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Rubrik :
Auf dem Prüfstand

Ein knackiges Kerlchen - Der Subwoofer KEF KF 92

Von Julian Kienzle/STEREO* |

Vor einigen Monaten konnte uns KEFs Mini-Sub KC62 gehörig beeindrucken. Jetzt steht sein großer Bruder KF92 vor uns und will zeigen, was er draufhat!

Hat man zu Beginn seiner Begegnung mit KEFs nicht mehr nagelneuem – es gibt ihn schon seit etwa Juni 2020 – aber immer noch taufrischen Subwoofer KF92 noch das Treffen mit dessen kleinem Bruder lebhaft vor Augen, läuft man schnell Gefahr, seine Größe gänzlich falsch zu bewerten. Es ist halt wie so oft eine Frage der Relation: Im Verhältnis zum KC62 (Test in STEREO 05/21) ist der KF92 zwar schon ein Riese, verglichen mit vielen Konkurrenten ist er aber immer noch recht kompakt.

Vom Volumenunterschied – der KF92 ist immerhin beachtliche 63 % größer – mal abgesehen, haben die beiden Modelle aber doch einiges gemeinsam.

Da fällt zunächst die Anordnung der Treiber auf, die wohl augenscheinlich die größte Gemeinsamkeit und auch eine Spezialität der KEF-Subwoofer ist. Diese sind beim KF92 – genau wie bei seinem bereits erwähnten kleinen und dem großen Bruder Reference 8b – in einer sogenannten „Force Cancelling“-Konfiguration positioniert.

Das heißt im Klartext, dass die beiden Schallwandler sich gegenüberstehend im geschlossenen Gehäuse des KF92 platziert wurden und „in Phase“ agieren. Dadurch sollen sich die Schallwellen im Inneren des Gehäuses aufheben, wodurch dieses weniger stark angeregt und ein verfärbungsfreierer Klang erreicht werden soll.

KEF setzt auch beim KF92 auf zwei gegenüberliegende Treiber. Da das geschlossene Gehäuse deutlich mehr Platz bietet, ist die neuartige „Unicore“-Technologie vom KC62 hier nicht vonnöten.

Als Bonus erhöht die zusätzliche Membranfläche natürlich auch den Schalldruck, ohne dafür das Gehäuse deutlich vergrößern zu müssen. Mit seinen beiden 23-Zentimeter-Membranen aus Aluminium und Papier – beim KC62 sind es 2 x 16,5 cm – erreicht der KF92 damit etwa die doppelte Maximallautstärke seines kleinen Bruders. Ob derartige Pegel um die 110 dB in der Praxis bei jemandem im heimischen Wohnzimmer tatsächlich jemals notwendig sein werden, möchte ich zwar bezweifeln, die größeren Treiber haben aber noch einen anderen Vorteil: Da mehr Membranfläche zur Verfügung steht, müssen die beiden 500-Watt-Endstufen hier für die selben Pegel nicht ganz so hart arbeiten und es sind weniger starke Auslenkungen notwendig – beides durchaus wünschenswert.

Deutlich praxisnäher als sein maximaler Schalldruck sind die Anpassungsmöglichkeiten des KF92. Da findet sich zunächst das bewährte Drehregler-Zweigestirn für die Übernahmefrequenz (40 bis 140 Hz) und den Pegel. Beide bieten auch genug Spielraum und Abstufungen für Feinjustage. Schaltet man „Mode“-Switch von „manual“ auf „LFE“, wird der interne Crossover vom Sub übergangen und man kann alle Parameter über den Signalgeber justieren.

Hinzu kommt noch eine weitere Besonderheit der KEF-Subwoofer, die in den fünf vorgegebenen DSP-Einstellungen zur Aufstellungskompensation liegt. Im Hörraum stand dieses natürlich meist auf „Room“ – sozusagen die Nullstellung –, in einer Wohnumgebung sind diese Filter aber wirklich nützlich.

