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Auf dem Prüfstand

KEF Mu3: High-Fidelity in ultraleichten In-Ear-Kopfhörern, die man beim Tragen vergisst

Von Alban Amouroux |

KEF, ein ikonischer Akteur der englischen Hifi-Branche, passt sich den Erwartungen der Verbraucher an und bietet mit den Mu3 In-Ear-Kopfhörern mit aktiver Geräuschunterdrückung an. Es handelt sich um sehr kompakte Modelle, die vollständig in die Ohrmuschel passen. Bei diesen Kopfhörern, die in Zusammenarbeit mit Ross Lovegrove entwickelt wurden, spielte die Designphase eine große Rolle. Sie verbinden das Nützliche mit dem Angenehmen.

Kopfhörerspezialisten sind nicht mehr die einzigen, die In-Ear-Kopfhörer anbieten. Viele Akteure der allgemeinen Audiobranche haben sich auf diesen Weg gemacht, darunter auch die großen Namen der Hi-Fi-Branche, die sich noch nie aus dem Haus gewagt hatten. KEF ist einer von ihnen. Der Hauptzweck der Mu3-Kopfhörer ist in erster Linie die Musik. Aus diesem Grund sind die Nebenfunktionen begrenzt, obwohl das Wichtigste, was ein anständiger In-Ear-Kopfhörer braucht, vorhanden ist.

Sowohl die Kopfhörer als auch die Ladebox wurden von dem britischen Designer Ross Lovegrove gestaltet. Er ist weltweit bekannt und hat an vielen verschiedenen Arten von Objekten gearbeitet, von Möbeln bis hin zu Autos. Die Zusammenarbeit mit KEF ist nicht neu, da dies bereits das dritte Produkt ist, das die Handschrift des Designers trägt. Sie alle sind in ihren sanften organischen Formen miteinander verwandt. Es gab den riesigen Lautsprecher Muon, dann den Mini-Bluetooth-Lautsprecher Muo und jetzt die Mu3-Kopfhörer. Diese sind in zwei Farben erhältlich: Hellgrau-Silber und Dunkelgrau-Kohlefarben.

Eigenschaften

● Preis: 230 €
● Anschlüsse: Bluetooth 5.0
● Codecs: SBC, AAC
● Frequenzbereich: 20 Hz - 20 kHz
● Wandler: 8,2-mm-Membran
● Funktionen: Physische Steuerung, Telefonanrufe
● Akkulaufzeit: 24 Stunden
● Zubehör: Vier Paar Ohrstöpsel, Transport- und Ladebox, USB-C- auf-USB-A-Kabel
● Gewicht: 5,8 g (Ladebox: 46,8 g)  

Präsentation des Mu3

In-Ear-Kopfhörer kommen nicht ohne ihre Ladebox aus. Auf dieser ist die Abstammung vom Muon und Muo zu sehen: Rundungen und ein hohler Mittelteil, der das KEF-Logo trägt. Eine Kerbe erleichtert das Öffnen. Direkt darunter befindet sich eine winzige LED, die den Ladezustand der Box anzeigt.

Wenn man die Box öffnet, sieht man als Erstes die prominente Unterschrift des Designers Ross Lovegrove – und dann erst das dezente KEF-Logo. Die Kopfhörer sind magnetisiert, damit sie ihren Platz vor den kleinen Aufladenoppen einnehmen können. Sie lassen sich leicht entfernen, indem man sie an ihrem hinteren Teil anfasst.

Die Mu3s haben außerdem jeweils eine Mikro-LED, die den aktuellen Status anzeigt: weiß, wenn noch Akkulaufzeit vorhanden ist, blau, wenn eine Bluetooth-Verbindung besteht. Das ist ziemlich selten und erspart es einem, das Smartphone herauszuholen, um den Zustand der Kopfhörer zu überprüfen. Vor allem, wenn man bedenkt, dass sie keine eigene mobile App haben, aber dazu später mehr.

Diese In-Ear-Kopfhörer sind wirklich winzig. Sobald sie in den Ohren sind, vergisst man sie völlig. Als Wunder der Miniaturisierung wiegen sie jeweils nur 5,8 Gramm. Die Mu3 sind kleiner als z. B. die Sony WF-1000XM4, haben aber mit 8,2 mm größere Wandler als die von Sony (6 mm).

