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Rubrik :
Auf dem Prüfstand

1 und 1 macht 2? - Der Chord Mojo 2

Von Julian Holländer (*STEREO) |

Ein Knopf mehr, ein Anschluss mehr, eine geschwungene „2“: Die Veränderungen im neuen akkubetriebenen DAC und Kopfhörerverstärker „Mojo 2“ von Chord scheinen von außen simpel. Wir checken, was die neue Generation so alles bietet.

Schon beim Test des originalen Mojo (STEREO 03/2016) hatten wir den Klang des mobilen Kopfhörerverstärkers hoch gelobt. Der britische Hersteller Chord Electronics hat hier auch eher kleine Änderungen vorgenommen; eine verbesserte Version des zentralen, selbst programmierten und hochwertigen „FPGA“-Chips, die „WTA“-Signalfilter mit 40 DSPs und mehr könnten aber durchaus noch besseren Klang versprechen.

Die interessantesten Neuerungen finden sich jedoch im neuen Knopf auf der Oberseite. Er beherbergt ein Menü mit, unter anderem, Einstellungen für Equalizer und „Crossfeed“ und leuchtet wie seine Nachbarn in verschiedensten Farben. So simpel die runden Knöpfchen auch sind, so schön ist doch ihr wohliges, leicht mattes Leuchten. Genauso schön ist es zu sehen, wie massiv und wertig sich das relativ schwere Alu-Gehäuse anfühlt.

Keine Sorge, der Mojo 2 ist nicht extrem schwer, er kann auch problemlos in den meisten Hosentaschen transportiert werden. Für den Musikgenuss macht er sich aber wahrscheinlich außerhalb selbiger besser, was nicht zuletzt an der spürbaren Wärmeentwicklung liegt, die seiner üppigen Leistung geschuldet ist. Natürlich auch wegen der schönen Haptik und Optik oder um die Kabel nicht einzuklemmen.

Altes und Neues

Zu den bisherigen Anschlüssen in S/PDIF koaxial, optisch und Micro-USB kommt nun USB-C, auch wenn die beiden USB-Anschlüsse nicht gleichzeitig benutzt werden können. Daran verarbeitet der Mojo 2 Auflösungen bis hoch zu sehr respektablen 768 kHz und DSD 256. Der On/Off-Knopf leuchtet zur Anzeige der aktuellen Rate in verschiedenen Farben. So wissen wir auf einen Blick, wie der aktuelle Song denn codiert ist, auch wenn die Ohren es möglicherweise nicht ganz so schnell erkennen mögen.

Als Ausgänge gibt’s wieder zweimal Miniklinke, wobei beide sehr gut gleichzeitig benutzt werden können. Dass alle alten Eingänge blieben und der neue zudem etwas deplatziert aussieht, ist dem „Poly“ von Chord geschuldet: Der optionale Streamer – Kosten zirka 650 Euro – kann an die Seite des Mojo 2 wie auch des Mojo 1 angeheftet werden und dessen Funktionsumfang unter anderem um WLAN, Airplay und Bluetooth erweitern.

Zur Input-Wahl hat der Mojo 2 eine interne Priorisierung – ganz oben steht das von uns meist benutzte (Micro-)USB. Keine manuelle Wahl zu haben ist schade, aber verkraftbar, zumal die Priorisierung natürlich nur greift, wenn mehrere Quellen spielen.

Neben dem Betrieb als Digital-Kopfhörerverstärker kann der Mojo zudem auch als reiner D/A-Wandler in der heimischen Anlage eingesetzt werden (siehe Kasten). Bei der stationären Benutzung sollte man allerdings beachten, dass bestenfalls zwei Kabel benötigt werden, damit der Mojo 2 auch konstant am Strom ist. Dank des „Intelligent Desktop Mode“ wird dann bei voller Ladung die Batterie geschützt. Die hält auch ohne Netzteil knapp acht Stunden, was sehr ordentlich ist.

