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Die Alben

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Metal - Erschienen am 25. September 2020 | Music Theories

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Arjen Lucassen, die zwei Meter große ein Mann-Armee des Progrock, hat mit "The Source" viel Kritik eingesteckt. Produktion und Sängerriege waren zwar zum Zunge schnalzen. Über Albumlänge zeigten sich bei der nah am Power Metal gebauten Fließbandarbeit allerdings Abnutzungserscheinungen. Die stilistisch ähnlich gelagerten Breitwandfeuerwerke "01011001" und "Universal Migrator Part II" verfügen im direkten Vergleich einfach über mehr Schmiss, Zunder und Kreativität. Lucassen war in der Zeitschleife seines eigenen Kosmoses gefangen. Da die Sci Fi-Story mit "The Source" den letzten Schliff erhalten hat, stand die Frage im Raum, ob Ayreon den Ereignishorizont überquert haben und nun ein neues Projekt angreifen: "Transitus" ist ein Schauermärchen geworden, effektvoll inszeniert und öffentlichkeitswirksam von einem Comic flankiert. Der 60-Jährige hat sein Lampenfieber mittlerweile im Griff und Gefallen an einer effektvollen und opulenten Inszenierung in Folge der zahlreichen Liveevents im 013-Club in Tilburg gefunden. Die Liveerfahrungen der vergangenen Jahre prägten, und Lucassen kreiert eine Mischung, die viel Neues birgt, Altbekanntes hingegen nicht über Bord wirft. Wie etwa bei der fulminanten Liveumsetzung von "Into The Electric Castle" greift der holländische Hüne auf einen Sprecher zurück, der getrost als Jugendidol des nerdigen Komponisten bezeichnet werden darf. Im Falle von "Electric Castle Live and Other Tales" ersetzt Star Trek-Darsteller John De Lancie als Erzähler die dröge Valiumstimme auf der Originalplatte, füllt den Part mit Dramatik und Leben und führt durch die diversen Prüfungen, die den acht Protagonisten auf ihrer Reise durch das Eletric Castle blühen. Für "Transitus" mimt der von der englischen Serie "Doctor Who" bekannte Schauspieler Tom Baker den charismatischen Erzähler, untermalt von Soundscapes, bevor die anschließend einsetzende Musik die Stimmung kristallisiert. Die opulenten Chorpassagen brachte der Multiinstrumentalist schon bei "Theater Equation" auf die Bühne. Die Liveumsetzung der ausufernden Gesangslinien von Devin Townsend in der Studiofassung von "The Human Equation" hat nach einer entsprechende Menpower bei der Show geradezu geschrieen: Der Hellschor erledigt seine Aufgabe auf "Transitus" souverän und mit der Kraft der tausend Stimmen. Die stimmgewaltige an Gospel und Blues geschulte Senkrechtstarterin der Metal-Szene, Cammie Gilbert, die jüngst erst mit ihrer Stammformation Oceans Of Slumber eine neue Platte veröffentlichte, interpretiert die Hauptrolle. Die langjährige Kollabor-Partnerin Anneke Van Giersbergen, mit der Lucassen das Projekt The Gentle Storm realisiert hat, geht hingegen leer aus. Die Wahl von Gilbert bleibt konsequent, auch wenn sie im Korsett des Ayreon-Kosmos dramaturgisch nicht alle Register ihres Stimmumfangs zieht. Meinte man zudem, dass Ed Warby mittlerweile fest mit dem Drumschemel des erfolgreichen Projekts verheiratet ist, sieht sich der Fan eines Besseren belehrt. Juan Van Emmerloot heißt der neue Schlagwerker, und was ihm im Vergleich zu Warby an Punch und Präzision fehlt, macht er mit Finesse und Gefühl wieder wett. Als Referenz dient "The Theory Of Everything", das jedoch deutlich sinfonischer gestaltet und näher am Seventies-Prog liegt. Auch der Vergleich mit der Durchbruchsplatte "Into The Electric Castle" hilft nur bedingt, da dort die auf einzelne Sänger zugeschnittenen Nummern dominieren, und