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Rubrik :
Auf dem Prüfstand

Kompaktlautsprecher KEF LS 50 Wireless II - Aktiv auf den Punkt

Von Tom Frantzen/STEREO* |

Kompaktlautsprecher Aktiv-Test/STEREO*

Mit der LS 50 landete KEF einen ausgesprochenen Hit in den Charts der High Fidelity. Die Wireless II ist nicht weniger als die bestmögliche aktive Umsetzung der legendären Punktstrahlertechnologie, erstaunliche Innovationen inklusive.

Ich gebe zu, der Uni-Q-Koaxialtreiber von KEF hat mich immer schon fasziniert, lässt er doch aufgrund der räumlich-zeitlichen Kohärenz eine enorme Präzision in Bezug auf Plastizität und Timing zu. Beim über mehrere Produkt- wie auch Entwicklergenerationen weiter verbesserten Uni-Q sitzt die Hochtonkalotte inmitten eines Tiefmitteltöners. Das gesamte Schallentstehungszentrum liegt – anders als bei konventionellen Mehr-Wege-Lautsprechern – in derselben Ebene, ja sogar im selben Punkt. In sämtlichen Details, etwa Geometrie, Material und Antrieb, wurde stets aufwendige Forschung betrieben, und die erreichte Stimmigkeit der Musikwiedergabe ist enorm, was sich wie ein roter Faden durch das gesamte Portfolio des Traditionsherstellers aus dem britischen Maidstone zieht.

Das kombinierte Display/Bedienpanel auf der Master-Box ist beispielhaft einfach zu handhaben.

Ein einziges Mal geriet diese Stimmigkeit womöglich ein wenig aus dem Fokus, nämlich als um die Jahrtausendwende ein zusätzlicher Superhochtöner für zusätzliche Brillanz sorgen sollte – die aber gar keiner vermisst hatte. Das ist viele, viele Jahre her und wurde in der Folgegeneration wieder ausgebügelt, das puristische, aber überragende Punktstrahlerkonzept ist ohne solches Beiwerk schlicht genial. Glücklicherweise nennt ein Freund die erste, bereits exzellent gelungene Version der „Wireless“ sein Eigen, sodass der Vergleich mit dem Nachfolger – zumindest abgesehen von den pandemischen Einschränkungen – kein Problem darstellte.

Top-Industriedesign

Die Wireless II erinnert optisch sofort an die Blade-Spitzenmodelle der KEF-Modellpalette, vielmehr an das Filetstück darin. Dafür ist nicht zuletzt das extrem resonanzarme Gehäuse in einer Art mattem „Stealth“-Finish verantwortlich, das übrigens in zahlreichen Farbvarianten verfügbar ist. Wie schon beim Modellwechsel der passiven LS 50 auf die LS 50 Meta implantierten die Briten einen Uni Q der neuesten Reinkarnation und damit weiter optimierten Version mit besserer Entkopplung und neuem Antrieb. Besonderen Eifer entwickelten die KEF-Ingenieure in den vergangenen Jahren dabei, mit physikalischen Tricks dem Gehäusevolumen ein Schnippchen zu schlagen und bei unveränderten Volumina mehr Tiefbassfähigkeiten herauszukitzeln. Man denke an die ACE-Technologie mit Aktivkohle, deren Porösität zu enormer Materialoberfläche und labyrinthartiger Geometrie führte und tatsächlich einige Hertz „mehr“ in den Keller ermöglichte, was aktiv der DSP übernehmen kann. Aktuell widmen sich die Maidstoner eher einem neuen Material, das die mehr oder weniger nutzlos bis klangschädlich nach hinten abgestrahlte Energie des Uni Q „Meta“ zu 90 Prozent absorbieren respektive „zerstäuben“ soll. Im Grunde genommen ist dies gar kein Lautsprecher mehr, die neue KEF LS 50 Wireless II ist eher eine Komplettanlage inklusive Schallwandler und mit allen Facetten ausgestattet. Wem Bluetooth (freilich mit hoher aptX-Qualität) genügt, der benötigt gerade mal zwei Netzkabel. Mehr eigentlich nicht, zumindest theoretisch.

Der neue Uni Q-Meta-Treiber ist in jeder Hinsicht besser als der alte. Das bringt nochmal mehr Klarheit, Druck, Plastizität und Präzision.

Natürlich geht praktisch erheblich mehr, das System ist ausgesprochen audiophil. Denn nicht nur das erzstabile, rund zehn Kilogramm schwere Gehäuse mit dem legendären Treiber und rückseitiger Bassreflexunterstützung, auch das Innenleben mit digitalem Signalprozessor (DSP) und sehr kräftigem, gegenüber der Vorgängerin nochmals deutlich verstärktem Verstärkeraggregat „huckepack“ kann sich sehen und hören lassen. So kann der Tiefmitteltöner nunmehr auf eine Class D-Leistungsstufe von 280 Watt, der Hochtöner dagegen auf eine klassische, noch feingeistigere Class AB-Verstärkerschaltung mit 100 Watt Leistung für sich alleine zurückgreifen. Das sind insgesamt 300 Watt mehr! Gar nicht genug kann man meiner Ansicht nach den vermeintlich „nebensächlichen“ HDMI-Anschluss loben, der die Realität in bundesdeutschen Wohnzimmern ernst nimmt. Die rudimentäre Inbetriebnahme und Bedienung gelingen mühelos an der rechten Box oder via Fernbedienung. Der „Master“, respektive die genannte rechte und das System steuernde Box, unterscheidet sich auf den ersten Blick kaum vom „Slave“, nur das oben angebrachte Bedienfeld und etwas mehr Anschlüsse verraten ihn. Eine Kabelverbindung (Ethernet/LAN-Kabel wird eigentlich nur dann erforderlich, wenn die Signalqualität 24 Bit/192 Kilohertz – DSD256 geht auch) übersteigt und die Abtastrate auf bis zu 384 Kilohertz gesteigert werden soll. Also, wenn Sie mich fragen, eher im Ausnahmefall. Denn gerade „Wireless“ hat ja seinen Reiz, besonders im gehobenen Wohnambiente.

