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Rubrik :
Auf dem Prüfstand

Der Verführer

Von Michael Lang|STEREO* |

HiFi Exklusiv Streaming Bridge

Es ist kaum eine Dekade her, da gab es die Gerätekategorie Netzwerk-Player, zu der der x-odos xo-stream pro gehört, überhaupt noch nicht. Und nun schickt sich eine kleine deutsche Manufaktur an, klanglich und vom Bedienungskomfort den neuen Maßstab zu setzen.

Christof Poschadel ist mit seinen 43 Jahren noch ein relativ junger Mann. Doch der Benjamin zu sein, stört den ehrgeizigen studierten Historiker und leidenschaftlichen Musikliebhaber nicht im Geringsten. Eher hat es ihn in den zurückliegenden Jahren beflügelt, seinen eigenen Weg zu gehen und diverse Streaming-Geräte samt zugehöriger Steuerungs-App zu entwickeln, die sich bei anspruchsvollen Musikliebhabern schnell einen ausgezeichneten Ruf erspielten. Doch in den vergangenen knapp eineinhalb Jahren musste er über sich hinauswachsen, hatte er sich doch selbst die Aufgabe gestellt, eine Bedienungs-Software zu entwickeln, die alle anderen diesbezüglichen Angebote in den Schatten stellt. Die App sollte einfach und intuitiv bedienbar sein, eine Fülle von Möglichkeiten bieten, schnell auf Befehle reagieren und für den Nutzer maßzuschneidern sein. Die Quadratur des Kreises, wenn man so will. An der auch Poschadel, der sich aufs Programmieren versteht, beinahe verzweifelt wäre. Mit Acht-Stunden-Tagen war es jedenfalls selten getan ...

Eigene Steuerungs-App

Das Gerät, mit dem wir das Ergebnis seiner Bemühungen testeten, ist einerseits opulent ausgestattet, andererseits sehr puristisch und auf bestimmte Aufgaben spezialisiert. Grundsätzlich handelt es sich um einen Netzwerk-Player mit modernsten SSD-Festplatten zwischen ein und vier Terabyte. Gefüttert wird er über diverse Musik-Streaming-Dienste, selbstverständlich akzeptiert er aber auch Signale, die ihm via Computer oder per NAS zugespielt werden, ansonsten bieten sich die beiden USB-3.0-Schnittstellen als Verbindung an, die galvanisch entkoppelt sind. Sollten Sie ganz auf Nummer sicher gehen wollen, können Sie hier übrigens mittels externer Festplatte eine Datensicherung vornehmen. Und wenn es einfach mal nur darum geht, in Musik, die vielleicht ein Freund oder der eigene Nachwuchs im Angebot hat, reinzuhören, geht das auch via Airplay 2. Wer gern mit klassischem W-LAN unterwegs sein möchte, muss sich einen der gängigen USB-Dongles zulegen.

Bedienung plus Komfort

Internetradio ist in dieser Gerätegattung eine Selbstverständlichkeit, aber nicht immer lassen sich aus dem Wust des Angebots die Sender, die man mag, finden und abspeichern. Auch daran, dies besser zu machen, verspricht Poschadel, habe er gedacht. Als besonderes Schmankerl darf gelten, dass man direkt über die x-odos-App Alben von HighResAudio beziehen kann. Damit auch anspruchsvollste Klang-Gourmets auf ihre Kosten kommen, hat Poschadel sein Gerät so ausgelegt, dass es über den S/PDIF- und AES/EBU-Digitalausgang Signale mit bis zu 24 Bit/192 kHz Auflösung, und über den USB-Ausgang Daten bis zu 32 Bit/768 kHz ausgibt. Und wie kommt das Ganze nun an Ihre Ohren, mögen Sie sich fragen? Und diese Frage ist völlig berechtigt, denn zum Klanggenuss benötigen Sie noch einen hochwertigen Digital/Analog-Wandler, der x/o-stream beschränkt sich auf die Funktion des Datensammlers, der die ihm zugesendeten Informationen auf der digitalen Ebene belässt und sie dank eigens entwickelter, aufwendiger Schaltung extrem jitterarm dem nachfolgenden DAC zur Verfügung stellt. Warum entwickelt man einen solchen Spezialisten, ist das nicht Geldverschwendung? Das kommt ganz auf den Blickwinkel und die Ansprüche an. D/A-Wandler unterliegen in jedem Fall der Gefahr, schnell zu veralten, und dann ist es in den allermeisten Fällen eben leider nicht mit einem Software-Update getan. Indem man den Wandler außen vor lässt, bleibt der x-odos dank Software-Updates aktuell. Sollte sich im Bereich der D/A-Wandler Gravierendes tun oder Ihre Ansprüche steigen, lässt sich das mit einer finanziell geringeren Neuinvestition bewerkstelligen.

{{Digital ungewohnt: Die Rückansicht hat keine analogen Ausgänge, die Signale kommen und gehen rein.}}

Kein eigener Wandler

Diese höhere Flexibilität bezahlen Sie nur bei der Erstanschaffung zusätzlich, denn Gehäuse, die so edel gemacht sind wie beim x-odos, sind nicht zum Schnäppchenpreis zu haben. Und auch die Kosten für zusätzliche Digital- und gegebenenfalls Netzkabel müssen mit einkalkuliert werden.