der Folkrock ausgeprägt im Klangbild verankert ist. Und nun ein Musical, ein Singspiel, das dem Aufbau einer klassischen Oper folgt: Zwei Akte, Drama ohne Ende sowie ein prägnanter Wechsel zwischen Rezitativ und Arie, also Sprache und Gesang. Der Klassiker "Jesus Christ Superstar" oder auch The Whos "Tommy" prägen in puncto Struktur. Aber auch "The Astonishing" von Dream Theater dürfte dem Mastermind zu Ohren gekommen sein. Die opulente Ouvertüre stellt in dieser Form ein Unikum dar: Lucassen konzipiert den Einstieg als einen Streifzug durch die Klassiker des Soundtracks mit Blitzlicht auf Jerry Goldsmith, diverse John Carpenter-Vertonungen, den Omen-Score oder Mike Oldfields "Tubular Bells". An dieser Stelle arbeitet Lucassen auch mit Bildern und lässt nicht nur die Story walten. Die exponierte klangliche und szenische Gestaltung vereint wie in einem Brennglas die relevanten Themen und Motive. Ursprünglich schwebte dem hochfliegenden Holländer ein Film vor, aus Budgetgründen konnte er das Vorhaben aber nicht realisieren. Die Ouvertüre dürfte ein Relikt dieser Phase sein. Nach diesem außergewöhnlichen Moment entfaltet sich die Geschichte um Liebe und Verrat. Der Plot erinnert mit seinem historischen Rückbezug an Dream Theaters "Scenes From A Memory" oder auch Avantasias "Mystery Of Time" und "Moonglow". Lucassen verbleibt hingegen nicht in der Realität, sondern bezieht neben den biblischen Rückzugsorten Himmel und Hölle die Übergangswelt Transitus in den Plot ein. Hier finden sich die 'Nicht-gänzlich-Toten' wieder, um ihren Weg in eine der beiden Richtungen zu nehmen. Gerichtet werden die armen Tröpfe vom Engel des Todes - lasziv und prickelnd von Simone Simons intoniert. Herrlich wie die Epica-Sängerin vor Charme und Witz sprühend den Track "The Human Equation" performt. In der Comicversion wirkt der Mix aus übersinnlicher Magie und kurvenreichem Dekolleté ein wenig überzeichnet, in der akustischen Form überzeugt Simons vollends. Einzelne Stücke hervorzuheben verbietet sich ob der Fülle an Details in der Story. Einzig das Rock-Doppel "Dumb Piece Of Rock" und "Get Out Now!" sprengt den Rahmen. Hier weicht Lucassen zu Gunsten der Einbindung zweier Sänger von der kohärenten Story ab: Mike Mills, Mastermind der australischen Alterna-Progger Toehider, gibt seine an Freddie Mercury erinnernden Vocalkaskaden als zum Leben erwachte Statue preis. Twisted Sister-Urgestein Dee Snider schmeißt als bitterböser Vater seinen Sohn kurzerhand aus dem Haus, als die Liaison des gut betuchten Daniel, gespielt und gesungen von Kamelot-Fronter Tommy Kareivik, mit der Dienerin des Hauses Abby bekannt wird. "Transitus" entfaltet seine volle emotionale Wucht bei stundelanger Beschäftigung mit Kopfhörer und durch die starke visuelle Komponente in Form des beiliegenden Comics. Ob der Fan nun sein Kreuzchen bei eklektische Experimente, geistige Größe, magischem Musenkuss oder Kitschkrieg-Prog macht, steht freilich auf einem anderen Blatt. Meiner bescheidenen Meinung nach erfüllt Lucassen sämtliche Anforderungen. © Laut
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Pop - Erschienen am 24. März 2015 | InsideOutMusic