KEF liefert diese In-Ears mit vier verschiedenen Arten von Ohrstöpseln aus. Es gibt die Klassiker klein, mittel und groß, die durch die selteneren kurzen Ohrstöpsel ergänzt werden. So bleiben mehr Möglichkeiten, den optimalen Tragekomfort für Ihre Ohren zu finden. Diese Ohrstöpsel sind wie die Kopfhörer dunkelgrau. Sie können sie als zusätzliches Zubehör erwerben, wenn sie beschädigt sind oder Sie sie verlegen.

Funktionen des Mu3

Wie wir gerade gesehen haben, funktionieren die Mu3 ohne mobile App. Sie verbinden sich ohne weitere Möglichkeiten per Bluetooth mit Ihrem Smartphone. Es gibt also keine Audioeinstellungen, keine personalisierten Bedienelemente und keine spezielle Verknüpfung mit einem Sprachassistenten. Manche mögen das alles unnötig finden und werden die freiwillige Minimalisierung der Mu3 zu schätzen wissen. Andererseits wird dadurch verhindert, dass man weiß, wie viel Akkulaufzeit die Ladebox noch hat. Die Akkulaufzeit der Kopfhörer kann man auf einem Android-Smartphone über das Bluetooth-Menü abrufen, nicht aber bei einem iPhone.

Diese Vereinfachung ermöglicht es KEF auch, sich auf das Wichtige, nämlich den Klang, zu konzentrieren, indem die Mittel, die andere Hersteller in die Entwicklung der mobilen App stecken, wieder eingespart werden. Die Mu3 haben auf jeder Hörmuschel eine Multifunktionstaste. Auf der linken Seite befindet sich der Regler für die Rauschunterdrückung, auf der rechten Seite für die Pause und den Wechsel zum nächsten Titel. Bei der Lautstärke muss man den Finger lange auf der linken Seite lassen, um sie zu reduzieren, und rechts, um sie zu erhöhen.

Die Akkulaufzeit der Mu3 liegt im guten Durchschnitt. Diese Mini-In-Ears mit je 55 mAh Akku halten tatsächlich 9 Stunden durch. Dies ist ausreichend für einen ganzen Arbeitstag. Die Box fügt 15 Stunden Akkulaufzeit hinzu, d. h. etwas mehr als eineinhalb Aufladungen. Anschließend muss die Box selbst über ihren USB-C-Anschluss und das mitgelieferte Kabel auf USB-A aufgeladen werden. KEF gibt an, dass eine fünfminütige Schnellladung eine Stunde Akkulaufzeit bietet.

Die eingebauten Mikrofone dienen sowohl zum freihändigen Telefonieren als auch zur Geräuschunterdrückung. Diese bietet drei Modi: normales Hören, aktivierte Geräuschunterdrückung oder den transparenten Modus. Dieser letzte Modus soll die Stimmen hervorheben, damit Sie eine Durchsage im Zug oder eine Person, die mit Ihnen spricht, richtig hören können, ohne die Kopfhörer abnehmen zu müssen. Die Geräuschunterdrückung ist wirksam bei weit entfernten Geräuschen und Hintergrundgeräuschen im niedrigen Frequenzbereich, z. B. in öffentlichen Verkehrsmitteln. Wenn Sie die perfekt an Ihre Ohren angepassten Ohrstöpsel verwenden, ist die passive Dämmung der Mu3 bereits leistungsstark. Ein wichtiger Punkt, den es zu beachten gilt: Die Geräuschunterdrückung fügt kein Rauschen hinzu, das können nicht alle Konkurrenten von sich behaupten.

Höreindruck

Die Mu3 wurden mit einem Sony Android-Smartphone gepaart, wodurch die Akkulaufzeit sichtbar wurde. Wir haben unsere Hörproben über die Qobuz-Applikation durchgeführt. Die kürzlich veröffentlichte erweiterte Version des Albums Gong! der französischen Band Catastrophe hat uns eine erste offensichtliche Erkenntnis gebracht: Die Mu3 sind hochmusikalisch. Besser noch, sie treten gegenüber der Musik in den Hintergrund. Es gibt keine Equalizer und Soundeffekte, weil es keine spezielle Handy-App gibt? Das ist kein Problem, denn diese In-Ear-Kopfhörer brauchen sie nicht. Es sei denn, Sie möchten den Klang nach Belieben verändern und sich von der Klangtreue entfernen. KEF erlaubt Ihnen das nicht und folgt seiner strikten Linie.

