Ihr Warenkorb ist leer!

Rubrik :
Auf dem Prüfstand

Sehr viel Licht, kaum Schatten - Audiolab Omnia

Von Michael Lang/STEREO* |

Omnia – das erinnert an den Omnibus, den „Bus für alle“, und so ist wohl auch die Namensgebung für den Audiolab Omnia zu verstehen – hat alles, und fast jeder HiFi-Fan soll ihn sich leisten können.

Schon mit der Aufzählung der Ausstattungsdetails ließe sich der überwiegende Teil dieses Artikels auf dem zur Verfügung stehenden Platz recht bequem füllen. Würde ich ergänzend noch ein Rätselspiel um die Preisfrage anfügen, könnte ich mir beinahe jede weitere Auseinandersetzung mit dem All-in-One-System Audiolab Omnia ersparen. Aber dafür macht mir meine Arbeit mit und für STEREO im Allgemeinen und mit diesem Komplettsystem im Besonderen einfach zu viel Spaß.

Aber ein wenig näherbringen möchte ich Ihnen diese eierlegende Wollmilchsau natürlich schon – und das geht in diesem Fall nicht, ohne zumindest stichwortartig aufzuzählen, um was es sich beim Omnia handelt und was ihn austattungsseitig auszeichnet. Wir haben: einen Vollverstärker mit CD-Laufwerk, Streaming-Funktion und eingebautem Digital/Analog-Wandler, um zusätzliche Geräte digital anschließen zu können, z.B einen Fernseher, eine Jukebox oder ein DAB+-Radio.

Alles unter einem Dach

Das kompakte, erstaunlich gut und solide verarbeitete Gerät lässt sich natürlich per Fernbedienung steuern, verfügt über einen LAN-Anschluss, kann aber auch W-LAN-
Signale empfangen und ist für Bluetooth ebenfalls offen. Dem Trend zu nachbarschaftsfreundlichem Musikgenuss zollt man bei den englischen Entwicklern Respekt, indem man dem Omnia auch noch einen ordentlichen integrierten Kopfhöreranschluss, der etwas hochtrabend als „integrierter Kopfhörerverstärker“ angepriesen wird, spendierte.

Die Streaming-Funktionen für Quobuz & Co. lassen sich mit der DTS Play-Fi-App steuern. Was gar nicht dumm ist, denn diese App funktioniert problemlos, wird regelmäßigen Updates unterzogen und arbeitet ohne die bei eigenentwickelten App-Steuerungen häufig anzutreffenden Kinderkrankheiten.
Optisch gekrönt wird das im Alu-Gehäuse mit formschön abgerundeten Kanten designte Gerät von einem großen, informativen und gut ablesbaren Display. Dass DSD-Tauglichkeit ebenso berücksichtigt wurde wie das in High End-Kreisen umstrittene, nach unseren Erfahrungen aber gegenüber Standard-CDs durchaus klangfördende MQA-Verfahren, sei nur am Rande erwähnt.

Die CD-Schublade läuft präzise im schmalen Schacht ein und aus. Die Einlesezeit ist kurz.

In der Praxis wichtiger sind sicherlich die analogen Eingänge inklusive der Anschlussmöglichkeit für einen Plattenspieler. Und falls Sie zu den Menschen gehören, die einen sehr leistungshungrigen Lautsprecher ihr Eigen nennen, gibt es die Möglichkeit, einen vielleicht noch vorhandenen Endverstärker als Leistungs-Booster anschließen zu können. Und als ich schon die Hoffnung hegte, zumindest über eine fehlende deutsche Anleitung meckern zu können, wurde mir beim Blick auf den Karton auch diese Option genommen, denn dort klebte doch tatsächlich ein sauber eingepackter Ausdruck selbiger.

Wir sprachen ja vorhin bereits über den Verstärker – und sicher haben Sie gedacht: Na, da wird halt 'ne Billigvariante eines Class D-Moduls für ein paar Euro drin verbaut sein – schließlich müssen die ja auch rechnen, was bei einem Ladenpreis von 1800 Euro bedeutet, den Rotstift anzusetzen. Doch erneut: Pustekuchen. Eine blitzsauber aufgebaute Class AB-Endstufe mit kräftigem Ringkerntrafo und ziemlich potenten Elkos lässt Kritik auch an diesem Punkt ins Leere laufen. Nichtmal beim CD-Player tut man uns den Gefallen, ein bei vielen HiFi-Fans verpöntes, weil ans Autoradio erinnerndes Slot-In-Laufwerk verbaut zu haben. Ganz im Gegenteil: Die Schublade ist zwar dünn und aus Kunststoff, läuft aber ziemlich leise und überraschend geschmeidig rein und raus. Die verwendete Technik hat ihre Wurzeln ebenso wie der Verstärkerteil übrigens in der bestens beleumundeten 6000er-Serie des Herstellers. Selbst die Pufferlösung, um auch nicht mehr im Bestzustand befindliche CDs sauber auszulesen und Jitterprobleme zu reduzieren, wurde übernommen.

Der saubere Innenaufbau mit sehr potentem Verstärkerteil in klassischer AB-Schaltung und mit satt dimensioniertem Ringkerntrafo.

