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Die Alben

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Rock - Erschienen am 17. Juni 2016 | InsideOutMusic

Wenn Arjen Lucassen, Mastermind von Ayreon, seinen Gedanken Flügel verleiht, entstehen Konzeptalben monolithischen Ausmaßes. Die Lyrics behandeln nahezu ausnahmslos die großen Fragen des Lebens: Wo komme ich her? Wo gehe ich hin? ("The Theory Of Everything", "01011001", " Universal Migrator" - Part 1 und Part 2). Insofern stellt das 2004er-Opus "The Human Equation" eine Ausnahme dar. Hier steht die Conditio Humana im Mittelpunkt. Nach einem Autounfall liegt ein erfolgreicher und nicht immer fairer Geschäftsmann im Koma. In seinem Kopf tobt das reinste emotionale Chaos inklusive biographischer Flashbacks. Die insgesamt 20 Songs behandeln je einen Tag des komatösen Zustands. Die sonst sehr Science Fiction-lastigen Storys weichen hier einer psychologischen Ausleuchtung. Das Geschehen spielt sich im Kopf des Hauptprotagonisten ab, beeindruckend gemimt von Dream Theater-Sänger James LaBrie. Das von Arjen Lucassens Werken bekannte musikalische Kopfkino bekommt hier seine lyrische Entsprechung. Versiert in sämtlichen Kompositionstechniken, dominieren vergleichsweise einfache Songstrukturen und prägnante Melodien, auch wenn sie, wie das adaptierte James Bond-Thema zu Beginn von "Pain", nicht immer dem eigenen Genius entsprungen sind. Klarer Fall von Kryptomnesie, der unbewussten Adaption fremden Gedankenguts als eigene Neuschöpfung. Auch die Fokussierung der Story auf den Hauptprotagonisten, genannt Me, erleichtert eine Bühnenadaption. Im weitesten Sinne geht es um eine psychologische Auseinandersetzung mit den eigenen Emotionen, die szenisch auf- und abtreten, jeweils ihren Solo-Spot erhalten und natürlich in fulminanten Massenszenen die jeweiligen dramaturgischen Höhepunkte ansteuern. Lucassen wollte von Beginn an das hohe Niveau der CD-Produktion mit möglichst vielen Originalsängern erhalten, gleichzeitig jedoch nicht selbst in Erscheinung treten. Daher gab der selbst ernannte Perfektionist während der zweijährigen Vorbereitungsphase viele Fäden aus der Hand. Joost van den Broek durfte als musikalischer Direktor viele Entscheidungen wie die Zusammenstellung der Band oder das Angleichen der CD-Arrangements an die Live-Umsetzung übernehmen. Heraus kommt eine Band, die der klassischen Rock/Metal-Besetzung noch Holzgebläse, Cello, Geige und die für Ayreon obligatorische Synthie-Armada hinzufügt. Klar mussten einige Arrangements angeglichen werden, doch fällt dies angesichts der brillanten spielerischen Umsetzung nicht ins Gewicht. Zudem castete man extra für diesen Anlass einen 19-köpfigen Chor, der einige coole Spots erhält wie etwa in "Love" als Abschluss des ersten Aktes. Auch die irren Vocal-Arrangements von Devin Townsend in "Pain" kommen durch den Chor zur Geltung. Minimale Abzüge gibt es aufgrund einiger Ungenauigkeiten in Sachen Ton und Licht, was jedoch der Live-Situation geschuldet sein dürfte. Ein Teil des Casts der Originalproduktion konnte für die Live-Adaption erhalten werden, neben LaBrie auch Devon Graves (Psychotic Waltz, Deadsoul Tribe) als Agony. Für Mikael Akerfeld (Opeth) und Devin Townsend übernehmen hingegen Anneke von Giersbergen (Ex-The Gathering) und Mike Mills. Von Giersbergen fügt dem Growl-lastigen Opeth-Part eine ganz eigene Note bei, der Frontmann der australischen Prog-Youngsters Toehider dagegen ist eine echte Entdeckung: Er meistert nicht nur spielerisch die anspruchsvollen Vocal-Parts von Townsend, sondern untermalt das Ganze mit dem entsprechendem Schauspiel. Die vorliegende Live-Fassung ist ein Mitschnitt der letzten von vier exklusiven Shows, die im September 2015 im Nieuwe Luxor Theater in Rotterdam zur Aufführung kamen. Im wie gewohnt üppigen Bonus-Teil erhält der Fan zudem einen Einblick, was es produktionstechnisch bedeutet, eine solche Herkules-Aufgabe zu stemmen. © Laut
