Ihr Warenkorb ist leer!

Rubrik :
Auf dem Prüfstand

Graf Zahl: Musical Fidelity M6x DAC

Von Tom Frantzen (*STEREO) |

Der M6s von Musical Fidelity war schon eine kleine Sensation, der modellgepflegte M6sr setzte noch einen drauf. Nun kommt der M6x mit neuester Chip-Architektur und soll sogar etwas darüber positioniert das gelungene Konzept auf ein neues Niveau heben, für etwas mehr als 2.000 Euro.

Da ist er nun also, der vielversprechende M6x. Schauen wir uns das Gerät zunächst von außen näher an. Wir haben einen typischen Musical Fidelity vor uns, der im dezenten Chic auch eine ordentliche Portion schnörkellosen Pragmatismus ausstrahlt und zudem stabil gebaut ist. Auf ein großes Display hat man wegen der Gefahr von Einstreuungen verzichtet. Der bei der schwarzen (Test-)Version matt silberfarbene Pegelsteller direkt neben dem Kopfhöreranschluss lässt mich sofort hoffen, dass dieser DAC auch als Vorstufe für digitale Quellen taugt – und tatsächlich lässt er sich so konfigurieren. Das ist mir sehr wichtig. Die zahlreichen Anzeigen auf der massiven 10-Millimeter-Alufront geben weitere Ausblicke auf die Möglichkeiten des Gerätes. Angezeigt wird von oben links nach unten rechts die Sample Rate der Quelle, gegebenenfalls die DSD-Rate, der MQA-Modus, das gewählte von acht Filtern, die Funktionen Reclock und Upsampling, der gewählte Eingang und die grundsätzliche Funktion des Pegelreglers (fix oder variabel bei Vorstufenbetrieb). Selbstredend lässt sich das Gerät komplett auch über die mitgelieferte Fernbedienung handhaben.

(Fast) endlose Möglichkeiten

Ähnliche Offenbarungen gehen mit dem Anblick der Rückseite einher, sobald man das Gerät umdreht, denn dort werden den Zuspielern zwei optische Eingänge und immerhin ein koaxialer Digitaleingang geboten, der High Ender oder Studio-Enthusiast findet zudem einen symmetrischen AES/EBU-Digitalanschluss vor. Die Konnektivität zur Computerwelt, ob Mac oder PC, stellt ein asynchroner USB-Anschluss sicher und öffnet gewissermaßen als externe Soundkarte das Datentor für HiRes-Angebote inklusive DSD aus dem Netz. Hier empfiehlt der Hersteller übrigens wie auch für die anderen Andockpunkte ausdrücklich hochwertige und im Fall USB zudem möglichst kurze Kabel, weshalb wir dort das überragende Excalibur USB von Supra in Stellung brachten.

Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, wäre das ein zweiter koaxialer Eingang und eine Buchse für einen USB-Stick respektive eine USB-Platte, aber es muss ja auch noch Raum für Träume geben. Denn das hätte den M6x verteuert, und er scheint mir mit 2.398 Euro ohnehin schon eher günstig positioniert. Günstig? Ja, sogar sehr. Sie haben ihn ja im Gegensatz zu mir noch nicht gehört!

Was man nicht sehen, sondern ohne Blick unter die Motorhaube immerhin nachlesen kann, ist die in London unter Leitung des langjährigen Technikchefs Simon Quarry entwickelte Schaltungstopologie, die eine konsequente Weiterführung der seit zwei Generationen (s/sr) verfolgten und preisgekrönten ESS 32-Bit-HyperStream II DAC-Architektur darstellt. Die Musical Fidelity-Ingenieure entschieden sich aufgrund der hervorragenden Erfahrungen mit den klangstarken ESS Sabre-Prozessoren für die neueste und besonders leistungsfähige Wandler-Variante ES9038Q2M, die hier sogar doppelt und kanalgetrennt zum Einsatz kommt. Überhaupt wurde hier geradezu geklotzt, was die diskrete Doppel-Mono-Bauweise, die Bauteilequalitäten und letztlich die bekannte Class A-Ausgangsstufe angehen. Der diskrete Aufbau in Dual-Mono sorgte auch dafür, dass der M6x eine Preisklasse nach oben rutschte, denn das konnte die S-Klasse so noch nicht vorweisen, und Quarry durfte sich hier „austoben“.