Was erwartet man von einem Lucassen-Release? Komplexe durchdachtes Songwriting, abwechslungsreiche Arrangements, große Melodien, Innovation und Progressivität, ein Starensemble. Abgesehen von Letzterem bietet "The Diary" all das. The Gentle Storm steht dem Hauptprojekt des Holländers, Ayreon, qualitativ in absolut nichts nach. Trotz der unübersehbaren Parallelen im Sound, insbesondere zum letzten Ayreon-Longplayer "The Theory Of Everything", macht ein direkter Vergleich wenig Sinn. Erstens ist, wie gesagt, keine komplette Riege an Vokalisten an Bord. Die vermisst man angesichts der brillierenden Anneke van Giersbergen jedoch kein bisschen. Zweitens entpuppen sich die Songs als wesentlich kompakter und griffiger als die ausufernden Opern Ayreons. Drittens herrscht eine klare Trennung zwischen reiner Akustik und elektrisch verstärktem Bombast. "The Diary" kommt als Doppelalbum daher, auf dem sämtliche Songs in zweifacher Ausführung vorhanden sind. Die erste Seite, "Gentle", präsentiert ein feingliedriges Kammerkonzert. "Storm" transferiert die Tracks ins prall gefüllte Opernhaus und lässt Zerrgitarren sprechen. Allerdings sollte man seine Erwartungen diesbezüglich etwas drosseln. So grundverschieden wie sich das zunächst anhören mag, sind die beiden Ausführungen nämlich nicht. Eine schöne Dreingabe aber allemal. Unterschiede machen sich in der durch die Instrumentierung (Drumkit statt Percussion, über weite Strecken Keyboards und Gitarren statt Streicher, Klavier und Hackbrett, Blechbläser sorgen für Epik) bedingte, wesentlich wuchtigere Basisatmosphäre von "Storm" bemerkbar. Vor allem aber in den Vocalparts. Während Anneke auf "Gentle" zarte Intimität versprüht, erklingt sie gebettet in das dichte "Storm"-Arrangement ungleich kraftvoller, stellenweise fast majestätisch. Nightwish lassen hier grüßen ("The Greatest Love"). Mit dem Zusatz, dass sich von Arjen Lucassens Kompositionskunst auch Tuomas Holopainen noch eine Scheibe abschneiden kann. Das was "The Diary" jedoch besonders herausragend macht, ist nicht "Storm". Es hat durchaus seine Berechtigung, warum auf Seite eins "Gentle" steht. "Gentle" gelingt es, den Songs all ihre feinen Nuancen zu entlocken. Verglichen damit wirkt "Storm" geradezu leblos – was es natürlich ganz und gar nicht ist. Doch erst in der Fragilität entfalten die Melodien ihre vollkommene Schönheit. Im Opener "Endless Sea" agiert Anneke über spärlicher Percussionbasis fast schon in A-capella-Manier. Aus dem Mix schiebt sich langsam eine Querflöte nach oben, die mit ihrem Solo im letzten Drittel für ein erstes Highlight sorgt. Mit Rock oder gar Metal hat "Gentle" nichts mehr am Hut. Es regieren Folk, Barock, Renaissance. Lucassen und van Giersbergen begeben sich als Entdecker in die niederländische Historie, erwecken in "Heart Of Amsterdam" mit tänzerischer Leichtfüßigkeit die Hafenstadt zum Leben und lassen gleichermaßen deren vergangene Dekadenz und Künstlerromantik auferstehen. Anneke wandert als träumerisches Naivchen durch die Gassen, erkundet sehnsuchtsvoll die "Shores Of India", gewährt der Melancholie Einlass ("Epilogue: The Final Entry"), gibt die nachdenkliche Hoffnungsträgerin ("New Horizons") und geheimnisvolle Geschichtenerzählerin ("Cape Of Storms"). Die dabei entstehenden Gesangsmelodien und offenbarte Variabilität der Townsend-Muse sind schlichtweg unvergleichlich und stehlen dem nicht minder grandiosen Schreibewerk Lucassens des Öfteren die Show. Dagegen kommt auch die geballte Stimmkraft der Ayreon-Ensembles nicht an. Eine feste Größe der "Gentle"-Rhythmusgruppe stellt der Kontrabass dar. Häufig als Ruhepol, mitunter jedoch ebenso als Taktgeber ("Eyes Of Michiel"). In dieser Rolle fühlen sich naturgemäß auch die Percussions wohl. Deren dynamische Bandbreite prägt den Verlauf der Stücke entscheidend. Manchmal setzen sie nur pointierte Ausrufezeichen, lauern im Untergrund, setzen dramaturgisch durchdacht aus oder steigern sich beständig, um dann gegen Ende einer beschwingten Ballade à la "Eyes Of Michiel" noch den treibenden Höhepunkt zu erschaffen. Darüber ergießen sich Klavierkaskaden und ekstatisches Violinspiel ("The Storm") oder