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Pop - Erschienen am 24. März 2015 | InsideOutMusic

Was erwartet man von einem Lucassen-Release? Komplexe durchdachtes Songwriting, abwechslungsreiche Arrangements, große Melodien, Innovation und Progressivität, ein Starensemble. Abgesehen von Letzterem bietet "The Diary" all das. The Gentle Storm steht dem Hauptprojekt des Holländers, Ayreon, qualitativ in absolut nichts nach. Trotz der unübersehbaren Parallelen im Sound, insbesondere zum letzten Ayreon-Longplayer "The Theory Of Everything", macht ein direkter Vergleich wenig Sinn. Erstens ist, wie gesagt, keine komplette Riege an Vokalisten an Bord. Die vermisst man angesichts der brillierenden Anneke van Giersbergen jedoch kein bisschen. Zweitens entpuppen sich die Songs als wesentlich kompakter und griffiger als die ausufernden Opern Ayreons. Drittens herrscht eine klare Trennung zwischen reiner Akustik und elektrisch verstärktem Bombast. "The Diary" kommt als Doppelalbum daher, auf dem sämtliche Songs in zweifacher Ausführung vorhanden sind. Die erste Seite, "Gentle", präsentiert ein feingliedriges Kammerkonzert. "Storm" transferiert die Tracks ins prall gefüllte Opernhaus und lässt Zerrgitarren sprechen. Allerdings sollte man seine Erwartungen diesbezüglich etwas drosseln. So grundverschieden wie sich das zunächst anhören mag, sind die beiden Ausführungen nämlich nicht. Eine schöne Dreingabe aber allemal. Unterschiede machen sich in der durch die Instrumentierung (Drumkit statt Percussion, über weite Strecken Keyboards und Gitarren statt Streicher, Klavier und Hackbrett, Blechbläser sorgen für Epik) bedingte, wesentlich wuchtigere Basisatmosphäre von "Storm" bemerkbar. Vor allem aber in den Vocalparts. Während Anneke auf "Gentle" zarte Intimität versprüht, erklingt sie gebettet in das dichte "Storm"-Arrangement ungleich kraftvoller, stellenweise fast majestätisch. Nightwish lassen hier grüßen ("The Greatest Love"). Mit dem Zusatz, dass sich von Arjen Lucassens Kompositionskunst auch Tuomas Holopainen noch eine Scheibe abschneiden kann. Das was "The Diary" jedoch besonders herausragend macht, ist nicht "Storm". Es hat durchaus seine Berechtigung, warum auf Seite eins "Gentle" steht. "Gentle" gelingt es, den Songs all ihre feinen Nuancen zu entlocken. Verglichen damit wirkt "Storm" geradezu leblos – was es natürlich ganz und gar nicht ist. Doch erst in der Fragilität entfalten die Melodien ihre vollkommene Schönheit. Im Opener "Endless Sea" agiert Anneke über spärlicher Percussionbasis fast schon in A-capella-Manier. Aus dem Mix schiebt sich langsam eine Querflöte nach oben, die mit ihrem Solo im letzten Drittel für ein erstes Highlight sorgt. Mit Rock oder gar Metal hat "Gentle" nichts mehr am Hut. Es regieren Folk, Barock, Renaissance. Lucassen und van Giersbergen begeben sich als Entdecker in die niederländische Historie, erwecken in "Heart Of Amsterdam" mit tänzerischer Leichtfüßigkeit die Hafenstadt zum Leben und lassen gleichermaßen deren vergangene Dekadenz und Künstlerromantik