Rubrik :
Auf dem Prüfstand

Personal Entertainer

Von Tom Frantzen/STEREO* |

HiFi Exklusiv - Netzwerkplayer/STEREO*

Vor einiger Zeit hatte STEREO bereits das Vergnügen mit dem Encore 225 von Musical Fidelity. Der Encore Connect kommt nun als Netzwerk-CD-Preceiver ganz ohne Endstufe aus.

Der All-in-One aus dem renommierten Hause Musical Fidelity vereint auf den ersten Blick CD-Player, Vorverstärker, DAC, Internetradio, Kopfhörerverstärker und Netzwerkplayer der als ambitioniert audiophil bekannten Baureihe M6 in einem Gehäuse, das einem Tresor zur Ehre gereichte. Das ist im Testumfeld eine ganze Menge für knapp 4.000 Euro, was zwar viel Geld ist, sich aber auf die Fülle von sechs integrierten Komponenten superb verteilt.

Das äußere Erscheinungsbild ist sehr hochwertig und das annähernd symmetrische Design mit zentralem Farbdisplay und Slot-In-CD-Laufwerk wirkt ebenfalls ansprechend. Die verbauten Komponenten sind aufgrund cleverer Teileregal-/Technologietransfer-Politik mit den M6-Gerätschaften eng verwandt, sodass man vom All-in-One ganz ähnliche Klangqualität erwarten darf. Im Grunde waren wir deshalb ob des Preisschildes angenehm verblüfft, aber das erlebt man bei Musical Fidelity bekanntlich häufiger.

„Überraschung“

Sagten wir „sechs integrierte Komponenten“? Tatsächlich kommt sogar noch eine zunächst verborgene und einzeln gar nicht angebotene Gerätekategorie hinzu, die es dennoch „in sich hat“. Denn der M6 Encore Connect verfügt als siebte Zutat über einen eingebauten Musikserver. Das sind also „Sieben Kostbarkeiten“ unter einem Dach. Im Innern des Gehäuses befindet sich nämlich in den für Deutschland bestimmten Geräten statt der ein sogar eine zwei Terabyte große, flotte und zudem wechselbare 2,5-Zoll-Festplatte für Musik, das bedeutet einen gigantischen Speicherplatz von rund 5500 CDs in voller Auflösung (FLAC). Vorsätzlich komprimiert (z. B. AAC/MP3/Ogg Vorbis) sind es natürlich mehr, bei HD-Tracks in FLAC/WAV entsprechend weniger.

Das bedeutet, dass der Encore Connect nicht auf einen anderen Server im Netz, einen Musikdienst, PC oder eine NAS angewiesen ist, auf die er selbstredend auch zugreifen kann. Aber aufgrund der eigenen Festplatte ist er autark. Man kann das Gerät (fast) netzwerkunabhängig betreiben und seine Musiksammlung im Fall des Falles sogar beispielsweise in ein Ferienhaus mitnehmen. Nur ein guter Kopfhörer sollte mindestens mit dabei sein.

Durchdacht und intuitiv

Aber nicht nur das. Wenn man üblicherweise eine CD in ein Gerät einlegt, wird sie abgespielt. Logisch. Das geht hier auch, wenn man zuvor CD als Quelle wählt und per „Enter“ bestätigt. Legt man die CD allerdings nur ein, wird sie automatisch und unkompliziert sofort als FLAC auf die Festplatte gerippt und archiviert. Das nennen wir mal benutzerfreundlich! Denn nicht wenige Nutzer scheuen gerade die Komplexität und/oder den Aufwand der Digitalisierung ihrer Musikdaten. So aber kann man ganz unkompliziert und geradezu nebenbei seine CD-Sammlung ins eigene Netzwerk übertragen. Überhaupt wurde großer Wert auf einfache, ja geradezu intuitive Bedienung gelegt. Selbst Software-Updates erfolgen am Netzwerk automatisch und unauffällig im Hintergrund.

Farbtupfer: Auch in Schwarz macht der Encore eine gute Figur, wozu das sehr gute, großzügige Farbdisplay erheblich beiträgt.



High End trifft Informatik

Der Encore Connect ist und gibt sich als High End-Musikkomponente mit den bekannten enormen Qualitäten der Marke Musical Fidelity. Den Informatik-Background der LINUX-basierten Architektur muss oder soll der Nutzer nach Möglichkeit gar nicht spüren. Auch, dass das Rippen bitgenau mit einer modifizierten Version von „Exact Audio Copy“ erfolgt, merkt der Nutzer nicht. Ein hervorragender Ansatz – und er wurde hier auch brillant durchexerziert. Dennoch kann der Connect als Medienserver auch selbst über einen Computer angesprochen werden. Gibt man „http//encore.local“ im Browser ein, so öffnet sich die Benutzeroberfläche, und auch dort steht die umfangreich vorgefütterte Bibliothek zur Verfügung.

{{Der um die Leistungsbausteine des Encore 225 „erleichterte“ Encore Connect beherbergt serienmäßig eine leicht wechselbare Festplatte für Musikdateien, die via Gerät, Fernbedienung, App und PC bedient werden kann. Zudem kann hier per „Drag 'n' drop“ mit der Maus etwa von einem zum anderen Speicherort Musik kopiert werden}}.



Diese intuitive Bedienung, die wir ja bereits beim Ripping entdeckten, ist fast schon eine Ausnahmeerscheinung, weil extrem nutzerfreundlich und damit ein ganz dicker Pluspunkt. Man muss dieses Gerät einfach mögen. Der Haben-wollen-Faktor wächst minütlich.

Der Verzicht auf Leistungsverstärker macht auf jeden Fall für Besitzer oder Fans von Aktiv-Lautsprechern Sinn.