aber leichte Melancholie macht sich in getragenen Streicherpassagen breit. Bisweilen beinhaltet ein Song auch von allem etwas. Im Facettenreichtum von "The Moment" beispielsweise treffen Tanzbarkeit, Tragik und Erhabenheit aufeinander. Gleichzeitig Kleinod und großangelegtes Opus hat die Musik in selbem Maße Ohrwurmpotenzial wie sie nach Aufmerksamkeit verlangt. "The Diary" ist nicht einfach nur eines von vielen Alben der Lucassen-Diskographie. Es sticht selbst aus dieser Ansammlung hochqualitativer Outputs hervor. Man kann nur hoffen, dass es The Gentle Storm nicht nur bei diesem einen Release belassen. Die Zeit wird zeigen, ob Anneke van Giersbergen und Arjen Lucassen mit "The Diary" einen neuen Prog-Meilenstein gesetzt haben. Gut möglich. © Laut
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Weihnachtsmusik - Erschienen am 26. November 2020 | Mascot Records

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Rock - Erschienen am 17. Juni 2016 | InsideOutMusic

Wenn Arjen Lucassen, Mastermind von Ayreon, seinen Gedanken Flügel verleiht, entstehen Konzeptalben monolithischen Ausmaßes. Die Lyrics behandeln nahezu ausnahmslos die großen Fragen des Lebens: Wo komme ich her? Wo gehe ich hin? ("The Theory Of Everything", "01011001", " Universal Migrator" - Part 1 und Part 2). Insofern stellt das 2004er-Opus "The Human Equation" eine Ausnahme dar. Hier steht die Conditio Humana im Mittelpunkt. Nach einem Autounfall liegt ein erfolgreicher und nicht immer fairer Geschäftsmann im Koma. In seinem Kopf tobt das reinste emotionale Chaos inklusive biographischer Flashbacks. Die insgesamt 20 Songs behandeln je einen Tag des komatösen Zustands. Die sonst sehr Science Fiction-lastigen Storys weichen hier einer psychologischen Ausleuchtung. Das Geschehen spielt sich im Kopf des Hauptprotagonisten ab, beeindruckend gemimt von Dream Theater-Sänger James LaBrie. Das von Arjen Lucassens Werken bekannte musikalische Kopfkino bekommt hier seine lyrische Entsprechung. Versiert in sämtlichen Kompositionstechniken, dominieren vergleichsweise einfache Songstrukturen und prägnante Melodien, auch wenn sie, wie das adaptierte James Bond-Thema zu Beginn von "Pain", nicht immer dem eigenen Genius entsprungen sind. Klarer Fall von Kryptomnesie, der unbewussten Adaption fremden Gedankenguts als eigene Neuschöpfung. Auch die Fokussierung der Story auf den Hauptprotagonisten, genannt Me, erleichtert eine Bühnenadaption. Im weitesten Sinne geht es um eine psychologische Auseinandersetzung mit den eigenen Emotionen, die szenisch auf- und abtreten, jeweils ihren Solo-Spot erhalten und natürlich in fulminanten Massenszenen die jeweiligen dramaturgischen Höhepunkte ansteuern. Lucassen wollte von Beginn an das hohe Niveau der CD-Produktion mit möglichst vielen Originalsängern erhalten, gleichzeitig jedoch nicht selbst in Erscheinung treten. Daher gab der selbst ernannte Perfektionist während der zweijährigen Vorbereitungsphase viele Fäden aus der Hand. Joost van den Broek durfte als musikalischer Direktor viele Entscheidungen wie die Zusammenstellung der Band oder das Angleichen der CD-Arrangements an die Live-Umsetzung übernehmen. Heraus kommt eine Band, die der klassischen Rock/Metal-Besetzung noch Holzgebläse, Cello, Geige und die für Ayreon obligatorische Synthie-Armada hinzufügt. Klar mussten einige Arrangements angeglichen werden, doch fällt dies angesichts der brillanten spielerischen Umsetzung nicht ins Gewicht. Zudem castete man extra für diesen Anlass einen 19-köpfigen Chor, der einige coole Spots erhält wie etwa in "Love" als Abschluss des ersten Aktes. Auch die irren Vocal-Arrangements von Devin