Das neue Menü des Chord bietet diverse Einstellungen wie Knopf-Helligkeit oder Tastensperre, aber das größte Feature ist eindeutig der „UHD DSP“-Equalizer, den wir durch Drücken der Menü-Taste erkunden. Jeder Unterpunkt mit eigener Knopffarbe steht für eine Frequenz: rot für 20 Hz, gelb für 125 Hz, grün und blau für 3 kHz sowie 20 kHz. Jede dieser Frequenzen lässt sich in 18 erfreulich kleinen, farbcodierten Stufen anpassen.

Die Ansicht (1) ist „Standard“: Hier wird die Lautstärke angezeigt – da der linke Knopf leuchtet, ist diese aktuell in der oberen Hälfte. (2) sagt uns, dass die Knöpfe gedimmt sind und Crossfeed auf Maximum steht. Während bei (3) der obere Bass um 5 dB angehoben ist, wurde bei (4) die Frequenz bei 20 kHz um 5 dB gesenkt. Das sieht zweifelsohne hübsch aus, ist aber nicht unbedingt intuitiv.

Farbenlehre

Vor allem anfangs kann die Masse an Kombinationen und ihren Farben dann ein bisschen viel sein. Wir könnten uns die Farbtabelle des Chord ja auch einfach an die Wand tapezieren, um sie immer im Blick zu haben. Spaß beiseite: Das Farbschema ist konsequent – so ist grün z.B. bei Equalizer, Auflösung, Batterie und Lautstärke mehr als rot, aber weniger als blau – und sollte nach ein bisschen Erfahrung verständlich sein. Der Style-Faktor der Lämpchen kann kaum überboten werden, was bestimmt den hin und wieder durchaus nötigen Blick in die Anleitung wert ist.

Das auch im Menü anzutreffende „Crossfeed“ bietet drei Presets, die in verschiedener Intensität die Räumlichkeit der Darbietung verbessern sollen. Das Gefühl, vor „richtigen Lautsprechern“ zu sitzen, bringt das selbstredend nie zu 100 %, das Ergebnis kann sich aber durchaus hören lassen.

Durch die verschiedenen Equalizer zu navigieren ist aber teils schon herausfordernd. Wollen wir ihn etwa wie von Chord vorgeschlagen benutzen, um die Ohrhörer zu optimieren – was sie durchaus runder und kohärenter erscheinen lässt –, braucht das schon eine Menge Klicks auf die kleinen Buttons; zur Not kann aber auch alles zurückgesetzt werden. Speicherbare Presets hätten wir uns vielleicht gewünscht, auch wenn sie nur beim Betrieb mehrerer Kopfhörer wirklich nötig sind. Und ja, nur die Farbe des Menü-Knopfes sagt an, was wir gerade einstellen – alles nicht unbedingt optimal für farbenblinde Personen, könnte hier angemerkt werden.

Auch wenn wir endlich loslegen wollen: Auf Windows-PCs müssen erst Treiber he- runtergeladen werden; während Macs direkt bereit sind, braucht’s für Apple-Mobilgeräte noch einen passenden „Lightning to USB“- Adapter. Moderne Android-Handys sollten meist einfacher anzuschließen sein, entsprechendes Kabel vorausgesetzt. Ja, die Magie der modernen Verbindungsvielfalt ...

Im Inneren ist der Chord sauber gefüllt mit kleinsten Bauteilen, auch wenn der ordentliche Akku (links) sicher den Großteil vom Platz – und Gewicht – einnehmen dürfte.

Hier der Mojo 1, der dann doch ein paar optische Unterschiede bietet. Der neue vierte Knopf fand rechts neben den beiden Volume-Tasten (hier blau) sein Zuhause.

Endlich in Aktion

Besonders gut macht der Chord sich unserer Meinung nach am Schreibtisch, vor allem, da Homeoffice ja immer noch an der Tagesordnung ist. Hier ist er perfekt fürs Musikhören zwischendurch, entspannte Feierabendunterhaltung oder um endlose Telefonate angenehm klingen zu lassen.

