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Rubrik :
Auf dem Prüfstand

Moon Voice 22: Zwei vom gleichen Schlag

Von Matthias Böde (*STEREO) |

Die „erste eigene Stimme“ von Moon ist die Voice 22. Die kompakte Box sprach uns sofort an – und dies besonders eindrucksvoll am hauseigenen ACE-Amp!

Der Reflex ist irgendwie immer derselbe: Kaum hat man eine Kompaktbox in den „Sweet Spot“ gerückt, also auf seine bevorzugte Position im Hörraum, geht der Griff zu der Stelle des Musik­regals mit den „Bass-Stücken“. Wollen doch gleich mal sehen, was die Kleine draufhat...

In diesem Fall handelte es sich um die neue Voice 22, den allerersten Lautsprecher des 1980 gegründeten kanadischen Unternehmens Simaudio, besser bekannt durch seine Marke Moon und mit dieser vor allem auf Verstärker, aber auch Streamer spezialisiert. So überraschte uns in STEREO 10/2016 der Streamer-Amp ACE mit seiner athletisch-elastischen Spielweise, die ihn bei jedem Pegel kraftvoller erscheinen lässt, als es die Papierform nahelegt. Moon empfiehlt ihn denn auch zur Voice 22 als schlüssiges Set für alle Lagen und Ansprüche, zumal der ACE, der obendrein einen Phono-MM-Eingang bietet, unlängst bei weitestgehend unangetastetem Verstärkerteil das modernisierte und auf heutige Erfordernisse angepasste „MiND 2“-Streaming-Board erhielt.

Alternativ gibt‘s die Voice 22 auch mit glänzend weißer Oberfläche.

Wir nahmen die Kanadier beim Wort, sodass die knapp 38 Zentimeter hohen, in Lackschwarz oder -weiß erhältlichen Boxen auf ihren hauseigenen Ständern plus dem ACE-Amp eingespielt im Hörraum standen und der kommenden Dinge harrten. Diese ließen mit Jennifer Warnes und dem gemäß dem Titel in den tiefen Lagen zärtlich, aber nachdrücklich pluckernden Rock You Gently nicht lange auf sich warten. Okay, dies ist noch keine echte Herausforderung, doch eine Kompakte, die hier bereits verzagt wirkt oder den Kontakt zum Grundton verliert, kann eigentlich gleich einpacken. Die Voice 22, die diese Passage mit der angebrachten dezenten Nachdrücklichkeit meisterte, dazu Miss Warnes’ Stimme sehr klar, jedoch nicht zu schlank oder gar überpräsent abbildete und unmittelbar musikalische Spannung aufbaute, ließ nicht den geringsten Vorbehalt aufkommen.

Die Freundin jedes Amps

Und dies selbst dann noch, als es bei Way Down Deep – noch so ein klangprophetischer Songname auf dem berühmten The Hunter-Album – im Bass richtig zur Sache ging. Hier stieg die Moon nicht nur ordentlich in den Frequenzkeller hinab, sondern bot neben Fülle auch Kick. Klasse! Und dem ungemein prägnanten, knarzig-knorrigen Bassspiel David Brombergs in The Saga Of Harrison Crabfeathers, das die Kanadierin sogar noch bei satter Lautstärke locker und kernig von ihren Tieftönern abschoss, die von einer rückwärtigen Reflexöffnung im Gehäuse unterstützt werden, ließ echte Freude aufkommen. Dass die mineralisch angereicherten 16-Zentimeter-Polypropylen-­Bassmembranen dabei satte Hübe vollführten, schien weder zulasten der Akkuratesse noch Impulsivität zu gehen. So hören wir das gern!

Das Single-Wire-Anschluss-Terminal bietet zwei solide Polklemmen, die Reflexöffnung darüber einen strömungsoptimierten Auslass.

