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Rush - Moving Pictures

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Moving Pictures

Rush

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​​​​​"Moving Pictures". Zwei Worte, ein Denkmal. Das 1981er-Album von Rush markiert so etwas wie die Initialzündung für den Legendenstatus, den die Kanadier in der Folge bei Fans und Musikerkollegen genießen sollten. Muckerten sie zwar vorher schon respektabel durch die Gegend und fuhren regelmäßig Edelmetall ein, sollte nach der Veröffentlichung des achten Studio-Albums nichts mehr so sein wie zuvor. Das sieben Songs umfassende Werk gilt zurecht als eines der einflussreichsten der Rockmusik. Um "Moving Pictures" richtig einordnen zu können, muss man die Diskografie der Band etwas beleuchten. Nachdem sie mit dem astreinen Prog-Schinken "2112" zu ersten Ehren gelangte, vertiefte sie in der Folge mit "A Farewell To Kings" (1977) und "Hemispheres" (1978) die Themen Science Fiction und Philosophie noch weiter. Zwei epische Stücke, die sich um ein schwarzes Loch namens "Cygnus X-1" drehten, erstreckten sich über die zwei erstgenannten Alben. Auf "Permanent Waves" strafften Rush das Songwriting mehr und mehr. Diese Entwicklung kulminiert dann in "Moving Pictures", das alle Stärken der Musiker in eine Form gießt, die danach nie wieder in dieser konzentrierten Dichte erreicht werden sollte. Um zu begreifen, mit welcher Schlagzahl Lee, Lifeson und Peart damals unterwegs waren, hier ein kleiner Einblick: Im Juni 1980 endete die Tour zu "Permanent Waves", die sie in zehn Monaten um die halbe Welt führte. Eigentlich sollte danach die Produktion eines Live-Albums anstehen, aber die Musiker fühlten sich gerade richtig in Schwung. Auf Pearts Initiative hin warfen sie sämtliche anders lautenden Pläne über den Haufen, legten ein paar Tage die Füße hoch und trafen sich bereits im Juli 1980 in den Phase One Studios in Toronto, um an neuem Material zu arbeiten. Die Ergebnisse der Tüfteleien bannten sie in gerade einmal zwei Monaten auf Band. Das ist eine Zeitspanne, in der manche Combo gerade einmal die Basics für die Gitarren auf die Kette bekommen. Was in der Kürze der Zeit entstand, zählt zum absoluten Kanon der Rock-Geschichte. Die Anzahl an Musikern, die sich nach dem Hören dieses Album inspiriert fühlte, selbst ein Instrument in die Hand zu nehmen, dürfte kaum überschaubar sein. Aber nicht nur die Songs bilden eine fast perfekte Erhabenheit ab, auch die optische Gestaltung gerät überaus gelungen. Das Cover-Artwork spielt mit den Begrifflichkeiten des Albumtitels. Bewegt wird hier nämlich einiges. Die Arbeiter, die Bilder, die daneben stehenden Zuschauer von der Schönheit der Kunstwerke, auf der Cover-Rückseite sieht man zudem eine Film-Crew die Szenerie in Bewegtbildern festhalten. Nicht zum letzten Mal spiegelt dies den Detail- und Ideenreichtum im Rush-Universum wider. Die Musik selbst führt das fort. Die drei Musiker waren schon vor Erscheinen des Albums als Könner ihres jeweiligen Metiers bekannt. Die Art und Weise, wie sie ihre Fähigkeiten in den Dienst der sieben Tracks stellen, treibt auch heute noch jedem Musik-Theoretiker Freudentränen in die Augen. Und diejenigen, die mit Taktverschiebungen und ähnlich gelagerten Begriffen aus dem Muckertum nichts anzufangen wissen, werden gar nicht bemerken, wie viel Aufwand in vier- oder fünfminütigen Songs steckt. Am Ende beglücken