Im Direktvergleich mit dem Vorgänger finden sich auch klangliche Verbesserungen; dass sie teils eher klein sind, ist mitunter der hohen Qualität von Generation 1 geschuldet. Der Mojo 2 klingt, selbst ohne Crossfeed, räumlicher, hat noch mehr Power und bietet hier und da mehr Definition und Auflösung. Das kommt etwa King Hannahs „A Well-Made Woman“ zugute, sodass Stimme und teils reduzierte Instrumentation noch losgelöster und aufgefächerter erscheinen.

Generell glänzt er durch eine ruhige, überblickende Performance, die dafür vielleicht manchmal in puncto Rasanz und Spielfreude den Kürzeren zieht. Trotzdem liefert der Mojo eine ansprechende Rhythmik, sodass „Monky Donkey“ des Saxofonisten Gábor Bolla trotz Klarheit und Detailreichtum nicht zu analytisch wird oder seinen mitreißenden Swing verliert.

Zum Ende ziehen wir also noch einmal den Test des Vorgängers heran: „Nicht billig, aber ein Vergnügen“ wurde damals geurteilt. Bei unverändertem Preis kann der erste Teil durchaus bestehen bleiben, auch wenn dieser im Vergleich zum jetzt klar gesteigerten Vergnügen mehr als fair ist. Schließlich bietet der Mojo 2 mehr Klang und mehr Optionen; einfach mehr von allem!

Zu optisch, koaxial, Mini-USB und der Strom-Buchse hat sich nun auch USB-C gesellt. Die abseitige Platzierung sieht zwar komisch aus, sichert aber Kompatibilität mit dem Streamer „Poly“.

Die Kopfhörerausgänge sind so simpel wie praktikabel und lassen sich auch problemlos beide gleichzeitig verwenden. Die Lautstärke wird für beide zusammen gesteuert, also sind verschieden effiziente Kopfhörer natürlich auch unterschiedlich laut.

Der Mojo 2 als DAC

Wenn die heimische Anlage keinen DAC besitzt, kann der Chord aushelfen und den Klang digitaler Quellen verbessern, auch wenn er eher als reiner Kopfhörerverstärker gedacht war. Es braucht entweder einen Eingang für 3,5-mm-Klinke am Verstärker oder ein Kabel von 3,5 mm auf Cinch, mit dem man ihn wie eine normale Hochpegelquelle anschließt. Während Handy oder Computer meist über USB laufen, können nun auch die anderen Eingänge glänzen, oder Erstere als Quelle dienen.

Im Gegensatz zum Vorgänger hat der Mojo 2 jedoch keinen extra hierfür geschaffenen „Line Level Mode“, damit dieser nicht aus Versehen aktiviert wird. Also bleibt die Lautstärkeregelung immer aktiv, und er muss manuell auf ein angebrachtes Level gestellt werden. Der Mojo merkt sich zudem die Einstellungen beim Ausschalten. Also immer auf die Lämpchen achten, sonst gibt‘s beim Wechsel auf die Kopfhörer eine schmerzhaft laute Überraschung.

FPGA, WTA
Chord nutzt „Field Programmable Gate Array“-ICs zur Steuerung des DACs. Digitale Signale werden durch den hauseigenen „Watts Transient Aligned“-Filter aufgebessert.

UHD DSP
Laut Chord der weltweit erste „Lossless Digital Signal Processor“, mit dem alle Equalizer-Einstellungen ohne Verlust der Klangqualität möglich sein sollen.

Test-Geräte

Quellen: Bluesound Node, Apple MacBook Air
D/A-Wandler/Kopfhörerverstärker: Chord Mojo, Lehmannaudio Drachenfels, iFi Zen DAC
Kopfhörer: Focal Elegia, HiFiMAN Edition X, Grado SR325x

Damit haben wir gehört:

King Hannah: I‘m Not Sorry, I Was Just Being Me
Vielversprechendes und atmosphärisches Debütalbum des britischen Duos

Gábor Bolla: On The Move
Eigenkompositionen und Standards auf den Spuren der ganz großen Jazzer

Die Playlist mit Tracks, mit der die STEREO-Redaktion Audiogeräte in der Ausgabe 06/22 getestet hat, finden Sie hier.

Testprofil des „Mojo 2“ von Chord auf stereo.de