Gleich zwei extrem leistungsfähige Steuer-Mikroprozessoren regeln sämtliche Wandler-, Filter-, Upsampling- und Reclocking-Prozesse.


„Am Ende“ gibt die klangentscheidende und deshalb auch besonders aufwendige Ausgangsstufe des Musical das Signal analog sowohl vollsymmetrisch als auch unsymmetrisch via Cinch aus – und zwar dank gepufferter Ausgänge völlig unabhängig voneinander. So können etwa zwei Anlagen mit digitalen Inhalten gefüttert werden. Angesichts der eingangs erwähnten Pegelregelung wäre auch denkbar, etwa eine kleine, puristische Kette im Essbereich mit Aktivboxen parallel zur Hauptanlage im Wohnzimmer zu betreiben. Mit angegebenen 2,2 Volt Ausgangsspannung an Cinch respektive 4,4 Volt an XLR und 49 Ohm Ausgangswiderstand braucht man sich selbst bei längeren Kabelwegen oder relativ niedrigen Eingangsimpedanzen von Endstufen keine Gedanken zu machen. Dazu trägt auch eine Stromversorgung bei, die mit „üppig“ kaum hinreichend gewürdigt ist. Die Verstärker der Ausgangsstufe sind hinsichtlich Bandbreite, Stromlieferfähigkeit und Signalverarbeitungsgeschwindigkeit vorsätzlich überdimensioniert. Die absolute Kompromisslosigkeit der vollständig kanalgetrennten Technik dürfte sich, da bin ich sicher, in enormer Dreidimensionalität und reichlich Verve niederschlagen.

Unfassbar gut

Wie sieht es denn klanglich aus? Nun, schon im Standard-Modus weiß der Musical Fidelity mit typisch kernigem, vitalem Klang zu überzeugen, der musikalische Auftritt ist natürlich, lebendig und vorwärtsgerichtet, dabei mühelos und sehr fein aufgelöst. Das würde den meisten womöglich völlig reichen. Doch der M6x kann noch viel mehr. Im Grunde genommen ist das hier nicht ein DAC, sondern es sind gleich mehrere, die sich klanglich durchaus hörbar voneinander unterscheiden, in einem Gehäuse.

Nicht übel: Fetter Ringkerntrafo, aufwendige Mikroprozessorsteuerung, diskrete Class A-Ausgangsstufe und zwei Top-Wandler von ESS Sabre


So lassen sich persönliche Präferenzen einstellen oder auch Idealkombinationen etwa mit bestimmten Zuspielern. Dazu dient eine Armada an FIR-Filtern mit unterschiedlichen Algorithmen, die den Frequenzgang und/oder die Impulsverarbeitung beeinflussen und sowohl am oberen wie am unteren Ende des Frequenzspektrums Auswirkungen zeigen. So können unnatürliche Einschwingvorgänge (Ringing) eliminiert und ein sanfterer Frequenzabfall mit besserem Phasenverhalten erzielt werden, was besonders natürlich und musikalisch klingt, mit körperhaft-voluminöserem Fingerabdruck. Aber auch eine besonders klare Hochtonwiedergabe mit eher schlankerem Bass oder mächtigem, stets kontrolliertem Punch kann so erreicht werden. Auch je nach Künstler, Produktion oder gar zum Lieblingsstück kann das passende Filter schnell umgeschaltet werden. Ich liebe so etwas. Zudem lassen sich die Filter umgehen, und das Signal kann via „Oversampling Bypass“ auf bis zu 352,8 respektive 384 Kilohertz interpoliert und hochgerechnet werden.

Ein aufwendiges, wie das Upsampling ebenfalls schaltbares (!) Reclocking per eigener Masterclock generiert den Takt neu – in praktisch allen Fällen präziser als beim Quellmaterial – und sorgt für Jitterfreiheit. 16-Core-XMOS- und CPLD-MAXII-Altera-Prozessoren steuern das Gerät intern und sollen sicherstellen, dass stets genug Rechenleistung für alle Decoding-, Wandler- und Filterprozesse vorhanden ist.