auferstehen. Anneke wandert als träumerisches Naivchen durch die Gassen, erkundet sehnsuchtsvoll die "Shores Of India", gewährt der Melancholie Einlass ("Epilogue: The Final Entry"), gibt die nachdenkliche Hoffnungsträgerin ("New Horizons") und geheimnisvolle Geschichtenerzählerin ("Cape Of Storms"). Die dabei entstehenden Gesangsmelodien und offenbarte Variabilität der Townsend-Muse sind schlichtweg unvergleichlich und stehlen dem nicht minder grandiosen Schreibewerk Lucassens des Öfteren die Show. Dagegen kommt auch die geballte Stimmkraft der Ayreon-Ensembles nicht an. Eine feste Größe der "Gentle"-Rhythmusgruppe stellt der Kontrabass dar. Häufig als Ruhepol, mitunter jedoch ebenso als Taktgeber ("Eyes Of Michiel"). In dieser Rolle fühlen sich naturgemäß auch die Percussions wohl. Deren dynamische Bandbreite prägt den Verlauf der Stücke entscheidend. Manchmal setzen sie nur pointierte Ausrufezeichen, lauern im Untergrund, setzen dramaturgisch durchdacht aus oder steigern sich beständig, um dann gegen Ende einer beschwingten Ballade à la "Eyes Of Michiel" noch den treibenden Höhepunkt zu erschaffen. Darüber ergießen sich Klavierkaskaden und ekstatisches Violinspiel ("The Storm") oder aber leichte Melancholie macht sich in getragenen Streicherpassagen breit. Bisweilen beinhaltet ein Song auch von allem etwas. Im Facettenreichtum von "The Moment" beispielsweise treffen Tanzbarkeit, Tragik und Erhabenheit aufeinander. Gleichzeitig Kleinod und großangelegtes Opus hat die Musik in selbem Maße Ohrwurmpotenzial wie sie nach Aufmerksamkeit verlangt. "The Diary" ist nicht einfach nur eines von vielen Alben der Lucassen-Diskographie. Es sticht selbst aus dieser Ansammlung hochqualitativer Outputs hervor. Man kann nur hoffen, dass es The Gentle Storm nicht nur bei diesem einen Release belassen. Die Zeit wird zeigen, ob Anneke van Giersbergen und Arjen Lucassen mit "The Diary" einen neuen Prog-Meilenstein gesetzt haben. Gut möglich. © Laut
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Pop - Erschienen am 13. Februar 2015 | InsideOutMusic

Was erwartet man von einem Lucassen-Release? Komplexe durchdachtes Songwriting, abwechslungsreiche Arrangements, große Melodien, Innovation und Progressivität, ein Starensemble. Abgesehen von Letzterem bietet "The Diary" all das. The Gentle Storm steht dem Hauptprojekt des Holländers, Ayreon, qualitativ in absolut nichts nach. Trotz der unübersehbaren Parallelen im Sound, insbesondere zum letzten Ayreon-Longplayer "The Theory Of Everything", macht ein direkter Vergleich wenig Sinn. Erstens ist, wie gesagt, keine komplette Riege an Vokalisten an Bord. Die vermisst man angesichts der brillierenden Anneke van Giersbergen jedoch kein bisschen. Zweitens entpuppen sich die Songs als wesentlich kompakter und griffiger als die ausufernden Opern Ayreons. Drittens herrscht eine klare Trennung zwischen reiner Akustik und elektrisch verstärktem Bombast. "The Diary" kommt als Doppelalbum daher, auf dem sämtliche Songs in zweifacher Ausführung vorhanden sind. Die erste Seite, "Gentle", präsentiert ein feingliedriges Kammerkonzert. "Storm" transferiert die Tracks ins prall gefüllte Opernhaus und lässt Zerrgitarren sprechen. Allerdings sollte man seine Erwartungen diesbezüglich etwas drosseln. So grundverschieden wie sich das zunächst anhören mag, sind die beiden Ausführungen nämlich nicht. Eine schöne Dreingabe aber allemal. Unterschiede machen sich in der durch die Instrumentierung (Drumkit statt