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Rubrik :
Auf dem Prüfstand

Musik-Server Aurender N10 - Der hat alles auf dem Schirm

Von Matthias Böde*STEREO |

Streaming-Server-Test/STEREO*

Als puristischer digitaler Musik-Server ohne Analogausgänge präsentiert sich Aurenders N10. Fazit: ein klares Konzept von bestechender Qualität!

Keine Ahnung, wie es Ihnen geht, aber als jemand, der seit Jahrzehnten Schallplatten und CDs auflegt sowie einen UKW-Tuner mit Drehkondensator und ohne Stationstasten betreibt, ist mir das digitale Paralleluniversum samt seiner jederzeitigen Verfügbarkeit jedweder Quelle immer noch etwas unheimlich. Inklusive des ganzen Drumherums mit Netzwerken, Routern, IP-Adressen und dergleichen mehr, wo man, sobald was hakt, sofort aufgeschmissen ist. Wie angenehm geschmeidig und unkompliziert ist da doch der Umgang mit dem Musik-Server N10 des südkoreanischen Spezialisten Aurender. Dieser funktioniert letztlich kaum weniger smooth und intuitiv als ein CD-Laufwerk. Denn der N10 hat weder D/A-Wandler noch analoge Ausgangsstufe an Bord, sondern wird mit einem externen DAC verbunden. Auch dies klappte, nebenbei bemerkt, stets ohne alle Nickligkeiten.

Aurender reagiert mit dem puristischen N10 auf den Trend, dass viele anspruchsvolle Hörer ohnehin einen zentralen hochwertigen D/A-Wandler betreiben – ob als Standalone-­Gerät oder integrierten Teil eines Vor- respektive Vollverstärkers –, an den sie ihre oft vielfältigen digitalen Signalquellen anschließen. Warum soll man auch in jeder Komponente einen im Zweifelsfall weniger hochwertigen DAC vorhalten – und beim Kauf bezahlen?

Der N10 ist ab Werk mit einem Acht-­Terabyte-SSD-­Festspeicher bestückt, was für Tausende CD-Alben in voller Auflösung ausreicht. An das CD-Format von 16 Bit/44,1 Kilohertz bleibt man dabei natürlich nicht gebunden. Vielmehr speichert der N10 von kleinen MP3- bis zu vergleichsweise riesigen PCM-Hochbit oder DSD-Files alles, was da im highendigen Umfeld so kreucht und fleucht. Damit nicht genug, reicht der Asiate MQA-kodierte Musikdaten weiter, wobei es egal ist, ob diese just von Tidal gestreamt werden oder als Datei im Speicher liegen.

Der Aurender gibt alle gängigen Formate aus und ist MQA-, DSD- und PCM-Hochbit-fähig, wie die Displays vom Brinkmann Nyquist-DAC illustrieren.

Über zwei Ports lassen sich externe USB-Sticks und Festplatten mit dem Aurender verkoppeln. Hat man mittels der hervorragenden App einzelne Tracks in die ­Playlist übertragen, speichert der N10 das Stück automatisch. Möchte man etwa am folgenden Tag den Titel noch einmal hören, obwohl der HiFi-Kumpel seinen Stick längst wieder abgezogen hat, reicht ein Tipp auf dem Pad oder Smartphone, mit dem man die App steuert – schon startet die Wiedergabe.

Ansonsten füttert man den erstklassig verarbeiteten „Audio Renderer“, der über kein Ripping-Laufwerk verfügt, vom PC oder Mac aus. In seiner Funktion als Netzwerk-fähiger Streamer gewährt der Aurender daneben einfachen Zugriff auf weitere mit solchen verbundene Server und deren Musik­angebot respektive Internetradio. Dies alles lässt sich mit ein paar Fingertipps geradezu spielerisch verwalten.

Wer sich statt der Info den Aufnahmepegel des jeweiligen Titels anzeigen lassen möchte, kann das Display umschalten, wobei die blau illuminierte Variante zu McIntosh passt, während Luxman-Besitzer wohl eher die hellgelbe wählen werden.

Digital-„Lieferando“ für alles

In der Praxis hatten wir durchs Herumprobieren schnell ein buntes Sammelsurium von unterschiedlichsten Stücken verschiedenster Herkunft in der Playlist aufgereiht. Klasse, dass es dem N10 vollkommen gleichgültig war, wo diese herstammten. Je nach Aufruf sprang er munter zwischen dem eigenen Speicher, Streaming-Diensten wie Tidal und Qobuz, unserem hausinternen STEREO-Musik-Server oder Titeln hin und her, die wir uns aus anderen Kanälen gezogen hatten.