Solcherlei Kunststückchen vollführt die Voice 22 selbst noch an kleineren Amps, denn mit 89 Dezibel Schalldruck auf einen Meter bei einem Watt Eingangsleistung liegt ihr Wirkungsgrad nicht nur für einen Lautsprecher dieser Größe erstaunlich hoch (siehe Messwerte). Für ganz schön laute 94 dB benötigt sie weniger als fünf Watt. Und ihr Impedanzgang stellt ebenfalls keine Herausforderung für jedweden Amp dar.

Pikanterweise läuft der hiesige Moon-Vertrieb über Dynaudio, selbst berühmt für eine ganze Phalanx exzellenter Kleinboxen, zu denen man die sich klanglich beherzt zupackend und druckvoll in Szene setzende Elektronik der Kanadier zu Recht als nahezu ­ideale Ergänzung betrachtet. Doch dort gibt man sich gelassen und sieht die Voice 22 eher als Verstärkung fürs Engagement in der Kompaktliga denn als Konkurrenz und beschreibt sie als etwas runder ausgelegt.
Eingänge, Lautstärke, Muting und sogar die Balance lassen sich mit der Fernbedienung des ACE bequem vom Hörsessel aus steuern.

Im Vergleich zu den zum Teil bis an den Rand der Selbstverleugnung geradlinigen Dynaudios mag da was dran sein, doch wir haben die Moon nie als zu füllig, geschweige denn gemütlich erlebt. Und wenn die Abstimmung eines kleinen Lautsprechers nicht ganz so extrem auf Kante genäht ist, stellt das ja meist keinen Nachteil dar...

Unprätentiöse Analytik

Zumal, wenn die Präzision stimmt. Und hier gelingt der Kanadierin eine wie selbstverständliche dreidimensionale und aufgefächerte Abbildung jeglichen Musikprogramms ohne jene besserwisserische Attitüde mancher Mitbewerberin – gern als „Akademikerklangbild“ bezeichnet –, die eine Lupe auf Details und feine Changierungen zu richten scheint als wolle sie fragen: „Na, kriegst du das woanders auch?

So kam Ana Carams leicht-luftiges Desafinado exakt in dieser Art, ohne dabei ins Fahle abzudriften. Der bereits oberhalb von 1,5 Kilohertz übernehmende 29-Millimeter-Textilkalottenhochtöner, der in einer kurzen Schallführung sitzt, findet perfekten Anschluss an den Woofer, was die Homogenität fördert. Zudem wurde die Brasilianerin plastisch innerhalb der Dimensionen des Aufnahmestudios abgebildet, wobei auch der Abstand vom vorderen Bühnenrand gewahrt blieb. Denn die Klangästhetik kommt trotz ihrer rotbackig-lebensfrohen Spielweise bei der Moon keineswegs zu kurz.

Das von Simaudio patentierte „Curved Groove Damping“-System (CGD) soll dafür Gehäuseresonanzen effektiv entgegenwirken und so Misstöne vermeiden, die sich die niemals harsch oder unsauber auftretende Moon denn auch weitestgehend verkniff.

Die „Hover Base“ genannte, intern verstrebte und per Moosgummimatte bedämpfte Bodenplatte soll der Voice 22 eine schwebende Anmutung verleihen und lässt sich für den Betrieb mit dem hauseigenen, dann passgenauen Ständer abnehmen.

In „freier Wildbahn“, ergo bei den Hörern zu Hause, dürfte dazu auch der Verzicht auf ein übliches Bi-Wiring-Terminal beitragen – diese Auslegung teilt die Voice 22 mit den Dynaudio-Modellen –, das in der Praxis, wo ohnehin meist nur ein Boxenkabel vorliegt, negative Einflüsse auf den Klang aufgrund von Fehlern beim Anschließen vermeidet.

Eine optimale Stellfläche zu jeglichem Untergrund soll die leicht eingezogene „Hover Base“ liefern. Diese flache Bodenplatte ist intern versteift sowie mit einer Lage Moosgummi bedämpft. Bei Verwendung des Moon-eigenen Ständers kann man sie einfach abziehen. Dann passt die ebenfalls mit weichem Gummi überzogene Oberseite des auf Spikes gelagerten Stativs genau in die so entstandene Aussparung.