Rush aber beide Lager. Diejenigen, die Wert auf handwerkliche Fähigkeiten legen, dürfen analysieren, bis der Arzt kommt, der Rest bekommt wie der Wolf im Schafspelz progressive Elemente en masse untergejubelt, denen es an Eingängigkeit, Dringlichkeit und Emotionalität nicht mangelt. Fünf der sieben Nummern waren in der Rush-Geschichte essentieller Bestandteil der Live-Setlist, "Tom Sawyer" wurde gar seit Release bei jedem Konzert gespielt. Da wären wir dann auch schon bei ihrem größten 'Hit'. Hit in dem Sinne, als dass der Song zur absoluten Erkennungsmelodie des Trios avancierte. Die Eröffnungsnummer platzt mit Synthesizer und Schlagzeug über den Hörer herein. Die Synthiemelodie stammt von Geddy Lees Soundcheck-Spielereien, darum herum bauen sie einen Song, der zwar völlig ungewöhnlich vom Songaufbau wirkt, in dem sich letzten Endes aber alle Teile zu einem stimmigen Ganzen vereinen. 4/4- und 7/8-Takt inklusive. Keine richtige Strophe-Refrain-Struktur? Wer braucht so etwas, bei einem Monster von einem Lied wie diesem hier? Eben. Den Text schrieb Peart in Zusammenarbeit mit dem Autor Pye Dubois. Die Abkehr von Science Fiction und die Hinwendungen zu 'weltlicheren' Themen setzt sich auch bei "Red Barchetta" nahtlos fort. Hier lässt Peart lyrisch einfach mal seinen Spaß an der motorisierten Fortbewegung freien Lauf. Instrumental geht hier eine schöne Berg- und Talfahrt von statten, mit hübschem Zwischenteil, der von Alex' röhrender Gitarre eingeleitet wird. "Wind, in my hair, shifting and drifting, mechanical music, adrenaline surge." Aber hallo! Was neben der dominanteren Verwendung von Keyboards im direkten Vergleich zu den Vorgänger-Alben sofort auffällt: Die fette Produktion. Hier klingt alles satt ausproduziert und tight bis zum Anschlag. Fies grummelnde Bass-Lines, grazile Gitarren und über allem einmal mehr das gottgleiche Schlagzeugspiel von Neil Peart. Nicht umsonst wurde das Album 2014 wegen seiner Performance zum "greatest drumming album in the history of progressive rock" gekürt. Das Triumvirat vereint sich kongenial auch im Instrumental "YYZ". Der Beginn der genialen Fingerübung für nachfolgende Musikergenerationen basiert rhythmisch auf dem Morse-Code des Flughafens von Toronto, dem auch der Name geschuldet ist. Auch dieser Titel war Stammgast im Live-Repertoire und brachte den dreien sogar eine Grammy-Nominierung für das beste Rock-Instrumental ein. Gewonnen haben sie den Preis Zeit ihren Bestehens trotz insgesamt sieben Nominierungen nie. 1981 mussten sie sich "Behind My Camel" von The Police geschlagen geben. Ein weiterer bitterer Treppenwitz der Musikgeschichte, denn Sting und Co. konnten ihren eigenen Song nicht ausstehen. Sting selbst spielt darauf nicht einmal Bass und Stewart Copeland saß nur hinter dem Schlagzeug, weil kein anderer Drummer in der Nähe war. Und jetzt wird es an dieser Stelle einmal Zeit, den Mann zu würdigen, der bei Rush - was die instrumentellen Fähigkeiten betrifft - meist als letzter genannt wird, nämlich Gitarrist Lifeson. Selbst Geddy Lee bezeichnete seinen Kollegen einst als "one of the most underrated guitarists". Und das zurecht. Nimmt man sein Spiel mal genauer unter die Lupe, hört man erst die Feinheiten heraus, die er zum Gesamtkunstwerk Rush beiträgt. Er gehört eben nicht zu den Vertretern seiner Zunft, die mit Saitengewichse prahlen, sondern ordnet sein Können stets der Songidee unter. Zudem outet er sich als