Percussion, über weite Strecken Keyboards und Gitarren statt Streicher, Klavier und Hackbrett, Blechbläser sorgen für Epik) bedingte, wesentlich wuchtigere Basisatmosphäre von "Storm" bemerkbar. Vor allem aber in den Vocalparts. Während Anneke auf "Gentle" zarte Intimität versprüht, erklingt sie gebettet in das dichte "Storm"-Arrangement ungleich kraftvoller, stellenweise fast majestätisch. Nightwish lassen hier grüßen ("The Greatest Love"). Mit dem Zusatz, dass sich von Arjen Lucassens Kompositionskunst auch Tuomas Holopainen noch eine Scheibe abschneiden kann. Das was "The Diary" jedoch besonders herausragend macht, ist nicht "Storm". Es hat durchaus seine Berechtigung, warum auf Seite eins "Gentle" steht. "Gentle" gelingt es, den Songs all ihre feinen Nuancen zu entlocken. Verglichen damit wirkt "Storm" geradezu leblos – was es natürlich ganz und gar nicht ist. Doch erst in der Fragilität entfalten die Melodien ihre vollkommene Schönheit. Im Opener "Endless Sea" agiert Anneke über spärlicher Percussionbasis fast schon in A-capella-Manier. Aus dem Mix schiebt sich langsam eine Querflöte nach oben, die mit ihrem Solo im letzten Drittel für ein erstes Highlight sorgt. Mit Rock oder gar Metal hat "Gentle" nichts mehr am Hut. Es regieren Folk, Barock, Renaissance. Lucassen und van Giersbergen begeben sich als Entdecker in die niederländische Historie, erwecken in "Heart Of Amsterdam" mit tänzerischer Leichtfüßigkeit die Hafenstadt zum Leben und lassen gleichermaßen deren vergangene Dekadenz und Künstlerromantik auferstehen. Anneke wandert als träumerisches Naivchen durch die Gassen, erkundet sehnsuchtsvoll die "Shores Of India", gewährt der Melancholie Einlass ("Epilogue: The Final Entry"), gibt die nachdenkliche Hoffnungsträgerin ("New Horizons") und geheimnisvolle Geschichtenerzählerin ("Cape Of Storms"). Die dabei entstehenden Gesangsmelodien und offenbarte Variabilität der Townsend-Muse sind schlichtweg unvergleichlich und stehlen dem nicht minder grandiosen Schreibewerk Lucassens des Öfteren die Show. Dagegen kommt auch die geballte Stimmkraft der Ayreon-Ensembles nicht an. Eine feste Größe der "Gentle"-Rhythmusgruppe stellt der Kontrabass dar. Häufig als Ruhepol, mitunter jedoch ebenso als Taktgeber ("Eyes Of Michiel"). In dieser Rolle fühlen sich naturgemäß auch die Percussions wohl. Deren dynamische Bandbreite prägt den Verlauf der Stücke entscheidend. Manchmal setzen sie nur pointierte Ausrufezeichen, lauern im Untergrund, setzen dramaturgisch durchdacht aus oder steigern sich beständig, um dann gegen Ende einer beschwingten Ballade à la "Eyes Of Michiel" noch den treibenden Höhepunkt zu erschaffen. Darüber ergießen sich Klavierkaskaden und ekstatisches Violinspiel ("The Storm") oder aber leichte Melancholie macht sich in getragenen Streicherpassagen breit. Bisweilen beinhaltet ein Song auch von allem etwas. Im Facettenreichtum von "The Moment" beispielsweise treffen Tanzbarkeit, Tragik und Erhabenheit aufeinander. Gleichzeitig Kleinod und großangelegtes Opus hat die Musik in selbem Maße Ohrwurmpotenzial wie sie nach Aufmerksamkeit verlangt. "The Diary" ist nicht einfach nur eines von vielen Alben der Lucassen-Diskographie. Es sticht selbst aus dieser Ansammlung hochqualitativer Outputs hervor. Man kann nur hoffen, dass es The Gentle Storm nicht nur bei diesem einen Release belassen. Die Zeit wird zeigen, ob Anneke van Giersbergen und Arjen Lucassen mit "The Diary" einen neuen Prog-Meilenstein gesetzt haben. Gut möglich. © Laut