Tatsächlich brachte die Voice 22 auf ihrem Ständer die beste Performance. Mit zwei anderen aus unserem Bestand tönte sie weniger räumlich und im Timing eingebremst. Auf diesen war die Hover Base Pflicht, weil das Ergebnis ohne sie verwaschen und dünn ausfiel. Im Zusammenspiel mit den Moon-Ständern ließ sich über den Nutzen der picobello vearbeiteten „Untersetzer“ streiten. Mit ihnen geriet der Klang etwas sonorer, um Nuancen spritziger.

Das passende Paar Ständer zur Voice 22 kostet knapp 400 Euro. Grundsätzlich kann die Moon-Box, zu der eine magnetisch gehaltene Abdeckung gehört, auf vielerlei Stativen stehen. Entfernt man jedoch ihren Boden­einsatz, passt die mit einer Lage dämpfenden Moosgummis belegte Top-Platte des Ständers exakt in die so entstehende Aussparung der Box, was dem Lautsprecher zusätzlichen Halt verleiht.

Im Doppel ein »perfect match«

Weil sie uns so viel Spaß machte, probierten wir eine Reihe von Verstärkern an der makellos weiß oder schwarz lackiert erhältlichen Kanadierin aus, wobei sich herausstellte, dass man für diese keinen Amp von der Güte eines Moon ACE benötigt, sich mit diesem jedoch in der Tat ein „perfect match“ ergab.

Wollte man eine ähnlich harmonische Tonalität bei gleicher Gelassenheit und Ausdrucksstärke, wurde es mit anderen Verstärkern eher noch teurer. Soll’s hingegen ein günstigeres Set auf Basis der Voice 22 werden, wird dieses ebenfalls sehr lebendig und/oder gediegen klingen, aber schwerlich die Geschlossenheit und den Einklang wie die Kombi mit dem ACE erreichen.

Dies haben freilich auch unsere EISA-­Kollegen bemerkt und mit uns das Moon-Duo vom gleichen Schlag zum „HighEnd-Stereo-­System“ des Jahres gekürt (siehe Awards-Strecke in diesem Heft) – ganz aus ‘nem sicheren audio­philen Reflex heraus.

Dank »Mind2« hochaktuell

Als STEREO Moons Neo ACE im Heft 10/2016 testete, waren Strea­ming-Amps noch die Ausnahme. Schnell hatte der 43 Zentimeter breite Verstärker mit dem informativen Display, das im Falle digitaler Zuspielungen Abtastraten anzeigt und die vier Analogeingänge – davon je einer für Plattenspieler mit MM-Tonabnehmer und als Miniklinke auf der Frontplatte für MP3-Player – sowie inklusive LAN, WLAN, Bluetooth und USB insgesamt acht Digi-Inputs mit Bild-Icons bereichert. Sehr schön und mit Liebe gemacht.

Der raschen digitalen Entwicklung trägt der kanadische Hersteller mit der Überarbeitung seines „Moon intelligent network device“, kurz „MiND“ Rechnung. Dieses voll Hochbit-fähige Tool ist nun „Roon ready“, bietet im Zusammenhang mit weiteren MiND-Komponenten zusätzliche Multiroom-Funktionen und kann bis zu 1.000 Titel in seiner Warteschlange verarbeiten. AirPlay2 lässt sich per kleinem Modul implementieren (um 350 Euro). Ältere Modelle lassen sich aufrüsten. Der ACE kostet 3.990 Euro.


Test-Geräte

Streaming-Server: Aurender N10
CD-Spieler: Musical Fidelity M3scd
Vollverstärker: Audionet SAM 20 SE, Denon PMA-900HNE, Musical Fidelity M5si
Lautsprecher: PMC twenty5.22
Kabel: HMS Sestetto, In-Akustik Ref. LS-803


Die Playlist mit Tracks, mit der die STEREO-Redaktion Audiogeräte in der Ausgabe 10/22 getestet hat, finden Sie hier.

Testprofil des Moon Voice 22 auf stereo.de