Feinmechaniker-Meister des Tremolos wie etwa "Limelight" unter Beweis stellt. Einem an sich schon wunderbaren Track setzt Alex mit seinem Solo die Kirsche auf, wenn er nach 2:35 brilliert. So viel Gefühl muss man erst einmal besitzen. Apropo "Limelight". Noch so ein Alltime-Klassiker. Klingt recht einfach gestrickt? Mag sein. Aber wer einmal versucht hat, die Taktarten zu identifizieren, die sich hier munter die Klinke in die Hand geben, dürfte schnell feststellen, dass Rush einmal mehr dem Hörer etwas an die Hand geben, das zwar simpel klingen mag. Das Arrangement hat es aber in sich. Der letzte Klassiker des Albums mogelt sich zwischen "The Camera Eye" und "Vital Signs" und heißt "Witch Hunt". Was dieses Lied an Stimmung auffährt, ist schier unglaublich. Mit 4:45 reiner Spielzeit markiert die Hexenjagd zwar nicht den kürzesten Song, wenn man jedoch das schaurig-gruselige Intro abzieht, bleiben etwas weniger als vier Minuten auf der Habenseite. Die Komplexität und Eindringlichkeit dieser Nummer rollt trotz der Kürze wie eine sich immer weiter aufbauende übergroße Wall of Sound über den Hörer hinweg. Zu Beginn erschaffen Rush eine Gruselstimmung mit Glockenspiel, zahlreichen perkussiven Einwürfen und grölenden Menschen, die wie im Fieberwahn nach einem Opfer schreien. Der Text beschreibt im ersten Teil eine aufgeheizte Stimmung, in der sich ein Mob zusammenrauft. Der zweite Teil erklärt das Ziel des Hasses und ist es wert, hier ausführlich erwähnt zu werden: "The righteous rise with burning eyes of hatred and ill-will. Madmen fed on fear and lies, to beat and burn and kill." Pearts weitere Lyrics sind dann - so traurig es klingen mag - derart zeitlos, dass es einem fast die Schuhe auszieht: "They say there are strangers who threaten us. Our immigrants and infidels. They say there is strangeness to danger us In our theaters and bookstore shelves. That those who know what's best for us must rise and save us from ourselves". Bämm! Als wäre das nicht schon heftig genug, fasst die Conclusio am Ende des Tracks alles zusammen, was den ignoranten, hasserfüllten und xenophoben Mob ausmacht: "Quick to judge, quick to anger, slow to understand. Ignorance and prejudice and fear walk hand in hand. Musik und Text verzahnen sich zu einer Einheit, die in wenigen, aber markanten Worten die ewig gleiche Dummheit der Menschen beschreibt. In der Aufzählung fehlen nun noch "The Camera Eye" und "Vital Signs". Beide Songs fallen im Vergleich etwas ab, markieren dennoch zwei Highlights des Rush-Back-Kataloges. Dass beide live kaum zum Einsatz kamen, verdeutlicht eher die Qualität des monströsen Rush-Repertoires an sehr guten Songs. "The Camera Eye" ist der letzte ausufernde Longtrack der Bandhistorie, macht aber dennoch in jeder Minute Spaß. "Vital Signs" zeigt dann, dass das Trio nie im luftleeren Raum herum musizierte. Hier finden zahlreiche Einflüsse Eingang. Die Off-Beat-Gitarren erinnern an Police, elektronische Drumpads zitieren Synthiepop und markieren einen rundum perfekten Abschluss, gibt der Sound hier doch schon klar den Weg vor, den Rush in den folgenden Jahren einschlagen sollten: sie rücken Synthies verstärkt in den Vordergrund und räumen dem melodischen Element noch mehr Raum ein. "Moving Pictures" bildet die Brücke zwischen der ambitionierten Vergangenheit und der glorreichen Zukunft.
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1
Tom Sawyer Album Version
00:04:36