Nicht nur, dass der Connect rund acht Kilogramm leichter und rund 1.000 Euro günstiger ausfällt als sein Bruder Encore 225, der eine mit knapp 2 x 175/260 Watt an 8/4 Ohm üppige Motorisierung unter der Haube vorhält (Test in STEREO/HiFi Digital 1/17). Auch HiFi-Freunde mit bereits vorhandener Endstufe werden es begrüßen, die dort eingebauten Kraftprotze nicht unnütz nochmal bezahlen zu müssen.

Die Kontrolle über das Gerät verleiht dem Eigentümer sowohl die IR-Fernbedienung als auch Apps für iOS oder Android, der Encore Connect ist zu vielen Netzwerk-Lautsprechern wie etwa Sonos kompatibel. Dabei ist aber auch die Bedienung am Gerät selbst bereits einfach, ja in der Tat intuitiv und dank des Servers an Bord auch sehr flexibel und vielseitig.

Die Fernbedienung finden wir pragmatisch und okay, aber die Leistung dieses Gerätes verdient eigentlich eine bessere Haptik.



Zentralhirn

Naturgemäß profitiert der Mehrkämpfer mit 64-Bit-Intel-Zwei-Kern-Prozessor und großem HD-Farbdisplay von den zahlreichen kleineren Komponenten des Hauses und den entsprechenden Erfahrungen bei der Entwicklung.

Die mutmaßlich aus dem M6-Vollverstärker stammende Vorstufe bietet drei analoge Cinch-Hochpegeleingänge und zwei Ausgänge, davon einer lautstärkegeregelt für Aktivboxen oder eine Stereo-Endstufe/zwei Monos und einer fix. Die vier digitalen Eingänge des 32 Bit/384-Kilohertz-DAC-Teils (je zwei koaxial bis 24/192 und zwei optisch bis 24/96) nehmen sich der wachsenden Anzahl entsprechender Quellen an, insgesamt vier USB-Anschlüsse können Mobilgeräte aufladen, Kontakt zu weiteren Festplatten oder Sticks aufnehmen oder deren Musikdateien sämtlicher Formate sofort auf die Festplatte überspielen.

Ein weiterer vorhandener, aber offenbar (noch) nicht freigeschalteter USB-B-Anschluss soll Zukunftssicherheit für spätere Anwendungen und das Andocken von PC/Mac bieten. Je ein koaxialer und optischer Ausgang sorgen dafür, dass der Encore die Daten auch an andere Geräte weitergeben kann. DSD wird nicht unterstützt, lediglich PCM, was wir aber nicht weiter schlimm finden.

Liebling der Redaktion

Mit knapp 15 Kilogramm ist der schicke Musical Fidelity das Schwergewicht im Testfeld, sogar etwas schwerer als der leistungsstarke AVM. Wer sich für praktisch das gleiche Gerät mit eingebauten Stereo-Endstufen interessiert, sollte sich, wie schon gesagt, den Musical Fidelity Encore 225 näher ansehen, der für rund 1.000 Euro mehr eerhältlich ist. Beide sind in silberner oder schwarzer Ausführung zu bekommen und unterscheiden sich äußerlich praktisch nicht, die Kühlrippen hat auch der „leistungslose“ Encore Connect – und sie stehen ihm gut.

Verdiente sich der Musical Fidelity M6 Encore Connect – ein recht langer Name, aber das scheint üblich zu werden – schon in der Vorbereitung des Hörtests in den STEREO-Räumlichkeiten als offenkundig „zu Ende gedachtes“ Gerät mehr als nur den Respekt der Redaktion, vermochte er im Hörraum nochmals Punkte zu sammeln.

Der „M6 Encore Connect“ gibt sich analog wie digital durchaus anschlussfreudig, ist aber noch vielseitiger, als man selbst als Experte auf den ersten Blick sehen kann.



Spielfreudiges Universalgenie

Überaus lebendig und kraftvoll zur Tat schreitend, überzeugte der Tausendsassa durch enorme Spielfreude, präsentierte temperamentvoll unzählige Details im highendigen Kontext und wahrte dabei stets den Überblick. Yellos „Oh Yeah“ wurde schon an einem Vollverstärker M5 aus gleichem Hause und an Dynaudios 40 Anniversary zum echten Erlebnis.

Sehr schön gelang ihm aber auch die Herausarbeitung von Stimmen wie Norah Jones und die natürliche Reproduktion akustischer Instrumente wie Gitarre oder Klavier.

Die Abbildung eines großen Knabenchors geriet groß, weiträumig und mit guter Tiefenstaffelung, was sowohl als reines Quellgerät wie auch bei Nutzung der Vorstufenfunktion gilt. Mit AC/DC „zur Sache“ gefordert, gab es kaum noch ein Halten, wobei man bei der Auswahl einer guten Endstufe oder guter Aktivboxen stark auf die adäquate Qualität achten sollte, das zahlt sich in Form von Genuss aus.

Denn die eingebauten Komponenten sind von verblüffend hoher audiophiler Qualität und machen den Musical Fidelity de facto zum Schnäppchen, das in gut abgestimmten Ketten über sich und sein Preisschild hinauswächst. Wir haben das bereits angedeutet, und er erfüllt diesen Anspruch tatsächlich in jeder Hinsicht.

Ripper, CD-Spieler, Wandler, Streamer, Server und Vorverstärker in einem Gerät exzellenter Klangqualität vereint. Nicht nur Anhänger der Marke Musical Fidelity sollten sich diese „eierlegende Wollmilchsau“ (oder den Encore 225) unbedingt näher ansehen. Herr Reichmann, wir müssen reden!

Testprofil des Encore 225 von Musical Fidelity auf stereo.de

*Dieser Artikel wurde Qobuz vom Magazin STEREO zur Verfügung gestellt.