Nichts ist übertrieben, nichts fehlt. Es gibt keinen Bassausbruch, sondern ein realistisches Schlagzeug mit Spannung und Tiefe, was wir beim Anhören des Albums What We Call Life des Soulman Jordan Rakei überprüfen konnten. Die Bässe sind gestützt und nicht nach vorne gerichtet, so wie sie es von Natur aus sein sollten. Die Stimme in der Mitte ist gut vom Rest der Nachricht getrennt. Die Klangbühne breitet sich weit aus, mit Noten, die sich wie Blasen überall im Kopf positionieren. Mit Material und Dicke schaffen es die Mu3, sich von der zweidimensionalen Wiedergabe zu lösen, die man oft bei In-Ear-Kopfhörern antrifft. Es macht Spaß, manchmal Instrumente außerhalb des Kopfes zu hören, als ob wir über einen offenen Kopfhörer zuhören würden. Mikro-Informationen werden von KEF in Bezug auf alles, was das Gefühl von Präsenz und Nachhall betrifft, kontrolliert.

Weiter geht es mit dem brandneuen Album von Stacey Kent. Das intime Songs From Other Places beschränkt sich auf Klavier-/Gesangsaufnahmen, die eine große Nähe bieten. Es gibt eine vollständige Verbindung zwischen den beiden Ohren, die In-Ears werden vergessen, um das Klavier über die gesamte Breite und die Stimme von Stacey Kent etwas höher zu positionieren. Bei den Notenenden und den Atemzügen ist Präzision gefragt. Alles klingt neutral und natürlich. Sie sind so konsequent und präsent, dass es für In-Ear-Kopfhörer, die so klein sind, dass man sie kaum in den Ohren spürt, verstörend ist. Ihre offenen Fähigkeiten zeigen sich beim Hören von Brahms Sinfonie Nr. 2 in D-Dur. Die Texturen sind seidig, niemals aggressiv. Die Klangbühne ist ultrabreit und luftig. Wenn die niedrigen Frequenzen zur Unterstützung herangezogen werden müssen, reagieren sie auf den Ruf. Die KEF Mu3 verdienen das Adjektiv High-Fidelity.

PRO:
Durchgängigkeit der Klangbühne
Solider und realistischer Bass
Finesse und Präsenz des Mediums
Federleichtes Gewicht, das man beim Tragen vergisst
Einfache Anwendung

CONTRA:
Keine Einstellmöglichkeit, da keine mobile Anwendung vorhanden ist
Eingeschränkte Kapazitäten der Geräuschunterdrückung

Fazit

KEF hat sich bei den Mu3 In-Ears vor allem auf die Klangqualität konzentriert. Wir finden eine High-Fidelity-Signatur vor, bei der die Register an ihrem Platz sind. Die Bässe und Mitteltöne sind präzise, die extremen Höhen sind vielleicht etwas gekürzt, um die Gefahr der Aggressivität zu beseitigen. Letztendlich ist die Ausgewogenheit sehr angenehm für lange Hörstunden in allen Stilen mit echtem Respekt vor den Werken. Hinzu kommt das lächerlich geringe Gewicht dieser Mu3: Sie werden beim Musikgenuss sehr schnell vergessen. Was die fortschrittliche Technologie angeht, werden es die Mu3 schwer haben, mit einigen der umfassend ausgestatteten Referenzen in dieser Kategorie mitzuhalten. Zunächst einmal durch das Fehlen einer mobilen App zur Anpassung der Klangsignatur, aber auch bei der Geräuschunterdrückung, die nicht die effektivste auf dem Markt ist. Aber das ist nicht so wichtig, denn die KEF Mu3 zielen vor allem auf Musik und Einfachheit ab. Und in diesem Rahmen wird das Ziel perfekt erreicht.