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Coldplay im Ying und Yang

Mit "Everyday Life", veröffentlicht die Bande um Chris Martin ein mächtiges Doppel-Album zwischen positiver Energie und politischem Engagement...

Von Nicolas Magenham | Video des Tages | 27. November 2019
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Seit ihrer Entstehung im Jahre 1998 bringt der Leader von Coldplay, Chris Martin, in den Liedern regelmäßig religionsbezogene Referenzen unter. Bei ihrem achten Album, Everyday Life, scheint diese Tendenz einen Höhepunkt zu erreichen. In vielen Fällen zeichnet sich ein solcher Drang nach Spiritualität immer wieder durch eine sich ganz unmerklich verbreitende Sanftheit aus. Dabei handelt es sich beispielsweise um einen ganz einfachen Song mit Gitarre/Stimme/Vogelgesang (WOTW / POTP), oder um einen Gospel, den einzig und allein acht Sänger interpretierten (BrokEn). In anderen Stücken wiederum sind Klangfarbe und Text stimmungsvoller, wie etwa in Church, When I Need a Friend, oder auch in der Friedenshymne mit dem Titel Arabesque. Bemerkenswert sind das Featuring des (auf französisch singenden) Künstlers Stromae und das des nigerianischen Saxofonisten Omorinmade Anikulapo-Kuti.

Ein weiterer großartiger Song des Albums ist sicherlich Orphans: in Begleitung eines großen Chors singt Chris Martin zu abgehobenen, für Coldplay so typischen Pop-Rock-Rhythmen für Migranten und entwurzelte Flüchtlinge.



Everyday Life besteht aus zwei unterschiedlichen Teilen (Sunrise und Sunset) und spielt ohne Unterlass mit dem Yin-Yang-Konzept. Das beginnt schon mit diesem rätselhaften Cover, auf dem das Quartett wie eine Blaskapelle aus früheren Zeiten aussieht, und neben ihnen erblicken wir einen gewissen… Friedrich Nietzsche! Das Bild sieht so aus, als würde es gleichzeitig auf dem Kopf stehen. Zwei wundervolle Clips, die zum Sonnenaufgang und Sonnenuntergang in Jordanien gedreht wurden, setzten diese beiden Teile des Albums auf wunderbare Weise in Szene:



Das ganze Album hindurch präsentieren Coldplay abwechselnd positive Energie (die vom sanften Klavier begleitete Stimme in Daddy) und offensive Anklagen gegen die Missstände in unserer heutigen Zeit (Guns, mit seiner Rockgitarre). Das Album enthält letzten Endes auch einen Song mit einem ungewöhnlichen Titel und einem genauso ungewöhnlichen Text (zumindest in Bezug auf ein Mainstream-Album der westlichen Welt), da sie nämlich in arabischer Sprache verfasst sind. Der Titel ist بنی آدم (wortwörtlich: „Adams Sohn“) und es fängt mit einem Solostück am Klavier an, einem melancholischen Walzer, zu dem Bani Adam, ein Text des persischen Poeten Saadi Shirazi, inspiriert hatte. Allein schon die beiden ersten Verse dieses Textes klingen wie ein Symbol für Chris Martins spirituelle und wohlwollende Gedanken, insbesondere in Bezug auf dieses Album: „The children of Adam are the members of one another/Since in their creation they are of one essence“.

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