Jessica Pratt, stille Kraft

"Quiet Signs" ist das verträumte und jungfräuliche Folk-Album der Kalifornierin...

Von Sandra Zoor | Video des Tages | 13. Februar 2019
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Nach einer Probe muss eine Theaterschauspielerin miterleben, wie eine hysterische Anhängerin, die ihr Idol am Künstlereingang abwartet, dabei unter ein Auto gerät und stirbt. Sie ist nach diesem Unfall sehr bestürzt und gerät in schreckliche Verzweiflung. Gena Rowlands spielt diese Szene im Vorspann von John Cassavetes Film Opening Night (Die erste Vorstellung).Der Film stammt aus dem Jahre 1977 und hat auch Jessica Pratts so sehr berührt, dass sie sich bei ihrem neuen Album Quiet Signs davon inspirieren ließ, dessen Opener eben mit Opening Night betitelt ist…

Dieses dritte Album der amerikanischen Sängerin hätte übrigens 1977 veröffentlicht werden können. Aber auch 1968 oder 1973. Jetzt im Jahr 2019 ist es nun so weit. Zeitlos zu sein liegt nicht jedem und Pratt profitiert davon, keinem Raum-Zeit-Kontinuum anzugehören, um die Spuren besser zu verwischen. Nicht einmal ihre Stimme – derzeit einer der umwerfendsten und eigenartigsten überhaupt – lässt sich irgendwo einordnen. Hört man da ein kleines Mädchen, das sich an den Weihnachtsmann wendet? Oder eine surreale Fee? Oder eine in einer Geisterstadt herumirrende alte Frau? Wohl alle drei auf einmal…

Rundum verbreitet die dreißigjährige Kalifornierin schlichte Kammerfolk-Klangteppiche, und ein bisschen Farbe kommt nur von einer einfachen Flöte, einer akustischen Gitarre, einer Vintage-Orgel, ein paar Streichern und einem Klavier. Dabei denkt man an die in Vergessenheit geratene Linda Perhacs, an Vashti Bunyan, Sibylle Baier und auch an Karen Dalton. Und an eine Musikerin und Songwriterin aus jüngster Zeit, Joanna Newsom. Kurz gesagt, an alle diese Folkmusikerinnen Ende der sechziger Jahre und Anfang der siebziger Jahre, die ganz fantastische Stimmorgane besaßen. Der Zauber auf Quiet Signs hingegen ist sehr wohl Wirklichkeit.



HÖREN SIE QUIET SIGNS VON JESSICA PRATT BEI QOBUZ


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