Der Musical Fidelity-DAC ist Roon-ready und spielt neben hochauflösenden PCM- sowohl MQA- als auch DSD-­Dateien ab.


Sogar MQA-codierte Musikdaten und natürlich auch ein DSD-Datenstrom (bis DSD512) werden genauso sorgfältig verarbeitet wie die üblicheren PCM-Daten, via USB sogar bis 32 Bit/768 Kilohertz (!), zudem verfügt der M6x als erster DAC des Herstellers über die volle Roon-Zertifizierung.

Unerwähnt blieb bislang der integrierte Kopfhörerverstärker, der mit seiner Stromgegenkopplung ebenfalls sehr gut ist. Ab 16 (!) Ohm kann es losgehen, an üblichen „To-Go“-Hörern wie dem ebenso legendären wie sehr guten Koss Porta Pro mit 32 Ohm sind 1,5 Watt „drin“, und die 250 oder 600 Ohm der im Homeoffice vorhandenen Beyerdynamic-Riege DT880 und 990 treibt der Musical Fidelity auch locker – und klingt dabei ganz hervorragend. Selbstverständlich haben wir auch die Vorstufenfunktion getestet, wobei die professionelle Gangart an einer Monsterendstufe Fidek FPA-12A mit Koyaanisqatsi von Philip Glass erfolgte, die er voll aussteuern konnte, und die minimalistische an Prototypen einer überraschend musikalischen, fernöstlichen Röhren-Aktiv-Kompaktbox, die mir vor Jahren mal eher zufällig vor die Flinte kam. Hier durfte Tori Amos Winter intonieren. Was soll ich sagen?

Der Geber steuert bei Bedarf auch die Lautstärke (Vorstufenfunktion).


Diese Erlebnisse waren nicht dazu geeignet, mir den M6x aus dem Kopf zu schlagen. Ganz im Gegenteil, eine solche „Kann alles“-Wunderkiste brauche ich. Dieser Musical Fidelity ersetzt eine Top-Vorstufe zwar nicht, aber er lässt sie nicht vermissen.

Machbarer Traum

Wie fast immer bei diesem Hersteller ist der DAC sowohl in Silber als auch in Schwarz – mit silbernen Bedienelementen – erhältlich. Dass ich den Preis günstig finde, erwähnte ich ja bereits. Denn diese kleine Maschine von knapp sieben Kilogramm bringt im Hörraum mit ihrer Präzision, Detailauflösung und gleichzeitigem „Punch“ mitunter Konkurrenten in Bedrängnis, die das Dreifache kosten und weniger flexibel sind.

Der M6x entfacht – etwa bei Chuck Mangiones Children of Sanchez – eine autoritäre Kraft bei gleichzeitiger Feinauflösung und homogener Energieverteilung im ganzen Spektrum. Und überzeugt mit enormer Plastizität und Tiefenstaffelung bei exzellentem Fokus, einer raumgreifenden, opulenten und farbenfrohen Abbildung des Münchener Orchesters um Mariss Jansons samt überragender Dynamik und perfektem Timing, gepaart mit leichtfüßiger Rhythmik und Drive... ich gerate ins Schwärmen, was bedeutet, dass ich mal wieder den Konto-­stand überprüfen muss. Dass ich den haben will, stand nach dem ersten gemeinsamen Wochenende fest. Nach dem M8xi kürzlich nun schon wieder ein Musical Fidelity, der wirklich restlos begeistert.

Der Musical wildert im Revier der allerbesten Wandler überhaupt. Ein Riesentipp! Aber pssst, nicht weitersagen ;-)

Test-Geräte

CD-Player: Audiolab 8300 CDQ, Cyrus DAD3 Q24, Lua Appassionato MkIV Class A NOS
DAC: Audiolab 8300 CDQ, Musical Fidelity M6s
Vor-/Endverstärker: Cyrus Pre VS2/Cyrus Smart Power
Lautsprecher: Canton Karat L800
Kabel: Audioquest, HIDiamond, Silent Wire, Supra

Die Playlist mit Tracks, mit der die STEREO-Redaktion Audiogeräte in der Ausgabe 09/22 getestet hat, finden Sie hier.

Testprofil des Musical Fidelity M6x DAC auf stereo.de