Townsend in "Pain" kommen durch den Chor zur Geltung. Minimale Abzüge gibt es aufgrund einiger Ungenauigkeiten in Sachen Ton und Licht, was jedoch der Live-Situation geschuldet sein dürfte. Ein Teil des Casts der Originalproduktion konnte für die Live-Adaption erhalten werden, neben LaBrie auch Devon Graves (Psychotic Waltz, Deadsoul Tribe) als Agony. Für Mikael Akerfeld (Opeth) und Devin Townsend übernehmen hingegen Anneke von Giersbergen (Ex-The Gathering) und Mike Mills. Von Giersbergen fügt dem Growl-lastigen Opeth-Part eine ganz eigene Note bei, der Frontmann der australischen Prog-Youngsters Toehider dagegen ist eine echte Entdeckung: Er meistert nicht nur spielerisch die anspruchsvollen Vocal-Parts von Townsend, sondern untermalt das Ganze mit dem entsprechendem Schauspiel. Die vorliegende Live-Fassung ist ein Mitschnitt der letzten von vier exklusiven Shows, die im September 2015 im Nieuwe Luxor Theater in Rotterdam zur Aufführung kamen. Im wie gewohnt üppigen Bonus-Teil erhält der Fan zudem einen Einblick, was es produktionstechnisch bedeutet, eine solche Herkules-Aufgabe zu stemmen. © Laut

Progressive Rock - Erschienen am 25. September 2013 | Music Theories

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Hinter dem Namen Ayreon verbirgt sich das progressive Rock/Metal-Projekt von Arjen Lucassen, der sich auch für Star One und Guilt Machine verantwortlich zeigt. Doch auf Theory of Everything kehrt der niederländische Musiker seinen bisherigen, meist metal-lastigen Sci-Fi-Ideen den Rücken. Die Veröffentlichung ist als Rock-Oper zu verstehen, unterteilt in vier zwanzigminütige Tracks, die wiederum aus insgesamt 42 Einzelstücken bestehen. Protagonist bildet die Figur des jungen Genies, der an psychischen Problemen leidet und gleichzeitig als Wissenschaftler im Bereich der Naturgesetzte forscht. Hinzu kommen noch verschiedene Nebenrollen wie jene des Psychiaters, ein Rivale oder auch ein Lehrer. Diese sind zum Teil durch keine unbekannten Sänger/innen besetzt – beispielsweise mit Christina Scabbia von Lacuna Coil. © TiVo
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Metal - Erschienen am 17. September 2020 | Music Theories

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Metal - Erschienen am 27. August 2020 | Music Theories

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Pop - Erschienen am 13. Februar 2015 | InsideOutMusic

Was erwartet man von einem Lucassen-Release? Komplexe durchdachtes Songwriting, abwechslungsreiche Arrangements, große Melodien, Innovation und Progressivität, ein Starensemble. Abgesehen von Letzterem bietet "The Diary" all das. The Gentle Storm steht dem Hauptprojekt des Holländers, Ayreon, qualitativ in absolut nichts nach. Trotz der unübersehbaren Parallelen im Sound, insbesondere zum letzten Ayreon-Longplayer "The Theory Of Everything", macht ein direkter Vergleich wenig Sinn. Erstens ist, wie gesagt, keine komplette Riege an Vokalisten an Bord. Die vermisst man angesichts der brillierenden Anneke van Giersbergen jedoch kein bisschen. Zweitens entpuppen sich die Songs als wesentlich kompakter und griffiger als die ausufernden Opern Ayreons. Drittens herrscht eine klare Trennung zwischen reiner Akustik und elektrisch verstärktem Bombast. "The Diary" kommt als Doppelalbum daher, auf dem sämtliche Songs in zweifacher Ausführung vorhanden sind. Die erste Seite, "Gentle", präsentiert ein feingliedriges Kammerkonzert. "Storm" transferiert die Tracks ins prall gefüllte Opernhaus und lässt Zerrgitarren sprechen. Allerdings sollte man seine Erwartungen diesbezüglich etwas drosseln. So grundverschieden wie sich das zunächst anhören mag, sind