Terry Brown, Producer, Recording Arranger, AssociatedPerformer - Pye Dubois, ComposerLyricist - Alex Lifeson, Guitar, AssociatedPerformer, ComposerLyricist - Geddy Lee, Bass Guitar, Vocals, AssociatedPerformer, ComposerLyricist - Neil Peart, Drums, AssociatedPerformer, ComposerLyricist - Paul Northfield, Engineer, StudioPersonnel - Rush, Producer, Recording Arranger, MainArtist, AssociatedPerformer - Robbie Whelan, Asst. Recording Engineer, StudioPersonnel

A Mercury Records Release; ℗ 1981 UMG Recordings, Inc.

2
Red Barchetta Album Version
00:06:11

Terry Brown, Producer, Recording Arranger, AssociatedPerformer - Alex Lifeson, ComposerLyricist - Geddy Lee, ComposerLyricist - Neil Peart, ComposerLyricist - Paul Northfield, Engineer, StudioPersonnel - Rush, Producer, Recording Arranger, MainArtist, AssociatedPerformer - Robbie Whelan, Asst. Recording Engineer, StudioPersonnel

A Mercury Records Release; ℗ 1981 UMG Recordings, Inc.

3
YYZ Album Version
00:04:26

Terry Brown, Producer, Recording Arranger, AssociatedPerformer - Geddy Lee, ComposerLyricist - Neil Peart, ComposerLyricist - Paul Northfield, Engineer, StudioPersonnel - Rush, Producer, Recording Arranger, MainArtist, AssociatedPerformer - Robbie Whelan, Asst. Recording Engineer, StudioPersonnel

A Mercury Records Release; ℗ 1981 UMG Recordings, Inc.

4
Limelight Album Version
00:04:19

Terry Brown, Producer - Alex Lifeson, ComposerLyricist - Geddy Lee, ComposerLyricist - Neil Peart, ComposerLyricist - Paul Northfield, Engineer, StudioPersonnel - Rush, Producer, MainArtist - Robbie Whelan, Asst. Recording Engineer, StudioPersonnel

A Mercury Records release; ℗ 1981 UMG Recordings, Inc.

5
The Camera Eye Album Version
00:10:58

Terry Brown, Producer, Recording Arranger, AssociatedPerformer - Alex Lifeson, ComposerLyricist - Geddy Lee, ComposerLyricist - Neil Peart, ComposerLyricist - Paul Northfield, Engineer, StudioPersonnel - Rush, Producer, Recording Arranger, MainArtist, AssociatedPerformer - Robbie Whelan, Asst. Recording Engineer, StudioPersonnel

℗ 1981 The Island Def Jam Music Group

6
Witch Hunt Album Version
00:04:45

Terry Brown, Producer, Recording Arranger, AssociatedPerformer - Alex Lifeson, ComposerLyricist - Geddy Lee, ComposerLyricist - Neil Peart, ComposerLyricist - Hugh Syme, Synthesizer, AssociatedPerformer - Paul Northfield, Engineer, StudioPersonnel - Rush, Producer, Recording Arranger, MainArtist, AssociatedPerformer - Robbie Whelan, Asst. Recording Engineer, StudioPersonnel

℗ 1981 Mercury Records, a Division of UMG Recordings, Inc.

7
Vital Signs Album Version
00:04:45

Terry Brown, Producer, Recording Arranger, AssociatedPerformer - Alex Lifeson, ComposerLyricist - Geddy Lee, ComposerLyricist - Neil Peart, ComposerLyricist - Paul Northfield, Engineer, StudioPersonnel - Rush, Producer, Recording Arranger, MainArtist, AssociatedPerformer - Robbie Whelan, Asst. Recording Engineer, StudioPersonnel

℗ 1981 Mercury Records, a Division of UMG Recordings, Inc.