Dass es dabei auch hinsichtlich der Formate wild durcheinanderging, indem sich PCM-Files in mannigfaltigsten Auflösungen sowie mit oder ohne MQA-Kodierung mit DSD-Dateien aller Arten ablösten – auf Wunsch wird dabei im FPGA-Netzwerk das DSD-Format sorgfältig zu PCM umgesetzt –, scherte die flache, in Silber oder Schwarz erhältliche Komponente kein bisschen. Ungerührt servierte der N10, was gewünscht wurde und lief den ganzen Tag, ohne dabei auch nur ein einziges Mal „auszusteigen“. Alles begleitet durch flüssige, prompte Funk­tionsabläufe. Bravo!

Gleich zwei Trafos à 35 Watt versorgen im blitzsauberen Inneren die zentrale Rechnereinheit (CPU) inklusive des OCXO unterhalb des Kühlkörpers, ein dritter ist für die digitalen Outputs vorgesehen, was gegenseitige Beeinflussungen vermeidet. Der SSD-Speicher sitzt abgeschirmt in einem Metallgehäuse.

In Verbindung mit den wie nebenbei erreichbaren Internet­radiostationen avancierte der Aurender bald zum „Lieferando“ für jegliches digitale Programm. In Tests anderer Geräte stellte er flugs sämtliche Titel von den STEREO Hörtest-CDs und -Editionen parat plus all die Lieblingstitel obendrauf. Simpler und variabler geht’s kaum.

Und viel besser wohl auch nicht. Selbstverständlich hängt die Qualität des klang­lichen Ergebnisses ganz wesentlich von der Güte des am N10 angeschlossenen D/A-Wandlers ab. Doch wie bei CD-Laufwerken, wo dem Drive bekanntlich erheblicher Anteil an der Gesamt-Performance zukommt, ist es auch hier.

Für den optimalen Signaltransport spielt der Aurender nicht aus seinem Hauptspeicher oder direkt von anderen Quellen, sondern lädt jedes File in einen Zwischenspeicher, der extrem jitterarm die Ausgangssektion bedient. Dies umso mehr, als dass die Amerikaner stolz auf ihre höchst genaue „OCXO“*-Clock hinweisen, die alle Abläufe im N10 taktet und synchronisiert.

Diese ist der Hauptgrund dafür, dass Aurender die Verwendung eines koaxialen, insbesondere aber des symmetrischen AES/EBU-Ausgangs statt der USB-Schnittstelle empfiehlt. Bei dieser zieht sich der DAC im asynchronen Modus die Daten aus dem Liefergerät, in diesem Fall also aus dem N10. Die Koreaner postulieren, dass ihr Takt deutlich präziser und allein deshalb die Übermittlung und ergo der Klang überlegen sei. Tatsächlich bestätigten dies unsere eigenen Versuche (siehe Kasten).

Und die Wahl des Ausgangs wie auch des Kabels sind keine Nebensächlichkeiten, will man das so umfassende wie reizvolle Klangpotenzial des N10 vollständig ausschöpfen. Dessen Darbietungen zeichneten sich stets durch exemplarische Sauberkeit und Klarheit aus. Im Auftritt des Aurenders gibt es nichts Verwackeltes, Undeutliches oder Ungefähres. Vielmehr ist Definition Trumpf, was miese Aufnahmen, datenreduzierte Streams und was einem ansonsten beim Stöbern in der virtuellen Musikbox an Sound-Müll vor die Ohren kommt, gnadenlos entlarvt.

Die aufgeräumte Rückseite des N10 bietet fünf digitale Outputs (l.) plus LAN-Buchse und zwei USB-Ports (r.) für externe Sticks und Festplatten.

Aura der Perfektion

Doch nichts mehr davon, denn auf der anderen Seite der hifidelen Medaille warten traumhaft wohlklingende, weiträumig aufgezogene und bestens organisierte Hörerlebnisse. In puncto Ruhe, Übersichtlichkeit und Struktur ist der Aurender nämlich kaum zu toppen. Und natürlich enthüllt er lieber großartige Klangbilder als lofideles Junk Food zu verfrühstücken. Dabei umgibt seine Vorstellungen selbst bei kritischem Hinhören die Aura der Perfektion und Unangreifbarkeit. Kaum meint man, dem Asiaten eine gewisse Tendenz ankreiden zu können, schon straft einen das nächste Stück Lügen und schreibt die vermeintliche Vorliebe anstelle der Wiedergabe der Aufnahme zu. So markant arbeitet der Aurender den jeweiligen audiophilen Fingerabdruck jedes Titels heraus.

