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Lana Del Rey im Halbdunkel

Von Marc Zisman |

Mit "Chemtrails Over the Country Club" bewegt sich der amerikanische Star immer weiter weg vom Pop hin zu einem düsteren Folk...

Da im Lockdown die ganze Welt Verstecken spielt, macht Lana Del Rey es eben auch. Für ihr siebtes Album wählte die in L.A. niedergelassene New Yorkerin eine vertraute, gemütliche Atmosphäre mit Melodien, die für das Séparée tauglich sind und Arrangements, als wären sie im Beichtstuhl gemacht worden. Mehr als je zuvor klingt ihr Pop auf Chemtrails Over The Country Club nach Folk, obgleich die nach wie vor exquisite, verführerische und hypnotisierende, sich in Echo- und Resonanz-Effekten räkelnde Stimme damit in himmlische Sphären katapultiert wird.

Der Charakter dieses Folk fasziniert sie übrigens dermaßen, dass sie ihre Platte mit dem Beitrag von Natalie Mering alias Weyes Blood und Zella Day in einer herrlichen Coverversion von Joni Mitchells For Free aus ihrem Album Ladies of the Canyon (1970) ausklingen lässt. Außerdem gibt es diese Gitarren, die in Not All Who Wander Are Lost an die siebziger Jahre mit Laurel Canyon auf der Bühne denken lassen, und genauso unverdorben klingen auch jene zu Beginn von Yosemite. Wie so oft schon kritisiert Lana Del Rey anhand ihrer Texte auf vernichtende Weise, wie quälend das Star-System ist, wenn man berühmt ist, und das gleich im Opener des Albums, White Dress. Dort trauert sie der guten alten Zeit nach, als sie als noch unbekannte Bardame Sun Ra, Kings of Leon und die White Stripes hörte.

Ein bisschen später stellt sie noch andere geschichtliche Bezüge zur Musik her, etwa in Breaking Up Slowly (im Duett mit Nikki Lane), wo sie die Szenen einer Ehe von zwei legendären Stars der Country Music zur Sprache bringt, nämlich Tammy Wynette und George Jones.

Mit jedem Song macht sie einen Schritt weiter als einsame Amazone, die sich für nichts engagiert und sich für keinen Kampf stark macht, die einzig und allein macht, was sie will („Well, I don't care what they think. Drag racing my little red sports car. I'm not unhinged or unhappy, I'm just wild“). Mit diesem Chemtrails Over The Country Club wird vor allem klar, dass sie die Kunst des Storytellings ausgezeichnet beherrscht. Dabei feilt sie gekonnt alle ihre Worte bis ins kleinste Detail aus. Mit ihren 35 Jahren legt Lana Del Rey hier wohl eines ihrer freiesten und vollendetsten Alben vor. Doch sie scheint für dieses Jahr noch nicht genug zu haben und hat so bereits die Veröffentlichung eines weiteren neuen Albums, Rock Candy Sweet, für den 1. Juni angekündigt.

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