Albumbeschreibung

​​​​​"Moving Pictures". Zwei Worte, ein Denkmal. Das 1981er-Album von Rush markiert so etwas wie die Initialzündung für den Legendenstatus, den die Kanadier in der Folge bei Fans und Musikerkollegen genießen sollten. Muckerten sie zwar vorher schon respektabel durch die Gegend und fuhren regelmäßig Edelmetall ein, sollte nach der Veröffentlichung des achten Studio-Albums nichts mehr so sein wie zuvor. Das sieben Songs umfassende Werk gilt zurecht als eines der einflussreichsten der Rockmusik. Um "Moving Pictures" richtig einordnen zu können, muss man die Diskografie der Band etwas beleuchten. Nachdem sie mit dem astreinen Prog-Schinken "2112" zu ersten Ehren gelangte, vertiefte sie in der Folge mit "A Farewell To Kings" (1977) und "Hemispheres" (1978) die Themen Science Fiction und Philosophie noch weiter. Zwei epische Stücke, die sich um ein schwarzes Loch namens "Cygnus X-1" drehten, erstreckten sich über die zwei erstgenannten Alben. Auf "Permanent Waves" strafften Rush das Songwriting mehr und mehr. Diese Entwicklung kulminiert dann in "Moving Pictures", das alle Stärken der Musiker in eine Form gießt, die danach nie wieder in dieser konzentrierten Dichte erreicht werden sollte. Um zu begreifen, mit welcher Schlagzahl Lee, Lifeson und Peart damals unterwegs waren, hier ein kleiner Einblick: Im Juni 1980 endete die Tour zu "Permanent Waves", die sie in zehn Monaten um die halbe Welt führte. Eigentlich sollte danach die Produktion eines Live-Albums anstehen, aber die Musiker fühlten sich gerade richtig in Schwung. Auf Pearts Initiative hin warfen sie sämtliche anders lautenden Pläne über den Haufen, legten ein paar Tage die Füße hoch und trafen sich bereits im Juli 1980 in den Phase One Studios in Toronto, um an neuem Material zu arbeiten. Die Ergebnisse der Tüfteleien bannten sie in gerade einmal zwei Monaten auf Band. Das ist eine Zeitspanne, in der manche Combo gerade einmal die Basics für die Gitarren auf die Kette bekommen. Was in der Kürze der Zeit entstand, zählt zum absoluten Kanon der Rock-Geschichte. Die Anzahl an Musikern, die sich nach dem Hören dieses Album inspiriert fühlte, selbst ein Instrument in die Hand zu nehmen, dürfte kaum überschaubar sein. Aber nicht nur die Songs bilden eine fast perfekte Erhabenheit ab, auch die optische Gestaltung gerät überaus gelungen. Das Cover-Artwork spielt mit den Begrifflichkeiten des Albumtitels. Bewegt wird hier nämlich einiges. Die Arbeiter, die Bilder, die daneben stehenden Zuschauer von der Schönheit der Kunstwerke, auf der Cover-Rückseite sieht man zudem eine Film-Crew die Szenerie in Bewegtbildern festhalten. Nicht zum letzten Mal spiegelt dies den Detail- und Ideenreichtum im Rush-Universum wider. Die Musik selbst führt das fort. Die drei Musiker waren schon vor Erscheinen des Albums als Könner ihres jeweiligen Metiers bekannt. Die Art und Weise, wie sie ihre Fähigkeiten in den Dienst der sieben Tracks stellen, treibt auch heute noch jedem Musik-Theoretiker Freudentränen in die Augen. Und diejenigen, die mit Taktverschiebungen und ähnlich gelagerten Begriffen aus dem Muckertum nichts anzufangen wissen, werden gar nicht bemerken, wie viel Aufwand in vier- oder fünfminütigen Songs steckt. Am Ende beglücken Rush aber beide Lager. Diejenigen, die Wert auf handwerkliche Fähigkeiten legen, dürfen analysieren, bis der