die beiden Ausführungen nämlich nicht. Eine schöne Dreingabe aber allemal. Unterschiede machen sich in der durch die Instrumentierung (Drumkit statt Percussion, über weite Strecken Keyboards und Gitarren statt Streicher, Klavier und Hackbrett, Blechbläser sorgen für Epik) bedingte, wesentlich wuchtigere Basisatmosphäre von "Storm" bemerkbar. Vor allem aber in den Vocalparts. Während Anneke auf "Gentle" zarte Intimität versprüht, erklingt sie gebettet in das dichte "Storm"-Arrangement ungleich kraftvoller, stellenweise fast majestätisch. Nightwish lassen hier grüßen ("The Greatest Love"). Mit dem Zusatz, dass sich von Arjen Lucassens Kompositionskunst auch Tuomas Holopainen noch eine Scheibe abschneiden kann. Das was "The Diary" jedoch besonders herausragend macht, ist nicht "Storm". Es hat durchaus seine Berechtigung, warum auf Seite eins "Gentle" steht. "Gentle" gelingt es, den Songs all ihre feinen Nuancen zu entlocken. Verglichen damit wirkt "Storm" geradezu leblos – was es natürlich ganz und gar nicht ist. Doch erst in der Fragilität entfalten die Melodien ihre vollkommene Schönheit. Im Opener "Endless Sea" agiert Anneke über spärlicher Percussionbasis fast schon in A-capella-Manier. Aus dem Mix schiebt sich langsam eine Querflöte nach oben, die mit ihrem Solo im letzten Drittel für ein erstes Highlight sorgt. Mit Rock oder gar Metal hat "Gentle" nichts mehr am Hut. Es regieren Folk, Barock, Renaissance. Lucassen und van Giersbergen begeben sich als Entdecker in die niederländische Historie, erwecken in "Heart Of Amsterdam" mit tänzerischer Leichtfüßigkeit die Hafenstadt zum Leben und lassen gleichermaßen deren vergangene Dekadenz und Künstlerromantik auferstehen. Anneke wandert als träumerisches Naivchen durch die Gassen, erkundet sehnsuchtsvoll die "Shores Of India", gewährt der Melancholie Einlass ("Epilogue: The Final Entry"), gibt die nachdenkliche Hoffnungsträgerin ("New Horizons") und geheimnisvolle Geschichtenerzählerin ("Cape Of Storms"). Die dabei entstehenden Gesangsmelodien und offenbarte Variabilität der Townsend-Muse sind schlichtweg unvergleichlich und stehlen dem nicht minder grandiosen Schreibewerk Lucassens des Öfteren die Show. Dagegen kommt auch die geballte Stimmkraft der Ayreon-Ensembles nicht an. Eine feste Größe der "Gentle"-Rhythmusgruppe stellt der Kontrabass dar. Häufig als Ruhepol, mitunter jedoch ebenso als Taktgeber ("Eyes Of Michiel"). In dieser Rolle fühlen sich naturgemäß auch die Percussions wohl. Deren dynamische Bandbreite prägt den Verlauf der Stücke entscheidend. Manchmal setzen sie nur pointierte Ausrufezeichen, lauern im Untergrund, setzen dramaturgisch durchdacht aus oder steigern sich beständig, um dann gegen Ende einer beschwingten Ballade à la "Eyes Of Michiel" noch den treibenden Höhepunkt zu erschaffen. Darüber ergießen sich Klavierkaskaden und ekstatisches Violinspiel ("The Storm") oder aber leichte Melancholie macht sich in getragenen Streicherpassagen breit. Bisweilen beinhaltet ein Song auch von allem etwas. Im Facettenreichtum von "The Moment" beispielsweise treffen Tanzbarkeit, Tragik und Erhabenheit aufeinander. Gleichzeitig Kleinod und großangelegtes Opus hat die Musik in selbem Maße Ohrwurmpotenzial wie sie nach Aufmerksamkeit verlangt. "The Diary" ist nicht einfach nur eines von vielen Alben der Lucassen-Diskographie. Es sticht selbst aus dieser Ansammlung hochqualitativer Outputs hervor. Man kann nur hoffen, dass es The Gentle Storm nicht nur bei diesem einen Release belassen. Die Zeit wird zeigen, ob Anneke van Giersbergen und Arjen Lucassen mit "The Diary" einen neuen Prog-Meilenstein gesetzt haben. Gut möglich. © Laut