, die Billie Holiday 44 Jahre lang ihres Lebens getragen hatte - ein Kollier ihres Lebens, das jeden inspirationslosen Hollywood Regisseur träumen lässt...Aber es ist eben genau dieses Leben, das sie mit ihrer Stimme und Feder ausdrückt. Es sind die selben offenen Wunden in die die großen Meister des Jazz ihre eigene Verzweiflung hineinlegen. Von Lester Young bis Duke Ellington, über Mal Waldron, Count Basie und ihren Komplizen Teddy Wilson - sie alle bedienen sich der Poesie Billie Holidays und greifen mit Großzügigkeit die Misere ihrer Muse aus der einen oder der anderen Phase oder auch eines ganzen Lebens auf.


 

Billie Holidays Kunst war so persönlich, dass sie sich zwangsweise in das allgemeine Leiden einmischen musste - die der afro-amerikanischen Kommune. Es ist unmöglich, nicht über den Eckstein ihres Gesamtwerks zu sprechen: die Entdeckung des erschütternden Textes über die Erdrosselung eines Schwarzen 1939 in Südamerika, Strange Fruit. Eine seltsame Frucht, die da in den Ästen des Baumes hing...Eine seltsame Frucht, die nichts anderes war als ein erhängter Körper...Dieses schockierende Gedicht von Lewis Allen, das vom Pianisten Sonny White vertont wurde, ist zu einer der Hymnen der Sängerin geworden.
 
 
Eine andere Hymne, eine andere Geschichte: die Begegnung zwischen der Lady Day und dem Saxophonisten Lester Young, eine der verrücktesten Vereinigungen der Jazzgeschichte. Von 1937 bis 1941 entstehen aus ihrer Kooperation ungefähr fünfzig Wunderwerke, bewegend und zart an der Oberfläche, aber so aufwülend und zerbrechlich im Herzen. 

Letzlich scheint es, dass die Etiketten der Gefühle wie bezaubernd oder bewegend alle vom Gesang Billie Holidays geschrieben wurden, der am Ende eher den Blues als den Jazz verkörperte...In den Aufnahmen für das Label Verve (Lady Sings The Blues von 1956, Songs for Distingué Lovers von 1957, und die kontroverse Lady In Satin von 1958, bei der ihre Stimme schon halb tot klingt) erreicht sie den Gipfel dieser Gefühlspalette, zwischen purer Emotion und intensivem Leiden. Als ihre Stimme am 17. Juli 1959 definitiv verstummte, konnte Billie Holiday endlich in Frieden ruhen...© MZ/Qobuz

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Diskografie

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