Arzt kommt, der Rest bekommt wie der Wolf im Schafspelz progressive Elemente en masse untergejubelt, denen es an Eingängigkeit, Dringlichkeit und Emotionalität nicht mangelt. Fünf der sieben Nummern waren in der Rush-Geschichte essentieller Bestandteil der Live-Setlist, "Tom Sawyer" wurde gar seit Release bei jedem Konzert gespielt. Da wären wir dann auch schon bei ihrem größten 'Hit'. Hit in dem Sinne, als dass der Song zur absoluten Erkennungsmelodie des Trios avancierte. Die Eröffnungsnummer platzt mit Synthesizer und Schlagzeug über den Hörer herein. Die Synthiemelodie stammt von Geddy Lees Soundcheck-Spielereien, darum herum bauen sie einen Song, der zwar völlig ungewöhnlich vom Songaufbau wirkt, in dem sich letzten Endes aber alle Teile zu einem stimmigen Ganzen vereinen. 4/4- und 7/8-Takt inklusive. Keine richtige Strophe-Refrain-Struktur? Wer braucht so etwas, bei einem Monster von einem Lied wie diesem hier? Eben. Den Text schrieb Peart in Zusammenarbeit mit dem Autor Pye Dubois. Die Abkehr von Science Fiction und die Hinwendungen zu 'weltlicheren' Themen setzt sich auch bei "Red Barchetta" nahtlos fort. Hier lässt Peart lyrisch einfach mal seinen Spaß an der motorisierten Fortbewegung freien Lauf. Instrumental geht hier eine schöne Berg- und Talfahrt von statten, mit hübschem Zwischenteil, der von Alex' röhrender Gitarre eingeleitet wird. "Wind, in my hair, shifting and drifting, mechanical music, adrenaline surge." Aber hallo! Was neben der dominanteren Verwendung von Keyboards im direkten Vergleich zu den Vorgänger-Alben sofort auffällt: Die fette Produktion. Hier klingt alles satt ausproduziert und tight bis zum Anschlag. Fies grummelnde Bass-Lines, grazile Gitarren und über allem einmal mehr das gottgleiche Schlagzeugspiel von Neil Peart. Nicht umsonst wurde das Album 2014 wegen seiner Performance zum "greatest drumming album in the history of progressive rock" gekürt. Das Triumvirat vereint sich kongenial auch im Instrumental "YYZ". Der Beginn der genialen Fingerübung für nachfolgende Musikergenerationen basiert rhythmisch auf dem Morse-Code des Flughafens von Toronto, dem auch der Name geschuldet ist. Auch dieser Titel war Stammgast im Live-Repertoire und brachte den dreien sogar eine Grammy-Nominierung für das beste Rock-Instrumental ein. Gewonnen haben sie den Preis Zeit ihren Bestehens trotz insgesamt sieben Nominierungen nie. 1981 mussten sie sich "Behind My Camel" von The Police geschlagen geben. Ein weiterer bitterer Treppenwitz der Musikgeschichte, denn Sting und Co. konnten ihren eigenen Song nicht ausstehen. Sting selbst spielt darauf nicht einmal Bass und Stewart Copeland saß nur hinter dem Schlagzeug, weil kein anderer Drummer in der Nähe war. Und jetzt wird es an dieser Stelle einmal Zeit, den Mann zu würdigen, der bei Rush - was die instrumentellen Fähigkeiten betrifft - meist als letzter genannt wird, nämlich Gitarrist Lifeson. Selbst Geddy Lee bezeichnete seinen Kollegen einst als "one of the most underrated guitarists". Und das zurecht. Nimmt man sein Spiel mal genauer unter die Lupe, hört man erst die Feinheiten heraus, die er zum Gesamtkunstwerk Rush beiträgt. Er gehört eben nicht zu den Vertretern seiner Zunft, die mit Saitengewichse prahlen, sondern ordnet sein Können stets der Songidee unter. Zudem outet er sich als Feinmechaniker-Meister des Tremolos wie