Bedienung fast makellos

Meckern kann man aber, wenn man denn unbedingt will, über die ein oder andere Eigenheit in der Bedienung. So ist es leider eine häufig zu beobachtende Unsitte, dass ein CD-Spieler beim Druck auf die Play-Taste bei geöffneter Lade nicht reagiert, sondern erst die Klappe geschlossen werden und dann auf Play gedrückt werden muss. Das konnten die Sonys dieser Welt schon vor 30 Jahren besser.

Und wie üblich ist die Einrichtung für den Bluetooth- und LAN- wie W-LAN-Betrieb etwas für geduldige Menschen, die sich die Mühe machen, eine Anleitung sorgfältig zu lesen, notfalls auch ein zweites Mal, um die vielfältigen Möglichkeiten zu entdecken und zu nutzen. Ein wenig zu sparsam war man auch beim Einsatz von Druckerfarbe auf den Tasten der Fernbedienung. Dezent ist ja schön, hier aber geht sie auf Kosten der Funktionalität, denn sobald es auch nur etwas an Licht mangelt, freut man sich über die Taschenlampenfunktion seines Mobiltelefons. Sind diese tatsächlich kleinen Hürden überwunden, ist die Freude über den Umgang mit diesem Gerät und über seine klanglichen Fähigkeiten allerdings ungetrübt.

Der Omnia nimmt Befehle auch aus mehr als fünf Metern Entfernung ohne zu murren entgegen, die drahtlosen Verbindungen laufen stabil, und egal, ob man sich über Qobuz, Internetradio vom Computer oder dem CD-Spieler die Signale zu Gemüte führt – der kleine Omnia überzeugt mit einem angenehmen Klangbild. Quält man ihn an unpassenden Lautsprechern, wie in unserem Fall einer Gauder DARC 100, fehlt es naturgemäß am Potenzial, alle Qualitäten aus der Box rauszukitzeln. Begibt man sich jedoch auf den Boden der Tatsachen und sucht einen passenden Spielpartner aus, dann überzeugt die britische Kombination mit sehr natürlichen Klangfarben, einer guten räumlichen Abbildung und, wir haben es mit einer Nachrichtenstimme aus dem Internetradio probiert, präziser Fokussierung und sehr schöner tonaler Balance. Die Stimme des Sprechers auf WDR 5 klang sonor, aber nicht aufgedickt und enthielt sich einer zusätzlichen Würzung des Hochtonbereichs.

Die Rückseite ist ungewöhnlich reichhaltig mit Anschlussbuchsen bestückt, u.a. 3x analog und 1x Phono MM.

Die Fernbedienung funktioniert prima und ist übersichtlich, die Tasten aber bei schlechten Lichtverhältnissen nicht leicht zu entziffern.

Musik auf allen Kanälen

Wir verließen uns aber nicht auf die MP3-Dateien des Radios, sondern, nach einem Abstecher zu Spotify, auf Qobuz und den integrierten CD-Player. Beide Quellen zeigten sich bei allen Arten von Musik als langzeittaugliche Begleiter. Ob wir nun Puccini hörten oder uns mit Impulsen und Bassgewittern von Yello die Ohren freipusten ließe – der Omnia behielt die Nerven. Ja, klar, der allerletzte Funken Präzision und Kontrolle wird anderswo geliefert, aber werfen wir einen Blick auf das Preisschild, dürfen wir uns bei dieser Performance entspannt zurücklehnen, zumal dieses kleine Wunderwerk selbst bei dynamischen Passagen und hoher Gesamtlautstärke, selbst beim Anschluss eines Plattenspielers, nicht nervte, sondern beispielsweise bei Tschaikowskis Pathétique sanft die Dynamik begrenzte.

Was uns dazu trieb, für einige Minuten übermütig zu werden und La Habanera von Yello in den Raum zu katapultieren. Eine Fülle von Details, eine saubere Verarbeitung der teils aberwitzigen Impulse und eine Menge Spielfreude notierten wir auf dem Notizblock. Und erfreuten uns nebenher daran, wie zielsicher wir nun, nach kurzer Eingewöhnung, zwischen den unterschiedlichsten zur Auswahl stehenden digitalen wie analogen Quellen hin- und herwandern konnten. Für 1800 Euro bekommt der Kunde hier ein bemerkenswertes Komplettpaket. Klasse!

Test-Geräte:

Plattenspieler: Denon DP 57, Shure Ultra 500, AKG P8ES
CD-Spieler/Wandler: Wadia 8, Brinkmann Nyquist Mk II, Aavik D-180
Streamer: Bluesound Vault 2i
Vollverstärker: Exposure 3510
Lautsprecher: Gauder DARC 100, ELAC Dolce Vita, Yamaha NS10



Damit haben wir gehört

Tschaikovsky: Pathétique – Vladimir Ashkenazy

Puccini: Turandot – Alain Lombard

Yello - One Second

Die Playlist mit Tracks, mit der die STEREO-Redaktion Audiogeräte in der Ausgabe 03/22 getestet hat, finden Sie hier.

Testprofil des Audiolab Omnia auf stereo.de