Genial einfach

Selbstredend werden auch Tidal oder Apple Music unterstützt, LAN/WLAN, Airplay und sogar MQA werden geboten. Die Einrichtung des Systems für den Allround-Betrieb im Heimnetz ist betörend simpel, ganz im Gegensatz zur famosen Ausstattung, die sie einem eröffnet. So beinhaltet der mitgelieferte „Quickstart Guide“ eigentlich nur ein Paar Piktogramme und den Hinweis auf die „KEF CONNECT“ App, die man im App Store oder via Google Play herunterladen soll. Das zukunftssichere Google Chromecast ist eingebaut, sogar Roon wird geboten. Man braucht tatsächlich nur wenige Klicks, und die gebuchten Streaming-Dienste – bei uns im Haus sind das Amazon Music Unlimited HD (der idiotische, kundenfeindliche Kleinkrieg der großen Anbieter Amazon und Google fand ja offenbar ein Ende), Qobuz und Spotify Family – können umgehend loslegen, auch der Zugriff auf die im NAS gesicherten Musikschätze gelingt im Handumdrehen.

Der Fernbedienungsgeber ist zugleich formschön und puristisch, die App macht ihn etwas obsolet.

Der Uni Q-Treiber in bereits zwölfter Generation macht seinem Ruf alle Ehre. Er spielt in der überarbeiteten Aktivumgebung nochmals besser auf. Der neue Verstärkerantrieb spendete ihm offenbar mehr „Lungenvolumen“, was sich unmittelbar in Weiträumigkeit und souveränem Druck auszahlt, auch beim Maximalpegel, der nun noch etwas höher liegen darf. Bei einer Choraufnahme von Joseph Haydns „Missa Sanctae Caeciliae“ aus dem Hohen Dom zu Aachen von 1977, die ich besser kenne als jedes andere Musikstück, da ich es damals vom Blatt, ja sogar auswendig singen konnte, überzieht Gänsehaut meinen Rücken. Denn ich war als Elfjähriger bei dieser Schallplattenaufnahme im 2. Sopran live mit dabei. Tiefenstaffelung und Detailfreude sind gerade mit diesem Koaxialtreiber exemplarisch. Auch die Raumgröße des Oktogons wird sehr plastisch eingefangen, ebenso die akkuraten Einsätze der Knabenstimmen des Aachener Domchores. Ich fühle mich regelrecht mehr als vier Dekaden in der Zeit zurückversetzt und kann die Partitur tatsächlich noch immer auswendig, aber natürlich nicht mehr in den 2. Sopran mit einstimmen. Der älteste Knabenchor der Welt wird es mir danken. Dennoch bin ich ob der Intonation durch diese smarten Lautsprecher vollkommen überwältigt. Aber auch Unterhaltungsmusik wie das aktuelle McCartney-Soloalbum „III“ oder „Once Upon A Time“ der gerade wieder (posthum) durch die Charts kletternden Disco-Queen Donna Summer wird die KEF mehr als gerecht. Es macht einfach Spaß!

Die KEF ist ausgesprochen anschlussfreudig und das Bedienkonzept intuitiv und gut durchdacht.

Ohrenschmaus

Satt, detailliert, mit anspringend lebendiger Spielfreude und dynamischem, äußerst geschmeidigem Fluss, dabei aber stets ausgewogen, ohne künstliche Effekte holt die aktive LS 50 in zweiter Generation den Hörer buchstäblich ab und macht dabei die Ohren geradezu süchtig. Absolut fantastisch! Ja, im direkten Vergleich zu anderen exzellenten und größeren Aktivboxen mag bei aller Luftigkeit und allem Durchsetzungsvermögen mitunter ein Hauch Brillanz oder Tiefbass fehlen, das ist der Physik geschuldet, aber das „Dazwischen“ ist dafür von derart erlesener, müheloser Selbstverständlichkeit, Authentizität und Überzeugungskraft, das man wieder einmal unwillkürlich auf das eigene Konto schielt. Vielleicht kommt ja auch noch eine aktive größere Schwester mit 20er- oder 25er-Koax? Für diesen Klang und die eingebauten Möglichkeiten jedenfalls sind 2500 Euro Paarpreis – man braucht wie bereits oben gesagt kein weiteres Gerät wie Vorstufe usw., kann aber jede vorhandene Quelle anschließen – nicht wirklich viel Geld. Dieses optische Schmuck- und akustische Meisterstück ist mehr als eine Sünde wert. Satte Empfehlung!

Der hervorragende Klang, das Design, die Bedienung und die üppige Ausstattung machen die KEF jetzt schon zum gelungenen Klassiker ihrer Zunft.

Test-Geräte:

CD-Spieler: Lua Appassionato Mk III GS NOS

Aktivlautsprecher: KEF LS 50 Wireless, Nubert X-3000 RC

Kabel: Supra Cables

Die Playlist mit Tracks, mit der die STEREO-Redaktion Audiogeräte in der Ausgabe 03/21 getestet hat, finden Sie hier.

Testprofil des Kompaktlautsprechers KEF LS 50 Wireless II auf stereo.de

*Dieser Artikel wurde Qobuz vom Magazin STEREO zur Verfügung gestellt.*