etwa "Limelight" unter Beweis stellt. Einem an sich schon wunderbaren Track setzt Alex mit seinem Solo die Kirsche auf, wenn er nach 2:35 brilliert. So viel Gefühl muss man erst einmal besitzen. Apropo "Limelight". Noch so ein Alltime-Klassiker. Klingt recht einfach gestrickt? Mag sein. Aber wer einmal versucht hat, die Taktarten zu identifizieren, die sich hier munter die Klinke in die Hand geben, dürfte schnell feststellen, dass Rush einmal mehr dem Hörer etwas an die Hand geben, das zwar simpel klingen mag. Das Arrangement hat es aber in sich. Der letzte Klassiker des Albums mogelt sich zwischen "The Camera Eye" und "Vital Signs" und heißt "Witch Hunt". Was dieses Lied an Stimmung auffährt, ist schier unglaublich. Mit 4:45 reiner Spielzeit markiert die Hexenjagd zwar nicht den kürzesten Song, wenn man jedoch das schaurig-gruselige Intro abzieht, bleiben etwas weniger als vier Minuten auf der Habenseite. Die Komplexität und Eindringlichkeit dieser Nummer rollt trotz der Kürze wie eine sich immer weiter aufbauende übergroße Wall of Sound über den Hörer hinweg. Zu Beginn erschaffen Rush eine Gruselstimmung mit Glockenspiel, zahlreichen perkussiven Einwürfen und grölenden Menschen, die wie im Fieberwahn nach einem Opfer schreien. Der Text beschreibt im ersten Teil eine aufgeheizte Stimmung, in der sich ein Mob zusammenrauft. Der zweite Teil erklärt das Ziel des Hasses und ist es wert, hier ausführlich erwähnt zu werden: "The righteous rise with burning eyes of hatred and ill-will. Madmen fed on fear and lies, to beat and burn and kill." Pearts weitere Lyrics sind dann - so traurig es klingen mag - derart zeitlos, dass es einem fast die Schuhe auszieht: "They say there are strangers who threaten us. Our immigrants and infidels. They say there is strangeness to danger us In our theaters and bookstore shelves. That those who know what's best for us must rise and save us from ourselves". Bämm! Als wäre das nicht schon heftig genug, fasst die Conclusio am Ende des Tracks alles zusammen, was den ignoranten, hasserfüllten und xenophoben Mob ausmacht: "Quick to judge, quick to anger, slow to understand. Ignorance and prejudice and fear walk hand in hand. Musik und Text verzahnen sich zu einer Einheit, die in wenigen, aber markanten Worten die ewig gleiche Dummheit der Menschen beschreibt. In der Aufzählung fehlen nun noch "The Camera Eye" und "Vital Signs". Beide Songs fallen im Vergleich etwas ab, markieren dennoch zwei Highlights des Rush-Back-Kataloges. Dass beide live kaum zum Einsatz kamen, verdeutlicht eher die Qualität des monströsen Rush-Repertoires an sehr guten Songs. "The Camera Eye" ist der letzte ausufernde Longtrack der Bandhistorie, macht aber dennoch in jeder Minute Spaß. "Vital Signs" zeigt dann, dass das Trio nie im luftleeren Raum herum musizierte. Hier finden zahlreiche Einflüsse Eingang. Die Off-Beat-Gitarren erinnern an Police, elektronische Drumpads zitieren Synthiepop und markieren einen rundum perfekten Abschluss, gibt der Sound hier doch schon klar den Weg vor, den Rush in den folgenden Jahren einschlagen sollten: sie rücken Synthies verstärkt in den Vordergrund und räumen dem melodischen Element noch mehr Raum ein. "Moving Pictures" bildet die Brücke zwischen der ambitionierten Vergangenheit und der glorreichen Zukunft.
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