Jede Menge Rechenpower steckt im aufwendig gefertigten Gehäuse.

Eine der feinen Funktionen des xo|stream pro ist, dass er ohne extra dazu aufgefordert werden zu müssen, Daten von externen Zulieferern verlustfrei auf die Festplatte kopiert. Auch beim Thema Bedienkomfort hat Poschadel den Mund nicht zu voll genommen – die vielen Stunden Programmierarbeit haben sich wirklich gelohnt. Dann jedoch zeigt sich das so schlicht wie edel daherkommende Kleinod als Spielwiese, auf der man sich nach kürzester Gewöhnung wohl fühlt. Eines dieser wohl durchdachten Details zeigt sich bei der Suchfunktion: Die App durchforstet sämtliche Streaming-Dienste und die auf Festplatte gespeicherten Titel und Interpreten in einem Rutsch; die mühselige und zeitraubende Suchanfrage durch jedes einzelne Verzeichnis entfällt. Mit jedem Tag wächst das Verständnis und die Freude am Umgang mit der App. Jegliche Anleitung zum Zusammenbau eines schwedischen Möbels ist im Prinzip umständlicher und komplizierter als der Umgang mit dieser Streaming-Bridge.

Weitere feine Erkenntnisse: Das x-odos-Support-Team hilft im Notfall per Fernwartung weiter und verschwindet samt Zugriffsrecht nach der Support-Sitzung wieder. Mit der„Shake“-Funktion können bis zu 100 Lieder der Playlist hinzugefügt werden. Darüber hinaus kann man sich in so ziemlich jeder denkbaren Konfiguration über Künstler, Alben, Titel etc. informieren. In einem Punkt hat x-odos die Nase in jedem Fall Roon voraus: Man hat tatsächlich etwas Reales erworben, das einem niemand wegnehmen kann, während man die Lifetime-¬Lizenz bei einer gewissen Böswilligkeit auch so interpretieren könnte, dass sie gilt, solange es Roon gibt ... Ich hab mich zunächst kaum getraut, meinen Ohren zu trauen, als ich die Anlagenkonfiguration änderte, indem ich einen Bluesound Vault 2i und einen Lumin D2, die abwechselnd an einem Exogal Komet+-Wandler per S/PDIF-Kabel hingen, gegen den x-odos austauschte. Mein Augenmerk galt zunächst der Bedienung, da es die unterschiedlichsten Konzepte gibt, den Nutzer zu verwöhnen. Doch bereits nach den ersten Tönen wurde meine Aufmerksamkeit weg vom Tablet und hin zur Musik gezogen, denn unzweideutig passierte hier etwas, mit dem ich, der ich mich eher zu den Skeptikern riesiger Unterschiede in der digitalen Peripherie zähle, überhaupt nicht gerechnet hatte.

Klangliche Unterschiede in Hülle und Fülle. Da hörte man Mr. Eric Clapton bei seiner Robert-Wilson-Hommage und wird ob der zutage tretenden Dynamik beim „Stop Breakinʼ Down Blues“ leicht nervös. Bruce Cockburn, ein leider weithin unterschätzter Musiker, begeistert als so virtuoser wie feinfühliger Gitarrist und Sänger bei „If I had a Rocket Launcher“, während der x-odos zeigt, wie viel mehr an Druck, Volumen und Emotion in dem Stück steckt, als ich es bis dato vermutet hatte. Fanta4, die nur sehr gelegentlich in meinen Playlists auftauchen, hauen mich beim „Tag am Meer“ mit der zutage tretenden Bassenergie fast um, ohne die nicht immer leicht zu verfolgenden Textpassagen zuzudecken. Audiophiles geht da natürlich fast von selbst, die Königinnen der Zunft, von Kari Bremnes bis Lyn Stanley, begeistern selbst dann, wenn man ihrer Musik nicht grundsätzlich huldigt, denn der Klang ist derart involvierend, dass es schwer, nein, nahezu ausgeschlossen ist, sich der Faszination gänzlich zu entziehen.

Woher diese ganzen wirklich leicht und eindeutig heraushörbaren Unterschiede herrühren, ob die diversen digitalen Stufen, das opulente Netzteil, das aufwendige, mit Spezial-Dämpfungsfüßen vor äußeren Einflüssen geschützte Gehäuse, die Rhodium-Anschlussbuchsen oder der penible, Jitter bereits im Keim erstickende Aufbau oder alles zusammen für diese nicht für möglich gehaltene Erfahrung sorgen, entzieht sich derzeit unserer Kenntnis, genau wie eine prozentuale Einstufung uns mangels Vergleich derzeit nicht möglich ist, ohne einen Schuss ins Blaue zu wagen. Was wir aber mit Bestimmtheit sagen können: Der xo|streampro ist es wert, gehört und bedient zu werden, um seinen Wert jenseits des beim Händler zu bezahlenden Betrags in Erfahrung zu bringen.

Schlicht und edel: das X leuchtet je nach Betriebszustand in verschiedenen Farben.

Testprofil des XO-Stream auf stereo.de

*Dieser Artikel wurde Qobuz vom Magazin STEREO zur Verfügung gestellt.