Neben den praktischen Equalizer-Presets hilft auch der optische Auftritt des KF92 dabei, dass er wohl in kaum einer Wohnumgebung fehl am Platz sein wird. Das Design ist wirklich schick, die Verarbeitung edel. Die Lackoberfläche ist makellos, die abgerundeten Ecken geben der Bass-Kiste einen wohnlichen Charme, und selbst auf der Rückseite fühlt sich alles robust und hochwertig an. Well done!

Der KF92 bietet ein hervorragend bestücktes Anschluss-Panel inklusive fünf Raum-Presets und einem per Mäuseklavier konfiguriarbaren Line-Ausgang.

Verbindungsvielfalt

Musik nimmt der KF92 bevorzugt über Cinch – wahlweise Mono oder Stereo – entgegen. Ein Hochpegeleingang für Signalübertragung per Lautsprecher-Kabel ist zwar auch vorhanden – und der tut auch seinen Job, der Platz, den KEF seinen klitzekleinen Kabelklemmen gegönnt hat, zeigt aber schon recht eindeutig, dass die englischen Ingenieure wohl eher eine Verkabelung per Cinch erwarten.

Dafür spricht auch, dass wir unter dem Line-Eingangspaar noch einen Line-Ausgang finden. Dieser kann zum Anschluss weiterer Subwoofer oder Satellitenlautsprecher genutzt werden, wobei das nebenstehende Mäuseklavier die Justage des Hochpassfilters ermöglicht. Da gibt’s echt nichts zu meckern – höchstens eine Fernbedienung zur komfortablen Einrichtung vom Sofa aus hätte das so schon hervorragende Paket vielleicht noch verbessern können.

Am „Expansion Port“ auf der Rückseite des KF92 findet KEFs optionales Drahtlos-Modul „KW-1“ Platz. Preis: mit Sender und Empfänger um 230 €.

Okay, genug der Theorie. Im Hörraum hat der KF92 jede Menge Energie und „Wumms“ geliefert, spielte aber auch unheimlich schnell und sauber. „Speaking With Trees“ von Tori Amos etwa kann in den Tiefen manchmal etwas unübersichtlich werden – nicht mit dem KEF. Der hielt die Zügel stramm und die Bässe knackig.

Bei dem wunderschön langatmigen „Castaway Angels“ von Leprous bleiben die wichtigen, aber eher subtilen Bässe mit dem KF92 angenehm hintergründig, rücken sich nie über Gebühr ins Rampenlicht, obgleich sie mit seiner Unterstützung deutlich an Tiefe und Faszination gewannen.

Wie schon beim KC62 angemerkt, gilt auch für dessen großen Bruder: Wer auf inszenierte Brutalo-Bassgewitter und Infraschall-Massagen steht, für den mag es bessere Subwoofer geben. Für die Zementierung eines straffen und schnellen Musik-Fundaments, das einem ein frohes Grinsen aufs Gesicht zaubert, spielt der KF92 aber in der obersten Liga!

Die Messung vom Hersteller demonstriert den Effekt von Force Cancelling. Besonders die starke Resonanz um 250 Hz ist „mit“ deutlich abgeschwächt.

Test-Geräte

Plattenspieler: MoFi Studiodeck mit Hana SH
Phono-Pre: PS Audio NuWave Phono Converter
CD-Spieler: Musical Fidelity M3sCD
Streamer: Bluesound Node
Vollverstärker: Audionet WATT
Lautsprecher: KEF LS50Wireless II, B&W 805 D4
Subwoofer: DALI Sub P-10 DSS
Kabel: Ansuz, Audioquest, Goldkabel, HMS, WBT, Van den Hul


Damit haben wir gehört

Leprous – Aphelion
Ein Album, das sich musikalisch kaum in eine Schublade stecken lässt. Ebenso wunderschön wie manchmal knüppelhart, aber stets klanglich – besonders für nicht audiophile Musik – ausgezeichnet.

Die Playlist mit Tracks, mit der die STEREO-Redaktion Audiogeräte in der Ausgabe 04/22 getestet hat, finden Sie hier.

Testprofil des KEF KF 92 auf stereo.de