Dies geschieht freilich mit der lockeren Wie-nebenbei-Attitüde des Könners. In Verlegenheit brachten wir den N10 nie. Selbst im brachialen Orchestereinsatz bleibt er ungerührt, und wenn alles stimmt – Output, Kabel und, ja, auch die Netzphasenlage –, reist man mit dem Aurender in der Luxus­klasse durch die virtuellen Refugien und digitalen Klangwelten. Anstelle von Roon setzen die Koreaner dabei auf ein eigenes System, um Informationen zu Album, Künstler und dergleichen mehr bereitzustellen.

Wer sich für die Aussteuerung der Musik interessiert, kann das informative Display auf eine allerdings etwas ruckende Pegelanzeige umschalten, wobei McIntosh-Fans wohl blaue und Luxman-Enthusiasten hellgelbe Meter wählen werden. Nur ein Gag? Gewiss, doch er zeigt, dass man bei Aurender in jeder Beziehung die Bedürfnisse der HighEnder auf dem Schirm hat.



Über welchen Digi-Output tönt der N10 am besten?

Egal, ob analoger oder digitaler Anschluss: Stets stellt sich die Kabelfrage. Natürlich – und speziell im Falle einer HighEnd-Komponente wie dem N10 – sollte die Verbindung möglichst hochwertig sein. Doch wie geht man am besten aus dem Musik-Server heraus? Aurender empfiehlt zuallererst die XLR-Buchse für den symmetrischen 110-Ohm-Kontakt à la AES/EBU-Norm. Dieser soll – wie auch die auf 75 Ohm Wellenwiderstand normierten Koax-Outputs – der USB-Zuleitung überlegen sein.

Das wollten wir ausprobieren, wozu es einheitlicher Kabel bedarf. So setzten wir das symmetrische Digitalkabel und den USB-Verbinder aus der anspruchsvollen „Alpha“-Serie des US-Spezialisten Shunyata Research ein (r.), die jeweils ab 1150 Euro kosten. Wir verbanden beide Leiter mit den entsprechenden Eingängen von Brinkmanns Nyquist beziehungsweise T+As Media-Player MP3100HV (siehe Displays links) und konnten zwischen ihnen für den optimalen Direktvergleich an den zwei Geräten sogar per Fernbedienung hin- und herschalten.

Das Ergebnis war eindeutig: Zwar erzielten wir mit dem USB-Kabel überzeugende, weil extrem aufgefächerte und plastische Klangbilder. Doch symmetrisch per AES/EBU-Verbindung klang alles noch etwas besser. Das zeigte sich darin, dass die Musik so homogener erschien, während Stimmen über USB ein leicht silbriges Timbre aufwiesen. Auch war die Performance farbiger, räumlich noch weiter gesteckt, ruhiger und zugleich gelassener, wenn „AES/EBU-In“ in der Anzeige erschien. Beide Darbietungen bewegten sich zwar auf höchstem Niveau, doch das machte die Unterschiede umso bedeutender. Es ist wie bei Sportlern, wo ja irgendwann Hundertstel und Tausendstel Sekunden den Ausschlag geben. Dasselbe Stechen machten wir zwischen dem AES/EBU sowie dem koax­ialen Digi-Output mit weitestgehend identischen HMS Supremas. Dabei behielt die symmetrische Verkopplung die Nase ebenfalls leicht vorn.

*Der „Oven-Controlled Crystal Oszillator“ arbeitet in einer beheizten, temperaturgeregelten Kammer, was die geringe thermische Abhängigkeit der Schwingquarze berücksichtigt und so deren Präzision erhöht.

Test-Geräte:

Medien-Spieler: T+A MP3100HV
D/A-Wandler: Brinkmann Nyquist
Vollverstärker: Accuphase E-800 (mit Digital-Modul DAC-50), Rotel Michi X3
Vor-/Endstufe: Accustic Arts Tube PreampII-MK2/­AmpII-MK3
Lautsprecher: B&W 800 D3, Dynaudio Confidence 50, Sonus Faber Qlympica Nova II
Kabel: Shunyata Research ­Alpha (USB, AES/EBU), HMS Suprema (AES/EBU, koaxial, NF, LS)


Die gesamte Playlist mit Tracks, mit der die STEREO-Redaktion Audiogeräte in der Ausgabe 02/21 getestet hat, finden Sie hier.

Testprofil des Musik-Servers Aurender N10 auf stereo.de

*Dieser Artikel wurde Qobuz vom Magazin STEREO zur Verfügung gestellt.